mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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W12. 1IO Znsertl»»Sgtbü.hr: di: gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.
Reclamen: die Zeile 80 Pfa.
Marburg
Sreitag. 26. Juli 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, UmvcrsitätEuchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Korea.
Der Kaiser von Korea hat einen Erlaß gegeben, dessen Abfassung erkennen läßt, daß japanischer Einfluß ihn diktiert hat. Es heißt Larin, daß der Entschluß zur Abdankung des Kaisers aus eigenem Willen entsprungen sei und nichts mit fremden Ratschlägen oder Drohungen zu tun habe, denn seit dreizehn IelhrM der Kaiser die Absicht gehabt, dem KrsNMsWm die- Staatsgeschäfte zu übergeben, und er Hube die Generalresidenten ausgesordert, Uebeltäter ift den Schranken zu halten, die etwa sich nutzloser Entrüstung über die Abdankung hingeben sollten. Solcher „Uebeltäter" gibt es nun freilich im Augenblick ziemlich viele, denn in den Straßen von Söul haben in der letzten Woche heftige Kämpfe zwischen der dortigen japanischen Polizei und den koreanischen Truppen stattgefunden. Daß diese mindestens auf die Dauer gänzlich aussichtslos sind, ist ganz klar, und mit der Abdankung des haltlosen Herrschers verschwindet mindestens dem tatsächlichen Einfluß nach die Dynastie I vollständig vom geschichtlichen Schauplätze, den sie über ein halbes Jahrtausend als politische Hintergrunds- figur füllen half. Das „Land der Morgenröte" hat eine wirkliche Selbständigkeit niemals besessen: denn cs stand unter dem wechselnden Einfluß der Ming und der Mandschu. Der jetzt Les Thrones entsetzte J-König hatte im Jahre 1864 als zwölfjähriger Knabe den Thron bestiegen, zunächst unter der Bormundschaft seines Paters, des letzten entschlossenen Sprosses der alten Kriegsdynastie. Unter ihm hatte Korea nach blutigen EhristeuverfolgAngen den Versuch der Franzosen'und' Amerikaner, sich in seinen Häfen festzusetzen, abgeschlagen. Bald aber trat ein Eindringling auf, der gefährlicher war als Franzosen und- "Amerikaner zusammengenom- nien, nämlich Japan. Mit beispielloser Zähigkeit erstrebte dies bereits in den siebziger Jahren die Eroberung Koreas, das seinem starken Ausdehnungsbedürfnisse das nächftgelegene Ziel tot. Nachdem es zunächst Koreas Unabhängigkeit von China anerkannt hatte, mußte es in dem in frischer Erinnerung stehenden russischen Kriege mit den Truppen Kuropatkins den russischen Einfluß über den Palu zurückdrängen. Damit war natürlich Koreas Schicksal besiegelt, und dies fand auch in dem Vertrage seinen Ausdruck, den der japanische Bevollmächtigte, Marquis Ito, am 17. November 1905 dem Kaiser J-Höng vorlegte. Korea begab sich damit jedes Anspruches, seine eigene Politik nach außen hin zu vertreten, und verpflichtete sich, alle wichtigen Maßnahmen der koreanischen Regierung durch Japan kontrollieren zu lassen. In sämtlichen koreanischen Häfen sollen zu diesem Zweck japanische Konsuln mit entsprechender Vollmacht residieren. Auch damals konnte J-Höng nur
41 (Nachdruck verboten.),
Heimweh nach Glück.
Roman von E.r i ch Friesen. (Fortsetzung).
Inzwischen krebst der Detektiv in einem Photographic-Album herum.
„Sehen Sie hier!... Kennen Sie die Dame?"
„Meine Frau," erwidert Rolf mit erzwungener Ruhe. „Doch vor vielen Jahren — als Mädchen, wie es scheint. „Wie kommen Sie zu diesem Bild?"
t „Das ist meine Sache. Soviel will ich Ihnen nur sagen, daß der verstorbene, nein, der — vergiftete Fürst Torlonia dieses Mädchen vor mehr als acht Jahren beleidigte, indem er es abends auf der Straße umarmte und küßte."
Rolf zuckt zusammen. Eine Erinnerung taucht vor ihm auf . . . eine Erinnerung . . . Ja, freilich, jenes Mädchen, das er damals vor den weiteren Belästigungen des skrupellosen Lebemannes behütete — es muß Pia gewesen fein! Er vergegenwärtigte sich die schlanke Gestalt, den Gang, die stolze Haltung des Kopfes . . . und den Schrei, den sie in der ersten Empörung ausstieß . . . Natürlich — sie war es! Cie allein!
„Und wenn es wirklich so wäre," sagt er mit unnatürlicher Ruhe — was sollte das für ein Beweis sein?"
Der Detektiv schmunzelt.
„Ich bin noch nicht zu Ende, Herr Doktor." Er schließt eine Schublade seines Schreibtisches auf und nimmt eine kleine Flasche heraus, die mit einer klaren, hellgelben Flüssigkeit ange- ßüllt ist. „Sehen Sie hier!"
„Was ist das?"
. .Gift."
unter starkem japanischem Druck sich zum Verzichte auf die äußere Selbständigkeit entschließen. Er erklärte, lieber sterben als den Vertrag annehmen zu wollen. Aber beim Anblicke mehrerer in den Palast einmarschierender japanischer Bataillone zo er es doch vor, seine Scheinherrschaft nach Unterzeichnen des Vertrages weiter zu führen, die er denn nun unter gleichem Drucke vollends aufgegeben hat. Zweifellos war es bei der obwaltenden Sachlage ein unerlaubt dummer Streich der koreanischen Regierung, daß sie, im ausgesprochenen Gegensätze zu der im Vertrage vom 17. November 1905 übernommenen Verpflichtung, den Versuch machte, die koreanische Selbständigkeit nach außen hin mit der Entsendung eines koreanischen Gesandten zum Haag zu markieren. Denn Japan ist damit nur ein willkommener Anlaß zu der endgültigen Beseitigung der koreanischen Selbständigkeit gegeben. Ob Japan nach diesen Erfahrungen überhaupt noch den Kronprinzen zur Regierung kommen läßt, oder an dessen Statt irgend einen unmündigen Prinzen als Scheinkaiser einsetzen wird, ist noch ungewiß: man pflegt solche politischen Melonen im Osten nicht auf einmal, sondern scheibenweise zu essen. Die koreanische Melone ist, wie man zugeben muß, für Japan nicht nur schmackhaft, sondern bei seiner Volksüberfüllung ein unabweisbares Bedürfnis. Der große Reichtum der Halbinsel an Bodenschätzen ist für die Japaner, die sich im Geschwindschritt zu einem Industriestaat entwickeln wollest, ganz unentbehrlich. Und mit der Japan eigenen Entschlossenheit wird es diesen einzigen Gewinn des russisch-japanischen Krieges zu seinem ausschließendcn Vorteil aus- zubeuten wissen. Die europäischen Mächte werden vielleicht noch versuchen, das Zugeständnis der berühmten „offenen Tür" in Korea von Japan zu erlangen, doch wird dies eine leere Floskel und politisch ohne.Bedeutung bleiben. Man braucht nur ins Auge zu faflen, wie Japan seine Korea gegenüber eingegangenen Verpflichtungen illusorisch gemacht hat, um vor verhängnisvoller Selbsttäuschung bezüglich der offenen Tür bewahrt zu bleiben. McKenzil hat in seinem Buche über „das neue Korea" hierüber höchst belehrende Aufklärungen gegeben. Man ersieht daraus, wie planmäßig das Land zugunsten der Japaner ausgebeutet wird. Ungefähr 2000 sehr hoch bezahlter Japaner sind im Verwaltungsdienste eingestellt. Alle Verbesserungen, die durchgeführt werden, sind lediglich zum Vorteile der javanischen Ansiedler auf Kosten der Koreaner gemacht worden. Zum Beispiel: die Hafenstadt Chemulpo brauchte eine neue Wasserleitung. Die koreanische Regierung mußte zu diesem Zwecke zwei Millionen Pen (4 Millionen Mark) zu hohen Zinsen von Japan borgen, und die koreanischen Steuerzahler mußten diese Zinsen aufbringen. Für den Ko-
„Eift?"
Der Detektiv zieht den Stöpsel heraus und hält Rolf die Flasche unter die Rase.
„Kennen Sie den Geruch, Herr Doftor?"
„Nein. Aber Opium ist dazwischen. Woher haben Sie die Flasche?"
„Aus der Kommode Ihrer--- Frau!"
„Wa—s?"
„Vergessen Sie nicht, Herr Doktor, daß ich mich nur als Diener in Ihr Haus begab, um Beweise zu suchen. Diese Flasche ist ein Beweis. Der Inhalt enthält dasselbe Eist, welches man in dem Leichnam des Fürsten Torlonia und in dem Flakon, das neben der Leiche lag, vorfand. Hier — vergleichen Sie selbst! Und vergleichen Sie auch die Handschrift auf dem Etiquette des Flakons und auf der Rückseite der Photographie! . . . Run? Habe ich Recht oder nicht?"
Rolf erwidert kein Wort.
Mit zusammengezogenen Brauen starrt er finster auf die erdrückenden Schuldbeweise.
„Nun?" fragt der Detektiv ungeduldig.
„Nu—n?" wiederholt Rolf mit blitzenden Augen.
„Haben Sie mir nichts zu sagen, Herr Doktor? Ich weihte Sie in meine ganzen Pläne ein, legte Ihnen sämtliche Beweise vor und —“
„— und?"
„— und Sie danken mir nicht einmal?"
„Ich — Ihnen danken? Wofür? Daß Sie sich als Polizeispitzel in mein Haus einschlichen? Einen solchen Menschen, wie Sie, müßte man nur mit Glacehandschuhen anfassen. Pfui!"
Mit einer verächtlichen Eeberde wendet Rolf sich zum Gehen.
„Noch eins, Herr Doktor!" Abermals vertritt der Detektiv Rolf den Weg. „Der Herr Marchese Margoni hat zwanzigtausend Lire ausgesetzt für Beweise — für dreißigtausend würde ich diese Beweise Ihnen ablassen und mein Stillschweigen dazu —
reaner existiert unter japanischer Herrschaft noch weniger Gerechtigkeit als unter schwer nun entthronten Dynastier. Mc Kenzil schildert den Zustand der Gefängnisse unter der Herrschaft der Japaner als viel grauenerregender, wie er jemals früher gewesen sei.
Das alles hindert Europa natürlich nicht, die Japaner nach wie vor für die selbstlosen Beglücker des fernen Ostens zu halten! Kenner des gelben Volkes haben sich längst eine zutreffende Meinung gebildet: sie sind, 'wenn dieser Vergleich erlaubt erscheint, die Engländer Astens. Kalt, berechnend, politisch treulos, rücksichtslos und herrenstolz wie diese.
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Deutsches Reich. .
— Kaiser Wilhelm und König Eduard. Eine Begegnung zwischen dem deutschen Kaiser und dem englischen König ist, wie anscheinend halbamtlich verlautet, für die Tage vom 14. bis 16. August vorgesehen. Die Begegnung soll in Wilhelmshöhe stattsinden. Die Einladung König Eduards an Kaiser Wilhelm zum Besuche des Kaisers in England lautet nicht, wie angegeben wurde, auf.die zweite Hälfte des November, sondern auf die erste Hälfte dieses Monats. Der Besuch wird voraussichtlich in dieser Zeit stattfinden. Wahrscheinlich wird die Kaiserin den Kaiser begleiten, doch steht dies noch nicht fest.
— Die Vorarbeiten für den nächstjährigen Reichshaushalts-Etat. In den einzelnen Ressorts des Reiches wird nunmehr die letzte Hand an die Zusammenstellung der Reu- forderungen für den Reichshaushaltsetat 1908 gelegt. Bis zum 1. August müssen alle Neuforderungen dem Reichsschatzamt mitgeteilt sein. Die Aufgabe, die dem letzteren Amte mit der Einfügung dieser Forderungen in den nächstjährigen Etat erwachsen wird, wird in diesem Jahre besonders schwer werden. Daß einzelne Ausgabeposten sich stetig erhöhen, ist bekannt. Zu ihnen gehören schon seit längerer Zeit die Zinsenlast und der allgemeine Pensionsfonds. Bei steigernder Reichsschuld müssen sich auch die Zinssummen erhöhen, und der Pensionsfonds dürfte diesmal auch in Rücksicht auf die neu erlassenen Pensionsnovellen Aenderungen aufweisen. Nun ist zu diesen stetig steigenden Ausgabeposten auch noch die Veteranenfürsorge gekommen. Diese Fürsorge, die ursprünglich dem Jnvalidenfonds überlassen war, hat man vor einigen Jahren auf den allgemeinen Etat übernommen. Die Ausgabe, die dafür einzustellen ist, hat sich von Jahr zu Jahr erhöht und wird wohl auch noch einige Zeit steigen. Auch der Hinterbliebe nenversicherungsfonds hatte im letzten Jahre im Etat eine bedeutende Er-
„Schurke!" knirscht Rolf. „Platz da! Augenblicklich!"
Der Deteftiv rührt sich nicht vom Fleck.
Da packt Rolf die schmächtige Gestalt und schleudert sie in mächtigem Bogen von sich.
Dann schreitet er totenbleich, aber hocherhobenen Hauptes die Treppe hinab.
„Zu welchem Patienten?" fragt unten der Kutscher, als der Arzt seinen Wagen bestiegen hat. „Zum Grafen Borco?"
„Nein. Hinaus ins Freie! Irgendwohin! Rur an die frische Luft! Ich fühle mich nicht wohl."
19.
Abenddämmerung. .
Soeben tauchte die Glutscheibe des heim- gehenden Sonnenballs hinab ins Meer — alles ringsum mit violettem Schimmer überhauchend.
Von fernher dumpfer Glockenschall . . .
In dem Kinderzimmcr der Villa Fortuna drunten am Kai kniet Pia Alsen vor dem Beuchen ihres Lieblings. Sie hat ihm die kleinen Händchen gefaltet und sagt dem Kinde die einzelnen Worte eines kurzen Gebetes vor.
Klein-Carlo vermag sie noch nicht nachzuplappern ; aber seine großen schwarzen Augen blicken verständnisinnig in die der Mutter, denen sie so auffallend ähneln.
Ueber dem Bettchen hängt das Kruzifix. Es dünft Pia der würdigste Platz für das Kleinod.
Zu ihm erhebt sie jetzt die Blicke — gläubig vertrauend--
Draußen Fußtritte.
Die Tür öffnet sich.
Rolf steht auf der Schwelle.
Mit einem Blick umfaßt er das keusche, liebliche Bild von Mutter und Kind.
„Nein, nein!" schreit es in seinem Herzen auf. „Es kann nicht fein! Es ist alle« Lüge, Verleumdung!"
Höhung erfahren. Ob in dieser Richtung weiter« gegangen werden wird, ist allerdings nach beü Erfahrungen, die man im Etatsjahre 1906 gemacht hat, recht zweifelhaft geworden. Ebenso dürfte man jetzt wohl nicht mehr mit so starken Erhöhungen des Reichszuschusses für die Invalidenversicherung zu rechnen brauchen. Früher waren bei diesem Posten allein Ausgabeerhöhungen von 3 bis 4 Millionen Mark zu erwarten. Da aber in letzter Zeit die tatsächlichen Steigerungen in den Rentenausgaben einen ermäßigten Gang angenommen haben, so wird man bei diesem Posten vorläufig wenigstens nicht mehr mit fe starken Erhöhungen zu rechnen haben. Groß genug indessen wird die Summe aller Ausgabeerhöhungen, an die man alljährlich schon gewöhnt ist, doch sein. Dazu kommen nun die für das Jahr 1908 versprochenen oder gesetzlich festgelegten Neuerungen. Unter bin elfteren nimmt die Veamtenbesoldungsver« besserung die erste Stelle ein. Sre wird, wie sie schließlich auch gestaltet werden mag, eine recht große Summe in Anspruch nehmen. Auf Grund des Reichsfinanzreformgesetzes vom Jahre 1906 ist im Etat für 1908 mit der Reichsschuldentilgung zu beginnen. Wie immer man sie auch anfasien wird, ohne eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben ist sie nicht zu denken. So kommen zu den altgewohnten Ausgabesteigerungen neue hinzu. Da» Reichsschatzamt aber hat die schwierige Aufgabe, sie mit den Einnahmen in Einklang zu bringen. Glücklicherweise sind ja auch stetige Einnahmesteigerungen zu verzeichnen, und deshalb wird auch der Reichshaushaltsetat für 1908 bei mehreren Einnahmeposten höhere Beträge aufweisen können. Man muß aber bedenken, daß die hauptsächlichsten Einnahmen, die Zölle, in den letzten Jahren namentlich auf Betreiben des Reichsetats in den Etats schon so starke Erhöhungen erfahren haben, daß es bei Innehaltung bewährter finanztechnischer Grundsätze, immer schwieriger wird, mit weiteren größeren Zollertragsfteigerungen im Etat zu rechnen. Ob sich also hier, selbst wenn man in Betracht zieht, laß sich eine weitere Abbröckelung des Ertrages der Maischbottichsteuer infolge der doch wohl zu erwartenden Nernegel-^ ung vermeiden läßt und der eine oder andere Posten der neuen Steuern kleine Erhöhungen aufweisen kann, größere Summen zur Deckung' der Ausgabensteigerungen werden erzielen las«, sen, steht dahin. Daß bei einer solchen Sachlage die Stellung des Reichsschatzamts schwierig ist, leuchtet ein. Das Schatzamt hat schon itf' früheren Jahren darauf sehen müssen, möglichst' alle nicht unbedingt nötigen neugeforberwit* Ausgaben zu streichen. Bei der Ausstellung de-, nächstjährigen Reichshaushaltsetats wird es wohl noch strenger als früher verfahren müssen.
Jetzt bemerkt Pia den Gatten. j
Rasch erhebt sie sich und eilt ihm entgegen zum gewohnten Willkommenkuß. . I
Als ihre Lippen sich berühren, fühlt jeder,' daß nicht alles ist, wie es sein sollte, daß ein! dunkles Etwas zwischen ihnen schwebt.
Doch keiner spricht.
Schweigend gehen beide zum Abendessen.
„Wo ist Angelina?" fragt Rolf verwundert,! als der Platz bei Tisch leer bleibt. '
„Sie ist mit dem Nachmittagsschiff nach Hause gefahren. Ihr Vater telegraphierte, er habe eine wichtige Nachricht für sie."
Pias Stimme klingt seltsam tonlos, llnb auch Rolf entgegnet gepreßt: „So, so!"
Schweigend verläuft das Abendessen, sonst gewürzt durch lebhaftes Geplauder, Lachen untf Debattieren. - ?
„Wollen wir efh wenig musizieren?" fragt Pia, indem sie aufsteht.
„Nein, nicht heute. Ich habe mit Dir zu. sprechen, Pia!" , ,
Sie blickt ihren Mann an und weiß: es ist, kein kosiges Plauderstündchen, das ihr bevor-' steht.
„Wohin?" fragt sie ernst, „Wohin Du willst."
„So komm in mein Boudoir! Wir find dort, am ungestörtesten." !
Ohne, wie sonst, zärtlich ihren Arm in dem seinen zu legen, schreitet er voran die Treppe hinauf.
Im Boudoir dreht er sofort das elektrische Licht auf und verschließt die Tür.
Pia sinft in einen Stuhl. Ihre Schläfe hämmern.
„Also, Rolf — was hast Du mir zu sagen?"!
Er antwortet nicht sogleich. An ihr vorbei, zum Fenster hinaus aus das Meer blickend, suchH « sich zu sammeln. (Forts, fotgQ z