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mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Marburg
Sonnabend, 3. August 1907.
Erscheint wöcbetülich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Aug. Koch, UmverfitätS-Buchdruckerel
Marburg, Markt 21, — Telephon 55.
42. Jahrg.
' Deutschenhaß der Welschen in Südtirol.
Die beklagenswerte Schwäche der österreichischen Regierung genüber den Bestrebungen der sog. Jrredenia, des „nicht erlösten" Jtaiiener- tums in der Südmark Tirols, dem sogenannten Trentino, ist schuld daran, daß der welsche Fanatismus in den letzten Jahren so stark um sich gegriffen hat. Als eine Folge der unseligen Politik des „Fortwursteln", wie sie innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle üblich geworden ist, müssen auch die schändlichen Ausschreitungen bezeichnet werden, welche jüngst, wie wir bereits niitteilten, von deut irredentistischen Mob in Südtirol gegen Mitglieder des deutschen Turnerbundes begangen wurden.
Die kleine deutsche Gesellschaft, die das Opfer dieser feigen Mißhandlung wurde, bestand zum Teil aus Reichsdeutschen, zum Teil aus Deutsch- Ssterreichcrn, und hatte im Anschluß an das kurz vorher in Innsbruck begangene fünfte Turnfest unter Führung des Berliner Professors Edgar Meyer der deutschen Sprachinsel bei Fersental einen Besuch abgestattet. Italienische Blätter, insbesondere „Alto Adige", die von diesem Ausflüge erfahren hatten, hatten bereits mehrere Tage vorher die Bevölkerung zu Gewalttätigkeiten aufgereizt, ohne daß es von österreichischer Seite zu den entsprechenden Schutzmaßregeln gekommen wäre. Auch waren ganz offen in Perfen Zettel angeschj^gen worden, auf denen zu Gewalttätigkeiten gegen die deutschen Turner aufgefordert wurde. Die österreichischen Behörden sahen in der ihnen eigenen Schlamperei alledem mit einem Gemisch von Ratlosigkeit und Gemütlichkeit zctz und nur der Bezirkshaupt- mann Spängler in Rohfreit bot ein paar Gendarmen auf. So kain es, nachdem die deutschen Turner in den Gemeinden der Sprachinseln von der dortigen deutschen Bevölkerung mit herzlicher Begeisterung empfangen waren, bei dein Abstiege zu jenen wüsten Szenen, bei denen der
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für die Monate August und September ss auf die
„Oberhessische Zeitung- nebst ihren Veilogen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch, hnin, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent« Segengenommen.
3 iNmLvruck verboten.)
In den Fluten.
Roman von Jenny Hirsch. '(Fortsetzung).
Ueber dem in der Mitte stehenden gedeckten Tisch hing eine mehrarmige Ampel, deren Flam- men unter runden Kugelglocken aus mattge- schtiffcnem^Glase das blendend weiße Tischzeug und die auf dem Tisch befindlichen Geräte aus Porzellan, Glas und Silber bestrahlten. Es war alles gut, sauber und gediegen, aber einfach, wie die Einrichtung des Speisezimmers und der Billa überhaupt, von einem soliden, bürgerlichen Wohlstand zeugend. Im Gegensatz dazu standen aber die verschiedenen erlesenen kalten Schüsseln, die feinen Weine, womit die Tafel besetzt war: sie schienen für einen sehr verwöhnten Gaumen mit der größten Sorgfalt ausgewählt zu sein.
Ein Diener brachte im silbernen Teekessel oas heiße Wasser, entzündete die Spiritusflamme darunter und entfernte sich dann wieder. Rach wenigen Augenblicken schon ließ sich das Geräusch des siedenden Wassers vernehmen; Frau von Melnik bereitete den Tee und bot ihrem Manne eine Tasse; er lehnte ab und goß sich ein großes Glas Wein ein, das er schnell hinuntertrank. Er griff auch nach der vor ihm stehenden Schüssel mit Aal in Gelee und legte sich davon vor, aber er vermochte kaum ein paar Bissen hinunterzubringen. Wie durch einen unwiderstehlichen Zwang genötigt, wandten sich seine Augen immer wieder nach dem leeren Platz, dem unberührten dritten Gedeck am Tisch, und seine Blicke trafen sich da mit denen seiner Gattin, die mit ihrein Tee spielte, ohne etwas jsenietzen zu können.
„Lothar, Du vermagst auch nichts zu essen, Mnd wie verstört Du aussiehst!" rief sie, denn .rst jetzt im Schein des Lampenlichts gewahrte te, was ihr in der Beleuchtung des. sinkenden ages entgangen war. Ihr Gatte, dessen Gesicht »llerdinas nie blühend war, dessen halbvcr-
nach vielen Hunderten zählende Mob die wenigen Herren und Damen so brutal mißhandelte, daß Prof. Meyer und mehrere andere Reichsdeutsche. sowie verschiedene Deutsch-Oesterreicher tiefe Hiebe und Stichwunden davontrugen und nur mit Mühe und Not von Calliano die Abreise antreten konnten, da der Mob die Abfahrt des Zuges verhindern wollte.
Die beklagenswerten Vorgänge aber, die sich im Gebiete der südtiroler Sprachinseln ereigneten, sind für die österreichische Wirtschaft so recht charakteristisch. Es sind dieselben Erscheinungen, welche die habsburgische Regierung von Stufe zu Stufe dahin gebracht haben, wo sie heute steht, denn die Vorgänge in Welschtirol gleichen denen in „Tschechien" wie ein Ei dem andern, und finden in der magyarischen Revolution ihr bezeichnendes Vorbild. Die österreichische Regierung beeilt sich ja nun freilich, die allerstrengste Untersuchung und Ahndung in Aussicht zu stellen. Aber man ist aus früheren Vorgängen hinreichend über den Wert solcher k. k. Energie belehrt.
Die Frage aber, um die cs sich hier handelt, ist schließlich weit weniger eine solche der in Betracht kommenden Staaten Oesterreich und Deutschland, als vielmehr eine des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit. Das tiroler Land südlich des Brenners ist deutsches Gebiet und wird es hoffentlich immer bleiben; denn die dortige Bevölkerung ist mit Ausnahme der eingewanderten Agitatoren, durchweg ursprünglich deutsch, wie die Namen der Ortschaften Fersental, Neumarkt, Auer, Schwarzkofel, Fleimser- Jöchel, Rohjoch, Klausen, Klobenstein, Obermais, Wolkenstein, Hauenstein, Kaltern, Metz usw. ufiv. beweisen. Auch die heute verwclscht klingenden Namen wie Ravereto und Folgarina lauten richtiger Rohfreit und Folgreit. Die Verwelschung dieser Gebiete wird von Norditalien aus ganz planmäßig betrieben, und findet leider eine starke wirtschaftliche Stütze darin, daß der südtiroler Weinhandel fast ausschließlich in welschen Händen liegt. So wichtig dieser Erwerbszweig für das Land ist, so bleibt dies aber doch itoch weitmehr auf den Fremdenverkehr angewiesen, und in dieser Hinsicht hat unser Volk leider nicht die richtige verständnisvolle Entschlossenheit bewiesen. Es wird voraussichtlich auch jetzt nicht an Stimmen fehlen, die dem Professor Edgar Meyer seinen Besuch der deutschen Sprachinseln zum Vorwurf machen. Das würde den Gipfel der Verkehrtheit bedeuten. Im Gegenteil müssen die Vorgänge von Fersenthal eine Mahnung mehr an alle deutschen Tirolreisenden bieten, die politische Ge- meinbürgschast und Blutsverwandschaft mit der
Bevölkerung dieser Perle des deutschen Südens immer lebhafter und immer entschiedener zu betonen, um den welschen Mob in seine Schranken zu verweisen. Denn nur deswegen konnte dieser so dreist auftreten, weil die Gleichgültigkeit eines großen Teiles der Reichsdeutschen ihn in der Auffassung bestärkte, daß die schwächliche Politik der österreichischen Regierung auch die Billigung des deutschen Volkes fände.
£:nt$ev Nc;ch.
— Zur Kaiserbegnung in Swinemünde. Der Kaiser ist gestern Nacht bei Swinemünde eingetroffen. Der Zar hat von Kronstadt aus die Reise dorthin aitgetreten. — Wie weiter berichtet wird, hat sich der Reichskanzler Fürst Bülow nach Spinemünde begeben, desgleichen der Staatssekretär von Tirpitz, sowie der Chef des Marineadmiralstabes Admiral B L ch - s e l. Als Vertreter des Auswärtigen Amtes wird der preußische Gesandte in Darmstadt. Frhr. v. Ionisch der Kaiserbegnung beiwohnen.
— Reichskanzler Fürst Bülow hat durch ein an den preußischen Minister des Innern gerichtetes Schreibet, an alle Polizeiorgane des Reiches die Mitteilung gelangen lassen, daß er es grundsätzlich ablehnt, Strafanträge wegen Beleidigung seiner Person zu stellen. Der Reichskanzler wünscht zwar die Vorlage und Anzeige derartiger Fälle, verzichtet aber von vornherein auf deren Verfolgung. Den Anlaß zu diesem Entschlüsse hat das Ersuchen einer mitteldeutschen Polizeiverwaltung auf Strafantrag gegen einen sozialdemokratischen Redakteur gegeben.
— Das preußische Handelsministerium hat beschlossen, vorläufig keine weiteren Handelshochschulen mehr zu genehmigen, da cs nicht wünschenswert sei, die bisher erzielten erfreulichen Erfolge durch eine über das Bedürfnis hinausgehende Vermehrung zu gefährden. Danach wird die im vorigen Jahre ins Leben gerufene Handelshochschule Berlin für absehbare Zeit, die letzte sein, welche die ministerielle Genehmigung erhalten hat. Damit soll nicht ausgeschlossen sein, daß Abendkurse über eine Reihe von Gegenständen des handelshochschulmäßigen Unterrichts auch die Unterstützung des Ministeriums finden, ohne daß damit die Errichtung einer wirklichen Handelshochschule beabsichtigt würde. Zum ersten Male sind diese Grundsätze bei. der Einrichtung der Handelshochschule in Königsberg i. Pr. durchgeführt worden.
— Dcrnburgs Ankunft in Deutsch-Ostafrika. Kilindini, 1. Aug. Der Rcichspostdarnpfcr „Feldmarschall" mit dem Staatssekretär Dern- turg an Bord ist heute hier cingetrofsen. An Bord ist alles wohl.
— Vorpatentierung für Seeoffiziere. Set« lin, 1. Aug. Eine kaiserliche Kabinettsorder stellt in Anerkennung des hohen Wertes, de« eine abgeschlossene Schulbildung für den See« offizierberuf hat, den als Abiturienten eintrec lenden Seekadetten eine spätere Vorpatenkirc rung als Seeoffizier in Aussicht. Die besonder« Anforderungen des Seeoffizierberufs lassen cf notwendig erscheinen, die Vorpatentierung auch von guten praktischen Leistungen während bet Dienstzeit als Leutnant zur See abhängig zu machen und sie ferner so zu legen, daß die Ausbildungszeiten für den jungen Offizier nicht gekürzt werden. Es soll deshalb den günstig beurteilten, als Abiturienten eintretenden Leutnants zur See bei der Beförderung zum Oberleutnant zur See durch Vorpatentierung ein Vorteil gewährt werden. Aus den Einzelbe- stimmungen ist hervorzuheben, daß die neugeregelte Vorpatentierung zuerst für den See« kadetten-Jahrgang 1909 in Kraft tritt. — Im Heere erfolgt bereits für die Abiturienten bei der Ernennung zum Leutnant eine Vorpatentierung.
— Erörterung schwebender Eisrnbahnfragsn. Stuttgart, i. August. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten, Staatsminister Breitenbach, der gestern und vorgestern hier weilte, hatte, wie der „Staatsanzeiger" meldet, am 30. Juli mit dem Chef der württem- bergifchen Eisenbahnverwaltung Minister Dr. v. Weizsäcker eine längere Unterredung, bei der eine Reihe zur Zeit schwebender Eisenbahnfragen in einer den freundschaftlichen Beziehungen beider Verwaltungen entsprechenden Weise zur Erörterung kamen.
— Die bedingte Begnadigung. Preußen Hal bekanntlich im Jahre 1895 die bedingte Begnadigung eingeführt. Vom Tage der Einführung, dem 23. Oktober 1895, bis zum 1. Januar 1907 ist in mehr als 70 000 Fällen dieser Strafaufschub bewilligt worden und zwar von Jahr zu Jahr in steigendem Maße, sicherlich ein Beweis, daß sich die Einrichtuitg bewährt hat. Da d» Probezeit der Verurteilten je nach den Umständen verschieden lang ist — sic kann bis zu fünf Jahren ausgedehnt werden — waren am 1. Januar erst nahezu 47 000 Fälle erledigt und zwar 35 744 derart, daß dem Verurteilten wegen seiner guten Führung die Strafe erlassen wurde. In nicht ganz 10 000 Fällen mußte die Strafe vollstreckt werden, weil der bedingt Verurteilte während der Probezeit rückfällig geworden war. Das Segensreiche der Einrichtung tritt also deutlich zutage: Nahezu vier Fünftel der Verur- • teilten hat die Mauern des Gefängnisses vermieden.
— Ueber den Beginn der nächsten preußischen Landtagstagung gehen gegenwärtig Nachrichten durch die Presse. Daß darüber noch leit.
schleierte Augen immer tief in den Höhlen lagen dessen scharfe Züge von einer ziemlich verlebten Jugend zu erzählen schienen, sahen heute ganz besonders verfallen aus. Die Hand, welche die Flasche hielt, aus der er sich soeben das Glas von neuem füllte, zitterte Bei ihrem Anruf so heftig, daß sich der rote Wein über das Tischtuch ergoß.
„Was willst Du von mir? Warum schaust Du mich so forschend an? Was glaubst Du an mir zu sehen?" fuhr er sie an.
„Daß Du Dich um Gertrud ängstigst," sagte sie eingeschüchtert, rief dann aber aufspringend und die Hände ringend: „Lothar, Lothar, ich kann's jetzt vor Angst nicht mehr aushalten, ihr muß ein Unglück zugestoßen sein."
„Das fürchte ich schon lange," sagte er dumpf und erhob sich ebenfalls, „ich wollte Dich nur nicht ängstigen, so lange ich doch noch hoffen konnte, daß meine Besorgnis sich als unbegründet erweise. Aber jetzt —“
Wie zur Bekräftigung seiner Worte schlug im Balkonzimmer die Uhr.
„Zehn!" schrie Frau von Melnik; „zehn Uhr, und Gertrud immer noch nicht da. Es muß etwas geschehen. Latz uns hinaus!"
„Aber wohin?" ■
„Gleichviel, nur fort, schon viel zu lange haben wir gesäumt!"
Sie eilten an den Elockenzug und setzten ihn so stürmisch in Bewegung, daß der Diener und das Stubenmädchen gleichzeitig herein in das Zimmer stürzten, während die Köchin, die ebenfalls heraufgeeilt war, an der Türe stehen blieb.
„Meine Schwester, das gnädige Fräulein, ist voit ihrem Nachmittagsspaziergang ttoch nicht heimgekehrt; wir müssen uns alle ausmachen und sie suchen!" rief Frau von Melnik und brach in heftiges Schluchzen aus.
„Ruhig, ruhig, liebe Melitta," mahnte ihr Gatte und warf sich in die Brust, „wir müssen das planmäßig betreibet. Rufen sie auch den Kutsch« und den Gärtner herauf, Friedrich."
„Verzeihen Sie, gnädiger Herr, die beiden sind schon über eine Stunde fort und suchen das
gnädige Fräulein," fiel rasch vorspringend die Köchin, eine schon ältere Person von sehr gesetztem Wesen, ein.
„Sie sind fort, ohne meinen Befehl?" rief auffahrend Herr von Melnik. „Wer veranlaßte sie dazu?"
„Ich, ich," antwortete die Köchin. „Als Dorothee," sie wies auf das Stubenmädchen, „so gegen halb neun Uhr sagte, cs könne noch nicht gegessen werden, weil das gnädige Fräulein noch nicht zurück sei, ward mir himmelangst; alle fünf Minuten Bin ich hinausgelaufen und habe nachgesehen, ob sie noch nicht käme. Als es neun schlug, da konnte ich es nicht mehr aushalten; ich rief Sander und Halbentz und sagte, sie möchten sich aufmachen und sehen, wo Fräulein Gertrud geblieben wäre.
„Das ist eine große Eigenmächtigkeit," begann Herr von Melnik, aber seine Frau fiel ihm ins Wort. Alle Scheu, welche der ihr so weit überlegene Gatte ihr sonst einflößte, war von ihr gewichen durch die sie jetzt mit elementarer Gewalt überflutende Angst.
„Nein, nein, sie hat recht gehandelt, Sie haben getan, was wir schon lange hätten tun sollen, Sie haben Ihre Treue bewiesen."
„Und um Ihrer Treue willen sei Ihnen diese Eigenmächtigkeit verziehen," versetzte Herr von Melnik salbungsvoll. „Wissen Sic, wohin sie sich gewandt haben?"
„Halbentz wollte durch den Wald nach Plön zu gehen, und Sander ist nach dem Dieksee hinunter," berichtete Dorothee, das Stubenmädchen. „Sie wollten auch unten an der Eisenbahnstation fragen, ob irgend jemand das gnädige Fräulein gesehen hat."
„So wollen wir nach Malente und dem Uk- lcisee zu," sagte Herr von Melnik zu dem Diener.
..Ich gehe mit Dir!" rief seine Frau, sich an seinen Arm hängend.
„Nicht doch, Kind," entgegnet er, sie sanft abschüttelnd, „Du kannst gar nichts nützen, sondern würdest uns nur ein Hindernis bei rmseren Nachforschungen werben.*
„Ich kann aber nicht hier bleiben, ich sterbt vor Angst. O, Gertrud, Gertrud, wo bist Du? Hast Du Dich verirrt? Bist Du verunglückt? Hat eine verruchte Hand Dich gemordet? Hast Du selbst —“
„Schweig'? Rede nicht so wirres Zeug!* schalt ihr Gatte, aber sie ließ sich nicht beschwichtigen.
Nur mit großer Mühe, und nachdem die Köchin, das Stubenmädchen und die inzwischen auch herbeigekommene Bonne ihr feierlich versichert hatten, sic würden sie keinen Augenblick allein lassen, willigte Frau von Melnik darein, in der Villa zurückzubleiben, aber sie bestand darauf, nach dem Balkon zurückzukehren. Sie behauptete, es sei ihr, als müsse die Decke des Zimmers über ihr zusammenstürzen, sie müsse ink Freien sein und lauschen, ob nicht ein Ton an ihr Ohr schlage, der ihr verkünde, daß man die Vermißte gefunden habe und ihr zurückbringe.
Es war eine schöne stille Julinacht, eine jener Nächte, durch welche noch ein Schein des Sonnenlichtes hindurchzuzitteril scheint, sodaß bi< Sterne nur matt leuchten und doch nicht volle Finsternis die Erde deckt. Ein frischer Erdgk ruch, hervorgerufen durch dcn auf die sonnenc -durchwärmten Felder und Wiesen fallende«! Tau, stieg zu dem Balkon empor, auf welchen die Dienerinnen ihre jammernde Herrin Tücher und Decken gewickelt auf einen bequemen Lehnstuhl gebettet hatten. Sie hatte sich anfänglich sehr dagegen gesträubt und darauf bestanden, sie wolle auf einem eisernen Gartenstuhl sitzend die Stunden durchwachen, bis ihr Kunde von ihrer Schwester würde, sie war 5en Balkon auf und ab gerast, und dann doch ermattet in den Lehnstuhl gesunken. Einem Kind«! gleich, hatte sie sich dort in den Schlaf gemein^ aus dem sie von Zeit zu Zeit auffuhr, fragend,' was es an der Zeit fei, und in erneutes Jammern ausbrechend, bis der Schlummer sich roten der auf ihre Augen senkte. q
.. (Fortsetzung folgt.)