mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Reclamen: die tzellt 80 Dia.
Marburg
Donnerstag. 12. September 1907.
Erscheint wöchentlich siebe« mal.
Druck mtb Berlag: Joh. Ang.Koch, UmversttätS-BuchdruckerÄ
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Von den deutschen Ansiedlern in Posen.
Für das Gedeihen der neuen deutschen Ee- «aeinden in Westpreußen und Posen ist die richtige Auswahl der Ansiedlungskommission Wesentlich. Diese Aufgabe erfordert besondere Sorgfalt zumal von einer Staatsbehörde, die sich ganz anders wie der private Unternehmer puch für das Fortkommen der Ansiedler verant- ßoortlich fühlen mutz. Anfangs bestürmten schiffbrüchige Existenzen, Erundstückspekulanten Und Angehörige von Eesellschastschichten, die der Körperlichen Arbeit ungewohnt find, in großer Zahl die Ansiedelungskommission mit Ansiedel- ungsanträgen. Erst allmählich lieft lick der Be- werberkreis auf Leute zusammenziehen, die aus vem eigentlichen Bauernstands oder aus der ländlichen Arbeiterbevölkerung hervorgegangen und darin verblieben waren oder dahin zurück- ßukehren wünschten. Gerade in neuerer Zeit macht sich in den Jndustriebezirken des Westens und in. den Crotzstädten unter den Arbeitern, die aus den landwirtschaftlichen Teilen des Staates dahin abgewandert sind, in wachsendem sUmfange die Neigung zur Rückkehr in die Landwirtschaft bemerkbar.
Im allgemeinen steht fest: nicht wer durch die Cetzhaftmachung als Ansiedler — auch wenn sie ihm eine neue Existenz oder die wirtschaftliche Selbständigkeit bringt — auf der sozialen Leiter eine Stufe sinkt, also nicht wer, wie es bei der Ansiedlungskommission heißt, „vom Pferde auf den Esel kommt", ist ein brauchbarer Ansiedler, sondern der ist der beste, der durch die Ansiedlung selbst wirtschaftlich und gesellschaftlich aufsteigt. Der frühere ländliche Tagearbei- ter oder Handwerker, der auf diese Weise zu Lefitz kommt, der kleine Wirt, der seinen Besitz in der Heimat mit der drei- oder viermal so großen Änsiedlerstelle vertauscht, verbürgt ein sicheres Fortkommen in den Ansiedlungen.
Namentlich hat sich der West- und Süddeutsche als tüchtig bÄvährt. Er brachte in die neue Heimat die fortgeschrittene landwirtschaftliche Betriebsform, überlegene Intelligenz, eine Summe von Kenntnissen und Erfahrungen int Ackerbau und in der Viehzucht, starken wirtschaftlichen Sinn,, eine gehobene Kultur und einen gewissen Wohlstand mit. Er hat die Samenzucht (Rübensamen aller Art) und verschiedene neue Eetreidesorten und Fruchtarten (Flachs,'Hanf, Hirse, Linsen) in den bäuerlichen Betrieben der Ansiedlungsprovinzen eingeführt oder deren Anbau entwickelt. Der Westfale und Hannoveraner verpflanzten den Kuh-, Blätteroder Riesenkohl in den Osten. Der Pfälzer brachte die heimische Rebe mit, der Württemberger seinen Obstbau und seine Obstweinbereitung, der Badener den Tabakbau. 3n der Hebung der Rindviehzucht leisten namentlich der Rheinländer und der Nordwestdeutsche Großes. Die Westfalen sind in der Schweinezucht, die Pommern in der Gänsezucht voran. Und die meisten
scheel angesehenen Rückwanderer haben zur Aus- brettung der Bienenzucht in den Ansiedelungs- Provinzen ganz wesentlich beigetragen und darin hohe Annahmen erzielt.
Die Ansiedlung deutscher Rückwanderer aus Rußland bedeutet zwar vielfach die Einfügung einer von der hiesigen sehr verschiedenen niedrigeren Kultur in die geordneten Berhältnisie der Ansiedelungsprooinzen. Diese Rückwanderer haben sich aber bisher als bildungsfähig erwiesen, allgemein und namentlich was den landwirtschaftlichen Betrieb anlangt. Noch 18- bis 20jährige und ältere Angehörige dieser Ansied- lerklasie besuchen die zur kulturellen Hebung des Nachwuchses überall eingerichteten Fortbildungsschulen und zeigen große Lernbegierde. Allenthalben ist bei den Rückwanderern schon nach wenigen Jahren ein wirtschaftlicher Fortschritt zu erkennen. Und schließlich mutz die Erwägung den Ausschlag geben, daß das, was die Bäter etwa noch schuldig bleiben, die Söhne sicherlich leisten werden, und daß sie einen reinen Gewinn für die Bevölkerung des Staates bedeuten.
Die meisten Ansiedlungen sind aus Angehörigen verschiedener deutscher Stämme zusammengesetzt. Diese Mischung hat ihre Entwicklung gefördert. In landsmännisch geschlossenen Ansiedlungen besteht die Gefahr, daß die Ansiedler zu eigensinnig bei ihren heimischen Gewohnheiten verharren und versauern. Dagegen ist die Scheidung der beiden Bekenntnisse notwendig, damit eine einheitliche Gestaltung der Kirchen- und Schulverhältntzse in den Ansiedlungen ermöglicht wird. Elide 1906 waren 242 evangelische und 11 katholische Ansiedlungsdörfer gegründet und 77 evangelische und 8 katholische Dörfer im Entstehen. Außerdem sind in einer Reihe alter Landgemeinden evangelische und katholische Einzel- und Eruppenanstedlungen geschaffen. Die Ansiedlungsdörfer sind nach Bedürfnis mit ein- oder mehrklafsigen Schulen, mit Kirchen, Kapellen und Bethäusern ausgestattet.
Ihrer Herkunft nach stammen von den bis Ende 1906 angesetzten 11957 Ansiedlern aus Westpreußen 10,5 Proz., aus Posen 18,9 Proz., aus Ostpreußen 0,6 Proz., aus Brandenburg 6,5 Proz., aus Pommern 6,1 Proz., aus Schlesien 3,2 Proz., aus Sachsen 8,3 Proz., aus Schleswig- Holstein uj Proz., aus Hannover 47 Proz aus Westfalen 9,6 Proz., aus Hessen-Nassau 0,9 Proz., aus der Rheinprovinz 1,0 Proz., aus dem übrigen Deutschland ohne Preußen 14,0 Proz., aus dem Auslands (besonders Rußland) 20,4 Proz.
Die bis Ende 1906 in den Besitz ihrer Ansiedlerstellen eingesetzten Ansiedler haben zusammen ein Vermögen von 53*4 Millionen «M. (in barem Gelbe 43(4 Millionen M und in Werten 10 Millionen M) nachgewiesen. Davon fallen auf die Ansiedler aus dem deutschen Reiche ohne die preußischen Provinzen Westpreußen und Posen 28(4 Millionen = 53 Proz., auf die Ansiedler aus dem Auslands 13 Millionen M — 24 Proz., auf die Ansiedler aus Westpreußen und Posen 12 Millionen M = 23 Proz. Es
fallen ferner auf die Ansiedler im Eigentums- Verhältnis 49,2 Millionen— 92,4 Proz. und auf die Ansiedler im Pachtverhältnis 4,05 Millionen Jt — 7,6 Proz. Im Durchschnitt bringt jede zu Eigentum angesetzte Bnsiedlerfamilie 5350 X und jede Pächterfamilie 1785 M ein. An Ergänzungsdarlehen haben die Ansiedler bisher 7,8 Millionen erhalten, das find 27,8 Proz. des eingebrachten Vermögens der Ansiedler zu Eigentum, die allein solche Darlehen erhalten. Die Gesamtsumme, mit der die Ansiedler gegen Feuer versichert sind, beträgt 70 Millionen
Deutsches Reich.
— Besuch beim Fürsten Bülow. Die „Rordd. Allg. Ztg." teilt mit: Der japanische Botschafter Graf Jnouye ist am 9. September in Norderney eingetroffen, um sich vor seiner Abreise nach Japan vom Reichskanzler Fürsten von Bülow zu verabschieden.
— Bon der Armee. Das „Armeeverordnungsblatt"" veröffentlicht eine Allerhöchste Kabinettsordre, nach welcher ab 1. Oktober statt der bisherigen 5 Armee-Inspektionen deren 6 gebildet werden, welche folgendermaßen zusammengesetzt find: Die 1. Armee-Inspektion in Berlin aus dem 2., 8. und 9. Armeekorps: die 2. in Meiningen aus dem 6., 11., 12. (1. sächsischen) und 19. (2. sächsischen); die 3. in Hannover aus dem 7., 10 18. und 13. (württembergischen); die 4. in München aus dem 3., 4. und 1., 2. und 3. bayerischen: die 5. in Karlsruhe aus dem 14., 15. und 16.: die 6. in Berlin aus dem 1., 5. und 17. Bezüglich der Ernenung des General-Inspekteurs der 6. Armee-Inspektion wird eine besondere Verfügung erfolgen.
-r- Bon der Flotte. Apenrade, 10. Sept. 16 Linienschiffe der Hochseeflotte sind unter dem Befehl des Prinzen Heinrich hier vor Anker gegangen, um bis zum 13. d. M. mit ihrem Lan- dungskorpsFelddienstübungen vorzunehmen. Am Schlußtage werden die vereinigten Landungskorps gegen Teile des 9. Armeekorps operieren. — Aus Kiel wird geschrieben: Halbstock geflaggt hatten gestern die Schiffe der Hochseeflotte wegen des wäbrend der Flottenmanöver erfolgten Todes des Navigations-Offiziers des Linienschiffs „Braunschweig", Kapitänleutnant» Franz Eiebler, der sich durch besondere Tüchtigkeit im praktischen Dienst auszeichnete. Beim jetzigen Stellenwechsel sollte er zur Verfügung der 2. Marineinspektion treten. — Kapitän z. S., Freiherr v. Schimmelmann, Kommandant der „Preußen", ist zum 1. Oktober zum Oberwerftdirektor in Danzig ernannt worden. Korvettenkapitän v. Rostorff wurde zum persönlichen Adjutanten des Prinzen Adalbert von Preußen ernannt und der Marinestation der Ostsee zugeteilt.
— Der „Staatsanzeiger" erläßt eine Bekanntmachung betr. den Wettbewerb um den Preis der Giacomo Meyerbeerschen Stiftung für Tonkünstler für das Jahr 1908.
zg (Nachdruck verboten :
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
'(Fortsetzung)'.
„Die Wechsel find schon seit vorgestern fällig," sprach Kretschmann weiter, und Ton und Haltung verloren ein wenig von der bisher zur Schau getragenen kriechenden Demut. „In An- betrncht der Umstände habe ich mich bis nach dem Begräbnis ruhig gehalten — ein schönes, ein wirklich vornehmes Begräbnis, ich war natürlich piit draußen," schaltete er mit wichtiger Miene ein. „Ich erwartete, daß Sie heute kommen würden. Und da sind Sie ja auch."
„Ja, da bin ich," antwortete Melnik heiser Und mit einem höhnischen Lachen.
„Run, da können wir ja die Sache sogleich in Ordnung bringen," sagte Kretschmann und griff nach dem Schlüsselbund-, um einen dicht ließen seinem Schreibpult stehenden eisernen Schrank auftuschließen.
„Sie meinen wohl, ich habe die Summe in barem Eolde bei mir?" lachte Melnik in- tzrimmig.
„Nun, wenn auch das nicht, aber doch in guten staatspapieren: ich nehme sie zum Tageskurs. Was vom Konsul Bauer kommt, kann man unbesehen nehmen. Hier sind die Wechsel."
Er hatte den eisernen Schrank und dann eine darin befindliche Kasette aufgeschlossen, der er jetzt einige Papiere entnahm. Er sah Melnik erwartungsvoll an, der rührte sich aber noch immer nicht. ,
„Jst's gefällig?" ' ' V.'
/ „Ich habe weder Geld noch Papiere und kann Ihnen die Wechsel heute nicht bezahlen, sagte er, die Arme übereinander schlagend.
: „Was? Nicht bezahlen?" rief Kretschmantz und fuhr wie von einer Viper gebissen empot, setzte dann aber ßituu: Jt). Sie scherzen, mein
vom Geheimrat
len: ich glaube, „Mein Geld," wiederholte Kretschmann, „
-dani
andere
,als men
verehrter gnädiger Herr, ich sehe es Ihnen an, Sie lachen —"
„Ja, ich lache." Melnik sprang auf und trat auf Kretschmann zu, der bei seiner Annäherung die Wechsel schnell wieder in die Kasette warf und diese schloß. „Ich lache über das grenzenlos einfältige Gesicht, das Sie machen, sonst ist mir aber gar nicht lächerlich zumute. Mit einem Worte, Kretschmann, ich kann nicht allein nicht zahlen, sondern Sie müssen noch zuzahlen. Sie müssen mir noch Geld geben."
„Sind Sie rasend?" schrie jetzt der Händler brutal. „Wissen Sie auch, wie hoch sich meine Forderung an Sie beläuft?"
„Auf etwa dreihundertfünfzigtausend Mark, so genau läßt sich das bet dem lawinenartigen Anschwellen Ihrer Forderungen nicht bestimmen," erwiderte Melnik spöttisch. „Uebrigens haben Sie schon größere Forderungen von mir zu fordern gehabt, als jetzt, und nicht einen solchen Lärm erhoben, wie in den letzten Wochen."
„Ja, ja," stimmte Kretschmann zu, „aber hier, wo die Sache so einfach liegt —"
„Setzen Sie sich und lassen Sie sich die Geschichte erzählen," sagte Melnik und berichtete nun in vertraulichem Tone von seinem Besuche bei dem Konsul und dessen Weigerung, ihn in den Besitz der Erbschaft zu setzen, wobei er die Gründe des alten Herrn als völlig haltlos und als blose Schrullen darstellte.
„Es ist der barste Unsinn, einen Menkyen nicht für tot zu halten, dessen Leiche von mindestens zwanzig Personen rekognosziert ist," fuhr er fort, „wir würden wahrhaftig nicht das erste beste Frauenzimmer in unserem Familienbegräbnis beigefetzt haben. Und der Konsul zweifelt auch gar nicht daran, er ist ein solcher Sicherheitskommissar."
„Ist immer gut dabei gefahren, man kann sich ein Beispiel daran nehmen," bemerkte der Wucherer.
„Dann muß man auch Geschäfte machen, wie der Konsul Bauer, nicht solche, die kein allzuhelles Tageslicht vertragen, mein lieber Herr "Kretschmann," versetzte Melnik höhnisch, schlug aber sogleich wieder einen gemütlichen Ton an. „Doch streiten wir darüber nicht. Jeder nach seinem Geschmack, und ich möchte dem Konsul den feinigen sehr gönnen, wenn es mich nur nicht augenblicklich in Verlegenheit brächte. Mit Ihrer Hilfe werde ich sie aber überwinden."
„Mit meiner Hilfe. Ich muß drch sehr bitten!" rief Kretschmann und wollt: aufspringen.
Melnik drückte ihn nieder und sagte: „Bleiben Sie ruhig fitzen, lieber Freund, die Sache ist nicht angetan, um sich darüber sonderlich aufzuregen. Es kann Ihnen doch gleich sein, ob Sie von mir oder jemand anders die Zinsen für Ihr Geld bekommen."
„Und jetzt ist mir die von meiner Schwägerin zugefallen."
„Auf solchen Glücks- oder vielmehr Trauer- fall konnte ich nicht rechnen," sagte der Eeldver- leiher hämisch, „aber mo ist das Geld?"
„In der Kasse des Konsuls Bauer."
„Und der macht Schwierigkeiten? Ist irgend eine Klausel im Testament?"
„Damals standen Ihnen noch die Erbschaften : Geheimrat von Kaufte! und dessen Gemahlin in Aussicht."
„Sie können doch nicht annehmen, daß ein neuuzebnjähriges Mädchen ein Testament gemacht nat! Meine Frau ist ihre einzige Schwester und ihre einzige Erbin, sie bekommt uneingeschränkt den ganzen Nachlaß."
Kretschmann atmete auf. „Nun dann ~-\
„Aber erst in einigen 8" Sfe kennen des Konsuü P» Eigensinn."
— Das „Reichsgesetzblatt" enthält die «e. kanntmachung betr. Vorschriften über die gesundheitliche Behandlung der Seeschiffe in den deutschen Häfen nebst Desinfektionsanweisung vom 29. August 1907.
— Das Apothekengesetz. Wie die „Deutsche Tageztg." gegenüber anderslautenden Nachnch. len von unterrichteter Seite erfährt, ist es ausgeschlossen, daß der vom Reichsamte des Innern ausgearbeiteto. Gesetzentwurf über dieApotheken. frage schon im kommenden Winter den Reichstag beschäftigen werde.
— Die Erweiterung der amtsgerichtliche» Zuständigkeit. Die „Franks. Ztg." erfährt, die preußische Regierung habe fich dahin schlüssig gemach^, im Bundesrate für eine Erweiterung ber amtsgerichtlichen Zuständigkeit auf einen Streitwert von eintausend Mark einzutreten.
— Bom deutschen Anwaltstag. Mann- Her m , 10. Sept. In der heutigen zahlreich besuchten Versammlung de» deutschen Anwaltstages referierte, laut einem Privattelegramm der „Franks. Ztg.", Rechtsanwalt Eeiershöfer- Lürnberg über den Entwurf der Regierung zur 'Justizreform. Die Haupterorterung drehte sich um das statutenwidrige Verhalten des Vorstandes, der die Einberufung einer außerordentlichen Versammlung behufs Stellungnahme der Anwaltschaft zur Justizreform ablehnte. Für die Plenarversammlung ist durch Grünewald« Gießen ein Mißbilligungsantrag in Aussicht genommen.
— Ein Notenwechsel über die Marokko- Affäre zwischen Deutschland und Frankreich. Wie die „Nordd. Allg. Ztg.« mitteilt, hat sich zwi- schen Deutschland und Frankreich ein Notenwechsel vollzogen, der sich auf die Frage der Errichtung einer französischen Polizeitruppe in den marokkanischen Häfen bezog. Das offiziöse Blatt teilt mit: „In einem Promemoria der hiesigen französischen Botschaft vom 2. September wurde mitgeteilt, daß es in der Absicht der französischen Regierung liege, im Einvernehmen mit der spanischen Regierung und mit den eigenen Mitteln beider Mächte in denjenigen Vertragshäfen Marokkos, wo eine solche Mahre- gel als notwendig erkannt werden würde, eine provisorische Polizei einzurichten, mit dem Zweck, daselbst die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Bildung der in der Akte von Algeciras vorgesehenen marokkanischen Polizeitruppe zu erleichtern. Hierauf hat die deutsche Regierung geantwottet, sie habe von dieser Mitteilung und von der in dem Promemoria gegebenen Begründung Kenntnis genommen: sie entnehme daraus, daß die in Aussicht genommenen Maßregeln provisorischen Charakters seien und die Bestimmungen der Akte von Algeciras nicht präjudizkeren würde. Die deutsche Regierung habe die Befugnis Frankreichs, sich für die Borgänge von Casablanca Genugtuung zu verschaffen, anerkannt und beabsichtige nicht, der von Frankreich aus diesem Anlaß unternommenen und durch außergewöhnliche Umstände motivierten Aktion Schwierigkeiten zu bereiten. Sie
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mache: sie haben den Gewinn, ich bekomme nur sehr bescheidene Prozente."
„Kennen wir, Sie tun es aus reiner Menschenliebe," lachte Melnik. „Nun, meinetwegen, fo sagen Sie dem anderen, daß er warten muß."
„Das wird er nicht wollen." !
„Hören Sie, mein lieber Kretschmann, für s» dumm kann ich den oder meinetwegen die Herren nicht halten. Machen Sie jetzt Lärm, f» wird der Konsul, fo werden auch noch andere aufmerksam, und man weiß nicht, welchen Floh sie meiner armen guten Frau noch ins Ohr fetzen: bleibt aber jetzt hier alles hübsch ruhig, fo lasse ich fie im Ausland, komme mit ihrer Generalvollmacht her und nehme die Erbschaft in Empfang. Leuchtet Ihnen das ein?"
»Ja, ja, es klingt soweit ganz gut, wenn man nur gewiß wüßte —“
„Was denn?"
„Daß der Mensch da in Eutin wirklich verdonnert würde."
„Daran ist gar kein Zweifel," versetzte Melnik, „wenn nicht zum Tode, wird er sicher z« lebenslänglichem Zuchthause verurteilt."
„Sie sollten nachher ein Begnadigungsgesuch für ihn einreichen, denn Ihnen hat er doch einen g-oßen Dienst erwiesen," sagte Kretschmann mit zynischem Lachen, „Was hätte nur werd s 'len, wenn die junge Dame nicht ge- storven , e?"
„Das lassen Sie nun weiter nicht Fhre Sorge sein, mein lieber Herr Kretschmann," erwidette Melnik kurz und scharf, „sondern bleiben wir bei de:: Dingen, wie fie jetzt liegen. Sie werde« mir also die Wechsel auf vier, sagen wir auf
« 'Bodjen ptolongieten?“
„Ich weiß wirklich nicht, ob meine Hintermänner damit zufrieden find, ich muß ihnen di« Sache erst vorstellen," erwiderte Kretschmann,