mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
JV° 163
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Neclamen: die Zeile 30 Pfa. •
Marburg
Sonntag. 14. Juli 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttStS-Buchdruckerel 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Blatt. .
Die Eisendahnftagc. in den deutschen Kolonien.
f Vor mehreren Jahren ist für das Schutz- .gebiet Deutsch-Ostafrika ein umfassender Wegebauplan vorgelegt und auf Grund des .Wogebauplanes sind große Mittel vom Reichs- etvtz bewilligt worden. Man hat damals das Vor- , legen dieses Wegebauplanes für eine koloniale '.Tat gehalten. Vielleicht war es eine Verbeugung vor der öffentlichen Meinung, und zwar in diesem Falle vor der öffentlichen, nicht genügend gut unterrichteten Meinung. Auf Grund dieses Planes wird augenblicklich weitergebaut an einer großen Fahrstraße von Bagamoyo nach Daressalam, ohne Rücksicht darauf, daß die Cchiffahrtsverhältnisse an der Küste sich geändert haben, und daß die Schiffahrt allmählich den Segelschiffen aus der Hand genommen und auf Dampfer übergegangen ist und nun trotz des Monfums eins regelmäßige Verbindung zwischen den beiden Städten über See stattfinden kann, was früher nicht der Fall war. Auf Grund dieses Planes wird ferner augenblicklich weitergsbaut an einer großen Fahrstraße von Mombo nach Aruscha am Kilimandscharo. Dieser Bau wird nicht eingestellt, obwohl es ganz sicher ist, daß in absehbarer Zeit die Eisenbahn von Mombo nach dem Meruberge weitergeführt werden wird. Kaum fertiggestellt, wird diese Straße infolge der übermächtigen Konkurrenz der Eisenbahn wieder völlig veröden und über- wachseu. Die großen Mittel aber, die für sie crufgewendet wurden, werden als zwecklos fort- geworfen erscheinen.
Die theoretische Grundlage für unfern kolonialen Eisenbahnbau bildet: „Die Eisenbahnen Afrikas. Grundlage und Gesichtspunkte für koloniale Eisenbahnpolitik in Afrika." Während diese Denkschrift uns die theoretische Grundlage bietet, haben wir die praktische Grundlage und die praktische Vorarbeit für unfern demnächsti- gen kolonialen Eisenbahnbau zu suchen in Vortrassierungen und wirtschaftlichen Erkundungen. An diesen Erkundungen hat sich der wirtschaftliche Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft, das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee, in ganz ausgezeichneter Weife beteiligt. Das Kolonial- Wirtschaftliche Komitee hat wirtschaftlich erkunden lassen die sogenannte ostafrikanische Südbahn, die Bahn von Morogoro über Kilosfa mit Abzweigungen nach Jrangi weiter über Kili- matindc-Tabora nach dem Tanganjika-See, dann vom Nordende des Tanganjika-Sees (Ufum- bura) nach Bukoba am Viktoria Nyanfa und von Muansa am Viktoria hinüber zum Meru- berge, und von dort nach Mombo zum jetzigen Endpunkte der Usambarabahn. Aehnliche Erkundungen hat das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee auch in Togo und Kamerun vorgenom- jneit. Bei all diesen wirtschaftlichen Vorarbeiten
ßl (Nachdruck verboten.),
Keimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen,. '(Fortsetzung).
Im Gerichtssaa! war cs vor sechs Jahren — damals, als er unter der furchtbaren Anklage des Giftmordes das Kreuzfeuer Hunderter von Augen auf sich gerichtet fühlte, da ihm inmitten all dieser gleichgültigen Gesichter ein einziges voll Sympathie entgegenleuchtete.
Die Erkenntnis, daß es Pias Augen waren, die ihm in der schwersten Stunde seines Lebens Mut einflößten, erfüllte ihn mit einem unend- lichen Elücksgefühl.
Rasch verläßt er das Zimmer, um seine mit elementarer Gewalt hervorbrechenden Empfindungen nicht zu verraten.
Pia selbst begibt sich, noch tief erschüttert, vom Sterbebett der kleinen Marietta nach dem obersten Stockwerk des Hauses, in welchem ein Saal für entlassene Sträflinge eingerichtet ist.
Rur drei Insassen enthält diese Abteilung bis jetzt.
Zwei derselben, ziemlich harmlos aussehende Individuen, sitzen, mit Holzsägearbeit beschäftigt, an dem runden Tisch. Der dritte, ein roher, struppiger Mensch von etwa 30 Jahren, der in der Verbrecherwelt nur ..der schwarze Beppo" heißt und lange Zeit wegen schweren ^Diebstahls hinter Schloß und Riegel steckte, liegt mit um- »oickeltem Vein im Bett. Schon auf dem kurzen Weg vom Gefängnis zum „St. Josefs-Heim" hatte der „schwarze Beppo" sich, seiner Gewohnheit gemäß, in eine Keilerei eingelassen, die ihm einen Messerstich eintrug. Zwar ist die Wunde am Bein schon ziemlich geheilt; aber aus Vorsicht wird er von Rolf noch immer als Patient behandelt.
Heute ist der „schwarze Beppo" besonders unruhig. Immer wieder fliegt der Blick seiner
ha. das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee in engstem Zusammenhang gearbeitet mit der Bank und Jndustriewelt, die zweifellos in erster Linie mit an dem Eisenbahnbau in unseren Kolonien interessiert ist und mit unserer Kolonialverwalt- ung. Man kann nun wohl der Ansicht sein, daß in Togo und Kamerun, wo- in dieser Beziehung die Verhältniffe eigentlich einfach liegen, feststeht, welche Eisenbahnlinien in der nächsten Zukunft auszubauen sind. Das hängt damit zusammen, daß Togo eine schmale, langgestreckte Kolonie ist, die nach ihrer Form schon aus eine Mittellandbahn hinwefft. während die geographische Lage Kameruns gebieterisch die Erreichung des Tschadsees mit einem durch möglichst fruchtbare Gebiete geleiteten Schienenstrang fordert. In Kamerun sind wir also darauf angewiesen, die dort angefangene Bahn von Duala allmählich nach dem Tschadsee zu verlängern und können nach den jüngsten Erfahrungen dabei die Hoffnung hegen, daß private Kreise durch schmalspurige Küsten- und Stichbahnen zur Erschließung des Landes beitragen werden.
Schon ganz anders liegen die Verhältnisse in S ü d w e ft a f r i.k a. Dort sind die Möglichkeiten zu örtlichen, bergbaulichen Entwicklungen ganz außerordentlich mannigfach und unberechenbar. Es können so große bergbauliche Ueberraschungen jeden Augenblick eintreten, daß unter ihrem Einflüsse dort die Eisenbahnpolitik ein unbestimmtes, wandelbares Zukunftsbild vernünftigerweise bieten sollte. Ganz besonders unbestimmt ist dieses Bild noch in Deutsch- O ft a f r i k a, weil Deutsch-Ostafrika das Land ist, das sozusagen im Eisenbahnkampf unter den Kolonialfreunden gestanden hat. Noch herrscht keine Klarheit darüber, ob die Nordbahn, die Südbähn oder die Mittelbahn die wichtigste Eisenbahnlinie ist? Der wirtschaftliche Ausschuß, das Kolonial-Wirtschaftliche Komitee, hat sich dahin ausgesprochen, man solle zuerst die Linien Lauen, die der Konkurrenz der Nachbarländer entgegentreten. Das mag ja auch vielleicht das Richtige fein. Es kämen dann zunächst die Nordbahn wegen der Konkurrenz zur englischen Mombassa-Bahn und die Südbahn wegen der Konkurrenz mit der englischen Schire-Bahn und in nächster Zukunst vermutlich die Bahn Daressalam, Kilossa, Uhehe, Kituta (Südende des Tanganjika) wegen des Wettbewerbs mit englischen und belgischen Linien bei der Ausbeutung der reichen Erzlager in der Landschaft Katanga (Kongostaat) in Betracht.
Endlich haben wir uns durchgerungen zu dem großen Grundsätze: d e r Staat soll selb st bauen,undersollbauenmitkoloni- alen An leih Hst. Für besonders erfreulich ist es zu halten, dqß Exzellenz Dernburg, der- Leiter unserer KvloirialoerwaltuuK- in der nächsten Zeit selbst in die Kolonien gehen und dort an Ort und Stelle sich die Eisenbahnlinien ansehen, die wirtschaftliche Möglichkeit der einen Linie gegen die andere abwügen wird, und das nicht er allein an Ort und Stelle die Verhült- nisie studieren wird, sondern daß auch zwei Mit
stechenden Augen nach der Tür, als erwarte er jemanden.
Seine beiden Kameraden merken seine Ungeduld und beginnen ihn zu hänseln.
„He, Beppo! Wartest wohl auf die schöne Oberin, was? Scheint Dich heute vergessen zu haben."
Mit einem derben Fluch wendet der „schwarze Beppo" den Kopf der Wand zu, um gleich darauf die Augen wieder auf die Tür zu richten.
„Muht Dich schon dran gewöhnen, daß Du „geschnitten" wirst, Beppo!" höhnte der andere. „Kannst doch nicht immer's Schooßkind von der Oberin bleiben. Die hat noch anderes zu tun, als Dein olles Bein nachzusehen — hahahaha! Der Doktor is hübscher wie Du — hahahaha!"
„Halt's Maul!" schrest Beppo, sich cmpor- richtend und wild mit der Faust herumfuchtelnd. „Halt's Maul oder —“
In diesem Augenblick öffnet sich die Tür.
Pia tritt ein.
Sofort schweigt das Gezänk. Die stolze Ruhe der jungen Oberin hält selbst diese rohen Gesellen im Zaume.
„Alles in Ordnung?" fragt ihre tiefe Stim- ine, in der noch etwas von der vorigen Erregung vibriert, freundlich.
- „Alles in Ordnung," erwidert der eine der Männer am Tisch.
Mit kurzem Kopfnicken will Pia sich wieder entferne».
Da fühlt sie sich plötzlich an einer Falte ihres dunklen Gewandes gefaßt.
Voll höchsten Erstaunens wendet sie sich um.
„Was wünschen Sie, Beppo Rosso?"
„Haben Sie keinen freundlichen Blick, kein gutes Wort für mich?" nMinelt der Bursche in den struppigen Bart hinein.
„Ihre Wunde ist fast geheilt. Sie brauchen mich nicht mehr/' lautet die ruhige Entgegnung.
glisder des Ausschusses der Deutschen Kolo nialgesell schäft, die als Direktoren großer kolonialer Eisenbahngesellschaften auf den Eisenbahnbau von besonderem Einfluß sind: Direktor Gaedertz und Direktor Kliemke schon jetzt zu diesem Zwecke in den Kolonien sich aufhalten.
Eine amerikanische Stimme über den deutschen Schiffbau und die deutsche Seeschiffahrt.
Das in Chicago erscheinende „Journal of Political Economy" hat sich in einem längeren Aufsätze über den deutschen Schiffbau und die deutsche Handelsflotte in sehr anerkennenswerter Weise ausgesprochen und besonders die Verdienste des „Norddeutschen Lloyd" hervorgehoben. Auf einige Hauptpunkte möchten wir hier zurückkommen. Hinter England rangiert in Bezug auf den Tonnengehalt der Schiffe Deutschland an zweiter Stelle: 1871 besaß es 4372 Segelschiffe mit 900 301 Tons, und 147 Dampfschiffe mit 81994 Tons, zusammen also etwa eine Million Tons. Aber schon nach 30 Jahren hatte sich die deutsche Dampferflotte ungeheuer vermehrt, ihr Tonnengehalt war Ende 1900 auf 1625 521 gestiegen, während die Segelschiffe naturgemäß auf 535 937 Tons herabgegangen waren. Das Schiffpersonal betrug 1900 schon 42 428 Mann. Seitdem ist eine fortwährende Steigerung des Gesamtraumgehaltes der Dampfer und des Personals eingetreten und die deutsche Handelsflotte besitzt jetzt, worauf der Verfasser besonders aufmerksam macht, die schnellsten und größten Schiffe, welche die Meere durchkreuzen. Im Jahre 1900 bestanden schon 27 regelmäßige deutsche Linien nach europäischen Häfen und 34 Linien nach anderen Teilen der Welt. Die Ursachen dieses immensen Aufschwunges schreibt der Verfasser u. a. der verständigen Politik der Reichsregierung zu, welche in folgenden Punkten zum Ausdruck kommen: freie Schiffe, freies Material, Fachschulen, Nachrichtendienst über Wetter und Wind, gute Seefahrtsinstrumente, Mitwirkung der Handelskammern, Tarife auf wissenschaftlicher Grundlage, Regierungssubventionen. — Bei dem schnellen Uebergange von den hölzernen zu den eisernen Schiffen verstand die Regierung völlig, daß die deutschen Werften nicht in der Lage waren, eiserne Schiffe so billig als die englischen es vermochten, zu bauen, und daß die Handelsflotte nur durch Ankäufe in England auf ihrer Höhe gehalten werden könne. So be- ; gaunert die Deutschen zu kaufen, darauf zu repa- ^iteten und dann selbst zu bauen und zwar mit solchem Erfolge, daß jetzt von ihnen schon viele Schiffe nach dem Auslände verkauft werden. Dadurch, daß den deutschen Rhedern in Bezug auf die Schaffung der Schiffe der Weltmarkt offen steht — nur die subventionierten wenigen Linien machen eine Ausnahme —, müssen Sie
In den brennenden Augen des „schwarzen Beppo" beginnt es zu flackern.
„Doch — ich brauch' Sie. Ich will, daß Sie mein Bein verbinden oder sonst was für mich tun!"
Sein Ton empört Pia. Mit einer stolzen Ceberde nimmt sie ihr Kleid zusammen und tritt etwas zurück, den Unverschämten voll anblickend.
Beppo Rosso bemerkt, wie die beiden Kameraden am Tisch die kleine Szene höhnisch beobachten und sich gegenseitig anstoßen. Sein ungebändigtes, rohes Naturell erwacht.
Hastig beugt er sich vornüber, ergreift die Hand der jungen Oberin und preßt seine bärtigen Lippen ungestüm wiederholt auf die schlanken Finger.
Das Blut schießt Pia zu Kopf vor Empörung. Mit einem Ruck reißt sie ihre Hand fort.
Dann verlaßt sie, ohne ein Wort zu sprechen, das Zimmer.
Draußen, vor der Tür, bleibt sie stehen. Ihr echt weibliches Empfinden ist aufs tiefste verletzt. Wie durfte der Unverschämte wagen, sie derart zu beleidigen! . . .
Als sie gleich darauf in einem anderen Saal Rolf begegnet, fällt diesem sofort ihr erregtes Aufsehen aus.
Seine besorgten Fragen beantwortet sie "ausweichend mit der Bemerkung, einer der drei Männer in der Abteilung für entlassene Sträflinge habe sie erschreckt: doch will sie trotz seiner dringenden Bitte weder den Namen des Mannes nennen, noch den Grund ihrer Erregung.
Rolf aber beschäftigt sich die ganze Nacht hindurch mit der Angelegenheit. Sie beunruhigt und empört ihn zugleich.
Als er am folgenden Tage mit Pia die Abteilung für entlassene Sträflinge betritt, beobachtet er die drei Männer ganz genau. Zwei derselben sind unbefangen «nb ruhig. Der dritte wird^unkelrot beim Anblick der jungest
inländischen Werften immer größere Anstreng« ungen in Bezug auf die Vervollkommnung ihrer. Bauten machen, wenn sie einen günstigen ge« schriftlichen Erfolg haben wollen. So wirkt die Weltkonkurrenz befruchtend auf den deutschen Schiffbau. Um erbet den letzteren zu ermöglichen, mit den englischen und anderen ausländischen Werften in Wettbewerb zu treten, hat die Regierung den Bezug des erforderlichen Rohmaterials ganz erheblich erleichtert, indem sie «durch den Zolltarif vom 15 .Juli 1879 bestimmt hat, daß Materialien, welche zum Bau, zur Reparatur oder zur Ausrüstung von Seeschiffen dienen, völlig zollfrei sein sollen. Die Staatsbahnen befördern diese Materialien zu einer äußerst niedrigen Fracht. Was die Fachschulen anbetrifft, so haben schon 1830 Bremen und Hamburg Privatlehranstalten errichtet, um junge Leute in der Methode des Schiffbaues zu unterrichten. 1836 nahm die preußische Regierung den Gegenstand auf und errichtete in Stettin eine gleiche Schule. Aber was hier gelehrt wurde, bezog sich nur auf den Bau hölzerner Schiffe: 188'4 wurde das Lehrgebiet erweitert, um den veränderten Bedingungen des Schiffbaues Rechnung zu tragen. Nicht bloß wurden die Schulen vermehrt, sondern auch Ein- richtungen für die praktische Ausbildung der Eleven auf den einheimischen Schiffswerften getroffen. Zugleich hat die Regierung für gründliche Vorbildung von jungen Leuten gesorgt, welche in den Konsulats- ober kaufmännischen Dienst der großen Privatgesellschaften treten wollen. Eng verbunden mit den Schulen ist die Verbreitung des Wetternachrichtendienstes, der Erprobung und Prüfung der seemännischen Instrumente in den Regierungs-Observatorien, der Herstellung und Ausgabe vorzüglicher Seefahrtskarten. Zu der kaufmännischen Entwicklung der Linien haben die Handelskammern in den verschiedenen deutschen Städten mit gutem Erfolge beigetragen. Die von ihnen erteilten Auskünfte sind bestimmt unb außerordentlich zu- treffenb gewesen. Die Tarife sinb von den sachkundigen Personen auf wissenschaftlicher Grundlage in der Absicht ausgestellt worden, sie zum Wohle der ganzen Nation zu gestalten, einfach und glatt: der Handel soll sich durch sie ermutigen. — In Bezug auf die Regierungssubvention sagt der Verfasser etwa folgendes: Es ist möglich, das deutsche System der Subvention zu verstehen, wenn man nicht die deutschen Kolonien und die Entwicklung des deutschen Handels im Auge behält. Es hat niemals die Absicht bei der deutschen Regierung bestanden, Staatsgelber nur für Herstellung von Schiffen zu bewilligen. Die Regierung verlangte einen wirklichen Dienst, nämlich die Verbindung mit den Kolonien in China, Australien unb Afrika. Man fühlte, daß Deutschland ausgedehnte Märkte haben müßte, um seine Massenproduktion absetzen zu können. Bismarck rief 1881 in Deutschland den Gedanken wach und in 1885 wurde mit dem Norddeutschen Lloyd ein Vertrag abgeschlossen. um die Linien nach China, Japan und Australien ins Leben zu rufen und zu unter-
Oberin, und in seinen Augen blitzt es unheimlich auf. „ „
Noch einen Blick wirft der Arzt auf Mas stolzes Gesicht, das sich nicht wie sonst liebevoll über das Lager des „schwarzen Beppo' beugt, soirdern über den Burschen hinwegsieht — unb er weiß genug. .
Sorgfältig untersucht er die beinahe geheilte Wunde. . , . _
Dann sagt et mit bei ihm ungewohnter Strenge:
„Sie sind aus dem St. Josefs-Heim entlassen, Beppo Rosso.
Einige Augenblicke ist es. als traue der Bursche seinen Ohren nicht. Dann fährt er auf:
„<5o —?“ höhnt er mit unterdrücket.Mut. „Wenn ich aber nicht geh'?"
. „Sie werden gehen!" • •
„Warum?"
„Ist es nötig, daß ich es Ihnen auscinander- sehe? ... Sie gehen — unb damit fertig!“
Pia, die bis dahin etwas abseits gestanden, nähert sich ein wenig, und der „schwarze Beppo steht mit verbissener Wut, wie die Augen bes Arztes und diejenigen der jungen Oberin sich einen Moment lang begegnen — nur ftuchtig, wie ein Hauch: aber die Eifersucht sieht scharf.
Unfehlbar entdeckt sie das Geheimnis, das aus den Blicken leuchtet, um die Lippen zuckt, das aus dem Ton der Stimme spricht, das jebt Fiber des Herzens durchbebt.
Beppo sagt nichts mehr. Aber er ballt dir Fäuste unter der wollenen Decke.
Von diesem Augenblick an besitzt Rolf Alse» einen gefährlichen Feind — einen Todfeind.
Und nicht nur er — auch die stolze junge. Oberin, die keinen Blick hat für den „schwarzen Beppo", der sich doch in Sehnsucht verzehrt nach einem freundlichen Wort von ihren Lippen.
Am nächsten Morgen verläßt Beppo Rosfsi das „St. Josefs-Heim", . =
’ " ■ ^ '(Fortsetzung folgt.)