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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain,

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Marburg

Sonnabend. 10. August 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag- Jo h. Aug. Koch, UmvcrsitütS-Buchbruckerei

Marburg, Marit 21. Telephon 55.

42. Jahrs.

Erstes Blatt.

Marokko.

Der Sultan von Marokko steht zur Zeit der wilden Erregung, die sein Land ergriffen hat, völlig ratlos und fassungslos gegenüber. Auf der einen Seite Raisulis wiederum stetig wach­sende Macht, auf der anderen Seite die Frank­reich überaus erwünschten Wirren von Casa­blanca, wo die abergläubische Furcht, welche die umwohnenden Beduinenstänlme den Erdorbei- tcn entgegenbringen, zur Hellen Empörung und damit schließlich zur Besetzung durch die Fran­zosen geführt hat. Nachdem die unbeschützte Stadt dem Fanatismus zum Opfer gefallen war, und der größte Teil der dort lebenden achthun­dert Europäer auf den im Hafen liegenden Kauf- farteischiffen Zuflucht hatte suchen müssen, haben Frankreich und Spanien Kriegsschiffe nach Ca­sablanca entsendet, und da es nicht mehr möglich war, den französischen Konsul zu landen, so haben auf dessen Anordnung die KreuzerEo- lUi'e unddu Chayla" die Stadt beschossen und die nötige Anzahl Mannschaften gelandet, um das Konsulatsgebäude zu besetzen. Selbst­verständlich bedeutete das nur den Anfang zu einer größeren Landung weiterer, Truppen.

Aber während dies im Augenblick die Auf- rnerksamkeit Europas fesselt, dürften die haupt- sächlichsten Sorgen . des Sultans durchaus aus der anderen Richtung ihre Nahrung finden: von Raisuli her, dessen Forderungen immer dreister und unverschämter werden. Die Politik der halben Maßregeln, die der Sultan ihm gegen­über betrieb, hat sein Ansehen bei den Elkelis und anderen mit ihm sypathisierenden Stämmen gewaltig erhöht. Wenn diese bisher fürchten tonnten, daß der Sultan ihre Dörfer verwüsten und ihre Ernten beschlagnahmen werde, falls sie Raisuli nicht auslieferten, so erkennen sie jetzt in hem vom Glücke immer wieder besonnten geni­alen Rebellenführer fast den tatsächlichen Herrn ihres Gebietes an. Raisulis neueste Forderung besteht darin, daß der Sultan direkt mit ihm verhandeln solle. Er selbst aber macht dies Ver­handeln dadurch unmöglich, daß er fordert, daß Muley Mohamed, der Prüder des Sultans, der bekanntlich bei des Vaters Tode Anspruch auf .den Thron erhob und seitdem nach Landessitte von seinem Bruder in einem kaiserlichen Palaste in Fez gefangen gehalten wird, freigelassen und in eine ehrenvolle Stellung bei Hofe eingesetzt werde. Es ist ohne weiteres klar, daß Raisuli eine so unerfüllbare Forderung nicht stellen wurde, wenn es ihm nicht darauf ankäme, den Sultan selbst zu verhöhnen und mürbe zu

9 , (Nachdruck verboten.).

In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch.

'(Fortsetzung)'.

Und Gertrud hatte gelesen. Mit glühendem Kopf und trockenen, brennenden Augen hatte sie gelesen, was ihr das Herz in der Brust sich wen­den und ihr warmes Blut zu Eis gefrieren Ueß. Georg, den sie liebte, dem sie grenzenlos vertraute, den sie für den Inbegriff der Wahr­heit, der Treue und Redlichkeit hielt, hatte sie grenzenlos betrogen! An ein Mädchen in Ber­lin, mit dem er während feiner Studienzeit in Berlin und Eberswalde Bekanntschaft gemacht, hatte er Briefe geschrieben, welche Gertrud die tiefste Herzenskränkung waren. Jetzt nun unter­hielt er ein anderes Verhältnis, sandte der ersten Geliebten nicht die Summen, welche et ihr versprochen, und aus Zorn darüber hatte diese an Gertrud und an Herrn von Melnik Briefe geschrieben, in denen sie den ehemaligen Freund in wenig lebhaften Farben malte. Mel­nik war der Spur nachgegangen, hatte um eine ansehnliche Summe Georgs Briefe erkauft und legte sie nun in die Hände seiner Schwägerin, die jenen anonymen Warnungen keine Bedeu­tung beigemessen hatte und geneigt gewesen war, sie auf Machenschaften von Melnick zurück- zusühren.

Sie hätte dies auch jetzt noch gar zu gern getan, ober da lagen vor ihr die Briefe in' der ihr nur zu wohlbekannten charakteristischen Handschrift Georgs: da lag vor ihr ein Schrei- bei ihres Vormundes, des Konsuls Bauer in Hannover, der ihr schwerlich feine Einwilligung zu einer Verbindung mit Georg gegeben, aber auch nie seine Hand zu irgend einem Betrüge hergeliehen haben wurde. Melnik hatte in der ganz richtigen Voraussicht, daß Gertrud ihm allein nicht Glauben schenken dürste, den Konsul dlit nach Berlin genommen; der letztere hatte

machen. Die Kämpfe zwischen den kaiserlichen Truppen und den Raisuli bewundernden Stäm­men haben bisher zu einem ernsthaften Ergeb­nisse nicht geführt, trotz aller Rüstungen von feiten des Maghzen. Es zeigt sich jetzt, welch ein verhängnisvoller Fehler es war, einen im gan­zen Reiche so hoch angesehenen Mann wie den Kaid Maclean einer Gefangennahme auszu­setzen, und dieser Fehler würde noch unentschuld­barer erscheinen, wenn die Angaben auf Wahr­heit beruhen sollten, die Raisuli angeblich dem Tangerschen Berichterstatter derMaily Mail", Herrn William Mar- >ll gemacht hat. Man' muß diesen Mitteilungen natürlich doppelte Vorsicht entgegenbringen: denn weder dieDaily Mail" noch Raisuli können Anspruch auf irgend welche Glaubwürdigkeit erheben. Immerhin ist es bezeichnend, daß Raisuli nicht nur Maclean, sondern auch den Sultan beschuldigt, ein doppel­tes Spiel mit ihm getrieben und versucht zu haben, ihn in die Falle zu locken. Ein Brief vom Sultan, den Maclean ihm brachte, habe den genau gegenteiligen Inhalt gehabt, wie ein von dem Sultan an El Eebbas gerichtetes Schreiben, das in Raisulis Hände fiel. Raisuli mein*, daß die Minister den Sultan belogen hätten, um ihn zu verderben, und daß Macleail ihn habe verraten wollen: deshalb habe er Meclean verraten. Jedenfalls ist dieser viel­bewunderte alte Schotte kein antiker Held und macht gegenwärtig eilte recht üble Figur. Bei der Denkweise der Nordafrikaner aber ist der mutige und orthodoxe, vom romantischen Schim­mer seiner. Grausamkeiten umsponnene und des­halb ebenso gefürchtete als abergläubisch ver­ehrte Raisuli jedenfalls ein ganz anderer Held als der Sultan.

Alle, diese Wirren zeigen die ungemeinen Schwierigkeiten, die das marokkanische Problem bietet. Aber den Franzosen kann man nicht be­streiten, daß sie ruhig und mit bewußter Ent­schlossenheit auf dem Wege zur Wahrung ihrer Interessen vorgehen. Sie handeln dabei, wie die Note oom 7. August klar erkennen läßt, un­zweifelhaft in Uebereinstimmung mit allen Ver­tragsmächten, und es ist klar, daß die Besetzung von Casablanca mindestens bis zur Durchführ­ung der Organisation jener Polizeitruppe dau­ern wird, die in der Algeciras-Akte auf dem Papiere geschaffen wurde und deren Notwendig­keit die französtsche Note erneut betont. Es läßt sich nicht verkennen, daß das Blutbad von Casa­blanca hätte vermieden werden können, wenn diese Polizcitruppe rechtzeitig organisiert wäre, und daß das Programm derfriedlichen Durch­dringung" durch diese Unterlassung eine schwere Schädigung erlitten hat. *

In deutschen Rcgierungskreisen scheint wäh­rend der letzten Jahre das Interesse an dem

den Handel über die Briefschaften abgeschlossen und sandte sie Gertrud mit einem Begleitschrei­ben. Sie konnte nicht mehr zweifeln. Der Schlag war gefallen, vernichtend wie ein Hagel­wetter, das fröhlich ausgrünende junge'Saat zerstört.

Ob Gertrud dem Treulosen einen Absage­brief geschrieben, ob sie ihn noch einmal ge­sprochen und ihm seine Abscheulichkeit ins Gesicht geworfen hatte, darüber konnten Schwester und Schwager keine Gewißheit erlangen. Sie hatte nur, als Melitta mit ihr darüber zu sprechen versuchte, ihr das Wort abgeschnitten, mit der Bitte, nie wieder in ihrer Gegenwart diesen Namen zu nennen, und ihr, oder vielmehr sich selbst das Versprechen gegeben, mit Georg Eitester nie wieder ein. Wort zu sprechen. Auf die Frage der Schwester, was sie mit den Briefen angefangen, hatte sie geantwortet, sie habe sie ins Feuer geworfen, und es fei ihr gewesen, als bedürfe es eines solchen gar nicht, um sie in Asche zu verwandeln. Das Papier hatte schon in ihren Händen gebrannt, als sei es ein höl­lisches Feuer.

Mit einer Willenskraft, die weit über ihre Jahrs hinausging, hatte das' junge Mädchen jede Aeußerung des in ihr wühlenden Schmer­zes unterdrückt. Etwas blässer als gewöhnlich waren ihre Wangen, trüber blickten ihre Augen, verräterisch zuckte es um den ausdrucksvollen Mund, aber er plauderte und lächelte wie sonst. Sie spielte mit den Kindern, die sehr an ihr hingen, sie las, sie arbeitete an der ange- fatigenen Stickerei, nur einen Flügel hatte sie noch nicht wieder geöffnet, und keines von den Liedern hatte man vernommen welche sie sonst mit ihre süßen, wohlgeschulten Sopranstimme in die Waldlandschast hinauszusingen pflegte.

Auch von ihrer Gewohnheit, weite Spazier­gänge zu machen, ließ sie nicht, obwohl Melitta, von ihrem Gatten veranlaßt, sie davon abzuhal­ten suchte. Melnik schien von der Besorgnis er­füllt, daß der jungen Schwägerin jetzt irgend

Maurenlande in dem Maße geschwunden zu sein, als die Erinnerung an die Kaiserfahrt nach Tanger allmählich verblaßt ist. Dabei aber sollte nicht außer Acht gelosten werden, daß gerade an der atlantischen Seite von Marokko deutsche Interessen Fuß gefaßt haben. Es hinter­läßt ein nicht gerade erhebendes Gefühl, zu be­obachten, wie das von inneren Wirren ge­schwächte Frankreich in Marokko zielbewußt seine Interessen verficht, während das waffen­starke Deutsche Reich mit einem von der ganzen Welt als selbstverständlich empfundenen Ver­zichte beiseite steht!

Deutsches Reich.

Der Kaiser führte gestern, wie aus Alten- grabow gemeldet wird, das Kavalleriekorps und kehrte an der Spitze der Standarteneskadron um 1% Uhr nach dem Offizierskasino zurück. Nach eingenommenem Frühstück erfolgte um 3 Uhr nachmittags die Abreise nach Wilhelms- höhe. Der Kaiser verlieh dem Generalleut­nant v. Bernhardi den Kronenorden 1. Klasse, dem Generalmajor Graf v. Brühl die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, dem Oberst v. d. Marwitz den Kronenorden 2. Klasse.

Landwirtschaftlicher Eenostenschaftstag. Am Mittwoch sind in Münster i. W. 600 De­legierte von ländlichen Genossenschaften aus allen Teilen Deutschlands, zum Teil auch aus dem Auslande eingetroffen. Eeneralanwalt Geh. Regierungsrat Haas eröffnete den Kongreß des Genostenschaststages mit einem Hoch auf den Kaiser und beantragte ein Huldigungstele­gramm abzusenden. Oberpräsident Staats­minister a. D. Freiherr von der Recke begrüßte den Genostenschaftstag im Auftrage des Land­wirtschaftsministers, der Direktor der Preußi­schen Zentralgenossenschaftskasse Kautz-Berlin im Auftrage des Finanzministers. Der Jahres­bericht besagt, daß das landwirtschaft­liche Genossenschaftswesen in steter Fortentwicklung begriffen ist. Der Ver­handlung wohnten außerdem der Regierungs­präsident von Eescher-Münster und der Regier­ungspräsident von Schwerin aus Arnsberg, im Auftrage des preußischen Landesökonomiekolle­giums Altrock, im Auftrage des deutschen Land­wirtschaftsrats Profestor Dr. Dade und im Auf­trage des Bundes der Landwirte Major a. D. Endele bei.

Die Poleirgefahr in Schlesien. Der Regie­rungspräsident von Liegnitz hat, wie aus Bres­lau verlautet, eine Konferenz sämtlicher Ober­bürgermeister, Bürgermeister und Landräte zu­sammenberufen. Es sollen Maßregeln beraten werden, wie gegen die polnische Gefahr, die sich

ein Unheil zustoßen konnte und ließ es an direk­ten und indirekten Warnungen nicht fehlen. Aber Gertrud achtete nicht daauf, und Melitta ließ sie gewähren. Es war nun einmal nicht ihre Art, sich in einen Kampf mit einer so willenskräftigen Natur einzulassen, wie sie die jüngere Schwester besaß.

Und nun war Lothar von Melniks Befürch­tung zur traurigen Wahrheit geworden.

Gertrud v. Kauffel ist verschwunden!" so ging es von Mund zu Mund. In Malente und Gremsmühlen, in Plön, wie in Eutin, am Kellersee, wie am Dieksee sprach man davon; überall warf man die Frage aus:Ist sie ver­unglückt, ist sie das Opser eines Verbrechens ge­worden, oder hat sie selbst Hand an sich gelegt?

Niemand wußte Antwort auf diese Frage.

1 3.

Herr von Melnik kehrte in Begleitung des Polizeiinspektors Dietel und zweier Unterbeam­ten aus Eutin nach dem Godenberg zurück. Die letzteren wurden sofort in Begleitung ortskun­diger Leute behufs erneuter Nachforschungen in die Umgegend entsandt, der Inspektor selbst ver­fügte sich aber Mit Herrn von Melnik in die Villa. Er hatte bis jetzt gar keinen Anhalts­punkt, ob man es mit einer Flucht oder einem Unglücksfall, einem Verbrechen oder einem Selbstmord zu tun haben könne, und doch ließ sich nach seiner Ansicht Wirksames nur unter­nehmen, wenn man sich auf irgend einen solchen Anhaltspunkt stützen könne. Es hatte ihn be- dünken wollen, als ob Melnik absichtlich etwas verschweigen oder im Dunkeln lassen wolle, und so hoffte er bei einer Vernehmung der Bewoh­ner der Villa oder besser bei einer Unterredung mit denselben durch zufällige Aeußerungen man­cherlei zu erfahren, was ihm die gewünschte Auf­klärung geben konnte.

In der Villa herrschte die größte Aufregung rind jener Zustand, d« so leicht eintritt, wo ein außergewöhnliches Ereignis die tägliche Orh-

auch in Schlesien bemerkbar macht und vor öltet Dingen von dem stark polonisierten Oberschlefiet nach Niederschlesien übergreift, angekämpft wer, den könne. Vor allem müsse man gegen die Vere laufe deutscher Güter an polnische Besitzer, die hier vielfach und ohne das nötige Aufsehen roll in Posen zu erregen, stattfinden, vorgehen. Auf der Konferenz sollen aber auch kulturelle Maß­nahmen beraten werden, durch die man das Vor­dringen 'des Polentums eindämmen könne.

Ursache der Leutenot. Aus Allcnstein wird berichtet: Wie groß der Hang zur Abwane dernng ist, kann man daraus ersehen, daß in einer Schwadron von 35 zur Entlassung kom­menden Reservisten zehn nach dem westfälischen Jndustriebczirke gehen, Gefördert wird die Ab­wanderung auch dadurch, daß die Reservisten nach ihrer Entlassung freie Fahrt nach dem von ihnen gewählten zukünftigen Aufenthaltsorte haben.

Das deutsche VolkHebt" täglich für V-i Million. Der Erlös aus Beitragsmarken bei Jnvaliden-Versicherung hat im Monat Juni 1907 die ansehnliche Summe von 13164 231,75 Mark erreicht. Gegen denselben Monat im vo­rigen Jahre sind dies 854 211 Mark mehr. Selbst wenn man die Feiertage, die in den einzelnen Gegenden Deutschlands im Juni gefeiert wer­den, nicht in Betracht zieht, verbleiben für den Juni 1907 immer noch 25 Arbeitstage. Hebet eine halbe Million Mark haben also täglich Ar­beitgeber und Arbeitnehmer für die Alters- und Invalidenversicherung aufgebracht. Diese be­deutende Summe entspricht nicht ganz dem Be­trag, der von der Post auf Anweisung der ein Seinen Versicherungsanstalten an Jnvaliden- Kranken- und Altersrenten sowie BcHrags- erstattungen in einem Monat ausbezahlk wer­den. Dieser erreichte im Mai d. I. 12 224 730 Mark. An diesen Leistungen sind die einzelner Versicherungsanstalten je nach der Entwicklun« der Industrie in ihren Gebieten sehr verschiede» beteiligt. Den größten Erlös hatte im Juni d« Rheinprovinz mit 1628 640 Mark. Es folgt bat Königreich Sachsen mit 1305145 Mark und dann Schlesien mit 1078 631 Mark. Alle übri gen Versicherungsanstalten haben unter einer Million, d. h. Berlin und Brandenburg gr- trennt. Zusammen würden die beiden die Ein­nahmen der Rheinprovinz noch um eine Klei­nigkeit, und zwar um 418 Mark übertreffen. Den kleinsten Erlös aus Beitragsmarken hott« die Versicherungsanstalt Oldenburg, wo noch 50 000 Mark eingegangen sind. Es fehlen dazu noch über 600 Mark. Die Post hat also für die Reichs-Versicherung jeden Monat einen Umsatz von 12 bis 13 Millionen in der Einnahme wie in der Ausgabe zu bewältigen. Die Arbeit ist um so größer, als sie sich auf zahllose einzelne

innig aufhebt. In der Küche brannte kein Feuer, in den Zimmern lag und stand nofi alles, wie mau es am gestrigen Tage verlassen, die Diener und Dienerinnen liefen durcheiiian- der, ihnen hatte sich sogar die Bonne der Kin­der zugesellt, und die letzteren eilten »vild und ungestüm dem Vater entgegen mit der Frage, ob er Xante Gertrud nicht wieder mitbringe, ob sie tot f und ob sie denn heule die Mama gar nicht zu neu bekämen. v

In feiner energischen Weise schaffte Herr von Melnik Odnung. Er tief das Fräulein herbei und gebot ihr sehr kurz und scharf, die Kinder in Obacht zu nehmen, schickte die Dienstboten an ihre Arbeit, befahl ein Frühstück für ihn und seinen Begleiter bereit zu halten und gewärtig zu sein, dem Herrn Inspektor auf seine Fragen Rede und Antwort zu geben. Dann führte er ihn in sein Zimmer und bat ihn, dort nur eine kurze Zeit zu warten, er wolle seine Frau her­beiholen.

Wirklich erschien er schon nach wenigen Mi­nuten in Melittas Begleitung wieder. Die junge Frau sah bleich und verstört aus, und es entging dem Inspektor nicht, daß sie nur un» gern erschienen sei. Sie hielt die Hand ihres Mannes krampfhaft fest, und es bedurfte seiner Ermunterung und seines Zuredens, daß sie sich endlich herbeiließ, Dietels Fragen zu beant­worten.

Wie schon früher Herr von Melnik, so rotes auch jetzt feine Frau den Gedanken an eine j Flucht Gertruds mit Entschiedenheit zurück. Ihre j Schwester sei, so erklärte sie, in ihrem Tun und Lassen völlig unbeschränkt gewesen; hätte es ihr in der Villa nicht gefallen, so sei sie völlig frei gewesen, zu reifen, wohin es ihr beliebt hätte. Für eine heimliche Entfernung habe somit kein Grund Vorgelegen. Gegen eine solche Annahme spreche übrigens auch der Umstand, daß Eertrvh nur wie -v einem Spaziergang gerüstet bae. Haus verlassen habe, m

'----- /(Fortsetzung folgt.)