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MWW

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai«

SotttttaasbeUaaer Älluttrtrtes GsuuEaasKlstt. '

Jtl 217

Zweites Blatt

Oedländereien, der Heiden und Moore der Pro­vinz werden. Diesem Zwecke soll auch der am 19.April vom preußischenAbgeordnetenhause an­genommene Gesetzentwurf betreffend Aenderung des Hannoverschen Gesetzes über die Zusammen­legung der Grundstücke vom 30. Juni 1842 die­nen. Durch das neue Gesetz werden die han­noverschen Moore, die eine Fläche von rund 500 000 Hektar einnehmen, dem Verkoppelungs- zwange, von dem sie bisher befreit waren, unter­worfen. Damit ist die Möglichkeit gegeben, für die Moore allgemein ein geregeltes Wege- und Grabennetz zu schaffen, ein Fortschritt, der nicht nur eine weitere Steigerung der landwirtschaft­lichen Nutzung, sondern auch die Bildung zahl­reicher neuer Ansiedelungen zur Folge haben wird.

Die Besiedelung der ostfriesischen Moore soll jetzt durch ein gewaltiges industrielles Unter­nehmen gefördert werden. Hier errichten im Auricher Wiesmoore mit staatlicher Unter­stützung die Hanseattschen Siemens-Schuckert- Werke eine große elettrische Zenttale, für die als Kraftquelle der Torf dienen soll. Neben der Versorgung der umliegenden Orte (bis zu einer Entfernung von 50 Kilometer) mit Licht und Kraft soll das Werk namentlich der Urbar­machung der weiten ostfriesischen Hochmoore dienen, indem durch Torfpressen, die pro Ma­schine täglich bis zu 40 000 Stück Brenntorf Her­stellen, die Moorfläche abgetorft und zugleich kanalisiert wird, während weiter auch die not­wendigen großen Moorpflüge elektrisch bewegt werden. Der Betrieb soll am 1. Oktober begin­nen. Wie schnell sich unter günstigen Uniständen ein Umschwung in der Einöde vollzieht, beweist am besten der weite Moorbezirk zwischen Aurich und Emden, auf dem innerhalb der letz­ten 15 Jahre dank der Fehnkultur vier neue Kirchspiele gegründet wurden. Hoffentlich las­sen es an ähnlichen Bestrebungen auch andere Provinzen nicht fehlen.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. WilhelmshLhe, 13. Sept. Heute morgen machte der Kaiser mit der Vrinzessin Vtttoria Luise, die heute ihren 15. Ge­burtstag feiert, einen Spazierritt durch den Habichtswald. Der Kaiser spendete aus seiner

Erscheint wüchcntlich sieben mal.

Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, UmvcrMtEuchdruckmi 42. Jahrg

Marburg, Markt 21. Telephon »5.

Die Fremdenlegion.

Die Interessen Frankreichs und die franzö­sische Waftenehre werden zur Zeit in Casablanca durch Soldaten deutscher Herkunft wahrgenom­men, denn es ist fast ausschließlich die Fremden­legion, welche dort ihre Tätigkeit entfaltet hat, und diese setzt sich fast ausschließlich aus Deut­schen zusammen, die nach Afrika kommen und dort an Leib und Seele zu Grunde gehen. Un­begreiflicherweise finden sich im gegenwärtigen Augenblick deutsche Federn, die die ganze Ein­richtung der Fremdenlegion weißzubrennen und durch unrichtige Angaben die Anwerbung dafür

zu begünstigen suchen. Gerade wir Deutschen haben das wichtigste Interesse daran, daß die heillosen Zustände in der Fremdenlegion in im­mer weiteren Kreisen bekannt werden. Es ist geradezu gewiffenlos, die Behauptung aufzu­stellen, Mißhandlungen der Fremdenlegionäre seien ausgeschlossen. Im Gegenteil, sie sind an der Tagesordnung und tragen vielfach einen scheußlichen Charakter, während die Offiziere gleichgültig zuschauen. Die vielgerühmte Staatspension nach 15 Jahren ist nur eine ver­lockende Vorspiegelung: wenigen gelingt es, an­gesichts der unerträglichen Strapazen und häu­figen Krankheiten so lange auszuhalten. Noch windiger ist es mit der Aussicht, Sergeant, Feld­webel oder gar Offizier zu werden. Für einen Deutschen ist das letztere insbesondere, wie die Tatsachen lehren, vollständig ausgeschlossen. Wenn gesagt wird,Frankreich sei stolz auf seine Fremdenlegion und insbesondere auf den Hel­denmut der deutschen Legionäre" so ist das schon für jeden wirklich national empfindenden Franzosen eine eigene Sache, wenn er sich sagen muß:Für unsere nationale Ehre müssen sich Soldaten deutscher Herkunft die Schädel ein­schlagen laffen." Jeder Deutsche aber wird mit dem bekannten Schriftsteller Fritz Ohle, der das Elend der Fremdenlegionäre in herzzerreißender Weife geschildert hat, ausrufen müssen:Die Fremdenlegion ist ein Schandfleck für das ganze heuttge Menschengeschlecht." Deutschland ver­liert jährlich 4000 junge Männer an die Frem­denlegion, in der grauenhafte Laster und Krank­heiten herrschen, die die sittliche und körperliche Verderbnis der größten Anzahl der in sie Gera­tenen bedeutet. Die Akten der Metzer Kriegs- gettchte, so bemerkt hierzu aus eigener Erfahr­ung dieMetzer Zeitung", liefern hierfür ein Überreiches Material. Wer den Jammer und das Elend kennt, das über viele deutsche Fa­milie*. durch die Fremdenlegion gebracht wird, wer die Namen der jungen Legionäre liest, die fern von der Heimat einen frühen Tod gefunden haben, wer je die schaurigen Schilderungen derer mit eigenen Ohren gehört hat, denen es gelang, sich nach Ueberwindung unbeschreiblicher Schwie­rigkeiten und Hindernissen in Sicherheit zu brin­gen, der wird es nicht begreifen, daß es in Deutschland je jemand geben kann, der Fremden­legion in irgend einer Form das Wort zu reden.

Eroß-Almerodes) aus dem Presbyterium herausgedrängt, und zwar, wie sie meinen, allein dank den eifrigen Bemühungen Pfarrer Holzapfels. Daß auf der Wählerliste 50 Na­men fehlten und zwar ausschließlich Namen der Eemeinschastsgegner, wurde besonders übel ver­merkt. Schon damals tauchte, nachdem verschie­dene Klagen und Beschwerden beim Konsisto­rium ungehört verhallt waren, der Gedanke an den Austritt aus der Landeskirche in Eroß-Al- merode auf. In einem Lokalblatt wurde er zum ersten Male öffentlich erörtert. Das Konsisto­rium entsandte daraufhin den zuständigen Su­perintendenten nach Eroß-Almerode und nach allerlei Hin und Her, das für diesen kurzen Ueberblick kaum von Interesse sein würde, er­reichten die Beschwerdeführer die Bestallung eines ihnen genehmen Hilfsgeistlichen (der frü­here Hilfsgeistliche hatte mit Pfarrer Holzapfel Hand in Hand gearbeitet).

Die Kämpfe und Zwistigkeiten sind damit nicht aus der Welt geschafft, aber vorläufig doch einigermaßen zur Ruhe gebracht. Erst im April des Jahres 1907 setzten sie wieder in voller Stärke «in. Der Hilfsgeistliche verläßt die Stadt und ein anderer ist für das durch seine kirchlichen Wirren bereits berüchtigte Eroß-Al- merode nicht mehr zu haben. Ein Pfarrgehilfe soll wenigstens kümmerlichen Ersatz bieten, aber auch der Pfarrgehilfe ist offenbar nicht aufzu­treiben. So hat Pfarrer Holzapfel völlig freie Hand.

Inzwischen hat die Eemeinschaftsbewegung in Eroß-Älmerode große Fortschritte gemacht. Immer mehr trat ein ausgesprochen fanatischer Zug an ihr hervor. Pfarrer Holzapfel leitete nach wie vor die Zusammenkünfte. Als eine Art der Versiegelung pflegte er an die Bekehr­ten durch Handauflegen denFrieden" zu ver­teilen. Wie weit schon damals noch weitere ausgesprochen sektiererische Momente in die Er­scheinung traten, entzieht sich meiner Kenntnis, doch wird mir berichtet, daß eine Frau damals durch die Teilnahme an den Versammlungen in religiösen Wahnsinn hineingetrieben wurde.

Zungen, nur Du nicht. Da steht man mal, wie Du wirklich bist." Der Junge geht beschämt und am nächsten Tageredet er auch Zungen".

Die ersten Versammlungen waren die leb­haftesten. Es kam zu unerhörten Szenen. Man frohlockte in jubelnder Freude, fiel einander um den Hals, durchtanzte eng umschlungen den Saal. Andere warfen sich lang ausgestreckt an die Erde und bekannten ihre verschnoiegensten Sünden. Von Hurerei und ähnlichen Lastern war mit Vorliebe die Rede. Ein Dienstmädchen bezich­tigte sich des inttmen Umganges mit ihrem Herrn usw. Wieder andere brachten ihr irdisches Hab und Gut herbei, um es dem Herrn zu opfern: Uhren, Hüte, Kragen, Manschetten. Er soll damals auch viel gefastet worden sein, und die bei solchen Bewegungen nie ausbleibende Gesundbeterei setzte ein. Dann gingen die Wo­gen ein wenig sanfter, aber die Versammlungen dauerten fort, und man hat auch jetzt durchaus nicht den Eindruck, als ob die Bewegung im Sande verlaufen wollte. Von nah und fern finden sich Gäste in Eroß-Almerode ein, die Ge­schwister geben willig Quattier undreich ge­segnet" ziehen die Fremden wieder ihrer Heimat S, um dort ihrerseits eine ähnliche Eemein- aft ins Leben zu rufen. In Eschwege und Röhrda wird sehr planvoll gearbeitet, in Wild­ungen sind Versammlungen, in Rommerode haben sie gerade dieser Tage begonnen. Ein Evangelist aus Eberswalde schien bedenkliche Lust zu haben, in seiner Heimat ebenfalls das Feuer zu entfachen", und ein Soester, der wohl schon längere Zeit in der Brüder Mitte geweilt, trägt sich sicherlich mit einem ähnlichen Plane.

Ehe wir von den Folgen der Bewegung sprechen, noch einige Worte zu ihren Ursachen. Zunächst: der Heffe ist sehr religiös veranlagt. Wie das sächsische Vogtland, wie Württemberg und Ostpreußen, so hat auch das Hesienland von jeher einen günstigen Boden für sektiererische Keime abgegeben. Und nun bedenke man, wie sorgfältig der Boden in Eroß-Almerode durch die Eemeinschaftstendenzen Pastor Holzapfels vor4 bereitet wurde. Die Gemeknschaftsleute habe*-

So war jedenfalls der Boden wohl vorberei­tet für dieErweckung", die der Juli dem Hes- 'fentanbe bringen sollte. DieseErweckung" hat wie eigentlich fast alle derartigen religiösen Er­scheinungen ihren Ursprung in Amerika. Von Los Angeles, wo sich ganz ähnliche Szenen ab­gespielt zu haben scheinen wie nun in Cassel und Groß-Almcrode, wurde sie nach Norwegen herübergetraaen, von dort durch zweiSchwe­stern" aus Cbristiania nach Hamburg. Die eine dieser Schwestern war früher Putzmacherin, die andere Lehrerin. Ruf einem Schulspaziergang erhielt die Lehrerin eines Tages auf heißes Gebet die Gabe des Zungsnredens, und da sich diese Gabe auch zuweilen während der Schul­stunden geltend machte, so mußte sie den Dienst quittieren und wurde, gleich der ebenfalls mit Zungen redenden Putzmacherin, Wanderpre­digerin UnterZungenreden" versteht man das Reden in einer fremden, nicht gelernten Sprache. In Hamburg traf Evangelist Dall- meyer die beidenSchwestern" und bewog sie dazu, mit ihm in Cassel in dem von seinem Bruder verwaltetenBlauen Kreuz" Versamm­lungen abzuhalten. Schon in einer der ersten Versammlungen war Pfarrer Holzapfel mit einer größeren Schar seiner Gläubigen anwesend und am Tage seiner Rückkehr begann das gleiche Treiben wie in Cassel auch in Eroß-Almerode. Ein junger Schuhmacher, übrigens ein sympathi­scher und wirklich tief religiös empfindender Mensch, gab den Zungenredner ab. Seine Aus­sprüche blieben freilich vorerst noch unverständ­lich, aber bald war auch ein Ausleger zur Stelle. Und nun schossen die Zungenredner nur so aus der Erde. Meist find ee noch sehr junge unreife Menschen, die die Pubertätsjahre erst sehr kurz oder überhaupt noch nicht hinter sich haben. Das Zungenreden wird zum Sport, dem man fast mit Leidenschaft huldigt. Die Ehre erfordett es, daß eine Familie mindestens einen Zungenredner zu stellen hat. Mir erzählte mir folgende Szene zwffchen Vater und Sohn. Vater:Du bist doch sonst nicht so dumm. In der Schule immer vorn än. Und nun ist nichts mit DK. Alle reden sie

Privatschatulle 25 000 M für das von den preu­ßischen Eisenbahnern geplante Denkmal de» Mi­nisters von Budde in Bensberg am Rh. Da» Kaiserpaar unternahm heute nachmittag mit der Prinzessin Viktoria Luise und den Herren der Umgebung einen Ausflug im offenen Vierspän­ner nach dem Dörnberg, wo der Tee elngenom. men wurde. Der Chef des Zivilkabinetts von Lucanus ist heute abend hier eingetroffen.

Monarchenbegegnung. Nach einer Oien- Pester Meldung derHamb. Nachr." werden Kaiser Wilhelm und der König von Spanien Ende September mehrere Tage auf der Szantoer Besitzung des Erzherzogs Friedrich verbringen. Der Tag der Ankunft beider Monarchen sei noch nicht endgültig festgesetzt worden, doch seien von der erzherzoglichen Domänenverwaltung bereits alle Vorbereitungen zum Empfange getroffen. Eine anderweitige Bestättgung der Nachricht fehlt bis jetzt.

Prinz Waldemar von Preußen, der älteste Sohn des Prinzen Heinrich, wird im kommen­den Wintersemester die Universität Straßburz beziehen.

Dem Präsidenten des Reichstags, Wirkt, Geh. Nat Dr. Udo Grafen zu Stolberg-Wernigs» rode wurde das erbliche Recht auf Sitz und Stimme im preußischen Herrenhause verliehen.

Der Majoratsherr Siegmar Frhr. vo» Schrötter auf Eroß-Wohnsdorf wurde zum Mit- gliede des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt.

Die abessinische Gesandtschaft trifft auf der Reise nach Wien zu kurzem Aufenthalte in Dres­den ein und wird dort vom Ministerium de» Auswärtigen begrüßt werden.

Parlamentarier beim Reichskanzler. Berlin, 12. Sept. Wie dasBerl. Taaebl." mitteilt, ist auch der Reichstagsabgeordnet» Liebermann von Sonnenberg in Norderney vom Reichskanzler empfangen worden.

Zur Einberufung des Landtages. Ber­kin, 13. Sept. Wie eine parlamentarische Korrespondenz von gutunterrichteter Regierunas- stelle erfahren haben will, dürfte die Einbe­rufung des neuen Landtages trotz aller Mah­nungen erst im Januar 1908 erfolgen. Der Zeitpunkt der Einberufung hangt allein von der Fertigstellung des Staatshaushalts und der Be­amtengehältervorlagen ab, die Entscheidung liegt also im Finanzministerium.

Wiederaufbau der Burg Altena. Ber­lin , 13. Sept. Zu unserer Notiz in Nr. 110, daß von Professoren der Universität Münster eine Protesteingabe vorbereitet werde gegen den Wiederaufbau der Burg Altena wird uns aus Münsterer Professorenkreisen mitgeteilt, daß dort von einem derartigen Plane nichts bekannt ist. Es kann sich nur um einen Professor han­deln, der schon vorher in den Zeitungen gegen den Aufbau agltterte, und der trotz der kaiser­lichen Entscheidung weiter dagegen arbeitet. Die Universität als solche und die anderen Pro«

(Nachdruck verboten.),

Groß-Almerode.

r Von Eberhard Buchner.

Die merkwürdig religiöse Epidemie, von der Groß-Almerode gegenwärtig hetmgesucht ist, hat ihre Vorgeschichte. Sie ist in Kürze erzählt.

Seit 15 Jahren ist Pfarrer Holzapfel in Eroß-Almerode tätig. Er gehörte zu dem Kreise der ..Gemeinschaftsleute" und suchte von Anfang an den in dieser Richtung vertretenen Ideen in seinem Wirkungskreis möglichst unumschränkte Geltung zu verschaffen. Eebetsversammlungen und Bibelstunden wurden eingerichtet, die zu­nächst in den einzelnen Häusern stattfanden, spä­ter aber, wenigstens zum Teil, in das neuer- bauts Vereinshaus verlegt wurden. Holzapfel hat offenbar niehr und mehr den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Tätigkeit an dieser in- Umen Gemeinschaft verschoben und auf diese Weise sehr bald eine Schranke zwischen sich und dem nicht der Gemeinschaft anaehörenden Teil seiner Gemeinde errichtet. Er selbst fühlte das und gab diesem Gefühl wiederholt einen höchst auffallenden Ausdruck. So pflegte er von der K herab die Zweiteilung der Gemeinde in eise anzuerkennen, daß er offen zwischen wir" undihr" unterschied:Wir, die Erlösten, die das Heil erkannt haben," undIhr, die ihr noch nicht zum Glauben gelangt seid. Das ver­stimmte, noch mehr verstimmte es, daß Holzapfel auch beim Abendmahl die Unterscheidung durch­führte. Den Mitgliedern der Gemeinschaft .reichte er den Wein mit den Worten:Das ist das Blut Christi, für euch gläubig» Seelen gegeben und vergössen," bei den anderen ziel der Zusatz weg. Bei Begräb- nlpe.!1 "eMchtttts er die Eemeinschaftsleute als Brüder" undSchwestern", die anderen waren (hmVerstorbene". Zum Ausbruch offener Feindseligkeiten kain es indes erst gelegentlich der Presöyterialwahlen im Jahre 1305. Durch diese Wahl wurden alle Widersacher der Ge- chleinschaftsbestrebungen (und gerade unter ihnen befinden sich die angesehenste* Bürget

Vierteljährlicher Bezugspreis- bet oet Expll-üio« 2 MH, bet allen Postämtern 2,25 M. (eget Bestellgeld). JylUlVwij,

Sonntag. 15. September 1907.

Innere Kolonisation.

Der Oberpräsident der Provinz Hannover teilt in einem Erlasse den Plan eines umfassen­den Koloilisationswerkes mit. Er beabsichtigt, wieDas Land", das im Verlag von Trowitzsch und Sohn, Berlin, erscheinende Organ des Deut­schen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege des näheren ausführt, zum Zwecke der inneren Kolonisation die Gründung einer eingetragenen Genossenschaft mit beschräntter Haftung, deren Tätigkeit sich auf die ganze Pro­vinz erstrecken soll. Die Genossenschaft soll alle in der Provinz vorhandenen Kräfte zusammen­fassen, und so sind neben den Einzelmitgliedern vornehmlich als Genossen in Aussicht genom­men: Der Provinzialverband, die Landwirt­schaftskammer, die Landschaftliche Brandkasse, die Landesverficherungsanstalt, die Kreise, Ge­meinden usw. Ueberdies soll der Staat als Ge­nosse beitreten. Vorderhand ist die Haftsumme für einen Anteil auf 500 Mark festgesetzt. Als nächstes Ziel der Genossenschaft bezeichnet der Oberpräsident folgende Aufgaben: Ländliche Wohnstätten, vorzugsweise auf Grundstücken der Mitglieder zu errichten oder auszubauen, behufs Gründung ländlicher Wirtschaften ländliche Grundstücke anzukaufen und hierbei finanzielle Beihilfe zu leisten, endlich die innere Koloni­sation durch Auskunftserteilung über alle sie Hei reffenden Fragen zu fördern. Es ist zu hof­fen, daß die Genossenschaft bald ins Leben tritt. Eie würde die Handhabe bieten können, das Interesse weitester Kreise für die innere Kolo­nisation zu wecken und deren Beteiligung auch in finanzieller Hinsicht zu erreichen. Sie würde den Vorzug haben, daß sie sich den Kredit der Genossenschaftskassen in erheblichem Umfange zu nutze machen kann, eigene Mittel aber nur in verhältnismäßig geringem Maße zur Verfügung zu haben braucht. In einer Vorbesprechung mit Interessenten ist bereits darauf hingewiesen worden, daß bei der Durchführung der Koloni­sation jeder Schematismus vermieden werden soll. Für jede neue Gründung soll diejenige Form der Besiedelung gewählt werden, die dem Zwecke, nur lebensfähige Gebilde zu schaffen, Km meisten entspricht, so daß je nach den Um­ständen Eigenstellen in den verschiedenen For­men (Rentengüter, freie Stellen) oder Pacht- und Heuerlingsstellen vorgesehen sind.

Von besonderer Bedeutung dürste das Unter­nehmen für die Erschließung der umfangreichen