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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaiu.^
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Jts. 208
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Marburg
Donnerstag, 5. September 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Btichdnickera 42. Jahrg. Marburg, Markt 21. — Telephon 55,
Ein Mahnruf des Kaisers.
. ' Die trefflichen Worte, die unser Kaiser Leim Festmahl in Münster gesprochen hat, haben in der gesamten deutschen Preffe lebhafte Beachtung gefunden, und werden voraussichtlich noch lange Erörtert werden. Der kaiserliche Redner kann auch diesmal der freudigen Zustimmung gerade der besten Teile unseres Volkes sicher sein. Wieder^ erkenent man, wie ernst der gegenwärtige Träger, der deutschen Kaiserkrone bestrebt ist, ein Führer und Pfadweiser seines Volkes zu sein, und wH' lebhaft ihm darum zu tun ist, alle Volkskreise auf den nach seiner Ueberzeugung richtigen und allein zum Ziel führenden Weg hinter sich zu wissen.
Der Kaiser geht von der Anschauung aus, es sei möglich, historische, konfessionelle und wirtschaftliche Gegensätze in versöhnlicher Weise zu "einen in der Liebe und Treue zum gemeinsamen Vaterland, und diese Anschauung hat er sicher ,in überzeugender und, wie man von diesem glänzenden Redner gewohnt ist, lichtvoller Weise begründet. Wieder Hören roü:, daß vor dem Kaiserthron es kein Unterschied zwischen Staatsbürgern katholischer und protestantischer Konfession geben soll. Der Kaiser hat dies schon des .öfteren versichert. Aber wenn man bedenkt, mit welcher Leidenschaftlichkeit bei den letzten Neichstagswahlen von gewisser Seite verbreitet wurde, es drohe ein neuer Kuturkampf, wenn man, erwägt, daß bis in die letzten Wochen hinein von Zentrumsblättern dem Kaiser eine dem katholischen Glauben neuerdings nnfreund- fiche Gesinnung nachgesagt wurde und daß man dabei selbst aus der Zeitungslektüre des Herrschers tollkühne Schlüsse zu ziehen für angezeigt hielt, dann war es wahrlich zu begrüßen, daß der Kaiser vor der Oeffentlichkeit nochmals be- stonte, Protestanten und Katholiken stehen sei- ittem landesväterlichen Herzen gleich nahe. Die Bedeutung der Religion für die innere Einigung aller Stände und Berufsgruppen hat der Kaiser mit besonderem Glücke hervorgehoben. Wenn heute hier und da sich schon tiefe Risse Zeigen, wo unser Staat zu der Väter Zeit noch festgefügt erschien, dann lautet dos beste Mittel unleugbar Rückkehr zum Christentum, und je stärker dieser christliche Glaube bei allen Gliedern des Volkes ausgeprägt ist, um so mehr werden wir uns von konfessionellen Zänkereien fern zu halten wissen. Möge sich unser Volk in der Tat im Aufblick zu Jesu Christo einigen! t Auch den wirtschaftlichen Kümpfen zwischen den einzelnen Erwerbsklassen möchte der Kaiser fhre vielfach hervortretende Schärfe nehmen. Offenkundig atmet seine Rede hier eine Fülle ■tarier Beweiskraft. Vorausschickend, daß die -großen Erwerbszweige einander nicht zu schädigen brauchen und daß die Wohlfahrt des einen auch dem anderen zugute kommt, stellt er zu- mächst die Landwirtschaft als die feste Grundlage für unser Staatswesen hin. Diese Bedeutung der Landwirtschaft aus
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Machdrvck verboten):
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
'(Fortsetzung),
vergessen Sie cs immerhin, Sie können mir gar nichts lieberes erweisen," erwiderte er jlebhaft. „Die Giebelzimmer, dis Sie und Ihre .Schwester bewohnten, stehen ganz zu ihrer Verfügung: die Magd soll Sie sogleich hinaufführen »titb Ihnen auch eine Erfrischung bereiten. Wünschen Sie vielleicht eine Tasse Kaffee?"
„Die schlage ich nicht aus," erwiderte sie mit wiederkehrender Munterkeit. „Cie soll mir ^nach der langen Fahrt trefflich munden, aber mit dem ■Hinaufgehen hat es Zeit, bis meine Mutter hier ist und man mein Gepäck gebracht hat. Ich Möchte inzwischen mit Ihnen reden, Herr Förster, stst es Ihnen recht, so trinke ich den Kaffee draußen unter den Linden, und Sie leisten mir Gesellschaft."
। Dorn erklärte mit großem Eifer seine Bereitwilligkeit und bat nur, ihn ein paar Augenblicks zu entschuldigen, weil er einige Anordnungen geben wolle. Als er zurückkam, bemerkte Seraphine, die inzwischen wieder vor das Haus getreten war und auf der Bank Platz genommen hatte, zu ihrer stillen Belustigung, daß er die Hausjoppe mit dem Uniformrock vertauscht hatte, die ihm ungleich besser stand.
> Wenige Minuten nach ihm trat die Magd <tU5 dem Hause, deckte den Tisch mit einem weißen Tuch und trug das Kaffegeschirr auf, wobei sie den Ankömmling neugierig anstarrte. Cie war erst wenige Monate im Dienst der Försterin, und die Zwillingsschwestern hatten wenige Wochen nach des Vaters Tode Segcfcld verlassen, um — die eine in Hamburg, die andere in Altona — Stellen anzunehmen. Auch Dorn hatte die persönliche Bekanntschaft der Lungen Mädchen noch nicht gemacht, ober die
kaiserlichem Munde wieder einmal treffend gewürdigt zu sehen, berührt wohltuend.
Recht anerkennende und anspornende Worte findet der Kaiser für unsere Industrie, von deren weiteren Tätigkeit er eine Mehrung des guten Rufes von der Tüchtigkeit und Güte deutscher Arbeit erwartet. Wie in der hohen Einschätzung der Landwirtschaft, so herrscht auch in der Fürsorge für den Industriearbeiter zwischen dem Kaiser und seinem ersten amtlichen Berater völliges Einverständnis. Spricht doch hier der Kaiser nur aus, was auch Fürst Bülow vor den letzten Reichstagswahlen des öfteren betonte: Die Sozialpolitik wird weitergeführt werden. Diese Wiederholung war in der Gegenwart nicht überflüssig. Selbst der Wechsel in der Leitung des Reichsamts des Innern wurde ja von einzelnen Parteien dazu ausgebeutet, Beunruhigungen in unsere industriellen Arbeiterkreise zu tragen. Solcher Minierarbeit ist jetzt für absehbare Zeit ein Riegel vorgeschoben.
Der Kaiser hat den Weg gezeigt, den er das deutsche Volk führen möchte, und er spricht auch von dem schönen Ziel, bei dem dieser Weg endet: „Das deutsche Volk wird der Eranitblock fein, auf dem unser Herrgott seine Kulturwerke an der Welt weiter aufbauen und vollenden kann." Aus solchen Worten spricht kraftvolles Nationalbewußtsein, und auch in der Empfindung und Betonung dieses völkischen Bewußtseins muß der Kaiser als Vorbild anerkannt werden; nur zu lange haben wir es ja an völkischem Stolze zu unserem eigenen Nachteile fehlen lassen. Das deutsche Volk aber hat alle Veranlassung, seinem Kaiser auf der von diesem vorgezeichneten Bahn zu folgen. Daß dieser Weg der richtige ist, hat der Monarch überzeugend genug dargelegt, und gar leicht gehorcht man einem edlen Herrn, der überzeugt, indem er uns gebietet.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser empfing am 2. Sept, nachmittag eine Deputation des russischen Dragonerregiments Narwa, sodann den in Wien akkreditierten persischen Gesandten behufs Notofizier- ung der Thronbesteigung des Schahs von Persien und hierauf die hier eingetroffene abessinische Gesandtschaft. Um 6 Uhr fand im Weißen Saale des Königlichen Schlosses Paradetafel statt. Im Verlaufe des Mahles trank der Kaiser dem kommandierenden General v. Kessel zu. Abends fand im Opernhause Theater par<5 statt. Der Kaiser saß in der großen Hofloge zwischen den Prinzen Eitel-Friedrich und Oskar. Der Vorstellung wohnten auch die hier anwesenden russischen, amerikanischen und englischen Offiziere und die Mitglieder der persischen und abessinischen außerordentlichen Gesandtschaften bei. Die Vorstellung wurde mit Richard Strauß' Königsmarsch eröffnet. Gegeben wurde sodann
Erzählungen der Mutter von ihnen täglich mit großer Geduld angehört. Jetzt wollte es ihm bedünken, als hätte die Försterin im Grunde doch recht wenig von Seraphine gesprochen.
„Was werden Sie sagen, Herr Förster, wenn ich Ihnen mitteile, daß ich meine Stelle Knall und Fall aufgegeben habe und jetzt hier bleiben will," begann Seraphine die Unterhaltung, nachdem die Magd, welche die Kannen mit Kaffee und einem Teller mit Gebäck auf den Tisch gestellt hatte, wieder ins Haus gegangen war.
„Was ich sage?" rief Dorn. „Daß das ganz prächtig ist, wenn Sie immer hier bleiben wollen."
Das junge Mädchen errötete unter den naiv bewundernden Blicken, mit denen der Förster diese Worte begleitete, und sagte: „Nun — immer, das wäre zuviel gesagt, aber wenigstens solange, bis Georg wieder frei ist."
„Wollen Sie nicht Kaffee trinken? Er wird hier im Freien so schnell kalt," versetzte der Förster statt der direkten Antwort. Es ward ihm so schwer, ihr zu sagen, daß er fürchte, es werde mit der Freilassung ihres Bruders nicht so schnell gehen, wie sie zu glauben schien.
Sie folgte seiner Aufforderung, goß zwei Tassen voll Kaffee und bediente ihn und sich mit Sahne, Zucker und Gebäck: er folgte jeder ihrer Bewegungen mit den Augen und glaubte, nie etwas Anmutigeres gesehen zu haben, als die Art und Weise, wie sie die Tasse zum Munde führte und in kleinen Zügen trank.
„O, das erquickt," sagte sie, die Tasse auf den Tisch setzend, „aber bitte, lieber Herr Förster, setzen Sie Ihre Pfeife wieder in Brand und lassen Sie uns gemütlich plaudern. Es ist mir eigentlich ganz recht, daß ich. Sie zuerst allein angetroffen habe, da sollen Sie mich, ehe die Mutter kommt, einmal gründlich in die unglückliche Geschichte einweihen."
„Ich meine, di« Frau Försterin hat Ihne«
Viktor Halms Festspiel „Ein Kaisertag in Nürnberg". Um 10% Uhr fuhr der Kaiser nach Wilhelmshaven ab. Von dort wird unterm 3. Sept, gemeldet: Der Kaiser ist heute morgen 7 Uhr eingetroffen und hat sich an Bord der Pacht „Hohenzollern" begeben, die um 8 Uhr bei starkem Südwestwind zur Flottenparade in See ging. Sie traf bei regnerischem Wetter nach 8 Uhr morgens auf der Höhe von Schilling ein. Die Flotte lag in Doppelkiellinie verankert. Bei Ankunft des Kaisers auf der Schilling-Reede feuerte die Flotte den Begrüßungssalut. Der Kaiser nahm dann die Parade ab. Nach 10 Uhr schiffte sich der Kaiser auf das Flottenflaggschiff „Deutschland" ein und dampfte mit der Flotte seewärts. — Weiter wird gemeldet: Helgoland, 3. Sept. Die „Deutschland", mit dem Kaiser an Bord, ist nach Beendigung der Evolutionen und Gefechtsübungen der Hochseeflotte nachmittags 5 Uhr hinter der Düne von Helgoland vor Anker gegangen. Der Kaiser begab sich nach dem Ankern wieder an Bord der „Hohenzollern", die ebenso wie die „Deutschland,, bis morgen vor Helgoland bleibt. Einzelne Verbände der Flotte sind bis zu den morgen stattfindenden strategischen Manövern detachiert worden und dampfen aus Sicht von Helgoland.
— Eine Kaiserreise nach Wien? Wie nach einem Berliner Blatt in den diplomatischen Kreisen verlautet, sei es sicher, daß Kaiser Wilhelm das 60jährige Negierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef zum Anlaß nehmen werde, um dem befreundeten Herrscher einen Besuch in Wien abzustatten und ihm persönlich seine Glückwünsche darzubringen. Für diese Reise seien zwar nicht schon jetzt die näheren Bestimmungen getroffen, doch glaube man, daß der Besuch in Wien einige Tage vor der eigentlichen Jubiläumsfeier erfolgen würde. Im Gefolge des Kaisers soll sich auch Reichskanzler Fürst Bülow befinden.
— Die Kaisermanöver in der Nordsee. Die beginnenden Kaisermanöver in der Nordsee nehmen mit Recht das Interesse weiter Kreise in Anspruch, weil hier zum ersten Male Deutschland mit einer Achtung gebietenden modernen Flotte auf den Plan tritt. Es wurde schon erwähnt, daß über 100 Schiffe und Fahrzeuge mit über 1300 Geschützen Und 20000 Mann Besatzung unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich an den Manövern teilnehmen werden.
— Der Befähigungsnachweis im Baugewerbe. Halle a. S., 2. Sept. Der Delegiertentag des Jnnungsverbandes des deutschen Baugewerbes, welcher 332 Innungen umfaßt, beschloß heute in einer erneuten Eingabe an die Staatsregierung, die Einführung des Befähigungsnachweises zu fordern, der der einzig wirksame Schutz gegen das Pfuschertum und die Bau-
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alles geschrieben, und die Zeitungen haben ja auch schon davon berichtet," antwortete Dorn, während er seine Pfeife frisch stopfte.
^„Gewiß, deshalb bin ich ja hier. Konstanze und ich überlegten, welche von uns Heimreisen sollte, und kamen Überein, daß ich es tun möge. Sie ist der alten kränklichen Dame, bei der sie lebt, unentbehrlich und würde die Mutter wahrscheinlich durch ihre Angst und Sorge nur noch trauriger machen," plauderte Seraphine. „Ich denke aber, wir müssen den Kopf oben halten, so verzweifelt kann ja die Sache nicht stehen."
„Ach, Fräulein Seraphine, ich fürchte, sie steht verzweifelt!" seufzte der Förster, dessen Ehrlichkeit ihm nicht gestattete, das junge Mädchen durch Hoffnungen zu täuschen, die er selbst nicht hegte.
„Das ist ja unmöglich! Sie sehen zu schwarz! Bitte, erzählen Sie mir doch die Geschichte noch einmal, mir ist so vieles unklar."
„Wie uns allen: das ist ja eben das Unglück!" sagte der Förster traurig, erfüllte dann aber eingehend ihren Wunsch. — „Sie müssen gestehen, daß die Geschichte, welche Ihr Bruder erzählt, in der Tat unglaublich Hingt,“ fügte et am Schlüsse hinzu.
Er stützte den Kopf in die Hand und blickte auf den grünen Moosteppich zu ihren Füßen, auf den die durch die Zweige fallenden Strahlen der Abendsonne grüngoldene Lichter malten. „Es klingt unglaublich." wiederholte sie, „aber Georg hat nie gelogen."
„Bedenken Sie, was für ihn auf dem Spiele steht," warf der Förster ein.
„Auch Sie glauben ihm nicht?" fuhr sie auf.
„Ich glaube ihm," entgegnete Doru, „denn wenn ich auch an ihm zweifelte, so würde ich doch Ihrer Mutter nie eine Lüge zutrauen, selbst, wenn es sich darum handelte, ihr Kind zu retten."
eSd) danke Ihnen!" rief Seraphine warm
Unfälle sei. Das Gesetz vom 7. Januar 1907 fei ungenügend.
— Die Pole« im Weste«. Dortmund,?» Sept. Die Polen Westdeutschlands beabsichtige«, ihre Forderungen nach nationalpolnischen Geistlichen und polnischem Gottesdienst in einer Denkschrift zusammenfassen und durch einen polnischen Bischof persönlich dem Papst überreichen zu lassen. Aehnliche Anläufe sind bekanntlich schon mehrfach gemacht worden und erfolglos geblieben.
— Zur Optantenfrage. Die Militärpflicht der durch den Januarvertrag naturalisierte« Optantensöhne ist noch nicht völlig geregelt. I« dänischen Kreisen Nordschleswigs nahm man an, daß die Ausgehobenen, die als tauglich für alle Waffengattungen bezeichnet wurden, zum aktiven Dienst nicht herangezogen werden würde«. Jetzt zeigt der Landrat des Kreises Haderslebe« an, daß die in diesem Jahre naturalisierten Personen, die eine endgültige Entscheidung über ihre Militärverhältnisse noch nicht erhalten haben, am 13. und 14. September in Hadersleben und Gramm außerterminlich gemustert werden. Er haben sämtliche Mannschaften vom 20. bis zum vollendeten 45. Lebensjahre zu erscheinen.
— Die Wirre« in Marokko, lieber die neuesten Vorgänge in der marokkanischen Angelegenheit liegen folgende Meldungen vor: Pari s, 2. Sept. Die Minister hielten heute abend eine Besprechung über die marokkanischen Angelegenheiten ab. Clemenceau stellte in Abrede, daß von der Rückberufung des Generals Drude die Rede gewesen sei. Diese wie Admiral Philibert besäßen das volle Vertrauen der Regierung und es könne dieser nicht einfallen, ihnen den Plan ihrer Operation vorzuschreiben. —> Paris, 3. Sept. Die Minister des Krieger und der Kolonien haben der „Depesche Coloniale" zufolge vereinbart, eine Brigade Kolonialtruppen und ein aus Reservisten zu bildendes Regiment sudanesischer Schützen für Marokko bereitzuhalten. — Casablanca, 3. Sept, Eine Aufklärungsabteilung verließ das Lager vorgestern um 1 Uhr nachmittags und stieß gegen 3 Uhr auf den Feind. Nachdem sie Verstärkungen erhalten hatte, brachte sie den Marokkanern große Verluste bei, in deren Gefolge, wie unbestätigte, aber glaubhafte Gerüchte besagen, die Mahalla von Taddert zerstreut worden ist. Die Franzosen hatten fünf Tote, darunter einen Offizier. — Paris, 3. Sept. Admiral Philibert telegraphierte gestern: In Mazagan herrscht Ruhe. Die Stämme auf dem Lande sind wenig erregt. Die Verhandlungen der Notabeln von Mazagan und Casablanca mit dem Abgesandten Muley Hafids dauern noch an. Ein ernstes Gefecht fand bei Casablanca statt. Die Marokkaner bei Taddert sind auseinandergetrieben worden. Die Kriegsschiffe „Gloire" und „Gueydon" beteiligten sich mit etwa 60 Schuß aus Geschützen
und reichte Dor« die Hand, die er drückte, „aber die anderen?" i
„Glauben ihm nicht und spotten über da« Märchen, das er sich nach ihrer Ansicht ausgedacht und an den Mann bringt, trotzdem ma« die Leiche der Unglücklichen gefunden hat."
„Haben Sie die Leiche gesehen?" fragte Ser« phine schnell. I
„Ja, aber sie war bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Auch habe ich Fräulein von Kauffes vorher nur ein paarmal flüchtig und aus der Ferne gesehen; ich hatte also kein Urteil." '
„Und die anderen?" !
„Haben sie alle erkannt." 1
„Sie haben sich getäuscht oder täuschen lassen,. erklärte sie mit Bestimmtheit. 1
„Die Leiche ist in dem Käuffelschen Erbbegräbnis in Hannover beigesetzt worden."
„Herr von Melnik hat sie dort beisetzen lassen," erwiderte Seraphine mit Bitterkeit, „hat man denn gar keine Nachforschungen angesteüt, ob nicht ein anderes junges Mädchen aus der Gegend verunglückt ist?"
„Nein," entgegnete Dorn, „das müßte matt doch erfahren, die Angehörigen müßten sich doch gemeldet haben. — Einer meiner Arbeiter will allerdings in den letzten Tagen mehrfach einen „Stadtherrn", wie et sich ausdrückt, einem älteren Manne begegnet sein, der ihn nach einet verschwundenen jungen Dame gefragt habe,' allein das wird wohl einet von den Beamten der Polizei gewesen fein. Von einem Fremden, der nach einer anderen Verschwundenen suchte, müßte man inzwischen doch sonst wohl mehr erfahren haben."
„Gleichviel — hier liegt für mich ein Rätsel, das gelöst werden muß. Ein zweites besteht für mich darin, wie Gertrud in den See gekommen ist, aus dem mein Bruder sie gerettet hat. Ist sie hineingefallen, hat sie sich selbst hineingestürzt,
- (Fortsetzung folgt.)