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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchbaiu.
Sonutaasbeilaae: AllustrirteS GonntsaSLratt. ~ * ** M
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vierteljährlicher Bezugspreis; der der Expckition 2 Mk„ bei kille» Postämtern 2,25 Mk. (.ejcu Bestellgeld).
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Marburg
Freitag. 16. August 1907.
Erscheint wöchentlich fieben mal.
Druck und Verlage Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckers Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42.Jahrg>
Wilhclmshöhe.
' In dem erinnerungsreichen Schloß von Wil- Helmshöhe, wo einst der letzte Napoleon den Araum seiner Kaiserherrlichkeit austräumte, hat jttm gestrigen Tage Kaiser Wilhelm II. den Be- ßuch seines königlichen Oheims, des Beherrschers jbes britischen Weltreiches empfangen. Fürsten- jtmpfänge nnd Monarchenzusammenkünfte zähsten ja in nnserm Zeitalter, wo infolge der stets fortschreitenden Vervollkommnung der Verkehrsmittel die größten Entfernungen in erstaunlich kurzer Frist überwunden werden, wahrlich nicht /u den seltenen Ereignissen, zumal in der hohen Saison der Sommerreisen und Besuchsfahrten, dennoch hat die Einkehr König Eduards in Wilhelmsbühe die Aufmerksamkeit der ganzen spolitischen Welt im höchsten Maße erregt, da «rach den offiziösen Verlautbarungen diesem Besuche doch vielleicht eine Bedeutung bcigemessen X’crbeit kann, die über den Nahmen bloßer verwandtschaftlicher Beziehungen hinausgeht und per Hoffnung Raum gewährt, daß englischerseits fie Erkenntnis von der Notwendigkeit cinerVer- «tändigung mit Deutschland Platz gegriffen hat. diese Annahme erscheint umsoweniger unwahrscheinlich, wenn man sich das Verhalten König Mnards in den letzten Jahren vergegenwärtigt, ka dieser in geradezu unhöflicher Weise auf seinen Reisen durch Deutschland „huschte", um tiner Begrüßung seines kaiserlichen Reffens tuszuweichen und sich noch im Vorjahre nur mit Offenbarem Widerstreben zu der Begegnung mit Kaiser Wilhelm im Taunus entschloß. Der Kronberger Besuch ist von Kaiser Wilhelm nicht erwidert worden, umso auffälliger erscheint die Einkehr König Eduards in Wil- helmshöhe, zumal sich der britische Herrscher von ?em Unterstaatssekretär des englischen Auswär- #ip,en Amtes begleiten ließ, während der Kaiser Mit dem Reichskanzler Fürsten Bülow am Bahnhöfe erschienen war, um seinen Oheim — jkcr sich übrigens, wie schon gestern mitgeteilt loutbe, eine recht ansehnliche Verspätung ge- sleistet hatte — bei seiner Ankunft zu begrüßen.
Man geht wohl nicht fehl, wenn man den Besuch des englischen Königs in Wilhelmshöhe dls einen Erfolg der deutschen Diplomatie betrachtet und ihn mit der Kaiserbegegnung vor sSwinemünde in Zusammenhang bringt, die den Englischen Staatsmännern sicherlich viel zu denken gegeben hat. Zwar hat der König von Großbritannien und Irland, Kaiser von Indien jusw., dessen Herrschergewalt sehr beschränkt ist, keinen nennenswerten Einfluß auf die wirkliche Gestaltung der englischen Politik, jedoch durch seinen persönlichen Einfluß und seine diplomatischen Fähigkeiten ist cs ihm zweifellos gelungen, sein Königtum, das nach der englischen Verfassung eigentlich nur Ornament ist, stärker
zu betonen und zur Geltung zu bringen. So kann man ihn recht eigentlich wohl als den Spiritus rector der englischen Politik in den letzten Jahren bezeichnen, jener Politik, die ziel- bewußt von Erfolg zu Erfolg geschritten ist. Auf diesem Siegeszuge aber erschien dem Engländer der bis dahin stark unterschätzte deutsche Michel als ein sehr unbequemer Rivale, zumal als letzterer sich seiner in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gewonnenen Kraft bewußt zu werden begann, nach Geltung zur See strebte und seinen Anteil an den bis dahin der Kultur noch nicht erschloßenen Gebieten forderte. Daher der fortgesetzte Widerstand, der in aller Stills gegen die deutschen Bestrebungen von John Bull organisiert wurde, der dabei in der Wahl seiner Mittel nicht immer wühlerisch war, sondern sich oft häßlicher Ränke und Anzettelungen bediente, über die schon Fürst Bismarck bittere Klage führte, als.vor nunmehr 20 Jahren zum ersten Male die deutsche Flagge in Afrika gehißt wurde. Daher auch die von England ausgehenden Verdächtigungen, durch dis Deutschland als Weltstörenfried hingestellt wurde, welche ihren offensichtlichsten Ausdruck fanden in dem plumpen Versuche, Deutschland auf dem Haager Kongreß in Mißkredit zu bringen.
Mit diesem thörichten Ueberrumpelungsver- suche hatte John Bull freilich kein Glück. Auch mit den, durch das Schlagwort „Einkrsisungs- politik" gekennzeichneten Bestrebungen, Deutschland auf der Weltbühne zu isolieren, wollte es ihm nicht gelingen; die hastige Bündnispolitik, die sämtlichen politischen Traditionen Albions direkt zuwiderlief, hatte vielmehr eine Verminderung seines eigenen Ansehens bei den Weltmächten zur Folge.
Die Erkenntnis dieser Mißgriffe, sowie das Gefühl der Schwäche, das durch die Darlegungen des Feldmarschalls Lord Roberts erregt wurde, der vor wenigen Monaten darauf hinwies, wie notwendig es für England fei, neben seiner großen Flotte auch ein entsprechendes Heek zu besitzen, scheint nunmehr einen starken Stimmungsumschwung in England herbeigeführt zu haben, dem die leitenden Männer angesichts der ruhigen Haltung der deutschen Diplomatie Rechnung tragen zu müssen glaubten.
Bei dem unausrottbaren Mißtrauen der Engländer gegen die deutschen Fortschritte in der Politik sowohl, wie auf dem Weltmärkte, kann natürlich keine Rede davon sein, daß durch die freundschaftliche Unterredung der beiden Monarchen eine Beseitigung der bestehenden Gegensätze erreicht worden ist; denn die Richtungen und Ziele der englischen Weltpolitik werden auch nach dem Besuche König Eduards dieselben bleiben. Gleichwohl kann die Wilhelmshöher Besprechung eine Besierung in dem Verhältnis
14 (Nachdruck verboten.),
In den Fluten.
Roman von I c n n y H i r s ch. (Fortsetzung).
4.
sAuf Feld, Wiesen und Seen lag glühender Sonnenschein; aus dem reifen Korn stieg ein süßer, betäubender Duft empor; es regte sich kein Blatt, tiefe Stille lag über der Natur. Es war die Stunde, wo die Phantasie des einsamen bei seinen Herden weilenden Schäfers aus den wallenden Ächren das Mittagsgespenst auf- ianchen zu sehen glaubt.
i Inspektor Dietel hatte die Villa auf dem Godenberg verlassen und ging schnellen Schrittes den nach dem Walde führenden Fußpfad entlang. Er achtete nicht darauf, daß die Sonne auf seinen Kopf brannte und ihm den Schweiß aus allen Poren trieb. Zu sehr war er mit dem Rätsel beschäftigt, dessen Lösung man von ihm erwartete. Immer wieder suchte er die ihm gemachten Mitteilungen aneinander zu reihen unb immer wieder durchzuckte ihn der Gedanke, daß in dieser Kette einige wichtige Mittelglieder zu fehlen schienen. Würde er diese in der Försterei finden?
Jetzt hatte er den Wald betreten, und unwillkürlich blieb er stehen, tat einen Atemzug, Nahm den Strohhut vom Kopfe und trocknete sich das Gesicht mit dem Taschentuch. Schnell ging er dann weiter; auch im Walde war es heiß und ganz still; die Mittagsstunde hielt die Sommergäste, welche ihn sonst belebten, in ihren Wohnungen fest.
Dietel war ein rüstiger Fußgänger^ und die Spannung und Aufregung, in welcher er sich befand, beflügelte noch seine Schritte. So hatte er »ach einer halben Stunde das Ziel seiner Man- »eruhg erreicht.
Die Försterei Segejeld war ein einzelnes
Gehöft, das tief im Walde versteckt lag. Das ziemlich lang gestreckte graue Wohnhaus hatte nur ein einziges Stockwerk, und unter dem breiten, hohen, weit vorspringenden Dach ein paar Giebelstuben; es würde recht unscheinbar aus- gesehen haben, wenn es nicht einen reizenden Schmuck besessen hätte. An den Wänden rankten dir Kletterrosen empor, die jetzt in voller Blüte standen. Wie duftige Kränze umrahmten die rosa und weißen Blumen die blankgeputzten Fenster, hinter denen blendend weiße Gardinen zu sehen waren. In einiger Entfernung vom Hause, unter einer breitastigen Linde, deren Blüten sich soeben erschloßen hatten und von honigsammelden Bienen umsummt wurden, standen aus Holz gezimmerte Tische und Bänke, aber nirgends war ein menschliches Wesen zu erblicken.
Inspektor Dietel schritt aus die in der Mitte des Hruses befindliche Tür zu und stieg die zu ihr einporführenden Steinftufen in die Höhe; noch aber hatte er die Hand nicht auf den Drücker gelegt, so erhob sich lautes Gebell, und von der .Hinterseite des Hauses her kam ein sehr großer, schöner, hellgelber Hühnerhund gesprungen, welcher Miene machte, sich auf den Ankömmling zu stürzen. In demselben Augenblick ward aber auch schon die Tür geöffnet, eine weibliche Stimme rief ein entschiedenes: „Ruhig, Diana, hierher!" und der Hund folgte gehorsam dem Rufe.
Inspektor Dietel stand vor einet Frau, welche vielleicht die Mttte der Fünfziger überschritten haben mochte. Sie trug ein sehr schlichtes, schwarzes Kleid, und darüber eine saubere Küchenschürze, das graue, glatt gescheitelte Haar war unter einer kleinen, weißen, mit einem schwarzen Bande aufgesteckten Mütze verborgen.
„Wünschen Sie den Herrn Förster Dorn zu sprechen, mein Herr ?" fragte sie den Inspektor, der höflich den Hut gezogen hatte, und trat zurück, um ihm den Eingang frzf zuA-achen. »Ich
Deutsches Reich.
— Zur Invalidenversicherung. Die amtliche Uebersicht, die über die am 1. Juli d. Js. auf Grund des Jnvalidenversicherungsgesetzes laufenden Renten veröffentlicht ist, geben zu einigen Bemerkungen Anlaß. Zunächst ist nicht Aussicht vorhanden, daß, wie es früher den Anschein hatte, noch im laufenden Jahre die erste Million von diesen Renten erreicht werden wird. Am 1. Juli liefen insgesamt 969165 Renten, wovon 826 911 Invaliden-, 120 427 Alters- und 21 827 Krankenrenten waren. Da die Zunahme von Viertel- zu Vierteljahr in letzter Zeit noch nicht 10 000 betragen hat, ist anzunehmen, daß die erste Million von Renten erst im nächsten Kalenderjahre erreicht werden wird, dann aber sicher. Bedenkt man, daß das Jnvalidenver- sicherungsgesetz seit dem 1. Januar 1890, also nahezu 17 Jähre in Kraft ist, so wird man erkennen, welche Bedeutung für das Leben der Nation das Gesetz in verhältnismäßig kurzer Zeit erlangt hat. Dabei läßt das Tempo in der Steigerung der Zahl der gesamten Renten die Hoffnung weiter bestehen, daß man mit den jetzigen Beiträgen auch weiterhin wird auskommen können. Eine Zunahme in der Zahl haben in letzter Zeit nur die Invalidenrenten aufzuweisen. Hier war bekanntlich infolge unrichtiger Auslegung des Gesetzes eine Zeit hindurch in verschiedenen Gegenden Deutschlands eine Rentensteigerung zu beobachten gewesen, die Besorgnisse erwecken mußte. Dem energischen Eingreifen des Neichsamtes des Innern ist es gelungen, den Gesetzesbestimmungen zur Durchführung zu verhelfen und damit die Gefahr einer Beitragserhöhung zu beseitigen. Die Altersrenten gehen in der Zahl immer noch zurück. Es liegt dies daran, daß infolge Todes, Auswanderung oder aus andern Gründen mebr bewilligte Renten in Wegfall kommen, als zugehen. Jedoch weisen die immer geringer werdenden Differenzen zwischen diesen beiden Zahlen darauf hin, daß das Beharrungsstadium bei dieser Rentenart bald erreicht sein wird. Während die Krankenrentenzahl bisher stets eine steigende Tendenz auf-
zwischen Deutschland und England insofern zur Folge haben, als man sich englischerseits hoffentlich bemühen wird, eine mildere Tonart im diplomatischen Verkehr anzuschlagen und erneute Herausforderungen Deutschlands zu vermeiden. Dann würden auch in der nächsten Zukunft jene kritischen Augenblicke seltener werden, auf die s. Z. unser Kaiser hinwies, wenn er die Notwendigkeit betonte, daß wir unser Pulver trocken halten müßten.
Wenn dies der Erfolg der gestrigen Unterredung der beiden Herrscher sein sollte, so würde das ungefähr dem entsprechen, was die offiziöse „Norddeutsche Allgem. Ztg." in ihrem Begrüß- ungsartikel als eine „Bekräftigung der friedlichen und ausgleichenden Tendenzen" versteht.
bedaure, der ist nicht zu Haufe, er ist auf ein paar Wochen verreist."
„Das tut nichts, ich hoffe, Sie können mir in der Angelegenheit, in welcher ich komme, ebenso gut Auskunft geben," entgegnete der Inspektor, indem et eintrat. Ich spreche doch wohl mit Frau (Eltöfter?“
„Die bin ich," erwiderte die Frau, während sie die dunklen Augen, die einmal schön gewesen sein mochten, jetzt aber trübe und glanzlos aussahen, auf den Ankömmling richtete, wie in der Erwartung, daß dieser sich nun auch vorstellen werde. Sie tat aber keine Frage, als es nicht geschah, sondern öffnete eine der rechts und links in dem breiten, mit blauen und weißen Fliesen gepflasterten Hausflur befindlichen, braun gestrichenen Türen und fügte zuvorkommend hinzu: „Treten Sie hier ein und nehmen Sie Platz. Darf ich Ihnen ein Glas Bier oder Milch zur Erfrischung holen? Wer zu uns kommt, hat gewöhnlich einen weiten Weg gemacht, und es ist heute ungewöhnlich heiß."
„Ich danke Ihnen," antwortete Dietel, angenehm durch das Wesen der alten Frau berührt, ein Eindruck, der sich noch durch die altertümliche, anheimelnde Einrichtung des Zimmers und durch dessen köstlichen Blumenschmuck ver- türkte. „Ich habe keinen Durst und bin schon ehr befriedigt, wenn Sie mit gestatten, in die- em angenehmen, kühlen Zimmer, unter den »tüchtigen Blumen zu raffen." Er ließ sich da- >ei in dem mit schwarzem Ledertuch überzogenen Lehnstuhl nieder, den ihm die Frau zurechtge- schoben hatte, und schaute sich wohlgefällig und prüfend im Zimmer um, ein wenig verlegen, rote er seine Frage einleiten sollte.
„Sie haben von dem seltsamen Verschwinden des Fräuleins von Kauffel gehört, Frau Försterin," entschloß er sich endlich, die Frau, welche etwattungsvoll neben ihm stehen geblieben war, ohne jede Einleitung *u fragen, und tt wollt? tvm bedüMl. als gehe «in leichtes
wies, ist sie im letzten Vierteljahr plötzlich um etwa 500 zurückgegangen. Man hat es also hier nicht wie bei Invaliden- und Altersrenten mit festen Faktoren zu tun, von denen der eine stetig zu-, der andere stetig abnimmt, sondern mit einem schwankenden Faktor. Da die Kran- kenrentenzahl vorläufig noch bescheiden ist, so werden dadurch für die Kalkulationen über die zur Rentenzahlung flüssig zu machenden Mittel des Reiches keine großen Unsicherheiten erzeugt.
— Der Aufschwung des gewerblichen Leben» in Deutschland in den letzten 20 Jahren ist schon öfters iit der Presse erörtert worden. In welcher Höhe die Produktion zugenommen hat, ist ja für sämtliche Eewerbszweige nicht festzustellen. Es gibt ja keine Produktionsstatistik in Deutschland, wenigstens keine fortlaufende. Die Vroduktions- stattstik, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts zur besseren, Vorbereitung der Aufstellung eines neuen Zolltarifs von amtlicher Seite veranstaltet wurde, ist vereinzelt geblieben. Man hat sie nicht fortgesetzt. Sie bezog sich übrigens nur auf die Ee- werbezweige, die in Berufsgenossenschaften organisiert sind und für diese auch nur auf die der Berufsgenossenschaft angehörenden Betriebe. Für einige Eewerbezweige aber werden fortlaufende Statistiken veranstaltet, darunter auch für solche, die einer Besteuerung unterworfen sind. Für sie kann man die betreffenden Zahlen aus der früheren und der jetzigen Zeit nebeneinander stellen. In erster Reihe ist für das gewerbliche Leben einer Nation maßgebend die Förderung von Kohle und Eisen. An Steinkohlen wurden im Jahre 1886 rund 58 Millionen Tonnen im Werte von 307 Millionen Mark und 20 Jahre danach, im Jahre 1905, 121,3 Millionen Tonnen im Werte von 1049,9 Millionen Mark gefördert. Bei der Braunkohle betrugen die Zahlen 15,6 Millionen Tonnen im Werte von 40,2 Millionen Mark und 52,5 Millionen Tonnen im Werte von 122,2 Millionen Mark. Die Summe aller Bergwerkserzeugnisse (also Kohle, Salz, Erze usw.) machte 1886 85,2 Millionen Tonnen im Werte von 430,5 Millionen Mark aus und im Jahre 1905 205,6 Millionen Tonnen im Werte von 1417,7 Millionen Mark. Die Wertsumme aller Bergwerkserzeugnisse hat sich also in den 20 Jahren mehr als verdreifacht, die Zahl der geförderten Tonnen verzweieinhalbfacht. Die Eesamterzeugung von Roheifen belief sich 1886 auf 3,5 Millionen Tonnen im Werte von 142,3 Millionen Mark und 1905 auf 10,9 Millionen Tonnen im Werte von 578,7 Millionen Mark. Hier ist die verhältnismäßige Steigerung noch größer gewesen, als bei den Bergwerkserzeugnissen. Wie gesagt, kann man an diesen Zahlen bereits ganz genau den Aufschwung des gewerblichen Lebens innerhalb der letzten beiden Dezennien erkennen. Aber auch andere Eewerbszweige zeigen eine bedeutende Produktionszunahme. So ist über die Biergewinnung ein Ueberblick der gleichen Art zu gewinnen, 1886 wurden im deutschen Zollgebiete 45,1 Millionen Hektoliter Bier herge- ftellt, 1905 waren diese Produkte auf 72,8 Mil-
Zucken durch ihren Körper. Sie antwortete in- des mit ganz ruhiger Stimme:
„Gewiß, man hat sie ja hieck gesucht. Aber Fräulein Gertrud verirrt sich nicht, die wird jetzt längst wieder zu Hause sein."
„Das ist eben nicht der Fall. Das Fräulein ist verschwunden, und ich bin beauftragt, nach ihrem Verbleib zu forschen. Ich bin der Polizeiinspektor Dietel aus Eutin."
Das feine Gesicht der Försterin war blässer geworden, die Lippen zuckten, sie schien heftig bewegt, mußte aber eine große Herrschaft über sich haben, denn sie sagte gelassen: „Fräulein von Kauffel ist wirklich nicht wieder zum Vorschein gekommen? Ich kann Ihnen keinen anderen Bescheid geben, Herr Inspektor, als den ich schon heute Rocht den Leuten gab, die hier nach ihr fragten: ich habe Gertrud von Kauffel schon seit Wochen nicht gesehen."
„Das Verschwinden der jungen Dame scheint Eie gar nicht zu erschrecken, Frau Försterin, entschuldigen Sie, das setzt mich in Verwunderung. Man hat mir erzählt, Sie hätten sie von frühester Kindheit an gekannt."
„(Eben deshalb erschreckt es mich nicht," entgegnete die Frau und nahm Platz. Dem Inspektor wollte es scheinen, als rücke sie den Stuhl so, daß er ihr nicht gerade in das Gesicht sehen konnte. „Gertrud ist besonnen, vorsichtig und sehr selbständig. Ich bin überzeugt, sie hat ihre Gründe für ihre sofortige Abreise gehabt, und es wird wohl heute ein Brief oder ein Tele- gramm eintreffen, daß sie in Hannover ange- kommen ist."
- Sie irren sich, das Fräulein hat weder Geld noch Kleidungsstücke mitgenommen."
ob sie das nicht alles in Hannover in ihrer Wohnung vorfände; soviel Geld, um die Reffe zu bezahlen, wird sie wohl bei sich gehabt haben/' hmtrfte die Försterin mit leise« Lachen.,7 „ W""" U