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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchkaiu.
SonntaasbeUaae: Alluftrirtes J
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Druck und Verlag' J o h. Aug. Koch, UnivcrsttätS-Buchdruckerri Marburg, Marlt 21. — Telephon 55.
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Marburg
Mittwoch, 81. Juli 1907.
Zweites Blatt.
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Abnahme der Landflucht?
• „ In der Zeitschrift des Kgl. Preußischen Sur- tisiischLN^ Landcsamts wurde vor kurzem eine Untersuchung über „Binnenwanderungen“ von Dr. Brösicke veröffentlicht, die sich vor allem mit der Frage der Landflucht besaßt. Diese Unter« srichung ist auch mehrfach in der Presse zu weiteren Schlußfolgerungen verwertet worden. Sie behandelt jedoch nur das preußische Staatsgebiet und nur die Zeit von 1895 bis 1905. Für diese Zeit glaubt Dr. Brösicke eine Abnahme der Landflucht konstatieren zu können. Es hätte danach 1895 bis 1900 das Land einen Wanver- unqsvcrlust von rund 1 Million Menschen gehabt, 1900 bis 1905 dagegen einen solchen von rui'd 50Y 000. Unter Land ist jedoch nicht die landwirtschaftliche Bevölkerung, sondern die Bevölkerung der sogenannten ..ländlichen Kreise", die einen Wanderverlust hatten, verstanden. Diese ländlichen Kreise aber bergen zum Teil heute schon einen betracht- l i ch c n Teil der g c w e r ö l i ch en Bevo L- f er u ug in s i ch. Sogar in den Orten mit weniger als 2000 Einwohnern werden heute mehr als 5 4 der Bevölkerung durch gewerbliche Tätigkeit ernährt. Demnach kann sehr wohl innerhalb jener ländlichen Kreise, auch wenn sie im ganzen an Menschen verloren haben, doch eine Zunahme der gewerblichen auf Kosten der lai'dwirtichaftlichen Bevölkerung stattgefunden haben. Dies wird sogar wahrscheinlich durch die Beobachtung, daß die Industrie tatsächlich mehr und mehr aufs Land drängt.
Es läßt sich aber nun auf Grund der Berufszählungen von US82 und 1895. sowie auf Grund der Zahlen der Krankenkassenmitglieder für die Zeit bis Mitte 1904 eine genaue Kenntnis von dem Umfange der Landflucht für ganz Deutschland gewinnen., Im Juni 1882 betrug die deutsche Landarbeiterbe- vijUcrung 10,02 Millionen, die gewerbliche Ar- hetrtrbevölkcrnng nicht viel mehr, nämlich 11,28 Millionen. In den nächsten 13 Jahren schon hat sich dies Berhältnis völlig geändert. Im Juni 1895 zählte die gewerbliche Arbeiterbevöl- kerung 16,37, die Landbevölkerung 8,78 Millionen Menschen. Im Weg'der rein natürlichen Vermehrung, durch den Geburtenüberschuß, wäre die Landbevölkerung auf mindestens ll1/,, die gewerbliche Arbeiterbevölkerung auf höchstens 13 Mitt io ne angewachsen. Von ihrem natürlichen Zuwachs hat also die Landarbeiterbevöl- keruug im genannten Zeitraum 2,72 Millionen verloren, dagegen die gewerbliche Arbeite ftvöl- kerung über ihren natürlichen Zuwachs hinaus 3,41 Millionen gewonnen. Dieser Gewinn besteht zu aus den 2.72 Millionen abgewan- derten Landarbeitern und nur zu V, aus Nachkommen von Kleingewerbetreibenden usw. Hieraus geht gleichzeitig hervor, das; die Land- s l l! ch t ce ist, die vor allem das Anwachsen des i n d u st r i e l l e n Proletariats fördert, nicht aber, wie uns die Sozialisten glauben machen wollen, die Ueberlegenheit der industriellen Groh- über d i e Kleinbetriebe.
Wie hat sich die Landflucht seit 1895 nun weiter entwickelt? Wir wissen, daß von Mitte 1895 bis Mitte 1900 die Zahl der Kranken- kastenmitglieder im Deutschen Reiche — und diese enthalten die Hauptmasse der gewerblichen Arbeiter — sich vermehrten von 7,52 auf 9,52 Millionen, also um 27 Prozent. Danach dürfte die gewerbliche Arbeiterbevölkerung Mitte 1900 20,7 Millionen betragen haben, und weiter berechnet sich diese Bevölkerung für ‘Mitte 1904 in ähnlicher Weise aus 23,29 Millionen. Aus diesen Zahlen lässt sich weiter mit ziemlicher Genauigkeit — unter der Annahme, daß ♦/, des Wanderungsgewinnes der gewerblichen Arbeiter vom Lande stammen — der Ilmfang der Landflucht von 1895 bis 1904 erkennen. Die Landwirtschaft hat danach im Jahresdurchschnitt folgende Menschenmengen verloren: 1882/95: 209 600, 1895/1900: 4S8 090 und . 1900/04: 270 Wy. Wir sehen also, daß, wenn auch 1900/04 der Umfang der Landflucht geringer war als 1895/1900, er den von 1882/95 immer noch er
heblich übertraf. Natürlich must der Umfang der Landflucht mit der industriellen Konjunktur schwanken. Diese hat 4—5jährige Perioden des Ueberslusses und 5—6jährige Perioden des Mangels in fast regelmästiger Wiederkehr zu verzeichnen. Die Jahre 1895/1900 gehören ganz überwiegend einer Periode des Ueberslusses an, die Jahre 1900/04 dagegen ebenso überwiegend einer solchen des Mangels. Und die Jahre 1882/95 waren zu einem grasten Teil doch keine besonders ungünstigen. Trotzdem war in der letzten Periode (1900 04) die Landflucht immer noch stärker als in der ersten. Gegenwärtig (seit vorigem Jahre) befinden wir uns wieder in iner überaus günstigen industriellen Kon- juiittur, die wiederum — nach den bisherigen Erfahrungen — noch 4 Jahre anzuhalten verspricht. Diese Beriode dürfte dem Lande wiederum a l l j ä h r l i ch mindestens 500 600 Menschen entziehe n. In dieser Zahl sind nur die Arbeiter, nickt auch die abgewanderten Kinder selbständiger Landwirte miteinbegriffen. Deren Zahl wird man. erst.aus. den Ergebnissen der eben stattgehabten Berufszählung erkennen. Die Hauptbedeutung wird immer der Abwan- berung der Landarbeiter zukommen.. Diese Be- völkerungsklasse, die 1882 noch fast die Hälfte der gewerblichen Arbeiterschaft betrug, ist heute dieser gegenüber aus weit unter zurückge- gan.gsn. Die gewerbliche Arbeiterschaft umfaßte bereits Mitts 1904 fast -/. der Eefamtvevöl- kerung des Reichs, heute, wohl nicht viel weniger als die Hälfte.
Aus diesen Zahlen aber geht auch schon hervor. doch allerdings schließlich die Landflucht ab- nehmen wird. Wenn schon heute die Landarbeiterbevölkerung nur kaum noch V,« der Reichsbevölkerung ausmacht, so wird sie bald nicht mehr in der Lage sein, solche Mcnschenmajsen an die Industrie aozuliefern wie heute. Hierin liegt so wenig ein Trost, wie für einen, der nach und nach ein Vermögen verspielt, in der Tatsache, daß seine Verluste zum Schlüsse geringer werden. Es besteht zweifellos bei der Regierung heute die Neigung, die Dinge in möglichst wenig trübem Lichte anzusehen. Dem tragen die aus der Arbeit von Dr. Brösicke gezogenen opti- mistischen Schlußfolgerungen Rechnung. Demgegenüber schien es geboten, durch einen weiteren Uebsrblick die Tatsachen in ihrem wirklichen Lichte zu zeigen. Ohne hier auf die Art und Weise irgendwie eingehen zu können, wie diese ungeheuere Landflucht wirksam zu be- küinpfen wäre, wollen wir jedenfalls betonen, daß eine abwartende, mit mehr oder weniger Erhebungen und Experimenten verknüpfte Haltung nicht am Platze ist angesichts der Tatsache, doch während dieses Abwartens jährlich y> Million Menschen dem Lande auf Nimmerwieder- kebr verloren gehen, und dost diese den Hauvt- faktor sozialdemokratischer Unzufriedenheit, die gewerbliche Arbeiterschaft, in einer Weise mehren, das; sie schliestlich einmal die Mehrheit der Bevölkerung umfassen könnte.
Tultjchrs Reich.
— Die Neichseinnahmen im ersten Quartal 1997. Für das erste Viertel des laufenden Finanzjahres liegen die Ergebnisse der Einnahmen aus den wichtigeren Steuerquellen des Reich es vor. Was zunächst die Zölle und Verbrauchssteuern betrifft, so schneiden sie glücklicherweise gegenüber dem Erat güustig ab. Sie haben insgesamt, wenn man die nicht im Etat aufgeführte Brenn- fteuer forrlüstt, 260,6 Millionen Mark aufgebracht. Im Reichshaushaltsetat für 1907 betrügt der Ansatz für ein Vierteljahr 247,6 Mill. Mark, sodast sich insgesamt ein Mehr gegen den Etat von 13 Millionen Mark ergeben bat. Zu dem Mehr tragen in erster Reihe die Zölle und zwar mit 12,5 Millionen Mark bei. Leider handelt es sich hier hauptsächlich um Mehreinnahmen aus den landwirtschaftlichen Zöllen, die dem Hinterbliebenenversicherungsfonds zuzuführen sind, also zur Vesierung der Ergebnisse der Reichskasse nicht führen werden. Die Branntweinverbrauchsabgabe hatte ein Mehr von 6,8 Millionen, die Zuckersteuer von 0,6, Zigaretten- und «alzsteuer von je 0,1 Million abgeworfen. Dagegen haben gegen den Etatsanschlag ein Weniger zu verzeichnen gehabt die Maischbottichsteuer in Höhe von 4,8, die Vrausteuer von 1,8 und die Tabaksteuer von 0,5 Millionen Mark. Einem Mehr von 20,1 Millionen steht danach ein Weniger von 7,1 Millionen Mark gegenüber, woraus die oben angegebenen 13 Millionen Mark Ueberschust hervorgehen. Da bei der Maischbottichsteuer die Einnahmen erst in den letzten Monaten des Finanzjahres reichlich fliehen, ist das Verhältnis der wirklichen Ein- nahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern gegenüber dem 'EtStsansatz noch gütqtiger, als in dem Ueberschust von 13 Millionen Mark schon in die Erscheinung tritt. Von den weiteren Einnahmequellen des Reiches kommen zunächst die _ben Einzelstaaten zu überweisenden Reichs
stempelabgaben in Betracht. Die Börsen- (teuer hat einen Ertrag von 13,2 oder 1,2 Millionen Mark über den Etatsanschlag, die L 0 s e st e u e r 8,9 oder 0,8 unter dem Etatsanschlag abgeworfen. Das Endergebnis ist hier immer noch ein Ueberschust von 0,4 Millionen Mark. Auch die Reichseisenbahnver- w a 11 u n g hat mit ihren 29,9 Millionen Mark Einnahmen im ersten Viertel des laufenden Finanzjahres gegenüber dem Etatsanschlag immer noch einen Ueberschust von 0,4 Millionen Mark zu verzeichnen. Dann aber beginnen die Mindererträge. Zunächst kommt dabei die P 0 st v e r w a l t u n g in Betracht. Sie hat 137,7 Millionen erbracht, sollte ober nach dem Etat 152,5 Millionen abwerfen. Das Er- gebnid ist demnach ein Fehlbetrag von 14,8 Mill. Mark. Hier ist indessen immer noch auf eine Besserung in weiteren Monaten des Finanzjahres zu rechnen. Im ersten Semester sind die Posteinnahmen nicht so grost wie im zweiten. Die neuen Steuern haben aber ein Ergebnis gehabt, dast sich leider wohl nicht durch die spateren Einnahmen wird stark .bessern lassen. Sie haben'insgesamt 14 Millionen Mark, und zwar die Frachturkunden 3,2, die Personenfahrkarten 3,9, die Kraftfahrzeuge 0,3, die Auf- sichtsratsmitgliedervergütunaen 2,0 und die Erbschaftssteuer 4,6 Millionen Mark erbracht. Nach dem Etatsansatz beläuft sich der Vierteljahrsertrag aber auf rund 23 Millionen Mark, sodast mit einem Fehlbeträge von rund 9 Millionen Mark gerechnet werden must. Nur der K-racht- urkundenstempel hat einen kleinen Ueberschust zu verzeichnen gehabt, alle übrigen neuen Steuern schliessen das erste Vierteljahr 1907 mit einem Fehlbeträge ab, darunter die Erbschaftssteuer mit einem solchen von 4,4, der Stempel für Fahrkarten von 3,7 Millionen Mark. Zieht man die Endsumme, so steht einem Mehr von 13,8^ Millionen Mark bei Zöllen und Verbrauchssteuern, Börsen- nnb Losesteuer, sowie Eisenbahnverwaltung ein Weniger von 23,8 Mill. Mark bei Postverwaltung und neuen Steuern gegenüber. Im ersten Viertel des Finanzjahres 1907 ist also bei den ausgezählten Einnahmequellen des Reiches ein Fehll, etrag von 10 Millionen Mark gegen über dem Etatsanschlage fesitz u st e l l e n.
— Wohin fliesten die Arbeitergrofchen? Aus der zum Herbste erscheinenden neuen Bearbeitung des politischen Handbuches der national- liberalen Partei entnimmt die „Nat.-lib. Corr." den folgenden sehr wichtigen Aufsatz übet die Belastung der Arbeiterschaft durch Cewerk- schafts- und Parteibeiträge: Wenn die Arbeiterschaft, insbesondere die der sozialdemokratischen Partei anhängende, in Deutschland unter einer Steuerlast zu seufzen hat, die unter Umständen bis zu einer vollständigen Absorbierung der in den letzten Jahrzehnten eingetretenen Lohnsteigerunge 11 geht, so ist es diejenige durch die poli- ; tische Partei und durch die sozialdemokratischen Gewerkschaften. Das Eintrittsgeld für die Gewerkschaften schwankt zwischen 50 Pfennigen und 2 Mark, die Wochenbeiträge schwanken zwischen 20 und 140 Pfennigen, auf den Durchschnitt berechnet betragen sie 44 Pfennige, ein Beitrag, der sich in Zukunft eher noch erhöhen als vermindern dürfte. Dazu kommen Lokalzuschläge, Gau- oder Vetzirkszuschläge, Kreissteuern. Delegiertensteuern, Extrasteuern., Kartellsteuern, Beiträge für das Ärbeitersekretariat und dergleichen mehr. Die gesamten Abgaben der Gewerkschaftsmitglieder an ihren Verband unter gleichzeitiger Berücksichtigung des Aufwandes für gesellige Veranstaltungen sind von einer Seite auf 2 Mark die Woche berechnet worden, was sicher nicht zu hoch ist. Rechnen wir ober, dast die wöchentlichen Abgaben mit Einschluß von Vergnügungen nur i Mark betragen, so wäre dies schon immer eine Jahresausgabe von 52 Mark und bedeutet also, wenn man das Durchschnittseinkommen des Arbeiters auf 1000 Mark ansetzt, eine direkte Einkommensteuer von 5,2 Prozent, ein Satz, den die Staaiseinkommen- fteuer in Preußen bekanntlich selbst bei Millionen-Einkommen überhaupt nicht kennt, da sie 4 Prozent überhaupt nicht übersteigt und vor allem die gesamten Einkommen bis 900 Mk., d. i. das überwiegende Gros der Arbeiterbevölkerung, vollkommen steuerfrei bleiben. Zu diesen Gewerkschaftsabgaben, denen man trotz ihrer enormen Höhe eine Art Berechtigung nicht absprechen kann, da sie ja, wenigstens im Prinzip, zur Förderung der wirtschaftlichen Interessen dienen sollen, treten aber bann noch vor allem hinzu die Anforderungen, welche die sozialdemokratische Partei als politische Organisation an den schmalen Arbeitshaushalt stellt. Hier ist die direkte Steuer in der Regel auf 25 Pfennig Den Monat, also jährlich 3 Mark bemessen. Indessen ist bas nicht bie Hauptsache. Denn die „freiwilligen Sammlungen“, die allenthalben in Fabriken, Werkstätten und bei allen Gelegenheiten ins Werk gesetzt werden, dürften im Jahre schon mindestens das Fünffache der birttren Parteisteuer erreichen. Dazu
kommen eine große Anzahl von indirekten Steil« ern infolge, des Zwanges, die Vergnügungen bei politischen Verbände nntzumachen, bie Einkäufe bei Parteibudikern, Zigarrenhändlern nsw. vorzunehmen, so dast es sicher nur gering gerechnet ist, wenn inan die Ausgaben insgesamt auf monatlich iy.> Mark, jährlich also 18 Mark bemißt, so daß sich unter Zurechnung der Gewerkschaftssteuern eine Jahresgesamtabgabe von 70 Mark ergibt. Das macht eine Gesamtbesteuerung der Arbeiterschaft von 7 Prozent, eine Zumutung, die alles bas bei weitem übersteigt, was Staat und Gesellschaft selbst von ihren reichster Bürgern und von den höchsten Einkommen ver. langen.
Marburg nnb UlMgci'.d.
^Nachdruck oller Origmolarlikcl ist gemäß § 18 Del Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
.Oberheff. Zig-" gestattet.)'
Mttrbnrrk, 30. Juli.
* Marburger Stubentbn im 17. Jahrhundert. In den soeben im Selbstverlag des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt erschienenen „Beiträgen zur Geschichte der Universitäten Mainz und Gießen" (Herausgeber Julius Reinhard Dietrich und Karl Bader) findet sich folgende auf Akten des Gießener Universitätsarchivs beruhende Schilderung der Zügellosigkeit Marburger Studenten in den Jahren 1643 und 1644: „Einige Studenten besuchen einen einzelnen Pennal, (b. h. einen im ersten Jahre Stubiercnben), lassen sich zu trinken geben, zerschlagen ihm sämtliche Fenster, werfen Tische und Bänke hinaus, schießen beim Gesundheittrinken mit: „Pufferten“ und Pistolen, halten vorübergehende "Soldaten an, werfen auf dem Heimweg einer Witwe die Fenster ein, geraten dann mit Soldaten an» einander; ein Fähnrich haut einem Studenten auf den Kops, wird dafür von den andern bis zum Schloß verfolgt, wo ein Student alle (Soldaten?) Mann für Mann heraussordcrt. Gegen das ungebührliche Steinebauen (mit den Degen) und Jauchzen will Prorektor Schupp einschreiten; einer der Studenten „hat sich alsbald in Positur gestellt, ihm den Degen vorgehalten und gerufen: Er bleibe mir vom Leibe, daß er keine Maulschelle kriege!" Frankfurter Pennäler werden im Hause von der Straße aus belästigt, werfen mit Steinen; dafür werden ihnen bie Fenster eingeworfen; den Sturm auf das Haus verhindert der Prorektor mit der Scharwache. Beckmann von Lippstadt fällt in der Vezechtheit dem daherreitenden Heydwolf von Birmershausen in den Zügel, dieser zieht die Pistole, die aber nicht losgeht, haut dem Beckmann mit dem Degen auf den Kopf, daß die Waffe in Stücke springt. Dazu kam noch die Wirkung des Trunkes: „Dz bierfaufen", schreibt Prorektor Feurborn 1644, „nimpt jetzo überhand, welches hisbevor alhie nicht also gebreuch- lich gewesen ist, und weil cs nicht soviel kostet als der wein, so wird dz saufen jetzo sehr gemein. Die hiesige bierbräwer sollen auch solche fachen \ in dz biet thuen, dardurch den leuten bie köpfe tot gemachet werden. Darauff überladen sie sich mit branbwein und sausen toback und sind bann gleichsam rasend und begehen viel böses." In Marburg taucht denn auch schon damals der Gedanke auf, dem Unfug durch Beschluß eines Reichstages zu Leibe zu gehen. (Frkf. Ztg.)
* Die Ratschläge zur Verbilligung der Ge- päckfracht. Die ..Magdeb. Ztg.“ erhält von der Königl. Eisellbahnbirektion folgende Zuschrift: In der Presse sind in der letzten Zeit unter bet Ueberschrist „Wie man Cepäckgebühren sparen kann“ nsw. im rebaltionelfen Teile Artikel erschienen, in welchen den Reisenden Ratschläge zur Verbilligung der Eepäckfracht erteilt werden, die nicht im Einklang mit den tariflichen Bestimmungen stehen. Zur Vermeidung von Weiterungen für die Reisenden stellen wir er- gebenst anheim, im Interesse Ihrer Leser im redaktionelle,t Teile Ihres Blattes von nachstehender Mitteilung Gebrauch zu machen: Nach der Zusatzbestiminung 3 (1) zum Varagiavhen 32 der Eisenbahn-Verkehrsordnung — Seite 25/26 des Eisenbahn-Personen- und Eepäck- tarifs Teil 1 — ist bei der Aufgabe von Reisegepäck im Gesamtgewicht bis zu 200 Klg. auf einen Geväckschein eine Anrechnung der niedrigeren Gepäckfracht für die Vorstufe auf die um eins verminderte Anzahl mehrerer zusammen vorgelegter Fahrkarten nur dann zulässig, wenn cg sich bei den vorgelegten Fahrkarten um zu« summengehörende und nach einer Bestimmungs« station reisenden Personen handelt. Nicht bi- Fahrkarten an sich geben also das Recht auf Vs« förberung von Gepäck zu gewißen Tarifsätze«, sondern den auf die Fahrkarten reisenden Pe>» fönen wird die Vergünstigung gewährt, ihr GM