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Marburg

Sonntag 29. September 1907.

Erscheint wSchrntlich siebe« mal.

Druck imd Verlage Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerct Marburg, Markt 2L Telephon 55.

42. Jahrg.

Zweites Blatt.

Der Heimgang des GroWerzogs do» Bade».

iT Nachdem bereits die letzten von der Mainau Übermittelten Nachrichten über das Befinden des schwer erkrankten Großherzogs den letzten Schein einer Hoffnung auf Besserung geraubt hatten und das Schlimmste erwarten ließen, if nunmehr das Gefürchtete eingetreten. Wie schon heute Vormittag durch eine Sonderausgabe der Oberhessischen Zeitung" mitgeteilt wurde, ist folgende Drahtnachricht eingelaufen:

Mainau, 28. Sept. Der Eroßherzog von Baden ist heute Vormittag kurz vor 9 Uhr sanft entschlafen.

Im Alter von 81 Jahren ist der um die na­tionale Einigung Deutschlands hochverdiente Fürst heimgegangen. Am 20. d. Mts. waren es 81- Jahre, seit der verewigte Eroßherzog den ehelichen Bund mit Prinzessin Luise Marie Elisabeth von Preußen, Tochter Kaiser Wil­helms I. schloß. Am 20. September vorigen Jahre? hatte das ganze, deutsche Volk dem Für­stenpaare zugejubelt, als cs in der Schloßkirche zu Karlsruhe in Gegenwart Kaiser Wilhelms II. den Bund erneuerte. Der Heimgang des greisen Fürsten wird nicht allein im Eroßherzogtum Baden, sondern in allen deutschen Landen ehr­liche Trauer und Mitgefühl für die großherzog­liche Familie erregens denn der verewigte Groß- Herzog erfreute sich infolge seines edlen Charak­ters und seines leutseligen Wesens allgemein der herzlichsten Sympathien.

31. Kongreß für Innere Mission in Essen.

C-'A. Essen, 26 Sept. 1907.

IIT.

Den Beschluß der Veranstaltungen am Diens­tag bildete abends 8 Uhr die liturgische Paul Gerhardt-Feier in der Kreuzkirche, die nicht entfernt dem Andrange der Besucher ge­wachsen war.

Der Mittwoch Vormittag war vier Spezial­beratungen über grundlegende Arbeitsgebiete der Inneren Mission Vorbehalten. Die Ver- banblungen fanden in zwei Sälen, je um 8 und 11 Uhr beginnend, statt.

Die Ausgaben der Inneren Mis­sion an der Heranwachsenden männlichen Jugend in den Eroß- st 8 d t e n beleuchtete der Direktor des Westdeut­schen Jünglingsbundes, P. Etuhrmann- Barmen. Er bezeichnete die Lösung des Jung­männerproblems, herausgeboren aus dem mo­dernen Großstadtjugendelend, das ein geistiges, sittliches und soziales Elend sei, als eine der wichtigsten Aufgaben der Inneren Mission, an die organisatorisch herangetreten werden müsse, in Anlehnung an die bereits vorhandene Ju­gendbewegung. llnitätsdirektor H. Bauer- Berthelsdorf erklärte als Konferent, die Innere Mission habe ihr besonderes Augenmerk auf die Gewinnung der großstädtischen Jugend unter dem weitgehenden Gesichtspunkt der Volks- erziehung und Weltanschauungs- Bildung zu richten. Hierbei sei den Bedürf­nissen und Nöten der Eroßstadtjugend, insbe­sondere auch der gebildeten, Verständnis ent­gegen zu bringen. An die eindrucksvollen Dar­legungen schloß sich eine lebhafte Diskussion. Geh. Negierungsrat Frick- Berlin sprach, die warme Sympathie des Handelsministers für die christlichen Jugendvereine aus und erklärte den Ministerialerlaß vom Jahre 1901, der vielfach 'Mißverständlich aufgefaßt sei.

| Heber die Stellung und Aufgabe der In­neren Mission gegenüber der Mäßigkeits- dmd Enthaltsamkeitsbewegung (An- stialkoholbewegung referierte Generalsekretär Ganser- Berlin. Der Vortrag rief eine leb­hafte Aussprache hervor, nach welcher zwei, von tKonsistorialrat M a h l i n g eingebrachte Reso­lutionen angenommen wurden, die folgenden .Wortlaut hatten:

i . ;-$xe Spezialkonferenz richtet an den Zen- - tral-Aus,chuß für Innere Mission die Bitte, V ,f'L5LoJtlaa uon Pfarrer Gonser durch Spe- i m.T-Dk-rOfc!fdti9en und ihn unter

! ötnweis aus die heutigen Verhandlungen den . sämtlichen ihm verbundenen Vereinen für 3»« ! nere Mission zu senden und diese um ei!e ! Rückäußerung darüber zu bitten: 1. was ihrer- 1 seits zur Förderung der Bekämpfung des Al- koholismus bis jetzt geschehen ist? und 2. »os ihrerseits in Verfolg de» heutigen Ap- Wellr fort«, geschehen soll?"

Die heutige 'Versammlung richtet an den Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke die Bitte, einen kurzen Katalog herzustellen und ihn den sämtlichen deutschen synodalen Körperschaften, wie den sämtlichen Vereinen e für Innere Mission anzubieten, in welchem 1.

die Belehrungstafeln, 2. die aufilärende Li­teratur, 3. die vorhandenen (oder noch herzu­stellenden) Lichtbilder, 4. ein Verzeichnis von Reden enthalten ist, um den Kampf gegen den Alkoholismus zielbewußt führen zu können."

HebeiZielundGrenzenderFrau- entätigkeit nach evangelischen Grundsätzen" sprach Direktor Prof. Dr. W ychgr am-Berlin; das. Konferat hatte Fräulein Paula Müller -Hannover, die Vorsitzende des Deutsch-Evangelischen Frauen­bundes, übernommen. Als Ziel der Frauen­tätigkeit bezeichneten beide vom gesellschaftlichen Standpunkt aus die Geltendmachung der spezi­fischen Werte der Frau auf allen menschlichen Arbeitsgebieten, vom Standpunkt des Individu­ums ans die den individuellen Gaben ent­sprechende Ausgestaltung - der Persönlichkeit. Dies Ziel zu erreichen; solle "man der Frau alle hierzu erforderlichen Bildungsmittel zugänglich machen unter Einhaltung der natürlichen Gren­zen für ihre Tätigkeit, die auch nach dem Evan­gelium in dem Wesen der Frau und in der Beschaffenheit der Arbeitsgebiete begründet liegen. Namentlich seien alle Berufe auszu­schließen, welche besondere Ansprüche an die physische Körperkraft stellen oder gegen das Em- vfindungsleben der Frau verstoßen, oder wo die Mutterschaft der steten Berufsbereitschast hin­dernd in den Weg tritt. Dagegen seien alle Be­rufe zu begrüßen, die der Pflege der Kinder, der Erziehung und der Schule gelten. Nach lebhaf­ter Aussprache billigte die Versammlung den Standpunkt der Referenten.

Zum Schluß sprach Slmtsri^er I. F. ; Lands berg - Lennep über die Frage:W a s hat die Kirche und Innere Mission zu fordern im Hinblick auf die Be­handlung jugendlicher Verbre­cher?" Die Ausführungen des Referenten fanden allseitig Zustimmung und es gelangte folgende Resolution zur Annahme:

Die Versammlung erklärt sich mit begjnt Geiste der Inneren Mission gegebenen Anreg­ungen des Referenten im allgemeinen einver­standen und richtet au den Zentral-Ausschuß für Innere Mission die Bitte, durch geeignete Schritte bei den Verwaltungs- und Gerichts­behörden dahin zu wirken, daß die Gedanken und Vorschläge des Referats, namentlich was die Einsetzung eines Vormundschaftsrates be- txifft, bei der Behandlung der jugendlichen Verbrecher praktisch fruchtbar werden."

An die Sonderkonferenz schloß sich um 3 Uhr nachmittags das Festmahl im großen Saale des Stadt. Saalbaues an. Die Beteiligung daran entsprach dem außerordentlich reichen Besuch des Kongresies. Haben sich doch 1000 Teilnehmer zu den Vollberatungen eingefunden, zu denen noch weitere 1000 Besucher von Einzelvorträgen sich gesellen. Am Diner beteiligten sich über 500 Festgäste. Den Kaisertoast brachte Wirk­licher Geh. Rat Exzellenz Prof. D. Weiß aus, Superintendent K l i n g e m a n n - Essen weihte sein Glas dem Zentral-Ausschuß für Innere Mission Präsident Direktor S v i e ck e r ließ den Rhein. Provinzial-Ausschuß für Innere Mission, das Ortskomitee und alle diejenigen, welche sich dem Komitee in reger Arbeit zur Verfügung stellten, hoch leben, der Trinkspruch des llnitäts- direktors Bauer galt den Damen. Das Fest­mahl nahm einen in ollen Teilen wohlge­lungenen Verlauf.

Zu einer machtvollen evangelischen Kund­gebung gestaltete sich dieFreie Abendversamm­lung", die unter Leitung von Pastor Becker- Essen im Festsaale des Städtische» Saalbaues abgehalten wurde. Der Abend, der durch Orgel­spiel und gesangliche Darbietungen verschönt wurde, brachte abermals zwei wertvolle Vor­träge. Den ersten hielt Pfarrer Th. Wahl über das Thema,, Glaube und Kraft", an zwei­ter Stelle sprach der frühere Eeemannspaslor P. Oelker - Hannover über das Thema: Deutschlands Söhne zur See und unsere Pflich­ten gegen sie." Ium Schluß der Abendversamm­lung gedachte Liz. Weber- M.-Gladbach noch des alten Recken und Vorkämpfers der Inneren Mission, Hofprediger a. D. Stoecker, der leider dem Kongreß nicht beiwohnen konnte.

Die zweite Hauptversammlung I wurde am Donnerstag vormittags fall Uhr vom Präses D. Konig-Witten mit Gebet eingeleitet. Hierauf teilte Direktor Spiecker den Wortlaut der bereit» erwähnten Antwort­depesche Kaiser Wilhelms aus die Hul- digunghtelegramm des Kongresses mit Worauf die Versammlung begeistert ist das dreimalige Hoch auf den Kaiser,unfttn Jchperätor und Rex", wie der Präsident Spiecker betonte. ein» Kimmte, ------------- * -?

Sodann nahm der Vertreter des preußischen Handelsministers, Herr Geh. Oberregierungsrat F r t ck, das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er hervorhob, daß die Frage, welche heute die Versammlung beschäftigen werde, von dem Herrn Minister mit ganz besonderem Interesse verfolgt werde. Wenn auch die letzten Ziele bei der inneren Mission und der vom Handels- Minister vertretenen staatlichen Sozialpolitik nicht immer dieselben seien, so seien doch wesent­lich einheitlich die Wege und zu einem sehr gro­ßen Teil die Aufgaben. Dies zeige sich auch darin, daß bahnbrechende Arbeiten auf dem Ge­biete der staatlichen Sozialreform aus der Reihe der Inneren Mission hervorgegangen seien. Er schloß mit dem Wunsche, daß die heu­tige Beratung nicht Mos der Inneren Mission zum Segen gereiche, sondern auch der staatUmen Sozialpolitik Material und wertvolle Stützen für ihre Maßnahmen bieten möge. Die Worte fanden sehr freundliche Aufnahme. Nachdem alsdann mehrere Begrnßungstelegramme, u. a. eine Adresse an D. Stöcker verlesen worden waren, trat man in die eigentliche Beratung eht. Nach einem Vortrage des Konsistorialrates Pfarrer M a h l i n g - Frankfurt a. M. über das Thema:Welche Aufgaben e r w a ch s en der Inneren Mission aus der gegen­wärtigen Entwicklung der Arbei­terbewegung?" nahm der Kongreß ein­mütig die folgende Resolution an:

Der 34. Kongreß für Innere Mission er­kennt die Bedeutung an, die eine national-ge­richtete und von christlichem Geiste getragene Ar­beiterbewegung für die Kräftigung und Gesun­dung des ganzen Volkslebens hat, und wünscht darum von Herzen, daß sie immer mehr erstarken und zu einem mächtigen Faktor in unserem Volksleben sich auswachsen möge. Er sieht in der Arbeiterschaft ein allen anderen gleichberech­tigtes Glied unseres Volkes, das als solches das Recht hat. seine Angelegenheiten selbständig zu. regeln' und feine Sonderinterefsen, soweit sie sich mit dem Wohle des Volksganzen vertragen, mit allen berechtigten Mitteln zu verfolgen. Er spricht dabei dieErwartung aus, daß der christlich und national-gesinnte Teil der deutschen Ar­beiterschaft dieser Gesinnung treu bleiben, sich vor Ilebesonnenheiten hüten und bei aller Ver­tretung der eigenen Interessen auch die Rechte der anderen berücksichtigen wird. Ebenso rechnet er darauf, daß die Arbeitgeber und Unternehmer ihrerseits das Berechtigte der Arbeiterbewegung im Rahmen der heutigen Gesellschaftsordnung anerkennen. Allen Versuchen gegenüber, sie zu einer Stellungnahme in rein wirtschaftlichen Fragen und einseitiger Vertretung einer einzel­nen Volksschicht zu veranlassen, muß die Innere Mission sich ablehnend verhalten und es als ihre Aufgabe bezeichnen, alle Stände mit Glaubens­und Liebeskräften zu durchdringen und dadurch an ihrem Teile zur Erneuerung des ganzen Volkslebens beizutragen. In diesem Sinne er­klärt sie sich bereit, der Arbeiterschaft in der Pflege christlich-nationaler Gesinnung zu dienen und ihr wie zur Gewinnung der notwendigen geistigen Ausrüstung so beim Ausbau ihrer so­zialen Wohlfahrtseinrichtungen behilflich zu sein, und wird es mit Freuden begrüßen, wenn auch Vertreter des evangelischen Arbeiterstandes" sich in weitestem Maße zur Mitarbeit an christ­lichen Liebcswerken bereit finden."

Das packende, tief zu Herzen gebende Schluß­wort richtete Exzellenz Prof. D. Weiß -Berlin an die Versammlung, die nach dem Vaterunser und. Segen mit dem GesangDie wir uns all- hier zusammenfinden" auseinander ging.

Die Arbeiten des 34. Kongresses fanden ihren Abschluß in einem erhebenden Gottesdienst, der die Teilnehmer nachmittags 4 Uhr noch einmal im Gottesbause. und zwar in der Pauluskirche, zusammenführte.

Deutsches Reich.

Landtagsersatzwahl in Eöttingen-Münden. Bei der gestrigen Landtagsersahwahl für den Wahlkreis Eöttingen-Münden erhielt der na­tionalliberale Kandidat Heine 210 und Kaufmann Jserloh (Wirtsch. Vereinigung) 74 Stimmen. Heine ist somit gewählt.

Tritt Freiherr von Stengel zurück? Der Rücktritt des Reichsschatzsekretärs Frhr. v. Stengel, von dem jüngst behauptet wurde, daß er im Oktober sein Amt niederlegen wolle, dürfte vorläufig noch nicht erfol­gen. In politischen Kreisen verlautet aber, daß zwischen dem Reichsschatzsekretär und der Reichs­regierung über die neuen Reichssteuern Mei­nungsverschiedenheiten herrschen, die vielleicht den Rücktritt des Frhrn. v. Stengel doch herbei­führen könnten. Vor Ende Oktober dürste sich der Bundesrat mit Steuerprojekten nicht beschäf« tigen. Irgend welche bestimmte Steuervorlagen liegen zurzeit noch nicht vor, da man noch nicht .Müssig geworden ist, ob man bestehende Steuer«.

ertragsreicher gestalten oder neue Steuern (Ta­baksteuer) verlangen soll.

Zur Neuregelung der Bcamtenbesoldunge«. Berlin, 26. Sept. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: In der Presse findet sich vielfach der Wunsch ausgedrückt, über den Stand der Neu­regelung der Beamtenbesoldungen in Preuße« unterrichtet zu werden. In dieser Beziehung darf zunächst daran erinnert werden, daß feiten» des zunächst beteiligten Finanzministeriums dir umfangreichen Vorarbeiten bereits seit gerau, mer Zeit bewirkt sind und daraufhin der Finanzminister schon im Mai in der Budgetkom­mission, später im Plenum des Abgeordneten­hauses die Grundzüge des einstweiligen Besol­dungsplanes dargelegt hat. Auf Grund der wertvollen Anregungen, welche diese Verhand­lungen boten, wurde der Besoldungsplan im Finanzministerium durchgesehen, umgearbeitet und Anfang Juli mit in das einzelne gehende» Vorschlägen den übrigen Ressorts mitgeteilt. Nach Eingang der Gegenäußerungen finden, wie wir hören, zur Zeit die mündlichen Erörte­rungen über die zahlreichen.Einzelfragen statt. Die meiste Zeit beansprucht aber, nicht so sehr die Aufstellung der neuen Besoldungsordnung, als die Neuregelung des Wohnungsgeldzu­schusses. Wiederholt haben die parlamentari­schen Körperschaften gewünscht man möge ver­suchen, die bisherige Einteilung der Orte nach Servisklassen auf anderen Grundlagen aufzu­bauen. Mit dem 1. April 1908 verliert die bis­herige Einteilung ihre Geltung. Der Personal- servis der Offiziere ist im wesentlichen beseitigt. So stand nichts im Wege, einen solchen Versuch zu machen. Umfangreiche Ermittelungen übet den tatsächlichen Wohnungsaufwand eines jede« Beamten und in sämtlichen Orten der Mon- -archie sind schon vor längerer Zeit angestellt; aber die Aufarbeitung des der Natur der Sache nach außerordentlich weitschichtigen Materials hat infolge der Notwendigkeit vieler Rückfrage« bei den Unterbehörden trotz Anspannung aller Kräfte und der Beihilfe der statistischen Aemter mehr Zeit, als vorauszusehen war, beansprucht. Dazu kommt, daß das Reich und Preußen fort­während in Fühlung bleiben müssen und keine» für sich vorgehen kann. Denn es würde zu viele« Unzuträglichkeiten führen, die Klasseneinteil­ung, sei es auch nur für wenige Orte, in Preu­ßen anders als im Reiche vorzunehmen, oder di» Sätze für den Wohnungsgeldzuschuß in beide« verschieden zu bemessen. Anderseits ist es wiede­rum für die vorzuschlagende Höhe der (Schältet von großer Wichtigkeit, zu wissen, welche finan­ziellen Wirkungen die Neugestaltung des Wob« nungsgeldzuschusses haben wird. Bei dieser Sachlage hat auch übet die verschiedenen wich­tigen Einzelfragen, wie z. B. über die Frage bet Gleichstellung der Oberlehrer mit den Richtern, noch keine Entscheidung getrosten werden könne«. Die ganze Angelegenheit wird ober so gefördert werden, daß trotz der geschilderten Schwierig­keiten die Vorlagen zeitig genug an die parla­mentarischen Körperschaften gelangen werden, um ihre gründliche Durchberatung in der näch­sten Session zu ermöglichen.

Das preußische Volksschulunterhaltungs­gesetz wird am 1. April 1908 in Kraft treten* Seine Durchführung wird auch mit großen Ko­sten für den Staat verknüpft sein. Zwar weist bereits bet Staatshaushaltsetat für 1907 eine Summe von etwa 4fa Millionen -si auf, die auf die Bestimmungen des Volksfchulunterhaltungs- gefetzes zutückzufühten ist. Man wollte so zeitig als möglich den Schulverbänden zu Hilfe kom­men. Drei Millionen dl sind beispielsweise mehr in den Fonds zur Unterstützung von Schul» verbänden mit der besonderen Begründung ein» gestellt, daß sie zur Verstärkung in der bei de« Verhandlungen übet das Schulunterhaltungs- gesstz in Aussicht genommenen Höhe dienen sollen. Jedoch die Mittel, die in den Etat für 1907 infolge des Schulunterhaltungsgesetzes ein» gestellt sind, bilden nur den bei Weitem kleine­ren Teil der Eesamtkosten, die das neue Gesetz mit dem Beginn des neuen Etatsjahres ver­ursachen wird. Diese Kosten sind seinerzeit auf 16 bis 17 Millionen dl veranschlagt worden. Für die Festsetzung ihrer tatsächlichen Höhe öfrK man infolge der schon seit dem Erlaß des Ge­setzes in Angriff genommen und auch forizu- setzenden Vorarbeiten weitere Anhaltspunkte gewonnen haben. Jedenfalls spielen diese Mehr­ausgaben bei bet Feststellung des nächstjährigen preußischen Staatshaushaltsetats die gegen», wärtig eifrig geförbert wirb, eine große Rolles Neben bet Summe, bis für bie Neuordnung bet Beamtengshälter zu Beginn des nächsten Finanz«' jahres nötig werden wirb, dürfte bet Betrag bet1