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Erstes Blatt

Fiir das neue

4. Quartal

Der -«Mische Teil Ml

52

dem

zur Brüsseler Konvention zu äußern haben. SRaW; kann nach den Stimmungen in den Interessen« tentreisen wie in einzelnen Parteien sicher sei«, daß sich hierbei recht eingehendeZucker"« debatten entwickeln werden. Sodann dürste ein neuer auf die Handelsbeziehungen- Deutschlands zu England bezüglicher Gesetzentwurf im Reichstage zur Beratung und Beschlußfassung gelangen. Am 31. Dezember d. I. läuft nämlich die durch Gesetz dem Bundes­rate erteilte Ermächtigung der Behandlung eng­lischer Provenienzen auf dem Meistbegünstig« ungsfuße ab. Es ist als ziemlich sicher anzuneh­men, daß das handelspolitische Provisorium, das dergestalt zwischen dem Deutschen Reiche und Großbritannien sowie den meisten seiner Kolo­nien schon längere Zeit bestanden hat und viel­fach erneuert ist, auch diesmal verlängert wer­den wird. Wenigstens ist nichts verlautbart, was auf eine Aenderung deuten würde. Es wäre sonst auch sicherlich der Wirtschaftliche Aus­schuß zur Vorberatung von Handelsverträgen in Tätigkeit gesetzt worden. Von letzterem Gesetz­entwurf würde es gewiß, vom ersteren mehr als wahrscheinlich sein, daß er bald nach dem Wie­derzusammentritt des Reichstags diesem unter­breitet werden wird. In beiden Fällen wird Wert auf eine möglichst baldige Verabschiedung zu legen sein, weil einmal zu Beginn des näch­sten Kalenderjahres eine neue Ermächtigung für den Bundesrat zur Behandlung englischer Pro- venienzeir auf dem Fuße der Meistbegünstigung vorliegcn muß und sodann die Ratifikationsu«.-, künden über die neue Brüsseler Zuckerkonven­tion bis zum 1. Februar 1908 in Brüssel hinter­legt sein müssen. Ob der Reichstag vor eine wei­tere handelspolitische Entscheidung, nämlich vor die Beschlußfassung über . einen deutsch- dänischen Handelsvertrag gestellt wer­den wird, hängt in erster Reihe von der Entwick­lung der dänischen autonomen Zolltarifverhält­nisse und von der Annahme des neuen Zolltarifs durch die erste dänische Kammer ab. Hier drän­gen aber keine Termine zu einer Beschleunigung. Schließlich wird auch eine han8elspolitische Ent­scheidung zu fällen sein, bei der der Reichstag nicht mehr mitzuwirken hat. In den schon am 1. März 1906 in Kraft getretenen neuen Han­delsverträgen gibt es immer noch einzelne Be­stimmungen, deren Durchführung aussteht. Dazu gehört auch eine, die sich im d e u t sch - s ch w ei« zerischen Handelsverträge befindet. Dieser Vertrag enthält einen Anhang. In ihm gibt namens des schweizerischen Bundesrats der Bundespräsident folgende Erklärung ab:Trotz der Bindung der Zollfreiheit, welche in dem zwi­schen den beiderseitigen Unterhändlern in Lu-

Der wirksame Erfolg aller Aa-

biete.' der innere« «nd'aüswSttigk« Polrtir, deren Fragen von echt natiü- nalem, im besten Sinne konservattym, aber, wo es angebracht ist auch frei­mütigem Standpunkte behandelt werden.

Deutsches Reich.

Wichtige handelspolitische Fragen harren gegenwärtig der Entscheidung. Zu diesen ge­hören zunächst solche, die demnächst den Reichs­tag beschäftigen werden. Dies ist sicher der Fall auf zwei handelspolitischen Gebieten. Einmal wird sich der Reichstag, wie an anderer Stelle schon ausgeführt wurde, über den Zusatzantrag

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck Md Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversitAS-Buchdruckerü 42.

Marburg, Markt 21. Telephon 55. w

Marburg

Dienstag. 1. Oktober 1907.

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Die Untersuchung gegen Melnik war Amtsrichter von Reutern nicht übertragen wor­den. Der Direktor seines Gerichtes gab ihm

ziemlich unumwunden zu verstehen, er hätte sich Georg Eltester gegenüber allzu sehr von vor­gefaßten Meinungen leiten lassen und habe da­bei mancherlei Umstände nicht beachtet, die, wenn man ihnen die gebührende Bedeutung beigelegt hätte, vielleicht zu einem anderen Er­gebnis geführt haben würden.

So empfindlich ihn der Vorwurf traf, um so empfindlicher, da er ihn als völlig gerechtfer­tigt- anerkennen mußte, gewährte es ihm doch eine Erleichterung, Melnik nicht in der Eigen­schaft des Richters gegenüber stehen zu müssen^

Melnik machte dem Kollegen Reuterns, oern nun diese Aufgabe zufiel, dieselbe leichter, als der Richter sich vorgestellt hatte. Hatte er sich schon bei der Verhaftung als Spieler bezeichnet, der die Partie verloren habe und deshalb be­zahle« müsse, so schien er sich jetzt in der Rolle dessen zu gefallen, der alle seine Karten offen auf den Tisch wirft, da doch nichts mehr zu retten ist.

Aus seinen Erzählungen, denn mehr in der Gestalt von solchen, als in der Form von Fra­gen und Antworten legte er seine Geständnisse ab, ging hervor, daß er das Vermögen seiner Frau am Spieltisch und auf den Rennplätzen verschleudert hatte. Schon beim Tode des Ge­heimrats von Kauffel war ein großer Teil der ihm zugefallenen Erbschaft in die Hände von Wucherern geflossen, dis auf diese Aussicht hin immer offene Kassen für ihn gehabt hatten. Er war bald genug mit dem Rest fettig gewesen und jenen Wucherern von neuem in dis Hände gefallen, welche nun auf das Vermöge« der Schwiegermutter hin neue Vorschüsse leisteten.

fischen Jndusttte noch ausschließlich die Absatz­märkte für die gewerblichen Erzeugnisse Erotz- btttanniens. Aber der Besitz dieser Kolonien hat die Erzeugnisse und Bedürfnisse der überseeischen Länder in England bekannt gemacht, hat die Grundlagen geschaffen für ein dauerndes Inter­esse an überseeischen Unternehmungen und ist dadurch zum Ausgangspunkt zunächst der wirt­schaftlichen, dann der politischen Entwicklung Großbritanniens geworden. In England hat man rechtzeitig erkannt, daß noch so billige Pro­duktionsländer, wenn ihren Erzeugnissen nicht rn der Produktion eigener Kolonien ein gewisses Gegengewicht geboten werden kann, eine Gefahr für die Industrie des eigenen Landes nicht aus­schließen, wenn diese, was beispielsweise von der deutschen Textilindustrie gegenüber der ameri­kanischen Baumwollproduktion gilt, ganz und gar von ausländischen Lieferanten abhängig ist. Wenn aber infolge starker Verteuerung des Roh­materials der Wettbewerb auf auswärtigen Märkten erschwert wird und der Absatz stockt, ist auch die beste Vorbedingung für die Gewährung höherer Löhne an die industrielle Arbeiterschaft einfach nicht vorhanden.

Es ist also eine offenbare Verdrehung der Tatsachen, wenn der Kolonialbe- sitz als unnötig oder gar als eine unver­antwortliche Belastung des nationalen Budgets hingestellt wird. Das Gegenteil ist richtig. Es ist zwar erfreulicherweise nicht zu erwarten, daß die Erträge der deutschen Kolonialwirtschaft je­mals den Anforderungen der hoch gesteigerten gewerblichen Tätigkeit in Deutschland genügen. Aber die koloniale Produktion kann und soll einmal so entwickelt wer­den, daß sie sich für wertvolle Ge­biete des deutfchen Wirtschafts­lebens .die gegenwärtig bestehende und die Wettbewerbsfähigkeit empfindlich einschränkende Ab­hängigkeit von ausländischen Pro- duktionsgebiet«« mildert und er­träglich macht. Dieses Ziel kann bei tüch- ttger und gewissenhafter Arbeit und rechtzeitiger Bereitstellung der erforderlichen Mittel, die ge­wissermaßen als Anlagekapital hergegeben wer­den müssen, sicher erreicht werden, und es wird erreicht werden, wenn nicht mit, dann eben ent­gegen der Zustimmung und Mitarbeit der neun­mal weisen Sozialdemokratie.

Hilfe er nun von einem dunklen Ehrenmann in Berlin, welcher auch die anonymen Briefe an Gertrud verfaßt hatte, jene Georg so schwer kompromittierenden Briefe anfertigen ließ. Eine Schauspielerin von einem Vorstadttheater spielte in einer zu diesem Zwecke für ein paar Tage gemietete möblierte Wohnung dem Konsul Bauer die verratene Geliebte täuschend genug vor. Bauer war um so leichter in die Falle ge­gangen, da ibm die Sache im Grunde recht gut paßte. Als Stellvertreter von Gertruds Vater fühlte er sich verpflichtet, in dessen Sinn zu han­deln, und er wußte, daß der stolze Geheimrat nie seine Einwilligung zur Heirat mit dem- Försterssohn gegeben haben würde.

Wie Melnik der schlau ersonnene Streich 6et; dem Konsul geglückt war, gelang er ihm auch bei Eerttud in einer Weise, wie er kaum zu hoffen gewagt hatte. Das stolze Mädchen arbeitete ihm' selbst in die Hände, indem sie die Briefe ver­brannte. die möglicherweise doch einmal unbe­queme Zeugen gegen ihn hätten werden können. Sie brach auch in schroffster Weise mit ihrem Verlobten, wich allen seinen Annährungsver- suchen aus und nahm sich den Kummer schwer zu Herzen. Wie er Eettrud kannte, war diese Erfahrung hinreichend, um sie zu dem Entschlüsse zu bringen, nie einem Manne die Hand zu reichen. Es war aber auch sehr möglich, daß der Schmerz, den sie stolz und verschlossen in ihrem Busen trug, sie vorzeitig aufrieb.

Zu diesen Hoffnungen gesellte sich freifich die Befürchtung, sie könne sich doch wieder mit Eltester verständigen; er wußte geschickt ihr den Groll gegen ihn zu nähren, er schlich ihr nach, wenn sie im Walde spazieren ging, um auszu­spionieren, ob sie doch vielleicht mit ihm zusam­mentreffe: er war mit allen Kräften bemüht, sie Von ihren Waldspaziergängen abzuhalten, frei­lich ohne Erfolg. >

Saß er ihr bei Tisch gegenüber, so beobachtete er, ob sie oder die Speisen an sich vorüberge­hen ließ, er spähte in ihrem Gesicht, ob noch kein Zeichen des Verfalls sichtbar würde, er sah ihr nach, ob ihr Eqng nicht »eniger Müsch fei, als

Der Inhalt -er Mn«, reichhaltig und trügt den Lesebedürf- mssen und Interesse« aller Volks- schichte« Rechnung. Der bessere« und plelsntigen Ausgestaltung wird fottgefrht die größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Dfr Nachrichtendienst

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Sozialdemokratie u. Kolonialpolitik.

. Der englische Kriegsminister Haldane scheint ern ebenso genügsamer wie phantasiebegabter Herr zu sein. In Liverpool hat er sich nämlich bei einem Besuch der dottigen Baumwollbörse zu einem Dithyrambus auf die Zukunft der britischen Ration begeistern lassen. Nachdem er in einer längeren Ansprache die Bedeutung der britischen Besitzungen Indien, Aegypten, Nige- rien usw. für den englischen Baumwollhandel ge­würdigt hatte, sagte der Minister:Aber hier ist das Herz des Reiches. Der Schlüssel des Rei­ches ist nicht in Indien, nicht in Aegypten und nicht in Afrika, er liegt in Großbritannien, in diesen kleinen Eilanden. Der Anblick vereinig­ter Kraft und Betriebsamkeit, den mir das geschäftliche Leben dieser Börse geboten hat, überzeugt mich mehr und mehr, daß wir nicht alt sind als Nation, sondern daß wir noch jung sind und daß mannigfache Möglichkeiten, die sich ver­wirklichen lassen, in unserem Bereich liegen."

Niemand wird dieser Ansicht, wenn sie auch etwas überraschend vorgetragen wird, eine ge­wisse Berechtigung versagen wollen; niemand wird aber auch leugnen können, daß Mr. Hal- dane, indem er auf den Kolonialbesitz und den Ueberseehandel hinwies, die Voraussetzungen, die unerläßliche Voraussetzung für die heutige Wohlfahrt und Weltstellung der britischen Na­tion genannt Hai. Auf den sozialdemokratischen Parteitagen in Stuttgart und Essen hat wieder die Anschauung den Sieg davongetragen, daß vom sozialdemokratischen Standpunkt aus jede Kolonialpolitik zu verwerfen fei, und in der ersten Nummer einer Artikelserie überProle- tattat und Kolonialpolittk", die Schlimmes er­warten läßt, stellt sich das Zentralorgan der so­zialdemokratischen Partei Deutschlands auf den Standpunkt, daß man für den billigen Bezug von gewerblichen Rohstoffen der Kolonien nicht bedürfe und daß dem Bedürfnisse einer Erwei­terung des Absatzmarktes besser als durch die Er­schließung überseeischer Märkte durchGewährung höherer Löhne an die Arbeiterbevölkerung des eigenen Landes, im Ton des Vorwärts vulgo Proletariat", genügt werde. Diese Auffassung ist nicht nur kindisch, sie ist falsch und zwar so falsch, daß nicht einzusehen ist, wie sie von einer Partei, die nach Bebel stets diebesseren Gründe" für sich in Anspruch nimmt, vertreten werden kann. Was wäre England heute unter seinen Kolonien? Sicherlich nicht der kommer­zielle und finanzielle Mittelpunkt unseres Welt­körpers, sicherlich nicht die Beherrscherin der wichtigsten Meere und Meeresstraßen, sicherlich nicht die mächtigste und nach Maßgabe der Verbreitung ihrer kulturellen Eigenart, ihrer Sprache, der Durchsetzung ihrer polittschen und wirtschaftlichen Bestrebungen die zukunftsreichste Natton. Gewiß sind die britischen Kolonien weder ausschließlich die Bezugsländer der eng-

Als auch dieses nach Frau Kauffels Tode ver­braucht war, zeigten sie sich bereits schwieriger und stellten immer härtere Bedingungen. Mel- niks Lage ward nach und nach eine mißliche, er änderte aber nichts an seinem bisherigen Leben, spielte und wettete vielmehr noch wilder, in der Hoffnung, große Gewinne einzuheimsen. Das gelang ihm auch ein paar Mal, aber wie ge­wonnen, so zerrann das Geld auch wieder. Wah­rend der Zeit, als feine Familie sich auf dem Eodenberge aufhielt, hatten sich die Verlegen­heiten so gesteigert, daß er nicht mehr aus noch ein wußte.

Unwillkürlich und doch sehr folgerichtig hat­ten sich seine begehrlichen Blicke dem Vermöge« der Schwägerin zugewendet. Während er ver­armte, ward sie immer reicher, denn sie ver­brauchte bei ihrem bescheidenen Leben nur einen verhältnismäßig geringen Teil ihrer Einkünfte. Wie aber an dieses Geld gelangen? Wäre Gertrud großjährig gewesen, so hätte er sich wohl die Geschicklichkeit zugetraut, ihr durch Melitta nach und nach große Summen ablocken zu lagen, aber vom Konsul Bauer, ihrem Vormund, war nichts herauszubekommen. Und ehe sie die freie Verfügung Über ihr Vermögen erlangt hatte, war sie höchstwahrscheinlich schon verheiratet!

Melniks Sinnen und Trachten war nun da­rauf gerichtet, Gertrud am Eingehen einer Ehe zu hindern, und bis zu ihrer Eroßjähttgkeit de« Schein aufrecht zu erhalten, als sei er noch immer ein reicher Mann. Mit Hilfe des Spiels und der Geldverleiher, die et immer wieder ge­fügig zu machen sich zutraute, hofte er sich fo langst über Wasser z« halten.

Gertruds Liebe zu Georg Eltester kam ihm, so üngeberdig er sich dagegen auch kmstellte, Eigentlich gar nicht ungelegen; sie hinderte sie daran, ein» ander« Verbindung einzugehen. Erst al, er aus dem Verhalten des jungen Mäd­chens dm tiefen Ernst dieser Neigung erkannte, rvard er besorgt «nd sann auf Mittel sie mit ihrem Verlobten zu entzweien.

Ls hielt kür ih« sticht schwer, sich eiste Hand« schüft fern Eltester zu verschaffen, mit deren

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(Nachdruck verboten.)

In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

xSv ^Fortsetzung).

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fabelt wir zum Bezüge unserer Zeitung höflichst ein.

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