Mit dem Kreisdlatt für die Kreise Marburg und KirckÜaiitl
Lonntaasbeilaae: AllustrLrtes ^onnfadiMnU ' *
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Duchdruckerei 42. Jahrg Marburg, Markt 21. — Telephon o5.
Marburg
Freitag 9. August 1907.
Vierteljährlicher BezugspreiSi btt der Expedition 2 3RL b« allen Postämtern 2,25 M. ;ejcu Bestellgeld).
JnstrttonSgebührr die gespaltene Zeile oder verett Lrum Ib Pfg. ________________Neclamen: die ?lci'c W Pfg.
Brotverteueruug mib
Sozialdemokratie.
'Es ist Tatsache, daß gegenwärtig die Ee- Hreidepreise eine Höhe aufweisen, die sie seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr erreicht haben. Und ebenso ist es richtig, daß weiterhin in verschiedenen Gegenden des Deutschen Reiches die Bäckerinnungen eine Steigerung der Brot- Preise ins Ange fassen. Wenn aber die Absicht dieser Gewerbetreibenden mit der Preissteigerung des Brotgetreides begründet wird, so ist das nur bis zu einem gewissen Grade gerechtfertigt. Denn tatsächlich wirken hierbei noch andere, mindestens gleichwertige Fachtoren mit, insbesondere und nicht zuletzt die fortgesetzte, im Vergleich mit den anderen Gewerben vielfach abnorme Steigerung der Gesellenlöhne, wie überhaupt die nnaushörlichen Schwierigkeiten in der Gesellenfrage, die Frucht der fortgesetzten Verhetzung der Arbeitskräfte durch die Sozialdemokratie.
Es ist ein überaus weitverbreiteter Denkfehler, zu glauben, daß, während fortgesetzt die Arbeitslöhne und die industriellen Produkte im Preise steigen, die Lebensmittel immer billiger werden müßten. Vielmehr ist es doch nur zu natürlich, dass im Zusammenhang mit den Lohnerhöhungen und den Preissteigerungen der sonstigen Produltionsverhältnisse auch die landwirtschaftlichen Erzeugnisse teurer werden müssen. _ Wenn beispielsweise die sozialdemokratische Presse mit wilder Entrüstung darauf hinweist, daß der heutige Stand der Getreidepreise wieder dieselbe Höhe wie vor fünfzehn Jahren erreicht hätte, so ist dieses Lamento entweder Mangel an Verständnis fiir die wirklichen Verhältnisse, oder Parteimache und damit absichtliche Verschleierung der Lage. Jeder Mensch, der die wirtschaftlichen Verhältnisse von damals und heute kennt, weiß, daß speziell in der Landwirtschaft sich die Produktionsbedingungen wesentlich geändert haben und namentlich die Arbeitslöhne enorm gestiegen sind, daß beispielsweise, abgesehen von der beständigen Leutcnot, die Schnitter- und Schweizerlöhne in vielen Gegenden um 20, 30, ja 40 und mehr Prozent höher sind als damals. Solche Verschiebungen können nicht ohne Wirkung auf die Preise der Produkte bleiben, und wer dies nicht begreift, der hat überhaupt kein Verständnis für die einfachsten Forderungen des Wirtschaftslebens.
Die Verteuerung der landwirtschaftlichen Produktion bildet übrigens nicht die alleinige ausschließliche Ursache der gegenwärtigen Steigerung der Getreidepreise. Dabei besitzen natürlich die hauptsächlichsten Getreide ausführenden Staaten mit den von ihnen auf den Markt geworfenen Mengen entscheidenden Einfluß. Wenn, beispielsweise, die Vereinigten Staaten don Rordamerika, die, wie bekannt, in der
8 tNachdruck verboten.),
Jtt den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch.
'(Fortsetzung).
• „Und wie kam es, daß wir bis jetzt nichts da- son erfuhren?" fragte Melitta.
, „Die Mutter fürchtete sich bei ihrem leidsn- hen Zustande vor den Aufregungen, die sie haben würde. Sie hielt es für besser, darüber zu schweigen, da ihr rrird mein Vormund —“
„Aha, fein ausgeklügelt," unterbrach sie Melnik.
„Und da es noch einige Jahre dauern wird, bis Georg eine Anstellung hat, die —"
\ Er hat ja schon eine," fiel ihr Melnik schneidend ins Work, „Forstlöufsr" oder so etwas ähnliches ist der Bursche ja wohl geworden." Gertrud maß ihn mit einem Blicke eisiger Verachtung. „Da du so weit unterrichtet bist, so wirst du wohl auch wissen, daß Grorg Eltester sich der höheren Forstkarriere gewidmet hat, aus besonderer Vergünstigung bei seinem Vater den praktischen Dienst erlernen durfte ütid nach dessen plötzlich erfolgtem Tode die Stelle verwaltet hat, bis ein Nachfolger bestellt war."
„Und bei dem versieht er jetzt die Stelle eines gewöhnlichen Forstgehilfen, während sich seine Mutter zur Haushälterin des noch unverhei- tateten neuen Försters hergegeben hat." f „Weil sie sich nicht von dem Hause trennen mag, das so lange ihre glückliche Heimat gewesen ist —"
„Seine Schwestern haben Stellen als Kammerjungfern oder K^ndetfräulein angenommen," fuhr Melnik fort. „Das ist die Familie, in die Fräulein von Kaufte! heiraten, die sie uns als Verwandte bringen will* ‘
Weizenausfuhr eine führende Stellung einnehmen, ihre Vorräte zurückhalten oder in ihrer Produktion Einbuße erleiden, so beeinflussen diese Erscheinungen auf das nachdrücklichste den internationalen Getreide- und Produktenmarkt. Entsprechend ähnlichen Einfluß üben natürlich auch die übrigen Getreide ausführenden Länder aus.
Für deutsch« Verhältnisse kommt in dieser Hinsicht in erster Linie Rußland in Betracht, das bedeutende Mengen Korn in Deutschland k absetzt. Die Ausfuhr russischen Getreides hat nun gegen die Vorkampagne ganz enorm nachgelassen. Die Differenz betrug nach den letzten Ausweisen 98 429 713 Doppelzentner Weizen, 23 260 Doppelzentner Roggen, 1334 479 Doppelzentner Gerste, 9 570179 Doppelzentner Hafer. Es versteht sich von selbst, daß dieser Ausfall aus die Getrcidepreise im allgemeinen wirkt, zumal auch die diesjährige nordamerikanische Weizenernte um annähernd zwei Millionen Bushels niedriger eingeschätzt werden muß und in Frankreich die Fläche des angebauten Weizenlandes gegen das Vorjahr um 768 000 Hektar geringer ist. .
Wenn aber die voraussichtlich geringere Ausbeute der amerikanischen Weizenernte auf ungünstige Witterungsverhältnisse zurückzuführen ist, so hat der Rückgang der russischen Getreideausfuhr andere Ursachen. Im vergangenen Jahre haben die Agrarunruhen die landwirtschaftliche Produktion im Zarenreiche vielfach lahmgelegt. Hunderte von Millionen Dopel- zentner Getreide haben die aufständischen Bauern in ihrer Zerstörungswut und ihrem Unverstand verbrannt oder auf dem Halm verfaulen lassen, und dieser Ausfall bildet mit eine Haupiursache der gegenwärtigen Spannung der Getreidepreise in Deutschland.
Die russischen Bauernunruhen aber waren das Werk der sozialdemokratischen Verhetzung, die in den wilden Ausschreitungen von Twer und Nowgorod und anderen Gouvernements ihre schauerlichen Blüten trieb. Wenn darum heute die Vrotpreise infolge dieses Kornmangels steigen, so hat dies das Publikum in erster Linie der internationalen Sozialdemokratie zu verdanken, deren Verhetzungen jenen Ausfall verursacht haben, und die auch jetzt wieder alle Anstrengungen macht, eine Wiederholung des Schauspiels vom Sommer 1906 in Rußland ins Werk zu setzen.
...... । a
Terrljches Reich.
— Der Kaiser traf gegen 7 llhr in Alten- grabow ein und begab sich im Automobil nach der Kommandantur, wo er zu Pferde stieg. Alsdann begann das Exerzieren der Garde-Kavallerie-Division gegen die 2. Kavallerie-Division unter General Graf v. Brühl. Es folgte ein weiteres Exerzieren beider Divisionen unter
„Es sind ehrenwerte Leute, ihr habt aber nicht nötig, sie als Verwandte anzuerkennen, wenn sie euch nicht gut genug sind."
„Rein, sie sind uns nicht gut genug, und wir werden auch dich von einem so wahnsinnigen Schritte zurückzuhaltene wissen. Diese sogenannte Verlobung existiert nicht mehr."
„Meine Mutter hat sie gebilligt."
„Sie tat es in ihrer grenzenlosen Schwäche für dich; wir würden sie gelehrt haben, die Sache mit anderen Augen anzusehen. Von heute an verbieten wir, deine Schwester und ich, dir jeden Verkehr mit jenem Burschen."
„Dazu habt ihr kein Recht, und ich werde euch nicht gehorchen," antwortete Gertrud.
„Melitta, was sagst du dazu?" fragte Melnik und sah seine Frau mit einem herausfordernden Blicke an.
„Lothar hat recht," sagte Melitta weinerlich.
„Wie immer," versetzte diese.
Du kannst uns diese Schmach, dieses Herzeleid nicht antun," sie wurde ganz warm und beredt.
„Es ist eine Schmach," antwortete Gertrud und fuhr, die Hand der Schwester fassend, mit steigender Wärme fort: „Sieh doch mit deinen eigenen Augen, Melitta, und nicht durch die gefärbten Augen, die ein anderer dir vorhält. Georg Eltester ist brav, gebildet, wir kennen ihn und feine Eltern feit unserer Kindheit."
„Ja, ja," flüsterte Melitta, durch die Worte der Schwester gerührt, setzte aber mit einem scheuen Blick auf ihren Gatten hinzu: „Du mußt jedoch einsehen, daß es nicht angeht, daß es sich nicht schickt, wenn du heimlich mit ihm zusam- mentriffft."
„Ich tue das nicht heimlich, wenn du es aber nicht für schicklich hältst, daß ich ihm allein begegne, nun wohl, so mag er als mein Verlobter fiter ins Haus kommen —*...,.
Führung des Kaisers. Nachdem der Kaiser den Vorbeimarsch der bei der Uebung beteiligten Regimenter abgenommen hatte, kehrte er gegen 1 Uhr in das Barackenlager zurück und nahm hierauf das Frühstück im Offizierskafino ein. Die Nacht über wird der Kaiser im Lager verbleiben.
— Des Kaisers Dank und Gruß nach Deutsch- Ostafrika. Dar es Salam, 7. Aug. Der Kaiser sandte aus Swinemünde an den Staatssekretär Dornburg nach Dar es Salam folgende Antwort: „Ich danke Ihnen und allen dortigen Deutschen für die Grüße aus der Kolonie. Möchte derselben unter Ihrer Leitung eine Zukunft bevorstehen, welche das Vaterland mit Stolz erfüllt und die braven Kolonisten für ihren Mut und ihre Ausdauer reich belohnt. Vor allem aber sollen sie ohne Unterschied des Standes fest und einheitlich Zusammenhalten und Zusammenarbeiten. Ohne das ist kein Fortschritt zu erwarten. Wilhelm I. B.“
— Zur Begegnung des Kaisers mit' der Exkaiserin Eugenie. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt offiziös: „Um den Besuch, den der Kaiser auf der Nordlandfahrt der Kaiserin Eugenie ab- gestattet hat, wird in auswärtigen Blättern eine Legende gesponnen, der zufolge die Begegnung auf Ansuchen der Kaiserin durch Kaiser Franz Josef vermittelt worden sei. Die Kaiserin habe die Gelegenheit benutzt, um dem deutschen Kaiser bisher bewahrte Geheimnisse von weittragender politischer Bedeutung mitzu- teilen. Wir können feststellen, daß diese Geschichte frei erfunden ist. Der Besuch des Kaisers auf der „Chistle" war auch nicht verabredet. Der Kaiser hatte erst einen Tag vorher zufällig von der Anwesenheit der Kaiserin Eugenie in Molde Kenntnis erhalten."
— Ministerialdirektor Althoff wird, wie das „Reich" wissen will, am 18. August vom Kai - (er in Cassel empfangen werden.
— Vorarbeiten für den nächsten Tagungsabschnitt des Reichstags. Wie aus Berlin verlautet, wird gegenwärtig schon in verschiedenen Ressorts an Denkschriften gearbeitet, welche dem Reichstage im nächsten Tagungsabschnitte vorgelegt werden sollen. In erster Reibe kommt hierbei die umfassende Denkschrift über die Wirkungen der mit der Gewerbeordnungsnovelle von 1897 eingeführten Handwerksorganisation in Betracht. Sie baut sich auf einem umfangreichen Material auf, das durch eine bei den verschiedenen Handwerksorganisationen schon vor längerer Zeit veranstalteten Erhebung gewonnen ist. Durch die Erhebung wollte man Klarheit über den Wert der geschaffenen Neu- .erungen sowie über die Frage erlangen, ob und gegebenenfalls wie an eine Umgestaltung der letzteren herangetreten werden sollte. Diese Klärung der Anschauungen soll durch die Denkschrift gebracht werden. Es ist bei der Fülle des vorliegenden Materials selbstverständlich, daß die Ausarbeitung der Denkschrift einen längeren Zeitraum in Anspruch nimmt, nach ihrem gegen
wärtigen Stande aber ist anzunehmen, daß noch im nächsten Winter der Abschluß herbeigeführt werden kann. Dann würbe natürlich dem Reichs« tage die Denkschrift sofort zugestellt werden. Für diese Arbeiten kommt namentlich das Kaiserliche Statistische Amt in Frage. Im Reichs- Versicherungsamte haben die Vorarbeiten für die Zusammenstellung der Rechnungser- g e b n i s s e der Berufsgenossenschaften sowie der Jnvalidenversicherungsanstalten auf das Jahr 1906 begonnen. Hier handelt es sich um zwei Denkschriften bezw. Nachweisungen, die ebenfalls jede für sich eine eingehende und umfassende Arbeit verlangen. Während das Reichsversicherungsamt in der ersten Zeit der berufsgenossenschaftlichen Tätigkeit im Stande war, die Nachweisung für das voraufgegangene Jahr dem Reichstage noch im Dezember des nächstfolgenden Jahres zu unterbreiten, kommt jetzt regelmäßig der Februar des zweitfolgenden Jahres heran, ehe Bundesrat und Reichstag den Einblick in die Nechnungsverhältnisse von Berufsgenossenschaften und Versicherungsanstalten erhalten. Auch diesmal dürfte es nicht anders werden. Vor dem Februar 1908 dürften diese Rechnungsergebnisse auf 1906 dem Reichstage kaum vorgelegt werden. Weitere Denkschriften, an deren Ausarbeitung man sich möglichst zeitig heranmacht, sind diejenigen, die die Verhältnisse unserer Kolonien betreffen. Sie werden gerade diesmal ein noch weitergehendes Interesse als sonst schon erwecken, weil man jetzt den Kolonien die Aufmerksamkeit zu schenken beginnt, die man ihnen schon längst hätte zuteil werden lassen sollen. Jedenfalls werden die Kolonialdenkschriften mindestens in der gewohnten Zahl dem Reichstage auch in dem neuen Tagungsabschnitte zugestellt werden. Für diese Arbeiten kommt hauptsächlich das Reichskolonialamt, für die Denkschrift über Kiautschou auch das Marineamt in Frage. Im Reichsschahamt wirb wie immer die Denkschrift über die Ausführung der Anleihegesetze ausgearbeitet werden. Sie war schon bisher insofern von großem Werte, als sie genauen Ausschluß Über die Schuldverhältnisse des Reichs uns darüber brachte, welche Kredite noch ausstanden. Für di« Zukunft wird sich ihr Wert noch erhöhen, weil nach den in ihr enthaltenen Zahlen die drei Fünftel Prozent berechnet werden sollen, um die die Reichsschuld in jedem Etat getilgt werden soll.
— Auf der Heimkehr aus Kiautschou. Berlin, 7. Aug. Mitteilungen des Kriegsministeriumr über die Fahrt der Truppentransportschiffe: Dampfer „Willhad" des Norddeutschen Lloyd ist mit der Ablösung des ostasiatischen Detachements auf der H«i 'eise wohlbehalten in Singaporr eingetroffen und am 6. August nach Colomba weitergegangen.
— Von der Beschaffenheit ländlichen Gesindes außerdeutscher Herkunft und seinem sehr rohen Betragen gibt ein Bericht der „Franks, Oder-Ztg." aus Appelswerder im Arns« walder Kreise Kunde. Es heißt da: Von den beiden, auf dem hiesigen Gute beschäftigten ga»
„Genug des Unsinns," fiel Melnik ein, „ich verbiete dir, Melitta, diesen Menschen über unsere Schwelle kommen zu lassen."
Gertrud maß ihn mit einem langen Blick. „Dieses Haus ist auch das meine."
Melitta schluchzte. „O, Gertrud, wie kannst du so fein? Wir könnten so ruhig, so behaglich hier leben, bringe doch nicht solche unliebsame Störungen in unser Zusammensein."
Gertrude sah sie mitleidig an. „Ich will deine Ruhe und dein Behagen nicht stören, Melitta. Georg Eltester soll dieses Haus nicht betreten, wo mam so wenig freundliche Gesinnungen gegen ihn hegt, ich aber werde es mir nicht wehren lassen, ihn zu sehen, bei seiner Mutter, ober wo wir uns sonst zusammenfinben. Merke es dir, Lothar, ich treffe mit meinem Verlobten zusammen, nicht heimlich und verstohlen, sondern öffentlich, wie es mein gutes Recht ist."
Mit diesen Worten hatte Gertrud das Zimmer verlassen, und das Ehepaar war in recht unbehaglicher Stimmung zurückgeblieben. Melnik hatte getobt und gedroht, Melitta geweint und geklagt, daß aus ihrem Leben alle Ruhe und alle Gemütlichkeit zu entschwinden drohe, und bann war einige Wochen lang alles scheinbar im ruhigen Geleise fortgegangen.
Melnik, bet ein paarmal Ausflüge von zwei bis brei Tagen gemacht, ohne inbes in viel besserer Laune heimzukehren, hatte nur gelegentlich durch irgend eine hämische Bemerkung kundge- geben, baß er bas Verhalten bet Schwägerin im Auge habe, aber seine Taktik insofern geanbert, baß er bis ganze Angelegenheit mehr als eine Kinberci behandelte, gegen bie ernstlich aufzutreten gar nicht lohne. Von ihm angestachelt, hatte Melitta mehrmals versucht, Gertruds tägliche einsame Walbspaziergange zu vereitel«, indem sie bie Schwester um deren Bealeituna bei
den Ihrigen bat, aber ihre Trägheit hatte fti ihre List nicht häufig ausführen lassen; erntet tet sank sie nach kaum halbstünbiger Manderunl auf eine Bank nieder und gab es auf, mit bet unermüdlichen Schwester Sckiritt zu halten.
In der zweiten Hälfte des Juni war Melnik, bet einige Tage nach Berlin und Hamburg gereift gewesen war, in einer seltsamen, ihm so ich nicht eigenen Erregung zurückgekommen, schweig« sam unb nachdenklich herumgegangen und halt« endlich Gertrud beiseite genommen.
„Ich fürchte, du wirst mit nicht glauben, Gertrud," sagte er ohne lange Vorrede, „aber gesagt muß es endlich werden, Georg Eltester betrüg: dich."
„Das ist nicht wahr!" fuhr bas junge Mädchen auf.
„Auf diese Antwort war ich vorbereitet,“ erwiderte er, „deshalb bringe ich dir hier die Beweise.,, Et legte ein Paket Briefe auf den Tisch.
„Woher hast du dies?“ fragte sie argwöhnisch.
„Sollte dir das so ganz unbekannt sein?" sagte er lauernd, und fuhr, als sie bie Augen niederschlug und ein höheres Rot ihre Wangen färbte, fort: „Dieselbe Hand, welche dir anonyme Briefe zusandte, hat solche auch an mich gerichtet. Du hast sie verächtlich beiseite gelegt, ich habe ihnen im Verein mit deinem Vormund nachgeforscht. Hier hast du die Resultate. Es ist Georg Eltester nicht um dich, sondern um bein Vermögen zu tun, et tröstet alle unsauberen Elemente auf bie Heirat mit bir. Ich will für jetzt kein Wort weiter mit dir reden, lies, prüfe, unb sage bir bann, wer es wahrhaftig gut mit dir meint."
I - *£ (Fortsetzung folgt.)