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mit Dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonntag. 1. September 1907.
"Erscheint wLchcntlich sieben mal.
Druck und Verla,' Joh. Slug. Koch, Univechtäts-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
Casablanca.
Zu den neuesten Wirren in Marokko.
S>on Geheimen Regierungs-Rat Professor Dr. Theobald Fischer -Marburg.
Die Penetration pacifique hat begonnen, die wichtigste Handelsstadt von Marokko, Casa- iblanca, ist von den französischen Schiffskanonen in Trümmer geschossen, der Handel von Casa- Hlanca und man kann sagen allen Küstenstädten vm Ozean ist auf lange Zeit vernichtet, die Leidtragenden find nicht Franzosen, deren Handel hort trotz aller Anstrengungen in den letzten fahren gering war, sondern Deutsche und .Engländer! Ich sprach auf Grund meiner 'Kenntnis von Land und Leuten in der „Woche", vom 9. Juli 1905, also nachdem der Deutsche Kaiser in Tanger gelandet war und dem Vertreter des Sultans und den Bewohnern von Marokko die Zusicherung gegeben hatte, daß die .Unabhängigkeit des Landes und die offene Tür gewahrt werden sollen: „wie immer die schwebenden Verhandlungen ausgehen mögen, das eine war für jeden Kenner des Landes und feiner Bevölkerung völlig sicher, daß die vielgepriesene friedliche Aussaugung seitens Frankreichs gänzlich aussichtslos war. Wollte Frankreich Marokko nehmen, so muhte es das Land erobern."
Seitdem ist mit Mühe und Not die Algeciras- akte zustande gekommen. Die Franzosen haben inzwischen die ganze Küste sorgsam ausgenommen, was ihnen bei den Operationen vor Casablanca außerordentlich zu statten gekommen ist und noch weiter zu statten kommen wird, wenn sie auch die anderen Küstenstädte beschießen und besetzen werden. Bei dieser Aufnahme und sonst im Lande ist cs schon vielfach zu Reibungen zwischen Franzosen und Eingeborenen gefommcn. Wie Kundige, u. a. auch Dr. Mauchamp in Marrakesch, vorausgesagt haben, was kommen werde, so hat man vielfach den Eindruck gehabt, daß diese Reibungen herausgesordert wurden.
Frankreich hat um Casablanca, um Larasch, um Mahedyia an der Mündung des Sebu, dem geeignetsten Küstenplatz, an dem die große Längsbahn der Atlasländer, die schon heute von Tunis bis an die Ostgrenze von Marokko im Betrieb ist und über Thasa und Fez an den Ozean ausmünden wird, große Landantäufe gemacht, cs hat die Zahl seiner Schutzbefohlenen außerordentlich vermehrt und einflußreiche Marokkaner in sein Jnteresie gezogen. Es hat bt'n Aufstand ci der Ostgrenze vermutlich zunächst, um den englischen Einfluß zurückzudrängen hervorgerufen und bis heute glimmend erhalten, cs hat die Grenzstadt Udfchda besetzt. Alles im Sinne der Penetration pacifique! - Aber von der Algecirasakte ist in mehr als Jahresfrist das erste Erfordernis, die Organisation einer Polizeitruppe, nicht durchgeführt
28 lNachdruck verboten.)
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
'(Fortsetzung). *
Mit einer heftigen Eeberde schob Melnik das Glas von sich. „Die Försterin auch! Das wußte ich nicht; sie hat Gertrud so gut gekannt!"
„Sie ist eine Mutter, die ihren Sohn zu retten sucht um jeden Preis," sagte der Amtsrichter nicht ohne Mitgefühl. „Man mutz das in Anschlag bringen, ich werde mich wohl hüten, die arme Frau zu vereidigen."
„Dis allgemeine Stimmung scheint Eltester nicht günstig," warf Melnik hin.
„Er kann von Glück sagen, daß er hinter Schloß und Riegel sitzt, sonst würde er gelyncht. Man hat Ihre arme Schwägerin hier allgemein geliebt."
„Sie hat cs verdient!" seufzte Melnik und wischte sich verstohlen die Augen.
„Nur der Förster Dorn gibt sich alle Muhe, Eltester zu entlasten," fuhr Reutern fort, „es hilft ihm aber nichts. Er kann die Aussagen, die er, ohne zu wissen, um was es sich handle, damals dem Inspektor Dietel gemacht hat, doch nicht zurücknehmen."
„Dorn ist ein Ehrenmann," murmelte Melnik.
„Meinetwegen auch ein guter Förster aber sonst nicht der Hellste," sagte der Amtsrichter ein wenig wegwerfend, „und er scheint mir ganz unter dein Einflüsse der Frau Eltester zu stehen."
Melnik sah ein paar Minuten schweigend vor sich nieder.
„Sie haben nach Liverpool telegraphiert?"
„In keinem dortigen Hotel hat eine Gertrud von. Kausfel gewohnt, mit keinem Schiffe der White-Star-Linie ist sie abgereist, übrigens
worden, wohl aber hat man überall französische Zollbeamte eingesetzt und in Casablanca französische Hafenbauten begonnen.
Demgegenüber wolle man sich vergegenwärtigen, daß die bei weitem überwiegend ber- berische Bevölkerung von Marokko, der man Freiheitsliebe, Tapferkeit und Todesverachtung, die durch mohamedanischen Fanatismus gesteigert werden, nicht absprechen kann, noch niemals, allerdings unterstützt von der Landesnatur, Fremdherrschaft unterworfen gewesen ist, daß im Gedächtnis des Volkes noch lebt, daß alle Kiistenstädte lange Zeit im Besitz der Christen gewesen sind — noch sind die portugiesischen Mauern von Arsila und die gewaltigen Bollwerke von Masagan, das dke Portugiesen erst 1769 geräumt haben, wohl erhalten — daß Spanier, Franzosen, Engländer, Oester- reicher wiederholt die Küstenstädte beschossen haben, daß ein jahrhundertelanger Kampf zwischen Christen und Eingeborenen bei diesen einen furchtbaren -atz gezeitigt hat, daß die Autorität des Sultans systematisch durch Engländer und Franzosen untergraben worden ist. Wie kann man sich da wundern, daß die Bevölkerung seine Geschicke selbst in die Hand nimmt?
Der Hafenbau der Franzosen, den man als den Beginn einer Festsetzung ansah. gewiß mit Recht, und der nicht hätte begonnen werden dürfen vor völliger Organisation der Polizei- truvpe, gab den Anstoß zu dem Aufstande. Der Umstand, daß demnächst die ganze, von dem Leichterdienste lebende Bevölkerung brotlos sein würde, und daß der neue, wie anzunehmen ehrliche Zolldienst viele Leute schädigte, verstärkte die Reihen der Aufständigen.
Wie in dem Dolksausstande in Marrakasch, der zur Ermordung des Dr. Mauchamp führte, keinem Deutschen ein Haar gekrümmt wurde, wie es den unbotmäßigen Andjeraleuten, die von ihren Bergen aus den Molenbau der Deutschen in Tanger überblicken, bisher nicht eingefallen ist, ihn zu stören, so war auch der Aufstand in Casablanca, wo der Handel überwiegend in deutschen und englischen Händen liegt, ein deutsches Berufskonsulat und ein deutsches Postamt besteht, nur gegen die Franzosen und gegen ihren Hafenbau gerichtet. Erst die Beschießung und teilweise Besetzung der Stadt haben auch Leben und Eigentum der übrigen Europäer gefährdet und haben vielleicht in dem Augenblicke, wo ich dies schreibe, auch in den übrigen Küstenstädten, in denen noch weniger Franzosen und französische Jnteresien vorhanden sind, wie in Casablanca, Gieuel- szenen hervorgerufen. Mir bangt um das Leben manches von mir hochgeschätzten deutschen Mannes! Als am ärgsten bedroht erscheint mir nicht so sehr das entlegene Mazagan wie das entlegene Magador, das von einer außerordentlich fremdenfeindlichen berberischen Bevölkerung umgeben ist. Dort war ja schon vor kurzem die Lage äußerst bedrohlich. Und vollends die Europäer im Innern! Ich nehme an, daß die neun Deutschen, die in Marrakesch leben, sich diesmal schleunigst nach Magador geflüchtet
haben wir einen negativen Beweis, der noch weit stärker ist."
„Welchen?"
„Verhielte es sich so, wie Eltester gesagt, hätte Ihre arme Schwägerin wirklich in Liverpool auf ihn gewartet, so würde sie doch jetzt, wo er nicht angetommen ist, an seine Mutter telegraphiert haben, um sich zu erkundigen, wodurch er zurückgekalten wird."
„Das ist wahr!" bestätigte Melnik.
„Die Försterin Eltester würde sicher nichts Eiligeres zu tun gehabt haben, als mit das Telegramm zu bringen, cs wäre ja bei beste Entlastungsbeweis für ihn."
„An ihrer Stelle würde ich mir eines verschaffen," scherzte Melnik, wurde aber sogleich wieder ernst und fügte hinzu: „So ist nun der Mensch, selbst wenn das Herze blutet, kann ihm doch noch ein Scherzwort auf die Lippen treten. Aber glauben Sie mir, Lachen und Frohsinn sind aus unserem Hause entwichen, sogar meine armen Kinder schleichen mit trübseligen Gesichtern umher, und meine Frau — ich fürchte, es wirb auch ihr Tod. Sie ist gar nicht wieder zu erkennen." Er stützte den Kopf in die Hand und hielt die Augen starr auf den Teppich gerichtet.
„Die Schwestern liebten einander sehr?" fragte Reutern.
„So sehr, daß die unglückliche Gertrud sogar eifersüchtig auf mich war. Ich glaube, ich habe Ihnen dies bereits mitgeteilt, und sie hing unbeschreiblich an meinen Kindern! Ich wünschte wohl, Sie wären öfter unser East gewesen; nur wer es selbst mit angesehen hat, kann beurteilen, welch harmonisches Verhältnis durch jenen Elenden zerstört worden ist!"
„Alles, was Sie da sagen, spricht nur für die Unmöglichkeit, daß Fräulein von Kauffel in einer so heimlichen hinterlistigen Weise entflohen sein sollte,- begann Seufern nach einigen
haben. Ja, ich halte selbst das Leben der Europäer in Fez für bedroht. Trotzdem kein Telegraph in Marokko besteht, verbreiten sich dort Nachrichten blitzschnell, und alles wächst ins Ungeheuerliche. Es ist gar nicht abzusehen, welche Folgen die Vorgänge in Casablanca im Lande selbst nehmen werden?
Die französische Regierung kannte die Stimmung im Lande sicher ganz genau. Sie mußte wissen, was sie tat, wenn sie ohne Schutz einer Polizeitruppe den Hafenbau beginnen ließ und die neue Zollordnung einführte! Sie mußte wissen, welchen Widerhall im ganzen Lande die Zerstörung von Casablanca, der Tod von Hunderten von Gläubigen, die Besetzung der Stadt finden wird. Sie mußte wissen, daß dadurch Leben und Eigentum aller Europäer im Lande furchtbar bedroht sind. Offenbar zögerte man auch anfangs mit der Beschießung und führte diese erst durch, nachdem man sich über die Aufnahme dieser Maßregel bei den Mächten, besonders beim Deutschen Reiche, vergewissert hatte. Man wird später erfahren, was Herr Etienne, der Urheber und Träger der französischen Eroberungspläne, mit dem Reichskanzler verhandelt hat! In allen Berichten, die mit fortlaufend aus den verschiedensten Teilen des Landes zugehen, sotSohl von Männern, die seit 10 und 20 Jahren in Marokko dem deutschen Handel Bahn zu brechen bemüht sind, wie von solchen, die erst in den letzten Jahren sich in Marokko zu betätigen begonnen haben, wird der Mangel an Vertrauen auf unsere durch die Landung des Kaisers in Tanger begonnene neue Marokkopolitik betont! Ich beklage, daß wir uns anscheinend mit den Franzosen identifizieren, daß wir nicht verhindern wollten oder konnten, daß die Dinge so weit gediehen, daß die Marokkaner uns mit den Franzosen in einen Topf warfen und wir die günstige Stellung, die wir seit zwei Jahren hatten, verlieren. Wer wird die Deutschen entschädigen, daß sie ohne eine Spur eigener Schuld um den Lohn jahrelanger entbehrungsreicher Arbeit kommen? Sehr gespannt bin ich, die Aeußerungen der am Marokkohandel beteiligten englischen Geschäftskreise zu hören, die ihrerseits schon ihre Mißstimmung über das Marokkoabkommen Englands mit Frankreich vom 8. April 1904 deutlich genug zum Ausdruck gebracht haben. Auch in Spanien ist, scheint es, die Mehrheit des Volkes gegen das Zusammengehen mit Frankreich, und man scheint wenig Lust zu haben, dies Odium auf sich zu laden. Jedenfalls steht die französische Regierung vor einer furchtbaren Verantwortung bei dem Zustand tn Frankreich selbst, in Heer und Flotte und bei dem Umstand, daß eine starke Partei, die ich für die bestberatene und patriotischste halte, wiederholt energisch gegen diese abenteuerliche Viewaltpolitik in Marokko Einspruch erhoben hat. Wie kann man die wahren Schuldigen bestrafen? Doch nur durch einen Feldzug ins Innere. Wir dürfen in der nächsten Zeit noch manche aufregende Nachricht aus Marokko erwarten. — Die bisherigen Ereignisse in Casablanca haben einerseits die völlige Ohnmacht der Regierungsorgane, wenn wir an
Minuten wieder. „Sie würbe ihrer geliebten Schwester nicht diese Angst, dieses Herzeleid zu- gefügt haben."
„Nein, nein, das würde sie nie getan haben! Hätte sie sich selbst überreden lassen, es zu tun, sie würde cs längst bereut haben. Wir hätten ein Telegramm oder einen Brief von ihr, ober sie wäre selbst zur Stelle."
„Da beantworten Sie sich ja selbst alle Fragen, die Sie in Ihrer peinlichen Gewissenhaftigkeit sich soeben noch vorgelegt haben."
„Es ist nicht bloß Gewissenhaftigkeit, der Ertrinkende hält sich noch an einem Strohhalm! Es ist bei heißeste Wunsch, daß Eitesters Erzählung Wahrheit fein möge!"
„Sie ist ein schlau und dennoch schlecht erfundenes Märchen. — Trinken Sie noch ein Glas Wein, ich will Ihnen das genau erklären."
Er machte Miene, nach der Flasche zu greifen; Melnik aber hielt ihn zurück und versetzte mit einem Blick auf den an der Wand hängenden Regulator: „Ich danke Ihnen, meine Zeit ist abgelaufen, und meine Pferde dürften schon recht unruhig geworden sein." Er reichte dem Amtsrichter die Hand zum Abschiede. „Ich danke Ihnen?"
.^Diesen Dank hoffe ich mir erst zu verdienen," erwiderte Reutern geschmeichelt; „auf Wiedersehen, ich wünschte, ich könnte sagen auf ein frohes!"
Melnik, der schon einen Schritt gegen die Tür gemacht hatte, stutzte und blieb stehen. „Sie sagen das so eigen; werden Sie meiner noch bedürfen?"
„In der Voruntersuchung kaum, obwohl sich das nicht so genau bestimmen läßt, aber ganz gewiß in der Schwurgerichtsverhandlung."
„Sie glauben, die Cache wird schon bald vor das Schwurgericht verwiesen werden!" rief Melnik sichtlich erschrocken.
.Sie ist fast reif dazu."
ihren guten Willen glauben wollen, andererseits aber gezeigt, daß die ersten Nachrichten» die von einem Einbruch von 200000 Manu sprachen, gewaltig übertrieben waren. Ich strich sofort eine Null selbst weg. Wo sollten so viel Bewaffnete in dem Hinterlande von Casablanca Herkommen, das, wenn auch di« reichste und eine der dichtest bevölkerten Gegenden von Marokko, noch immer menschenarm genannt werden muß? Die genaue, eben auf den neuen Aufnahmen beruhende Kenntnis bet Stadt, der Landungsverhältnisse und des vorliegenden Meeresteiles hat den Franzosen die Arbeit außerordentlich erleichtert. Jabreszeit und Wasser sind auch günstig gewesen; denn diese Küste ist gefürchtet wegen ihrer Gefährlichkeit. Fast beständig herrscht starke Dünung, und alle Handelsdampfer liegen während ihrer Arbeiten beständig unter Dampf, jeden Augenblick bereit, bei plötzlich losbrechendem Sturm die hohe See zu gewinnen. Im Winter kommt es vor, daß viele fällige Dampfer, überhaupt nicht anlaufen können oder, wenn sie anlaufen müssen, gelegentlich nicht tage- sondern wochenlang vor Casablanca zu kreuzen haben. Ein französischer Kapitän, auf dessen Schiff ich reiste, versicherte mir das ausdrücklich, und ich habe selbst darunter, gelitten, daß eine Woche lang alle Dampfer vorüberfuhren. Die Küste ist bei Casablanca durch eine breite, von der Brand- ungswoge geschaffene felsige Abrasionsterrasse gleichsam gepanzert. Eine breite Felsterrasse bei Ebbe bloß, und erst drei bis vier Kilometer vor der Stadt, ist hinreichend tiefer Ankergrund, also auf ganz offener Reede. Die Verbindung mit der Stadt unterhalten zahlreiche große Leichterboote, für die aber oft der Brandungsgürtel ungangbar ist, obwohl Casablanca vor allen Küstenstädten Marokkos den großen Vorzug besitzt, daß man auch bei Ebbe mit den Leichtern bis unmittelbar vor das einzige, dargestellte Seetor, das bei der Besetzung ja auch eine Nolle gespielt hat, gelangen kann. In den hier die Küste bildenden, steil aufgerichteten Schichten eines alten, von der Brandungswoge abgetragenen Gebirges, das den Untergrund des ganzen Atlasvorlandes von Marokko bildet, treten nämlich auf der einen Seite sehr harte Schiefer, auf der anderen mächtige Bänke eines harten Sandsteines auf, der aber gegen die Schiefer hin in weichere Schichten übergeht. Diese hat nun die Vrandungswoge mit der Zeit hcrausgewaschen, und so ist die kleine Hafenbucht entstanden. Aus dieser kleinen Bucht beruht die Gründung und Entwicklung von Casablanca, dessen Name eigentlich nur die spanische Uebersetzung des arabischen Dar-el-Vuda ist. Der Name ist sehr passend; denn im blendenden Weiß der gut gekalkten Häuser hebt sich die Stadt, wenn man aus dem Innern herabsteigt, von dem blassen Meer ab, an dem sie sich lang und schmal hinzieht. Das heutige Casablancas ist neu, aber es liegt an Stelle einer uralten berberischen Siedelung, die Ansa hieß. Die Stadt ist von Mauern umschlossen, die aus gestampftem Lehm und Steinen erbaut sind, ebenso wie die Häuser. Innerhalb der Mauern,
„Und dabei werde ich erscheinen müssen?"
„Sie sind ja einer der Hauptzeugen. Ich werde auch kaum auf das Zeugnis Ihrer Frau verzichten können, so gern ich sie schonen möchte."
„O, das ist sehr fatal! Ich hatte vor, bald, nach dem Begräbnis mit meiner Familie zu verreisen."
„Nun, das können Sie ja immerhin, denn vor Anfang Oktober wird die Sache nicht zur Verhandlung kommen."
„Anfang Oktober! O, das ist schlimm; ich wollte von der Schweiz aus nach Italien gehen und dort den ganzen Winter bleiben; das stört alle meine Pläne; läßt sich da keine Aenderung bewirken?"
„Schwerlich; man kann den Angeklagten doch nicht so lange in Untersuchungshaft lassen", lächelte der Amtsrichter. '
„Und eine frühere Sitzung gibt es nicht?"
„Wir haben eine solche allerdings um die Mitte des August, ich fürchte aber —“
Melnik ergriff feine beiden Hände. ..Herr Amtsrichter, wollen Sie mich für ewige Zeiten verpflichten, so tun Sie, was an Ihnen ist, um die unglückliche Sache bis dahin spruchreif werden zu lassen."
„Ich würde dann fieber mit meiner Frau noch bis dahin in Hannover bleiben und erst nachher mit ihr reisen. Muß ich aber bis Oktober warten, oder Melitta, nachdem sie kaum ihrer jetzigen Umgebung entrückt ist, wieder zurückbringen, so fürchte ich das Schlimmste."
Der Amtsrichter entsann sich, von der Bequemlichkeitsliebe und Schwerfälligkeit der Frau von Melnik gehört zu haben und begriff, welch schweren Stand ihr Gatts jetzt mit ihr haben mochte, wo der Schmerz tim die Schwester sie völlig in Anspruch nahm. Er bewunderte ölel«, niks Zartheit und fühlte sich durch das ihm von diesem geschenkte Vertrauen geehrt. • ।
„Was in meinen Kräften steht, soll geschehen.