mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und KirckKaLn.
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Vierteljährlicher Bezugspreis: btt der Expedition 2 Mü, btt allen Postämtern 2,25 Mc. ie£cu Bestellgeld).
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Reclainen: dit 3tirc 80 9?f<t.
Marburg
Sonntag. 11. August 1907.
Erscheint wöchentlich siebt» mal.
Druck und Vtrlagr Joh. Aug. Koch, UmversttätS-Buchdrucktrei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt.
W»s hat die Anfiedeluags- Kommisflo« geleistet.
Uebrr-die bisherigen Leistungen und Erfolge der Ansiedelungskommifsion für Posen und WestprrWen sind viele schiefe und ungerechte Urteile ißt Umlauf. Das ist bedauerlich: denn die zu erwartenden Entschlietzungen über die weitere Ausgestaltung der Ansiedelungsgesetzgebung müssen stets auf die Wirkungen zurück- flreifeit, die die staatliche Ansiedelungspolitik im Laufe von 20 Jahren ausgeübt hat. Um so sorgfältiger sollte das gesamte Tatsachenmaterial einer objektiven Prüfung unterworfen werden, anstatt, wie cs bisweilen geschieht, aus einzelnen ungünstig erscheinenden Zahlen abfällige Schlußfolgerungen herzuleiten. Wer den gegenwärtigen Verhältnissen in den Anstedelungspro- vinzcn nähergetreten ist, muß wissen, daß die Behauptung von einem völligen Fiasko der Ger- manijierungsarbeit im Osten nur törichtes Gerede ist, sollte auch wissen, daß selbst die finanzielle Seite des Ansiedelungsgeschäfts keineswegs einem wehleidigen Pessimismus Recht gibt. Im Ansiedclungsgebiet ist im letzten Jahrzehnt ein wirtschaftlicher Umschwung angebahnt worden, der die ehemals rückständigen Provinzen mit einem starken Ruck vorwärtsgebracht hat. Das Kolonisationswerk hat ferner das dortige Deutschtum derart befestigt und gekräftigt, dass cs heute schon dem vordrängenden Polentum starke Schranken cntgegenzustellen vermag. Die weiteren Erfolge bleiben der Zukunft Vorbehalten und tvcrden um so schneller und augenfälliger zutage treten, je fester und konsequenter die gesetzgeberischen Maßnahmen gehandhabt werden.
Bor Errichtung der Ansiedelungskommission war in fast allen Bezirken ostwärts der Elbe ein Rückgang der Bevölkerung nachweisbar, die Abwanderung nach Westen war größer als der Zuwachs durch den Geburtenüberschuß. Hierin ist allmählich eine Wandlung erfolgt, die vorzugsweise dem Ansiedelungsgebiet zugutekommt. Die günstigere Gestaltung der Bevölkerungsbewegung in Posen und Westpreußen ist überwiegend der Siedelttngstätigkeit zu verdanken. Der größere Geburtenreichtum der Polen hat dieses Resultat nicht zu verhindern vermocht. Rach zuverlässigen Ermittelungen wird man nicht fehlgreifen, wenn der durch die Bcsiedelungsarbeit erreichte Bevölkerungsgewinn auf dem Lande mit 110 000, in den Städten mit 60 000 Seelen, insgesamt also mit 170 000 Seelen veranschlagt
10 lNachdruck Dcrboicn.3,
In den Muten.
Roman von Jenny Hirsch.
^Fortsetzung).
- „Haben Cie sich denn auch davon überzeugt? Fehlt nichts von den Sachen des Fräuleins?" fragte der Beamte, der sich mehr und mehr in dem Gedanken bestärkt fühlte, daß tnan ihm nicht die volle Wahrheit sage.
Fran von Melnik tnußte dies verneinen.
„An das Nächstliegende hat in der Verwir- rung natürlich niemand gedacht!" rief ihr Mann. „Sie haben recht, wir wollen Sie sogleich in Gertruds Zimmer führen, vielleicht finden wir dort einen Aufschluß." ' Mit einem Blick, der jeden Gedanken an Widerrede im Keime erstickte, legte er den Arm seiner Frau in den seinen und schritt dem Beamten voran, durch einige Zimmer hinaus auf den rings um das Haus laufenden breiten Gang. An seinem anderen Ende lagen die beiden Zimmer, welche Gertrud bei Lebzeiten der Mutter bewohnte und die sie auch diesmal nur für sich beansprucht hatte.
Es lag und stand in dem Wohnzimmer, das man zuerst betrat, alles, wie cs jemand, der sich aus seinen Räumen entfernt, um nach kurzer iZeit dahin zurückzukehren, zu hinterlasien pflegt. In einem Körbchen auf dem Nähtisch lag die Stickerei, in welcher die Nadel mit dem Faden darin steckte. Aus dem neben dem Sofa stehenden Tisch befand sich ein aufgeschlagenes Buch, das soeben aus der Hand gelegt zu sein schien. Der Strauß von Waldblumen, der in einer Krystaltschale daneben stand, sah dagegen schon etwas verwelkt aus, und die Pflanzen in den Töpfen am Fenster hingen die Blätter: sie waren heute nicht begossen worden.
„Gertrud brachte jeden Tag einen Strauß {rischer Blumen vom Spaziergang mit heim, iese sind von vorgestern, sagte Frau von
wird. Die Tragweite dieser numerischen Erstarkung der Bevölkerung im Osten läßt sich sus vielen erfreulichen ökonomischen Fortschritten sowohl auf dem Lande als in den Städten feststellen. Dennoch konnte das Polentum bis etwa zum Jahre 1900 sich dessen rühmen, daß es dem deutschen Element gegenüber noch immer einen ansehnlichen Vorsprung innehabe. Die bedeutende Ueberlegenheit der polnischen Volkszahl verdunkelte die relative Mehrung deutschen Volkstums. Erst der seit einigen Jahren breiter anschwellende Zustrom deutscher Ansiedler läßt den Erfolg der Kolonisation auch ziffernmäßig deutlicher hervortreten. In den stark besiedelten Kreisen weist das Polentum seit 1900 auf dem Lande gegenüber der raschen Vermehrung der deutschen Bevölkerung einen Stillstand oder einen absoluten Rückgang auf. In den Städten, in deren Umgebung gesiedelt wurde, ist die Abwanderung der Deutschen zum Stehen gekommen, sie gewinnen wieder an Boden, gestützt auf die Kundschaft der umliegenden Ansiedelungen. Man mag der Meinung sein, daß eine zwanzigjährige deutsche Kulturarbeit bereits viel reichere Frucht hätte tragen müssen. Das durfte aber nur dann beansprucht werden, wenn der preußische Staat von Anbeginn an einem systematischen Aufbau seiner Kolonisationspläne sich hätte machen können. In Wirklichkeit galt es nach unsicheren Entwürfen auf durchwühltem Boden und inmitten einer überwiegend feindselig gesinnten Bevölkerung zunächst eine Trutz- feste zu errichten, um alsdann die Vorposten in die vom streitlustigen Polentum besessenen oder beherrschten Provinzteile vorzuschieben. An Mißerfolgen, auch Fehlgriffen hat es nicht gefehlt, die nationale Sache ist aber vorwärts gediehen und steht heute auf einem festen Untergründe. Zwar schwebt das Ziel der Ansiedelungsgesetzgebung noch in weiter Ferne, wir werden diesem aber Schritt um Schritt näherkommen, wenn die Ausdauer zur Fortsetzung der stillen kolonisatorischen Arbeit und der Mut zur Hinwegräumung der dem Anfiedelungswerke cntgegengeschobenen Hemmnisse uns treu bleiben.
Deutsches Reich.
— Zur Erhöhung der amtsgerichtlichen Zuständigkeit in Zivilsachen macht Landgerichts- direktär Dr. Anger- Leipzig in der August- Nummer der „Deutschen Juristen-Ztg." den Vorschlag, dem Amtsgerichte ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes diejenigen Klassen von Prozessen zu überweisen, die juristisch minderwertig sind, z. B. Urkunden- und Wechselprozeß, Unterhaltungsstreitigkeiten zwischen Ehegatten und zwischen ehelichen Verwandten, sowie die Prozessen nach § 771 der Z.-P.-O. (Zwangsvollstreckung usw.). Die Beschränkung
Melnik, deren Augen an der Schale haften geblieben waren, während des Inspektors Blicke schnell den Schreibtisch überflogen. Hatte er gehofft, dort vielleicht einen Brief zu finden, so : sah er sich getäuscht. Auch die auf der Platte I liegende Schreibmappe, die er öffnete und durch
blätterte, enthielt nur leere Bogen.
„Könnten Sie sich überzeugen, ob von des Fräuleins oder Ihren Schmucksachen etwas fehlt?" wandte sich der Beamte wieder an Frau von Melnik.
„Viel Geld hat Gertrud hier überhaupt nicht gehabt, sie brauchte eigentlich nur für ihre Armen etwas," war die Antwort: „was sie aber besaß, das verwahrte sie samt ihrem Schmuck dort in dem kleinen chinesischen Schrank."
„Er ist verschlossen."
„O, das tut nichts! Ich besitze das Seitenstück dazu und trage den Schlüssel bei mir."
Frau von Melnik holte aus der Tasche ein Schlüsselbund und löste ein winziges Schlüssel- chen davon ab. Er schloß den Schrank auf: es befanden sich eine Kassette und eine Anzahl Schmucketuis darin. Mit zitternden Händen griff Melitta darnach und öffnete sie. Ihr Gatte, der sich bisher ganz gegen seine sonstige Gewohnheit schweigsam und untätig verhalten hatte, war tyr dabei behilflich.
„Das Geld ist hier: ich weiß, wieviel Gertrud ungefähr besessen hat, sie kann nur eine kleine Summe im Portemonnaie bei sich gehabt haben," rief er.
„Und die Schmuckfachen sind auch da," fügte Melitta hinzu, dem Inspektor mehrere geöffnete Etuis cntgegenhaltend, aus denen ihm Steine in goldener Fassung entgegenblitzten. „Sie hat nichts mitgenommen, als die Uhr mit einer feinen Kette, eine Brosche mit einem Opal von Perlen umgeben und zwei sehr wertvolle Ringe. Trotzdem wir in Trauer sind, trug sie diese Sachen täglich, weil Uhr und Brosche die letzten Geschenke unseres Vater waren, und wir die Ringe der Mutier von der erkalteten Hand ge-
des Anwaltszwanges für das rechtsuchende Publikum wird als ein nicht unerheblicher Nachteil bezeichnet, dagegen erscheint es dem Verfasser des Aufsatzes der Erwägung wert, ob nicht der Anwaltszwang für diejenigen Prozesse, deren Gegenstand mehr als 300 Mark wert ist, auf den Amtsgerichtsprozeß zu übertragen sei. Damit würde zugleich der immer bedenklicher werdenden Ueberfüllung des Anwaltsberufes in den Großstädten und dem oft beklagten Mangel an Anwälten in den ländlichen Bezirken etwas entgegengewirkt werden.
— Englischer Sprachunterricht in den Gym- nafien. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller hat in Gemeinschaft mit dem Zen- tralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine bei dem Kultusminister den Antrag gestellt, den englischen Sprachunterricht in den Gymnasien als Pflichtfach einzuführen. In der dem Antrag beigegebenen Begründung wird auf die Notwendigkeit und auf die Vorteile hingewiesen, die aus der Einführung des englischen Sprachunterrichts für die Besucher der Gymnasien im allgemeinen und für diejenigen unter ihnen, die ihr Beruf mit den Englisch redenden Teilen der Welt in Berührung bringt, erwachsen müssen. Die beiden genannten Vereine erklären, es sorgfältigst vermeiden zu wollen, in den Streit der Humanisten und Realisten einzugreifen. Ihr Bemühen geht dahin, zu zeigen, daß das Gymnasium im Interesse der nationalen Wirtschaft und Kultur sich den Bedürfnissen der Praxis und den Erfordernissen, die an die Ausbildung von Kaufleuten, Ingenieuren, Kolonisatoren, und Volkswirten gestellt werden, nicht verschließen darf. Allen denjenigen, die einen praktischen Beruf ergreifen wollen, muß vielmehr die Möglichkeit gegeben werden, sich die humanisttsche Bildung eines Gymnasiums anzueignen, und die Eingabe bezeichnet es als höchst wünschenswert, daß nach wie vor ein erheblicher Prozentsatz der Pioniere deutscher Wirtschaft durch die Schule der Gymnasien gehe. Gerade in einer Zeit, in der über die weitgehende Spezialisierung und Zersplitterung, über Einseitigkeit der Interessen geklagt wird, in einer Zeit zugleich, in der der nationale Wettkampf der Völker immer schärfere Formen annimmt, in einem Kampfe, der Persönlichkeiten erfordert, die mehr sind als lediglich technisch ausgebildete Fachmenschen, sei es mehr als je notwendig, daß den Organisatoren und Propagandisten des deutschen Wirtschaftslebens die Möglichkeit der freien Entwicklung gewahrt bleibt und daß die Gefahr einer einseitigen Ausbildung verhindert wird. Dazu kommt, daß sehr viele Eltern ihre Kinder deshalb auf das Gymnasium schicken, weil den Absolventen des Gymnasiums alle Wege offen stehen oder Wert gelegt wird auf einen abgeschlossenen Bildungsgang
zogen hatten. Hier ist der Zwillingsbruder des einen."
„Diese Gegenstände wären immer wertvoll genug, um die Befürchtung eines Verbrechens zu erwecken," sagte Dietel zögernd.
Frau von Melnik schrie laut auf und fuhr mit den Händen nach den Ohren, als wollte sie sich dieselben zuhalten. „Sprechen Sie doch nicht so etwas Entsetzliches! In unserer friedlichen liegend! — Du bist doch auch mit mir einverstanden, Lothar?" wandte sie sich an ihren Gatten, der wie aus tiefem Brüten auffuhr und etwas Unverständliches murmelte. Als er merkte, daß der Inspektor ihn schärfer ins Auge faßte, stimmte er seiner Frau mit Lebhaftigkeit zu und erklärte es für sehr unwahrscheinlich, daß jemand in mörderischer Absicht sich an seiner Schwägerin vergriffen haben solle.
„Es könnte ja ein fremder Strolch gewesen sein," bemerkte der Beamte.
„Nein, nein," beharrte Frau von Melnik mit dem Eigensinn eines Kindes, - „daran kann, daran will ich nicht glauben."
„Und an eine Flucht glauben Sie ebenfalls nicht?"
„Wir haben Ihnen bereits erklärt, daß es Fräulein von Kauffel jederzeit freistand, sich von hier zu entfernen," sagte Melnik, und seine Frau fügte hinzu:
„Sie fühlte sich bei uns so glücklich."
„Ein Selbstmord wäre also auch ausgeschlossen?" fuhr der Beamte fort.
„O schweigen Sie! Schweigen Sie!" rief Melitta.
„Aber meine gnädigstte Frau, irgend eine Veranlassung muß das Verschwinden des Fräuleins doch haben," sagte der Inspektor. „Sie wollen auch nicht an einen Unglücksfall glauben?"
„Meine Schwägerin kannte die Gegend sehr genau und war immer sehr vorsichtig," nahm Herr von Melnik das Wort, „und dennoch, cs bleibt kaum eine andere Annahme übrig; sie
oder endlich, weil die Eltern oft nicht in der Lage sind, die Fähigkeiten und Neigungen ihrer Kinder schon dann zu erkennen, wenn es sich darum handelt, zu entscheiden, welche Schule sie besuchen sollen. In allen diesen Fällen bietet das Gymnasium die Möglichkeit freier und rechtzeiti- ger Entschließungen. An diese Ausführungen, die sich im voraus gegen die Einwände derjeni« gen richten, die das Gymnasium bestimmten Berufen und speziellen Zwecken Vorbehalten wollen, schließen sich die Darlegungen, die die Notwendigkeit des englischen Unterrichts betonen. Del Kaufmann, der neue Handelsbeziehungen anknüpft, der Beamte in unfern Kolonien, der Historiker und Staatsmann, die der Kenntnis der englischen Einrichtungen und ihrer Geschichte bedürfe, der praktische Volkswirt, der heute oft nicht in der Lage ist, die klassische Schule im Original zu studieren, sie alle würden von der obligatorischen Einführung des englischen Sprachunterrichts den größten Nutzen ziehen. Für den Staat aber ist es heute zur Notwendigkeit geworden, denjenigen, die er mit den besten Vildungsmitteln ausrüstet, die Faktoren greifbar plastisch vorzuführen, durch die England groß geworden ist, mit deren Hülfe es heute seine Stellung einnimmt. So offenbar die beherrschende Rolle ist, die England heute spielt, so offenbar ist die Notwendigkeit unserseits, di« Folgerungen daraus zu ziehen, um den Weltkampf mit Aussicht auf Erfolg aufnehmen und durchführen zu können, und die Eingabe fordert deshalb die staatlichen Organe auf, diejenigen, die in diesem Wettkampf an vorderster Stelle stehen, mit allen Waffen und Werkzeugen aus- zurüsten, die tauglich und erreichbar sind; hierzu aber gehöre in erster Linie die Kenntnis der englischen Sprache. Schließlich geben der Verein Berliner Kaufleute und der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, gewerblicher und industrieller Vereine noch die Frage der Errichtung eines „English College" zur Erwägung anheim. Insbesondere der Verein Berliner Kaufleute hält die Erichtung eines solchen „English Colleg" für höchst wünschenswert.
— Die amerikanische Fleischtrnst-Hydra. Nach den Enthüllungen des „Genossen" Sinclair über die ekelerregende Eeschäftspraxis der amerikanischen Fleifchtrust-Magnaten hatte auch der „Vorwärts" geglaubt, daß dieser Trust damit „einen Schlag auf das Haupt erhalten" habe, „von dem er sich nicht wieder erholen würde". Statt dessen muß man es erleben, daß dieser modernen Sumpf-Hydra stets neue Köpfe zuwachsen, daß sie mit Energie und Erfolg bestrebt ist, ihre Geschäftstätigkeit über immer weitere Länder auszubreiten. Vor kurzem erst ist über die Errichtung von Schlachthäusern Und Fleischdepot? des Trusts in Frankreich berichtet worden und
pflückte gern Wasserblumen, und unsere Seen sind tief."
Er war ganz dicht an den Beamten heran- getrelen und hatte ihm die letztere Bemerkung leise zugeraunt, aber seine Frau hatte sie doch gehört. Mit einem leisen Schrei fuhr sie auf: „O Lothar, Du weißt etwas, Du —“
Sie hing sich an ihn, mit einer Bewegung der Ungeduld, die er nur schwer zu bemeistern vermochte, machte er sich von ihr los und entgegnete vorwurfsvoll: „Aber liebe Melitta, wenn ich wüßte, wo Deine Schwester geblieben ist, würde ich doch nicht überall nach ihr suchen lassen und vor Dingen nicht die Behörden bemühen."
„Wir wollen nicht sogleich das Schlimmste annehmen," warf der Inspektor dazwischen, „junge Damen haben zuweilen ihren Kopf für sich, vielleicht löst sich die Sache noch ganz heiter und harmlos. Sie sind ganz sicher, daß Fräulein von Kauffel nichts von ihren Kleidungsstücken mitgenommen hat?"
„Nichts, als was sie trug, ich sah sie fortgehen; sie hatte nichts in der Hand, als ihren Sonnenschirm," behauptete Melitta sehr bestimmt. „Du mußt das doch auch wissen, Lothar?"
Herr von Melnik schüttelte den Kopf und seine Gattin fügte hinzu: „Ach nein, ich besinne mich, Du warst schon früher auf die Entenjagd gegangen."
„Wann sahen Sie das Fräulein fortgehen?" fragte der Inspektor.
Frau von Melnik legte die Hand an die Stirn und sann nach: „Es mochte um vier Uhr sein; wir speisen hier immer schon um zwei, und ich war soeben von meinem Nachmittagsschlaf ausgestanden. Ich rief ihr noch vom Balkon aus zu, sie sollte nicht wieder so weit gehen. O, wie hätte ich denken sollen, daß sie überhaupt nicht wiederkehren würde!" Sie brach in einen Strom von Tränen aus und sank ermattet in einen Stuhl. - M '
-Fortsetzung folgt.) \