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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

LoxntaaSb-ilaar: Illu!trirt-s @onnt«a«Mctt.

Jte. 163

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Marburg

Sonntag. 14. Juli 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck imb Verlag-. Joh. Slug. Koch, Univerfitätz-Buchdnlckerei Marburg, Markt 2L Telephon 55.

42. Jahrg«

Zweites Blatt.

Rückblick.

Die Erörterungen, die sich an den Wechsel in ^Hahen Reichs- und Staatsämtern knüpften, sind ^allmählich zur Ruhe gekommen, sommerliche 8Mille ist in den politischen Kreisen der Reichs- HGsmptstadt cingekehrt. Trotzdem aber stehen .allerlei Fragezeichen am politischen Himmel, die «>« allgemeine Interesse in hohem Grade er­regen.

* Die Reform des Landtagswahl­rechtes vor allem ist es, die auf innerpoltti- fchem Gebiete die öffentliche Meinung beschäf­tigt; sie wirft bereits jetzt ihre Schatten voraus, wenngleich bisher die preußische Regierung noch mit keinen Vorschlägen hervorgetreten ist, son­dern damit jedenfalls bis zum Wiederzusam- meniritt- des Landtages warten will.

In dieser Hinsicht hat es die sächsische Re­gierung eiliger gehabt, die in dem Bestreben, den Minderheiten eine bessere Mitwirkung an der politischen Arbeit zu gewähren, bereits eine Wahlrechtsvorlage veröffentlicht hat. Nach der sächsischen Regierungsvorlage sollen in Zukunft zur zweiten Kammer wie bisher 82 Mitglieder gewählt werden, von diesen die Mehrheit von 42 in geheimer, direkter und allgemeiner, aber glicht gleicher Wahl. Es soll jeder erwachsene Sachse ohne Unterschied des Standes und der Klasse eine Stimme haben; aber zwei Stim­men soll haben, wer ein Einkommen von über 1600 Mark pro Jahr versteuert, wer die zur Einjährig-freiwilligen Militärdienstzeit berech- jtigende-.Bildung besitzt, und wer das Wahlrecht zum Landeskulturrate besitzt, auch wenn er im setzten Jahre weniger als 1600 Mark versteuert hat. Die zweite Gruppe von 40 Abgeordneten aber soll durch die Kommunal- oder Bezirks- perbände gewählt werden, und zwar sollen in den amtshauptmannschaftlichen Bezirksverbän­den die bisher getrennt wählenden ländlichen Md städtischen Bezirke zusammen wählen. Die Regierung will auch zwecks Ergänzung ihres Wahlrechtsentwurfes eine Novelle zur Reform der Bezirksausschüsse einleiten, nach der in den genannten Ausschüssen sämtliche Haupt- derufsgruppen des Bezirks vertreten fein müs­sen. Damit würden also auch die Berufsgruppen als solche einen Einfluß auf.die Wahl zur 2. sächs. Kammer gewinnen. In den Städten Dres­den, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zwickau wird die Wahl in gemeinschaftlicher Sitzung des Ctadtrats und der Stadtverordneten vollzogen, welche zu diesem Zwecke zu einem einzigen Wahlkollegium zusammentreten. In den

Marburger

Studenten - Erinnerungen.

'M Von L. Müller.

(Forti etzung.)

Sie Minorität schied aus dein Turnverein aus und gründete den aristokratischen Turn­verein, sic machte ihren Austritt in folgendem Flugblatt bekannt:

Eine am 10. d. M. gehaltene Generalver­sammlung des hiesigen TÜrnverins hat einen Ausgang genommen, der eine Minorität von 40 Mitgliedern moralisch gezwungen hat, sich von dem bisherigen Turnverein zu sondern und sich mit Neuyinzutretenden zu einem neuen Turn­verein zu konstituieren. Wir glauben es uns und unseren Mitgliedern schuldig zu sein, die Motive zu unserer Absonderung, sowie alle hier­bei .in Betracht kommenden Tatsachen ihnen zur Beurteilung darzulegen usw."

Im Namen desneuen Turnvereins" / zu Marburg. - ?i

Der provisorische Vorstand.

K. Knies. Büdinger. Cnyrim. Viktor Schmidt. K. Schmitt.

Zwischen Uckermann und Cnyrim kam cs zu einem Säbelduell, in dem Cnyrim das Nasen­bein zerspalten wurde. Die Fahne behielt der ältere Verein, der neue Verein schaffte sich eine schwarz-rot-goldene Fahne an, die im Renthof eiirgeweiht wurde, woran sich ein Volksfest im Dammelsberg anschloß.

Vom 14.17. Juni 1848 tagte bei erste Kou- ?reß der demokratischen Republikaner in Frank- urt. wo folgende Studenten aus Marburg als Delegierte anwesend waren: Etud. Dronkc, Habicht, E. Steßmann, Lempmann. Viktor Schmidt, Trabert, Uckermann, Westphal und sJulius Schmidt. Vertreter der Arbeiterpartei Laren Stetefeld und Ludolf. Professor Bayr- hosfcr war 2* Präsident,. ' "

Städten Dresden und Leipzig werden je drei, in der Stadt Chemnitz und in den aMtshaupt- mannschaftlichen Bezirken Chemnitz, Zwickau und Pirna ju zwei, in den übrigen amtshaupt­mannschaftlichen Bezirken sowie in den Städten Plauen und Zwickau wird je ein Abgeordneter gewählt. Die Wahl erfolgt im Wege schrift­licher, geheimer Abstimmung in der Form, daß jedes anwesende Mitglied der Wahlkörperschast soviel Namen auf einen Stimmzettel schreibt, als Abgeordnete zu wählen sind. Die sächsische Regierung scheint anzunehmen, daß infolge die­ses Wahlgesetzes die Sozialdemokratie in einem Stimmenverhältnis von etwa 15 Abgeordneten in die zweite Kammer einziehen werde, und sie scheint dies als wünschenswert zu betrachten, um nicht die in der Sozialdemokratie vertretenen Kreise der Arbeiterschaft völlig von der parla­mentarischen Mitarbeit auszuschließen. Die Frage wird nur sein, ob sie in dieser Beziehung sich nicht einer argen Täuschung hingibt; denn vielfach rechnet man bereits damit, daß die So­zialdemokratie in Stärke von 25 bis 30 Abge­ordneten in die zweite Kammer einziehen könne. Die Berechtigung dieser Auffassung wird man, wie uns geschrieben wird, namentlich nicht deshalb ganz von der Hand weisen können, weil breite Kreise des sächsischen Liberalismus von der fatalen Neigung angekränkelt sind, mit der Sozialdemokratie Bündnisse zu schließen, um das Gespenst einer eingebildetenreaktionären Hochflut" zu bekämpfen. Unter solchen Um­ständen fehlt es nicht an Widerspruch gegen das neue Wahlgesetz. Sehr berechtigt erscheint uns der Einwurf der Nationalliberalen, welche be­fürchten, daß durch das Wahlgesetz eine Ver­mengung der Kommunalwahlen mit Partei­politik hervargerufen werden, könne. Auf kon­servativer Seite aber wird vielfach die Befürch­tung ausgesprochen, daß sich aus dem in dem Entwürfe vorgesehenen Zusammenwählen der städtischen und ländlichen Kreise ein Rückgang des ländlichen Einflusses ergeben könnte. Alles in allem bietet der sächsische Entwurf mehr ein interessantes Experiment, als hoffnungsvolle Aussichten für eine geeignete Zusammensetzung der zweiten sächsischen Kammer.

Sicherlich wird die sächsische Wahlrechtsvor­lage noch mehrfach Abänderungen erfahren, ihre verhältnismäßig frühzeitige Veröffentlichung aber dürfte bei den preußischen Staatsmännern und Verfasiuilgsrechtlern allerhand nutzbrin­gende Gedanken wecken und ihnen insbesondere die alte Weisheit cinprägen:Nur nichts über­stürzen!" Leichter ist cs einzureißen, als auf­zubauen, und gerade in unserer Zeit gilt's ordentlich Grund zu legen, damit durch die ge­plante Wahlrechtsreform Dauerndes geschaffen werde.

Weiter heißt es von Trabert:Inzwischen (im Jahre 1850) war Hassenpflug in Hessen wieder Minister geworden und im September d. I. faß Professor Vayrhofser im Landtag als Präsident. Wegen nicht erfolgter Vorlage eines Haushaltungsplanes beschlosien die Landstände, die Steuer zu verweigern, und sagten zu Hassen­pflug:Eine Regierung, die nicht fähig ist. eine solche Vorlage zu machen, ist auch nicht fähig, zu regieren." Hassenpflug antwortete hierauf mit de» Septemberverordnungen, die in ihrer Folge zum Staatsstreiche führten. Trabert hatte um diese Zeit in Marburg sich der juristischen Staatsprüfung unterzogen und bestand nach die­ser in Cassel mit gutem Erfolg das Staats­examen. Er meldete sich hierauf bei dem Ful­daer Land- und Obergericht, erhielt aber von Hasienpflug den Bescheid:daß er aus politi­schen Gründen zum Staatsdienst nicht zugelassen werden könne."

Trabert gründete; durch die Verhältnisse ge­trieben, in Fulda eine Zeitung.Die Wacht", in der nun eine Serie von Artikeln erschien, die gegen Hassenpflugs Septemberverordnungen ge­richtet waren. Der Bundestag wurde wieder her- gestellt und der Kurfürst durch die Macht frem­der Bajonett? war in seine Residenz eingezogen, als Trabert wegen seiner Tätigkeit in der Presse verhaftet und nach Casiel ins Kastell gesetzt wurde. Kurhesscn stand damals unter dem Kriegsrecht, und so wurde denn Trabert zu fünf Jahren und wegen Majestätsbeleidigung zu 3U. Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach Beendigung dieser Strafzeit ging Trabert nach Oesterreich, wo er als Dichter und begabter Schriftsteller lebte."

Nach dem Einmarsch der Bundesexekutions- truppen in Kurhessen im November 1850 wur­den die Turnvereine und einige Verbindungen in Marburg ausgelöst, der Turnplatz wurde ge­schlossen. Die Turner- und Pereinsfahnen, des­gleichen die Fahnen der Büraergarden kamen

Inzwischen nimmt in der deutschen Presse der Kampf um Dr. Peters seinen Fortgangs da sich begreiflicherweise der Wann, dessen Tatkraft und Zähigkeit wir den Besitz Deutsch-Ostafrikas verdanken, bestrebt zeigt, das Gewebe von Klatsch und Lügen zu zerreißen, mit dem seine Feinde und Neider seinen guten Ruf zu ver­dunkeln suchen. Das ganze Drama von Mün­chen wird sich noch einmal abspielen, da Dr. Pe­ters gegen das zu milde Urteil des Schöffen­gerichts in feiner Klage gegen den sozialdemo­kratischen Schriftleiter Gruber Berufung ein­gelegt hat, durch die aller Voraussicht nach der Sachverhalt besser geklärt werden dürfte. In­zwischen nämlich ist cs Dr. Peters gelungen, einen Zeugen herbeizuschaffen, dessen Aussagen gewiß einiges Licht über die Jntrigue ver­breiten wird, der er s. Z. zum Opfer gefallen ist, Zwar ist es nicht der Urheber der Jntrigue selbst, den Dr. Peters zitiert, sondern nur ein armseliger Zwischenträger, indessen gewinnt es tatsächlich den Anschein, als ob . nunmehr eine Wendung in der bösen Sensationsgeschichte ein- treten wird. Dieser lange vermißte Zeuge ist der Schriftsteller Giefebrecht, der jetzt auf Kosten von Dr. Peters von Newyork, wo er derzeit als Schriftleiter eines deutschen Blattes tätig ist, die Fahrt nach London angetreten hat. Wes' Eeisteskind dieser Herr ist, erhellt aus einigen Angaben, die wir denLeipz. N. N." entnehmen. Danach ist S. Giefebrecht der Sohn eines Holz- Händlers in Danzig, der sich eine Zeitlang ohne zureichenden Grund als Afrikaforscher ausgab und später eine Sensationsbroschüre über die Fälle Leist und Wehlau verfaßte. Deutschlands Boden mied er seit dem Jahre 1900, als die Ge­richtsbehörde ein sehr berechtigtes Interesse an ihm nahm. Dr. Vallentin, der bekannte Ver­fasser mehrerer Bücher über den Burenkrieg, hatte ihm nämlich von Johannesburg aus 1899 die Herausgabe eines dreibändigen Werkes über Südafrika übertragen und hatte ihm zu diesem Zwecke 9000 Mark gesandt. Als Dr. Vallentin dann 1900 selbst nach Deutschland kam, fand er weder sein Buch, das er längst im Handel glaubte, noch das betreffende Geld, wohl aber Herrn Giefebrecht vor, der die Summe kurzer Hand verjubelt hatte und dann, als sich das Ge­richt für ihn interessierte, das Weite suchte und zuletzt in Newyork wohnte. Dieses saubere Herrchen nun hat in der bekannten Tuckerbrief­geschichte eine aktive Rolle gespielt und ist daher in der Lage, über die Angelegenheit Aufschluß zu geben. Noch in Newyork hat er erklärt: Weder der echte noch der gefälschte Tuckerbrief habe jemals existiert. Am 12. März 1896 sei er mit einem bekannten Afrikaforscher und spä­terem hohen Beamten des Kolonialamtes zu­sammen in Berlin gewesen. Der Afrikaforscher

nach Cassel ins Zeughaus. Im August 1866 hat genannte Fahnen Schreiber dieses in Cassel in Empfang genommen und wieder nach Marburg gebracht. Die Turnvereinsfahnen sind im Besitz des Turnvereins und wurden bei der Einweih­ung der Tunhalle am Barfüßertor am 2. Sep­tember 1866 enthüllt.

Roch Einer von 1848.

Den Studiosus Ernst Dronkc, ein geborener Koblenzer, hatte das tolle Jahr 1848 mit in den Strudel hineingezogen. Seine Kommili­tonen nannten ihnIdee". Dronke stand noch unter preußischem Militäroerhältnisse und wurde 1849 wegen nicht erfüllter Militärpflicht und wegen Beteiligung an den Ereignissen von 1848 verhaftet und sollte unter militärischer Be­gleitung auf einem Dampfer auf die Festung Ehrenbreitstein gebracht werden. Er gelangte jedoch nicht an den Ort seiner Bestimmung, denn in der Nähe der großen Rheininsel bei Caub sprang Dronkc über Bord des Dampfers, der ihn nach Koblenz bringen sollte, in den Rhein, ohne daß seine Begleitung es hindern konnte, schwamm an die Insel, wo er auf der anderen Seite von einem Nachen aufgenommen wurde und an das andere Rheinufer fuhr. Von dort entkam er in einer bereitstehenden Chaise und entging so der ihm drohenden Untersuchung und Strafe. Er begab sich nach England, wo er sich ein neues Heim gründete. Nachdem er spater vor der strafrechtlichen Verfolgung sicher war, besuchte er sein Vaterland wieder. 1882 war es, wo er sich in Frankfurt mit verschiedenen alten Freunden zusammen traf. Er war der Sohn des Eymnasialdirektors Dronkc in Fulda, studierte in Bonn, wo er bei derPalatia" aktiv war, und in Marburg, wo er bei der Gucstphalia eintrat und aktiv wurde. Im Sommer 1842 war er erster Chargierter, der manchen lustigen Studentenstreich ausgeführt hat. Dronke starb im November 1891 in England, wo er seine zweite' Heimat gefunbe« hatte, -

habe ihm erzählt, nunmehr gehe es Peters aq den Kragen. Er habe Informationen vom Aus­wärtigen Amt. Deren Niederschrift habe er Bebel überbracht, der dann geglaubt habe, da-, mit im Besitze eines Briefes von Dr. Peters an den Bischof Tucker zu sein. Die Haltlosigkeit der Bebelschen Behauptungen wird nunmehr in. München wie insbesondere auch bei beirt von Dr. Peters gegen dieKöln. Ztg." angestrengten Prozesse durch das Zeugnis Giesebrechts ge­bührend klargestellt werden. Der sog. ludet« Brief aber ist und bleibt der Angelpunkt bet. ganzen Petersassäre, auch wenn dieKöln. Ztg." immer wieder mit Emphase versichert: für die größere oder geringere Belastung des Dr. Peters sei er ohne Belang". Wenn man bedenkt, daß ein bewährter Reichsbeamter, der aus einem zweimaligen Verfahren gerechtfertigt hervorgegangen ist, auf Grund eines als einzig neues Belastungsmoment vorliegenden Briefes, der sich hinterher als dreiste Fälsch­ung herausgestellt hat, in einem dritten Ver­fahren zur Dienstentlassung verurteilt wird, so müßte es doch als ganz selbstverständliche Folge erscheinen, daß jenes ungerechtfertigte Urteil aufgehoben und dem davon Betroffenen eine entsprechende Genugtuung gewährt würde. Viel­leicht hat inzwischen eine ähnliche Anschauung an einflußreicher Stelle Platz gegriffen; denn, wie dieSchlesische Ztg." erfährt, hat der Kaiser sämtliche Akten über den Fall Peters ein­gefordert.

Welchen Eindruck aber die Persönlichkeit des als brutal und grausam verschrieenen Dr. Peters auf einen unbefangen urteilenden Ausländer gemacht, das erhellt aus einer Mitteilung der Stockholmer ZeitungSwenska Dagbladet", in welcher ein jetzt in Berlin ansässiger Schwede, der mehrere Jahre in Ostafrika gelebt hat, ein« Begegnung schildert, die er s. Z. mit Dr. Peters gehabt hat. Der Schwede befand sich damals im Innern Afrikas auf einer Plantage, durch di« er eine breite Landstraße gebaut hatte. Er er­zählt nun:

Auf dieser Straße erschien eines Tages eine Karawane von sudanesischen Soldaten und Suaheliträgern, in deren Mitte Dr. Peter; marschierte. Alle waren zerfetzt und schmutzig und zeigten die Spuren eines langen Marsches. Aber trotzdem befand sich die ganze Gesellschaft in lustiger Stimmung. Peters ist ein unge­wöhnlich angenehmer Gesellschafter, und ich konnte an ihm nichts entdecken, was auf den rücksichts­losen Negerpeiniger hindeutete, den man aus ihm machen will. Seine Leute waren gut be­handelt, nach meiner Ansicht sogar ein bischen verwöhnt. Seitdem kam er noch mehrere Male nach der Plantage, zuletzt, zusammen mit Frei­herrn von Pechmann von der berühmten Kili-

Zum Karzcr.

(Aus neuerer Zeit.)

Ein studentischer Zug seltsamster Art be­wegte sich im Frühjahre 1905 eines Nachmittags durch die Straßen. Eine farbentragende Kor­poration hatte die für sie sich darbietende Ge­legenheit benutzt, um als erste eine alte Stu­dentensitte wieder einzuführen, nachdem der akademische Freiheitswind, der im Februar d. I.- begonnen, auch in dieser Beziehung wieder Luft geschaffen hatte. Der Zug stellte in witziger Weise den Transport des akademischen Schwer­verbrechers bat. Voran der Couleurdiener mit. einer Tafel, die dem staunenden Publikum Ziel, und Grund der Reise enthüllte. Unter Bedeckung zweier unheimlicher Gesetzeswächter, folgte eine« Porte-Chaise, von zwei Trägern getragen, ih welcher der Deliquent mit rasiertem Schädel unbj blauer Sträflingsjacke die Hulbigungen der. Menge entgegennahm. Bettzeug, Kleider,' Bücher, Pfeife und Tabaksbeutel reihten sich anJ Ein würdiges Männerquartett in Gala gab dem Schwerverbrecher die letzte Ehre,, und ein Nachtwächter am Schluß wirkte ebenso sehr durch. Hellebarde und Tuthorn, als durch seine außer­ordentlich passende Physiognomie. _ Vor dem Universitätsgebäude angelangt, verschwand bet. Deliquent vor den Augen seiner Begleiter, um seine neue Wohnung zu beziehen, wohin ihm genannte Utensilien nachgetragen wurden; bee Zug begab sich zum Lahntor, wo er vor dem Universttätsgebäude Stellung nahm. Das Quartett nahm nun die erhöhte Stellung ober­halb der Mauer ein und ließ die feierlichen Klänge vonInteger vitae" dahinfluten, ein« schmetternde Rede feierte denKarzerpinken" der infolge der Verfechtung der akademische« Freiheit nun seiner eigenen Freiheit beraubt sei. Oben aus der Höhe erwiderte dieser ntt« aus seinem Kerker mit tränenerstickter Stimme aber doch getröstet, einige Abschiedsworte.

- --. (Fortsetzung folgt!