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mit dem Kreis-latt für die Kreise Marburg und Kirckbain.

Sonntaasbeilaaer SUuftrfcfeä Tonntaasblatt. ®

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck mtb Verlag: Joh. Ang. Koch, UnivcrsitStSÄuchdruckerä 42. Jahrg. Marburg, Markt 21. Telephon 55,

Marburg

Donnerstag, 3. Oktober 1907.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet ver ExpÄition 2 ML, 1^0 5.19 btt «weil Postämtern 2,25 M. (excl. Bestellgeld).

**'* JnlerttouSgebnhr: die gespaltene Zeile oder derer« Raum 15 Psg.

Neclamen: die Zeile 80 Pfg.

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Das Aöouuemeut auf dieOberheffische Zeitung", das größte, meistgelesenste und weit- verbreitetste Blatt Marburgs «nd Äer Umgegend kostet vierteljährlich nur 2 25 Mk. Inserate haben beste« Erfolg.

Eineöstecreichisch-russischeRücksprache über Mazedonien.

russische Besuch an der schönen blauen ^onau, den die österreichischen Offiziösen an- als eine gänzlich harmlose Visite des jßerrn Iswolsky, des russischen Ministers für mswärtige Angelegenheiten hinzustellen such- hat in Wirklichkeit wie ganz selbstuer- Mrdlich zu vermuten war einen hochpoliti- lchrn Charakter. Dag gerade letzt in der Brust hs Herrn Zswolsfi) die Sehnsucht nach einem P!-s*^rstündchen mit seinen« Kollegen Frhrn. 70. A'.cheenthal erwachte, dürfte- wohl weniger dem Jntere^e des Russen für die Person des Vsterleichi'ch-n Staatsmannes, als vielmehr dem Bestreben zuzustbrciben fein, tz-rch ein kleines dipl? natisches C«.,austück den --cht ganz befrie­digenden Eindruck zu verwischen, den vtxllelcht in St. Petersburg das jüngst abgeschlosiene bri- ckisch-russische Abkommen hervorgerufen hat. Wie dem aber auch sei, Herr Iswolsky hat in Wien hnit dem Baron v. Aehrenthal eine längere Kon­ferenz gehabt, die zu einem völligen Einver­ständnis geführt zu haben scheint. Als Unter­haltungsstoff diente dabei vornehmlich das alt- öeliebte ThemaDie Lage auf dem Balkan", insbesondere das ewige Wirrsal in Mazedonien, das vermutlich russtscherieits nicht ganz ungern gesehen, sondern vielmehr im Stillenfreund­lich" gefördert wird.

Ueber das Ergebnis der Unterredung be­richtet eine Note des Wiener Correspondenz- Bureaus, der folgendes zu entnehmen ist:

Um das Werk der Pazifikation in Maze­donien zu erleichtern und die zahlreichen Schwie­rigkeiten zu beseitigen, die sich ihm entgegen­setzen, haben sich die beiden Minister nunmehr über eineDemarche" geeinigt, mit welcher ihre Vertreter in den Valkanstaaten betraut sind. Der Zweck dieses Schrittes, welcher ohne Verzug zur allgemeinen Kenntnis gebracht werden soll, ist, einer irrtümlichen Interpretation des Ar­tikels 3 des Mürzsteger Programms ein Ende zu machen und dadurch den Agitatoren jeden Vor­wand zur Entfachung des Kampfes zwischen den christlichen Nationen Mazedoniens zu nehmen. Die Vertreter Oesterreich-Ungarns und Ruß- lands in Athen, Belgrad und Sofia haben fol­gende Weisungen erhalten:

Der blutige Kampf zwischen den christlichen Nationalitäten, besten Schauplatz in den letzten Jahren Mazedonien ist, mußte notwendiger» weise die ernste Aufmerksamkeit der an dem Reformwerke beteiligten Mächte auf sich lenken. Seit einiger Zeit haben die ursprünglich gegen die ottomanische Regierung operierenden christ­lichen Banden ihre Richtung geändert und ihre

$4 «Nachdruck verboten.),

In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

(Fortsetzung).

Die Umstände waren mir außerordentlich günstig. Wenige Minuten nach meiner An­kunft war die ganze Stadt in Aufregung; man suchte nach einem verschwundenen Mädchen mit braunem Haar, wie meine Elisabeth auch be- besessen hatte nach Ihnen, Fräulein von Kauffel. Alle Nachforschungen, die Ihnen galten, mußten auch sie lebend oder tot ans ?'age licht bringen. Ich brauchte keine Hand arum zu rühren.

!>, der gräßlichen Tage und Nächte, die ich «ruf den Wanderungen, die ich in meiner Unrast Mternahrn, verbrachte! O, des entsetzlichen, niederschmetternden Anblickes, als ich an der Midlich gefundenen, grausig verstümmelten Leiche .meiner Tochter stand!"

Sie haben sie erkannt?" rief Gertrud, U

'AUf den ersten Blick."

Und Sie konnten schweigen?"

Rings um mich nannte man die Tote Eer- trill» von Kauffel. Vielleicht täuschte ich mich doch. Weshalb vorzeitig meine Schmach ver- iünöen. Ich konnte dann wenigstens noch fgmeigen, bis Gertrud von Kauffel die in diesem Falle ja leben mutzte, zum Vorschein ge­kommen war."

Wie schrecklich, wie schrecklich!" tief Ger­trud händeringend,wußten Sie denn nicht, daß Die durch Ihr Sckweiaen die furchtbarste Be-

terroristische Tätigkeit gegen die Christen selbst gekehrt, um sie zu zwingen, ihre Nationalität und ihre Religion aufzugeben und jene anzu­nehmen. für welche die Banden eintreten. Zahl­reiche Symptome, vor allem die ausdrücklichen Kundgebungen der revolutionären Komitees und der Balkanpreste, scheinen zu zeigen, daß diese verbrecherische Bewegung mindestens zum Teil durch eine irrtümliche, aber leider sehr ver­breitete Interpretation des Artikels 3 des Mürzsteger Prsgramms hervorgerufen worden ist, welcher lautet:Sobald eine Beruhigung des Landes festgestellt sein wird, ist von der otto- manischen Regierung eil« Aenderung in der territorialen Begrenzung des Verwaltungsbe­zirkes im Sinne einer regelmäßigeren Gruppier­ung der verschiedenen Nationalitäten zu ver­langen." Indem die revolutionären Komitees die Angriffe gegen die ottomanische Regierung aus ihrem Aktionsprogramm ausjchlosten und an ihre Stelle die nationale Rivalität setzten, handelten sie offenbar in der Absicht, die Terri­torien ihrer Sphären zu erweitern, in der Hoff­nung, daß diese Ausdehnung dann auch viel mehr künstlich als durch Gewalt erzwungen, aus dem freien Entschluß der Bewohner ent­springend, seiner Zeit als Grundlage für die im Artikel 3 des Mürzsteger Programms vor­gesehene territoriale Abgrenzung dienen und die Sanktion der Ententemächte erlangen kön­nen. Ohne zu untersuchen, ob dieses Mißver­ständnis in gutem Glauben entstanden ist oder nicht, halten es die Kabinette von Wien und St. Petersburg für notwend-z, ein für alle Ma! folgendes fesizustellen^

1. Veränderungen in der territorialen Ab­grenzung der Verwaltungsbezirke können der Hohen Pforte nach dem Text des dritten Punk­tes des Mürzsteger Programms erst nach Fest­stellung der Beruhigung des Landes angeraten werden. 2. Der Artikel 3 ist irrtü-mlicher Weise in dem Sinne interpretiert worden, daß die Ententemächts die Absicht hatten, gewissermaßen zu einer Teilung des Landes nach nationalen Sphären zu schreiten. Insbesondere diese Idee scheint die Aktion der Banden geleitet zu haben, welche darauf abzielen, die künftige Sphäre ihrer Nationalität zum Nachteile der anderen Raffen möglichst cmszrHehnen. Bei diesem Stand der Dinge halten es die Ententemächte für ihre Pflicht, zu erklären, daß sie niemals die Absicht hatten, der Hohen Pforte die Schaff­ung von nationalen Sphären in Mazedonien anzuraten, und daß die Vsstimmungen des Ar­tikels 3 des Mürzsteger Programms nur auf eine verhältnismäßig geringfügige Aenderung zum Zwecke der Erleichterung der Tätigkeit der Lokalbehörden abzielklckc. Die Abgrenzungen, welche die Ententemächte im Auge haben, wel­ches immer ihr Charakter oder ihre Ausdehnung fein möge, wird in keinem Falle auf den Glau­ben einer nationalen Verschiebung Rücksicht nehmen können, welche die terroristische Tätig­keit der Banden hervorgerufen haben würde. Diese wird sich vielmehr auf den Grundsatz des Status quo ante und auf ernste, unparteiische lokale Erhebungen stützen müffen. Zum Schluß werden die österreichischen Gesandten in Sofia, Belgrad und Athen aufgefordert, im Ein­vernehmen mit den russischen Kollegen, sich dem

schuldigung gegen einen Schuldlosen unter­stützten?"

Ich wußte es. ich kämpfte schwer, aber ich unterlag. Mein Stolz 6**26 Sieger.

O, V-9 ist unverzeihlich!"

Ich ha6e schwer ge6üßt. Sehen Sie mich an, ich bin ein Fünfziger," antwortete er.

Sie konnte sich trotz ihres gerechten Un­willens des Mitleids nicht erwehren; er hatte das Aussehen eines Siebzigers.

Ich 6in mit nach Hannover gereist und ha6e auf dem Kirchhof der prunkvollen Bestattung meines armen Kindes beigem o?,nt," fuhr er fort. Dann kehrte ich nach Berlin zurück und gad dort vor, meine Tochter sei für längere Zeit zu einer Freundin, die sie in der Pension kennen gelernt, nach England gereift. Man glaudte inir, denn man fand es sehr begreiflich, daß wir uns getrennt hatten; unsere Zerwürfnisse waren nicht unbekannt geblieben. Mit der größten Aufmerksamkeit verfolgte ich dabei die Entwicklung der Dinge in Eutin, soweit die Zeitungen darüber berichteten."

Und hätten Sie auch geschwiegen, wenn man Eltester verurteilt hätte?" fragte Gertrud.

Nein!" rief der Ministerialrat aufsprin­gend.Meine Anwesenheit bei der Gerichts­verhandlung gibt Ihnen den Beweis, dafür. Wären Sie nicht gekommen, so würde ich, ehe die Geschworenen ihren Spruch gefällt hatten, vorgetreten sein und die Wahrheit bekannt haben."

In zwölfter Stunde," fagte Gertrude vor­wurfsvoll ;0, Sie haben eine schwere Schuld auf sich geladen!"

Ja, das habe ich," gab er zerknirscht zu, ihr ganzer Umfang ist mir erst während der

Minster des Aeußern auszusprechen und ihn er­suchen zu wollen, dieser Erklärung zu einer mög­lichst großen Publizität zu verhelfen und da­durch zur Beruhigung der rivalisierenden Natt- onen beizutragen.

Die gemeinsame Erklärung Oesterreich-Un­garns und Rußlands wird ja wohl ihren Ein­druck in Belgrad, Sofia und Athen nicht ver­fehlen und die dortigen Regierungen für die nächste Zeit veranlassen, ihre Untertanen von der Beteiligung an den Bandenumtrieben in Mazedonien zurückzuhalten. Fragt sich nur, wie lange die Wirkung deskalten Wasser­strahles", wie die obige Note der beiden Mächte in der Presse bezeichnet wird, andauert! Wie diePolitische Korrespondenz" noch weiter meldet, wurde die Mitteilung, welche die diplo­matischen Vertreter Oesterreich-Ungarns und Rußlands in Athen, Belgrad und Sofia den betreffenden Regierungen bezüglich der Ban- denbewegung in Mazedonien machten, gleich­zeitig den Signatarmächten des Ber­liner Vertrag es zur Kenntnis gebracht. Ferner erhielten die Zivilagenten Oesterreich- Ungarns und Rußlands in Mazedonien hier­über eine Verständigung.

Deutsches Reich.

Der Reichskanzler Fürst Bülow mit Ge­mahlin traf nach Meldung derNordd. Allgem. Ztg." am Montag nachmittag in Altona ein und begab sich nach Kleinflottbeck, um im Parkhotel Wohnung zu nehmen. Wie von anderer Seite berichtet wird, hat sich Fürst Bülow in der Nach­barschaft der v. Rücker-Jenischschen Villen in Hamburg Besitzung gekauft, um hier seinen dauernd n Wohnsitz zu nehmen, wenn er ein­mal aus einet amtlichen Stellung zurückgetre­ten fein sollte.

r Zum Heimgang des Erotzherzogs Fried­rich I. Karlsruhe,!. Okt. Der Großherzog ordnete für die Offiziere der badischen Truppen­teile eine sechswöchige Trauer an bis einschließ­lich zum 9. November. Drei Wochen ist tiefe Trauer zu tragen. Bis zur erfolgten Beisetzung am 7. Oktober flaggen die Militärdienstgebäude auf Halbstock. Bei der Ueberführung der Leiche am Mittwoch, 2. Okt., über Basel nach Karls­ruhe, durchfährt der Eisenbahnzug die Stand­orte in langsamer Fahrt. Die Truppen stehen (die Berittenen zu Fuß) an der Bahn oder in der Nähe des Bahnhofes in Paradeanzug und salutieren bei Ankunft des Zuges. Berlin, 1. Okt. Namens der in Berlin anwesenden Ver­treter des Bundesrates hat der Staatssekretär des Innern, Staatsminister Dr. von Bethmann- Hollweg auf der badischen Gesandtschaft das Beileid anläßlich des Ablebens des Eroßherzogs von Baden ausgesprochen. Es ist anzunehmen, daß der Bundesrat bei feiner am 3. Oktober stattfindenden ersten Sitzung nach der Sommer­pause einer Trauer feierlichen Ausdruck geben und eine Abordnung zu den Trauerfeierlich­keiten entsenden wird. Auch das gesamte Präsidium des Reichstags, Präsident

Verhandlung klar geworden, und darum bin ich gekommen, Ihre Vergebung zu erflehen."

Er wollte ihr zu Füßen sinken. Sie wehrte ab, es war gar zu entsetzlich, den alten gebrech­lichen Mann, über denen eingefallene Wangen jetzt Tränen rollten, sich so demütigen zu sehen.

Ihnen und Herrn Eltester meine Besuche abzulegen, bin ich gekommen," fuhr er fort.

Er ist verreist, ich will ihm alles mitteiten; es ist ja nun vorbei," sagte Gertrud abwehrend.

Doch nicht, was was soll aus meines armen Kindes Leiche werden?" fragte er.

Ich weiß es nicht."

Sie können ste nicht in dem Gewölbe las­sen," fuhr er fort,aber seien Sie barmherzig, gönnen Sie der Unbekannten ein Grab auf dem Friedhof."

Sie wollen sich auch jetzt nicht zu ihr be­kennen?" fragte Gertrud erstaunt.

Lasten Sie das Geheimnis zwischen mir und Ihnen und Ihrem Verlobten bleiben. Wozu mit den Gebeinen der Armen ihre Verwirrun­gen auch noch einmal hervorzerren? Betten wir sie still in den Schoß der Erde; ich habe meinen Abschied eingereicht und will den Rest meiner Tage verleben als Hüter des Grabes der Unbekannten, in ihrer Nähe soll man mir auch die Ruhestätte bereiten."

Gertrud vermochte dem Unglücklichen die Bitte nicht abzuschlagen. Was er auch gegen sie und Georg gesündigt hatte, die auf seinem Ge­sicht eingegrabene Schrift verkündete, was er gelitten hatte, und daß sein Erdenwallen nur von kurzer Dauer noch sein werde.

Es fei, wie Sie wünschen," sagte ste. Er ergriff ihre Hand und preßte ste an seine Lip- J>e«, dann entfernte er sich eilig - e

Dr. Graf zu Stolberg-Wernigerode, sowie die Vizepräsidenten Dr. Paaschs und Kacmpf wer­den sich in Begleitung des Direktors beim Reichstage, Geh. Rechnungsrat Jungheim, z» den Beifetzungsfeierlichkeiten nach Karlsruhe begeben.

Dernburgs Afrikareife, lieber die Ver­handlungen Demburgs mit den Ansiedlern ist Wilhelmstal in Ufambara meldet derB. L.- Anz.": In der so wichtigen Arbeiterfrage ist der Bezirk Wilhelmstal den anderen Bezirken durch Ausgabe von Arbeitskarten seitens des Bezirks­amtes etwas voraus. Durch diese Karten sind die Eingeborenen genötigt, 90 Tage im Jahre für irgendeinen Europäer zu arbeiten, wodurch sie von Arbeiten durch das Gouvernement be­freit werden. Gouverneur v. Rechenberg ver­sprach, daß diese Einrichtung bestehen bleibeU solle. Verschiedene Punkte der Tagesordnung versprach der Staatssekretär ernstlich in Er» roägung ziehen zu wollen. Im Ganzen schienest die Ansiedler von der Besprechung befriedigt zst sein. Die Expedition ist nach dem Schume- Wald abmarschiert. Am Dienstag, den 1. Ok­tober, sollen die Pangani-Fälle besichtigt werden. _ '

Dernburgs Ostafrikafahrt. Tanga, L Okt. Staatssekretär Dernburg ist nach anstren­gender Tour vom Schumewald hierher zurück- gekehrt und empfing morgens eine Abordnung von Pflanzern aus Ufambara, sowie Eesuch- steller aus Tanga. Abends fährt der Staats­sekretär mit dem Eouvernementsdampfer nach Tangani und Sadani ab.

Das Reichsmarineamt hat den Bau des großen PanzerkreuzersF", der mit auf der Werft herzustellenden Turbinen ausgerüstet wird, der Firma Blohm u. Voß übertragen.

Reichsvereinsgefetz. In dem Entwurf eines Reichsvereinsgesetzes, den der Staats­sekretär des Innern Herr v. Bethmann-Hollwez in der kommenden Seffion dem Reichstage vor- legen wi'd, ".ad-ck sich, nach demB. T.", die ein­schränkend ..ausel, daß Versammlungen, in denen in einer fremden Sprache verhandelt wird, einer schärferen polizeilichen Kontrolle unterliegen sollen. Bei solchen fremdsprachigen Versammlungen wird künftig nicht nur die An­meldung, fonK die ausdrückliche Genehmig­ung seitens der Ortspolizeibehörde gefordert werden. Es ist ^.^verständlich, daß sich dieser Paragraph in erster Linie gegen die polnischen Versammlungen richten würde.

Der 8. deutsche Mietertag, welcher Ende voriger Woche in Steglitz tagte, faßte folgende Resolution:Die Mietervereine müßten die Öffentlichkeit immer von neuem darauf Hin­weisen: 1) daß die Wohnungsfrage auch heute noch ein größtenteils ungelöstes Problem ist, 2) daß von der Gestaltung des Wohnungswesens die Gesundheit, die geistig-stttliche Kultur und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Volkes ruf das wesentlichste mitbestimmt wer­den, 3) daß nur durch ein planmäßiges Zusam­menarbeiten von Reich, Staat, Gemeinde und». Privatorganisationen eine wirklich besriedi-

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Wenige Stunden später öffnete sich in stiller Abendstunde das Kauffelsche Grabgewölbe au| dem Kirchhof in Hannover von neuem. Des Sarg, von dem man die Platte mit der In­schrift entfernte, ward hinausgetragen und i« ein bereits vorher bereitetes Grab gesenkt. 9hi< ein alter Herr, den niemand kannte, wohnt« diesem eigenartigen stillen Umzuge bei.

Ueber dem mit Efeu umsponnenen Hügel er­hob sich in der Folge ein einfaches Kreuz mit der Inschrift:Aus dem Kellersee gezogen am 10. Juli 1880.

Der Platz, von welchem der Sarg entfern} worden war, blieb im Kauffelschen Erbbegräb­nis nicht lange leer. Als der nächste Frühling ins Land kam, senkte man einen anderen ein, der aus weiter Ferne, aus dem sonnigen Süden gekommen war und Melittas sterbliche Hülle barg. Sie hatte nicht lebend nach Deutschland zurückkehren, hatte überhaupt nicht mehr leben" mögen. Ihre bequeme, nur auf Wohlbehagen gestimmte Natur, welche sich das Leid und die Widerwättgkeiten dieser Erde mit aller Gewalt fernzuhalten suchte, konnte und wollte diese Wi­derwärtigkeiten nicht ertragen, als sie nun doch unaufhaltsam über sie hereingebrochen waren.

Von Seraphine begleitet, war Gertrud z« ihr gereift, sobald der Arzt ihr diese Anstreng-' ungen nur gestattet hatte. Treu und selbstlos hatte sie auf ihrem Posten ausgeharrt, auch nachdem ihre Begleiterin sie roiebet verlasse« hatte, um, den Bitten Dorns nachgebend, nach Segefeld zurückzukehren, mit ihm Hochzeit zn feiern und ein glückliches, trauliches Leben fie Forsthaufe zu beginnen. ,

<Echlutz folgt.)