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Aber mit seiner Mutter ist eine Veränderung vor sich gegangen. Sie hat ihr seelisches Eleich-
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— Die Einziehung der alten Fünszmpsenmg- stücke soll dem Vernehmen nach noch schärfer als bisher betrieben werden. So lange kein angemessener Betrag von dieser Münzsorte mit dem
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verloren, das sie sonst nie, selbst nicht größten Gemütsaufregungen, verliest.
auch Rolf wird von trüben Gedanken
konnte die Mutier an jenem Tage von
Drahtrohre haben in der eigenen Marine bereits vor Jahren auf einer ganzen Reihe von Schiffen schwere Mängel aufgewiesen. Für uns Deutsche hingegen hat es etwas Peinliches, zu wissen, daß unsere besten Geschütze nicht für die eigene Flotte, sondern für die japanische verwandt werden. Denn unsere Admiralität hat sich noch nicht dazu entschlossen, neben unseren langen 28 em-Kanonen die 30,5-Eeschiitze einzuführen. Wie verlautet, wurde mit der „Dradnought" auch versucht, durch Turbinenmaschinen eine größere Geschwindigkeit zu ^erreichen. Wenn dies nicht in allen Einzelheiten gelungen ist, und namentlich die Manövrierfähigkeit des Schiffes noch zu wünschen übrig läßt, so hat doch die Dauerfahrt des Schiffes von Gibraltar nach Trinidad die Richtigkeit des Gedankens erwiesen; denn diese 3400 Seemeilen betragende Strecke wurde bei günstigem Kohlenverbrauch mit einer durchschnittlichen Fahrt von siebzehn Seemeilen zurückgelegt.
In Deutschland dürfte man sich aber schwerlich schon jetzt zur Turbine für Kriegsschiffe entschließen, weil diese die gleichmäßige Manövrierfähigkeit und ein sicheres Verbandsahren erschweren würde. Man ist überhaupt bei uns der Meinung, daß es für Schlachtschiffe nicht in erster Linie auf Schnelligkeit ankomme, sondern daß ihre Hauptaufgabe in ihrer Feuerwirkung bestehe. In dem Bestreben, alles verfügbare Gewicht dem Panzer und der Bestückung zugute kommen zu lassen, wird man auch vielleicht die Dampfmaschine durch den Verbrennungsmotor ersetzen, der die dem Heizmaterial abgewon- nenen Gase für den Betrieb einer Kolben- niafchine ausnützt. Das würde noch den besonderen Vorteil haben, daß die jetzigen Schornsteinanlagen fortfallen, und somit ein vollständig freies Deck geschaffen wird. Auch tn der Entwickelung der Unterseeboote dürfte man jetzt in Deutschland gute Fortschritte machen. Das ist nun freilich einstweilen alles noch Zukunftsmusik, aber sie mag uns doch insofern angenehm klingen, als wir das Vertrauen haben dürfen, in der schiffsbautechnifchen Entwicklung hinter England nicht zurückzustehen; und daß wir unsere Flotte auf einen höheren Standpunkt bringen müssen, wird ja hoffentlich auch immer mehr in der ganzen Nation begriffen werden.
Nun tritt nächst dem Wasser das zweite Element mit immer stärkeren Ansprüchen hervor: die Luft. Die Fahrt des französischen Motorluftschiffes „Patrie", das, wie schon mitgeteilt wurde, am französischen Nationalfesttage, 14. Juli, die Pariser Presse zu begeisterten Ueber- treibungen veranlaßte, zeigt, daß die Franzosen in dieser windigen Angelegenheit heute noch immer so die Führung haben wie zur Zeit des
alten Fritz. Aber bange machen gilt nicht! Wenn sie uns auch vielleicht um fünf Jahre voraus sind, so stellt die von Julliot konstruierte „Patrie" doch noch lange kein brauchbares Kriegsluftschiff dar, und jedenfalls ist man im preußischen Kriegsministerium jetzt eifrig bemüht, das Lebaudy-System zu verbessern, namentlich hinsichtlich seiner Aufrichtung, die bei der „Patrie" mehrere Tage benötigte. Man hofft bei uns, einen Ballon zu konstruieren, der nicht nur für Festungszwecke, sondern für jeden Kriegszweck sich brauchbar erweisen wird. Diese Fortschritte im Luftschiffsbau legen denn auch bereits die Frage nahe, ob die Verwendung von Sprengkörpern aus Luftschiffen gegen Festungen und Truppenteile gestattet, oder ob das internationale Abkommen von 1899, das eine solche Verwendung versagt, erneuert werden soll. Da Frankreich seine Ballons nur zu Festungszwecken verwenden kann, ist es natürlich im Verein mit den ihm befreundeten Staaten für die Verlängerung jenes Abkommens. Deutschland dürfte dem kaum ohne weiteres zustimmen; denn die Verwendbarkeit des lenkbaren Luftschiffes als Ängrijfswaffe gegen Festungen und Truppenkörper beansprucht eine sorgfältige Beachtung, zumal diese Luftdrachen eine starke moralische Erschütterung auf den Feind ausüben können, solange nicht zu ihrer Beschießung sicher wirkende Geschütze konstruiert sind.
Wenn wir also einerseits zur See und in der Luft technisch unseren Gegnern schlank folgen, so fußen wir andererseits um so sicherer auf dem wichtigeren Boden des festen Landes: Da macht uns immer noch kein Heer der Welt den p r e u sti s ch en O ff!- zier und alles, was dazu gehört, nach, wie jeder Blick , auf die Zerbröckelung des' militärischen Geistes in den Nachbarländern beweist. Alles dies ist aber freilich nur zu erhalten, solange wir auch das Land als gesunden Mutterboden unserer Volkskraft und Wehrkraft uns erhalten. Mögen unsere Staatslenker dafür sorgen, daß, wenn einmal das vierte Element ausbricht und die Kriegsfurie in einem großen Weltfeuerbrande losrast, das deutsche Volk und das deutsche Heer fest im heimischen Mutterboden wurzeln. Dann werden wir getrost Feuer kommandieren und auch das vierte Element meistern können.
Deutsches Reich.
— Der Bundesrat hat Aenderungen in den Bralrntweinsteuer - Ausführungs
K r.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Slug. Koch, Universitätr-Buchdruckerä 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon 55.
ihrem kranken Kinde auf Stunden fortgehen, ohne zu sagen, wohin?
. Noch nie hatte sich auch nur der Hauch eines Zweifels an der Lauterkeit des Charakters seiner Gattin in ihn: geregt. Jetzt auf einmal — er schillt sich selbst, daß ihm solche Gedanken kommen — füllt ihm manches an Pia als unerklärlich auf. Warum spricht sie nie über ihre Vergangenheit? Weshalb vermeidet sie jede Erwähnung ihrer Eltern?
Doch Rolf's Liebe und Vertrauen zu seinem Weibe sind so groß, daß er auch diese plötzlich auftauchenden Zweifel überwindet; er weist aus eigener Erfahrung, wie leicht ein völlig Unschuldiger durch sonderbare Verkettung der Umstünde in falschen Verdacht kommen kann.
Mit fast noch erhöhter Aufmerksamkeit umgibt er deshalb Pia, umso mehr, dä er sicht, daß sie selbst leidet.
Seit einigen Tcgen weilt in der Villa Fortuna ein seltener Besuch: Angelina Morgano.
Das eigentümliche Mädchen, das sich seit Rolfs Verheiratung ausfallend von dem jungen Paare zurückgehalten, schrieb auf einmal selbst, sie wolle einige 'Wochen in der Villa Fortuna zubringen.
5Lüjx nimmt hie Nachricht ziemlich gleichgül
Marburg
Dienstag. 23. Juli 1907.
„Daß ich Dich haßte! Dich, die Du mehr wert bist, als hundert Frauen meines Schlags!"
Pia zieht einen Stuhl heran und setzt sich neben das aufgeregte Mädchen, die kleinen, zitternden Hände fest in den ihren haltend.
„Du haßtest mich, Angelina? ... Warum?" „Weil — weil--“
Angelina zögert, um gleich darauf hastfi sich überstürzend, hinzuzusetzen:
„Weil ich Dir — Rolf nicht gönnte!" „Angelina!"
„Ja, Pia!" fährt Angelina erregt fort. „Ich gönnte ibn Dir nicht. Und jetzt, da das Thema einmal berührt ist, last mich Dir alles sagen! Du denkst, ich habe in meinem Leben noch nicht viel an Kummer und Leid erfahren? ... O. Pia! Als mein Bräutigam plötzlich kurz vor der Hochzeit starb — er war vergiftet worden, wie man sagte — damals litt ich, gewiß! Aber, was ich später litt, als der Argwohn in mir auf- stieg, mein Bruder, mein teurer Rolf, sei schuld an dem Tode des Fürsten Torlonia--fahr
nicht auf, Pia! Ich vertraue Dir jetzt alles an, wie ein Kind der Mutter vertraut! Auch ist dieser unwürdige Verdacht längst vorbei---
was ich damals litt, kann ich Dir nicht beschreiben! .. . Ich liebte Rolf, innig, von ganzer Seele — als „Bruder", und ich beschäftigte mich Tag und Nacht mit dem Gedanken, ob er schuld an dem Tode des Fürsten sei oder nicht ... Und nach und nach verwandelte sich diese geschwister. lich Zuneigung in eine andere Art von Liebe. Er ist ja nicht mein „Bruder", sondern mein Vetter, Pia! Und diese Liede wuchs und wuchs, je mehr ich sie bekämpfen wollte ... Ich mied Rolf, ich war unfreundlich gegen ihn, ich sagte mir hundertmal am Tage: „Er ist schuld am Tode Deines Bräutigams!" — sagte es mir immer wieder, ohne im Herzen daran zu glauben, nur, damit meine unglückselige Liebe sich in Abneigung verwandeln sollte? . . . Vergebens.' Da traf die Nachricht von seiner Verlobung ein. th Pia -!" - kFors. folgt.)
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Die vier Mmente.
Als der alte Fritz davon hörte, daß die Franzosen in der Luftschiffahrt Fortschritte Machten, rief er lachend aus: „Die Engländer haben die See, die Franzosen wollen die Luft haben, die Kaiserin verlangt mein Land, da «bleibt mir nichts übrig als Feuer zu kornman- ,Vieren." Dieses fröhlichen Königswortes muß imaKr.jM sich wieder erinnern angesichts der -technischen Fortschritte, die für Kriegszwecke in salben-vier Elementen, namentlich in Unterjee- sbooten und Riesenschiffen zu Wasser und in den Äkotorluftschiffen gemacht werden. Die Ma- ftineverwaltungen hatten bis dahin gehofft, daß eine Wasserverdrängung von 18 000 Tonnen ibas Höchstmaß für Schlachtschiffe bilden werde. Aber die Engländer sind mit der „Dreadnought" bereits auf 19 000 Tonnnen gegangen und sollen bereits Schiffe von 22 000 Tonnen int Kopfe haben. Ihnen nach eifern die Allerweltsjapaner, die bereits ein Schiff mit 19,800 Tonnen vom Stapel gelassen und zu zwei anderen mit. 21 000 Tonnen Kiel gelegt haben. Die Probe auf die Brauchbarkeit dieser Riesenschiffe sollte die „Dreadnought" geben. Man hat sie zu deut Zwecke ohne Rücksicht auf die Kosten mit ungewöhnlicher Beschleunigung gebaut, um die mit diesem Schiffe gemachten Erfahrungen bei dem Ausbau der anderen benutzen zu können. Ein abschließendes Urteil über diese Erfahrungen ist um so weniger gestattet, als die Engländer selbst mit allem, was die „Dreadnought" betrifft, sehr heimlich tun. Eine Erfahrung aber kann doch für europäisches Gemeingut gelten, daß nämlich die ausschließliche Bestückung mit 30,5 Geschützen nicht den von der englischen Admiralität angenommenen . Stiert hat. Im japanischen Kriege sind es nicht die ganz schweren Geschütze gewesen, deren Geschosse die russischen Gegner zum Singen gebracht haben, sondern gerade die Sprengwirkung der Granaten aus Rohren mittleren Kalibers. Deshalb bestücken auch die Japaner, die jedenfalls hierin mehr Erfahrung haben als die Engländer, ihre Riesenschiffe nur zum Teil mit 30,5-Geschützen und verzichten nicht auf die mittleren Kaliber als Nebenwaffe. Wie kürzlich bekannt wurde, ist ein Teil der japanischen 30,5 oin-Rohre bei Krupp bestellt. Zweifellos ist Kru^p Armstrong und den übrigen englischen Geschützsabriken gerade in der Herstellung ganz schwerer Kaliber überlegen. Und wenn die weitere Tendenz in der Schifssarmierung etwa dahin drängen sollte, die Rohre zu verlängern, so würde England vollkommen außer Stande sein, mit Krupp Schritt zu halten. Die Engländer bringen es aber nicht fertig, so schwere Kaliber aus einem Stück zu gießen. Ihre
38 (Nachdruck verboten.),
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen.
(Fortsetzung).
18.
Klein-Carlo's kerngesunde Natur siegt; überwindet die Kranlheit.
wein in demselben Lager nicht aufbewahrt werden; er kann aber in ein besonderes Laaer (Zuschlaglager) ausgenommen werden. Für vi< Trennung des Bestandes kann die Direktivbe- hörde den Besitzern von Lagern eine Nachfrist bis zum 31. Dezember 1907 gewähren. Sie kann ferner für Zuschlaglager von der Forderung eines besonderen Raumes absehen und genehmigen, daß solche Lager in den Räumen eines anderen Branntweinlagers desselben Lagerbesitzers eingerichtet werden, sofern die Lagerung des mit einem Zuschläge von mehr al« 0,16 Mk. belasteten Branntweins getrennt von anderem Branntwein in den Versandgesäßen oder in besonderen Lagergefäßen erfolgt. Ob und in welcher Weise diese Versandgefäße und Lagergefäße unter amtlichem Verschluß zu halten sind, bestimmt die Direktivbehörde. —"Andere Aenderungen betreffen die Brennereiordnung, die Reinigungsordnung und die Befreiungsordnung. In der Kontigentierungsordnung sind diejenigen Aenderungen vorgenommen, di« durch die letzte Branntweinsteu'ernovelle nötig geworden sind.
— Der Entwurf eines Scheckgesetzes findet in allen beteiligten Kreisen des Erwerbsleben- Zustimmung. Soweit an ihm Kritik geübt wird, richtet sich diese nur gegen Einzelheiten von geringerer Bedeutung. Man wird sich daher der Hoffnung hingeben dürfen, daß in der nächsten Tagung des Reichstages ein Scheckgesetz auf der Grundlage dieses Entwurfs zustande kommen wird. Damit wäre der erste Schritt zur Einbringung des Schecksystems bei uns getan. Man würde aber in der Annahme fehlgehen, daß mit der Schaffung einer festen und geeigneten Rechtsunterlage für den Scheckverkebr dessen Einführung im gewünschten Umfange schon gesichert wäre. Dazu wird es noch einer langen, sorgsamen und planmäßigen Erziehung unserer Geschäftswelt bedürfen. Sicher würde die Ent- vMelung des Scheckverkehrs außerordentlich gefördert werden, wenn das Reich sich entschlösse, nach dem Vorgänge Oesterreichs die Post in dessen Dienst zu stellen und den Postscheckverkehr einzuführen. Aber selbst wenn cs mit der Zeit gelingt, unsere Goldverhältnisse mittels des Scheckverkehrs zu bessern, wird inan darum doch auch nicht die anderen Mittel vernachlässigen dürfen, die geeignet sind, der übermäßigen Verwendung unserer Goldmünzen im Zahlungsverkehr vorzubeugen. Insbesondere wird man sich durch das Bestreben, den Scheckverkehr zu heben, nicht davon abhalten lassen dürfen, dem Verkehr das Maß von anderen Zahluirgsmitteln zuzuführen, deren es bedarf, um der Anwendung von Goldmünzen im kleineren Zahlungsverkehr entraten zu können. Man soll eben das Ein« tun. darum aber das Andere, das gleichen Zwec
„Rolf sagt, er will diese durch nichts begründete Abneigung Niederkämpfen. Außerdem — er ist sehr geschickt im Servieren, und sein Benehmen ist gut."
Mag sein! Aber hast Du nicht bemerkt, mit welch' merkwürdigen Augen er Dich stets beobachtet, Pia?"
„Wieso?"
„So eigentümlich — halb inquisitorisch, halb mitleidig!" ‘
Pia lächelt ein wenig.
„Das bildest Du Dir ein, Angelina. Ich habe noch nichts bemerkt . . . Außerdem — lassen wir den Mann? Erzähl mir lieber von Dir! Warum besuchst Du uns so selten, trotzdem Dein Vater, wie mir mein Mann sagt, auch sein Pflegevater ist? Habt Ihr Euch nicht lieb, wie wirkliche Geschwister?"
Angelina schweigt.
Behutsam setzt sie Klein-Earlo auf sein Stühlchen, verschlingt die Hände hinter dem blonden Kopf, legt sich in dem Korbstuhl zurück und schließt die Augen. Langsam, ganz langsam steigt tiefes Rot in ihre jetzt gewöhnlich durchsichtig bleichen Wangen.
„Liebe Angelina!" ruft Pia herzlich, indem sie aufsteht und den Arm liebevoll um den Nacken des Mädchens schlingt. „Ich bin genug Menschenkennerin, um zu sehen, daß Dich irgend etwas quält. Meinst Du nicht, daß eine Aussprache Dir gut tun würde? Sieh, ich bin zwar nur wenige Jahre älter als Du! Aber an Erfahrung, an Kummer, an Sorgen jeder Art könnte ich Deine Mutier sein. Willst Du mir nicht vertrauen?" •
Widerstrebend hebt Angelina die Lider und blickt in die dunklen, ernsten Augen, die voll ehrlicher Zuneigung auf ihr ruhen.
Und plötzlich schlingt sie mit leisem Aufschluchzen beide Arme um Pias Nacken.
- „O, verzeih! Verzeih. Du Liebe. Gute!" '
„Ich? .... Dc^crhen, AügcfiLS?.
Was?"
Lftrtcljährlicher Bezugspreis: bet ver ExpÄstion 2 M, 14 bei allen Postämtern 2,25 Mk. (excl. Bestellgeld).
«/iw. 11V JnsertionSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Kaum 15 Pfg.
Neclomen: die Zeile 80 Pfg.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
~ ' SormtaLsbeilaae: JUustrirtes E-rmtaasLr-rtt.
Vorschriften vorgenommen, die mit dem 1. Oktober 1907 in Kraft treten. U. a. darf danach Branntwein, der mit einem Zuschläge von mehr ----- ----------------- _...
als 0,16 belastet ist, mit anderem Brannte-neuen Gepräge, also von (ü Markstücken, vor-
tig auf; doch Rolf, der seinem „Schwesterchen" noch immer von Herzen zugetan ist, freut sich darüber.
Die Begegnung der beiden Frauen ist freundlich, entbehrt jedoch der verwandtschaftlichen Innigkeit.. Es ist, als ob ein unsichtbarer Schatten zwischen ihnen schwebe, der beide ihre wahren Gedanken und Empfindungen verbergen läßt.
Auch heute wieder — Rolf macht seine tägliche Rundfahrt bei den Patienten — sitzen die beiden Frauen ziemlich schweigsam auf der blütcnurndufteten Terrasse.
Munteres Vogelgezwitscher auf den Bäumen ringsum vermischt sich mit dem Jauchzen des Kindes, das auf Angelinas Schoß sitzt und mit den kleinen Händchen in deren lockigem Blondhaar heruiuwühlt. Die zierliche blonde Tante erscheint Klein-Carlo mehr wie ein Spielkamerad, als die große, tiefbrünette Mutter.
Nero, die große englische Dogge, liegt dicht neben Angelina, den klugen Kopf an ihr Knie geschmiegt/
.Alfonso soll Kaffee bringen!" befiehlt Pia.
Als bald darauf der neu engagierte Diener mit dem silbernen Tablett die Terasse betritt, springt Rcro wütend auf. Vom ersten Augenblick stellte er sich mit dem Manne auf feindlichen Fuß; aber heute sieht cs aus, als wolle er ihn direkt anfallen.
„Kusch. Nero!"
Sofort liegt der Hund wieder zu Angelinas Füßen; doch verfolgt er knurrend jede Bewegung des Dieners.
Alfonso hat die Terrasse wieder verlassen. Die beiden Frauen beginnen, während sie langsam den schwarzen Kaffee schlürfen, zu plaudern.
„Ein unheimlicher Mensch, Euer Diener!" bemerkt Angelina nachdenklich. „Ich möchte ihn nicht immer in meiner Nähe haben."
„Rolf kann ihn auch nicht leiden," lautet die ruhige Entgegnung. - -
»Ja, weshalb behaltet Ihr ihn denn?"