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Marburg
Freitag. 6. September 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Aug. Koch, Univcrsitätr-BuchdnickerÄ Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
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Die „friedliche Durchdringung".
! Die Penetration pacifique, die von Frankreich angeblich erstrebte friedliche Durchdringung Marokkos, treibt merkwürdige Blüten. Zehn jArbeiter sind hingeschlachtet worden und die Mörder sitzen bereits im Gefängnis. Gleichwohl llnuß noch eine Strafaktion gegen eine ganze Dtadt unternommen werden. Bomben zerstören ^aufblühende Unternehmungen, Soldaten plün- Dern Geschäftshäuser und des Ackers Frucht wird von Hufe« zerstampft. Wer hat solche über das verständige und verständliche Matz hinaus- Aehende Strafakiion angeordnet? Befahl ledig- >lich der nach Lorbeeren lechzende General, dessen ^Kampfeslust, einmal erwacht, allen diplomati- >schen Abmachungen zum Trotz nicht mehr zu i zügeln war, oder war der französische Kommandant nur das Werkzeug französischer Staatsmänner, die einen Anlatz suchten, über den Rahmen des ihnen in Algeciras erteilten Mandats möglichst bald unter einem Schein des Rechts hinausgehen zu können?
7 Wenn hinten weit in %er Türkei die Völker aufeinanderschlagen, so—können wir Deutsche diese Ereignisse mit des Gleichmuts immer heiterem Blick beobachten und keines einzigen pom- merschen Grenadiers Knochen sind in Gefahr. In Marokko liegen die Dinge ein klein wenig anders. Beträchtliche Handelsinteressen verbinden «ns mit dem jetzt durch innere Wirren stark geschädigten Lande, und das Ansehen des Deutschen Reiches verlangt gebieterisch die gewisien- hafte Durchführung der Vereinbarungen von Algeciras und der Erhaltung der Souveränität Marokkos.
Ein in Marokko lebender Deutscher schildert in einer Zeitschrift an das „Hamburger Fremdenblatt", wie lebhaft durch die Kämpfe um Casablanca gerade deutsche Interessen berührt werden. Ein grotzer Teil des nördlich von Casablanca bis zur Kasba Fedballa liegenden Ackerlandes ist deutsches Besitztum, und die großen Güter, die teils durch Deutsche, teils durch Eingeborene bewirtschaftet werden, hofften durch die reiche Ernte in diesem Jahre entschädigt zu werden für die Mitzcrnten der zwei vorher- gegangenen Jahre. Die Getreide- und Mais- .selber standen prachtvoll, und grotze Viehherden versprachen reichlichen Gewinn. Das alles ist nun durch das unsinnige Vorgehen des französischen Kommandanten vernichtet; die teilweise Mit großen Kosten neu aufgebauten Höfe sind ! zerstört; die Arbeiter sind vertrieben oder getötet. Die Besitzer selbst haben nichts gerettet als :bas Leben. Noch mehr aber treffen die jetzigen Unruhen den deutschen Handel. .Gerade in den letzten Jahren errichteten die deutschen Handelshäuser in allen größeren Städten Filialen, die sich mit stets wachsenden Ziffern an dem In- und Export beteiligten. Die in Aussicht stehende weiche Ernte versprach für dieses Jahr ein glänzendes Geschäft. Doch wenn nichr bald Ruhe g—.'.-'n -
In beit Fluten.
Roman von Jenny Hirsch. '(Fortsetzung).
„Was?" fragte der Förster.
»Ist sie durch jemand hineingestürzt worden?" fügte sie mit dumpfer Stimme hinzu.
„Weil Ihr Bruder und auch Ihre Mutter .darüber nichts zu wissen behaupteten, klingt eben ihre Erzählung so unwahrscheinlich."
„Und sie ist doch wahr," behauptete sie fest. „O. warum mutzten Sie in jener Nacht zu Hause sein; Sie wären ein Zeuge gewesen, gegen den nichts einzuwenden gewesen wäre."
„Statt dessen habe ich durch mein plumpes Reden den armen Georg noch tiefer in die Patsche gebracht," gestand der Förster reumütig und erzählte seine Begegnung mit Inspektor Dielel. „Solchen geriebenen Leuten gegenüber ist man ja nicht klug genug; Sie glauben nicht, welche Höllenangst ich ausstehe, wenn mich der Untersuchungsrichter ins Gebet nimmt; immer fürchte ich etwas zu sagen, was ich eigentlich nicht sagen will."
Die Ankunft der Leute, die Seraphinens Koffer brachten, unterbrach hier das Gespräch. Fast gleichzeitig erschien die Försterin Eltester, die schon auf der Station die Ankunft ihrer Tochter | erfahren und sich über ihre Kräfte angestrengt hatte, um schnell nach Haufe zu kommen. Mutter und Tochter hielten sich weinend umschlungen. _ -'^Eraphine, mein armes Kind! Man hat Dich sicherlich fortgeschickt« schluchzte die För- flerin, erichöpft auf die Bank unter der Linde sinkend, und die Tochter, die sie noch immer fest- hielt, neben sich ziehend; „sie haben die Schwester eines — eines Mörders nicht im Dienst behalten wollen!"
Mit einer sanften Bewegung machte sich das Zunge Mädchen los und auf ihrem von Tränen »assen Gesicht erschien ein sonniges Lächeln.
«Da bist Du aber sehr im Irrtum, liebe Mut
eintritt — und das scheint nicht der Fall zu sein —, wird auch dieses schwer und mit großen Opfern dem deutschen Handel errungene Absatzgebiet wieder verloren gehen.
Derselbe Briefschreiber glaubt aber auch den Gegensultan Mulau Hafid als Werkzeug der französischen Politik hinstellen zu können, die also hier nur nach dem alten Grundsatz „Teile und herrsche" arbeite. Er betont, wie Mulay Hafid wegen seiner früheren Deutschfreundlichkeit den Franzosen lange ein Dorn im Auge war. Mit allen Mitteln, durch algerische Araber und durch die Zeitungen, wurde gegen ihn gearbeitet, so daß er sich schließlich nicht r sicher fühlte und mehrmals die deutsche Protesten nachsuchte. Deutschland konnte und wollte ihn aber nicht protegieren, und so wandte er sich schlietzlich an die französische Gesandtschaft, die ihm denn auch ihren Schutz versprach. Die Hetze gegen ihn hörte auf, und dieselben Agenten, die vorher gegen ihn wühlten, arbeiteten nur für ihn. Das Bestreben der Franzosen ging zunächst dahin, ihn für Südmarokko zum Sultan ausrufen zu lassen und somit das Land in zwei Hälften zu teilen. Mit der nördlichen Hälfte, der Interessensphäre Abdul Aziz', untre man dann leichter fertig geworden. Die. südmarokkanischen Stämme durchschauten jedoch diesen Plan und weigerten sich, einen solchen Verrat an der Sache ihres Vaterlandes mitzumachen und Mulay Hafid anzuerkennen. Nun ist Mulay Hafid zum zweiten Male als Sultan ausgerufen, und zwar unzweifelhaft mit Hilfe der Franzosen. Der in französischen Blättern angekündigte Feldzugs Malay Hafids ist nur eine Finte französischer Politiker, um das Landen weiterer Truppenmassen zu ermöglichen und sich so dauernd in Marokko festzusetzen. Mvlay Hafid wird unterdessen mit französischem Gelbe die Stämme im Süden möglichst in Ruhe zu halten suchen, bis Frankreich sich in Marokko eingerichtet hat und ein ernsthafter Angriff • der Marokkaner nicht mehr möglich ist.
Vorläufig freilich haben die Franzosen noch manchen ernsthaften Angriff der Marokkaner zu befürchten, und sie mögen Gott danken, wenn nicht noch von Seiten der Marokkaner der heilige Krieg ansgerufen und die grüne Flagge des Propheten entfaltet wird. Erwacht erst der mohaolMrvanifche Fanatismus, so wird Frankreich die „friedliche" Durchdringung Marokkos noch schwere Opfer an Gut und Blut kosten. Das Deutsche Reich aber hat nach wie vor wachsam zu verfolgen, daß gerade dort der Deutsche nicht unter den Schlitten kommt. Besser ist ein schlauer Kopf in London daran. Mit stillem Behagen hat er beobachtet, wie der Streit um Marokko fast einen Krieg zwischen Frankreich und Deutschland wachrief, und während jener geschäftige Politiker dank bet englisch-französischen Verständigung mühe- und gefahrlos in Aegypten Früchte pflücken konnte, schaut er schmunzelnd, wie der liebe französische Bundesgenosse in Marokko endlosen Kämpfen entgegengeht.
ter," entgegnete sie schalkhaft, „im Gegenteil, die Frau Senator wollte mich gar nicht fort lasten, aber der Senator tat einen Machtspruch und sagte: ich sei jetzt hier am notwendigsten."
„Gott segne ihn und Dich," flüsterte die Försterin, die Tochter an sich ziehend und sie auf Stirn, Mund und Wangen küssend, „Gott weiß es, welch ein Trost, welche Erquickung mir Dein liebes Gesicht ist."
„Und meine gute Laune habe ich auch noch nicht ganz verloren," erwiderte Seraphine, der Försterin die Wangen streichelnd. „Kopf oben. Mütterchen, denk an unseres Vaters Kernspruch: „Der Kummer ist ein Verdummer!" Es wird noch alles gut."
Ach, Kind, wer Dir glauben könnte," schluchzte die Försterin, „aber (Seorgs Sachen stehen sehr schlecht. Ich bringe böse Nachrichten mit, lieber Dorn," wandte sie sich an diesen, der in einiger Entfernung stand und sich immer noch nicht von dem reizenden Bilde da vor ihm losreißen konnte, obwohl sein Taktgefühl ihm gebot, sich zurückzuziehen. Jetzt trat er wieder einige Schritte näher und sah die Försterin erwartungsvoll an.
„Der Amtsrichter von Reudern hat mir gesagt, er werde die Untersuchung in den nächsten Tagen schließen, und die Sache kommt schon in ein paar Wochen vor das Schwurgericht."
„Also wirklich!" tief Dorn, und auch Seraphine stieß einen Laut des Schreckens und des Schmerzes aus, dann sich sammelnd, sagte sie:
„Lasten wir uns das doch lieb sein. Nun hört die Untätigkeit auf, und wir können handeln."
„Was heißt das?" fragte die Försterin, während Dorns Augen bewundernd an dem jungen Mädchen hingen, das in seinem Eifer ihm doppelt schön erschien. „Wenn di» Untersuchung geschlossen ist, dann wird uns vielleicht gestattet, Georg zu sehen. Wir können dafür sorgen, daß er einen sehr guten Verteidiger bekommt, und vielleicht auch allerlei unternehmen."
„Woher weißt Du das alles?" fragte hie Mutter verwundert. — ------- * -—
Die Franzosen haben übrigens, wie ohne weiteres zugestanden werden mutz, viel Aerger bei ihren Kriegszügen. Und nicht mal immer, was man so Ehre nennt. Denn nach dem Bombardement von Casablanca, das nur ein Wollen, kein Müssen war, geradeso, wie seinerzeit die britische Beschietzung von Alexandrien, die auch nur den Vorwand zur Okkapation bildete, was heute aber in London total vergessen ist, haben sich die französischen Truppen keineswegs heldenhaft aufgeführt. Sie haben vielmehr, was sogar die Engländer, Frankreichs Freude einräumen, ein Stück aufgefiihrt, das an gewisse französische Geschichten in China erinnert und das sich betitelt: Nehmen ist seliger denn Geben! Ebenso nett ist die von Pariser Journalen berichtete Nervosität der französischen Vorposten, es könnte ihnen Abends nach dem Dunkelwerden von den sich auf dem Bauche heranschleichenden Marokkanern der Männerkopf abgeschnitten werden. Man sollte doch meinen, für solche nicht gerade Möglichkeiten müßte der Wachdienst entsprechend eingerichtet werden, wenn das Heran- kriechen nicht bloß wieder mal in der üppigen Phantasie der Pariser Berichterstatter besteht. Ferner ist zu erwähnen, daß die aus den afrikanischen Stämmen ausgehobenen französischen Turkos sich einbildeten, sie müßten zum Totschietzen der Marokkaner silberne Kugeln haben, weU nie die Gefallenen zu sehen waren, die von ihren Landsleuten nach Dunkelwerden abgeholt wurden.
Daß die „friedliche Durchdringung" doch nicht so ganz leicht von statten geht, ist wohl zur Genüge aus den Meldungen über die Vorgänge in Marokko in den letzten Tagen zu ersehen.
.Deutsches Reich.
— Som Kaiser. Die Ankunft des Kaisers in Cassel ist aus Sonntag abend 7 Uhr 20 Min. festgesetzt. Der Kaiser begibt sich sogleich ins Residenzschloß am Friedrichsplatz, wo ein Prunkmahl zu Ehren der fürstlichen Manövergäste und der fremdländischen Offiziere stattfindet. Nach Beendigung der Manöver will der Kaiser die gewaltigste Burgruine Niedersachsens, die Burg „Hanstein" im Werratal besuchen. Der Kaiser wird von Wilhelmshöhe aus die Fahrt über Münden-Witzenhausen und Werleshausen im Kraftwagen unternehmen und wahrscheinlich vom Kronprinzen begleitet sein. Am Sonnabend vergangener Woche weilte bekanntlich Prinzessin Viktoria Luise mit Gefolge auf der Burg.
— Die Novelle zur Bereinfachung des amts- gerichtlichen Verfahrens soll, wie verlautet, dem Bundesrat alsbald nach Beendigung seiner Sommerferien zugehen, so daß sie voraussichtlich noch im Herbst an den Reichstag gelangen wird.
— Der neue Vizepräsident des Oberkirchenrates. Berlin, 3. Sept. Der „Reichsanz."
„Der Herr Senator hat mich belehrt, und es wälzen sich mir da noch mancherlei Gedanken," sie rieb mit schalkhafter Eeberde die Stirn. „Paß auf, Mütterchen, ich tue es der Porzia noch, und man soll auch über mich noch rufen: „Ein Daniel, ein zweiter Daniel!"
Sie umfaßte dis Mutter und führte sie ins Haus, dem zurückbleioenden Förster ein freundliches „Auf Wiedersehen" zunickend.
„Ein guter, guter Mensch," sagte die Försterin, „Gott hat ihn mir in meinem schweren Leid als Trost geschickt; er wird nichts dagegen haben, daß Du hier bleibst."
„Im Gegenteil, et versicherte mit bereits, es fei ihm recht, wenn ich immer bliebe und mein Zimmer stünde mit zur Verfügung," erwiderte Seraphine schelmisch. „Ich habe aber keine Lust, es zu beziehen. Laß mich Dein Schlafzimmer teilen, Mutter," fuhr sie weich und bittend fort, »ich «in so lange von Dir getrennt gewesen, ich möchte keine Minute des Zusammenseins verlieren."
„Mein teures Kind, ich verstehe Dich," erwiderte die Försterin und ihre Tränen flössen von neuem. „Du willst mich mit meinem Schmerz nur nicht länger allein lassen."
10.
. Da« Kauffelsche Erbbegräbnis auf dem Ma- tlenkirchhof in Hannover hatte sich wieder geschlossen. Zu den beiden prunkvollen Särgen, welche sich darin befanden, hatte man einen dritten nicht minder prunkvollen gestellt, an welchem auf silbxrnem Schilde der Name Gertrud von Kanffel nebst Geburts- und Todestag zu lesen gewesen sein würde, wäre er nicht übet und über mit Kränzen, Palmzweigen und anderem Blumenschmuck bedeckt gewesen. Die duftigen Spenden waren so zahlreich eingegangen, daß sie zum Teil auf einem besonderen Wagen dem Leichenwagen hatten nachgefahten werden müssen und bis auf einen kleinen Raum die Gruft völlia anfüllten.
Die Teilnahme an dem furchtbaren Geschick des schönen, liebenswürdigen Mädchens war
veröffentlich heute die Ernennung des Oberhof« Predigers D. Dryander in Berlin zum geistliche« Vizeprästdenten des Evangelischen Oberkirchenrats.
— Die abessinische Gesandtschaft in Berlin. Berlin, 4. Sept. Die abessinische Gesandtschaft besuchte heute vormittag die Militärluft« schiffet in Tegel. Der Komamndeur des Bataillons, Major Groß, ließ sofort eine Feldluft« schisfer-Abteilung, wie sie im Manöver den einzelnen Armeekorps zugeteilt ist, auffahren. Als die Abteilung „zum Aufstieg fertig" meldete, bat der Nagaderos Jgasu um die Erlaubnis für einen Aufstieg, der ihm gern gewährt wurde. Wegen ungünstigen Wetters wurde der Ballon nur 100 Meter hoch gelassen. Das Beispiel des Nagaderos wirtte auch auf die anderen Mitglieder der Gesandtschaft, indem alle einmal aufsteigen wollten. Der Dedjasrnatsch Meschescha wünschte sogar eine Freifahrt zu machen, begnügte sich aber schließlich mit einem 200 Meter hohen Aufstieg im Fesselballon. Während dann die Umfüllung des Wasserstoffgases aus dem Drachenballon in den Freiballon „Orion" statt« fand, besichtigten die Abessinier in der photographischen Abteilung mehrere Aufnahmen, die von Fessel- und Freiballons aus gemacht worden waren. Als sie bei dieser Gelegenheit sich erkundigten, wie lange Zeit zu einer solchen photographischen Aufnahme gebraucht wirb; erhielten sie die fertige Photographie von der Aufnahme des Meschescha in der Gondel während des Aufstiegs. Die Schnelligkeit der photographischen Technik tief allgemeines Erstaunen hervor. Den Schluß der Besichtigungen bildete damr das Fertigmachen des Freiballons „Orion", bet mit einem Luftschiffetoffiziet und zwei Mann bei seinem Aufstieg eine südöstliche Richtung einschlug und bald in den Wolken verschwand. Die Gesandtschaft nahm sodann im Kasino eine Tasse Mokka ein und verabschiedete sich höchst befriedigt von den interessanten Vorführungen.
— Die Haager Friedenskonferenz. Haag^ 4. Sept. Infolge der gestrigen Annahme dess amerikanischen Antrages über die vertragsmäßigen Staatsschulden, der nunmehr in die nächst« Plenarsitzung gelangt, hat der Präsident der Re-' publik Venezuela, wie der „Frkf. Ztg." telegta« phiert wird, der venezuelanischen Delegation de« Auftrag erteilt, Haag zu verlassen. ;
— Ergebnisse der Volkszählung. Als weitere Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 werden in dem dritten Vierteljahrsheft zur „Statistik des Deutschen Reichs" 1907 Nachweise über die Staatsangehörigkeit der Bevölkerung des Deutschen Reiches veröffentlichte Hiernach waren von den 60 641 278 ortsanwefen-
eine allgemeine. Unabsehbar war der Zug derer gewesen, die sie zu ihrer letzten Ruhestätte geleitet hatten; bei der tief aus dem Herzen kommenden Rede des Geistlichen, der die Verblichene getauft und eingesegnet hatte, wat teilt Auge trocken geblieben. Grenzenlos wat die Erbitterung gegen den Frevler, dessen wilder Leidenschaft dieses junge, blühende Leben zum Opfer gefallen war. Niemand zweifelte an Eltesters Schuld, niemand glaubte an die Geschichte, welche er erzählte und wovon überdies nur wenige, stark entstellte Einzelheiten bis nach Hannover gedrungen waren, ja, sie trug weit eher dazu bei, das starke Verdammungsurteil gegen ihn zu bestärken. Mit Genugtuung vernahm man von Herrn von Melnik, daß in nächster Zeit schon in Eutin die öffentliche Verhandlung gegen den jungen Forstmann geführt werden würde, und daß seine Verurteilung in sicherster Aussicht stehe.
Eine Stimme war auch nur über das geradezu musterhafte Verhalten des Herrn von Melnik in dieser traurigen Angelegenheit. Es war nicht ganz unbekannt geblieben, daß zwischen dein Schwager und der Schwägerin kein allzu herzliches Verhältnis geherrscht hatte; um so mehr bewunderte man sein entschiedenes Eintreten für ihr durch eigenen Unverstand gefährdetes Lebensglück und seine aufrichtig tiefe und doch maßvolle Trauer um sie und ihr furchtbares Schicksal. Die höchste Anerkennung aber zollte man seinem zarten, rücksichtsvollen Benehmen gegen seine Gattin. Er empfing die zahlreich herbeiströmenden Besucher und fertigte sie sämtlich mit der Erklärung ab, seine arme Frau sei viel zu leidend, um jemand zu sehen. Er müsse darauf bedacht sein sie so bald wie möglich in eine Umgebung zu bringen, durch welche sie nicht fortwährend an die Schwester erinnert werde, und so ungern er gerade jetzt Deutschland t>ei> lasse, wolle ,er doch um ihretwillen schon in bew nächsten Tagen mit der Familie eine Reise «ach der Schweiz «nd nach Italien antrete«,
------- iWortsednna folgt).