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19

«Nachdruck verboten.)

verknüpft, so müssen eben die Einnahmen auch erhöht werden. Darüber mutz man sich in der Nation klar werden. Man schilt in gewissen politischen Kreisen darüber, daß die deutsche Nation zu wenig politisch denke, man will hier politisieren". Gewiß wäre es gut, wenn sie mehrpolitisiert" wäre, aber vor allen nach der Richtung, datz man sich über die Bedeutung des Zusammenhanges zwischen einem großen Reiche, dem man angehört und der Steigerung der all­gemeinen Kultur, sowie der individuellen Wohl­fahrt klar würde. Das Reich verbürgt beides, solange es mächtig bleibt. Deshalb ist es weiter nichts, als jedes Bürgers eigen st es Interesse, das Reich mäch­tig zu erhalten und die dazu notwendigen Mittel mit aufzubringen. Wenn nach dieser Richtung von allen politischen Parteien das Volkpolitisiert" würde, so würde der Reichs­finanzmisere recht gut abzuhelfen sein, und' dabei der Grundsatz der wirklichen Sparsamkeit auf­recht erhalten werden können.

Erscheint tvöchmtlich fiebert mal.

Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, Umversttäts-Buchdnickerek 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon o5.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf gestern mittels Sonder­zuges pünktlich um 8 Uhr bei Wärterbude 39 bei Main z ein. Zum Empfange daselbst hat­ten sich cingefunden der Grotzherzog und die Grotzherzogin von Hessen, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, ferner der komman­dierende General des 18. Armeekorps General der Infanterie von Eichhorn, der Gouverneur und der Kommandant von Mainz und Kreis­direktor Frhr. v. Eagern. Nach herzlicher Be- grützung der Erschienenen stieg der Kaiser, der die Uniform seines 116. Regiments trug, zu Pferde und begab sich mit den Fürstlichkeiten und dem Gefolge in das Gefechtsgeländs. Es folgte eine Gefechtsübung der 49. Jnfanterie- brioade (mit Ausnahme des Regiments 168) gegen das Infanterieregiment Nr. 117; beiden Parteien war Artillerie und Kavallerie bei­gegeben. Nach Beendigung der Gefechtsübung hielt der Kaiser eine längere Kritik ab und ritt sodann die Front der auf dem großen Sande in Parade ausgestellten Truppen ab. Es fand zweimaliger Vorbeimarsch statt, wonach jedes­mal der Kaiser und die anwesenden Fürstlich­keiten ihre Regimenter vorfühcten. Nach dem Parademarsch ritten Kaiser und Grotzherzog an der Spitze der Fahnenkompagnie in die reich- geschmückte Stadt ein. Bei der Frühstückstafel, die mit 33 Gedecken stattfand, saß zur Rechten des Kaisers die Großherzogin von Hessen, neben ihr Prinz Friedrich Karl von Hessen und der Grotzherzog von Hessen. Der Kaiser verlieh das Erotzkreuz zum Roten Adlerordsn mit Eichen­laub dem kommandierenden General des 18. Armeekorps, v. Eichhorn. Der Oberbürgsr- meister von Mainz. Dr. Göttelmann, war zur Begrüßung des Kaisers im Namen der Stadt im Schlosse erschienen. Der Kaiser und das

In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

'(Fortsetzung).

Dem heißen Tage, war eine taufeuchte erfri­schende Nacht gefolgt. Die Landstraße, die von Eutin nach Eremsmühlen führt, rollte ein leich­ter Wagen entlang. Vier Herren befanden sich darin, der Staatsanwalt, der Amtrichter von Reutern, welcher meistens als Untersuchungs­richter tätig war, und ein Protokollführer, so­wie Inspektor Dietel. Der letztere hatte das Ergebnis der von ihm angestellten Untersuchung dem Gericht übermittelt, und dieses sich veran­laßt gesehen, nunmehr die Angelegenheit in die Hand zu nehmen.

Der Wagen machte einen Uniweg, um den Bahnhof von Eremsmühlen und die an den Ufern des Dieksees gelegenen Easthöfe zu ver­meiden. Es war anzunehmen, datz trotz der vorgerückten Stunde die schöne Nacht noch manche der Logiergäste im Freien festgehaltcn haben könne, und man wünschte zu dem Werke, das man vorhatte, keine Zeugen. Eine Strecke fuh­ren bic_ Herren noch waldeinwärts, dann ver­ließen sie den Wagen und legten den nur noch kurzen Weg nach dem Obersee zu Fuß zurück. Dort warteten ihrer bereits Herr von Melnik mit einem kleinen Trupp von Leuten, welche ein großes Netz sowie Taue und sonstige zum Fisch­fang nötigen Geräte neben sich auf den Boden gelegt hatten.

Melnik ging den Ankommenden einige Schritte entgegen und begrüßte sie. Dem Amts­richter von Reutern schüttelte er warm und nachdrücklich die Hand; sie waren Jugend­bekannte und hatten sich zur beiderseitigen freu­digen Ueberraschung schon vor einigen Wochen in Eutin wiedergefunden. ------------

sagte jetzt auch der Staatsanwalt, und die an« deren pflichteten ihm bet. . müßt Eure Nachforschungen weiter fortsetzen," gebot er dem Fischer, der kratzte sich aber mit bedenklicher Miene den Kopf und entgegnete:

Nichts für ungut, meine Herren, aber das wird wohl nichts helfen."

Wie? Glaubt Ihr etwa trotzdem nickt, daß das arme Fräulein in den See gefallen ist?" fragte der Amtsrickter beinahe vorwurfsvoll.

Das wird sie ja wohl fein, weil die Uhr darin liegt," antwortete der Fischer bedächtig, aber darum braucht sie nicht mehr darin zu liegen." ,

Wo soll sie denn hingekommen-sein?" tief der Inspektor.

In den Kellersee fortgetrieben, do? passiert sehr oft," antwortete der Mann.Wir wißen nie, ob wir im Obersee Fische finden oder ob sie alle im Kellersee sitzen geblieben sind."

Keine Ausflüchte)" schrie Herr von Melnik, den diese Erklärung des Fischers noch mehr auf­zubringen schien.Eure Mühe wird Euch reich­lich vergolten, sucht weiter."

Ja doch, ja doch, gnädiger Herr, auf ein paar Stunden Nacktarbeit mehr oder weniger kommt es uns gewiß nicht an, aber aber." Kopfschüttelnd kehrte er zu seinen Eefährten zurück, und die Arbeit begann von neuem.

Mond und Sterne waren längst erblichen, der Himmel rötete sich, die ersten Strahlen der ausgehenden Sonne zuckkdn gleich feurigen Schwertern über den See. Fröstelnd, übernäch- tigi schauten die auf Plaids und Röcken am Ufer lagernden Herren den sich noch immer vergeblich abmühenden Fischern zu.

Endlich mutzte auch v. Melnik zugestehe«, daß eine längere Fortsetzung der Untersuchung zwecklos sei. Die Fischer erhielten das Zeichen, die Arbeit einzustellen. /

- - - ^Fortsetzung folgt.).

Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen begaben sich nachmittags 3 Uhr im Automobil nach Schloß Friedrichshof bei Cronberg. Daselbst fand am Abend beim Kaiser Ealatafel zu 30 Gedecken statt, an der das Prinzenpaar Eitel Friedrich von Preußen, Prinz Ernst von Sach­sen-Weimar, Botschafter Sir Francis Lascelles, Regierungspräsident v. Meister und Gemahlin, Landrat v. Marx und Gemahlin, Gräfin Alexander Münster, Karl v. Grunelius und Ge­mahlin, Dr. Spielhagen, sowie Hauptmann Graf von Soden teilnahmen.

Der deutsche Ostmarkenoerein hat seinen Deutschen Tag" in diesem Jahre in Brom­berg abgehalten. Zunächst hat der Ausschuß des Vereins getagt und zu verschiedenen Fragen bemerkenswerte Beschlüsse gefaßt. Bezüglich der brennenden Enteignungsfrage wurde folgende Entschließung angenommen:

Der Gesamtausschuß des Deutschen Ostmar­kenvereins richtet an die Königlich Preußische Staatsregierung die Bitte, sie wolle dem Land­tag in seiner nächsten Tagung einen Gesetzent­wurf «erlegen, der a) für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien unter grundsätzlicher Festhaltung des Standpunktes, daß schon jetzt eine Möglichkeit der Enteignung für die Ansiedlungskommission besteht, dieser Be­hörde zur Stärkung und Förderung des deut­schen Elementes gegen polonisterende Bestreb­ungen ein Enteignuiigsrecht festfetzt und bei Auffüllung des Ansiedlungsfonds einen Teil dieser Summe für Enieignungszwecke bestimmt; b) für die gleichen gemischtsprachigen Gegenden sowie für die Regierungsbezirke Frankfurt a. O., Stettin und Köslin bei der Veräußerung eines ländlichen Grundstückes ein staatliches Ein­spruchsrecht zuläßt unter gleichzeitiger Festsetz­ung der Verpflichtung des Staates, das Grund­stück auf Verlangen bei Ausübung des Ein­spruchsrechtes zu übernehmen: c) dem Staate die Mittel der Beleihung sämtlicher Grundstücke mit Nachhnpotüeken in der Form der Rente nebst dem für den Fall der Veräußerung des Gutes auszubedingenden Wiederverkaufsrechtes des Staates gibt, und d) die Gründung von Ar­beiterrentenstellen im großen Umfange vor­sieht."

Heber die deutsche Sprache als alleinige Versammlungssprache faßte der Ausschuß folgende Resolution:

Im Hinblick auf die bevorstehende gesetzliche Regelung des Vereins- und Versammlungs­rechts kommt der Eesamtausschuß zu der wieder­holten Forderung einer gesetzlichen Bestimmung dahingehend, daß alle Versammlungen, in denen öffentliche Angelegenheiten erörtert werden sollen, nur die deutsche Sprache als Verhand­lungssprache zu wählen haben. Das Deutsche Reich ist kein national gemischtes Reich, sondern ein einheitlich deutscher Nationalstaat. Die deutsche Sprache ist die ausschließliche Staats­sprache, sie muß daher als Wahrzeichen der Staatseinheit im gesamten öffentlichen Leben zur Anwendung gebracht werden. Die Versamm­

lungsfreiheit hat zur Voraussetzung, daß die Verhandlungen in voller Oeffrntlichkeit geführt werden. Wer sich bet Oeffrntlichkeit entzieht, hat kein Recht ayf die Vechrmmlungsfreiheit."

Nach einem Huldigungsgrutz an den Kaiser wurde dem Reichskanzler telegraphisch das feste Vertrauen ausgesprochen, daß es der preußischen Staatsregierung gelingen werde, die zur Er­haltung und zur Befestigung des bedrohten Deutschtums unumgänglich notwendigen Maß­regeln zu erkennen und durchzuführen.

Auf die Huldigungsdepesche des Deutschen Ostmarkenvereins an den Kaiser ist dem Lan­desökonomierat Kennemann folgendes Antwort­telegramm zugegangen:

Seine Majestät der Kaiser und König lasten Euer Hochwohlgeboren ersuchen, den zum Deut- schen Tage dort versammelten Mitgliedern des Deutschen Ostmarkenvereins für den freundlichen Gruß Allerhöchstihren wärmsten Dank auszu­sprechen. Seine Majestät freuen sich über die treue Mitarbeit an der Erhaltung und Stärk­ung des Deutschtums in den Ostmarken de^Rei- ches und vertrauen, daß den patriotischen Be­strebungen der Erfolg nicht fehlen werde. Auf Allerhöchsten Befehl der Geheime Kabinettsrat von Lucanus."

Die Antwort des Fürsten Bülow lautete: Dem Deutschen Ostmarkenverein spreche ich für die patriotische Begrüßung meinen herzlichen Dank aus. Ihre machtvolle Kundgebung ist für die königliche Staatsregierung eine wirksame Unterstützung in dem von ihr pflichtmätzig ge­führten Kampf für die Erhaltung des Deutsch­tums in der Ostmark. Möchte der Deutsche Tag in Bromberg allenthalben als eine eindringliche Mahnung zu strenger nationaler Pflichterfüllung empfunden werden. Reichskanzler Fürst» Bülow."

Deutscher Jnnungs- und Handwerkertag. Im Festsaale des Fürstenhofs zu Eisenach wurde am Montag die erste Plenarsitzung des dritten Allgemeinen deutschen Jnnungs- und Hand­werkertages durch den Vorsitzenden des Zentral«, ausschustes vereinigter Jnnungsverbände Ber- nard-Berlin mit Begrüßung der Ehrengäste und Mitglieder eröffnet. Geh. Oberregierungsrat Cpielhagcn entbot die Grüße und besten Wünsche des Staatssekretärs von Bethmann» Hollweg, Assestor Römhild die des Handels­ministers Delbrück, die Herren Trautvetter und Schmieder begrüßten die Vertreter des deutschen Handwerks namens der weimarischen Staats­regierung und der Stadt Eisenach. Nach Ober­meister Meffert-Eisenach, der als Vorsitzender des Ortskomitees den Berhandlungen reichen Erfolg wünschte, sprachen einige Reichstags­abgeordnete ihre Sympathie für das deutsche Handwerk aus, dann wurde in die Tagesord­nung eingetreten. Der 3. Deutsche Jnnungs« und Handwerkertag nahm eine Resolution an, in welcher er sich mit einigen Abänderungsvor­schlägen für den Gesetzentwurf bett, den sog. kleinen Befähigungsnachweis ausspticht.

Zur Spacsamkeitsfrage im Reichs­haushaltsetat.

Dem Reiche wird jetzt wiederum, da die Auf­stellung des Reichshaushaltsetats in Frage steht, von den verschiedenen Seiten Sparsamkeit gepredigt, und zwar nicht aus Grundsatz, sondern weil man fürchtet, daß mit der Bewilligung neuer Ausgaben neue Steuern verknüpft sein würden. Demgegenüber muß, um der Ver­breitung irriger Auffassungen zu begegnen, bas Folgende ganz besonders hervorgehoben werden. Zunächst lasten sich die bei der Auf­stellung des Etats beteiligten Faktoren auch im Reiche schon von jeher grundsätzlich von dem Streben nach Sparsamkeit leiten. Was nicht unbedingt notwendig ist, wird an Neuforderun- geil gestrichen. Sodann verkennei! die neuesten Sparsamkeitsbefürworter die Situation. Auch wenn gar keine neue Steuern hinzukommen, würden die jetzigen Reichseinnahmen nicht hin- reichen, um die Reichsausgaben zu decken. Bian braucht doch nur einen Blick auf die Höhe der in die Etats der letzten Jahre eingestellten unge­deckten Matrikularbeiträge zu werfen, um zu erkennen, daß schon jetzt neue Einnahmen nötig sind, wenn das Reich, auch unter der Beisteuer der 24 Millionen Mark seitens der Einzel­staaten, seine Ausgaben selbst begleichen will. Und schließlich ist es zwar leicht, Sparsamkeit zu predigen, wie ihr aber bei der gegenwärtigen Sachlage, die eine Erhöhung der Ausgaben be­dingt, nachgekpmmen werden soll, ist ein Problem, dessen Lösung die Sparsamkeitsbefür­worter selbst nicht finden könnten. Es ist doch versprochen und ausgemacht, daß eine ange­messene Beamtenbesoldungsverbesserung auch im Reiche mit dem Beginn des nächsten Etatsjahres Platz greift. Es ist gesetzlich festgelegt, daß die Reichsschuldentilgung mit dem Jahre 1908 ein- zusetzen hak. Es erhöhen sich von selbst die ver­schiedensten Posten, wie Zinsen der Reicheschuld, Veteranenfiirsorge, allgemeiner Pensionsfvnds usw. Daß auch bei Einhaltung des festgelegten Flottenbauplanes die neu zu erbauenden Kriegs­schiffe größere Deplacements erhalten müßen, dadurch aber auch größere Kosten verursachen, hat selbst der Führer des Zentrums noch jüngst zugegeben. Glaubt man denn, daß dies alles einfach bloß im Etat nicht zum Ausdruck gebracht zu werden brauchte, damit man dem Svarsam- keitsgrundsatze huldigen könnte? Gewiß sollen die maßgebenden Faktoren im Reiche die Wirt- sthaft auch gewisten Grundsätzen eines sorgsamen Familienvaters gemäß einrichten, sie aber ge­nau so zuzuschneiden, wie eine Privatwirtschaft wäre der verfehlteste Standpunkt, der eingenom­men werden könnte. Meint man denn beispiels­weise wirklich, es wäre sparsam, wenn die neuen Kriegsschiffe in den alten Deplacementsoerhält- nissen weiter gebaut würden? Diese Sparsam­keit könnte uns eines Tages so teuer zu stehen kommen, daß das dann lebende Geschlecht mit Recht seinen Vorfahren fluchen würde. Nein, was durchaus notwendig ist, muß ausgegeben werden. Und sind damit Ausgabesteigerungen

Hätte wirklich nicht gedacht, daß wir uns so Wiedersehen würden, lieber Reutern, hoffte viel­mehr, Sie als Gast auf dem Godenberg zu be­grüßen," flüsterte er.

Set Amtsrichter drückte ihm durck einige ebenso leise gesprochene Worte seine Teilnahme aus, dann traten beide zu den anderen, und der Inspektor Dietel bedeutete mehr durch Zeicken als durch Worte seine Leute, wie die von diesen reguirierten Fischer, an die Arbeit zu gehen.

Der Obersee ist ein kleiner, ziemlich tiefer See oder vielmehr der abgesonderte Teil des weit größeren Kellersees, mit dem er auch durch eine unterirdische Strömung in Verbindung steht. Ganz von dem dunklen Gebüsch, von Tannen, Fichten und überhängenden Weiden umgeben, hat er selbst am Tage einen melancho­lischen Charakter, jetzt im Mondenschein machte er aber einen geisterhaften, herzbeklemmenden Eindruck. Unwillkürlich sprachen die Versam­melten leise und dämpften ihre Schritte, als fürchteten sie sich, etwas zu erwecken, das hier in tiefster VerborgenheiMschlief, und doch waren sie gekommen, das auf dem Grunde des Sees lie­gende Geheimnis zu enthüllen.

Die Fischet lösten eine« am User angeketteten Kahn und fuhren bis in die Mitte des Sees; schweigend schauten ihnen die Zurückbleibenden nach; wie Schatten glitten sie unter den leise im Winde rauschenden Blättern dahin.

Der Kahn hatte die Mitte des Sees erreicht, mit gedämpftem Zuruf verständigten sich die In­sassen mit ihrem am Ufer aufgestellten Gefähr­ten. Das Netz ward ausgewotsen und von kräf­tigen Händen wieder in die Höhe gezogen. Wären die Leute auf den Fischfang ausgezogen, sie hätten zufrieden sein können; es zappelte eine stattliche Anzahl größerer und kleineret der flossentragenden Bewohnet des Sees, in ihrem j Netze; sie erhielten hie Freiheit wieder^ _ nicht j

auf sie war es abgesehen, man forschte nach einer kostbareren Beute.

Der Kahn fuhr nach. einer anderen Stelle, wieder wurde das Netz in die Flut versenkt mit dem gleichen Erfolge. So ging es fort: un­verdrossen, unermüdlich arbeiteten die Leute, immer größer wurde die Spannung, die Unge­duld der Zuschauenden.

Vom Dorfe her hatten zwölf Schläge die Mitternachtsstunde verkündet, als die Arbeit begonnen; die Herren lauschten auf jedes Vier­tel, dessen Schall der Nachtwind zu ihnen trug. Ijjtzt war es zwei Uhr. die Luft war kälter, nicht -fern mehr war der erste Schimmer der Morgen­röte, und noch immer war nichts gefunden.

Ihre Vermutung ist nicht richtig," sagte der Staatsanwalt,es findet sich nichts."

Sie ist richtig, sie ist richtig." entgegnete Melnik mit einer Heftigkeit, die seinen Beglei­tern nur zu begreiflich erschien; der bedauerns­werte Mann war durch die auf ihn einstürmen­den Ereignisse überreizt. Soeben wurde das Netz wieder geleert; laute Siufe, die die Leute ausstießen, schienen Melniks Behauptung zu be­stätigen.

Der Kahn lag jetzt am Ufer. Einer der Fischer sprang jetzt heraus und eilte zu den Herren; in der Hand hielt er einen dunklen Gegenstand; ep war ein Stück Holz, um das sich etwas Glänzendes geschlungen hatte. Ehe ein anderer zugreifen konnte, entriß es ihm Melnik.

Zweifeln Sie jetzt noch?" rief er und hielt ein Stück abgerissener Kette, an welcher eine Uhr hing, in die Höhe.Gertruds Kette! Ger­truds Uhr!" fügte er hinzu, nachdem er einen Blick darauf geworfen hatte, und gab den Fund dem neben ihm stehenden Amtrichter. Das llhr- glas war zerbrochen, das Werk stand still wie das Herz derjenigen, welcher die Uhr gehört hatte.

«Utz auf dem Grund des Sees liegen,-

Vierteljährlicher Bezugspreis- bet ver Expedition 2 Ml,

196 bet allen Postämtern 2,25 Ml. (excl. Bestellgeld). ZvtdTVllry

* * JnferNon-gebUhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg. oq nr,tnitn. 10A7

Reelamen: die Zelle M Vfg. D0NNersM 22. AUgUft 1h()7.