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Arbeiter nur von der einen, der gewerkschaft­lichen Seite gebrandnrartt werden. Die andere, die sozialdemokratische Seite, versteht es aber ge­rade so gut und — hohe Steuern, gegen bte der staatliche Steuerdruck überhaupt kaum in Be­tracht kommt, nehmen sie beide. Arme Arbeitet!

Ehre blieb unangetastet und PafH Sixtus durfte wieder unter die normalgliedrigen Men­schen eingereiht werden. Was oberflächlichen« Hinsehen als sechster Finger (es müßte der „kleine" doppelt vertreten sein) erscheine iK konnte, war ein Stück der inneren Handfläche, das durch eine eigentümliche Beleuchtung hei- vorgehoben, sich in die Reihe der Finger vor« drängte. Alsbald durste ich auch bestätigt sehen, daß meine Auslegung richtig war. Schon nahten zwei naturforschende Damen und unterhielten sich flüsternd über den sechsten Finger. Ich aber faßte mir ein Herz und bat, doch näher heran­zutreten, um sich von dem Irrtum — nicht Raffaels, zu überzeugen. Und wirklich bestätig­ten mir die beiden mit dankbarem Lächeln, daß selbst ein Forscher irren kann, zu dessen täglichen Obliegenheiten es gehört, den Menschen auf den Erund der Seele zu schauen. Ich aber ging er­leichtert und frohen Sinnes von dannen und überwand mit Leichtigkeit die Versuchung von diesem Erkenntnis aus Schlüffe auf die Exakt­heit und Zuverlässigkeit unserer vielgelobten Wiffenschast zu ziehen.

# Mäuse i« der Flagge. Die Unterfeeab- teilung der englischen Flotte hat eine-merkwür­dige Flagge angenommen.' Sie besteht aus den Farben rot, blau und gelb, um die drei unter­seeischen Depots Portsmouth, Devonport und Chatham zu bezeichnen. Die Flagge ist in vier Teile geteilt. In dem einen zeigt sie ein Anter- seeboot: in einem anderen drei Torpedos, und die beiden letzten Teile sind, wie der „Köln. Ztg." geschrieben wird, mit Bildern weißer Mäuse geschmückt. Ein Unterseeboot geht be- kanntlich nicht in See, ohne solche Tierchen an Bord zu haben. Diese sind sehr empfindlich für schädliche Gase und werden während der Fahrt unter dem Wasser scharf beobachtet. Sobald die gefährlichen Gase an Menge aunehmen. zeigen die Mäuse Spuren von Erschöpfung. Wenn sie sterben, ist es Zeit für das Boot, an die Ober­fläche zu steigen. Weiße Mäuse wurden schon früher zu ähnlichem Zwecke in Kohlenbergwer­ken verwendet.

Ansland. |

— Der englisch-russische Bertrag. Wie der I „Frankfurter Zeitung" aus St. Petersburg ge­drahtet wird, entspricht eine vom „Rjetfch als I „Vermutung" veröffentlichte Mitteilung durch­aus den Tatsachen. Danach wrrd der englisch- I russische Vertrag am 23. September ratifiziert I und am 26. veröffentlicht. Der Vertrag zerfallt 1 in drei Teile, welche Persien, Afghanistan und I Tibet behandeln. In Persien vereinbaren I beide Mächte, einander in der Erwerbung von I Kaufrechten, Eisenbahnkonzessionen, Bergwer- I len usw. in bestimmten Sphären nicht zu hin- I dem. Die Sphären werden durch zwei Grenzen I bestimmt, deren Zwischenraum dem Einfluß I jeder der beiden Mächte unterliegt. Somit bleibt I das Gebiet von der afghanisch-persisch-russischen I Grenze bis Kasri-Schirik an der persisch-turki- I scheu Grenze Rußlands alleinigem Einfluß vor- behalten. Der englische alleinige Einfluß er- streckt sich von erstgenannter Grenze bis Bender- Abbas. Beide Mächte garantieren einander die Souveränität der persischen Regierung ^t Ern- I schränkungen für den Fall der Unpünklichkeit der persischen Banken, denen sie Anleihen gewährten. Da es ziemlich wesentliche Handelsfreiheit in Persien erhält, muß Rußland sich mit Af99«» nistans Vasallenbeziehungen zur englM- indischen Regierung abfinden. Beide Machte heben die Souveränitätsrechte des Emirs her­vor. Rußland verzichtet jedoch gleichzeitig offi- | lieft auf die Prätension, in Afghanistan eine diplomatische Vertretung zu haben, und erklärt Afghanistan für Einflußsphäre Englands, mit der Bedingung, es nicht als Waffenplatz gegen die russischen mittelasiatischen Besitzungen zu be­nutzen. Es verpflichtet sich, zu Afghanistan nur mittelbar durch die englisch-indische Regierung in Beziehungen zu treten. Was Tibet anbe­trifft, vereinbaren beide Mächte die Souveräni­tät Chinas aufrecht zu erhalten; sie gewährlei­sten einander, nach keinerlei Konzessionen oder Separatabkommen behufs Erhalts von Privi­legien zu streben. In Tibet unterhalten sie da­her keinerlei Vertretung. Rur solche Untertanen, welche als Buddhisten Beziehungen zum Dalar­lama benötigen, werden unbeschrankt ins Land gelassen. So lange Tibet nicht die Kontrrbutron für die englisch-tibetanische Expedition ausge­zahlt hat, werden einige Täler besetzt.

= ein Vorspiel zur nächsten Präsidenten­wahl in den Bereinigten Staaten. Wie aus I Rewyork gemeldet wird, hat Alton B. Parker, der demokratische Gegenkandidat Roosevelts der der letzten Präsidentschaftswahl, auf der Aus- I stellung in Jamestown eine Rede gehalten, in der er sich scharf gegen die Verwaltung Roose- I yelts wandte; er warf diesem vor, daß seine Po- | litik zur allmählichen Zentralisierung der Regre- I tuns in ganz Amerika führe. Die Bundeskon- I trolle über die großen Kapitalorgan,sationen I werde keine Besserung der seitherigen wrrtschast- I lichen Mißstände zu Wege bringen können, aber I leicht zur Fäulnis innerhalb der Regrerung I führen. _________

aus jeder Miene, aus jeder Bewegung, aus der Angst und Haft, womit sie die Zurüstungen zu ihrer heimlichen Abreise betrieb, aus der rühren­den Demut, womit sie meinem Sohne bas «n« recht zu dem sie verleitet worden war, abbat.

llnd wem wollen Sie auf diese Weise die Schuld zuwälzen?" fragte der Präsident.

„Ich nenne keinen Namen, sondern antworte mit einer Gegenfrage: wem brachte Gertrud von Kauffels Tod Vorteil? Wer konnte ein Inter­esse haben, ihrem Leben ein vorzeitiges Ende zu machen?"

Die Gestalt der zarten Frau schien zu wach­sen, sie hatte sich der Zeugenbank zuqewendet und sah Herrn von Melnik direkt ins Gesicht.

Dieser sprang auf, seine Brust keuchte, seine Augen rollten, mit geballten Fäusten vorwärts stürzend schrie er: „Herr Präsident, schützen Sie mich gegen diesen heimtückischen Anfall; ich ver­lange die Verhaftung dieser elenden Lügnerin und Verleumderin!"

Die letzten Worte verhallten tn dem sich er­hebenden Lärm. Der Präsident gebot Ruhe und erklärte gleichzeitig, daß die Verhandlungen, nachdem das Verhör der Zeugen beendet sei, aus eine Stunde unterbrochen werden solle.

Der Angeklagte ward in seine Zelle zurückge- Mrt, die Geschworenen und der Gerichtshof ent­fernten sich, nur langsam und unter großer Auf­regung zerstreute sich das Publikum. Die Stim­mungen waren geteilt, im allgemeinen war je­doch die Ansicht vorherrschend, daß die FörsteriN ihrem Sohne einen sehr schlechten Dienst er- Wiesen habe.

Der gute Eindruck, den ihr Auftreten genlrcht hatte, war in hohem Grade beinträchtigt worden durch die ungeheure, durch keinen Beweis unter­stützte Beschuldigung, die sie gegen einen hoch an- gesehenen Mann geschleudert harte. Sie selbst schien dies zu fühlen, nachdem der Paroxismus.

Sund, geworden Tein würde, und in l^em I deutschen Turner einen Mitarbeiter an der hm- I ligen Aufgabe, die Volkskrast für das deutsche I Vaterland zu heben, anerkennen wurde, — dann l werden wir nie fehlen, wo es I

gemeinsame deutsche Polkssache E Jahnschen I Geist zu fördern! Aber Ehrenhastrgkert und deutsche Mannessitte und Ach- tuna vor treuer Arbert rm deut- I schen Geiste muß bte Grundlage | lDie Krankenbezüge bet Handlungsgehil- I fen Die Frage, welche Bezüge der Handlungs- I Lfiitfe im Falle seiner Erkrankung für bte I ersten sechs Wochen genießen soll, ist bekanntlich I strittig und auch im Reichstage in den letzten I Sessionen wiederholt behandelt worden. Im I Reichstage war Stimmung vorhanden dem I Handlungsgehilfen außer dem vollen Gehalt I auch noch das volle Krankengeld zuzubilltgrn, so I daß der erkrankte Gehilfe in den erste«« sechs I Wochen, gleichmütig, ob es sich um eine lerchte I oder schwere Erkrankung handelt, ungefähr das I Eineinhalbfache der Bezüge erhalten würde die er im gefunden uich arbeitsfähigen Zustande 1 nach dem Vertrag erKlt. Die Äußerungen der I Regierung standen hiermit nicht im Einklänge. I Die Regierung hals es nicht für billig «nd»er- I achtet es für eine zu große Belastung der klei- I neren und namentlich auch der verheirateten I und mit Kindern gesegneten Prinzipale, wenn I diese den erkrankten Gehilfen neben dem Kran- I kenqeld das sie aus der Krankenkasse beziehen, I auch noch das volle Gehalt weiter zahlen sollen, I und daneben noch auf eigene Kosten für eine I Vertretung des Erkrankten , zu sorgen haben. I Regierung und Reichstag stimmten aber bann I überein, daß eine klare aesetzliche Reaelung die- I ser Frage geboten sei. Wie die „Neue politische I Korrespondenz" hört, ist jetzt dem Bundesrat I eine Vorlage zuaetzingen, in welcher der schon I im Reichstage kundtzegebene Standpunkt der Re- I gierung seinen Ausdruck findet. Während jetzt I nach dem Handelsgesetzbuch der Prinzipal be- I rechtigt ist, dem Handlungsgehilfen für bte Zett I feiner Erkrankung bett Fortbezug des Gehaltes I vertragsmäßig zu versagen, würde nach der -/pr- I läge der Reäierung dieser Fortbezug des Ge- I Halles unbedingt dem Handlungsgehilfen ge­sichert sein. Dahingegen würde in bett Fällen, in welchen setzt der Handlungsgehilfe sein Ge­halt während der Erkrankung unverkürzt fort» hezieht, in Zukunft dem Prinzipal gestattet fein, auf das Gehalt dasienige in Anrechnung zu bringen, was bei Gehilfe an Krankengeld emp­fängt. Die neue von der Regierung vorge­schlagene Bestimmung sichert dem Handlungsge­hilfen unter allen Umständen eine Einnahme, welche derjenigen gletchkommt, die der Gehilfe im gesunden Zustande zu beanspruchen bat. Ver­mutlich wird die Vorlage noch zu ausführlichen Auseinandersetzungen im Reichstag Anlaß geben. Sie hat einen Vermittlungsweg einge­schlagen, insofern sie den Handlungsgehilfen nicht alles gewährt, was diese beanspruchen, andererseits aber auch den Prinzipalen mehr Verpflichtungen auferlegt, als diese zu tragen haben und auch ferner zu tragen wünschen.

— Zur Brandschatzung bet «rBertet. In der fetzten Nummer des Korrespondenzblattes der gewerkschaftlichen Generalkommission ist insge­samt über rund 54 000 Mark als Erträgnis ver­schiedener Sammlungen quittiert. Davon kommt bet Löwenanteil von über 48 000 Mark aus etne Sammlung für ausgesperrte Tabakarbeiter, bte übrige Summe verteilt sich auf Sammlungen für ausgesperrte Papierarbeiter in Norwegen und streikende Bäcker in Warschau. Das sind Be­träge die von den Arbeitern außer den Steuern, die sie für Gewerkschafts- und sozialdemokratische Kaffen zahlen muffen, jahraus jahrein herausge­preßt werden. Es würde sich verlohnen, ettte Zusammenstellung solcher Sammlungserträge, die die Gewerkschaften und bte Sozialdemokratie im Laufe eines Jahres aus den Arbeitern her­aus holen, zu machen. Man würde staunen, was diese Organisationen dem „Proletariat, das angeblich darben und hungern muß, zu- muten und wie finanziell leistungsfähig dtefes „ausgepowerte" Proletariat sein muß, wenn es für solche Zwecke soviel Geld übrig hat. Schon die vorstehend erwähnten 54 000 Mark aber, die in ein paar Wochen zusammengebracht worden sind, zeigen, wie planmäßig die organisierten

VermWes.

Eine Heirat mit Hinderni-sen. Aus London wird geschrieben: Einen wohl schon oft beige« wesenen, aber in solchem Maße geradezu uner­hörten schlechten Scherz hat sich jemand mit einem jungen Manne an deffen Hochzeitstag er­laubt. Der „traurige Spaßvogel", war wahr­scheinlich ein früherer Rivale um die Gunst der jungen Dame, bei ben Kürzeren gezoaen hatte. Der Schauplatz der Handlung war eine Straße in Bermondsey, im Südostcn Londons, wo bet Bräutigam ein Haus gemietet und bereits ein­gerichtet hatte. Die Trauung sollte in aller Stille am Samstag vollzogen werden, und er war daher nicht wenig überrascht, als ihm bet Briefträger gleich am Morgen fünfzig Briese brachte, in denen ihm Bekannte und Unbi- kannte herzlich für die fteundliche Einladung zur Hochzeit dankten und ihr Erscheinen zusag' len. Kaum hatte et sich von seiner Ueberraschu ung erholt, als sich ein Leickenbestatter einstelltt! und fragte, ob er die Leiche sehen könnte, um das Maß für den Sarg zu nehmen. Der Vräutigan? war wie aus den Wolken gefallen., fragte, was für eine Leiche und erfuhr da, daß es sich um feine Schwiegermutter bandle. Er klärte den Mann auf, daß er überhaupt noch nickt verheira­tet fei ftnb daß sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt habe. Der Leickenbestatter ging brum­mend davon und der Bräutigam hatte jetzt eine Stunde Ruhe, um seine Vorbereitungen zu tref­fen. Dann aber ging der Rummel erst recht los, Vor dem Haufe fuhr ein Bauerswagen, mit einigen Fässern Bier vor und wollte bteie mit Gewalt im Haufe obladen. Der junge Mann stritt sich noch mit ihm herum, als Bäcker. Flei­scher Konditoren. Fi'chhänbler. Gefiüaelhändler, Weinhändler und alle erdenklichen Lieferanten, auch ein Wagen mit Kohlen angesabren kamen, die alle Briese zeigten, in denen Bestellungen gemacht worden waren. Die ganze Straße war bald mit Wagen vollgepfropft. Dazwischen kamen noch Leute, die in Körben Blumen, Austern Earneelen uftn. brachten. Glücklicher­weise gaben fick schließlich alle damit zufrieden, das, sie zum Narren gehalten worden waren. Zuletzt kam noch ein Wagen mit einem gtop.cn Zelt für das Gartenfest anqesahrcn und beinahe zu gleicher Zeit auch der Kapellmeister bc< Blauen Ungarischen Musikbande, der sich noch einige Weisungen erbitten wollte. Als ihm der Bräutigam erklärte, er wiffe von nichts, tut eg. ihm dieser Herr ein großes gedrucktes Pro­gramm für das bevorstehende Gartenfest vor, auf welchem auch die Blaue Ungarischs Kapel.e ausdrücklich erwähnt war. Der Bräutigam er­griff schließlick die Flucht und eilte nach dem Hause seiner Braut, von Furcht erfüllt, da« sich dort ähnliches abgespielt habe. Dies war fedoch nicht der Fall, und da der Veranstalter dmes schleckten Scherzes nicht gewußt batte, tn welcher Kirche die Trauung startfindct. so war es mög­lich, diese doch in aller Stille zu feiern und dann unbemerkt von einem Ho.el. wo das Hr^-

I -eitsfrühstück für die Familie besteckt war, die Hochzeitsreise anzutreten. Der neue Schwieger­papa übernahm es dann, den am Nachmittag vorsvrechenden geladenen und uneingeladenen HoÄ-eitsgästen die erforderlichen Aufflarungen Ar geben. Als er aber bei dem Hause seines Schwiegersohnes ankam, fand er in dein Vor­garten ein halbes Dutzend großer Milchkannen, die der Milchhändler dort gelassen hatte und noch andere von einigen Laufburschen bewacyre

I Mundvorräte. Nach dem „Spaßvogel" wird ge- I fahndet.

Titel gesucht? Allgemeine Heiterkeit errege in der Wilhelmsburger Gemeinderatssitzung I eine Eingabe der dortigen Nachtwächter um I Verleihung einer anderen Amtsbezeichnung, „weil sie sich unter dieser Benennung bei Ein» I schreitungen nicht den nötigen Aewekt verschaf- I fen könnten und vielfach zum Gespotte der Leute würden". Und das Ergkcknis der, Beratung | über den Fall ist, daß künftig die Znsel Wik«,

# Der sechste Finger des Sixtus. Dr. E. T. schreibt der „Franffurt Zeitung" E Dresden. Die Bewunderer von Dresdens größtem Kunst­schatz, der Sixtinischen Madonna Raffaels, wur- den gewiß nicht weniger erschrocken sein, als der Schreiber dieser Zeilen, hätten sie vernehmen müffen, daß dem unvergleichlichen Bilde em un­erhörter anatomischer Mangel, etne Mißbildung ärgster Art, anhafte. Die Entdeckung diejer aus- sehenerregenben Tatsache war bem Professor bei Psychiatrie Dr. Hoche in Freiburg t. Br. ge- Untgen, bei sie auf bei eben jetzt hier tagenden Naturforscherversammlung der Menge der aus- horchenden Zuhörer mitteilt- Nicht alsob der B-fund an sich besonderes naturwissenschaftliches Interesse sür sich hätte in Anspruch nehmen kön­nen- „Hyperdaktylie" ist ein längst bekanntes Phänomen. Aber daß viele Tausende an dem Kunstwerke, in deffen Anblick sie sich gewiß! mit Andacht versenkt hatten, vorubergehcn konnten, ohne die kuriose Monstrosität zu bemerken, das ließ doch wohl weitgehende Schlüge psychologi­scher Natur zu. Wie wenig scharf doch muß.e die Beobachtungsgabe aller jener fein, die nicht be­merkt hatten, daß der vor der Madonna titteetibe Papst Sixtus an der rechten dem Beschauer ent­gegengehaltenen Hand — sechs Finger tragt. Co hat denn auch Raffael geschlafen, als er ftttt großes Werk schuf? Mir ließ es keine Ruhe. Gleich eilte ich, um mich zu Überzeugen,-l> die unerhörte Kunde Wahrheit fei ^ch trat ”° das Bild hin und heftete meine Augen, ohne die Göttliche eines Blickes zu würdigen, auf , oe Hand des unglücklichen Papste^ Und wahrha.- tia- ein aroei drei... sechs Fmger waren zu zählen. Oder sollte es vielleicht doch eine ung fein? Ganz nahe stellte ich mich vor das Bill) und es fiel mir em Schleier von den Augen; es war Schein, nicht Sein. Raffaels

Hesies-Naßsn Md NachhrrM-te.

Aus Naffa«, 20. Sept. Daß der Lehrermangel I in Nassau nicht ad- sondern zunimmt beweist die I Tatsache, daß zum 1. Oktober 54 Stellen zur Be- I setzunq ausgeschrieben sind. Dazu kommt noch, I daß eine sehr große Zahl von Lehrerstellen bte mitversehen werden, überhaupt nicht ausge,chtie- I

19. Sept. Prof. Bender, der Der- I tretet des Gaues Franffurt auf dem^Turntag I in Worms, referierte kürzlich im dichtbefetzten I Saale der Frankfurter Turngememde über bett I Wormser Turntag, wie zu erwarten war, haupt- Mchlich über die Affäre Stadtmüller. Ei sprach laut Lrkf. Ztg." zunächst über die Kampfe der Freien Turnerschaft gegen die deutsche -urner- schaft, erörterte eingehend den Antrag des Mainqaues, der sich gegen ein angeblich poli­tische/Flugblatt des Turnausfchusfts wandte und berichtete über ein privates Gespräch mit Stadtmüller auf dem Eauturntag in Marburg. Auf die Frage Benders, ob Stadtmuller als Gauvertreter schon einmal ein »Perl auf Deutsch- I land" ausgebracht habe, sei die Antwort ge- fallen: „So weit laffe ich es Nicht kommen. Zn Worms habe Stadtmüller bekanntlich ge­sagt „übtt Vaterlandsliebe laffe sich ftteucn". Das Habs einen Sturm der Entrüstung hervor, aerufen Von sozialdemokratischer Seite sei be­hauptet worden, in Worms seien 2000 Flächen Wein vertilgt worden, es seten aber: nur465 Maschen gewesen. Es könne also keme Rede ^von sein daß die 445 Turner, als sie gegen Stadtmülle'rs Worte protestierten, betrunken ge­wesen seien. Der Referent erklärte, noch keiner sei von ihm gefragt worden, welcher Partei er anaeböte- „Wir verlangen nur von jebem daß « ein Gut Heil auf Deutschland ausbnngen tann.“ Der Referent besprach dann noch tur- nerisch-technifche Fragen.

Grünberg, 20. Sept. Bei der gestern vorge­nommenen Gemeinderatswahl wurben gewahtt. Georg Möller II., Küfsrmeister, mit 250 St rn- men Hch. Schmibt H., Schloffermeister, mit 181 j Stimmen. Karl Schäfer L, ßttnbrout rutt ll Stimmen. Christoph Lauster III.. Schuhmacher­meister. mit 98 Stimmen.

Bübingen. 18. Sept. Beim Erummetlaben gingen zwei gute Pferde des Landwirts Faß aus Niedergründau mit dem Erntewagen durch, g - tirten in bte etwa einen halsten Meter tiefe Gründau und kamen dort, trotz eifrigstem Be­mühen einer Anzahl Leute, anscheinend infolge ei$aM (Rhön). 19. Sept, ^oßseusr äschcrte I wt» r*nn turn gemeldet, tn dem Nachbarorte Völkershausen zehn Wohnhäuser uebst Neben­gebäuden vollständig ein: darunter auch die I artnWrtngntur und das Gasthaus zur „Krone. I Das Feuer fand durch die gefüllten Scheunen reichlich Nahrung. Die weiften Abgebrannten find durch die Versicherung gedeckt Ueber bte I Entstehungsursache ist Genaues noch nicht

I mittelt. -

Klaffen zwischen Berlin vnd Metz und zwischen Berlin und Luxemburg ausgestattet und führt einen Speisewagen zwischen Berlin und Titer.

* Prüfung fit Hufschmiede. Am Sonnabend, den 2. November b. I., finbet in Cassel eine Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes statt.

)( Strafkammer. Der letzte Fall der gestrigen Sitzung betraf eine umfangreiche Beleidigungs­klage gegen einen Einwohner aus Neukirchen, der mit dem dortigen Bürgermeister in Konflikt geraten war. Nach mehrstündiger Verhandlung wurde der Strafantrag zurückgezogen. Die Kosten werden sich die beiden in Betracht kom­menden Leute teile«.

X Amöneburg, 20. Sept. Bei der gestrigen Versteigerung des städtischen Obstes wurden 740 Jt gelöst. Ein Baum mit etwa 15 Körben voll kostete durchschnittlich 15 bis 20 Gegen das Vorjahr war das Obst sehr billig.

Marburg rmd Umgegend, lNachdruck aller O-tginalartiket ist gemäß § Id d«1 Urheberrecht» nur mit der deutlichen Ouellenaagab« jCbttbefi. Ztg " gestattet)

w?flth*re, 21. Septbr.

• Neue D-Züge Frankfurt-Berlin. Vom | 1 Oktober ab wird ein neues D-Zugspaar zwi­schen Berlin und Frankfurt a. M. eingerichtet. Es sind dies die Schnellzüge, der morgens 5.57 vom Schlesischen Bahnhof, 8.13 vom Bahnhof Friedrichstraße über die sog. Kanonenbahn, San­gerhausen und Caffel nach Franffurt geführt wird, und sein Eegenzug, der auf demselben Wege abends 10.43 auf Bahnhof Friedrichstraße eintrifft. Der Zug ist in Frankfurt a. M. abends 7.05 und geht von dort 12.08 mittags zuruck. Er ist mit durchlaufenden Wagen aller drei der sie^fortgeriffen, verflogen war. Auf den Arm des Försters Dorn gestützt, schlich sie ganz in sich zufammmengesunken aus dem Saal.

Herr von Melnik sah sich von mehreren Be­kannten umringt, die in den lebhaftesten Aus­drücken ihre Teilnahme zu erkennen gaben und ihrer Entrüstung über das Betragen der För­sterin Eltester freien Lauf ließen. Am heftig- sten erregt zeigte sich der Amtsrichter von Reu­tern, aber auch der Konsul Bauer und der In­spektor Dietel ließen es an Ausrusen der Em­pörung nicht fehlen.

„Sie müffen unverzüglich eine Klage an­hängig machen, an der Frau muß ein Exempel statuiert werden. Wenn dergleichen ungestraft hinginge, wäre ja niemand mehr vor den bös­willigen Angriffen sicher!" rief Reutern. .

,Dis beste Widerlegung des blödsinnigen Angriffs, wenn es einer solchen überhaupt be­darf, wird die Verurteilung Eltesters fein, und die ist sicher," sagte Dietel.

„Sie müffen sich von der Alteration erholen, lieber Melnik, kommen Sie mit mit ins Vik- tortahotel, wir wollen frühstücken; Herr Amts­richter uno Herr Inspektor, Sie geben mit auch die Ehre," sagte bet Konsul gutmütig und legte Melniks Arm in den seinigen.

Der Amtsrichter lehnte dankend ab und ging nach feiner Wohnung, der Inspektor begleitete dagegen die beiden Herren nach dem Hotel, wo Bauer ein bereits bestelltes Frühstück auftragen ließ. Sie leerten zusammen einige Flaschen Champagner, und unter dem Emfiutz des Weines und dem Zuspruch seiner Gefährten hsben sich Melniks Lebensgeister wieder.

Arm in Arm mit dem Konsul und tu Die» tels Gesellschaft kehrte et nach Ablauf bet Pause nach dem Gerichtsgebäude zurück.

; Wortfetzuns folgt)'/