mH -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckkain.
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Necla ^n: die 3eifc 30 P»a.
Marburg
Dienstag 27. Austust 1907.
Encheint wLchmtlich sieben mal.
Druck md Verlag' Ioh. Ang. Koch, UmversttätSÄuchdnickerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon »5.
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„Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und ßarX-icfhögetn ent« gegengenomiyen.
MorcnM.
Ein Mitarbeiter, der von afrikanischer Kriegführung «us praktischer Erfahrung etwas versteht, schreibt der „Deutschen Kolonialzeitung":
Der gewandteste und erfolgreichste Führer unserer Gegner in dem langen und verlustreichen Feldzuge 1904—1906 ist mit 400 Anhängern in die Kolonie eingebrochen. Angeblich hat er 150 Gewehre und ist mit genügend Schlachtvieh Versehen, um mit seinem Orlog in Ruhe die weiteren Operationen vorbereiten zu können.
Die verhältnismäßig geringe Zahl seiner Streitkräfte darf nicht zu falschen Schlüssen verleiten. Mehr hat Morenga kaum je gehabt, mehr könnte er an den dürftigen Wasserstellen des Südens und in den von ihm bevorzugten Gebirgsgegenden gar nicht verwenden. Stärker dürfte mithin eine der deutschen Angriffskolonnen auch nur ausnahmsweise werden, und Morenga hätte also in einem Gefecht gegen an- -.rähernd gleich starke deutsche Truppen zu käm- xfen. Das Verfahren, mehrere Kolonnen Ion« zentrisch vorgehen zu lassen, hat nur in einigen Fällen gewirkt und scheiterte häufig an der Ungunst des Geländes. In diesen unwirtsamen, fast unerfteiglichen, tief zerklüfteten Felsgebirgen ist eine Verbindung der verschiedenen Truppen untereinander, die ein Gelingen der umfassenden Angrifssbewegung verbürgt, nur selten möglich. Der Verteidiger hat alle Chancen für sich.
Die geringe Anzahl der Gewehre ist nur ein schwacher Trost. Jeder noch so kleine Erfolg wird ihm neue Waffen zuführen, sei es durch Verkauf von Beute an gewissenlose Händler, sei es durch direkte Erbeutung von Waffen und Munition. — In manchem früheren Gefecht hatte Morenga auch nicht mehr als jetzt: für jeden gefallenen Schützen springt ein Reservemann ein, das Gewehr bleibt.
Mit Recht sieht man daher im Schutzgebiete die Lage als sehr ernst an. Man macht sich auf schwere Kämpfe gefaßt. Zwar sind wir rechtzeitig gewarnt
23 (Nachdruck verboten.)
In den Fluten.
Roman von Jen ny Hirsch.
'(Fortsetzung).
Sie racs-löngst aufgesprungen und lief nun rvemend unh händeringend im Zimmer auf und ab. „Meine Schwester, meine arme Schwester o, wie hätte ich denken können, daß ich Dich nie, nie wiedersehen sollte!" jammerte sie. „Aber ich will sie sehen, ich will!" rief sie plötzlich, mit erwachendem Entschluß und blieb vor ihrem Gatten stehen. „Wo ist sie, Lothar, ich will hin."
Er stand auf und umschlang sie. „Laß von diesem Gedanken ab. der Anblick würde Dich zu sehr erschüttern: man hat sie nach Eutin ins Leicheuschauhaus gebracht: ich will sogleich hinfahren."
„Ins Leichenschauhaus? Das dürfen wir nicht dulden: sie müsien sie uns sogleich herausgeben."
„Das geht nicht so leicht, es muß erst festgestellt werden, daß sie cs ist."
„Unb wer möchte das bester feststellen, als wir? Ich fahre mit Dir?"
„Aber Melitta —"
„Nein, nein, ich laste mir das nicht wehren," sagte sie eifrig und merkte nicht, daß Melnik es mit seinem Widerstande gar' nicht so ernsthaft nahm. Er machte noch einige Einwendungen, dann aber sagte er. während er die Klingel zog: „Run wohl, Du sollst Deinen Willen haben meine arme Melitta. Ich möchte Dich ja so gerne schonen, aber ich sehe ein, daß dieser Kelch nicht an Dir vorübergehen kann."
Dem cintretenden Diener befahl er: „Der große viersitzige Wagen soll angespannt werden: die Jungfer soll die gnädige Frau ankleiden und sich dann bereit halten, mit uns nach Eutin zu fahren: Sie begleiten uns ebenfalls." , i »Wozu das, Lothar?" fragte Melitta,
worden, aber was nutzt das schließlich: man kann nicht überall stark genug sein, um Mo- rengas ganzer Bande die Spitze zu bieten. Man kann unmöglich jedem Provianttransport hundert Reiter und mehr als Bedeckung geben. Die Entsendung von Patrouillen läßt sich nicht ganz einschränken. Die Stärke der Pferde- und Viehwachen wird immer eine geringe bleiben. Die Leute wüsten doch auch einmal Ruhe haben und können nicht Tag und Nacht auf Poften verbleiben.
Auf einzelne Transporte, Patrouillen und Wachen wird sich Morengas Angriff in erster Linie richten. Jeder noch so kleine Erfolg führt ihm neue Waren, neue Tauschmittel für Waffen — und neue Anhänger zu. Diese alte Taktik Morengas hat sich zu gut bewährt, als daß er sie ohne Not verläßt. Unseren Angriffskolonnen wird er ausweichen, solange es geht, und sich nur stellen, wenn ihn äußerste Not zwingt, oder wenn er sich in starker Stellung und durch Hinterhalt überlegen glaubt.
Wenn äußerste Not ihn zwingti — Nur selten kam das früher vor. Morenga hatte meist als äußersten Notbehelf den Rückzug in die Kapkolonie. Kann er damit auch in Zukunft rechnen? Hebet das.frühere Verhalten der Behörden des benachbarten Kaplandes sich heute noch zu beklagen, ist müßig. Wenn man den Aeußerungen bei; englischen Presto Glauben schenkt, so ist es diesmal der englischen und kapländischen Regierung heiligster Ernst mit der Absicht, Morenga, der „sein Asylrecht verscherzt, festzunehmen, falls er sich wieder über die Grenze zurückzieht. Die Heranziehung von Polizei aus dem Innern an die Grenze zeigt, daß hinter dieser Versicherung jedenfalls mehr steckt als nur Worte. Vom Befehl zur Ausführung ist freilich noch ein weiter Schritt. Das fetzt voraus, daß auch jedes der an der Grenze nunmehr stationierten Organe mit gutem Willen an die Aufgabe herantritt. Die englischen Grenzpolizisten sind vorzügliches Material. Sie kennen das Land und die Schliche der Eingeborenen, sie sind gute Schützen und Spurenfinder.
Leidet haben aber gewisse Kreise in der Kapkolonie und Händlergruppen an der Grenze ein hohes Interesse (meist pekuniärer Art) an dem Wiederausbrechen des Krieges. Und diese Kreise werden mit allen Mitteln der Festnehmung Mo- rengas entgegenarbeiten.
Unzweifelhaft wird es viel schneller gelingen, Morenga diesmal unschädlich zu machen, wenn die Kapregierung die Grenze abschließt. Niemand wird darüber im unklaren sein, wie schwierig es ist, eine so lange vegetations- und wasserarme Strecke wirklich zu sperren. Wenn
„Ich möchte jemand zur Hand haben, falls Dich die Sache zu sehr angteift,“ antwortete er. Er wollte ihr nicht sagen, daß er die Leute mit« nahm, damit sie ebenfalls ihr Zeugnis für die Identität des Leichnams abgeben sollten.
Eine halbe Stunde später fuhr der Wagen vor, und unter dem Weinen und Wehklagen der zurückbleibenden Hausgenossen stieg das Mel- niksche Ehepaar und die Kammerjungfer ein, während der Diener sich zum Kutscher auf den Vock schwang. Erst jetzt betrauerte man Gertrud von Kauffel wirklich als eine Tote, bis dahin hatte man sich noch immer mit der Hoffnung getragen, daß sie wiederkehren könne. —
Amtsrichter von Reutern empfing das Ehepaar bei feiner Ankunft im Eerichtsgebäude mit allen Zeichen der tiefsten Teilnahme. Melnik war bereits von Eltesters Verhaftung unterrichtet, und fein Freund nahm keinen Anstand, ihm das Ergebnis des ersten Verhörs zuzu- flüstern.
”$.et Elende ist ja des Mordes so gut wie überführt, sein Pochen und Großtun wird ihm nicht viel helfen. Lasten wir meine Frau noch nichts davon wissen, sie hat an dem. was ihrer wartet, genug," sagte Melnik mit einem warnenden Blick auf Melitta. ,
Reutern selbst führte Herrn und Frau von Melnik nach dem Leichenschauhause, wo der verstümmelte Kö^er des schönen Mädchens jetzt unter einer f 'argen Decke auf dem Schrägen lag. Die Hülle wurde entfernt, und Melnik, der zuerst herangetreten war, fuhr mit einem dumpfen Schrei zurück; sein Gesicht war grünlich bleich, die Zähne klapperten, nur mit der größten Anstrengung hielt er sich aufrecht. Welche Vorstellung er sich auch von dem Aussehen der j Toten gemacht hatte, die Wirklichkeit war doch I noch viel grauenhafter.
„Bleibe zurück, Melitta, Du erträgst das nicht," tief er, aber schon hatte sie sich vom Atme des Amtsrichters losgelassen und wat herange- treten. Mit dem Rure: ..Gertrud!" sank fie ohn-
dies der englischen Polizei gelingt, so ist es ein hoher Beweis für ihre Tüchtigkeit.
Wenn nun die englische Regierung unsere Truppen ernstlich gegen Morenga zu unterstützen gesinnt ist, so hat sie ein Mittel, das ihren guten Willen sofort über jeden Zweite erhebt, indem sie die Schmugglerbande fest nimmt, die unter Scotty Smith seit Jahren schon in unerhörter Weise an der Grenze ihr Unwesen treibt. Das ist vorläufig das beste und sicherste Mittel, Morenga zu lähmen; denn, wenn et feine Beute nicht verkaufen, Waffen und Muni- tion nicht einhandeln kann, so hat sein Raubkrieg den eigentlichen Zweck verloren.
Sonst aber mag es noch viel Kämpfe und Blut kosten, bis dieser neue Aufstand niedergeschlagen ist. Wichtig ist vor allen Dingen, wie sich Johann Christian und die in Lokationen untergebrachten Hottentotten verhalten. Als sich diese seinerzeit ergaben, wurde dies mitunter fälschlich als ein Beweis betrachtet, daß die Regierung zu schwatz gesehen, und daß eine schnellere Verminderung der Truppen seht wohl möglich gewesen fei. Knapp acht Monate sind ins Land gegangen And schon zeigt sich, wie richtig an maßgebender Stelle die Lage beurteilt wurde, als in einer Denkschrift an den Reichstag (schon im November 1906) zu lesen war:
„Sobald der Aufstand im Süden der Kolonie als beendet angesehen und erklärt werden kann, liegt für die Kapkolonie fein zwingender Grund mehr vor, die auf englischem Gebiet internierten Gefangenen noch weiterhin festzuhalfen. Es bleibt seht fraglich, wie sich Ä^e freigelassenen Leute, unter denen sich auch Morenga befinden dürfte, verhalten werden. Finden sie auf deutschem Gebiet nicht eine starke und kampfbereite Truppe vor, so werden sie ihre versteckten Waffen wieder ausgraben und den Krieg von neuem beginnen usw."
Diese Sätze gehörten zur Begründung der Bahn, die ja nun glücklicherweise bis Kmbis fer- tiggestettt ist. Sie wird unseren Truppen die Kriegsführung sehr erleichtern, und dadurch viel Geld sparen. Wieder ein Zeichen, wie wichtig Schienenwege beim Kolonisieren find.
Diese Bahn, die Absperrung der Grenze — und — vielleicht! die Festnehmung der von und durch Morenga lebenden Schmugglerbande sind die Faktoren, die den neuen Feldzug gegen Morenga aussichtsreicher erscheinen lassen.
Teulsches Reich.
— Der Kaiser in Schwerin. Zur Teilnahme an der Enthüllungsfeier des Denkmals der Groß-
mächtig zusammen. Man trug sie hinaus, zitternd, schreiend, mit den Händen die Augen bedeckend, folgte ihr die Kammerjungfer, die auf einen Wink ihres Herrn ihnen gefolgt war.
In einem besonderen Zimm« des Gerichtsgebäudes, das ihr und ihrem Gatten geöffnet worden war, erholte sich Melitta wieder. Hier gab sie nach dem Vorgang Melniks zu Protokoll, daß sie in der Toten ihre Schwester erkannt habe.
Auch die Kammerjungfer, der Kutscher und der Diener, denen man die Leiche gezeigt hatte, gaben dasselbe Urteil ob; sah man auch vom Gesichte nichts mehr, fehlte die Hand mit den Ringen und waren von den Kleidungsstücken nur noch Fetzen übrig, so erkannte man doch das reiche, braune Haar, das von dem langen Liegen im Wasser jetzt freilich glanzlos und stumpf geworden war. Ferner erklärte die Kammerjungfer die vom Schlamm beschmutzten Strümpfe und. Schuhe, welche die Füße noch bekleideten, für diejenigen, welche das junge Mädchen beim Fortgehen getragen hakte. -
Auch der Gärtner, das Hausmädchen und noch einige andere Personen, die Gertrud v. Kauffel gekannt hatten, und die man im Laufe des Tages in das Schauhaus führte, sprachen sich übereinstimmend dahin aus, daß die gefundene Leiche die des jungen F'äulein fei. Rur die Köchin äußerte Zweifel; ihr Fräulein fei schlanker und von feinerem Eliederbau gewesen. Als ob man das an einer Wasserleiche hätte unterscheiden können?
Ihrer Behauptung wurde denn auch dem übereinstimmenden Urteile aller anderen gegenüber kein Gewicht beigelegt.
Auch Georg Eltester wurde vor die Leiche ge- fühtt. Mit Bestimmtheit widersprach er der Meinung, daß die Tote Gertrud von Kauffel fei, ja er verflieg sich sogar zu der Beschuldigung, alle, die dies gesagt, hatten es gegen besseres Wissen getan ober sich täuschen lassen.
»Zu welche« Zwecke?" fragte der Inspektor
Herzogin Alexandrine, der Schwester Kaiser Wil« Helms L, traf der Kaiser am Sonnabend Abend 6yt Uhr, von Wilhelmshöhe kommend, auf dem Bahnhofe von Schwerin ein. Zum Empfang waren erschienen: der Großherzog in der Uni« form des Leibkürassier-R egiments, der Herzog- Regent von Braunschweig, Johann Albrecht, in der Uniform der Garde-Husaren, Prinz Heinrich der Niederlande, in der Uniform der Garde- Jäger, die Herzöge Paul und Borwin von Mecklenburg, Prinz Heinrich XVIII. von Reuß, die Oberhof- und Hofchargen, ferner die zum Ehrendienst beim Kaiser kommandierten Offiziere, Generalleutnant Graf von Kirchbach, Kommandeur der 17. Division, Oberleutnant von Witzendorff. sowie eine Reihe höherer Offiziere. Als der Kaiser, der die Generalsuniform der Infanterie trug, dem Zuge entstiegen war, fand eine herzliche Begrüßung statt zwischen ihm und dem Großherzog, sowie dem Herzog Johann Albrecht und den übrigen Fürstlichkeiten. Nach erfolgter Vorstellung der zum Empfang Erschienenen und des Gefolges begaben sich der Kaiser und der Großberzog zum Portal am Bahnhofsplatze und fuhren in offenem vierspännigen Wagen unter- den Jubelrufen der nach Brufen- den zählenden Menge, die die Straßen umsäumte, nach dem Schlosse. Im Schlosse wurde der Kaiser von der Großherzogin und den üb« rigen fürstlichen Damen und Sierreit begrüßt Um 8 Uhr fand ein Galadiner statt. Der Kaiser führte die Großherzooin-Mntter Anastasia und der Großherzog die Königin der Niederlande. Die Großberzogin Alejandra hatte wegen Unpäßlichkeit abgesagt. Die Tafelmusik spielte das Grenadierreaiment. An der Tafek nahmen 120 Personen teil.
— Combon auf Norderney. Der französische Botschafter Cambon ist am Sonnabend in Norderney zum Besuch beim deutschen Reichskanzler eingetroffen. Wie verlautet, bezweckt der Besuch Cambons beim Fürsten Bülow hauptsächlich, Deutschland für eine Erweiterung des französischen Mandats für Marokko zu gewinnen.
— Anschluß der mecklenburgischen Staats, bahn an di» preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft. Berl i n, 24. Ang. Wie verlautet, sind Verhandlungen über den Anschluß der mecklenburgischen Staatsbahn an die preußstb-besfische Eisenbahngemeinschaft cingeleitet worden.
— Der Fall Quelsh. Der württembergische Staatsanzeiger veröffentlicht eine amtliche Mitteilung zu der Ausweisung des Engländer« Quelsh. Danach hat das Ministerium des Innern in den von dem Delegierten Quelsh aus dem internationalen Sozialistenkongreß geäußerten Worten über den Haager Kongreß eine unzweideutige und schwere Beschimpfung der Delegierten der in der Haager Konferenz vertretenen Regierungen und mittelbar dieser Regierungen selbst gesehen und deshalb dem Vorsitzenden des Kongresses, Singer, noch an demselben Abend ein Schreiben zustellen lassen, in welchem verlangt war, daß Quelsh
Dictel, der samt dem Untersuchungsrichter ihn zu der Leichenschau begleitet hatte. Beide wußten nicht recht, was sie aus ihm machen sollten, sie hatten sich von dem grausigen Anblick eine erschütternde Wirkung auf ihn versprochen, die ober gänzlich ausgeblichen war.
Georg antwortete auf diese Frage nur durch ein vieldeutiges Achselzucken und sagte, auf die Tote deutend: „Wer diese Unglückliche auch sein möge, sie kann in ihrer äußeren Erscheinung Gertrud von Kauffel nicht nahe gekommen sein; sähe sie ihr aber auch ähnlich wie ein Ei dem anderen, ich behaupte doch — sie kann es nicht sein."
„Warum nicht?" fragten der Jnsvcktor und der Amtsrichter gleichzeitig.
„Weil sie lebt."
„Sie wissen also von ihr?"
»Ja."
„Weshalb behaupteten Sie bis jetzt bas Gegenteil?" ,
„Weil ich cs ihr versprochen hatte, zu schweigen, weil ich glaubte, daß für sie und für mich viel, ja alles darauf ankomme, daß niemand erführe, wo sie sei. Jetzt sehe ich ein, daß ich nicht länger schweigen konnte. Ich darf nicht dulden, daß man Gertrud von Kauffel für tot erklärt und an ihrer Stelle eine andere begräbt; ich darf sie nicht länger vergeblich auf mich warten lassen."
„Sie wollen uns in den Wahn versetzen, Gertrud von Kauffel erwarte Sie?" fragte bet Amtsrichter mit ungläubigem Gesicht, und Dietel fügte hinzu:
„Fürchten Sie sich wirklich nicht, uns neben dieser Toten ein Märchen zu erzählen?"
„Es ist kein Märchen, sondern die volle Wahrheit," erwiderte Georg, „aber die Geschichte ist lang, vielleicht hören Sie sie doch liebet im Ge- richtszimmer, als hier im Schauhause."
Die beiden Herren tauschten einen Blick aus. „Gut," sagte der Amtsrichter, „man soll Sie von hier gleich in§ Verhörzimmet führen," ---- ,(Fortsetzung folgt.)