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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchtzaiu.
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vierteljährlicher Bezugspreis; bet der ExpMion 2 Mk^ ' Qj A btt allen Postämtem 2,25 Mk. (excU Bestellgeld).
Z«serttonsgebühr:'die gespaltene Zelle oder derenSirum 15Pfg«
Reelaiuen: die AeiTc SO Via.
Marburg
Sonnabend. 7. September 1907.
Erscheint wöchentlich siebe» mal.
Druck und Verlag? Joh. Aug. Koch, Univerfitäts-Buchbruckerei 42. Jchrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon o5.
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l Nachdruck Verbote^),
(sogenannte Filialsteuerordnungen), dürfen eine Zustimmung nur in Fällen erhalten, in welchen besondere örtliche Verhältnisse ihre Einführung angemessen erscheinen lassen und stnd auch dann vor Erteilung der Zustimmung den Ministern vorzulegen, sofern sie die Filialbesteuerung abweichend von den Grundsätzen des Runderlasses vom 26. März 1907 regeln wollen, b) Ordnungen^ durch welche eine Gemeindesteuer vom Erwerbe von Grundstücken eingeführt oder grundsätzlich verändert werden soll (sogenannte Umsatzsteuerordnungen), sind vor Erteilung der Zustimmung den Ministern vorzulegen, wenn der Steuersatz über 1% hinaus gesteigert oder wenn von den in § 6 der Mustersteuerordnung vorgesehenen Befreiungsvorschriften abgewichen werden soll. Eine vorherige Anhörung des Provinzialsteuerdirektors durch die Ober- bezw. Regierungspräsidenten ist in keinem Falle mehr erforderlich: vielmehr behalten die Minister sich eine solche für die Fälle vor, in denen sie sie für angezeigt erachten, c) Ordnungen, welche Gemeindesteuern von der Erlangung der Erlaubnis zum ständigen Betriebe der Gastwirtschaft, Schankwirtschaft oder des Kleinhandels mit Branntwein oder Spiritus betreffen (sogenannte Schankkonzessions- steuerordnungen), sind vor Erteilung der Zustimmung den Ministern vorzulegen, wenn die nach dem Runderlasse vom 12. März 1907 in Gemeinden innezuhaltenden Steuerhöchstsätze ausnahmsweise aus besonderen Gründen überschritten werden sollen. Abgesehen von den Fällen dieser Art ist die Frage einer vorherigen Berichterstattung an die Minister nach den Grundsätzen des Runderlasies vom 28. Februar 1907 zu beurteilen, wobei die dort für Schank- konzessionssteuerordnu.ngen der Kreise gegebenen Weisungen sinngemäß auf Schankkonzessions- steuerordnungen für Gemeinden anzuwenden sind.
V. Ob bei der Einführung einer neuen oder der grundsätzlichen Veränderung einer bestehenden. direkten oder indirekten Gemeindesteuer die Zustimmung ohne Zeitbeschränkung oder zunächst nur auf eine bestimmte Frist (ein oder mehrere Jahre) zu erteilen ist, bleibt dem vflicht- mäßigen Ermessen der Zustimmungsinstanz überlasten. Wird eine zeitliche Beschränkung der Zustimmung für erforderlich erachtet, so ist gleichzeitig der Vorbehalt auezusprechen, die Beschränkung vor Ablauf der Frist auf Antrag aufzuheben.
VI. Steuerordnungen, durch welche reichs- gesetzlichen Beschränkungen unterliegende Verbrauchssteuern eingeführt oder grundsätzlich verändert werden, sind, sofern sie nicht einem geltenden Muster entsprechen, vor Erteilung der Zustimmung dem Provinzialsteuerdirektor mitzuteilen und, falls den etwaigen Einwendungen des Provinzialsteuerdirektors nickt bsigetreren werden kann, den Ministern vorzulegen. Von jeder Steuerordnung, durch welche Verbrauchsabgaben der bezeichneten Art eingeführt werden,
Gemeindesteuern.
P' Die zuständigen preußischen Minister haben beschlossen, auf Grund des § 77 Abs. 3 des Kom- Munalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 die Erteilung der Zustimmung zur Genehmigung, von Gemeindebeschlüsten, durch welche a) besondere, direkte oder indirekte Gemeindesteuern cheu cittgeführt oder in ihren Grundsätzen verändert, b) Abweichungen von den in § 54 a. a. 'O. vorgeschriebenen Verteilungsregeln (Real- jfteuetn), c) Zuschläge über den vollen Satz der Staatseinkommensteuer hinaus angeordnet worden, im weiteren Uckfange als bisher auf die Oberpräsidenten bezw. Regierungspräsidenten zu übertragen. Sie haben zu diesem Zwecke folgendes bestimmt:
$ I. Die Erteilung der Zustimmung zur Ge- nehmigung von Gemeindebeschlüssen, durch welche besondere direkte oder indirekte Gemeindesteuern neu eingeführt oder in ihren Grundsätzen verändert werden, steht für alle Landgemeinden dem Regierungspräsidenten, für alle Stadtgemeindeu, mit Ausnahme der Stadt Berlin, deut Oberpräsidenten zu. Für die Stadtgemeinde Berlin bleibt die Erteilung der Zustimmung den Ministern vorbehalten, da hier anstelle des Bezirksausschustes der Oberpräsident Genehmigungsinstanz ist.
II. Die Erteilung der Zustimmung zur Ee- nehinigung von Gemeindebeschlüssen, durch welche Abweichungen von den in § 54 Komm.- Abg.-Ges. vorgeschriebenen Verteklungsregeln oder Zuschläge über den vollen Satz der Staaseinkommensteuer hinaus angeordnet werden, steht für alle Laitdgemeinden den Regierungspräsidenten, für Stadtgemeindeu mit nicht mehr als 100 000 Einwohnern den Oberpräsidenten zu. Für Stadtgemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern bleibt die Erteilung der Zustimmung den Ministern Vorbehalten. Die Zahl der Einwohner im Sinne dieser Vorschrift bestinOft sich nach der ortsanwesenden Bevölkerung bei der letzten Volkszählung.
III. Die Zulassung von Ausnahmen gemäß § 56 Abs. 3 und 4 Komm.-Abg.-Ges. bei der Unterverteilung des durch Rcalsteuern auszu- bringendeit Bedarfs auf die einzelnen Real- steuerarten kann nach Lage der gesetzlichen Vorschriften nicht übertragen werden und bleibt daher für Stadt- und Landgemeinden ohne Ausnahme nach wie vor den Ministern vorbehalten.
IV. In den Fällen der Einführung einer neuen oder der grundsätzlichen Veränderung einer bestehenden direkten oder indirekten Gemeindesteuer ist vor Erteilung der Zustimmung ,nn die Minister zu berichten: 1. wenn es sich um einen ersten Fall handelt, sofern sich nicht die von der Gemeinde beschlossene Steuerordttung Rittern geltenden Muster anschließt, 2. außerdem wird im besonderen bestimmt: a) Ordnungen, durch welche gewerbliche Niederlassungen auswärtiger Unternehmer (Filialen) einer besonderen Gewerbesteuer unterworfen werden sollen
In den Fluten.
Roman von I e n n y Hirsch.
'(Fortsetzung).
Melitta selbst freilich war keineswegs entzückt von dieser Aussicht. Sie wäre sehr gern in ihrer schönen, behaglichen Wohnung in Han- itover geblieben uitd erklärte ihrem Mann, als er von seinen Reiseplänen sprach, sie fühle trotz des großen Kummers um die Schwester ihre Gesundheit nicht erschüttert. Sie glaube keiner besseren Erholung als des ruhigen, beschaulichen Lebens in ihrer Häuslichkeit zu bedürfen.
„Als ob man Dir gestatten würde, ein solches hier zu führen, meine arme Melitta," sagte er, indem er sich iteben sie auf das Sofa setzte, auf dem sie in halb liegender Stellung lehnte, seinen Arm um ihre Schulter legend. „Jetzt habe ich unter dem Vorwand, Du seiest viel zu angegriffen, um jemand zu sehen und zu sprechen, alle Besuche von Dir fern gehalten utrd unzählige Male die traurige Geschichte wiederholt. _ Aus die Dauer geht das aber nicht. Du kannst doch nicht wie eins Gefangene leben,"
’ „Nein, ich muß täglich ausfahren, es ist mir, nachdem ich so lange fast den ganzen Tag nicht imFreicn gewesen bin, ganz unerträglich, in den halbdunklen Zimmern zu sitzen!" rief Melitta und deutete auf die schweren seidenen Eardiney an den noch durch die Stores verhüllten Fenstern.
„Spazierfahrten kannst Du des Anstandes halber während der ersten Woche nicht machen," sagte Melnik.
„Ich ersticke aber hier," entgegnete Melitta weinerlich und eigensinnig, wie ein Kind, „wehst ich mit den Kindern nych Herrenhausen fahre, so kann doch kein Mensch darin etwas finden."
„Doch, man wird sich sehr darüber wundern. Du hast nur die Wahl, hier Dich ruhig zu verhalten oder mit mir schleunigst zu verreisen."
GA noA nicht oefonnen. Jöo fable
ich im geschlossenen Wagen aus und schöpfe fern von der Stadt, wo mich niemand sieht, frische Luft. Ach, Lothar, der Gedanke, jetzt schon wieder zu packen imb zu reisen, ist mir gräßlich."
„So tue, was Du willst," sagte er kalt, „dann mußt Du aber auch empfangen."
„O, Du hast ja die Leute schon abgefertigt, so werden nicht so bald wiederkommen."
„Sie werden wiederkommcn," entgegnete er nachdrücklich. „Sie sind alle zu begierig, auch von Dir zu hören, wie die Dinge sich zugetragen haben, wir sind leider interessant geworden."
„Rein, nein, Lothar!" rief sie auffahrend, „nur das nicht, nur das nicht! Ich kann von den schrecklichen Dingen nichts mehr hören, kann nichts mehr darüber sprechen. Ich lasse schon die Kinder so wenig wie möglich zu mir, weil sie nicht aufhören, nach Tante Gertrud zu fragen."
Sie brach in Tränen aus und verbarg ihr Gesicht an der Brust ihres Mannes, der ihr liebkosend über das Haupt strich.
„Mein armes, liebes Herz, wie gern möchte ich Dich vor allen diesen Dingen.schützen, aber es liegt leider außer meiner Macht, und wenn Du darauf beharrst, hier zu bleiben, so stehen Dir moch gar andere Prüfungen bevor."
„Was?"
„Hast Du vergessen, daß im nächsten Monat in Eutin die Schwurgerichtsyerhanolung gegen Eltefier stattftnoxt, und daß wir dabei älS Zeugen erscheinen müssen?"
Melitta fuhr in die Höhe. „Ich vor dem Schwurgericht? Ich als Zeugin? Ich soll mit änyören, wie di« unglückselige Verirrung meiner qrmen Gertrud von einer neugierig zuhörenden Menge verhandelt, wi; sie äus ihrem Grabe gezerrt wird? Nimmermehr, lieber sterben."
„Sei nicht |o aufgeregt, liebes Kind, tedete er ihr zu.
„Ich kann nicht, ich will nicht," beharrte sie. „Lothar, Dtz Mußt mich davor bewahren!"
„Es gibt nur ein einziges Mittest" sägte er nach einigem Bedenken, „und dqnqch willstDü nickt Meilen." ~! * '
sind den Ministern, mit Ausnahme von Biersteuerordnungen, nach wie vor drei Exemplare einzureichen. Das Gleiche gilt für Nachträge zu solchen Ordnungen. Wegen der Biersteuerord- nungen verbleibt es bei der vierteljährlichen tabellarischen Berichterstattung nach Maßgabe des Runderlasses vom 6. März 1902, wobei auch der Runderlaß vom 28. November 1906 zu beachten bleibt:
VII. Eemeindebeschlüste, welche für die Umlagenverteilung Abweichungen von den Bertei- lungsregeln des § 54 Komm.-Abg.-Ees. vorsehen, sind vor Erteilung der Zustimmung den Ministern vorzulegen, wenn die Abweichung eine Mehrbelastung der Einkommensteuer über die nach der Regel innezuhaltende Grenze hinaus in sich schließt.
Schließlich treffen die Minister Anordnungen, die sich auf die Einreichung von Nachweisungen der Gemeinden über die Verteilung der Ee- meindeausgaben auf die verschiedenen Steuerarten, der Regierungspräsidenten über die Landgemeinden mit mehr als 400 Zuschlägen zur Staatseinkommensteuer, der Oberpräsidenten über die mehr als 100 000 Einwohner zählenden Städte mit mehr als 200 % Zuschlägen und auf die Einreichung vonMachweisungen über die Schankkonzessionssteuer beziehen.
Deutsches Reich.
— Bom Kaiser. Das Muster einer verfrühten Meldung ist die angeblich auf diplomatische Angaben zurückgehende Meldung eines Berliner Blattes, daß Kaiser Wilhelm dem greisen Kaiser Franz Josef zu seinem 60jährigen Regierungsjubiläum in Wien einen Besuch abstatten werde. Das Jubiläum findet nämlich am 2. Dezember 1908 statt, so daß sicher jetzt, 15 Monate zuvor, nach diesr Hinsicht weder Entschließungen gefaßt fein, noch auch nur Pläne vorliegen können. — Eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und des Präsidenten Falliöres wird von dem „Jntransignant" neuerdings für den Mai nächsten Jahrds angekündigt; sie soll auf der Nordlandreise des Präsidenten stattfin- dsn; natürlich auf neutralem Boden und einen improvisierten (!) Charakter tragen. — Die Heilung der Wunde der K ai s er i n macht gute Fortschritte, so daß die hohe Frau voraussichtlich am 18. September mit dem Kaiser zusammen nach Potsdam abreisen kann.
— Die Kaiser-Flottenmanöver. Cuxhaven, 5. Sept. Von den Kaisermanövern der Flotte wird nach den letzten Dispositionen nun doch noch die Elbmündung mit berührt. Nach der vorgestern vormittag auf Schilling-Reede stattgehabten Flottenparade vor dem Kaiser ist die ganze Manöverflotte mit dem Kaiser an Bord der „Hohenzollern" um 10*4 Uhr seewärts nach Helgoland gedampft. Dort trafen, wie gemeldet
„Welches denn?"
„Ich habe es bereits genannt: schleunigste Abreise."
„Werde ich nicht dazu wiederkommen müssen."
„O, aus der Ferne läßt sich das schon ein» richten: du bist unfähig zu reisen, ich reiche ein ärztliches Attest ein, fahre allein auf einige Tage nach Eutin. Du bleibst mit den Kindern in der Schweiz, und von dort gehen wir für den Winter nach dem Süden."
„Also fort!" rief sie aufspringend. „Ich gebe gleich den Befehl zum Packen; wir können schon heute Abend reisefertig sein."
Sie eilte nach dem Knopf des elektrischen Klingelzuges, um darauf zu drücken und ihre Jungfer herbeizurufen. So sehr sie sich gegtn die Reise gesträubt hatte, ebenso eifrig war sie jetzt darauf bedacht, sie unverzüglich anzutreten.
Melnik kam ihr zuvor und hielt ihre Hand fesst „So schnell geht das doch nicht, liebe Melitta," sagte er, „ehe wir fortgehen, muß noch einiges Geschäftliche erledigt werden."
„Was geht das mich an?" fragte sie, ihn verwundernd anblickend, „das ist doch Deine Sache."
„Gewiß, ich will Dir auch nach Möglichkeit alles abnehmen, aber ich kann es Dir leider nicht ganz ersparen. Ebe wir fortgeben, mutz Gertruds Hinterlassenschaft geordnet sein."
„O Lothar, wie kannst Du io grausam sein!" schluchzte sie und wandte sich ab. Was kümmert mich das elende Geld?"
Melnik warf einen ironischen Blick auf den Anzug seiner Frau und dann auf ihre Umgebung. In der Tat bildeten beide eine eigentümliche Illustration zu dieser Verachtung des Irdischen. Melitta trug ein Kleid, das ganz aus Crepe und schwarzem Schmelz zu bestehen schien, und das Boudoir, in dem sie sich befand, war mit einer kostbaren weinroten Seiden- tapete bekleidet und mit Rokokomöbeln aus vergoldetem Holze und Ueberzügen aus rotem, weißgeblümtem Brokatstoff, mit kleinen Tischen und Etageren von seltener eingelegter Arbeit
die „Hohenzollern" und der größte Teil der SRa*' növerflotte bereits gegen Mittag ein. Im weiteren Verlaufe erfolgte dann dort die Detachierung der einzelnen Flottenverbände. Nach de» jetzt endgültigen Bestimmungen trifft die gesamte Manöverflotte nach Beendigung der Kaisermanöver am Sonntag, den 8. September, nachmittags auf der Fahrt von Wilhelmshaven durch den Kaiser-Wilhelms-Kanal nach der Ostsee hier auf der Reede ein. — Ferner wird au» Helgoland, 4. Sept., berichtet: Die feindliche Flotte versuchte gestern nachmittag die deutsch« Flotte, die sich westlich von der Insel befindet, anzugreifen. Es kam zum Gefecht. Die deutsche Flotte wurde von Helgoland kräftig unterstützt. Der Feind zog sich allmählich nach Norden zurück. Der Angriff war damit abgeschlagen. Der Kaiser hatte das großartige Schauspiel vont Bord des Flottenflagschiffes „Deutschland" beobachtet. Nach Abbruch des Gefechts setzte die „Deutschland" Kurs auf Helgoland und ankerte hinter der Düne dicht neben der „Hohenzollern"« Diese war bereits morgens, begleitet von denk Depeschenboot „Sleipner", hier eingetroffen« Das Wetter war tagsüber sehr stürmisch, der Wind wehte stark aus Südwest, drehte dann nach Norden, und das Wetter klärte sich auf. In der Nacht wurde die Insel noch zweimal alarmiert. Heute morgen 6 Uhr verkündeten Salutschüsse^ daß der Kaiser die Reede verlasse. Die „Hohenzollern" ging mit südlichem Kurs in See. Am' Horizont zeigten sich heute morgen mehrer« große feindliche Kriegsschiffe. Zwölf Kohlen« schiffe liegen im Hafen, die die Flotte auf offener See mit Kohle versorgen sollen. Da» Manöver gewährt vom Oberlande aus eine» interessanten Anblick, es wird von den Gästen lebhaft verfolgt. Heute abend wird der Kaiser! wahrscheinlich wieder in Helgoland erwartet.
— Bon den Kaisermanövern. Am 6. d. M kommt Graf Moltke mit den Herren vom Große« Generalstabe in Höxter an und nimmt im Berliner Hof Wohnung. Der Besitzer des Hotel» muß etwa 50 Landauer zur Verfügung während' der Manövertage haben. Die Telephon- und Telegraphenanlagen im Manövergelände sind beendet. In der Bauschule sind 24 Fernsprecher und 4 Telegraphenapparate aufgestellt. Der Ziegenberg in unmittelbarer Nähe Höxters wird als Festung angesehen und von der Weserseit« aus wahrscheinlich erstürmt werden. Große Proviantämter befinden sich bei Höxter neben Boffzen ei«s bei Stahle in der Nähe von Holzminden. Große Vorräte sind dort aufgespeichert« In Brückfe^d bei Hinter werden jetzt die Feld- bäckereien errichtet, es finden hier 200 Bäcker gute Arbeit während der Manövertage. Der Kaiser kommt am 9. September, morgens 7 Uhr, auf dem Bahnhof an; die kaiserlichen Auto
ausgestattet. An den Wänden hingen wertvoll« Kupferstiche in schwer vergoldeten Rahmen, altmeißener Porzellan, venetianische Gläser mit schönen Blumen gefüllt und andere selten« Ntppessachen standen umher, in einem große» Bauer flatterten bunte exotische Vögel, auf einer Säule stand sine Nachbildung der kapitolinischen Venus in Marmor von hohem künstlerischem Wert-,
„Ich begreife vollkommen, daß Du keine» Wert auf so Geringfügiges legst," sagte er, und seine Stimme hatte einen spöttischen Klangs den Melitta mehr fürchtete als seinen Soin, „desto mehr ist es meine Pflicht, Dein Interesse und das meiner Kinder im Auge zu behalte«. Ich darf nicht mit Dir auf viele Monate verreisen, ebne unsere Vermögenslage geordnet z« haben. Du hast gesehen, wie schnell der TÄ den Menschen antritt. Wenn ich stürbe —"
„Lothar, sprich nicht etwas so Schrecklichem ich kann es nicht ertragen." Sie umfing ihn mu beiden Armen und schmiegte sich an ihn.
„Du bist wirklich sehr nervös, meine arm« Melitta, man kann gar nicht ernsthaft mit Dir reden," sagte er schmeichelnd und doch mit leisem Vorwurf, während er sie zum Sofa^urückführte und neben ihr auf einem Sessel Platz nahm, „Ich will Dir ja alles so bequem wie möglich machen. Du wirst Dein Zimmer nicht zu verlassen brauchen, nur Deine Unterschrift mußt Du vor Zeugen geben. Kannst Du das?"
Sie war schon müde und sehnte sich nach Ruhe. „Meinetwegen," sagte sie matt, „könne» wir dann aber auch bald reisen?"
„Ich hoffe überincrgen. Triff Deine Vorbereitungen, ich werde jetzt sogleich zu Gertrude Vormund gehen und die nötigen Verabredungen mit ihm treffen."
Er verließ sie im Bewußtsein des erkämpfte« Sieges und in der Hoffnung, womöglich noch, leichteres Spiel mit dem Konsul Bauer gtt: haben, um diesen in seiner hübschen Viss") auf! dem Schifibauerdamm aufzusuchen.
Fortsetzung