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189
Marburg
Mittwoch. 14. August 1907.
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Erscheint, wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Iah. Ang. Koch, UniversitatSÄuchdruckerä 42. Jahr-.
Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Politisches und Unpolitisches ans dem Orient.
Die Annäherung zwischen Monte- «egro und Oesterreich-Ungarn wird von den übrigen Balkanstaaten nicht ohne Mißtrauen beobachtet. Der „einzige Freund" des Zaren ist nicht mehr persona gratissima am ;6t. Petersburger Hofe und neigt nun wieder mehr nach Wien, wie denn das Land der schwarzen Berge überhaupt auf seinen nördlichen gro- tzen Nachbarn angewiesen ist und bleibt. Man weiß, daß die Reise seines Schwiegersohnes, des Königs von. Italien, nach Griechenland, den Fürsten Nikita wenig entzückte, denn er fürchtet eine Beeinträchtigung seiner Pläne, wenn Athen und Nom sich über Albanien und Epirus einigen sollten. Da ohnedies Oesterreich in Italien beif größten Gegner seiner Balkanpolitik sieht, urteilt der' alte Herr in Cettinje sehr richtig, daß sich auf dieser Grundlage wieder engere Beziehungen zu Oestereich knüpfen ließen. Wahrscheinlich spielen auch noch andere Gründe mit. Der serbische Königsthron der Karageolgie- witsche steht wenig fest und, wie erinnerlich, wurde erst kürzlich eine Verschwörung aufgedeckt, deren Fäden von Belgrad nach Cettinje reichten. Daß die Montenegriner auf die Nachfolge in Serbien hoffen, ist allbekannt, und wenn Fürst" Nikita sich jetzt wieder an Oesterreich anzuschlie- tzen sucht, geschieht dies zweifellos in dem Bestreben, in Wien die Bedenken zu zerstreuen, die man dort früher einer montenegrinischen An- .wartschaft auf den serbischen Thron cntgegen- gebracht hat.
Die schwierige Lage auf dec Balkanhalbinsel, die Rüstungen Bulgariens und Serbiens, haben auch Griechenland veranlaßt, die militärischen Fragen nicht aus dem Auge zu lasten-. Neben der Reorganisation des Landheeres, die seit dem Kriege mit der Türkei eifrig betrieben wurde, wird auch in den letzten Jahren stark an der Vermehrung der Kriegsmarine gearbeitet. Entsprechend dem neuen griechischen Flotte n g e s e tz werden die drei Panzerschiffe Hydra, Spetzae und Psara gegenwärtig einem Umbau unterzogen, nm die Schiffe den modernen Anforderungen mehr anzupasten. Ferner sind zwei neue Panzerschiffe von gleichem Typ vorgesehen, um eine einheitliche Formation zu schaffen. Die auf der Vulkanwerft erbauten Torpedobootszerstörcr Velos und Aspis werden demnächst vom Stapel gekästen. Fertig in Dienst gestellt wird demnächst die Naukratusa und die bei darrow gebauten Zerstörer^ Lonchi und Svendoni.
12 (Nachdruck verboten.)
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
. .. "(Fortsetzung). ~n~ ... „Abscheulich!" schrie sie. „Wie kann die Dorothee so etwas von dem lieben, guten Fräulein sagen! Aber freilich, die heutigen Dienst- tnädchen! Das kommt und geht und weiß nichts pon der Herrschaft! Sehen Sie, Herr Inspektor, ich habe bei der Frau Geheimrat" von Kauffel fünfundzwanzig Jahre gedient und Fräulein Melrtta und Fräulein Gertrud auf den Armen getragen, und ich habe ein Ruhegehalt und ich hrn bloß aus Gefälligkeit wieder mit nach dem Codenberg gegangen, weil's eine andere doch so nicht versteht —"
„Sie waren also jedes Jahr mit hier?" unterbrach der Inspektor den Redestrom. „Misten Eie vielleicht von einer Liebe des Fräulein, die ihre Familie nicht billigte?"
„Oho, die gnädige Frau wußte wohl darum und hatte ihre Freude daran. Es sollte es nur noch niemand erfahren, aber mich macht man doch nicht dumm," sie lachte jetzt leise vor sich hin.
„Wo hat denn das Fräulein den jungen Mann kennen gelernt?" fragte der Inspektor.
„Na hier: sie ist doch von frühester Kindheit «n jedes Jahr nach dem Eodenberg gekommen." „Aber der Förster ist doch erst in diesem Frühjahr hierher gekommen: das Stubenmädchen sagte —“
„Ach die hat läuten gehört, aber sie weiß nicht, in welchem Dorfe," lachte die Alte. „Um den Förster Dorn handelt es sich doch nicht, sondern um Georg Eltester, den Spielgefährten des gnädigen Fräuleins: er hat ja studiert und kann Oberförster oder was weiß ich alles für ein großes Tier werden, aber bei Herrn von Melnik fängt der Mensch erst beim Grafen an, obschon er selber keiner ist."
„Herr von Melnik wollte das Verhältnis Nicht, und seine Frau?" -■—
Bedeutend ist auch der Fortschritt, den Griechenland auf dein Gebiete der Handelsschiffahrt gemacht hat. Der Schiffsverkehr von und nach Konstantinopel liegt zum größten Teil in griechischen Händen. Während noch im Jahre 1901 die unter türkischer Flagge fahrenden Dampfer mit der Zahl 693 und mit 389 502 Tonnen an der Spitze standen, stiegen die griechischen Dampfer, die 1901 an zweiter Stelle standen, im Jahre 1906 von 472 Schiffen mit 205 744 Tonnen auf 1027 mit 404 580 Tonnen, während die türkischen zwar an Zahl auf 808 sich vermehrten, an Tonnengehalt dagegen auf 347 880 zurückgingen. Die Beteiligung Deutschlands ist nicht minder bedeutend. Im Jahre 1901 kamen die deutschen Schiffe mit 51 und der Tonnenzahl von 77 928 an zehnter Stelle, 1906 sind sie mit 252 Dampfern und 347 880 Tonnen an die sechste Stelle gerückt, unmittelbar vor Großbritannien. Noch günstiger ist das Verhältnis hinsichtlich des wichtigen Hafens von Alexandria. Im Jahre 1905 nahm die griechische Handelsmarine mit ihren Dampfern die dritte, mit ihren Segelschiffen die zweite Stelle ein. 1906 stieg sie vollständig zur zweiten Stelle auf, nur noch von Großbritannien übertroffen, während sie Italien, das bisher die zweiteS teile ein nahm, um 63 Schiffe übertraf, Oesterreich um 97, Frankreich um 123 und Rußland um 165.
Verschiedentlich konnte an der Hand der Statistik'auf die günstige finanzielle Entwicklung Griechenlands hingewiesen werden, die in den letzten Jahren sich fortgesetzt in aussteigeu- der Bewegung befindet. Auch die jetzt bekannt gewordenen Zahlen über den griechischen Ein- und Ausfuhrhandel bestätigen dies. Im Jahre 1906 belief sich die Gesamtziffer auf 261 508 566 Drachmen gegenüber 224 643 701 Dr. im Jahre 1905. Davon entfielen auf die Einfuhr 143 451 405 und auf die Ausfuhr 118 057 161 Dr. (140 783 062) bezw. 83 860 639 im Jahre 1905). Der Unterschied zwischen Einfuhr und Ausfuhr ist also in dem verfloßenen Jahre um etwa 30 Millionen geringer geworden, um die die Ausfuhr sich gehoben hat. Dieses Mehr entfällt hauptsächlich auf die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, Del, Oliven, Feigen, Gemüse, Wein und besonders Tabak und Weintrauben von Korinth. Die Preise für diese sind seit längerer Zeit bedeutend in die Höhe gegangen. In der Ausfuhr von Erzen ist ebenfalls ein Fortschreiten wahrzunehmen. Sie belief sich auf 24 376 725 im Jahre 1906 gegen 15218 998 Dr. im vorhergehenden Jahre. Besonders bemerkenswert ist die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten. Für die ersten neun Monate des Finanzjahres 1906—07 beziffert sie sich bereits
„Na, als ob die je etwas anderes wollte, als er. Sie haben dem armen Fräulein hart zugesetzt, und zuletzt soll ja dann auch eine Menge Schlechtigkeiten von Eltester an den Tag gekommen sein, sodaß sie ihm den Abschied gegeben hat."
„Und darüber war sie sehr unglücklich?"
„Todesunglücklich: sie sagte kein Wort, das war so ihre Art, aber ich wußte, was die Glocke geschlagen hatte."
„Und doch glauben Sie nicht, daß sie sich den Tod gegeben hat?"
„Nein," war die sehr bestimmte Antwort.
„Aber wie erklären Sie sich ihr Verschwinden? Meinen Sie, daß sie mit Eltester die Flucht ergrifffen haben könnte?"
„Ach, wenn ich das glauben könnte, dann wollte ich tanzen und springen!" rief die Köchin, fing aber dabei von neuem zu meinen an, „aber das glaub' ich nicht, denn Fräulein Gertrud, so eine Seele von Mädchen sie war, hatte doch einen Kopf von Eisen, und wenn die einmal gesagt hatte „aus ist's", dann war cs aus. Und der Georg ist immer ein jähzorniger Bursche gewesen."
„Sie fürchten —"
„Ach, du lieber Gott, ich möchte meinen Mund ja nicht zum Bösen auftun, aber ich habe mich immer geängstigt und gedacht, wenn das Fräulein in den Wald ging: treffen die einmal zusammen, dann gibts ein Unglück.
Sie konnte vorSchluchzen nicht weiter reden und der Inspektor entließ sie. Er hatte von ihr erfahren, was sie ihm irgend zu sagen vermochte.
Rach dem Speisezimmer zurückkehrend, fand er Herrn v. Melnik allein.
„Meine Frau läßt sich entschuldigen, sie hat sich zurückgezogen, ihre Nerven halten nicht mehr stand: ich habe mir durch ein gutes Glas Wein wieder aufgeholfen," redete er den Inspektor an. „Setzen Si§ sich bitte und tun Sie das Gleiche."
„Es ist mir lieb, daß wir allein sind, Herr von Melnik," entgegnete der Beamte, indem er der Aufforderung Folge leistet«, sich ein Glas
I auf etwa 2% Millionen Dollars gegen nur V/2 Millionen in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Bis zum Ende des Finanzjahres kann man mit gut 3 Millionen rechnen, was einer Verdoppelung der Ausfuhrziffer innerhalb drei Jahren gleichkommt.
Für die Bedeutung des griechischen ElementsinderTürkei geben dieSchul- verhältniffe einen augenscheinlichen Beweis. In den beiden volkreichen Wilajets Konstantinopel und Adrinopel bestehen nach der neuesten Statistik 615 Schulen mit 50 915 Schülern und 1280 Lehrpersonen. Die Unterhaltung dieser Schulen erfordert im Jahre 2*4 Millionen Frcs. Im Wilajet Konstantinopel befinden sich 190 Schulen, darunter 6 Gymnasien, 68 Elementarschulen, 43 Landschulen und 73 Mädchenschulen. Das Wilajet Adrianopel zählt 425 Schulen, davon sind 3 Gymnasien, 112 Elementarschulen, 1184 Landschulen und 126 Mädchenschulen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser in Wilhelmshöhe. Gestern Vormittag machte der Kaiser mit der Kaiserin einen Spaziergang und hörte alsdann den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts, empfing den Bischof von Fuda, Damian Schmitt, in Audienz und den französischen Marineattache Admiral de Jonquieres in Abschiedsaudienz. Beide Herren wurden zur Frühstückstafel geladen. Am Nachmittage unternahm das Kaiserpaar mit dem Gefolge einen Ausflug in Automobilen nach dem Kaufungerwald. Der Kaiser hat dem französischen Marineattache den Kronenorden erster Klasse verliehen.
— Der Eucharistische Kongreß in Metz ist am Sonntag geschlossen worden. Am Vormittag farcd ein feierliches Pontifikalamt in der Kathedrale statt. Am Nachmittag bewegte sich eine Prozession, an der etwa 30 000 Personen teil« nahmen, durch einen großen Teil der Stadt. Die Prozession verlief bei herrlichstem Wetter ohne jeden Unfall. Am Mittag war beim Bischof Benzler Tafel, wozu der Bezirkspräsident Graf Zeppelin und der Bürgermeister Ströver geladen waren. Bischof Benzler dankte den Behörden für ihr Entgegenkommen. Kardinal Vannutelli gab seiner hohen Befriedigung über den glänzenden Verlauf des Kongreßes Ausdruck. — Kardinal Fischer teilte in der letzten Generalversammlung mit, daß der nächste Eucharistische Kongreß in London, 1909 in Köln stattfindet.
— Zur Frage einer Reform des preußische« Wahlrechtes. Die „Nordd. Allg. Ztg." beschäftigt sich in ihrem letzten Wochenrückblicke mit der
Wein cingoß und auch von den Speisen nahm, die ihm sein Wirt zuvorkommend darbot, „denn ich ziehe es vor, daß wir Mann zu Mann reden. Sie haben mir über die obwaltenden Umstände nicht die volle Wahrheit gesagt, Herr von Melnik!"
Dieser setzte das Glas, das er soeben zum Munde führen wollte, wieder nieder und sagte halblaut, mehr wie mit sich selbst, als zu seinem Tischgenossen sprechend: „Ich dachte es wohl, daß es sich nicht verschweigen laßen würde!"
Er stand vom Tische auf, ging einmal im Zimmer cuf und ab, wie um sich zu sammeln und fuhr dann, neben Dietel, der sich ebenfalls erhoben hatte, stehen bleibend, fort: „Sie werden es in Ihrer Brufstätigkeit schon erfahren babrn, Herr Jnspektcr: Jeder h'.t sein Skelett im Hause, und es kommt jeden hart an, wenn er cs vor den Angen anderer enthüllen soll. Man hat ihnen von der törichten, unwürdigen Neigung meiner armen Schwägerin erzählt?'
„Ich bin erst seit kurzer Zeit von Oldenburg nach Eutin versetzt worden," erwiderte der Inspektor, „dennoch hörte ich, daß der verstorbene Förster Eltester —"
, Ein braver Mann und pflichttreuer Beamter gewesen ist." fiel ihm Melnik ins Wort. „Wer leugnet das? Immerhin müßen sie zugeben, daß fein Sohn keine Partie für Fräulein Gertrud von Kauffel ist."
„Er hat sich der höheren Forstkarriere gewidmet," bemerkte der Inspektor, der in dieser Beziehung toleranten Ansichten huldigte.
„Und hat es bis zum Forstgehilfen bei dem Nachfolger feines Vaters gebracht," lachte Herr von Melnik spöttisch. „Er wird es nie zu etwas bringen. Wollten wir selbst über seine Herkunft hinwegsehen, so mußten wir feines Lebenswandels halber der Cache Einhalt tun."
„Wenn ich den Mitteilungen der alten Köchin Glauben schenken darf, so war Frau von Kauffel einverstanden —“
Melnik zuckte die Schultern. „Gertrud hat uns das gesagt, aus dem Munde meiner Schwiegermutter haben wir es nie erfahren. Aber
Debatte über die Reform des preußischen Wahlrechts. Da heißt cs zum Schluß über den „H u • sarenritt Naumann s": Wie in bet Preße bedeutsam hervorgehoben wurde, könnt« über dieser Jagd nach wilden Gänsen zu Pferde leicht das auf dem realen Boden für den Liberalismus Erreichbare übersehen werden. Und deßen ist auch innerhalb bet Blockpolitik im Reichstag wie schließlich im Landtag nicht gar wenig. Eine forcierte Forderung des Reichstagswahlrechts für Preußen könnte gerade für den Liberalismus schmerzliche Folgen haben, selbst gesetzt den Fall, daß zu gegebener Zeit die Regierung abermals die Initiative zu einer Reform des Landtagswahlrechts ergreifen wollte. Bei den gegenwärtigen Par- teiverhältnißen im Abgeordnetenhause ist die drohende Mahnung der freikonservativen „Post" nicht in den Wind zu schlagen, wenn sie meint: „Im Geiste der konservativ-liberalen Paarung liegt cs, daß, wenn von den Konservativen die Zustimmung zu einer Aenderung des geltenden WMrechts gefordert wird, auch die Liberalen so weit von ihren Forderungen ablaßen, daß die Konservativen sich mit der Aendxrung des Wahlrechts abfinden können. Wenn daher die Liberalen die direkte Wahl und eine stärkere Berücksichtigung der Person des Staatsbürgers erreichen wollen, werden sie andererseits wohl bereit fein müßen, nicht nur der Abstufung des Wahlrechts nach Bildung, Besitz und Alter, sondern auch einer besonderen Berücksichtigung der ländlichen Grundbesitzer zuzustimmen." — Man würde jede Vorlage der Regierung sicherlich in diesem Sinne zu ändern suchen.
— Ein abgesägter „Genosse". Der sozialdenro- kratischc Schriftsteller und mehrfacher Reichstagskandidat des dritten braunschweigischen Reichstagswahlkreises, Cal wer, der den Unentwegten ob feiner ketzerischen Ansichten schon lange ein Dorn im Auge war, ist auf .Befehl von oben" von den „Genossen" des dritte« braunschweigischen Reichstagswahlkreises als Reichstagskandidat abgetan. Auf der letzten Kreiskonserenz erklärte der Delegierte des Landesvorstandes, beauftragt zu fein, gegen eine Wiederaufstellung der Kandidatur Galroer mit aller Energie zu vrotestieren. Es wurde auf die mehrfachen Konflikte Calwers mit dem „Vorwärts", auf feine „wissenschaftliche Betätigung in der Agrarfrage und der Kolonialpolitik", feine letzten Veröffentlichungen über das Verhältnis der Steigerung der Arbeitslöhne zu denjenigen der Sebensmittelnreife bingeroiesen und den widerstrebenden Genossen — Kairoer erfreut sich persönlich groste- Beliebtheit — var- gehalten, wie die Arbeiten Kairoers'gegen die Partei ausgebeutet würden. Am Ende wurde beschloßen, „von einer weiteren Kan-
selbst angenommen, daß es sich so verhält, s» liegt in der Heimlichkeit, mit der sie die Sache umgab, schon der Beweis dafür, daß sie ihr doch nicht ganz geheuer schien. Sie konnte Gertrud nichts abschlagen, hatte eine Vorliebe für die Försterfamilie und befand sich über Georg El« tefter im vollsten Irrtum. Er hatte sie. wie Gertrud, sehr schlau zu täuschen gewußt."
„Was wirst man ihm vor?"
. „Er ist ein durch und durch verlogener und verdorbener Mensch!" rief Melnik laut ,/s wak meine heilige Pflicht, die Schwester meiner L-au davor zu bewahren, und ich habe keine M"he gescheut, ihr die Binde von den Augen -u reißen."
Noch näher an den Inspektor heranlrelend, erzählte er ihm in gedämpftem Tone, als scheue er sich, von solchen Dingen laut zu sprechen, was er von Georg Eltester erfahren, und auf welche Weise er sich in den Besitz der ihn in feinem wahren Lichte darstellenden Briefe gesetzt habe!
„Und Sie gaben diese Briefe dem jungen Mädchen?"
„Was blieb mir übrig?" fragte Melnik, dem die leise Mißbilligung im Tone Inspektors nicht entging. „Gertrud ist c.n ehr eigenwilliger Charakter: sie hat cs mir, jo unglaublich cs klingen mag, nie recht verziehen, daß ich ihr ihre Schwester entführt habe, und im Herzen derselben den ersten Platz einnegme; ich mußte mit starken Mitteln wirken."
„Und es ist Ihnen gelungen?"
,Ja: ich hatte mich in ihrem Charakter nicht getauscht: sie hat jeden Derk'hr mit dem Elenden abgebrochen."
.Sind Sie dessen so ganz gewiß?"
„Was wollen Sie damit jagen?"
„Ihre Frau Gemahlin und sie selbst erwähnten wiederholt der langen Spaziergänge, welche die junge Dame gemacht: sollte sie da dem Zungen Forstbeamten nicht begegnet fein? Melleicht hat man sich versöhnt und zusammen die «lucht ergriffen
Wortfetzung folgt.)