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JnsertionSgebuhr: die gespaltene Zelle oder Dereu 3? iura li> Psg.
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Dmck und Verlag' Joh. Ang. Koch^ llniverjttätS-BuchdruAerel 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon «5.
Marburg
Donnerstag. 29. August 1907.
Erttes Blatt
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Die Vorgänge m Marokko und die Bestrebungen einer kolonialpolitischen deutsch-französischen Annäherung.
Unter dieser Ueberschrift veröfsentlich Geh. Reg.-Rat Professor Dr. T h. Fischer- Marburg in der „Deutschen Kolonialzeitung" einen beachtenswerten Aufsatz, den wir mit Genehmigung des Verfassers in Folgendem wiedergeben:
Das in der letzten Rümmer der „Deutschen Kolonialzeitung" veröffentlichte Schreiben des Grafen von Pouvourville, des Generalsekretärs des französischen Kolonialkongresies, ist eines der erfreulichen Zeichen, daß die Minderheit in Frankreich, welche einer Annäherung an uns günstig gestimmt ist, an Zahl und Einfluß derartig wächst, daß sie an die Oeffentlichkeit zu treten wagt. Oeffentlich tauschen bereits dis beiderseitigen Kolonialgesellschasten Höflichkeiten ' aus. Höflichkeiten, vorläufig nicht mehr, mehr । ist auch dieser Brief nicht. Aber man kann j hoffen, daß damit die ersten Keime einer inter- kolonialen Verständigung gelegt werden. Auch ich arbeite seit Jahren an einer Verständigung zwischen Deutschen und Franzosen und bin in den fraglichen Kreisen Frankreichs dafür bekannt. Ich könnte mit Vorschlägen aufwarten, welche mir hochstehende französische Freunde, die mich aufgesucht haben, gemacht haben, und die mehr als Höflichkeiten sind, insofern sie nämlich positive Vorschläge zu gemeinsamer Arbeit in I Marokko enthalten. I
sagen hören. Sie würden ein Ende mit Schrecken i machen, man hat auch anderweitig solche Aeußer- rrngen von Ihnen vernommen."
„Ich leugne nicht, daß ich sie getan habe, ich war außer mir, aber mein Zorn richtete sich weniger gegen Gertrud, als gegen die, welche sie mir abwendig gemacht hatten. Hätte ich einen von ihnen vor der Mündung meiner Büchse gehabt, ich stehe nicht dafür, daß etwas Schreckliches geschehen wäre."
Sein bleiches Gesicht hatte sich gerötet, die dunklen Augen rollten, sein Körper bebte.
Dictel stieß den Amtsrichter an. Da stand I ja der Mensch vor ihnen, wie er in dem Augen- I blicke der unseligen Tat gewesen sein müßte. I „Da die beiden Herren vor Ihrer Rache bewahrt | blieben, ward Ihre ehemalige Braut das Opfer" I sagte der Amtsrichter. „Als sie Ihren Beteuerungen keinen Glauben schenken wollte, ergriffen .Sie dis leichte 'Gestalt —"
„Sie glaubeii immer noch, ich hätte Gertrud in den See geschleudert?" unterbrach ihn Georg, sglübend vor Zorn. „Hätte mich der Wahnsinn gepackt, hätte ichs getan, so würde ich ihr im Nächsten Augenblicke nachgestürzt sein.und hätte De entweder lebend wieder heraufgebrecht oder
einmal, zweimal ins Ausland, auch nach Frankreich, das ich in den Jahren meiner Entwicklungszeit gründlich kennen gelernt habe, und kann so vergleichen. Ich empfinde diese Undankbarkeit nur um so bitterer.
Auch was Frankreich seit 1900 für die Erforschung von Marokko getan, die Opfer, die es für wirtschaftliche, freilich bisher nicht besonders erfolgreiche Unternehmungen gebracht hat, die Landankäufe im großen, die Ansiedlung von Aerzten usw., die Tatkraft und Folgerichtigkeit, die es dort entfaltet hat, selbstverständlich alles zur Vorbereitung der Besitzergreifung, als Gefahr zu drohen schien, verdienen Bewunderung, während von unserer Seite in dieser Hinsicht private Bestrebungen eher gehindert als gefördert worden sind. Die meisten meiner französischen Freunde find wie ich der Meinung, daß das Heil und die Zukunft Frankreichs eine Aussöhnung mit uns erfordere. Wie sie daher über das Vorgehen Frankreichs in Marokko urteilen, weiß ich, wenn cs mir auch keiner gesagt hat: denn soweit wir jetzt die Entwicklung der Dinge dort überblicken, verträgt sich das am allerwenigsten mit den schüchternsten Versuchen einer kolonialpolitischen Annäherung, ja es beschwört Gefahren mit Frankreich herauf, deren Größe noch gar nicht zu ermessen ist. Wenn ich der Aufforderung der Schriftleitung des Organs unserer Kolonialgesellschaft, bei deren begründender Sitzung unter Miquel in Frankfurt a. M. ich schon beteiligt gewesen bin, mich über diese Vorgänge zu äußern, Folge leiste, so kann ich mich auf die Darstellung der Vorgänge selbst beschränken, wie sie von ehrenwerten deutschen Männern gegeben ist, deren innere Wahrscheinlichkeit auch dadurch erhöht wird, daß sie ganz mit den Vorstellungen Ich stehe nicht an, offen einzugestehen, daß ich | ühereinstimmt, denen ich aus meiner Kenntnis das französische Volk bewundere. Soviel Tat- j der Menschen, der Oertiichkeft und der Verhält- kraft, Umsicht und Opferwilligkeit, wie sie dies I ”Ufe heraus sofort bei den ersten Nachrichten Volk bewährt hat, nicht nur, um die eigene Wehr- I aus Casablanca Ausdruck gegeben habe.
„Nein," sagte Georg und es klang merkwürdig ruhig, „ich wußte, daß die Uhr im Obersee liegen müsse, Gertrud vermißte sie, nachdem ich Sie aus dem Waffer gezogen hatte."
„Was?" Reutern Und der Inspektor sprangen vor Ueberraschung gleichzeitig von ihren Sitz auf. „Jetzt geben Sie zu, daß fie rm Waffer sich befunden habe?"
_ „Ja, das gebe ich zu," antwortete Georg seit. „Bitte, lasten Sie mich den Hergang der Sache ausführlich erzählen."
„Sprechen Sie," sagte der Amtsrichter und lehnte sich in seinen Stuhl Zurück, während der Inspektor in gespannter Erwartung hinter ihm stehen blieb.
Georg fuhr fort: „Am vorigen Mittwoch- Nachmittag bin ich, wie Ihnen ja bereits berichtet worden ist, Gertrud wieder im Walde begegnet, und zwar gelang cs mir, sie zu überraschen, ehe sie mich gewahr wurde. Ich ergriff sie bei der Hand, ich bat und beschwor sie, mich anzu- hören, sie sprach kein Wort, sondern winkte mir
(Nachdruck verboten.), I gemeinschaftlich mit ihr den Tod in den Fluten In bCrt f^llttCH. I „So hätte ich an Ihrer Stelle auch gehandelt,
Roman von I e n n y H i r s ch. I der Augenschein lehrt nur, daß Sie cs nicht ge- " . I tan haben," spottete Reutern. „Ihr armes
. to0rtsetznng). I Opfer liygt draußen im Echauhause, Sie stehen
,.^>a, ich soll. Gertrud ins Master geschleudert L lebendig vor uns und haben umsichtig alle Anhaben? Ich, besten Leben, besten Glück, besten I stallen getroffen, sich den Folgen ihres Ver- Seligkeit in ihr beruht!" schrie der junge Mann I brechens durch die Flucht zu entziehen."
QUf- Die tiefe Leidenschaft, die I „Ich wiederhole Ihnen, daß sich alles ganz Wahrheit, welche in diesem Ausspruchs lag, I anders verhält, und daß die Leiche draußen im machte die Zuhörer betroffen: sie tauschten I Schauhause nicht Gertrud v. Kauffels Leiche ist", Bticke miteinander, und der Untersuchungsrich- I versetzte Georg.
ter sagte in milderem Ton: „Sie begingen die I Seine Stimme klang jetzt matt, er sank wie- Tat in halber Unzurechnungsfähigkeit, und I der auf den Stuhl.
möchten sie bereut haben, sobald sie geschehen I Reutern gönnte ihm einige Minuten, sich zu war. Sie, befanden sich schon länger nicht in I erholen, dann sagte er: „Sie stellen sich mit normalem Zustande. Förster Dorn hat Sie | dieser Behauptung in Widerspruch mit den nächsten Verwandten der Unglücklichen. Leugnen Sie auch immer noch, daß die im Obersce gefundene Uhr das Eigentum der jungen Dame war?"
kraft zu Waffer, zu Lande und in der Luft auf Wer die Berber von Marokko, dieses stolze, die äußerste überhaupt mögliche Höhe zu bringen I freiheitsliebende, todesverachtend tapfere, nic- unb zu erhalten — freilich sind diese Anstreng- I mals einem äußeren Feinde unterworfen ge- ungen ausschließlich gegen uns gerichtet — son- I wesens Volk kennt, der kann sich vergegcnwär- dern auch sich ein gewaltiges Kolonialreich auf- I tigen, welchen Eindruck die immer unvsrhüllter zubauen, sind nur in einem Volke möglich, das I zutage tretenden Bestrebungen Frankreichs nach bis zum letzten Bürger von nationalem Stolze I dem Besitze von Marokko bei denselben hervordurchdrungen ist, an sich und seine Zukunft I gerufen haben. Einsichtige Franzosen machen glaubt, und diese unter Anspannung aller I kein Hehl daraus — ich könnte Hunderte von Kräfte zu sichern bemüht ist. Wie weit, dem I öffentlich hervorgetretenen Stimmen anftihren guten Genius des deutschen Volkes fei es geklagt, I — daß in Algerien und Tunesien sechs Millionen find wir Deutschen noch davon entfernt! Wir I haßerfüllte Eingeborene nur durch das fran- sollten täglich Ett danken für alles, was Skr er-H zösische Heer niedcrgehalten werden. Davon reicht haben, und statt dessen, obwohl jeder gn I sollen die Marokkaner nichts wissen? Die Lan- sich die Segnungen der errungenen MachGM^k düng des Deutschen Kaisers in Tanger die ung spürt, Unzufriedenheit und Nörgelei überall! Worte, welche er an den Vertreter des Sultans Welche Undankbarkeit! Ich komme jedes Jahr I richtete, wurden im ganzen Lande als das ge
nommen, was es sein sollte, und was durch die Algeciras-Akte weiter bestätigt worden ist: Wahrung der Unabhängigkeit mit Reformen und offene Tür. Die bevorzugte Stellung, die Frankreich eingeräumt wurde, wurde namentlich auch damit begründet, daß Frankreich Marokko und die Welt des Islams bester kenne, daß es über die geeigneten Kräfte zur Durchführung der Reformen verfüge. Wer Marokko kennt, der mußte sagen: ehe irgend etwas anderes geschehen kann, muß die für jede Küstenstadt vorgesehene Polizeitruppe vorhanden und zuverlässig gedrillt sein. Nach mehr als einem Jahre sind noch nicht einmal die Anfänge dazu gemacht! Wohl aber ist die neue Zollerhebung, die alle Leute schädigt, die von der bisherigen Unredlichkeit Vorteil hatten, eingeführt, und hat man in Casablanca mit den Hafcnbauten begonnen, die in absehbarer Zeit Hunderte von Menschen brotlos machen, die von dem jetzigen Leichterdienst leben muffen. Ebenso bedroht der Eisenbahn- bau den Karawanenverkehr. Zugleich sah die Bevölkerung den Hafenbau als den Beginn der französischen Festsetzung, wie in Udscha im Osten, so jetzt in Casablanca im Westen, an. Wie gut erinnert man sich noch, daß alle diese Küstenorte in den Händen der Spanier und Portugiesen waren — Mazagan wurde ja erst 1769 geräumt! — welche Kämpfe die Befteiung von diesem «Christenjoche gekostet hat! Alle Greuel eines durch religiösen Fanatismus auf beiden Seiten noch verbitterten Krieges haben ja an diesen Küsten ein halbes Jahrtausend gewütet! Dazu die Schwäche der Regierung, die heute fast im ganzen Lande machtlos ist, so daß das Volk die eigenen Geschicke in die eigene Hand nimmt, die Schwäche und Torheit des jungen Sultans, die von Engländern und Franzosen zur Untergrabung auch der letzten Autorität als geistliches Oberhaupt aüsgebeutet worden ist!
All das hätte schon genügt, um den Ausbruch zu erklären. Aber es kamen noch Unvorsichtigkeiten und Herausforderungen hinzu. Die Lokomotiven der kleinen Eisenbahn, welche die Steine für den Hafenbau herbeiführten, wurden mit dem Master eines Brunnens gespeist, das als außerordentlich, namentlich im Sommer, kostbares Trinkwaster kaum für die Bevölkerung selbst genügt. Ich glaube zu wisten, um welchen Brunnen es sich handelt, und von welcher Bedeutung derselbe ist. Man hätte Bachwasser, allerdings verschmutzt und nicht so bequem zur Hand, benutzen können. Wiederholt schon war cs zu Reibungen gekommen, alle Warnungen der marokkanischen Behörden waren mißachtet worden, den letzten Anstoß zu dem Ausbruch gab der Umstand, daß ein französischer Aufseher bei einer neuen Reibung auf einen
nur mit der Hand, ich sollte sie verlassen. Ich bestand darauf, sie muffe mich hören, ich sei unschuldig, aber sie riß sich los und stürzte fort mit den Worten: „Wage nicht, mir wieder in den Weg zu treten oder es geschieht das Schlimmste."
Mit diesen Worten war sie im Dickicht verschwunden, ich wollte ihr Nacheilen, da war cs aber, als raschele etwas hinter mir, und ich sah die alte Petersen und ihren Enkel durch den Wald davonschlüpfen und zwar, wie mich be- dünken wollte, in der Richtung, die Gertrud cin- geschlagen hatte. Da ich nicht wollte, daß man sich erzählen sollte, ich hätte sie verfolgt, ging ich aus dem Walds heraus nach Gremsmüblen zu. Ich kam aber nach etwa einer Stunde zurück und wollte am Obersee nach Hause gehen in der Hoffnung, Gertrud vielleicht dort wieder zu finden."
„Und Sie sanden fie?“ warf der Inspektor, der seine Ungeduld nicht zu bemeistern vermochte, dazwischen, setzte sich aber mit einem entschuldigenden Blick auf Reutern nieder.
„Ich fand fie, aber anders, als Sie vermuten. Es mochte etwa halb sechs Uhr sein, als ich mich dem Obersce näherte. Ich suchte eine Stelle wo ich, im Gebüsch verborgen, ihn überblicken konnte. Gertrud war nicht da, jetzt glaubte ich aber einen Hilferuf zu vernehmen. Ich stürzte vor und sehe eine Gestalt mit den Fluten kämpfen, ein Kopf mit braunem Haar taucht auf und verschwindet wieder. Ich weiß nicht, ob mir nur meine Phantasie Gertruds Bild vorspiegelte, oder ob sie es wirklich ist. Doch gleichviel: ein Menschenleben stand auf dem Spiel, ich muß cs zu retten versuchen. Im Nu war der kleine Kahn, der am See liegt, losgekettet, ich sprang hinein, ein paar kräftige Ruderschläge brachten mich zu der Stelle, wo ich die Ertrinkende hatte verschwinden sehen. „Gertrud, Gertrud!" rufe ich, und als hätte meine Stimme die Macht, zu ihr zu bringen und ihr die Kraft zu geben, noch einmal gegen die fie verschlingenden Fluten an- j zukämpfen, taucht ein Arm empor. Ich ergreife ihn, beuge mich über, faste dir schon Leblose und I
Eingeborenen mit dem Revolver schoß. Der Aufruhr richtete sich nur gegen die Franzosen. Keinem Engländer, keinem Deutschen wurde ein Haar gekrümmt!
Gewiß, der Aufruhr, an den bei dem Vor- handensein einer Polizeimacht nicht zu denken gewesen wäre, mußte gesühnt werden. Ein französisches Kriegsschiff ist rasch zur Stelle' aber man zögert mit der sofott beabsichtigte» Beschießung. Die Beschießung erschien mir all Wahnwitz, einmal, weil nach meiner Kenntnis der örtlichen Verhältnisse von den 3—1 Kilometer vor der Küste liegenden Schiffen aus auch mit den besten Artilleristen und der genauen Kenntnis der Oertlichkeiten, wie fie die Franzosen dank ihrer vor kurzem durchgeführten sorgsamen Küstenaufnahme besitzen, Zerstörung europäischen Eigentums unvermeidlich und die Folgen, die dies im Lande und vor allem für alle Europäer haben würde, unberechenbare fein würden. Eine mit starker Macht unter dem Schutze der Schiffskanonen, aber möglichst ohne Blutvergießen durchgeführte Landung schien mir das einzig Richtige. Statt dessen läßt man 75 Mann, die man vom Lande schon eine halbe Stunde vorher zählen konnte, landen. Die kleine Truppe bringt durch das offene Hafentor in die Stadt ein, ohne daß ein Schuß fällt, und eröffnet nun ihrexsefts das Feuer auf alles, was ihnen in den Straßen entgegentritt, während gleichzeitig die „Galiläe" das Feuer auf die Eingeborenenviertel eröffnet. Nun folgt, besonders als im kritischsten Augenblicke die französischen Verstärkungen anlangen, ein grauenvolles Gemetzel in der Stadt. Alles europäisch« Eigentum wird geplündert, auch die deutsche Post und die Wohnung des deutschen Konsuls. Die Hauptmoschee wird zerstört, angeblich weil von derselben auf das französische Konsulat geschossen wurde. Ich kann das kaum glauben, da dieselbe, durch viele Häuser getrennt, 150 Meter tiefer im Innern der Stadt liegt. Ebenso wird das an der Nordostecke der Stadt gelegene, in ganz Marokko verehrte Grabmal des Sidi Bel Jut in Trümmer geschossen. Also erst dies Vorgehen der Franzosen hat diese gegen alle Europäer und gegen die Juden, die sich durch vollen Anschluß an die Franzosen doppelten Haß zugezogen haben, gerichteten Greuel hervorgerufen. Ich sehe diese von der „Kölnischen Zeitunggebrachte, durch andere Augenzeugen bestätigte, furchtbare Anklagen gegen die verantwortlichen Stellen Frankreichs enthaltende Darstellung als die sozusagen von der deutschen Kolonie zu Protokoll gegebene amtliche an. Die Verluste der Deutschen in Casablanca werden auf Millionen geschätzt. Casablanca war der Hauptsitz des deutschen Handels in Marokko. Aber nicht
ziehe sie in den Kahn. Es war wirklich Gertrud. Ich fürchtete zuerst, eine Leiche herausgezogen zu haben, doch jetzt war keine Zeit, mich meinem Schmerze hinzugeben, oder darüber nachzugrübeln, wie sie in den See gekommen war.
Ans Land gekommen, trug ich sie aus dem Kahn, legte sie am User auf das warme, fon- nenbeschienene Moos und begann Belebungsversuche. Es war ganz still um uns, in jenem -t-eU war es gewöhnlich einsam, und ich versucht« auch gar nicht, Hilfe herbeizurufen. Unter meinen Bemühungen sollte die Geliebte zum Leben erwachen, schlugen dies» fehl, dann sollt« mich der Tod mit ihr vereinen.
..Das aber blieb mir erspart. Ich fühlte endlich den leisen Schlag ihres Herzens, Beweglichkeit und Wärme der Glieder kehrten langsam zurück, sie schlug das Auge auf. zuerst blickte fit starr und verständnislos um sich, dann dämmerte ihr.das Bewußtsein der Erinnerung auf. Sie schlang den Arm um meinen Hals, und ihr blaffer Mund flüsterte so leise, daß es mein Blick mehr von ihren Lippen las, als mein Ohr es hörte: „Du bist bei mir, Georg? O, nun ist alles gut, nun bin ich geborgen."
Eine unaussprechliche Seligkeit wallte in meinem Herzen auf: ich wußte, die Schatten, welche uns trennten, waren gewichen, fie glaubt« wieder an mich, vertraute mir wieder. Doch durfte ich mich jetzt solchen Empfindungen nicht hingeben, es mußte gehandelt werden. Ich trug Gertrud, dis schnell völlig wieder zu sich kam, nach der Krähenhütte und bat sie, dort zu warten, ich würde ihr aus dem nächsten Bauernhause trockene Kleider zu verschaffen suchen. Sie hingSgen widersprach lebhaft. „Gehe zu Deiner Mutter," sprach sie, „schicke sie mit Kleidern von Deiner Schwester hierher. Es wird mir bei dem heißen Tage nichts schaden, wenn ich so lange warte, cs darf niemand wiffen, daß ich im See gelegen habe und daß Du mich errettet hast. Hast Du gehött, Georg, niemand außer Dein« Mutter und Dirl*
*■ (Fortsetzung folgt.)