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8»sertto«»grbühr: die gespaltene Zelle oder bereu Kau» 15 Pfg.
Reclainen: die 3circ SO Dfa.
Marburg
Donnerstag. 19. September 1907.
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Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck und Verlag» Joh. Äug. Koch, UmversitätS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon ob.
Erstes Blatt.
Freisinnige Blockpolitik.
Die Verhandlungen auf dem Berliner Parteitage der Freisinnigen Volkspartei sind durchweg von der Blockpolitik beherrscht gewesen. Natürlich fehlte auch der Hinweis darauf nicht, baß- die freisinnige Fraktionsgemeinschaft das Sftfigtein an der Wage bilde. Aber welche noch so kleine parlamentarische Gruppe des Blocks glaubt nicht, dieses „Zünglein" darzustellen? Man kann fast sagen, daß je kleiner eine Gruppe, desto anspruchsvoller trete sie auf.
Der Parteitag der freisinnigen Volkspartei hat sich mit Einmütigkeit für das Festhalten tim Block ausgesprochen, er hat die von einzelnen Seiten erhobene Forderung, die Politik des Ab- wartens solle aufgegeben werden, zurückgewiesen und sich bereit erklärt, dem Reichskanzler zur Ueberwindung der Schwierigkeiten, die sich seiner Blockpolitik angeblich entgegenstellen, Zeit zu lassen. Die freisinnigen Volksparteiler legen also Wert darauf, den Bestand der konservativ- liberalen Mehrheit zu wahren. Sie haben aber auch gar kein Hehl daraus gemacht, aus welchem Grunde sie zu Vlockfreunden geworden sind. Es ist reiner Parteiegoismus, der das zuwege gebracht hat. Der Abgeordnete Dr. Müller- Meiningen hat ausdrücklich erklärt, der sogen, nationale Block bedeute lediglich ein Zusammengehen der beteiligten Parteien ad hoc, „soweit unser Programm dies zuläßt und soweit wir einen politischen Vorteil für die liberale Sache darin erblicken". ■ -
Man wird nicht gerade behaupten können, daß dies ein idealer Standpunkt sei; aber es war der des ganzen Parteitages, das konnte man aus dem Beifall entnehmen, der dem Redner gespendet wurde, und der besonders lebhaft erscholl, als der Redner erklärte: „Sehen wir uns aber getäuscht in unseren Erwartungen nach gemäßigt-liberalen Konzessionen im Interesse der fortschrittlichen Entwicklung des Reichsgedankens, dann rufen wir: Zurück auf die Schanzen, es lebe der frisch-fröhliche Kampf!" Also nur um des Vorteils willen beabsichtigt der männliche Freisinn im Block auszuhalten. Wenn er die verheißenen „gemäßigt-liberalen" Konzessionen eingeheimst hat, wenn er sieht, daß nichts weiter zu holen ist, gedenkt er zurückzukehren „auf die Schanzen", in die alte „glänzende" Einsamkeit. Eine eigentümliche Vorstellung von einem Block, der zur Hälfte aus konservativen Elementen besteht! Man höre nur die Defini-
42 «Nachdruck verboten.)
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
-'Mik' Wortsetzung).
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Die neue Schwurgerichtsperiode in Eutin hatte begonnen, und bereits waren mehrere Fälle zur Aburteilung gekommen, ohne daß die Einwohnerschaft sich sonderlich darum bekümmert hätte. Das wurde jedoch ganz anders an dem Dage, am welchem die „raufe celebre" der dies- praligen Verhandlungen, die Anklage gegen den .Forstkandidaten Georg Eltester, auf der Tagesordnung stand.
Der große Saal des Eerichtsgebäudes, in welchem die Verhandlungen stattfanden, war «lange vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele, die keinen Zutritt mehr ergangen konnten, harrten draußen im heißen Sonnenschein, ob nicht ein günstiges Ungefähr ihnen doch noch gestatten würde, sich mit in den Saal zu schieben.
llnd alle diese Menschen, die Zuschauer im Saale, wie die vor der Tür, waren nur einer Meinung, daß der Angeklagte des ihm zur Last gelegten Verbrechens schuldig sei. Wenn zwischen ihnen eine Meinungsverschiedenheit herrschte, so bezog sie sich nur darauf, ob auf Totschlag oder Mord erkannt und danach die Strafe schärfer oder milder bemessen werden würde.
Doktor Pfeiffer, der diese Stimmung sehr wohl kannte, gab sich deshalb gar nicht erst die Mühe, irgend einen der auegelosten Geschworenen abzulehnen; ihre Ansichten wichen, das wußte er zu genau, nur sehr wenig voneinander ab.
In dem mehr langen als breiten Eerichtssaal herrschte ein gedampftes Licht. Die Zahl der Zeugen war nicht groß, aber sie waren mit Ausnahme Melittas von Melnik, welche ihres ärztlich bescheinigten leidenden Zustandes halber dispensiert war, alle zur Stelle. Da war die eite Petersen und ihr Enkel, da waren die
tion des Abgeordneten Dr. Wiemer: „Blockpolitik ist — so erklärte er — das Zusammenwirken mit anderen Parteien von Fall zu Fall, um unter den einmal gegebenen Verhältnissen Gesetze in liberalem Sinne durchzubringen." Diese Definition dürfte weder von der Regierung noch von der Rechten anerkannt werden. Um der liberalen Minderheit die Kastanien aus dem Feuer zu holen, ist der konservativ-liberale Reichstagsblock wahrlich nicht geschaffen worden; die Blockpolitik kann vielmehr nur eine Politik auf Gegenseitigkeit sein, sonst würde sie bald in die Brüche gehen müssen.
Wie der Abgeordnete Wiemer, auf die zur Zeit schwebenden Verhandlungen bezugnehmend, mitteilte, soll bei der Reichsregierung zweifellos das ernstliche Bestreben bestehen, den liberalen Anschauungen möglichst entgegenzukommen. Es fragt sich nur, auf welche Punkte sich dieses Entgegenkommen erstrecken soll. Daß der Reichskanzler sich etwa vorgenommen haben sollte, mit der Zeit das freisinnige Parteiprogramm zur Durchführung zu bringen, wird auch der fröhlichste Optimist der Linken nicht glauben. Es dürfte sich eben immer um diejenigen Fragen handeln, an deren Lösung Fürst Bülow in diesem Februar im Reichstage „gedacht" hatte. Daneben aber hat der Reichstag doch auch noch andere Aufgaben, die die Blockmehrheit lösen soll. Wie gedenkt sich der Freisinn hierbei zu verhalten?
In der Finanzpolitik will, nach dem Partei- tagsbeschlusse, der Freisinn die bisherige Haltung einnehmen, ebenso in der Handels- und Verkehrspolitik. Diese Haltung war bekanntlich eine negative. Hinsichtlich der Militär- und Flottenfragen hat sich der Parteitag nicht festgelegt; doch hat der Abgeordnete Kopsch erklärt, man solle sich über' Fragen der Zukunft, wie über Flottengesetz, Quinquennat und ähnliche Dinge nicht den Kopf zerbrechen. Recht bezeichnend war folgende Stelle seiner Rede, die mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde. Abg. Kopsch erklärte: „Wir dürfen erwarten, daß man auch dabei uns Rechnung trägt, und wenn man eine Bindung im Flottengesetz macht und das Etatsrecht angreift, so wissen wir: dieses Gesetz ist eine Kriegserklärung für uns, und wir werden nicht warten, bis man uns den Stuhl vor die Tür seht, sondern erklären: auf die Brüskierung haben wir nur eine Antwort: dqnn gehen wir wieder unsere Wege." Das freisinnige „Zünglein" macht sich bemerkbar! In der preußischen Wahlrechtsfrage jedoch will der Freisinn sich von dem Drängen nicht beeinflussen lassen. Rach der vom Patteitage gefaßten Resolution wird die Freisinnige Frattion des Abgeordnetenhauses
Fischer, welche den Obersee durchsucht und die, welche die Leiche aus dem Kellersee gezogen hatten, da waren die Melnikschen Dienstboten. Ebenso war auch Herr von Melnik selbst erschienen, sehr bleich und, wie es denen, die ihn kannten, scheinen wollte, in der kurzen Zeit seit dem traurigen Ereignis sichtlich gealtert. Da war auch der Konsul Bauer aus Hannover, der Vormund der Gemordeten. Endlich war auch der Förster Dorn da, und auf seinen Arm gestützt, bleich und abgehärmt, in schwarzer Kleidung, Frau Eltester. Die arme Mutter hatte es sich nicht nehmen lassen wollen, zu kommen, um ihr Zeugnis abzulegen, obwohl sie darüber belehrt worden war, daß sie es verweigern könne, und der Gerichtshof von ihrer Vereidigung Abstand nahm. War sie doch unter allen hier Versammelten die einzige Person, die entschieden für ihren Sohn eintreten konnte!
Ach, sie wußte nur zu gut, daß dies von geringem Nutzen für ihn sein würde! Ihre Hoffnungen auf eine günstige Wendung waren fast gänzlich geschwunden.
Seraphine hatte geschtteben. daß alle ihre Bemühungen, Gertrud aufzufinden, vergeblich gewesen wären. Sie hätte nur so viel festgestellt, daß sie von Liverpool aus sich nicht nach Amerika eingeschifft haben könne. Es bleibe ihr nichts übrig, als unverrichteter Sache heimzukehren. Die Försterin hatte jetzt nur den Wunsch, daß sie erst nach Beendigung des Prozesses eintreffen und die schrecklichen Tage der Verhandlung nicht mit erleben nrüsse.
Die Vereidigung der Zeugen war beendet, sie wurden entlassen, um später einzeln öiebet vorgerufen zu werden, und der Präsident des Schwurgerichts befahl die Vorführung des Angeklagten.
Georg erschien, von zwei Cefängnisveamten geleitet und nahm auf der Anklagebank hinter seinem Verteidiger Platz.
Durch die Zuschauermenge ging eine Be- wegung, wie wenn der Wind durch die Wipfel der Bäume streicht; alle Blicke waren auf den jungen Mann gerichtet, ttnb Matt tÄinte ein*
„wie bisher mit allem Nachdruck" für die Beseitigung des Dreiklassensyftems eintreten.
Wenn der Freisinn gerade in seiner heutigen Lage, als Glied einer Reichstagsmehrheit, auf die die Regierung sich stützen will, besonderen Wert darauf legt, seine Grundsätze und Traditionen so scharf wie möglich hervorzuheben, so ist das begreiflich. Der Uebergang aus der Oppositionsstellung in das Regierungslager ist etwas plötzlich gewesen und für einen Teil des freisinnigen Anhanges verdächtig. Wenn gleichwohl auf dem Parteitage in allen Fragen Einmütigkeit erzielt worden ist, so ist das ein Ergebnis, auf das man im Freisinn mit berechtigter Genugtuung blicken kann. Dieses Ergebnis ist aber die Frucht froher und nicht allzu bescheidener Erwartungen. Im Freisinn sind sonnige Frühlingshoffnungen erwacht. Wir wollen d»sse Hoffnungen gewiß nicht stören. Von feiten der rechtsstehenden Parteien ist am aller- wencgsten eine Sprengung des Blocks zu befürchten. Droht der neuen Reichstagsmehrheit Gefahr, so nur durch die von der Linken kund- gegebenen Absichten, die „Gunst der Lage" völlig einseitig für liberale Parteiinteressen auszu- nützen. Wenn auch konservativerseits seinerzeit die Bereitwilligkeit, der Zusammensetzung der neuen Reichstagsmehrheit in entgegenkommender Weise Rechnung zu tragen, kundgegeben worden ist, so kann doch nimmermehr verlangt werden, daß die Rechte fortan nur noch liberale Politik machen solle. Das wäre eine Zumutung, die mit Nachdruck zurückgewiesen werden müßte.
Deutsches Reich.
— Zum Wechsel im Ministerium des Königlichen Hauses. Der Grund des Rücktrittes des Hausminisiers v. Wedel ist nach dem „Bett. Lokal-Anzeiger" lediglich in seinem hohen Alter zu suchen. Herr v. Wedel hat am 20. Mai ds. Js. seinen 70. Geburtstag gefeiert. Er sucht jetzt nach einem arbeitsreichen Leben die Ruhe und ländliche Zurückgezogenheit. Herr v. Wedel, zu Frankfurt a. M. geboren, schied 1876 als Landrat aus dem Staatsdienst und bewirtschaftete sein im Magdeburgischen gelegenes Gut Pies- dorf. 1881 kehrte er als Regierungspräsident in den Staatsdienst zurück. Von 1884 bis 1890 gehörte er dem Reichstag an, hiervon die ersten beiden Jahre als Präsident. In dieser Zeit empfing Prinz Wilhelm, der jetzt regierende Kaiser, Informationen über Reichstagsangelegenheiten durch Herrn v. Wedel. Hieraus entwickelte sich ein persönlicher Verkehr, der später zur Berufung in die so lange verwaltete Ver- ttauensstellung führte. Hausminister v. Wedel
ander zu, welchen Eindruck man durch seine Erscheinung empfangen habe.
Georg Eltester sah bleich und sehr ernst aus, aber keineswegs wie ein Mensch, der eine schwere Schuld auf dem Gewissen hat und der Sühne dafür entgegen geht. Er trug den grauen, grün aufgeschlagenen Jägerrock, seine Wäsche war blendend weiß, das kurz geschnittene Haar, wie der Bart waren sorgfältig gepflegt, sein Aeußeres mit einem Worte tadellos. Frei, doch ohne Keckheit, tr-ug er den hübschen Kopf auf den Schultern, sein Auge überflog furchtlos die Versammlung, und dann blickte er, nachdem er einen flüchtigen Gruß mit seinem Verteidiger getauscht, geradeaus nach der Bank der Geschworenen hinüber.
Die Anklageschrift, welche den Forstkandidaten Georg Eltester beschuldigte, in mörderischer Absicht Fräulein Gertrud von Kauffel in den Obersee geschleudert zu haben, wurde verlesen, und die stummen Zeugen dafür, die am See gefundene Schildplattnadel und die aus demselben gefischte Uhr und Kette vorgelegt. Der Angeklagte erkannte diese Dinge anstandslos als Gertrud von Kauffels Eigentum an und gestand auch bereitwillig zu, daß sie im Obersee gelegen habe, aber nicht er sei es gewesen, der sie hineingeschleudert, sondern im Gegenteil; er habe sie auf ihren Hilferuf gerettet und sie zuerst in die unweit des Sees befindliche Fischerhütte, dann zu seiner Mutter nach Segefeld gebracht.
„Sagte Ihnen Fräulein von Kauffel nicht, auf welche Weise sie in den See gekommen sei?" fragte der Präsident.
„Nein."
„Und hatten Sie auch keine Vermutung darüber?"
Der Angeklagte zögerte ein paar Sekunden, schien mit sich zu kämpfen, antwortete dann aber ein festes „Nein".
„Es ist doch aber sehr beftemdend, daß Sie nicht danach gefragt haben wollen."
„Sie kam mir zuvor und bat mich, er nicht zv tun, später, wenn vir Man» «nd Frau sein
ist Ritter des Schwarzen Adlerordens und Kanzler des Johanniterordens. Er ist in Berlin zur Zeit anwesend und führt die Geschäfte der ihm unterstellten Verwaltung, die et am Ende des Monats seinem Nachfolger übergeben wird. Der Oberhof- und Hausmarschall und Zeremonienmeister Graf zu Eulenburg, der mit der einstweiligen Uebernahme der Geschäfte des Ministers des königlichen Hauses vom 1. Oktober ab betraut ist, ist Ritter des Schwarzen Adlerordens mit Brillanten. Er wurde, nach Mitteilungen der „Kreuzzeitung", am 22. Oktober 1838 in Königsberg in Preußen geboren. Nacb« dem er im aktiven Heeresdienste bis zum Hauptmann aufgerückt war, trat er 1868 zur Reserve beim 1. Garderegiment z. F. über und wurde Hofmarschall des Kronprinzen. Am Kriege gegen Frankreich nahm er als persönlicher Adjutant des Kronprinzen teil und erwarb sich das Eiserne Kreuz. 1871 wurde er Vize-Oberzere- monienmeister bei Kaiser Wilhelm I. Seit 1890 ist er Oberhof- und Hausmarschall, sowie Oberzeremonienmeister beim Kaiser und Zeremonienmeister des Ordens zum Schwarzen Adler. Militärisch hat er seit 1904 den Charakter als General der Infanterie mit der Uniform des 1. Garderegiments z. F. Am 1. November 1906 feierte er den 50. Gedenktag seines Eintritts ins Heer.
— Landtagsersahwahl. Bei der Landtagsersatzwahl für den Wahlkreis Friedeberg-Arns- walde wurde Oberregierungsrat a. D. v. Voß (kons.) einstimmig mit 246 Stimmen gewählt.
— Reichstagsersatzwahl. Wie aus Straßburg i. E. gemeldet wird, ist bei der Reichstagsersatzwahl in Vischweiler der Kandidat des Zentrums, Holzhändler Uhrig von Sufflenheim gegen den Liberalen Fabrikdirektor Reibe! mit großer Mehrheit gewählt worden. 4
— Die Beratungen in Norderney haben, wie von interessierter Seite verlautet, volle» Einverständnis bezüglich des Zu« sammengehens der Regierung mit den jetzigen Mehrheitsparteien ergeben. Die Beratungen haben sich sehr schnell abgewickelt, so daß Abgeordnete, wie Liebermann von Sonnenberg nur wenige Stunden auf der ostfriesischen Insel zubrachten. f
— Regelung des Apothekcnvesrns. Die 4. Hauptversammlung des Verband« konditiouie^ render Avotheker Deutschlands, die in Düsseldorf tagte, erklärte in einer Resolution die ein« heitliche Regelung des Apothekenwesen» im Deutschen Reich für unbedingt notwendig und unaufschiebbar und das von den meisten deutschen Bundesstaaten angenommene Prinzip der unübertragbaren Personalkonzes^
würden, werde sie mir alles sagen. Ich wollft ihr diese Bitte nicht verweigern. Sie schenkt« mir so grenzenloses Vertrauen, nachdem länge« Zeit eine traurige Entfremdung zwischen an* geherrscht hatte." (
Auf Befragen des Präsidenten schilderte i\ nun sein Verhältnis zu Gertrud seit seines Kinderjahren, sein Arbeiten und Ringen, um eine ihren berechtigten Ansprüchen angemessen* Stellung zu gewinnen, und ihr von der versto« benen Mutter Gertruds gebilligtes Verlöbnis- Dann kam er auf das Zerwürfnis zu spreche» und beteuerte, er sei infam verleumdet, er und Gertrud wären das Opfer einer schändliche« Jntrigue. I
Hatte das bisherige Auftreten des Angeklagten, ungeachtet des allgemein gegen ihn herrschenden Vorurteils, auf Richter, Geschworene und Publikum einen günstigen Eindruil gemacht und Teilnahme für ihn erweckt, so ver, scherzte er sich diese durch die Heftigkeit, zu welcher er sich im Angedenken an das ihm angeblich zugefügte schwere Unrecht hinreißen ließ und durch die Beschuldigung der Fälschung, die er gegen Herrn von Melnik und den Konsul Bauer erhob. Auch leugnete er gar nicht, daß er in seiner Verzweiflung über Gertruds Verhalten gegen ihn schwere Drohungen ausgestoßen habe,' fügte indes hinzu, sie wären nur gegen ihn selbst gerichtet gewesen.
Man glaubte ihm nicht, sondern hielt ihn sehr wohl für fähig, in seiner Leidenschaft Hand an die sich von ihm abwendende Geliebte gelegt zu haben. In diesem Lichte betrachtet, erschien nun seine weitere Schilderung der Vorgänge durchaus unglaubwürdig. Wodurch hätte Gertrud von Kauffel so plötzlich die lleberzeugung von seiner Schuldlosigkeit gewonnen haben können, daß sie mit ihm heimlich nach Amerika gehen und bei den Jhttgen für tot gelten wollte? Abgesehen davon, daß für ein solch« Vorgehen doch eigentlich keine Veranlassung« Vorgelegen hätte. , , .,v'~
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