Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Sonniaasbetlaae: Alluktrirtes W

Jt« 193

Biertrljährlicher Bezugspreis^ bet der Expedition 2 Mk bei allen Postämtern 2,25 Mk. («xct. Bestellgeld).

Jusertiousgebuhr: die gespaltene Zelle j)er ocrtu R ntm 15 Pfg.

Reclainen: die llcdc 80 Ma.

Marburg

Sonntag 18. August 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck irnb Verlag' Joh. Aug. Loch, Umversitäts-Bnchtmlckerik 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon ob.

Erstes Blatt.

Pttßstimmctt zur Frage der Aeiideruttg des Asldtagslvahlrechtes.

Während D. Friedrich Naumann, unbeküm­mert umKleinigkeiten", wie b\n Bundesrat 1tnd die preußische Regierung, mit Zeitungs­artikeln unser preußisches Verfassungsleben, ent­weder durch einen Reichstagsbeschluß oder durch einen Staatsstreich von Grund aus umzustürzen gedenkt, äußert sich die Presse der ihm nahe­stehenden linksliberaleir Parteien wesentlich vorsichtiger und kühler. Insbesondere erkennt dieVossische Zeitung" die Gefahr, daß durch den nationalsozialen Uebereifer eines schönen Tages der ganze Block auseinandergesprengt werden, und die Freisinnigen durch sich selbst ge- nasführt werden könnten. Sie weist deshalb gleich derWeser-Zeitung",Kieler Zeitung" und andern freisinnigen Blättern Herrn Nau- inanir ziemlich derb zur Ruhe und wäre zufrie­den, wenn eine Wahlreform nur einenwesent­lichen Fortschritt" brächte, damit man den Wäh­lern im Lande einen Erfolg zeigen könne. Solche Illusionisten seien die Freisinnigen nicht, daß sie glauben sollten, sie brauchten nur zu wünschen und zu fordern, um ihren Willen durchzusetzen.

So liegen", fährt das zitierte Blatt fort, die Dinge im praktischen Leben nicht, daß man die Formel aufstellen könnte: Entweder gebt ihr Preußen das Landtagswahlrecht, oder der Block geht i» die Brüche! Damit täte man allenfalls der Sozialdemokratie und dem Zentrum einen Gefallen und hätte die Genugtuung, die preu­ßische Wahlresorm völlig zu Hintertreiben. Wir hegen auch einige Zweifel, ob nationalsoziale Eiferer, die sich anscheinend für die Alternative begeistertalles oder nichts", in der Praxis nach dieser Richtschnur handeln würden, wenn die Vorlage des Fürsten Bülow die Klasseneinteil­ung, die indirekte Wahl und die öffentliche Ab­stimmung beseitigte, gleichwohl aber in einzel­nen Punkten hinter dem Reichswahlrecht zurück­bliebe. Wir selbst sind nicht geneigt, uns im voraus auf die Ablehnung jedes Entwurfes zu Linden, der nicht vollkommen mit dem Reichs­tagswahlrecht übereinstimmt; möglicherweise ist das Ziel erst in Etappen zu erreichen, wie auch das heutige Wahlrecht in England nicht mit einem Schlage, sondern durch eine Reihe von Akten der Gesetzgebung geschaffen worden ist." ' Ganz im Sinne der erwähnten freifinnigen Blätter erklärt dieVoss. Ztg." weiter:

16 iNachdruck verboten.),

In den Fluten.

Roman von I e n n y H i r s ch.

'(Fortsetzung).

In den ausdrucksvollen Zügen des Mannes ging eine Veränderung vor, nur konnte der In­spektor nicht daraus klug werden, ob sie Schreck, Besorgnis oder Betroffenheit bekunde.

Gertrud ist verschwunden?" rief er bestürzt, aber es klang nicht recht natürlich.

Haben Sie wirklich nichts davon gehört? Man suchte sie ja schon seit gestern Abend in der ganzen llmgegend," sagte der Inspektor, und fein Ton drückte seinen Unglauben aus.

Wie sollte ich? Ich war am äußersten Punkte des Reviers, iin Tannengrunde auf dem Anstand."

Und haben einen Hirsch geschossen?" fragte Distel wie beiläufig.

Rein, er ist mir durchgegangen," antwor­tete Georg unmutig, während Dietel ganz leise vor sich hinpfiff.

Meine Mutter hat Ihnen wohl schon ge­sagt, daß ich mich, als ich nach Hause kam, sofort niedergelegt habe. Aber nun bitte, berichten Sie mir, was ist's mit Gertrud?"

Georg tat die Frage im Tone der Besorgnis, dem Inspektor wollte es aber wieder bedünken, als liege etwas Gemachtes darin, und er er­widerte jetzt mit schärferer Stimme:Eigentlich bin ich gekommen, um zu fragen, nicht um Aus­kunft zu erteilen. Wissen Eie denn wirklich nichts von Fräulein von Kausfel?"

Rein," versetzte Eltesrer kurz, und seine Braunen zogen fich finster zusammen.

Eie haben sie während des gestrigen Tages nicht gesehen?"

Und haben auch keinen Versuch dazu ge­macht?" fuhr der Inspektor fort.

Wie sollte ich? Was geht mich Fräulein von Kausfel an? fragte der junge Förster.

Run aber ergriff seine Mutter das Wort und rief:Eieb Dir keine Mühe, Georg, man hat den Herrn Inspektor von allem unterrichtet!"

Die freisinnigen Parteien werden sich von niemand ins Schlepptau nehmen, auch von An­griffen ihrer Gegner nicht beirren lasten. Sie werden sich um Schlagworte ebensowenig küm­mern, wie um die Ratschläge derer, die kein sehnlicheres Verlangen tragen, als derBlock­politik" ein Ende zu machen, will sagen, tatsäch­lich das konservativ-klerikale Regiment wieder­herzustellen."

Auch der Abg. Müller-Meiningen schüttelt in denMünch. R. Nachrichten" Herrn Naumann gründlich ab, indem er sagt:

Ueber die Taktik der freisinnigen Parteien entscheiden selbstverständlich einzig und allein die dafür maßgebenden Stelle n."

Die halbamtlicheNordd. Allg. Ztg." hatte vor einigen Tagen bekanntlich erklärt, daß die von der Regierung einzubringende preußische Wahlreformvorlage nicht das Reichstagswahl­recht, sondern ein Vierklastenwahlrecht darstellen werde. Sie hatte ferner den Freisinn nachdrück­lich davor gewarnt, etwa gar durch eine Masten­agitation die Wahlrechtsbewegung nachdrück­licher zu gestalten. Wie man sieht, hat diese Warnung ihre gute Wirkung nicht verfehlt.

Die Zentrumspresse beobachtet eine vorsichtig abwartende Haltung und rät, insbesondere in derKöln. Volksztg." dem Freisinn,etwas be­scheidener" zu sein. Ebenso erklärte dieKreuz- Zeitung", daß die konservative Partei, die selbst­verständlich jeder Demokratisierung sich wider­setzen wird, abzuwarten haben werde, welche Vorlage die Regierung einbringen werde und einstweilen keinen Grund habe, sich über die Pläne des Fürsten Bülow den Kopf zu zer­brechen.

Den konservativen Standpunkt gibt ein Auf­satz wieder, den ein ostpreußischer Konservativer in derOstpr. Zeitung" veröffentlicht. Dieser betont, daß die Stellung der Konservativen zum Block eine grundsätzlich andere sei, als die der freisinnigen Führer, da die Konserva­tiven bedingungslos jede natio­nale Politik unterstützen. Er fährt dann fort:

Wir denken nicht daran, das Maß der Be­willigungen von irgend welchen Gegenleistun­gen auf anderen politischen Gebieten abhängig zu machen, und bei Versagung dieser Gegen­leistungen zu verweigern. Wir gehören also unter allen Umständen zu demnationalen Block" und heißen jeden in diesem Block will­kommen, der in nationalen Fragen mit uns zu gehen bereit ist. Wenn unsereVerbündeten" aber ihrerseits ihr Mittun in nationalen Fra­gen von Gegenleistungen abhängig machen, so

Dürste ich Sie bitten, Frau Försterin, mich mit Ihrem Sohn auf kurze Zeit allein zu lasten?"

Dietel sagte es mit ausgesuchter Höflichkeit, aber gerade darin lag das Befehlende.

Ohne ein Wort zu erwidern, verließ die Frau leise das Zimmer.

Was bedeutet das, Herr Inspektor? Wollen Sie ein Verhör mit mir anstellen?" fragte Ge­org und warf sich auf einen Stuhl.

Wenn Sie es so nennen wollen, dann kann ich nichts dagegen haben," erwiderte Dietel ge­lassen, indem er ebenfalls Platz nahm.Ich würde sonst nut gesagt haben, daß ich Erkundig­ungen einziehen möchte."

Und um das zu tun, weisen Sie meine Mut­ter aus ihrem Zimmer?" rief Georg, und sein Auge loderte im Zorn auf.Wenn man Sie von meinem Verhältnis zu Gertrud von Kausfel unterrichtet hat, so werden Sie doch wisten, daß unser Haus das letzte ist, wohin sie sich gewen­det haben könnte. Im übrigen steht es Ihnen frei, cs nach ihr zu durchsuchen."

Er stand auf und machte eine Bewegung nach der Tür.

Hätte ich überhaupt geglaubt, daß die junge Dame hier wäre, so würde Ihr Anerbieten mich eines Besseren belehrt haben," versetzte Dietel mit feinem Spott,das schließt aber nicht aus, daß Sie um ihren Aufenthalt wisten."

Ich?" schrie Georg.Sie hat mich ver­raten, sie ist vor mir geflohen! Sie hat mit hartnäckig jede Gelegenheit abgeschnitten, mich vor ihr zu rechtfertigen, und ich sollte wissen, wo sie jetzt ist? O, wenn Sie wüßte, was ich ge­litten habe! Wie Feuer brennt der schreckliche Brief, den Sie mir geschrieben hat, und doch muß ich ihn auf meiner Brust tragen und ihn immer wieder lesen."

Und Ihre Liebe hat sich in Hatz verwan­delt?" fragte der Inspektor, ihn scharf firietenb.

Die Stirn des Mannes tötete sich.Wer sagt Ihnen das?"

Ihr Betragen. Statt über das Verschwin­den der beliebten zu Nagen und sich an dey Nachforschungeü nach Ujr beteiligen, denken

haben wir zu prüfen, ob die aus der Gewährung dieser Gegenleistungen für die Entwicklung des Staates möglicherweise entstehenden Nachteile nicht größer sind, als der Schaden, den das Aus­scheiden solcher Elemente aus dem Block bringt; und ist das der Fall, so haben wir die Konse­quenzen daraus zu ziehen. Ganz besondere Vor­sicht ist für uns geboten, wenn, wie bei der preu­ßischen Wahlrechtsfrage, die nationale Opfer­willigkeit unserer demokratischen Verbündeten durch eine fortschreitende Demokratisierung un­seres Staatslebens erkauft werden soll. Denn geschieht das, so kann dadurch auch in nationalen Fragen höchstens ein momentaner Vorteil er­zielt werden; der Enderfolg wird dabei immer sein, nicht eine Steigerung des Einflusses des national gesinnten Liberalismus, auch kaum eine solche der extrem bürgerlichen Demokratie, sondern sicherlich vor allem eine Stärkung der geborenen Feindin unserer nationalen Entwick­lung, der Sozialdemokratie, also eine Schädig­ung der durch den Block getragenen nationalen Politik. Deutschlands nationale Stellung ist nicht durch die demokratischen Theoretiker ge­schaffen und erhalten worden, die vor 42 Jahren in dem Augenblick, wo endlich die preußische Re­gierung zur Tat für die Einigung Deutschlands schritt, ihrkeinen Mann und keinen Groschen" bewilligte, um ihrden Eroßmachtskitzel auszu­treiben", und deren extrem gerichtete Nach­folger bis vor Jahresfrist in Fragen der Lan­desverteidigung und der kolonialen Entwicklung nur allzu oft versagten, sondern sie ist geschaffen durch das dem irregeleiteten Willen der Masten und ihren parlamentarischen Vertretern Trotz­bietende, auf die konservativen Kreise im Lande sich stützende preußische Königtum. Und dieses zum Kaisertum ^mporgewachsene preußische Kö­nigtum ist es auch, welches in Zukunft in Zeiten der Gefahr unsere nationalen Güter zu verteidi­gen berufen ist. Es vermag dies aber nur dann, wenn es vor der Schwächung durch das Ueber- wuchern subversiver demokratischer Tendenzen bewahrt bleibt. Eine starke, nicht vom demo­kratischen Zeitgeist untergrabene Monarchie ist nach unserer konservativen Weltanschauung ein noch weit wichtigeres nationales Gut, als eine starke Wehrmacht oder blühende Kolonien. Je­nes preisgeben, um für diese Vorteile zu erkau­fen, hieße unverantwortlich handeln. Hiermit ist die Grenze des Entgegenkommens für uns gegen­über unseren Blockverbündeten zur Linken auch in der Wahlrechtsfrage gegeben. Die Demokra­tisierung des Wahlrechts süddeutscher Staaten darf unsere Vorsicht gegenüber einer ähnlichen Entwicklung in Preußen nicht verringern, son­dern muß sie vermehren. Wir wollen hoffen,

Sie nur an das vermeintliche Unrecht, das sie Ihnen zugefügt hat. Wisten Sie auch, datz Ihr Verhalten mir unwahr, unnatürlich gemacht er­scheint?"

Herr Inspektor!"

Sie können Gertrud von Kauffel nie geliebt haben, oder Sie spielen eine Komödie, die Ihnen aber verzweifelt schlecht gelingt," fuhr Dietel, ohne fich irre machen zu lassen, fort.

Womit wollen Sie das beweisen?" fragte Georg, die Arme unterschlagend.

Die Beweise werde ich schaffen, verlosten Sie fich darauf," antwortete der Inspektor.Sie bleiben also dabei, nicht zu wisten, wo Fräulein von Kausfel hingekommen ist, sie gestern nicht gesehen zu haben?"

Ja, dabei bleibe ich."

Und wo waren Cie gestern Nachmittag?" -Ich bin nur durch den Wald nach Ererns- mühlen a-gangen, dann kehrte ich zurück und blieb im Hanse, weil ich nachts auf den Unstand gehen wollte. Man wird Ihnen im Stati.ms- gebäude in Gremsmiihlen bezeugen, daß ich dort vorgesprochen habe."

Der Inspektor zuckte die Achseln.Und wie deuten Sie sich das Verschwinden der jungen Dame?" fragte er,

Wie kann ich bas wissen? Vielleicht ist sie entflohen vielleicht," er sprach es leise, zögernd,hat sie selbst ihrem Leben ein Ende gemacht. Ach, sie müssen ihr ja furchtbar zuge­setzt haben, um sie dahin zu bringen, daß sie mich von sich stieß."

Jetzt kam ein tiefer, echter Schmerz um die Verlorene zum Vorschein.Und fürchten Sie nicht, daß sie ermordet sein könnte?"

Eine seltsame Veränderung ging in Georgs Zügen vor. Alle Farbe wich aus seinem Gesicht, die Augen erweiterten sich, als sähe et et düs Furchtbares vor sich. Er streckte die Hände aus, als wollte er die Erscheinung abwehren, und murmelte:O, nein, nein, wer könnte wer sollte

..Das zu ermitteln, wird die Aufgabe der Pehörde fein, und es ist Pflicht eines jeden

daß die Zeiten von 1848 nicht toieberfommeu werden, wo preußische Truppen die Throne süd­deutscher Fürsten gegen ihre von der Demokratie irregeleiteten Untertanen verteidigen mußten. Aber das steht fest: je mehr das demokratische Majoritätsprinzip im Reiche vorbringt, beste notwenbiger wirb bie Erhaltung des konser­vativ-monarchischen Autoritätsprinzips wenig­stens in der Verfassung des führenden Bundes- ftaates Preußen. Zeigten bie süddeutschen Bun desstaaten mehr Widerstandskraft gegen da; Vordringen demokratischer Bestrebungen odei hätten wir ein Reichstagswahlrecht von wenige: nivellierender Tendenz, das den staatserhalten den Elementen der Bevölkerung den zum Ge­deihen des Reiches nötigen Einfluß für alle Sei­ten sicherte, so ließe sich über eine Wahlrechts­änderung in Preußen im liberalen Sinne ehe, verhandeln. Unter den gegenwärtigen Verhält­nissen bedeutet aber jede Konzession in letzter Hinsicht eine Schwächung derjenigen Faktorsr unseres Staatslebens, von denen, wenn da« Reichstagswahlrecht einmal in entscheidender: nationalen Fragen versagt, allein die Rettune kommen kann."

Diesen Steuerungen der maßgebenden Par­teien gegenüber wird die preußische Regierunc sich schwerlich zu Unbesonnenheiten hinreißer lassen, zumal die sächsischen Spuren schrecken!

Handwerkerfragen.

Auch in diesem Jahre sind die Handwerks­kammern gelegentlich der Veröffentlichung ihrer Haushaltungspläne Gegenstand herber Kritik gewesen. Insonderheit hat man ihnen vorge­worfen, daß ihre Ausgaben zum weitaus größ­ten Teile rein bureaukratischer Verwaltungs­tätigkeit, in verschwindendem Maße der Förde, rung des Handwerks dienten. Als der För­derung des Handwerks dienend wurden lediglich die für die Unterstützung von Meisterkursen, Fach- und Fortbildungsschulen ausgeworfenen Beiträge bezeichnet, alle übrigen Unkosten, wit Gehälter, Reisekosten und Tagegelder, Kosten der Gesellen- und Meisterprüfungen, Miete, Bureauauswand usw. galten als unproduktive Verwaltungsausgaben.

Demgegenüber kann nicht oft genug betont werden, daß gerade diese Verwaltungstätiakeit fast ausschließlich und in hohem Maße der För­derung des Handwerks dient. Ein Hinweis auf das außerordentlich ausgedehnte Arbeitsgebiet der Harrdelskammer möge dies näher erläutern.

Eine der Hauptarbeiten der Kammern liegt in der Fürsorge für bie Lehrlinge. Diese schließt in sich bie Beseitigung bezw. Verhütung bei Lehrlingszüchterei, die Ueberwachung der Aus­bildung der Lehrlinge durch die Beauftragten

guten Bürgers, ihr dabei Hilfe zu leisten. Ich hoffe. Sie werden es auch tun, Herr Eltester," sagte der Inspektor, indem er sich zum Fort­gehen anschickte.

Das werde ich* antwortete Georg und gab ihm das Geleit, aber es klang so dumpf, so ton­los, als sei er mit seinen Gedanken weit, weil hinweg.

Dietel nahm absichtlich seinen Weg durch bie nach der Rückseite des Hauses sührendr Tür. Im Hosraum, den er betrat, stolzierte ein Hahn mit rotem Kamme inmitten einer Schar von Hüh­nern, aus dem Stall drang das Grunzen eines Schweines und das Meckern einer Ziege, sonst herrschte tiefe Stille, aber selbst der Hn >d mu?;ie fich irgendwo zur Ruhe gestreckt haben. In dem kleinen Garten, welchen er zu durchschreiten hatte, grünte und blühte es noch prächtige: ob in den Zimmern. Ü berall musterhafte Ord­nung, tiefet Friede, nirgends nur der geringste Anhalt für einen Verdacht.

Auch die Försterin und ihr Sohn hatten keinen üblen Eindruck auf den Beamten gemacht. Er B'ufjte sich zugestehen, daß der letzt ne nicht b xs Aussehen eines Menschen habe, der mit dem Lebensglück eines jungen Mäochens fein Spiel treibe, trotzdem wat er aber überzeugt, daß man ihm nicht die Wahrheit gesagt habe.

Mutter und Sohn hatten eine eingelernte Rolle gespielt und zwar recht schlecht gespielt.

Er hatte für den Augenblick keinerlei Befug­nis, weiter in sie zu bringen, nichts lag vor, was einem schärferen Auftreten gegen sie eine Derechtigueq verliehen hätte. Er nahm sich je- boch vor, Georg Eltester seht genau überwachen zu lassen: vielleicht fand sich auf biefe Weise bes Rätsels Lösung.

Oder war es gar kein Rätsel, hatte bie För­sterin das Richtige gefunden? War Gertrud von Kauffel eiilfach nach Hannover abgereist, um allerlei Unliebsamkeiten, was ihr der Aufent­halt auf dem Godenberg brachte, aus dem Wege zu gehen? Verhielt sich das so, bann mußte in­zwischen schon Nachricht von ihr da fein, ~ (Fortsetzung folgt.)