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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai'u.
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Marburg
Sonntag, 22. September 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck rmd Verlag' Joh. Slug. Noch, UnivrrsitätS-Buchbruckerek
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Zweites Blatt.
Rückblick.
Die unter Vorsitz des Millionärs und früheren Mäntelfabrikanten Singer gegenwärtig lin E s Ntn tagende sozialdemokratische Partei- »ersamnMlng wird ebenso wie die kurz vorher «rbgehaMne Stuttgarter Tagung der roten Internationale zu Ende gehen, ohne daß irgend sein ernsthafter Beschluß gefaßt worden wäre, wirklich sozial zu wirken, d. h. durch praktische Maßnahmen den Elenden und Bedruckten zu Hilfe zu kommen, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihre traurige Lage zu verbessern. Die von den früheren sozialdemokratischen Parteitagen her bekannte Komödie ist auch diesmal wieder in Szene gesetzt worden. Wer hinter die Kulissen geblickt hat, der wird gesehen haben, wie die roten Auguren sich zulächeln, wenn sie yrit voller Stimmgewalt die so oft wiederholten Tiraden von der kapitalistischen Ausbeutung Und von der notwendigen Volksbefreiung vortragen. Was hat denn die Essener „rote Woche" bisher anders erbracht, als endlose Reden der roten Parteihäuptlinge über taktische Parteifragen, d. h. über die Mittel und Wege, ihren Anhang zu vergrößern und erlittene Schlappen gut zu machen! Propaganda — das ist das Stich- Üiort für die Komödie, die man gerade in Essen, dem größten Industriegebiete Deutschlands, spielt, um auf die dort der Sozialdemokratie hoch gleichgültig oder gar gegnerisch gegenüberstehenden Arbeitermassen einzuwirken. Zn endlosen Reden streitet man untereinander darüber, was zu tun sei, ohne erreichbare Ziele vor Augsa zu haben, und hütet sich ängstlich davor, Entscheidungen zu treffen, die vielleicht in Zukunft der Bewegungsfreiheit der Partei hinderlich fei» könnten. Darum hat man sich jetzt auch in Essen um die Alkoholfrage herumgedrückt, um Ick beileibe niemandem in seinem Lieblingsver- Bnügen zu nahe zu treten, vor allem nicht den gewinngierigen Parteibudikern, deren agitatori- jschen Einfluß man in der roten Partei gewiß inicht missen zu dürfen glaubt. Ueberhaupt scheint das Bemänteln und Vertuschen ein cha- Kakteristifches Merkmal der sozialdemokratischen Regiekunst auf den roten Parteitagen zu sein. Darum auch hat es kein „Genosse" gewagt, auf die Vorwürfe zurückzukommen, die der Parteileitung wegen der bei der letzten Reichstagswahl begangenen Fehler in der Parteipresse in Menge gemacht worden waren, darum auch wurde der Bericht der sozialdemokratischen Reichstagssraktion mit einem Vertrauensvotum
,Das Deutsche Haus St. Elisabeth.
^Ein geschichtliches Bild aus Marburgs
Vergangenheit. .
< Von Dr. W. Bücking.
- Der von West nach Ost der Lahn zueilende Retzerbach (Kerzenbach) teilte das der Gründung des Deutschen Hauses bestimmte Gelände in zwei ^Hälften. Es wurde reguliert, zwischen hohe Mauern gefaßt und ungefähr in der Mitte, so- Die nochm-^ weiter östlich, überbrückt. Hier »erhebt Nordufer zwischen dem Bach und dem Müh.^ jen der Lahn das Deutsche Haus, feie Wohnung der unter Klausur lebenden dcut- ffchen Ritter und Priester, ein aus Bruchsteinen jvufgeführtes mehrstöckiges Gebäude mit zwei jungleich hervortretenden Seitenflügeln mit Hohen Dächern zwischen Staffelgiebeln, von denen der östliche der älteste Teil des Gebäudes Äst. Aus der Ostwand des letzteren tritt auf im- Mer weiter übereinander ausladenden Kragsteinen die halbrunde Apsis eines Kapellchens Wit drei kleinen Spitzbogenfenstern hervor. An diesen Flügel lehnte sich später hinter dem Kapellchen die Wohnung des Lanssromturs an. Südlich von Elisabeths Haus erstand der St. Elisabethmünster, und weiter südlich von diesem das Waffenhaus der Ritterbrüder.
In der Nähe des südlichen Ufers wurde das St. Elisabethhospital und die Wohnung des .HospitalMeisters erbaut. Der zwischen Kirche und Vachmauer unbebaut gebliebene Platz wurde vollends in Mauern geschlossen; sein öst- ^nen Kreuzweg", der west- lrche den rMedho, für die Ordensritter Hier brannte wahrend der Nacht in einer sogen Totenleuchte eine von Emecha Raustein im Jahre 1320 gestiftete Lampe. Emechas beide Brüder waren Deutschordens-Priester.
Das Deutsche Haus wurde da, wo nicht die Lahn die Grenze bildete, mit hohen keilförmig Hugespitzten Mauern umgeben. Dasselbe hil-
Trutsches Nnch
gehr hatte, in Persien „Bewegungsfreiheit" erhielt. Die gegenseitige Freundschaft soll dadurch bekräftigt werden, daß man den buddhistischen Priesterstaat Tibet, der bekanntlich zu China ia losem Vasallenverhältnis steht, für neutral erklärt. Abgesehen von dem beträchtlichen Gebietszuwachs, der den beiden vertragschließenden Mächten durch die Vereinbarung gesichert ist. hat das Abkommen für sie den Vorteil, daß die Rivalität zwischen England und Rußland in Asien jedenfalls für längere Zeit beseitigt wird. Dies würde insbesondere John Bull zu Gute kommen, der dadurch freiere Hand für anderweitige politische Unternehmungen erhielte. Daß aber die englische Negierung derartigen Gelüsten nicht ganz abhold ist, darauf scheint ebenso die Rede des britischen Kriegsministers, der eine Neuordnung des britischen Heerwesens ankündigte, hinzudeuten, wie dis Vermehrung der britischen Kriegsflotte um ein neues Riesenschiff, welches den bis jetzt stärksten Panzer, beit „Dreadnought", an Größe noch übertreffen soll.
Dank dem freundlichen Einvernehmen mit England haben die Fran-oien ihr marokkanisches Unternehmen, das in offiziellen Kundgebungen stets als dringend notwendig zum Schutze der in Marokko ansässigen Europäer bezeichnet wurde.
Während somit an der Donau die Erneuerung des zur Aufrechterhaltung der alten Ee- meinschaft unumgänglichen nötigen Vertrages zwischen den beiden, so dringend auf einander angewiesenen Reichen vorläufig als gescheitert betrachtet werden muß, ist — wie ausführlicher <nt anderer Stelle mitgeteilt wird — zwischen den beiden Rivalen England und Rußland ein Vertrag zu stände gekommen, der diesen Mächten freie Hand läßt, ihren Besitzstand in Asien durch Angliederung zweier bis dahin selbständiger asiatischer Staaten zu vermehren. England, das seiner Zeitlöhne zu fragen, von Indien aus Belutschistan in seine Obhut genommen hat, beseht Afghanistan nach derselben Formel, nach der Japan Korea erlangt hat, während Rußland, das ja ehedem auch nach Afghanistan Be-
gen zwischen Oesterreich und Ungarn, die am Ende der vorigen Woche eine erfolgversprechende Wendung genommen zu haben schienen, abermals unterbrochen und auf kurze Zeit vertagt worden sind. Nachdem bereits in den meisten Punkten, um die sich die Ausgleichsverhandlungen drehen, zwischen den beiden Staaten eine Einigung erzielt worden war, haben sich in der Bank- und Quotenfrage neue Schwierigkeiten herausgestellt. Oesterreich wünscht, daß das Privilegium der gemeinsamen österreichisch-ungarischen Notenbank, das am 31. Dezember 1910 erlischt, gleich jetzt auf weitere fünfzig Jahre verlängert werden soll. Ferner besteht die österreichische Regierung darauf, daß die Quote, nämlich der alljährliche Beitrag Ungarns zu den gemeinsamen Ausgaben, erhöht werde, da das bisherige Verhältnis der Quote von 65,6 Prozent (Oesterreich) und 34,4 Prozent (Ungarn), welches bereits vor mehr als zehn Jahren vom Kaiser festgesetzt worden ist, nunmehr ein ganz ungerechtes und Oesterreich ein übermäßig belastendes sei, weil Ungarns finanzielle Lage sich seitdem bedeutend gebessert habe. Hebet die Frage der Verlängerung des Bank-Privilegiums
beantwortet, ohne daß es einem Neugierigen eingefallen wäre, zu fragen, was denn eigentlich Positives seitens der Parteileitung geleistet worden sei. Um die durch dieses System bedingte geistige Oede der Parteitage weniger hervortreten zu lassen, sind den Parteiobersten die kleinen Eifersüchteleien und Häkeleien zwischen den Parteiunteroffizieren gar nicht unerwünscht, dieweil solche die Redelust entfesseln und langausgedehnte Debatten Hervorrufen, die alsdann das Lesefutter für die neugierigen Abonnenten der roten Parteiblätter bieten. Darum auch nahm „Obergenosse" Bebel Herrn Noske, den Chemnitzer Reichstagsvertreter, dessen für sozialdemokratische Ohren schon allzu patriotisch klingende Aeußerung: „Die Sozialdemokratie würde für den Fall eines Angriffskrieges die Flinte auf den Buckel nehmen" auf dem Parteitag stürmischen Widerspruch entfesselt hatte, väterlich wohlwollend in Schutz; denn der alte Schlauberger weiß ja nur zu gut, daß solcher „Patriottsmus", wie ihn Noske verteidigt hatte und den er selber einmal int Reichstage befürwortet hatte, im Grunde nichts weiter ist, als wieder ein taktisches Mittelchen der Agi- tafion, um auch die für die Partei zu ködern, die
würde Oesterreich schlimmstenfalls noch hinwegsehen, aber die letzterwähnte Quotenfrage wird in Wien zu einer conditio sine qua non für das Zustandekommen des Ausgleichs gemacht. Also entweder Erhöhung der ungarischen Quote
Generals des 5. Armeekorps, Generals der In« fanterie Kluck, entgegen. Außerdem waren zum Empfange auf dem Bahnofe anwesend^ bet' Kriegsminister v. Einem unb bet Polizeipräsi-^ deut v. Hellmann. Set Kaiset begab sich hierauf; im Automobil zut Festungsktiegsübung ins- Manövetgelänbe, um bem Scharfschießen bet; Artillerie beizuwohnen.
— Dee Kaiser traf gestern um 10 Uhr 35 URin. in Posen ein unb fuhr sofort nach Glowno weiter, wo bie Ankunft um 10,42 Uhr erfolgte. Der Kaiser, bet bie Uniform des Po- sener Königsjägerregiments trug, nahm zuerst militärische Melbungen des kommandierenden
gogen eine leise Ahnung, daß gerade die Zukunft, auf bie er immer seine Anhänger vertröstet hatte, weil die Gegenwart seinen Utopien unzugänglich blieb, sein Lebenswerk gefährden könne, daß sich einmal der nationale, patriotische Gedanke stärker erweisen könne, als die vater- landslose sozialdemokratische Parteidoktrin.
Inzwischen aber gehen die politischen Ereignisse ihren Gang.
Wenn wir nach der uns verbündeten Doppelmonarchie Oesterreich-Ungarn hinüberblicken, so ist zu berichten, daß die Ausgleichsverhandlun-
noch nicht so ganz auf das Problem bei völkerbeglückenden Jnternationalität eingeschworen find. Und wenn Bebel spricht, bann schweigen
von Thüringen feierlich in bie Zahl bet Heiligen auf unb gebietet der Christenheit den 18. November als ihren Todestag zu feiern.
Konrad von Marburg war es nickt vergönnt gewesen, die Heiligsprechung feines Beichtkindes SU erleben. Als päpstlicher Ketzermeister bat er fick durch feine maßlofe Harte und Rückstckts- lostgkeit bei feinen Mitchristen so lehr verbüßt gemackt. daß er infolgedessen ein cMer feines Fanatismus wurde. Am 30. Juli 1233 wurde er auf seiner Ruckreise von Mainz nach Marburg renserts des Lahnberges unfern des Dorfes Beltershausen plötzlich überfallen und ermordet. Spater brachten die Brüder des Deutschen Hauses den Mordvlatz Konrads käuflich an sich unb erbauten auf ihm eine Kavelle, die in einer Urkunde unter dem Namen „Konrads Kapelle" vor» kommt und von einem Deutichordens-Priester bedient wurde. Als bei Einführung bet Reformo- twn tm Jahre 1527 bie Kapelle außer kirchlichen Gebrauch gesetzt wurde und das Deutsche Haus in Marburg sich um die Erhaltung des fchönen Gebäudes nicht bekümmerte, und nachdem es von den Anwohnern als bequemer Steinbruch benutzt worden wat, eilte es seinem Untergang entgegen; die letzten Mauer teste fielen im Iahte 1872.
Augustin befolgen. Die Ritterbrüder waren Deutsche und von Adel. Die Aufnabme derselben tn den Orden erfolgte nicht vor dem 23. und nicht nach dem 50. Lebensjahre. Sie pflegten die Kranken, speisten und beschenkten die Armen, beherbergten Fremde und Pilger und waren zu einem immerwährenden Kampfe gegen die Ungläubigen bereit. Die Priester- brüder verwalteten den Gottesdienst und übten die Seelsorge. Der Orden erzog sich seine Priester selbst; sie wurden in den Ordenshäusern ausgebildet. Auch im hiesigen Deutschen Hause war eine derartige Bildungsanstalt.
Da die Statuten des Deutschen Ordens verschuldeten Personen den Eintritt in denselben versagen, so weist Landgraf Heinrich Raspe seinem Bruder Konrad zur Deckung seiner Schulden eine jährliche Rente von 500 Mark auf Güter an, bie nicht belastet waren, unb bem ScutWen Hause verspricht er eine derartige von 400 Mark auf landgräfliche Familiengüter, unter denen bie Muhle am Wege nach Wehrda namentlich aufgefühtt ist.
Um den heilig gesprockenen Körper Elisabeths, der nunmehr ein Gegenstand der Verehrung war, der Verwesung zu entziehen, mußte er dem Grabe entnommen werden Zur Begehung dieser Zeremonie hatten' sich Kaiser Friedrich II., die thüringischen Landarafen und Landarafmnen, Fürsten, Grafen, Erzbischöfe Bischöfe rc. und eine unzählbare Volksmenge in Marburg eingefunden. Am 1. Mai fand bie h^r re™» »«Ubu£8-^e5 heiligen Körpers aus J5pater kamen bie Reliquien in ben noch vorhandenen Sarg. In den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts kam bet Sarg in I sich “"”««!= 6.to,Ti|a6eWi,,6<' ■** «*
Mhl* TY Mo Ahirrt/AiiwA fC-XICaI.xltj | *
I Landgraf Konrad Hatto auf seiner Pilger- I fahrt nach Rom beim Papste aufs neue Elisa- I beths Heiligsprechung angeregt, bie nunmehr am I Pfingstfeste bcs Jahres 1235 zu Perugia et» I folgte. D " ’ ~ _____
I Papst Gregor IX. die Heiligsprechung Elisabeth
bete mit seinem Bergfried eine verteidigungsfähige Burg, deren Haupteingang, ein mächtiges Tor, da stand, wo bie heutige Deutfchhaus- straße beginnt.
Durch einen eigenartigen Zwischenfall war die Berufung bes Deutschen Ordens nach Marburg möglich geworden. Landgraf Konrad nämlich war wegen eines Streites mit bem Erzbischof Siegfried III. von Mainz dem Kirchenbann verfallen. Die Bannbulle fand den Landgrafen nicht unvorbereitet, er hatte bereits feine unüberlegte Handlungsweise eingesehen und bereut und als Sühne beschlossen, in den Deutschen Ritterorden zu treten. Um nun aus dem Bonn zu kommen, bedurfte es einer Pilgerfahrt nach Rom. In Rieti traf er mit Kaiser Friedrich II. unb mit Papst Gregor IX. zusam- man. Hier brachte er fein Anliegen und feinen Entschluß vor unb fanb geneigtes Gehör. Auf Bitten bestätigt der Kaiser den Besitzstand des Franziskushospitals und der Papst genehmigt die lleberweisung desselben an genannten Orden. laut Urkunden vom 1. Juli 1234. Gleichzeitig wurden auch hiervon die Meister und Brüder des Hospitals benachrichtigt; was für Brüder aber dies waren, geht aus der päpstlichen Urkunde nicht hervor; Franziskaner waren es jedenfalls nicht, denn der Rektor desselben, Herrmannus, war ein Parochianus oder i Pfarrkind. I
Mit der lleberweisung des Hospitals an das Deutsche Haus war auch zugleich das auf Bitten der Landgräfin Elisabeth dem Hospital seitens der genannten Landgrafen geschenkte Patro- natsrecht über die Kirchen Marburgs Lberge- gangen, so daß von da ab deutsche Priesterbrüder die Pfarrkirche samt den zu ihr gehörigen Kapellen bedienten.
Die Bruder bes Deutschen Ordens waren bekleidet mit einem weißen Mantel mit einem schwarzen Kreuze auf der linken Schulter Sie I mußten die Gelübde der Keuschheit urib des Ee- I Korsams ablegen und die Regel des heiligen I
Bevor Landgraf Konrad in den Deutschen Orden eintrat, sicherte er erst dem Franziskus- hospttal aus eigenen Mitteln hinreichende Besitzungen 31L mittelst deren 7 Priester, 2 Dia- wne, 2 Subdiakone und 2 Akoluthen für ben Gottesdienst erhalten werden sollten, welche Schenkung Papst Jnnocenz IV. am 22. Februar I 1244 laut Urkunde bestätigt. Der Eintritt Kon- I tabs als Ritter in ben deutschen Orden mit noch 9 Rittern, namentlich Hartmann von Heldrun- gen, den späteren Hochmeister, erfolgte an bet Vigilie bes 19. November (b. i. bet 18.) 1234 im Ordenshauss zu Marburg.
beginnen können. In Wirklichkeit aber ist burch
, . ,, _ . ---------- ■ -------------------- — —ö».—-v । den An- und Eingriff der Franzosen die Lage
ehrfurchtsvoll andere „Genossen'; denn noch I Also entweder Erhöhung bet ungarischen Quote I der Europäer in Marokko so sehr gefährdet wot-
nnmer weiß der Greis durch das jugendliche I ober kein Ausgleich — bas ist jetzt bie Devise I den, daß letztere eigene Maßnahmen zu ihrem
Feuer, seiner Rebe seine ihn bewundernden I in Wien. Da die Magyaren aber diesem Ver- I Schutze treffen mußten. Das aber haben ver-
enmtt sich fortzureißen. Das zeigte I langen fürs erste noch hartnäckigen Widerstand I mutlich bie Herten in Paris gerabe beabsichtigt;
’17 ""A.Eh? bei der offiziellen Rede, bie Bebel, I entgegensetzen und höchstens insofern nachzu- I denn wenn die Lage der fremden Staatsangehö-
r*° 1 , parteipolitische Lage I geben gewillt sind, daß die Erhöhung der un- I tigen in dem durch den Thronstreit und Frem-
ytelr. Obwohl sie inhaltlichbedeutende Gesichts- 1 garischen Quote vom Iahte 1910 ab eintritt, so I denhaß aufgeregten Lande noch kritischer wird,
puntte gänzlich vermissen ließ und manche alle I ist zur Zeit noch gar nicht abzusehen, wie der I als bisher, dann hoffen sie jedenfalls von bea
Mätzchen, aufwärmte wurde sie doch von der I Ausgleich zu stände kommen soll. Dadurch ist I andern Mächten die Ermächtigung zu ungehin» -
ro en Höretschat durch stürmischen Beifall aus- I die politische Situation in Pest plötzlich so be- I beitem Vorgehen in Marokko zu erlangen, was
gezeichnet. Wer aber von den „Genossen" der I deutlich geworden, daß unter Umständen der I natürlich den Beginn der Okkupation des alten
•"?^“^ ^Sitators verstaittmisvoller I Rücktritt des ungarischen Ministeriums zu An- I Mauretaniens durch die Franzosen bedeuten
gefolgt ist, dem durfte ein deutlicher Nebenklang j fang Oktober zu erwarten steht. I würbe
von Sorge nicht entgangen fein, als Bebel ba- von sprach, daß bie letzten Reichstagswahlen seiner Partei herbe Verluste gebracht hätten und daß ihr wahrscheinlich noch schwere Kämpfe be- vorständen. Vielleicht beschlich ben alten Dema-