Einzelbild herunterladen
 

mit

h

uni» Kirchhain.

Jo 212

>

vierteljährlicher

Dtl u

bei allen Postämtern 2,2a M. (ejcU Bestellgeld).

Jnsertionsgebühr: die gespaltene Zelle oder deren SIrum iL Pfg. Reclamen: die Zcilc 80 Via.

Dienstag, 10. September 1907.

Erscheint wLchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag' Joh. Aug. Koch, UniversttätEuchdruckerei 42. Jahr-.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die Vorgänge im Ooambolande.

' Jüngst erschienen in den deutschen Tages­zeitungen Nachrichten, denen zufolge Unruhen im deutschen Ooambolande nach Missionarbe­richten zu befürchten seinen, und daß vermieden werden möge, zu viel Truppen aus dem Norden Deutsch-Südwestafrikas gegen Morenga nach dem Oranje zu entsenden, während nach anderen Berichten cs sich im Ooambolande um Kämpfe der deutschen Ooambos gegen die portugiesischen Ovambos bandeln soll. Solange nicht a'ndere Meldungen cintreffen, darf man annehmen, daß cs sich um die alljährlich im Ooambolande unter den einzelnen Ovambostämmen slattfin- dendcn Raubzüge zur Erbeutung von Vieh und dessen Rückgewinnung handelt. Die Uneinigkeit der einzelnen Stämme untereinander ist die stärkste Waffe, welche Deutsche und Portugiesen gegen die Ovambos besitzen, und diese Uneinig­keit hat ihren Ursprung zum großen Teile in Viehdiebstählen. Namentlich sind es die Kuan- jamas, welche zum größten Teil auf portugiesi­schem, zum kleineren Teil auf deutschem Boden sitzen, die von Jugend auf in größeren oder klei­neren Trupps überraschend Nacbbarstämmen Vieh abtrciben, wobei mehr List als Tapferkeit zu beobachten ist. Die deutsch-portugienicke Grenze spielt bei diesen Ueberfällen gar keine Rolle, denn diese mit dem Lineal von Knnene zum Okavango (Kubango) auf der Karte ge­zogene Grenze ist für die dortigen Eingeborenen ein mehr oder weniger unbekannter Begriff.

Sehr wohl möglich ist freilich auch, daß die im Ooambolande gemeldete Unruhe, außer aus den iiblichen Viehräubereien, in diesem Jahre auch aus den Kriegsvorbereitunaen der Portu­giesen resultiert, denn diese ernsthaften Vorbe­reitungen für die Ende August vom Fort Ro^adas am Mittellauf des Kunene ins Ovamboland aufgebrochene Erpcdition werden Unzweifelhaft den Ovambostämmen ebenso im voraus bekannt geworden sein, wie cs die Vor­bereitungen für die 1894er E-vedition waren. Zweifelhaft ist nur, welche Missionare diese Un­ruhe im Ooambolande gemeldet haben sollen. Die zunächst in Betracht kommenden drei Sta­tionen der protestantischen Barmer Mission bei den Kuanjamas haben nichts berichtet. Es blieben also nur die Stationen der vrotestanti- schen finnischen Mission übrig, soweit das deutsche Ovamboland in Betracht kommt, doch ist auch in dieser Beziehung nichts bekannt ge­worden.

Im allgemeinen, schreibt Konsul Sinael- mann in derDeutschen Kolonialzeitung", läßt sich der gegenwärtige Stand der Ovambofrage dahin präzisieren, daß die deutsche Negierung daran festhält, das Ovamboland wie in den letzten 20 Jahren auch vorläufig nocki weiterhin sich selbst zu überlassen und auf Ausübung einer effektiven Herrschaft vorläufig noch zu verzich-: ten. Es bleibt weiter das Verbot des Betretens des Ovambolandes durch Händler von der deut-

81 tN-rckidruck verboten.)

Jlt den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

'(Fott.setzung).

Trotz der sehr ernsten Haltung, welche Mel- nik während des ganzen Gespräches zu bewahren gewußt, hatten seine Augen bei den letzten Aeußerungen des Konsuls unwillkürlich aufge­leuchtet. Nun zog sich sein Gesicht merklich in die Länge und cr stotterte:Nicht? Aber Sie sagten doch soeben

Daß die Papiere vorhanden und sehr schnell realisierbar sein würden," fiel der alte Herr ein. Ich darf sie noch gar nicht aus den Händen geben."

Weshalb nicht?"

Weil der Tod meines Mündels noch nicht über allen Zweifel festgestellt ist."

Melnik sprang jetzt so heftig auf, daß der Stuhl, auf dem er gesessen, ein Stück fortrollie. Aber welche Beweise verlangen Sie denn noch, Herr Konsul? Ist cs denn nicht genug, daß die Leiche der armen Gertrud unter der Teilnahme der halben Stadt gestern im Erbbegräbnis der Familie beiaesctzt ist und dort neben ihren El­ten ruht?"

<Unter den obwaltenden Verhältnissen darf ich mir daran nicht genügen lassen," erwiderte der Konsul, ohne sich aus der Fassung bringen zu lassen.

Und was verlangen Sie noch?"

Die. Verurteilung des Forstkandidatcn Georg Eltester durch das Schwurgericht."

Sie können doch unmöglich glauben" rief Melnik, der nur noch mit Mühe an sich hielt.

Was ich glaube oder nicht glaube, kommt hier gar nicht in Betracht," erwiderte der Kon­sul gelassen.Ich will Ihnen persönlich auch zngestchen, fest davon überzeugt zu sein, daß wir Gertrud von Kauffcl zur Ruhe bestattet haben

schen Seite aus (was aber natürlich den Handel von der portugiesischen Seite aus nicht aus­schließt), und beschränken sich die nördlichsten deutschen Militärposten lediglich auf die Beob­achtung, ohne sich um die Zänkereien der Ovam­bos untereinander, wie z. B. zwischen den Nef­fen des deutschfreundlichen Häuptlings Kom- bonde und deren Verwandten, zu kümmern. Auch von dem deutschfeindlichen Ondonqa-Hänptling Nechale, in dessen Scbaren der heldenhaft aus­haltende deursche Militärposten in Namutoni im Jahre 1901 sehr blutig ausräumte, ist kaum noch etwas zu fürchten, ist er doch gelähmt und hat inzwischen die Macht der Deutschen im Herero- lande kennen gelernt. Selbstverständlich 'müssen wir über kurz oder lang auch einmal der Frage der Okkupation des deutschen Ovambolandes, das uns bisher bereits tüchtige Minen- und Eissnbahnarbeiter lieferte, näher treten, und in der Kolonialverwaltung werden in dieser Be­ziehung wohl schon bestimmte Absichten vor­herrschen.

K Deutsches Reich.

Schlug der Flottenmanöver vor dem Kaiser. Wilhelmshaven, 7. Sept. Die Flotten­manöver wurden gestern Abend beendet. Die Flotte ankert zwischen Schilligreede und Wil­helmshaven. Der Kaiser verließ heute Nach­mittag 4% Uhr die JachtHohenzollern" und fuhr in einem offenen Wagen zur Kaserne des zweiten Seebataillons durch die reichgeschmück­ten Straßen, in denen Schulen und Kriegerver- cine Spalier bildeten. Nach der Ankunft vor der Kaserne schritt der Kaiser mit dem Groß- Herzog von Oldenburg und dem Vizeadmiral vom Ahlefeld die Front des hier ausgestellten zweiten Seebataillons ab und überreichte mit einer Ansprache ein Fahnenband. Der Kom­mandeur des Bataillons, Major von Schelika, dankte und brachte das Kaiserhoch aus. Hierauf erfolgte der Parademarsch, wobei der Eroßher- zog dem Kaiser das Bataillon vorführte. Unter tausendstimmigen Hurras fuhr der Kaiser zu der Hohenzollern" zurück. Das Wetter ist pracht­voll. Abends um 7 Uhr folgte ein Paradedincr im Offizierkasino. Der Kaiser brachte hierbei folgenden Trinkspruch aus:Ich wiederhole noch einmal aus ganzem Herzen meinen Dank, den ich Ihnen heute Abend ausgesprochen habe, für Ihre Treue und für Ihr zielbewußtes Wirken, was zu so schönen Resultaten geführt hat. Eurer Königlichen Hoheit danke ich, daß Sie in dem Sinne meiner Befehle und Kabinettsorders die Flotte so ausgebildet haben, wie ich es mir ge­wünscht habe. Ich weihe dieses Glas meiner Marine, der Hochseeflotte und Ihrem erlauchten Chef, dem Stolz des Vaterlandes, der Zierde meines Hauses. Meins Herren! Die deutsche Marine, dis Hochseeflotte und ihr Chef: Hurra!

Hurra! Hurra!" Prinz Heinrich von Preußen erwiderte folgendes:Im stolzen Bewußtsein, vor dem strengen, kritischen aber gerechten Auge Eurer Majestät bestanden zu haben, mit den Gefühlen des auf das Allertiefstt empfundenen und tief im Herzen sitzenden Dankes gegen die geliebte Person Eurer Majestät sind wir von dem einzigen Gedanken beseelt, unsere Pflicht zu tun zur Ehre des Vaterlandes und zur Ehre von Eurer Majestät Person, Gott schütze, Gott segne Eure Majestät! so denkt das Seeoffizierkorps, so denkt der Geringste unter uns. Erheben Sie Ihre Gläser, meine Herren, legen Sie alle Ihre edelsten Gefühle in den Ruf hinein: Seine Ma­jestät, unser allergnädigster Kaiser, unser ober­ster Kriegsherr, Hurra! Hurra! Hurra!" Wilhelmshaven, 8. Sept. Der Kaiser hielt heute Vormittag um 10 Uhr Gottesdienst auf der JachtHohenzollern" ab. Die Hochsee­flotte ist heute früh nach Kiel in See gegangen. Nach der Beendigung des Gottesdienstes be­sichtigte der Kaiser die neue Kaiserbrücke. Um 12 Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers. Mittlerweile ist der Kaiser in Cassel angekom­men. Wir erhielten folgende Meldung: Der Kaiser traf abends um 7V-> Uhr auf dem Haupt­bahnhof ein und begab sich im Automobil nach dem Residenzschloß, wobei er von der angesam­melten Mneschenmenge jubelnd begrüßt wurde. Im Residenzschloß fand ein Festmahl für die hier anwesenden Fürstlichkeiten, Manövergäste und fremdherrlichen Offiziere statt, an dem auch die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden von Cassel teilnahmen. Die Stadt ist festlich ge­schmückt. Wie aus dem kaiserlichen Oberhof­marschallamt mitgeteilt wird, kommt das kaiser­liche Hauptquartier für die Manövsrtage nach Wilhelmshöhe ins Schloß, also nicht nach Kor- vey, wie in den letzten Tagen vielfach behauptet worden ist. Der Kaiser wird an allen drei Ma- nöoertagen von Wilhelmshöhe mittels Sonder­zuges abfahren und in dem Städtchen Brakel oder in dessen Nähe zu Pferde steigen oder mit­tels Kraftwagens nebst Gefolge sich ins Ma­növergelände begeben und dort erst zu Pferde steigen.

Die Englandreise des deutschen Kaiser­paares. Nach einer Meldung des Londoner Standard" wird das deutsche Kaiserpaar bei seinem für November in Aussicht genommenen Besuch in England auch die Londoner City be­suchen; die städtischen Körperschaften hätten die Absicht, die Majestäten zu einem großen Em­pfang und Frühstück in der Guildhall einzuladen.

Einberufung der Landtags. Berlin, 7. Sept. Gegenüber anderslautenden Mel­dungen kann dieVoss. Ztg." zuverlässig Mit­teilen, daß die preußische Regierung an der Ab­sicht, den Landtag vor Weihnachten einzube-

Nun also?"

Es gibt aber doch Leute, die abweichender Meinung sind."

Eltester und seine Mutter," versetzte Melnik wegwerfend,Sie wissen wohl, warum."

Und die alte Köchin JhrerSchwiegereltern," fügte der Konsul nachdrücklich hinzu. Ohne sich um das verächtliche Achselzucken des anderen zu bekümmern, fuhr er fort:Obwohl es kaum zu erwarten ist, bleibt cs doch nicht ganz ausge­schlossen, daß der Wahrspruch der Geschworenen Eltester günstig lautet

Das ist ganz unmöglich!" rief Melnik, der im Zimmer auf und ab gelaufen war und jetzt wieder vor dem Konsul stehen blieb.

Das ist auch meine Meinung, trotzdem hört mein Amt als Gertruds Vormund erst nach Eltesters Verurteilung auf."

Und wenn wenn, was ganz undenkbar ist jener Bube freigesprochen würde?" Melnik fragte es mit einem nervösen Lachen, während er kraftlos wieder auf den Stuhl sank.

Dann müßte der Auslieferung der Hinter­lassenschaft an die Erbin erst die gesetzliche Todeserklärung mit allen dazu erforderlichen Formalitäten vorangehen."

Darüber könnten Jahre verstreichen."

Gewiß. Aber Sie haben das leider nicht zu befürchten und werden am Tage nach der Be­endigung der Schwurgerichtsverhandlung in Eutin hier die Papiere und Gelder in Empfang nehmen können."

Ich habe Ihnen bereits gesagt, aus welchen Gründen ich das vermeiden möchte; Melitta soll nicht wieder hierher kommen, die Erschütterun­gen bei der Gerichtsverhandlung iit Eutin Nüs­sen ihr erspart bleiben." . . .....

Das wird sich einrichtrg lassen; sie kann Ihnen Generalvollmacht geben/' >.-.« ,

»Das möchte ich nicht; ich habe auch Rück­sichten zu nehmen.^ ' ~ - t"**

Nun, schlimmstenfalls behalte ich die Ver­waltung des Vermögens bis nach Ihrer Rück­kehr und sende Ihnen die Zinsen," sagte der Konsul gutmütig.

Aklnik richtete sich steif auf und antwortete plötzlich sehr von oben herab:Ich danke Ihnen verbindlich, Herr Konsul, wir dürfen Ihnen zu den vielen Lasten, die sie für das Gemeinwohl tragen, nicht auch noch diese auferlegen."

Ich hätte die Arbeit doch noch für zwei Jahre gehabt, wenn Gertrud am Leben geblie­ben wäre," erwiderte der Konsul.Es würde für mich keinen großen Unterschied machen; je­doch wie Sie wollen. Am Tage nach der be­endeten Gerichtsverhandlung in Eutin steht Ihnen die Erbschaft zur Verfügung."

So muß die Angelegenheit in der Schwebe bleiben," antwortete Melnik, indem er sich erhob und dem Konsul die Hand zum Abschied bot. Leben Sie wohl, ich werde trotzdem mit den meinigen die Reise antreten, im Grunde ist's ja auch einerlei, es liegt alles in guten Händen."

In besseren als in den deinigen," murmelte Konsul Bauer, in sein ZinAner zurückkehrend, nachdem er seinen East bis an die Türe begleitet hatte.Mit allen diesen Mätzchen täuscht mich der edle Herr von Melnik nicht. Er braucht das Geld, und eben, weil ich das merke, werde ich es ihm vorenthalten, so lange sich nur ein Vorwand dafür ersinnen läßt. Was dieser Mensch meinem Freunde. Kauffel gekostet hat, das hat außer den beiden wohl niemand erfahren, und ich fürchte, Melnik ist sich selbst nie darüber klar geworden. Rach dem Tode des Schwiegervaters hat er zwei Millionen Mark bekommen, nach dem Tode der Hüten Frau von Kauffel wieder so viel, und da­von scheint nur wenig noch vorhanden zu sein. Wie lange wird denn das Vermögen vorhalten, das ihm durch das Unglück des lieben Kindes in den Schoß geschleudert worden ist? Arme Me­litta, ich fürchte, Dir stehen noch recht trübe Er- kahrungen bevor l Warum Kauffel nur für sie

rufen, nach wie vor festhält, da das Parlament viel Arbeitsstoff zu bewältigen haben wird. Wenn das Staatsministerium, dessen Mitgli» der zurzeit noch nicht vollzählig hier anwesend sind, über die Zeit der Einberufung auch noch keinen endgültigen Beschluß gefaßt haben kann, sind doch gegenwärtig gar keine Gründe vorhan­den, die es veranlassen könnten, von der Absicht der frühen Einberufung abzugehen.

Ein Protest. Gegen den vom Kaiser ge­nehmigten Wiederaufbau der Burg Altena wird von Professoren der Universität Münster, einer Anzahl Kunstgelehrten und 34 Gemeinden des märkischen Landes eine Protesteingabe vorbe­reitet, die dem Kaiser überreicht werden soll.

Bon den Jungliberalen. In Kaiserslau­tern sind zu dem 9. Vertretertage des Reichsver­bandes der Vereine der nationalliberalen Ju­gend bereits über 100 Delegierte eingetroffen. Am Freitag fand eine mehrstündige Vorstands­sitzung statt, in der die Tagesordnung besprochen wurde. Hieran schloß sich eine Versammlung der preußischen jungliberalen Vereine in der die Gründung eines Landesverbandes der Preu­ßischen Jungliberalen Vereine beschlossen wurde.

Bon der Reichshauptkasse. Aus dem Fi­nalabschluß der Reichshauptkasse ersteht man auch, wie sich die Erträge aus den neuen Steuern im Jahre 1906 endgiltig gestaltet haben. Im Etat hatte man sie auf rund 61 Millionen dl geschätzt und zwar sollte die Zigarettensteuer 4 Millionen, der Frachturkundenstempel 11, der Personenfahrkartenstempel 24, der Kraftfahr­zeugstempel 2, der für die Vergütung an Auf­sichtsratsmitglieder 7 und die Erbschaftssteuer 8 Millionen dl aufbringen. Dazu sollten noch 5 Millionen Mehrertrag aus der Brausteuer treten. Was zunächst die letztere Steuer betrifft, so hat sie nicht 5, sondern 10,8 Millionen dl über den Etatsanschlag erbracht. Mit einem Heber« schuß figurieren dann aber auch nur noch die Zigarettensteuer und der Frachturkundenstempel, jene in Höhe von 2,7, dieser von 0,1 Millionen dl. Das Eesamtmehr, das sich danach bei den neuen Steuern ergeben hat, beläuft sich auf 13,6 Millionen dl.' Ihnen steht ein weit stärkerer Fehlbetrag gegenüber. Es erbrachten weniger der Personenfahrkartenstempel 12,4 Millionen M, der Kraftfahrzeugstempel 0,8 Millionen dl, der Stempel für Vergütung an Aufsichtsratsmit­glieder 4,6 Millionen dl und die Erbschafts­steuer 3,8 Millionen dl, zusammen 21,6 Millio­nen dl. Es ist demgemäß bei den neuen Steuern im Jahre 1906 ein Fehlbetrag von 8 Millionen dl zu verzeichnen gewesen, d. h. sie haben nicht 61 Millionen dl, sondern nur rund 53 Millionen dl erbracht. Im Mai 1907 schätzte der Staats­sekretär des Reichsschatzamts das Ergebnis der neuen Steuern für 1906 in der Budgetkommis«

und die Kinder nicht etwas festgesetzt hat, was der Herr Schwiegersohn nicht angreifen kann? War so ein kluger, vorsichtiger Mann und könnt« doch eine solche Dummheit machen!"

Er stützte den Kopf in die Hand und blickte sinnend vor sich hin.

11.

Hoch erhobenen Hauptes, aber mit düsterem Blick und tief gefurchter Stirn schritt Herr von Melnik die breite, mit Platanen, Ulmen und Ka­stanienbäumen besetzte Allee entlang, welche von der kleinen Villenkolonie auf dem Schiffbauer- damrn bis zur Stadt führt. Die sonst belebte Promenade war heute ziemlich menschenleer, denn das Wetter war zum Spazierengehen durch­aus nicht einladend. Schon seit dem frühen Morgen war der Himmel bleigrau und schien sich tief auf die Erde hinabsenken zu wollen. Eine schwere, drückende Luft lastete auf Menschen und Tieren, und ließ auch Bäume und Pflanzen die Blätter senken. Einzelne aufspringende Wind­stöße brachten keine Kühlung, sondern wirbelten nur dicke Staubwolken atembeklemmend empor. Alles lechzte nach Regen, dessen Vorboten vor­handen waren und der noch nicht kommen wollte.

Die wenigen Personen, welche sich auf bet Promenade befanden, hatten genug zu tun, Hüt« und Kleider gegen den immer heftiger werden­den Wind zu schützen und achteten weniger auf die Begegnenden; auch Herrn von Melnik fuhren die Staubwolken mehrmals ins Eestcht und hin­derten ihn am Sehen, trotzdem fetzte er die Höf­lichkeit keinen Augenblick beiseite und tauscht« mit Bekannten Grüße aus.

Endlich mochte cs ihm aber doch zu viel wer­den. In der Nähe des Tores tief er einen dort mit feinem Gefährt haltenden Droschkenkutscher an, nannte ihm die Straße, wohin cr gefahren sein wollte, und stieg ein, den Schlag dröhnend hinter sich zuwenend.

'(Fortsetzung folgt.)