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1860

1880

1900

Die Kauffel fallen, niühlen weitere

" Das sind ganz gewaltige Lohnsteigerungen, die Frl. D. zu dem Resultat kommen lasien, daß auch absolut die Entlohnung der weiblichen landwirtschaftlichen Arbeiter erheblich höher ist als die der städtischen. Sie berechnet 590,25 für die Landarbeiterin Jahreslohn, für die städtische nur 468 dl. Bei den männlichen Ar­beitern steht der von ihr angenommene Lohn auf dem Lande etwas hinter dem städtischen zu-

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Dies find natürlich Barlöhne, dazu kommt die vollständige Verpflegung. Man beachte, wie sehr in den 20 Jahren von 18901900, einer Zeit des Niederganges der Eetreidepreise, die Löhne gestiegen sind, wie außerordentlich fühl­bar sich dies der Landwirtschaft machen mutz. Das Eesamtresultat, zu dem Dr. Altkemper ge­langt, lautet für die Löhne der Knechte eine Steigerung um 187 Prozent von 18601900, bei Mägden um 164 Prozent, bei männlichen Tage­löhnern um 117 Prozent, für weibliche stehen nur Zahlen von 1885 zur Verfügung, doch be­trägt die Steigerung in diesem kurzen Zeitraum 49 Prozent. Die im Verhältnis zu den Eesinde- löhnen geringfügigere Steigerung bei den Tage­löhnern erklärt sich daraus, daß dies jetzt durch­schnittlich alte verbrauchte und invalid gewor­dene Bergarbeiter sind. Die Entwicklung der Lohnverhältnisse beider Gebiete zeigt somit wie­derum, wie dringend notwendig eine derartige Ausgabensteigerung des Ausgleichs bedarf durch höhere Produktenpreise.

Kneckte.

Zweite. Dritte.

142 pCt.

121 PCt.

185 PCt.

Erste. 144 280 46)

14 916,9 Ml.

20463,1 .

23183,5 ,

Es betrugen in der ersten Periode

die Gesamtausgaben 54 PCt. der Bruttoeinnahme , Löhne 19 pCt. , ,

in der dritten Periode

Erscheint wöchentlich siebe» mal.

Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, UnivcrsitätS-Buchdruckerel 42. Jahrg Marburg. Markt 21. Telephon ob.

Kriegsschauplatz verlasien. Die Armatolen krüm­men bekanntlich keinem türkischen Landmann ein Haar und vermeiden jedes Gefecht mit den Re­gierungstruppen. Im März des Jahres 1905 zog es sogar der Kapitano Jorgaki vor, sich lieber mit 72 Mann ohne jeden Widerstand den ihn umstellenden Truppen zu ergeben, als daß er die Waffen gegen die Türken, die er nicht als Feinde betrachtete, gebrauchen liefe; nachdem aber Jor­gaki mit 30 Monaten Gefängnisstrafe und seine Mannschaften mit je 1224Monaien inSalonichi bestraft wurden, fechten die Armatolen auch gegen die türkischen Truppen, wenn sie in eine Zwangslage versetzt werden.

Wenn man gerecht sein will, so wird man zwischen Armatolen und bulgarischen Komitad« schis doch einen gewisien Unterschied machen müsien; denn die ersteren sind in ihrer Mehrzahl aus besserem Holz, obwohl auch sie nicht von blutigen Racheakten freigesprochen werden können.

Die Armatolen haben nämlich eine alte, ruhmreiche Geschichte. Sultan Soliman der Grofe« hatte den Pinduskamm als Westgrenze seines Reiches angenommen und gab den an den öst­lichen Abhängen wohnenden Griechen und Kutzowalachen eine Art militärische Selbstver­waltung, wodurch er die Grenze gegen die Ein­fälle der Albanesen sichern und feinen eigenen christlichen Untertanen eine Gunst gewähren wollte. Er begründete 15 christliche Haupt­mannschaften vom See von Achris (Ochttda) bif zum Olympgebirge. Jeder Hauptmann (Hopl- archigos) erhielt das Recht, hundert Waffen, träger aus seinem Bezirk um sich zu versammeln, ihren Familien verblieb der freie Besitz von Grund und Boden in den sog. Freidörfern (den Eleftochorien), und die Würde der Hauptleute wurde eine erbliche. Die Zahl der Hauptmann­schaften und ihr Ansehen vermehrte sich mit bei Zeit erheblich, und Ali Pascha, der talentvoll« Despot von Epirus, suchte deshalb ihre Macht­stellung zu zerstören; es entstand vom Jahre 1805 bis 1820 ein Guerillakrieg zwischen Alis Söld­nern und den griechischen Armatolen, ein Krieg, der unter sehr schweren beiderseitigen Der lüsten ohne eigentliche Entscheidung blieb.

Beim Beginn des griechischen Freiheitskrieges von 1821 traten die Armatolenchefs Eeorgakis Olympias und Pharmakis als die fähigsten Par­teigänger Ppsilantis in den Donaufürstentümern auf, während der Rest der Armatolen, die durch die Kämpfe mit . Ali Pascha sehr zusammengr- schmolzen waren, den Kampf gegen die Türken 'lk Mazedonien aufnahmen. Als Abulubud Pa' '-t schließlich Mazedonien unterwarf und Tausende seiner Bewohner wie Vieh hinschlachten liefe, zogen die Armatolenchefs Gatzos und Karatassos nach Süden ab, und die von ihnen geführte rna- zedonische Legion kämpfte acht Jahre bis zur

die Gesamtausgaben 70,5 pCt. der Bruttoeinnahme , Löhne 33,8 PCt. .

Obwohl infolge der intensiveren Wirtschaft trotz der gesunkenen Produktenpreise die Brutto­einnahme in den letzten 10 Jahren gegenüber den ersten 10 Jahren um 10 Prozent gesteigert wurde, sank namentlich infolge der gesteigerten Löhne die Reineinnahme um 28,5 Prozent. Die Lohnsteigerungen sind demnach der Leistungs­fähigkeit der Wirtschaft weit vorausgeeilt.

Da die Abhandlung über die westfälischen Jndustriekreise sich nicht mit einzelnen Betrieben beschäftigt, sondern mit der Landwirtschaft im allgemeinen, so ist hier ein Vergleich zwischen Lohnsteigerung und Reingewinn nicht möglich, wohl aber wird das allgemeine Bild der Lohn­steigerungen bestätigt. Die Jahreslöhne betru-

rück. Sehr mit Recht hebt sie aber hervor, daß dies durch die regelmäßige Beschäftigung aus­geglichen wird, die in der Stadt nicht vorhanden ist, ferner daß in der Stadt die Familien ihr Kapital an körperlichen Kräften frühzeitig auf­braucht, während es die Landfamilie erhält.

Wie sehr letzteres der Fall ist, wird bestätigt durch eine Untersuchung über die Gesundheits- Verhältnisse von 31 Landarbeiterfrauen, auf die zusammen die ungeheure Zahl von 162 Schwan­gerschaften kam, die aber trotzdem in ihrer gro­ßen Mehrzahl (vierfünftel) erklärten, ganz ge­sund und rüstig zu sein. Sie sehen, schreibt Frl. D., trotz mangelnder körperlicher Schonung, frischer und lebensvoller aus als die gleichaltrige städtische Arbeiterin, die mit 30 Jahren so oft nur noch als ein Bündel Haut, Knochen, und Elend erscheint. Dagegen ergab eine von ihr über 90 Berliner Näherinnen veranstaltete Sta­tistik, daß genau die Hälfte an Blutarmut, Ner- venschmäche, Rückenschmerzen, Seitenstechen, Ischias und ein Sechstel an Erkrankung der At­mungsorgane litt. Von den Landfrauen litt nur je eine an Lungenleiden und Blutarmut, und selbst die für das Land natürlichen rheu­matischen Leiden fehlten. Die unendlich gesun­deren Verhältnisse des Landlebens springen da­bei deutlich in die Augen. Indessen findet da­durch nicht nur ein Ausgleich mit den Verhält­nissen des städtischen Arbeiters statt, vielmehr erscheinen die Einnahmen aus Naturalien, be­sonders der Viehhaltung, erheblich zu niedrig angesetzt. Wenn aus der Schweinehaltung nur ein Reingewinn von 65 dl pro Jahr berechnet wird, obwohl ein Schwein als verkauft, eins als geschlachtet angenommen wird, wenn aus der Eänsehaltung von 810 Stück überhaupt kein Nutzen berechnet wird, so sind das offenbare Fehler, deren Ausmerzung auch schon formell bei den männlichen Arbeitern in Stadt und Land den Lohn gleichstellen würde, in der Praxis aber eine ganz erhebliche Besserstellung des ländlichen Arbeiters bedeutet. Nun ist aber eine gerechte Beurteilung der landwirtschaftlichen Verhält­nisse nicht nut durch Gegenüberstellung des städtischen und ländlichen Arbeiters zu erreichen, sondern auch durch Beantwortung der Frage: Wie verhalten sich die Lohnsteigerungen zu den Reineinnahmen der Wirtschaft?

Es betrugen die Ausgaben für Löhne und bare Auslagen für Arzt, Arzneien und zuge­kaufte Naturalien im Jahresdurchschnitt in Mark

1875/76-1884/85 1885/861894/05 1805/93-1904/05

Mazedonisches.

Die hohe Pforte richtete kürzlich eine scharfe Note an die griechische Regierung, nachdem die zahlreichen Banden der griechischen Armatolen (Waffenträger), unterstützt durch den Zufluß griechische^ Freiwilligen, im mittleren und süd­lichen Mazedonien, das heißt im griechischen Sprachgebiet der Umgegend der Städte Florina, Verria und Salonichi, das Uebergewicht über die bulgarischen Komitadschis errungen hatten, die Türkei ist formell im Recht.

Die Griechen Mazedoniens versichern aller­dings, daß ihre Armatolen die Waffen nieder­legen werden, wenn die Komitadschis den

mal geschehe, wenn er den Dienst quittiere und sich unter seine Aufsicht stelle.

Es vergingen ein paar Jahre, während wel­cher Melnik sich, wie er sagte, von dem Schwie­gervater in die Geschäfte einweihen ließ, um sie später selbständig leiten zu können. Der Ver­such mußte aber nicht glücklich ausgefallen sein, denn als Herr von Kauffel nach kurzem Kran­kenlager starb, da fand sich, daß er weder fein Geschäft, noch das Vermögen seiner Frau und seiner jüngeren Tochter dem Schwiegersöhne in die Hände gegeben hatte. Die großen Unter­nehmungen des Verstorbenen wurden in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Hinterblie­benen erhielten die ihnen zugefallene große Erb­schaft bar ausgezahlt und richteten sich ihren Neigungen gemäß damit ein.

Frau von Kauffel, die seit dem Tode ihres Gatten immer mehr kränkelte, führte nun auch in Hannover das zurückgezogene Leben, das sie liebte und das den Neigungen Gertruds eben­falls entsprach. Aber auch von Herrn und Frau von Melnik konnte man nicht sagen, daß sie ein großes Haus gemacht hätten. Melitta, die ihrem Manne noch eine zweite Tochter geboren, war immer rosiger, aber auch immer bequemer ge­worden und bettachtete es als eine zarte Rück­sicht ihres Lothar, daß er sie nicht mit dem Ee- sellfchaftstrubel quälte.

Sie sahen ab und zu auch einige Gäste bei sich und nahmen eine Einladung dagegen an, sonst aber suchte Melitta ihre Unterhaltung meistens im Theater, wo sie genießen durfte, ohne sich dabei anstrengen zu müssen, und sie fand es ganz in der Ordnung, daß ihr Gatte die viele freie Zeit, die er hatte, auch seinem Ee- schmacke gemäß verwendete.

Wenn andere Leute nicht ganz die Zuver­sicht bet jungen Frau teilten, so blieb man doch auf Vermutungen beschränkt, benn noch nie hatte man irgend welche Anzeigen, erhalten, daß die Melnikschen Finanzen erschüttert gewesen waren.

Lohnsteigerungen

in der Landwirtschaft.

Siejn Gebiet der Volkswirtschaft bietet für das Verständnis des Laien oerartige Schwierig- . keilen wie die Lohnfrage in der Landwirtschaft. Die nicht unerhebliche Mühe, die angewandt werden muß, um die Naturallöhnung in Ver­gangenheit und Gegenwart auf den Geldmaß­stab zu bringen, hindert eine leichte Berechnung und einen Vergleich mit den Verhältnissen des städtischen Arbeiters. Dazu kommen die Ein­nahmen ans Ackerbau und Viehzucht der kleinen Wirtschaft des Landarbeiters, die auch einer ge­wissen Schätzung freien Spielraum lassen, kurzum, der Städter, der an und für sich vielfach durch eine gewissenlose Presse dem Landwirt entfremdet ist, scheut die Mühe eines sorgfälti­gen Vergleichs, er sieht die Landarbeiter ab- wandern, daran können nur die nichtigen Löhne schuld fein, so urteilen Freisinn und Sozialdemo­kratie, so die große Masse der städtischen Kon­sumenten. Wirklich wissenschaftlichen Unter­suchungen kann eine derartige Auffassung nicht standhalten, vielmehr ergeben diese übereinstim­mend eine ganz gewaltige Lohnsteigerung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts in allen Ge­genden Deutschlands, soweit diese durchforscht wurden. Die neueste Zeit hat diese Ergebnisse durch zwei neue Forschungen bereichert, von denen die eine, int Seminar des Professors Se- ring entstanden, die Geschichte eines schlesischen Dorfes und Rittergutes behandelt, (Gertrud Dyhrenfurth:Ein schlesisches Dorf und Ritter­gut", Schmollers Forschungen, Band 25, Heft 2), während ^ie andere sich mit ,bgn Verhältnissen der Landwirtschaft in den westfälischen Kroß- industriekreisen Recklinghausen und Gelsenkir­chen beschäftigt. Letztere, die einen Dr. Joh. Alt­kemper zum Verfasser hat, ist zwar von Professor v. d. Eoltz, aber auch von den manchesterlichen Professoren Dietzel und Gothein beeinflußt, kann also auch von den manchesterlichen Parteien als rinwandsfrei angesehen werden.

Gertrud Dyhrenfurth gelangt zu dem Resul­tat, daß von 1855/56 bis 1902 folgende Lohn- fteigctungen eingetreten sind:

tNachvruck verboten.). In den Fluten.

Roman von Jenny Hirsch. '(Fortsetzung).

Andeutungen waren bei Herrn von auf keinen unfruchtbaren Boden ge- Die vorschnelle Abreise von Erems- hatte indessen verhindert, daß ihnen Folge gegeben wurde. Melniks An-

MchW Mttn

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbaiu.

, LormtaaSbeUaaer AUrittrirtes SsrmtaasLlM. * * * W

Marburg

Mittwoch. 7. August 1907.

in Geldwert in Roggenwert Bei einer Lohngärtnersamilie 111 pCt.

Mägde. Erste. Zweite.

Knechtsfamilie 100 pCt.

Magd . 147 pCr.

Ganz im Gegenteil hatte sich schon einige Male das Gerücht verbreitet, daß Herr von Melnik da oder dort große Summen gewonnen habe.

Jetzt war ihm nun außerdem wieder eine sehr bedeutende Erbschaft zugefallen. Gertrud hatte soeben ihr achtzehntes Jahr vollendet, da starb Frau von Kauffel sanft und still, wie sie gelebt hatte.

Der Tod der Mutter, mit der sie- in der in­nigsten Gemeinschaft gelebt hatte, für die sie und die ihr alles gewesen war, machte das junge, schöne und reiche Mädchen unsäglich ein­sam. Obwohl erst achtzehn Jahre alt, hatte es ihr nicht an Bewerbern gefehlt, die sie sämtlich abgewiesen mit der freundlichen Bestimmtheit eines Menschen, dem man minderwertiges an­bietet, während er weiß, daß ein kostbares Kleinod für ihr bereit liegt.

Gertrud und Georg Eltester hatten sich jedes Jahr in Eremsmühlen gesehen, obwohl der Jüngling, welcher den Beruf seines Vaters er­griffen hatte, jedoch die höhere Forstkarriere einschlagen wollte, zuerst in Kiel das Gymna­sium und später eine Forstakademie besuchte. Während der Ferien weilte er im Vaterhause und um dieselbe Zeit befand sich Frau von Kaufte! mit ihren Töchtern stets auf dem Go­denberg. Was war natürlicher als bafe die Jugendgespielen da sehr häufig beisammen waren, als daß die Kinderfreundschaft sich in die reinste, innigste Liebe umwandelte, unge­achtet der hämischen Bemerkungen, an denen es Melnik nicht fehlen liefe.

Gertrud brauchte sich dr nicht sehr zu beun­ruhigen zu lassen. Drr Schwager kam nur selten nach dem Ervenberge, und sein Einfluß wär bei ihre: Mutter nie ausschlaggebend gewesen. Frau von Kauftel, welche immer sehr viel von Georg gehalten hatte, billigte die Wahl ihrer Tochter und unter ihren Augen war dem jungen Paare während des Somme«, den die edle Frau in ihrer geliebten Villa verleben sollte, ein schöner

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griffe hatten sich aber wiederholt und das feind­liche Verhältnis zwischen ihnen und.der jungen Schwägerin verschärft, so oft er nach dem Goden­berg gekommen war, was allerdings nicht allzu häufig geschah. Gleich seinem Schwiegervater langweilte er sich dort und kam nur noch auf einen kurzen Besuch, wenn seine Frau alljähr­lich mehrere Wochen daselbst bei der Mutter zu- brachte.

Frau von Kauffels Befürchtungen schienen sich nicht zu bewahrheiten, Melitkas Ehe war, wie sie selbst der Mutter bei jedem Zusammen­sein versicherte, eine glückliche. Ihr Mann gab ihr keinen Anlaß zur Klage, gewährte ihr, was ihr Herz stur wünschte, und das blühende rosige Aussehen der schönen jungen Frau strafte diese Behauptung durchaus nicht Lügen.

Auch Herr von Kauffel war dem Anschein nach mit dem Schwiegersohn sehr zufrieden, so zufrieden, daß er ihn und die Tochter dauernd in seiner Nähe und in ihm eine Stütze in seinen großen Unternehmungen zu haben wünschte. So wenigstens war es hingestellt worden, als Mel­nik plötzlich den Abschied genommen hatte und mit seiner Fran und dem ihnen geborenen Töch­terchen nach Hannover gezogen war. Andere wollten freilich wissen, es sei auch für einen Mil­lionär wie Herrn von Kauffel zuletzt nicht mehr ausführbar gewesen, immer von neuem die Schulden seines Schwiegersohnes zu bezahlen. Er habe ihm endlich erklärt, daß dies nur noch ein-

Vicrteljährlicher Bezugspreis: btt ver Expedition 2 Mk>, IVo 1QQ brr allen Postämtern 2,25 M, t.excl. Bestellgeld).

Znsertton»geblihr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Rcclamcn: die Zeile 30 Pfg.

sti"es Glück aufgeblüht. Georg, der seine Stu- uf der Forstakademie vollendet hatte, war die Vergünstigung zuteil geworden, sich h-. ii praktischen Dienst im Hause und unter den Augen seines Vaters vorzubereiten.

Frau von Kauffel hatte gern ihre Ein­willigung zu dem Herzensbunde ihres Lieblings gegeben, weit lieber, als sie früher der Ver­bindung ihrer ältesten Tochter mit Melnik zuge- stimmt, aber sie fühlte sich leidend, fürchtete sich Szenen, die mit Melnik und auch mit Gertruds Vormund bevorstanden, der für sein schönes, rei­ches, viel umworbenes Mündel ganz ander« Ansprüche machte. Da eine Heirat ohnehin erst ftattfinben konnte, wenn bet junge Mann in sei­ner Laufbahn einige Schritte weiter vorwärts gekommen war, so wünschte sie bie Sache noch einige Zeit, womöglich bis zum Eintritt von Eertrubs Mündigkeit, geheim zu halten.

Das junge Paar war bomit einverstanden gewesen. Konnte es" etwas süßeres geben, als dieses Wiederfinden in dem dunklen Forst, am klaren See, in dem beseligenden Gefühl, ein­ander anzugehören, ohne daß bie Welt von ihrem Glücke etwas wußte k Sie ahnten nicht, daß der Tod sehr bald mit rauher Hand ein­greifen und ihrem Leben ein ganz andere Ee- gestalt geben würde.

So lange Frau von Kaufte! auch leidend ge­wesen, war 05 den Ihrigen doch unerwartet ge- kommen, ats sie kurz vor Weihnachten plötzlich gestorben war. Sie hatte nicht mehr das luxu­riöse Heim besessen, das sie bei Lebzeiten ihres Mannes in Hannover bewohnte, sondern mit Gertrud eine ihren beiderseitigen NeiauxKx mehr zusagende bescheidene Wohnung inne ge­habt. In dieser blieb das junge Mädchen auch naH dem Tode der Mutter mit der alten Die­nerin und einer älteren Gesellschaftsdame zurück, obwohl die Schwester dringend gebeten hatte si* möge doch zu ihr ziehen.

/Fortsetzung fM.)