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Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Marburg

Mittwoch, 25. September 1907.

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Zur Ostmarkeu-olitik.

i Generalleutnant v. Liebert hat kürzlich in ^ezug auf die Polenfrage den Ausspruch getan, » in der Politik Macht vor Recht gehe. Diese, fachlich höchst bedenkliche und zum mindesten Mißverständliche Aeußerung hat, wie zu erwar­ten, die Polen und deren intime Freunde zu peuen Klageliedern über die angebliche Perge- Itvaltignng der polnischen Bevölkerung seitens der preußischen Staatsregierung angereizt. Aber jauch in solchen Kreisen, deren treue deutschnatio- Dale Gesinnung keinem Zweifel unterliegt, hat iman vielfach Anstoß an einem Ausspruch genom­men, der die Deutung zuläßt, es sei anzuraten den Polen gegenüber einfach die brutale Ueber- legenheit der Macht an Stelle der Grundsätze des staatsbürgerlichen Rechts zur Anwendung zu bringen. Wir glauben nicht, daß General Liebert so etwas sagen wollte, jedenfalls würde ein solches selbstmörderisches Programm, das braucht doch wahrhaftig nicht erst erwiesen zu werden, nicht die mindeste Aussicht auf beifällige Aufnahme weder bei der Staatsgewalt noch bei den gesetzgebenden Faktoren haben. Indem wir das mit aller Entschiedenheit aussprechen, wollen wir aber ^keineswegs dem Abrüstungs­gedanken ein wenn auch nur ideelles Zugeständ­nis machen. Im Gegenteil, die gesetzgeberischen Handhaben zur Bekämpfung der polnischen Be­wegung werden zu erweitern und zu verstärken sein, sofern es feststeht, daß der staatsfeindlichen Propaganda des Polentums in den Ostmarken jauf anderem Wege kein wirksamesHalt" ge­boten werden kann. Demgemäß wird man auch Nicht davor zuMckschrecken dürfen die Bollmach- jten der Ansiedlungskommission zweckentsprechend .auszugestalten, nachdem genügend klargelegt ist, haß die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, fein die mit der Ansiedlungsgesetzgebung beabsich- Ikigten Wirkungen im Laufe der Zeit herbeizu­führen. Mag man im gegnerischen Lager nach Belieben darüber schelten, daß den Polen in den Ostmarken nicht die volle Gleichberechtigung mit jden anderen Bevölkerungsgruppen eingeräumt werde, wer die historische Bedeutung des Natio- »talitätenkampfes im Osten zu würdigen weiß, foirb eine kraftvolle Polenpolitik des preußischen £======

17 lNachdruck verboten.)

In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

'(Fortsetzung)'.

Aber verschieden hatte der Ruf geklungen. Wie der Dank- und Jubelruf des im letzten Augen­blick aus der tiefsten Not Erlösten auf der einen Seite, wie der Schrei des plötzlich zur Höllenqual verdammten auf der anderen Seite. Beide wur­den verschlungen wie von dem Brausen des Meeres von den Kundgebungen des Staunens, feer Freude und des sich darin mischenden Zwei- Eels, welche nun im Zuschauerraum losbrachen. Es bedurfte einer wiederholten Mahnung kes Präsidenten und seiner Drohung, den Saal räumen zu lassen, um endlich die Ruhe so weit Ejerzustellen, daß die Verhandlung ihren Fort­gang nehmen konnte.

Doch durfte man von einer Verhandlung sprechen, hatte sich die Szene nicht vollständig iverändert? Nicht einer Gerichtssitzung, sondern feer Entwicklung eines hochinteresianten Dramas «wohnte man jetzt bei.

Eines besonderen Nachweises, daß die Ein­getretene wirklich Gertrud von Kauffel sei, be­durfte es nicht. Wohl war ihre Gestalt hagerer, ihr Gesicht schmäler geworden, aber von den im .Saale anwesenden Personen, die sie je gekannt satten, und es waren derer eine große Anzahl .vorhanden, zweifelte keine einzige nur auch «inen Augenblick, daß sie es sei. Dem ersten Im­pulse nachgebend, war der Konsul Bauer zu ihr gestürzt und hatte sie in seine Arme geschlossen. Georg Eltester wäre gern diesem Beispiel ge­folgt, aber seine Wächter hielten ihn zurück. Melnik saß starr und regungslos mit weit auf- .rifsenen Augen da. Nach dem Schrei, den ihm die erste Ueberraichung entrissen, schien er die Sprache verloren zu haben, und in zärtlicher Be­sorgnis hatte der Inspektor Dietel den Arm um leine Schultern gelegt,

Staates nicht nur als berechtigt, sondern als bitter notwendig anerkennen. Was der Staat zur Riederzwingung eines staatsfeindlichen Polentums braucht, muß er haben. Das erfordert die Pflicht unserer nationalen Selbsterhaltung und damit bleiben wir auch vollkommen auf dem Boden und in den Formen des Rechtes.

Solange das polnische Volk die unauflösliche Zugehörigkeit der von den Polen vorwiegend be­siedelten Provinzen zur preußischen Monarchie nicht als unabänderliche Tatsache bedingungslos anerkennen will, darf von einem Einlenken in die Bahnen milder Versöhnlichkeit den Polen gegenüber nicht die Rede sein. Es hat Zeiten gegeben, in denen der Glaube an die Loyalität der preußischen Staatsbürger polnischer Zunge in der öffentlichen Meinung des deutschen Rei­ches weite Verbreitung hatte, die polnische Wühl- und Hetzarbeit hat aber auch damals nicht stillegestanden, schien vielmehr gerade durch die nachsichtige Haltung der Staatsgewalt zu be­sonders eifriger Betätigung sich ermutigt zu füh­len. Heute spielt der Polenfanatismus unge­scheut mit dem Gedanken offenen Landesverrats und der rücksichtslose Kampf gegen das Deutsch­tum in den Ostmarken stellt ein Stück Vorarbeit für die weitere Verwirklichung der geheimen Kriegspläne des Polentums dar. Es wäre un­verzeihliche Schwäche, wenn wir vor dem Wider­stande, auf welchen das Ansiedlungswerk ge­stoßen ist, zaghaft zurückweichen würden, anstatt durch ein N o t g e s e tz zu Gunsten einer Stär­kung des deutschen Elements in den Ostmarken der nationalen Sache zum Siege zu verhelfen. Glücklicherweise will es scheinen, als wenn der Widerspruch gegen die Anwendung des Enteig­nungsrechts im Interesse der deutschen Siede­lungen allmählich schwindet. Die Bedenken haben jetzt mehr mit den Bedingungen für das Enteignungsoerfahren im Einzelnen zu tun. Damit ist viel gewonnen. Die Anerkennung des Grundsatzes, daß das höhere Recht der Gemein­schaft eine Begrenzung der individuellen Rechte fordern kann, eines Grundsatzes, den das Recht aller Länder und Völker von jeher praktisch anerkannt hat, muß den Boden bereiten für die gesetzgeberische Vorlage, die dem Ansiedlungs­gesetz vom Jahre 1886 neue Triebkraft zuführen soll.

Deutsches Reich.

Der Kaiser begab sich mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm gestern früh von Kö­nigsberg, woselbst er, wie schon mitgeteilt wurde, der Einweihung des wiederhergestellten Domes beigewohnt hatte, nach Memel zur Enthüllung des dort errichteten Rationaldenk-

Da bin ich!" rief Gertrud, tief Atem schöp­fend und sich aus der Umarmung ihres Vor­mundes lösend.Lasten Sie meinen Verlobten frei: wie war es nur möglich, diese schimpfliche Anklage gegen ihn zu stellen?"

Ein seliges Lächeln ging über Georgs Ge­sicht. Mit dem ersten Worte, das sie sprach, be­kannte sie sich ganz zu ihm, während der Präsi­dent und die Beisitzer über das formlose Ein­greifen in ihre ernste Verhandlungen verwun­dert den Kopf schüttelten.

Es sollte aber bei dieser einen Formlosigkeit noch nicht sein Bewenden haben, denn nun trat Gertruds Begleiterin, in welcher die Försterin und Dorn, wie Georg und der Konsul längst Seraphine erkannt hatten, hervor und sagte ganz unbefangen:Ich bitte, Fräulein von Kauffel einen Stuhl zu geben, sie ist unlängst erst von schwerer Krankheit erstanden und noch recht schwach."

Dem Verlangen wurde entsprochen, und Ger­trud sank auf den Stuhl nieder.

Westen bedarf es denn noch?" fragte sie, sich umschauend.Ich bin hier, niemand wird an meiner Identität zweifeln, folglich kann ich nicht ermordet sein. Geben Sie Georg Eltester die Freiheit."

Nein!" schrie da eine heisere Stimme,es ist nicht wahr! Es ist ein schändlicher Betrug, Gertrud von Kauffel ist tot und begraben"

Er kam nicht weiter. Der Konsul Bauer, der zu seinem Sitz zurückgekehrt war, drückte ihm die Hand auf den Mund und raunte ihm zu: Schweigen Sie, Unglücklicher, merken Sie denn nicht, doch Sie sich da um den Hals geredet haben?"

Gleichzeitig hatte sich Gertrud wieder erho­ben. Mit der einen Hand stützte sie sich auf die Lehne des Stuhles, mit dem ausgestreckten Zei­gefinger der anderen wies sie aul Melnik, und mit bebenden Lippen sagte sie:Ich wollte ihn schonen, nach allem .Bösen, was er mir Und

mals. Die Feier begann mit dem Vortrag einer Jubelhymne, vorgetragen von dem 170 Mann starken Sängerbund, währenddesten der Kaiser aus den Händen des Fräuleins Pitcairn, einer Enkelin des Herrn Eonfentius, in besten Hause König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise gewohnt hatten, eine Blumenspende ent­gegennahm. Als die Hülle fiel, präsentierte die Ehrenkompanie, der Kaiser salutierte und die Versammlung brachte drei Hurrarufe aus. Nach der Rede des Oberbürgermeisters, die mit einem Hoch auf den Kaiser endete, in das alle jubelnd einsttmmten, wurde die Nationalhymne ange­stimmt. Flügeladjutant Oberst von Lauenstein legte einen Kranz des Kaisers am Denkmal nie­der; zahlreiche andere Kränze folgten. Der Kai­ser besichtigte das Denkmal und die an diesem angebrachten Hermen verdienter deutscher Männer eingehend und unterhielt sich mit vie­len Anwesenden. Der Kaiser besichtigte später die historischen Räume des Rathauses und nahm dort den Ehrentrunk entgegen, wobei der Ober­bürgermeister eine kurze Ansprache hielt. Um 12 Uhr 41 Min. fuhr der Kaiser unter dem Ju­bel der Bevölkerung zum Bahnhöfe, um sich nach Rominten zu begehn. Wie weiter aus Ro- minten gemeldet wird, ist daselbst der Kaiser um 5 Uhr 35 Min. nachmittags eingetroffen.

Der Kronprinz wohnte gestern Vormittag in Vertretung der Kaiserin, welche das Protek­torat über den Kongreß übernommen hat, in Berlin (bei Kroll) dem Internationa­len Kongreß für Hygiene und Demo­graphie bei. Für die ausländischen Dele­gierten, sowie den Präsidenten des Kongresses gibt der Kronprinz am 26. September 6V> Uhr nachmittags in seinem Palais ein Diner. Am gestrigen Nachmittage begab sich der Kron­prinz zu einem kurzen Pürsch-Aufenthalt nach Forithaus Olberg bei Aken a. d. Elbe.

Der deutsche Kronprinz ist, wie schon mitgeteilt wurde, unter Enthebung von dem Kommando zur Dienstleistung beim Regiment der Gardes du Corps zum Major befördert worden. Da die Ernennung des Kronvrinzen zum Hauptmann em 18. September 1903 statt­fand, hat er genau vier Jahre in diesem Dienst­grade gestanden. Damals, wie fetzt wieder, er­folgte die Beförderung unmittelbar nach Been­digung der Herbstmanöver. Dem Heere gehört er seit seinem zehnten Geburtstage, dem 6. Mai 1892 an, an dem et als Leutnant in das 1, Garde-Regiment z. F. eingereiht wurde, 1896 kam er, wie dieVoss. Zig." in Erinnerung bringt, in das Kadettenhaus in Plön, legte dort im Februar 1899 die Fähnrichsprüfung ab und trat dann zu aktiver Dienstleistung in das 1. Garde-Regiment z. F. ein, in dem er am 29. Mai 1900 die Offiziersprüfung mit dem Präsi- katvorzüglich" bestand. Am 1. September des­selben Jahres wurde er zum Oberleutnant be­fördert. Im Frühjahr 1901 bezog er die Univer-

tneinem Verlobten zugefiigt hat; noch jetzt, noch in dieser Stunde wollte ich sein Verbrechen be­mänteln, um meiner armen Schwester, um seiner unschuldigen Kinder willen. Ich sehe jetzt ein, daß das der Selbstvernichtung gleichkäme. So sei es denn gesagt: Lothar von Melnik hat mich in den Obersee gestoßen: wäre Georg Eltester nicht auf meinen Hilferuf herbeigekommen, hätte er mich nicht mit Gefahr seines eigenen Lebens gerettet, so würde ich elend zugrunde gegangen fein.

Sie sank wieder auf ihren Stuhl zurück.

Es ist nicht wahr! Hören Sie mich!" rief Melnik, aber der Ausdruck, den er in allen Ge­sichtern las, belehrte ihn darüber, dich jedes Wort, das er zu seiner Verteidigung spreche, überflüssig sei.

Alles, alles, was Georg Eltester und seine Mutter ausgesagt haben, ist buchstäblich wahr," fuhr Gertrud fort;nur über einen Punkt habe ich sie im Unklaren gelosten: wie ich in den See gekommen war. Ich mochte ihnen nicht ersäbW, daß mein Schwager, der Mann meiner einzigen geliebten Schwester, mich in das Master geschleu­dert hatte.

Nicht im Zorn, nicht nach einem Streit hat er es getan," fuhr sie fort,sondern mit kalter lleberlegung, nach einem wohlüberlegten Plan. Er gesellte sich im Walde, aus einem Seiten­wege kommend, zu mit, schritt plaudernd neben mir her und führte mich unvermerkt bis an den See. Dort blieb er einige Schritte hinter mir zurück, schleuderte mich durch einen plötzlichen Stoß in den Rücken hinein und stürmte eilig davon. Ich war betäubt von dem Fall und dem Schreck und selbst, als ich fühlte, daß ich nicht ganz sank, weil mein Kleid von einer Baumwurzel ober einem votspringenben Stein festgehalten ward, wagte ich nicht um Hilfe zu rufen, aus Furcht, meinem Schwager dadurch zu verraten, daß fein Werk noch nicht ganz ge­lungen sei. Run aber ergriff mich die Ström­ung, ich sank. Und die Todesangst raubte mir

sität Bonn und nahm zwei Jahre später nach Beendigung seiner Studien wieder den militä­rischen Dienst auf. Im September 1903 rückte er, wie bereits bemerkt, zum Hauptmann und Kompagniechef auf, befehligte als solcher die 2. Komapnie des 1. Garde-Regiments z. F. zwei Jahre lang und wurde dann zur Dienstleistung in das Regiment der Gardes du Corps kom­mandiert, in dem er bisher die Leib-Eskadron befehligt hat. An seiner Stelle ist jetzt der Ritt­meister von Tschirschky und Bögendorff zum Kommandeur der Leib-Eskadron ernannt wor­den, während der Oberleutnant Graf v. West­phalen zum Rittmeister und Eskadronchef im selben Regiment aufgerückt ist. Don preußische« Regimentern gehött der Kronprinz noch, & lai suite stehend, folgenden Regimentern an: feem Grenadier-Reg.Rr. 1 in Königsberg, feem Küraft sier-Reg. Nr. 2 in Pasewalk, dessen Uniform er jetzt meist getragen hat, und dem 2. Earde-Land- wehr-Regiment. Ferner steht er & la suite fees 1. Seebataillons, des Württembergische« Infanterie-Regiments Nr. 120, des Bayerische« 1. Ulänen-Regiments, des SächsischenErenadiet- Regiments Nr. 101; sodann ist et Oberstinhabev fees österreichisch-ungarischen 13. Husaren-Regi- menis, Chef des russischen Dragoner-Regiments Nr. 40 und endlich wird er noch im österreichi­schen 7. Husaren-Regiment, im russischen Leib- Earde-Regirnent St. Petersburg König Fried­rich Wilhelm III. und im spanischen Dragoner- Regiment Nr. 11 Numancia geführt.

Der Zustand fees Eroßherzogs von Bade« gibt nach wie vor zu den ernstesten Besorgnisse« Anlaß.

Staatssekretär Freiherr von Stengel. Berlin, 23. Sept. Nach feerDortmunder Zeitung" soll der Staatssekretär des Reichsschatz­amtes, Freiherr von Stengel, noch vor dem 15, Oktober seinen Abschied nehmen, und zwar des­halb, weil er seine Beziehungen zum Zentrum nach wie vor aufrecht erhalten habe und dadurch die Blockpolitik gefährde. Zu seinem Nachfolger soll der Generaldirektor fees Norddeutsche« Llovds Wiegand ausersehen sein, bet bekanntlich kürzlich zum Besuche beim Reichskanzler in Nor­derney weilte. In kundigen Kreisen ist vo« dieser Absicht des Staatssekretärs Freihertn vo« Stengel nichts bekannt. Vollkommen irrig ist die Annahme, daß bet Staatssekretär irgend­wie ein heimlicher Gegner bet Blockpolitik Jet Der Meldung der ..Dortmunder Zeitung" wird auch von derKöln. Ztg." widersprochen. Letztere erklärt, von Hamburg aus zu bet Mit­teilung ermächtigt zu sein, baß jene Notiz wenigstens soweit darin fees Generaldirektors Dr. Wiegand gedacht wird unzutreffend ist.

Freiherr Speck von Sternburg. Wie aus Berlin verlautet, dürste feer deutsche Botschaft« in Washington, Freiherr Speck von Sternburg^ in absehbarer Zeit aus feinem Amte scheiden^ nicht deshalb, weil feine Amtsführung M iroendwelchen Unstimmigkeiten Anlaß gegeben hätte, Freiherr Speck von Sternburg erfreut sich nach wie vor des Vertrauens der maßgeben-

jede Ueberlegung. Ich rief, bann verließen midj bie Sinne. Als ich zu mit kam. fand ich mich in Georgs Armen: er wat mein Retter, unb nu« wußte ich auch, baß alles, was man mit übet ib« berichtet hatte, eine schändliche Lüge Melnikg war. nur ersonnen, um uns zu trennen. j

Ich weiß nicht, was größer war, meine Ab­scheu gegen ihn ober meine Furcht vor ihm. Nick konnte ich in sein Haus zutückkehten, ich mockts ihn nicht anklagen, unb doch wußte ich, daß ich neben ibm meines Lebens flicht sicher war. Hattck er es vorher nur auf mein Vermögen abgesehen gehabt, so mußte er sich jetzt bet Anklägerin entledigen. Darum entwarf ich den Fluchtplan; nut fort, fort unter dem Schutze meines Verlob­ten, weiter dachte ich nicht, bas anbere wußte sich später finben. Georg ging auf alles ein und seine Mutter auch, ohne mich mit Fragen z« auälen, weil sie errieten, was mich forttrieb. Das andere wissen Sie durch Georgs Aussagen," fimte sie matt hinzu.

. Warum schrieben Sie nicht, als Sie Ihre« Verlobten vergebens in Liverpool ermatteten?" fragte bet Präsident.

Weil ich" sie kam nicht weiter, ohnmäch­tig sank sie auf einen Stuhl zurück, jetzt hielt Georg sich nicht länger, er eilte zu ibr, unb nie­mand wehrte ihm. Unter seinen Liebkosungen schlug sie die Augen wieder auf, Konsul Bauer und Seraphine führten sie hinaus.

Komm, komm, mein Töchterchen," flüsterte ihr jener zu, Du hast hier nichts mehr zu tun, und Georg folgt Dir bald."

Die weitere Schilderung von Gertruds Er­lebnissen wat für den Gang der Verhandlung ohne Belang, ober es konnte vielmehr von einet Verhanblung überhaupt nicht mehr die Rede fein. Georg Eltester wurde sofort in Freiheit gefetzt und die Ironie fees Schicksals wollte es, daß Melnik in dieselbe Zelle geführt ward, bie jener als Untersuchungsgefangener viele Wochen lang bewohnt hatte.

(Fortsetzung folgt).