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mit dem Kreisblatt für die Meise Marburg und Kirckkaiit.

Sonntaasbeilaae: MuürirLes SsuutaaSblai^

211

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Neclamcn: die 3eifc 30

Marburg

Lonnlag. 8. September 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Vertag- Ioh. Aug. Koch, UniversitätSÄuchdruckera 42. Jahrg.

Marburg, Markt 2t. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Abesfinnien.

Durch die außerordentliche Gesandtschaft des Königs Menelik von Abessinien ist dieses Lün- dergebiet Ostafrikas, das eine Größe von rund 400 000 Quadratkilometer hat und etwa 4 Mil­lionen Einwohner zählt, in den Vordergrund des Interesses gerückt. Noch vor einigen Jah­ren war Abessinien noch das dunkelste Land im dunkeln Weltteil", bis es in neuerer Zeit, durch die verschiedenen Kriegszüge der Eng­länder im Jahre 1868 und der Italiener im Jahre 1896, wo bekanntlich nach der Schlacht bet Adua den Italienern der Gedanke an eins Okkupation dieses Landes vertrieben wurde, immer mehr an Bedeutung gewann oder we­nigstens Beachtung fand. Abessinien liegt heute dem Weltverkehr noch ziemlich fern. Das Land ist nur mühsam zu erreichen, wird aber aller Voraussicht nach in absehbarer Zeit durch die Vollendung der von französischer Seite in An­griff genommenen Eisenbahn aufgeschloffen wer­den. Dadurch dürften seine natürlichen Reich­tümer dann in ganz anderer Weise als.jetzt zur Geltung gelangen. Von Deutschland aus ist Abeffinien heutzutage am besten mit einem Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd über Aden zu erreichen, von wo eine andere Dampfer­verbindung den Verkehr nach der ostafrikanischen * Küste vermittelt. Von dort müßte die Reise in * das Innere Abessiniens auf dem Landwege fort­gesetzt werden.

Die Gesandtschaft, über deren Ankunft in Hamburg durch den NeichspostdampferPreu­ßen" des Norddeutschen Lloyd, die Reise nach Berlin umd die Vorstellung beim Kaiser usw. wir unsere Leser auf dem Laufenden hielten, setzt sich zusammen aus dcnt Kriegsminister Ge­neral Maschescha als Leiter, ferner dem Han­delsdirektor vom Bezirk Haraar, Herrn Jgazu, dem Dolmetscher, Herrn E. Sorney, Herrn I. G. Hall und Herrn Lidsch Me Kondem, Sekretär des Generals, sowie aus drei Dienern. General Maschescha ist einer der bedeutendsten Würden­träger des Kaisers Menelik, der das Amt eines Provinzstatthalters inne hat und als solcher auch Oberkommandierender der Truppen in sei- nem Bezirk ist. Er ist wiederholt vom Negus für außerordentliche diplomatische Dienste ver­wandt worden. In erster Linie ist die Mission Mascheschas als eine Erwiderung des Negus Menelik auf die vor zwei Jahren erfolgte Ent­sendung des deutschen Gesandten Dr. Friedrich fr- ......... . a

DerMarburger Brief an Herrn Tobias Knopp" und der Obcrhefsische

Tonristenvcrei».

Der streitbare Verfasser desMarburger Briefes" hat das Verdienst, auf manche zweifel­los. vorhandenen Schäden hingewiesen zu haben, und man kann nur wünschen, daß alle, die es an­geht, manche Mahnung beherzigen mögen, damit die charaktervolle Eigenart Alt-Marburgs nicht unwiederbringlich gestört wird. Die Verwaltung einer so originellen Stadt wie Marburg erfor­dert in der Tat ein besonderes ästhetisches Fein­gefühl, das man leider nur zu oft vermiffen muß. Hierin kann man dem Herrn Briefschreiber nur zuftimmen. Die temperamentvolle Sprache und die gelegentlichen Paradoxieen kann man seinem Eifer für die edle Sache zu Gute halten. Aber zu bedauern bleibt, daß er seiner Sache ge­schadet hat durch eine vielfach hervortretende, jeden Billigdenkendcn zum Widerspruch zwin­gende Anschaungsweise, die ich nur kulturfeind­liche Sentimentalität nennen kann. Marburg ist nun einmal nicht nur eine Stätte,wo die deutsche Jugend schwärmen soll," sondern da­neben auch eine aufstrebende, am großen Strome des Verkehrs Gelegene Stadt, die an den Er­rungenschaften der Neuzeit Anteil nehmen will. Wir können unser Städtchen nun einmal nicht unter eine Glasglocke seheit, um es vor jedem Hauche des Weltverkehrs zu bewahren, wir kön­nen auch den Flug der Zeit hier nicht aufhalten und befinden uns hier so gut wie anderwärts im 20. Jahrhundert. Die Losung muß also sein: den berechtigten Anforderungen der Neuzeit sich nicht rückständig verschließen, und dabei doch den intimen Reiz vieses Ortes voll Pietät und Ver­ständnis nach Möglichkeit pflegen und die wun­dervolle Harmonie der Stadt mit der umgeben­den Natur erhalten! Der Ausgleich zwischen diesen beiden Aufgaben ist gewiß nicht immer leicht zu finden, und nur zu recht hat der Der- faffer mit dem Vorwurf, daß das hier in Mar- -tirg mehr als irgendwo berechtigte ästhetische

Rosen an den äthiopischen Hof anzusehen. Sie hat den Auftrag, dem deutschen Kaiser den Dank Meneliks für diese Sendung auszusprechen und, wie verlautet, auch weitere Verhandlungen im Jntereffe der Erstarkung der Handelsbeziehun­gen zwischen Deutschland und Abeffinien zu pflegen.

In den beteiligten Kreisen Frankreichs, wo man sich im Verein mit englischen und italieni­schen Finanz- und Unternehmergruppen erheb­liche Vorteile aus der wirtschaftlichen Erschließ­ung des Landes sichern möchte, hat der Besuch der Abeffinier in Deutschland unangenehmes Aufsehen und ein gewiffes Gefühl der Eifersucht erweckt. Offenbar in der Absicht, die deutschen Bemühungen um Beteiligung an den abessini­schen Märkten und Aufträgen von vornherein als aussichtslos erscheinen zu laffen und gewiffe Befürchtungen der französischen Kapitalisten im Keime zu ersticken, laffen sich Pariser Blätter gerade jetzt aus Dschibuti melden, daß das Pro­jekt einer Eisenbahnverbindu ig von Harrar nach Addis Abeba einer Lösung entgegengehe, die die französischen Interessen durchaus befrie­dige. Der Negus habe eingewilligt, einer neuen französischen Gesellschaft die Konzession für den Bau bezw. die Fertigstellung dieser Bahn zu gewähren: unerläßliche Vorbedingungen seien jedoch, daß die Leiter der früheren, gleichfalls vom Negus konzeffionierten Gesellschaft an dem neuen Unternehmen in keiner Weise beteiligt seien und daß die französische Regierung gewisse Bürgschaften für die Handlungen der Gesell­schaft übernehme. Mit dieser Meldung steht die Aeußerung des Führers der Gesandtschaft im Einklang, daß der Negus über den Weiterbau der genannten Strecke nicht mehr frei verfügen könne. Trotz der mannigfachen und ernsten Un­zuträglichkeiten, die sich infolge der Tätigkeit des französischen Syndikats herausgestellt und schließlich zu einem Abbruch der Beziehungen zu dem französischen Konsortium geführt haben, scheinen somit die Grundlagen dieser Konzeffion, die den weitaus wichtigsten Teil des abessini­schen Eisenbahnwesens betrifft, nicht erschüttert zu sein. Diese Abmachung, wenn sie wirklich feststeht, schließt jedoch nicht aus, daß der Zweck der gegenwärtig in Deutschland weilenden abes­sinischen Gesandtschaft erreicht wird. Dieser Zweck aber ist selbstverständlich kein anderer als die Förderung des wechselseitigen Handelsver­kehrs und die Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und Abeffinien. Es ist deshalb ebenso unberechtigt wie unklug, wenn man sich auf französischer Seite den Anschein gibt, als habe man hinter der von Menelik entsandten Abordnung allerlei geheimnisvolle Absichten zu suchen, oder tnemt

Moment oft ohne Not kläglich zu kurz gekommen ist. Aber er hat das Kind mit dem Bade aus­geschüttet, wenn er gegen so harmlose und nütz­liche Dinge, wie ein paar gangbare Wege, Bänke und Schattenbäumchen mit dem vollen Pathos seiner hinreißenden Beredsamkeit ankämpft. Ungerecht und einseitig ist auch das Urteil über die Tätigkeit des Touristenvereins, der durch die fürchterlichen, kindlich und geschmacklos an­gebrachten Wegezeichen" die Poesie der Wälder zerstört undd durch dieseScheußlichkeiten" das bischen Orientierungsvermögen", das der Mensch noch hatte, vernichtet haben soll'! Das ist ein ungeheuerlicher Vorwurf, dent gegenüber zur Steuer der Wahrheit ein sachliches Wort der Erwiderung eines persönlich Unbeteiligten am Platze sein wird. Ich bemerke nebenbei persön­lich, daß ich an Liebe zu den hessischen Wäldern dem Herrn Vriefschreiber jedenfalls nicht nach­stehe, wenn ich auch wohl nicht so romantisch ver­anlagt bin. Ich habe das hessische Bergland durchwandert, wie vielleicht nicht viele außer mir; was ich im Laufe der Jahre in Heffen ge­wandert bin, würde zusammen etwa die Strecke von Paris bis Moskau austnachen; ich habe auf tagelangen einsamen Streiszügen der Sprache des Waldes gelauscht bei jedem Wetter und in jeder Jahreszeit; jeder Berg und jedes Tal zwi­schen Vogelsberg und Edertal, Taunus und Knüll weiß mi, etwas zu erzählen. Ich kann also hier mitreden. Und ich behaupte: ich habe mir die Poesie des Waldes durch die angeblich so verderbliche Tätigkeit des Touristenvereins niemals zerstören laffen, ich habe meinbis­chen Orientierungsvermögen" dadurch nicht ver­loren, sondern habe es nebenbei noch recht tüch­tig gebraucht und geübt, ich bin aber gerade durch die Wegebezeichnung auf vieles Schöne und Interessante aufmerksam gemacht worden, das mir sonst entgangen wäre, und ich habe die Landschaft besser verstehen gelernt, wenn ich den geschmähtenelenden Punkten nachlief", als wenn ich was zyr Abwechslung aych seinen Reiz hat und jedem unbenommetz bleibt stufe Geratwohl durchs Holz irrte,'

dem Führer der Gesandtschaft unterstellt wird, daß er eigenmächtig die Grenzen seines Auf­trages überschreiten und vor der Verantwortung durchgefährliche diplomatische Jntriguen" die Jntereffen Frankreichs zu schädigen, nicht zurück­schrecken werde. Das sind Behauptungen, die zunächst jeder Unterlage entbehren und deshalb nur dahin verstanden werden können, daß schon die Möglichkeit eines deutschen Wettbewerbs in Abeffinien gewisse französische Kreise mit ernsten Besorgniffen erfüllt.

Unsere abessinischen Gäste nehmen mittler­weile Gelegenheit, sich in Berlin und Umgebung tüchtig umzuschauen. So wohnten sie am Frei­tag einer Hebung der Berliner Feuerwehr bei. Auf dem Uebungsplatz hatte das Ofsizierkorps der Feuerwehr Aufstellung genommen. Es fanden Uebungen mit vier Zügen statt. Zu­nächst wurden Rettungsmannöver, Leitersteigen usw. ausgeführt, dann folgte ein mit vier Dampfspritzen und ebnsoviel mechanischen Lei­tern sehr schnell durchgeführtes Löschmanöver, Weiter ward die Ablöschung von vier großen mit Petroleum getränkten Holzstößen gezeigt, wobei Obermaschinist Simon einen sog. Feuer­taucher benutzte. Die Abeffinier beobachteten alles mit großem Jntereffe. Nachher fuhren sie nach Ober-Schöneweide, wo die dortigen Kabel­werke besucht wurden.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Wilhemshaven, ß. Sept. Die KaiseryachtHohenzollern" ist bei strömendem Regen nach 9 Uhr abends auf der hiesigen Reede eingetroffen. Berlin, 6. Sept. Als Zeitpunkt für den Besuch des deut­schen Kaiserpaares in England ist nach den bis­herigen Dispositionen die Woche vom 11. bis 18. November d. I. in Aussicht genommen. Der Kronprinz reiste heute nachmittag von Potsdam in das Manövergelände des Earde- korps zur Teilnahme an den Herbstübungen des Regiments des Eardedukorps ab. Nach Been­digung der Herbstmanöver wird sich der Kron­prinz zu einem mehrtägigen Jagdaufenthalte nach Aken a. Elbe begeben.

Drunburgs Rückkehr. Berlin, 6. Sept. Staatssekretär Dernburg beabsichtigt, 'einer gestern aus Tabora hier eingegangenen tele­graphischen Nachricht zufolge, am 13. Oktober mit dem DampferPrinzregent" die Heimreise anzutreten.

Der König von Siam, der gegenwärtig in Homburg zur Kur weilt, hat einen Abge­sandten nach Berlin zum deutschen Kronprinzen gesandt, um den Kronprinzen zur Eeburtstags-

Zunächst ein Wort über den Wald im allge­meinen. Der Wald ist das schönste Kleinod der deutschen Landschaft, und immer wird der Natur­freund dahin zurückkehren, um dem unruhigen Alltagsgetriebe zu entweichen und sich mit der Mutter Natur vereint zu fühlen. Aber wenn wir glauben, dem Bereiche menschlicher Kultur im Walde ganz entgehen zu können, so ist das doch eine schöne Selbsttäuschung, die bei ernsthaf­ter Aeberlegung nicht Stich hält. Wer unbe­rührte Urwälder sehen will, mag nach Afrika gehen; in unserem Kulturland sucht man solche vergebens. Unser Wald ist, wenn man die ästhetische Betrachtungsweise einmal ganz bei Seite läßt, eine Art und Weise, den Boden nutz­bar zu machen und ihm die und die Rente abzu­gewinnen, wie auch der Ackerbau, nur daß die schrffe-de Nap.^r im Walde weit länger sich selbst über^sftn bleibt und das Eingreifen des Men­schen viel weniger erkennbar ist, als im Feldbau mit seinem schnellen Wechsel von Saat und Ernte, daher der ästhetische Reiz viel größer ist, vornehmlich im bergigen Gelände. Aber frei von Kunst und Menschen^erk sind unsere nach über­legtem Plane sorgs 'll.iq bewirtschafteten Wälder niemals, und auch dem Genuß und Erholung suchenden Wanderer kann das nicht entgehen. Da treffen wir eingehegte Forstgärten, Saat­kampe und junge Kulturen, deren Betreten durch Warnungstafeln verboten ist, abgeholzte und frisch aufgeforstete Distrikte, gerade Schnei­sen durchziehen den Wald, an deren Kreuzungen Steine mit nüchternen Distriksnummern stehen, hervorragende Punkte tragen Signale der Landesvermessung, selbst die Wege, auf denen wir gehen und die uns den bequeme r Genuß des Waldes erst ermöglichen, sind von Menschen­hand und meist zunächst zu praktischen Zwecken angelegt. Auf Schritt und Tritt werden wir daran erinnert, daß die menschliche Energie die Ratur in ihren Dienst gezwungen hat.. Eine solche nüchterne Ueberlegung.soll uns gewiß nicht die Freude am Walde verkümmern und uns auf den bloßen Nützlichkeitsstandpunkt verweisen, sie tüt aber gelegentlich güt, Hmit wir un« vor

feier am 21. September nach Homburg einzu­laden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kron­prinz zur Geburtstagsfeier des Königs von Siam in Bad Homburg eintrifft.

Zur Wiedereinführung der Rückfahr­karten. Berlin, 6. Sept. Der von einet Handelskammer gestellte Antrag, dieDoppel­karten", welche an die Stelle der früheren Rück­fahrkarten getreten sind, mit einer längere» Geltungsdauer etwa von 56 Tagen aus­zustellen, ist von der Mehrzahl der Eisenbahn­direktionen befürwortet worden und unterliegt gegenwärtig der weiteren Prüfung durch die Ministerialinstanz. DieDoppelkarten" haben bekanntlich nur zwei Tage Gültigkeit.

Die Beförderung der Post von Deutsch­land nach Samoa geschieht, nach Einstellung der Fahrten der Oceanic Steamship Company, von Italien und von da abwechselnd mit den Dam­pfern des Norddeutschen Lloyd oder mit denen der Orient Royal Mail oder der P. und O. Na­vigation Company. Nach einer Mitteilung der amerikanischen Postverwaltung ist die Post« Dampfschiffverbindung San FranciscoSamo« Australien auf unbestimmte Zeit aufgehoben. Jnfolgedeffen werden die Sendungen aus Deutschland nach Samoa bis auf weiteres durch den Suez-Kanal nach Sydney befördert, von ws die Weiterbeförderung mit der nächsten Gele­genheit stattfindet. Vom Reichspostamt ist die amerikanische Post um Mitteilung ersucht wor­den, wann die Wiederaufnahme der Fahrten er­folgt oder ob die Aufhebung eine dauernde sein wird. -j

Bom deutschen Bankiertag. Hamburg, 6. Sept. In der heutigen Nachmittagssitzung ge­langten nach dem Referat und der Diskuffion über die Frage:Bedarf das Depositenwesen in Deutschland einer gesetzlichen Regelung?" .sechs von dem Geheimen Oberfinanzrat Müller zu« samw.engestellte Leitsätze zur Annahme, in denen u. a. die Vermehrung des Nationalwohlstandes auf die jetzt in Deutschland bestehende Organi­sation des Bankwesens und die Kreditversorg­ung zurückgeführt wird. Das Bedürfnis zur Er­richtung keiner Depositenbanken sei bisher nicht hervorgetreten. Sollte sich jedoch ein solche- herausstellen, so würden ganz ohne gesetz­geberische Anregung reine Depositenbanken teils durch die Neubildung bestehender Institute, teils im Wege der Neugründung in ausreichen­dem Umfange entstehen und die Konkurrenz werde von selbst dazu führen, daß sie sich den in anderen Ländern üblichen Beschränkungen ihre; Geschäftsbetriebes freiwillig, weil es in ihrem eigenen Jntereffe liegt, unterwerfen. ,Darauf wurde der Bankiertag mit einem Hoch auf de» Kaiser und die Kaiserin geschloffen.

mystischer Eefühlsichwelgerei hüten und nicht jede Spur menschlicher Wirksamkeit im Walde, als einen Eingriff in die heiligen Rechte der Mutter der Natur und als ein Attentat auf da, Stilgefühl des Aesthetikers betrachten. Wir kön­nen nun einmal in unserer Heimat dem Bann­kreis der Kultur nicht völlig entfliehen, und ba,' brauchen wir nicht zu beklagen. Die Kultur gibt mit der einen Hand wieder, was sie mit der an­deren nimmt. Gewiß haben die Eisenbahnen, die heute unsere ehemals stillen Waldtäler durch­brausen, manche Poesie zerstört, aber andererseits gibt der erleichterte Verkehr heutzutage auch dem entfernt wohnenden Großstädter die Mög^ lichkeit, sich an freien Tagen draußen in schöner Gegend zu erquicken. Es wäre falsche Senti­mentalität, die Verkehrserleichterung zu be­klagen und sich in die Zeit der Postkutsche zurück­zusehnen, wo die Natur noch weniger von Men­schenentweiht" wurde. Wohl sagen wir in einer menschenfeindlichen Stimmung mit dem Dichter7 Die Welt ist vollkommen überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual," das ist aber eine Selbsttäuschung. Die Welt ist eben u u r schön für ein genießendes Menschenauge und eine fühlende Menschenbrust, die Natur an sich ist färb- und gehaltlos. Es heißt die Schön­heit der Natur erst wecken, wenn man empfäng­liche Menschen zu ihr führt. Und dazu helfen die Verkehrsmittel unserer Zeit. Zu diesen gehört nun auch die Anlage gangbarer Wege und ihre Bezeichnung. Denn daß Wege da sind, genügt noch nicht, man muß auch erfahren, wo sie hinführen; und Wegebezeichnung ist schließ­lich nicht naturwidriger und künstlicher als der mühevoll von Menschenhand durch den Wald ge­bahnte Weg selbst es ist. Wer nur traumverloren durch den nächsten Wald zu schlendern liebt, um in Gemächlichkeit den Zauber auf sich wirken zu laffen, der braucht freilich keine Wegebezeich­nung, wer aber ohne großen Verlust an Zeit und Kraft ein bestimmtes Ziel erreichen will, kann dieses Hilfsmittel nicht entbehren. Welches System der Bezeichnung zu bevorzuge» ist, ist eine Frage -er Zweckmäßigkeit und i»