Einzelbild herunterladen
 

!>'

H

C |

mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

SonnlaLSbkilaLk: SÄufititW

Jtl 206

BWBOWWI

Vicrtcljöhrlichcr Bezugspreis^ der der (rgpebition 2 Mk^ lri eilen Postämtern 2,25 Mk. (ejeu Beitcllgeld).

ZuserNonsgeSühr: die gespaUeueZelle.'der derenRimnlöPsg. Neclamen: die 3cife 30 Pfg.

Marburg

Dienstag. 3. September 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Truck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnivcrfitätS-Duchdnickerei Maäurg, Markt 2t. Telephon 55.

42. Jahrg.

Ter Tag be:t Seda«.

Immer wird der Blick eines Volkes an den Wendepunkten seiner Geschichte haften, zu denen der Tag von Jena für uns Deutsche ebenso ge­hört wie der von Sedan. So nützlich es aber jauch ist, beim Unglück Einkehr zu halten und aus den Fehlern zu lernen, neue Schwungkraft und Mut zum Vorwärtsstreben wird eher die Erin­nerung an Tage gemeinsamer Siegesfreude, an Täte«,"die neue Wege zu Ruhm Einheit und MhKt.gewiesen haben, gewähren. Wir wollen tnit unserer Feier unsere Feinde von damals Dicht immer aufs neue demütigen: das liegt uns fern. Wir erfüllen vor allem eine Pflicht der Dankbarkeit, wie sie dem jungen Geschlechte ziemt, das ernten darf, was andere gesät haben. Wenn Kaiser Wilhelm I. einst telegraphierte t»Welch eine Wendung durch Gottes Fügung", so wollen auch wir heute zu dem Lenker der Ge­schicke der Völker, aufschaue», der mit uns war. Tann aber wollen wir in Dankbarkeit gedenken der Männer, die in jener großen -und schweren Zc.it unser Volk durch Kampf zum'Sieg geführt haben und nicht weniger der vielen Tausende, die in fremder Erde ruhen und mit ihrem Blute uns ein Reich erbaut haben. Als der Erin- .nerungstag an Sedan mit allen seinen Folgen zum 25. Male gefeiert wurde, gab es in Dcutsch- 4and viele und nicht nur die Leute, die ge­wohnheitsmäßig bei allem zuerst fragen: was sagt das Ausland dazu? bähten so, die mein­ten, der Sedantag müße aus der Liste der natio­nalen Feiertage gestrichen werden, denn er ver­letze den Gegner von. damals und ziehe einen verderblichenChauvinismus" groß. Das deutsche Volk hat sich heute besonnen, daß es da- anit eine Schuld der Undankbarkeit gegenüber seinen großen Toten, die unauslöschlich wäre, auf sich laden würde. Ueberall ertönen heute die Glocken, Danklieder und patriotische Gesänge erschallen, und in die Herzen unserer Jugend wird die Erinnerung an die große Zeit ge­pflanzt.

> Niemand aber kann Anstoß darair nehmen, wie wir unsere nationalen Feste feiern. Gerade heute aber tut es bitter not, aus der Vergangen­heit zu lernen gegenüber Strömungen in un­serem Volke, di? einen ewigen Frieden mit Hän­den zu greisen glauben, während doch die Welt In Waffen starrt und während noch vor kurzer Zeit das Wort von der Einkreisung Deutsch­lands nicht nur ängstlichen Gemütern bang in die Ohren klang. Da ist es gut, daran zu denken, daß auch heute noch nicht papierne Verträge das Verhältnis der Völker untereinander regeln,, sonderir d:r Respekt vor der Macht und die Be­reitschaft der Völker, mit Gut und Blut einzu­treten für ihre Ehre. Jeder muß sich freuen, wenn er hört, daß eine Annäherung der Völker sich vollzieht, die das köstliche Cut des Friedens

29 <Nachdruck verboten.).

In den Fluten.

Roman von Jenny H i r s ch.

'(Fortsetzung).

9.

Förster Dorn war am Spätnachmittag von einem weiten Marsche durch sein Revier nach Hause gekommen und saß nun ausruhend, im leichteste.! Hausanzuge, aus einer kurzen Pfeife schmauchend, einen Krug schäumenden Bieres vor sich, im Schatten der Linden vor der Tür. Neben ihm lag Diana, der große gelbe Hund, der sein Begleiter gewesen war und nun eben­falls die wohlverdiente Ruhe genoß, ab und zu mach einer ihn umschwirrenden und sein Beha­gen störenden Fliege schnappend.

Jetzt aber spitzte der Hund die Ohren, rich­tete sich langsam aus und sprang plötzlich mit e'.n paar Sätzen und lautem, freudigem Gebell einen der schmalen Waldwege hinab, die aus vier ver­schiedenen Richtungen auf das Forsthaus und seine Umgebung zuführten.

Dorn ließ sich durch die Bewegung seines Hundes in seiner Ruhe nicht stören.Ruhig, Diana! Was hat nur das Vieh?" murmelte er halb schläfrig.Er wird

Das Wort erstarb ihm auf den Sippen; mit einem Ruck fuhr er von der Bank empor, riß die Pfeife aus dem Munde und die Mütze vom Kopfe und starrte mit weit aufgerissenen, ver­wunderten Äugen das so unerwartet vor ihm austauchcude Bild an. .

Von Diana in munteren Sprüngen umkreist, trat aus dem Dickicht eine schlanke, zierliche, kaum mittelgroße Mädchengestalt hervor. Sie trug ein einfaches, dunkelgraues Kleid mit schwarzem Besatz und dazu ein Jäckchen von gleichem Stoff, schwarze Stiefel an den kleinen wohlZeformten Mßen und graue Leberhanb-

für die ZuLunft -gewährleistet; wir dürfen nur nie vergessen, daß zu diesem schöne«, edlen Ziele nicht übermäßiges Entgegenkommen und Nach­giebigkeit. sondern vor allem die völlige Bereit­schaft, die Ehre des deutscher! Namens, wie sie in dem Worte Sedan leuchtet, zu wahren, führen kann. ***

^Deutsches Reich.

Bon de» Kaisertagen in Münster. In Münster fand großer Zapfenstreich von 600 Mu­sikern und 450 Spielleuten statt. Der Kaiser erschien in Gardekorpsuniform mit seiner ältesten Schwester, der Prinzesiin Adolf von Schaumburg-Lippe, dem Kronprinzen, den Prin­zen Eitel-Friedrich und Joachim auf dem Mit­telbalkon des Königl. Schloßes. Dann erfolgte der glanzvolle Aufmarsch im Scheine unzähliger Magnesiumfackeln. Beim Vortrag des Wilhelmus von Nassanen und Berg cf Zoom winkte der Kaiser mehrfach dem Prinzen Heinrich der Nie­derlande. Der Kaiser hatte zum Vortrags außer­dem das Weserlieb und Westfalenlisd gewählt, die von der unzählbaren Volksmenge begeistert aufjzenommen wurden.

Am 31. August fand dann die Jubelfeier der 200jährigen Zugehörigkeit der Grafschaft Teck­lenburg zu Preußen statt. Um 10 Uhr morgens fuhr der Kaiser mit dem Automobil vom Schlosse in Münster ab über Greven, Ladbergen, Lengerich bis zum Kreishause in Tecklenburg, wo der Kaiser gegen 11 Uhr ankam. Vor dem Kreishause wurden die Gäste von dem Ge­meindevorsteher und den Gemeindevertretern begrüßt. Dann fuhr der Kaiser zur Burg. Vor dem Burgtor waren Wagen aufgestellt in der Tracht des 16. Jahrhunderts und mittelalter­liche Fanfarenbläser. Der Oberpräsident be­gleitete den Kaiser zu dem ersten Burghof, wo er von etwa 1000 Bergleuten mit Hurrah em­pfangen wurde. Dann begab er sich, gefolgt von dem Kronprinzen und den Prinzen Eitel-Fried­rich und Oskar auf den eigentlichen Festplatz. Der Landrat des Kreises, Geheimrat Belli, wies vor allem auf den Aufschwung, den Handel und Industrie des Landes durch den Bau von Stra­ßen und Eisenbahnen genommen haben. Aufs neue gelobte et im Namen der Tecklenburget Treue. Nach der Rede des Landrates wurde den! Kaiser der Ehrentrunk überreicht. Der Kaiser erwiderte: ,

Sie haben soeben im Namen bet Grafschaft Tecklenburg die Gefühls der Treue und Anhäng­lichkeit für das Haus, unter dem Sie 200 Jahre stehen, ausgesprochen. Ich Meinerseits spreche Ihnen am heutigen Tage Meinen Glückwunsch aus zu dieser Feier, und mit Ihnen zusammen danke Ich. Gott, daß er es also geführt hat, daß wir die Feier im Frieden mit frohem Herzen miteinander begehen können. In Gedanken

schuhe an den schlanken, einen Sonnenschirm haltenden Händen, während eine ziemlich große und allem Anscheine nach schwer vollgepackte Ledertasche ihr am Arme hing. Ein breit­randiger weißer Strohhut mit schwärzen Bän­dern und Schleifen bedeckte ihren Kopf und ver­barg auch ihr Gesicht, da sie sich niedergebeugt hatte, um die stürmischen Freudenbezeugungcn des Hundes ein wenig abzuwehren.

..Diana, Diana, mein gutes Tier, du kennst mich!" sagte sie halblaut, und der Förster glaubte noch nie eine frischere, wohllautendere Stimme gehört zu haben.Wie mich das freut und rührt, aber jetzt gib Ruhe, daß ich mich auch ein wenig nach den Menschen umsehcn kann."

Sie klopfte liebkosend den schlanken Hals des Hundes, und dieser ließ von ihr ab und eilte zu dem Förster, als wollte er diesen aufmerksam machen, daß ein besonders werter Gast sich der Schwelle des Forsthauses nahe.

. Das. junge Mädchen hob jetzt ben Kopf, unb Dorn blickte in ein 'Gesicht vom reinsten Oval mit fein gerunbetem Kinn, in besten Grübchen ber Schelm zu wohnen schien, einem kleinen roten Munde mit weißen spitzen Zähnchen und einer kleinen Stumvfnase, die recht keck unb unternegmenb in die Welt schaute. Unter der von krausem, rötlich - blondem Haar zum größeren Teil bedeckten Stirn blickten ein paar Äugen hervor, deren Farbe nicht so leicht fest- zuftellen war; jetzt schimmerten sie grünlich, dann schienen sie grau und dann wieder schwarz zu sein. -

Erschrecken Sie nicht, Herr Förster," rebele sie Dorn an. unb es'huschte ein schelmisches Lächeln um ihren Mund, denn der sich in seinem gebräunten, gutmütigen Gesichte malende Aus­druck des Staunens hatte etwas Komisches.Ich bin keine böse Waldfee, sondern dar Kind recht­schaffener christlicher Eltern *

weilt am heutigen Tage auch Meine Gemahlin, die Kaiserin, hier, die schmerzlich bewegt ist, heute nicht auch unter Ihnen weilen zu können. Als ber hochselige König Friedrich Wilhelm IV. hier oben war, und so schöne begeisterte Worte an die Tecklenburger richtete, war unser Vater­land noch in seiner Entwicklung bgeriffen. Der. große Wunsch, den Sie vorhin in so poesievoller Weise geschildert haben, bewegte die Herzen aller Deutschen. Am heutigen Tage stehen wir vor vollendeten Tatsachen, das kaiserliche Ban­ner ist in Deutschland wieder aufgerichtet, und hoch schwebt der germanische Aar, seine Flügel ausbreitend, und zu ihm rufen die Germanen:

sub umbra alarinn tuanun protege r.os.

Die deutsche Kaiserkrone ist von Ihnen zur Ausschmückung gewählt worden. Die hier ver­sammelten Vereine, Kriegervereine und Vete­ranen, das sind die Männer gewesen, die in der großen Zeit der Jahre 1870/71 die Kaiserkrone aus den Schlachtfeldern geholt haben. An Ihnen ist es, die Eindrücke ber großen Zeit unb die Erfolge, die Sie mit Meinem Großvater er­langt haben, auf die junge Generation zu über­tragen, damit jetzigen Verhältnisten mehr Kraft verliehen werde, auch fernerhin den Frieden zu bewahren, damit Sie ungestört Ihren Geschäften nachgehen können. Und mit dem Wunsche des Königs Friedrich Wilhelm IV., daß Ihre Sit­tenreinheit, Ihre Treue und Ihre hingebende. Liebe dem Herrscherhause erhalten bleiben möge in alle Ewigkeit, trinke ich auf bas Wohl der Stadt Tecklenburg."

Um 1 Uhr verließ der Kaiser wieder Tecklen­burg und fuhr im Automobil nach Münster zurück.

Aus Münster liegen vom 31. folgende weitere Meldungen vor: Anläßlich ber An­wesenheit des Kaisers in Westfale« sind eine große Anzahl von Orden und sonstigen Auszeich­nungen verliehen worden. U. a. erhielten: Oberpräsident Frhr. v. d. Recke die Büste des Kaisers in Bronze und den Stern zum Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub und Schwer­tern am Ringe, Generalleutnant Prinz Philipp v. Croy den Stern zum Adlerorden 2 Kl., der Bischof von Münster, Dr. Dingelstad, den Roten Adlerorden 2. Kl. mit Stern, Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein die königl. Krons zum Roten Adlerorden 2. Kl. mit Eichenlaub, Oberbürgermeister Schmieding-Dortmund den Roten Adlerorden 3. Kl. mit Schleife. Die Er­sten Bürgermeister Cuno-Hagen, Matthäi- Hamm und Häuser-Recklinghausen erhielten den Titel Oberbürgermeister. Abends um 7 Uhr gab ber Kaiser in ben Räumen bes Lanbes- muscums Tafel für die Provinz Westfalen. Vor dem Diner empfing bet Kaiser im Schloß eine Abordnung des westfälischen Bauernvereins. Bei dem heutigen Zivildiner im Landesmuseum hielt der Kaiser einen Trinkspruch, welcher mit

Die sich Eltester nennen," fiel der Förster ein, der sich endlich gefaßt, und bot ihr die Hand. ..Das ist eine Ueberraschung! Seien Sie mir herzlich willkommen, mein Fräulein."

Sie haben es erraten, oder vielmehr Diana hat cs Ihnen verraten," entgegnete sie munter, ihre schlanken Finger in die Hand des Försters legend,aber können Sie auch sagen, welche von Eltesters Zwillingen ich bin?"

Der Förster machte wieder ein so hilfloses Gesicht, daß sie nur mit Mühe ihre Lachlust über­wand, und antwortete aufs Geratewohl:Fräu­lein Konstanze."

Feblgeschossen!" rief sie lustig.Ich bin Seraphine."

Ich brnfife, ich meinte nur," entschuldigte sich der Förster,weil

Weil man Ihnen Konstanze als die ernste und bedächtige geschildert hat, und mich als ben stets zu allen tollen Streichen aufgelegten Sprinainsfeld, so wäre jene jetzt hier besser am Platze."

Der Förster stieß einen Seufzer aus.Ach ja, mir sind hier sehr traurig und haben alle Ursache dazu." 1

Und deshalb bin ich gekommen, damit ich meine arme Mutter in ihrem großen Kummer ein wenig aufrichte und tröste. Wo ist sie denn?"

Der neckische Ton, den sie angeschlagen, ver- rvandelte sich bei ben letzten Worten unb erhielt eine tiefe, warme Färbung, sodaß ber Zuhörer wohl merkte, ' baß ihre zur Schau getragene Munterkeit keineswegs ihr ganzes Wesen er­füllte.

Die Frau Försterin ist in Eutin,*' antwor­tete er, ohne einen Blick von dem jungen Mäd­chen verwenden zu können. - -

Bei meinem armen Bruder?" fragte sie schnell und wischte sich mit dem Taschentuch ver­stohlen eine Träne ah -

einem Hurrah auf die Provinz Westfalen endete. Oberpräfident v. b. Recke erwiderte mit einem Kaiserhoch. Nach bet Tafel hielt ber Kaiser längere Zeit hindurck Cercle, nahm dann Ge» sangsvorträge ber Männergesangvereine, sowie eine Huldigung ber Turn- und Sportvereine vor dem Königlichen Schloß entgegen. Die Stadt war abermals glänzend illuminiert; der Dom, platz war mit vielen Tausenden farbiger Lämp­chen erleuchtet, welche unter den alten Bäumen hängen. Münster, 1. Sept. Heute vormitag um 10 Uhr fand auf dem Neuplatz beim Schloß unter strömendem Regen Feldgottesdienst in Gegenwart des Kaisers statt. Später besichtigte der Kaiser den Friedenssaal im Rathaus in An­wesenheit des . Oberbürgermeisters und deck Stadtverordnetenvorstehers. Um %12 Uhr er­folgte die Abreise nach Berlin, wo der Kaiser gegen 8 Uhr eintraf. Zur Verabschiedung auf dem Bahnhof waren ber tommanbierenbe Gene­ral Freiherr v. Bissing und Oberpräsident von der Recke erschienen.

Gedenktag der Schlacht bei Pt. Eyla«. Pt. Eylau, 1. Sept. Die Jahrhundertfeier der Schlacht von Pr. Eclau wurde heute unter all­gemeiner Anteilnahme seitens der Bewohner ber Stabt unb des Kreises begangen. Die Stadt hatte stimmungsvollen Festschmuck angelegt. Zur Teilnahme an ber Feier waren im Laufe deck Vormittags Prinz Friebrich Wilhelm von Preu­ßen ber tommanbierenbe General von der Goltz unb Oberpäsident von Windheim aus Königs­berg cingetroffen.

Deutsche Interessen in Marotta. In einem längeren Artikel weist jetzt dieKöln. Ztg." auf das Deutschfeindliche des Vorgehens der Fran­zosen hin. Nachdem in interessanten Ausführ­ungen nachgewiesen ist, daß der deutsche und' englische Handel in.Casablanca in erster Linie stehen unb Frankreichs Interessen hier völlig verschwinden, kommt der Artikel zu dem Schluffe:Der deutsche Handel in Ca­sablanca ist vernichtet! und zwar absichtlich, denn die Ehre Frank- reichssollteaufbemRuindesdeuti schen Handels wieberherge stellt werbe n." DieRh.-Westf. Ztg.", die diess Auffassung immer vertrat, fordert jetztim Einverständnis unb im Auftrage von Lanbsleuten in Marokko bas Zeigen unserer Flagge in einem marokkanischen Hasen", Wie die Stellung der Deutfi. n in Marokko zur Zeit ist, zeigt folgendes Telegramm aus Tanger: Die deutsche Kolonie, welche gestern abend mit den übrigen Europäern aus Fez hier eintraf, berichtet, sie sei überall unterwegs gut aufgenommen worden, während die Franzosen genötigt waren, wegen ber Feindschaft verschie­dener Stämme Umwege zu machen. Daraus erhellt, wie wir uns zu ber Angelegenheit in Marokko zu stellen haben, wenn wir nicht nut

Ach nein, man läßt ja noch niemanb zu ihm. Sie ist wieder zu einem ber verwünschten Verhöre gelaben, mit denen uns bet Untersuch­ungsrichter plagt, unb schon am Vormittag fort« gefahren; ich denke aber, sie muß mit dem näch­sten Zuge zurückkehren."

So gestatten Sie wohl, daß ich inzwischen meine Tasche ablege. Mein übriges Gepäck wird' man mir von der Station herbringen" Jagte? das junge Mädchen und trat einen Schritt ausi das Haus zu. i

Dorn fuhr erschrocken zusammen.Entschul-c bigen Sie meine Unachtsamkeit," bat er und' nahm ihr trotz ihres Sträubens die Tasche ab, um sie die Stufen hinauf zu tragen. Int Hausflur öffnete er die zu der Wohnung der Försterin führende Tür, ließ Seraphine eintre­ten unb folgte ihr. ,.

Sie ging schnell bis in die Mitte des Zim­mers, nahm den Hut vom Kopfe, legte ihn auf den Tisch unb streifte die Handschuhe von den wohlgeformten, aber die Spuren der Arbeit tragenden Händen. Mit einem einzige» Blick schien sie ihre ganze Umgebung in sich aufzu- nehmen, ihre feinen Nasenlöcher sogen den Duft der blühenden Pflanzen ein.Heimatsluft!" flüsterten ihre roten Lippen.O, wie das gut tut, wieder in meinem Walde, wieder daheim fein!

Ihr Blick fiel in ben ihr gegenüberbängen* ben, von Efeuranken bicht umzogenen Spiegel; unb sie gewahrte darin den Forster, der ver­legen hinter ihr stand unb, da er nichts besseres zu tun wußte, aufmerksam bas golbige Eelock in ihrem Nacken betrachtete. i

Verzeihen Sie, ich vergaß ganz, daß ich eigentlich nicht mehr baheim bin, daß, wenn auch in diesen Zimmern noch alles steht und liegt, wie vordem, sich doch viel, sehr viel per! ändert hat," sagte sie leise.

r ,(Fortsetzung folgt.)