mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
SottutaasbeUaaer LlluktrirteS GonntsasblaLL.
vierteljährlicher Bczitgspreir^ bet bei Expchüion 2 Mk., 76q Ißi ' bet allen Postämtern 2,2b Ml. ».excl. Bestellgeld).
”* Jnserttonsgebuhr: die gespaltene Zeile oder Seren Raum 1bPfg.
Reclainen: die Zeile 30 Pfg. *.
Marburg
Freitag 12. Juli 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlage Iah. Ang. Koch, UinvcrsitLtz-Buchdnickerci 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2t. — Telephon 55.
Das Avounemeut auf die „Oberheffifche Zeitung", das grötzte, meistgelefeaste «nd welt- v e r b r e i t e t st e Blatt Marbnrgs «nd der Umzegeud kostet vierteljährlich nur S.25 Mk. Inserate haben besten Erfolg.
- Ein neues Landtagswahlgesetz in Preußen.
f Die Meldung, die Borarbeiten für ein neues Landlagswahlgesetj seien bereits im Gange, und •wenn auch der Zeitpunkt für die parlamentarische Behandlung des Entwurfs sich noch ,licht absehen lasse, so sei doch an der Bereitwilligkeit der Negierung zu einer durchgreifenden Wahlreform nicht zu zweifeln, ist amtlich nicht demen- itiert worden. Wir dürfen also annehmen, daß man sich tatsächlich int Schoße der Regierung dazu entschlossen hat, der. Blockpolitik dieses große Zugeständnis zu machen. Den Wünschen des liberalen Blocks entsprechend ist die Neubesetzung des preußischen 'Liultusministeriums vorgenommen worden. Weitz man auch nicht, ob gerade Minister Holle gn diesem Sinne als Nachfolger ausersehen wor- ,dsn ist, jedenfalls mußte Minister v. Studt des- '.wcgeii seinen Platz räumen. Aeber den Sturz :dss Grafen Pofadowsky gehen die Meinungen auseinander. Eine zweite sehr lebhaft ver- ckreiene Forderung der Linken ist die nach der Reform des preußischen Wahlrechts. Sie scheint ft». Prinzip ebenfalls zugunsten des Blocks bewilligt, der im Reiche nur arbeiten will, weiiu. iin Preußen derselbe neue Kurs innegehalten wird".
Wir wollen mit unseren Bedenken nicht zu- rückhalien, daß Regierung und Landtag einer s ch w e r e n A u f g a b e gegenübersiehen, und befürchten, daß es innerhalb des Landtags zu heftigen Zusammenstößen kommen wird Die preußischen Konservativen bringen ein nicht zu unterschützendes Opfer, wenn sie <tn die Beratung eines Gesetzes herantreten, das im Interesse der Reichspolitik eingebracht wird. Denn daß die Reformen sehr radikal sein sollen, darüber haben noch in den letzten Tagen frei- finnige Blätter keinen Zweifel gelassen. Wir halten es jedoch für ausgeschlossen, daß die Regierung den maßlosen Wünschen nach einer v ö l l i g cn 11 m gestaltung des Wahlrechts rtachgeben wird. Man soll nicht vergessen, daß das Wahlgesetz über ein halbes Jahrhundert » preußisches Berfassungsrecht ist und sich im all
gemeinen nicht schlecht bewährt hat. Die glänzende innere Entwicklung Preußens beweist, daß sich mit dcni Wahlgesetz und den aus ihm hervor- gegangencn Landtagen ganz ersprießlich arbeiten ließ. Allerdings ist nie bestritten worden, daß im einzelnen das Wahlrecht verbesserungsbedürftig sei. Die Neu ein teilung der Wahlkreise ist eine dringende Notwendigkeit. Die dichtbevölkerten Bezirke des Westens z. B. sind gegen bett Osten zurückgesetzt. Die Bertretung der fast 6 Millionen bezw. über 3 Millionen Einwohner zählenden Provinzen Rheinland und Westfalen im Abgeordnetenhause ist durchaus ungettügend, wenn man bedenkt, daß diese beiden Provinzen mehr Einwohner, als die östlichen, nördlichen und nordöstlichen Provinzen Preußens (Schlesien ausgenommen) zusammen. Während in Pommern unb Ostpreußen auf 62 000 Einwohner ein Abgeordneter kommt, entfällt in der Rheinprovinz auf 92 000 Einwohner und in Westfalen erst auf 103 000 ein Abgeordneter. Die B e re i n - fach» ng des W a h lv e r f ah r e n s erscheint ebenfalls nötig. Zwar sind schon einige wahltechnische Umständlichkeiten beseitigt worden, aber diese genügen noch nicht. Auf Einzelheiten wollen wir heute nicht eingehen; das Verfahren wäre einer gründlichen Umgestaltung zu unterziehen, da es schwerfällig und unpraktisch ist. Der Grund, auf dem das preußische Wahlrecht aufgebaut ist, braucht nicht neu gelegt zu werden. Wohl aber möchte der plutokratische Charakter des Wahlrechts geändert und dem Grundsätze: „höheren Pflichten größer e Rechte" mehr Bedeutung zugemessen werden. Die gebildeten Kreise, die jetzt zum größten Teil in der Menge der Wähler 3. Klaffe untergehen und gegenüber der Finanzmacht bet* 1. unb auch der 2. Klasse zur Einflußlosigkeit verurteilt sind, haben ein nicht zu bestreitendes Anrecht auf größere Berücksichtigung. Die Regelung dieser Frage halten wir bei einer künftigen Reform für besonders wichtig. Auf die Beibehaltung der indirekten Stimmabgabe ist kein großer Wert zu legen; dagegen dürfte die Entscheidung, ob öffentliche oder geheime Wahl zu großen Schwierigkeiten Anlaß geben. Die Ikebernahme des Reichstagswahlrechts nach Preußen halten wir für politisch inopportun, und wir sind überzeugt, daß die maßgebenden Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses sich der Einsicht nicht verschließen können, daß für Preußen die vollständige Gleichstellung mit dem Reiche kein wünschenswerter Zustand sein würde.
Aus den Aeußerungen linksliberal-freifinniger Stimmen zu schließen, die in der letzten Zeit laut geworden sind, will man in diesen
29 kNachdruck verboten.);
Heimweh nach Glück.
Roman von E r i ch F r i e s e n, (Fortsetzung).
■v* „Endlich, Junge!" poltert der Marchese jovial los. „Wo hast Du denn so lange gesteckt? Kranken besuche gemacht, was?"
„Ja, Onkel, so was ähnliches. Aber nun macht es Euch bequem! Hier, Tante Petronella, Du aufs Sofa! Der Onkel daneben auf den Lehnstuhl! Unb Du, liebe Angelina, vielleicht auf den niedrigen Seffel dort, wie? Früher liebtest Du besonders die niedrigen Stühle'"
Rolf spricht lebhaft, hastig. Der unerwartete Bcsucp seiner Verwandten bewegt ihn mächtig. Besonders, daß Angelina mitgckommen.
Bald eröffnet der Onkel ihm, daß sie, der starken Hitze wegen, auf einige Wochen nach der Schweiz reisen und Rolf gern mitnehmen wollten.
„Wir möchten die alten Zeiten wieder auf- lcben lassen, mein Junge. Zum Kuckuck auch — es ist etwas zwischen uns getreten, was wieder hinweggeräumt werden muß! Der Sohn unserer Schwester ist uns ans Herz gewachsen. Nicht wahr, Petronella?"
,, Die Dame nickt eifrig, während der Marchese lebhaft weiter plaudert.
Rolf fühlt, wie ihm die Augen feucht werden. Er wendet sich ab, nm seine tiefe Bewegung zu verbergen.
Als er seine volle Selbstbeherrschung wieder- gefundcn hat, sieht er Angelinas Augen forschend aus sich ruhen.
Zum ersten Maje fällt ihm auf, wie sehr seine Cousine sich verändert hat.
Gewi,';, sie ist noch immer sehr hübsch. Aber das zarte Gesicht ist beängstigend schmal geworden: um den lieblichen Mund lagert ein scharfer schmerzlicher Zug, der sie um viele Jahre älter erscheinen läßt, als sie wirklich ist, trotz der kindlich zierlichen Gestalt. ,
Rolf bemerkt, wie Angelina unter seinem vollen ernstfragenden Blick die Lider senkt, wie eine gewisse Unruhe sich ihrer bemächtigt, wie ihre ohnehin festgeschloffenen Lippen sich noch mehr zusammenpressen.
Arme, arme Angelina! Noch immer hat sie nicht überwunden!
„Es war Angelinas spezieller Wunsch, daß Du uns begleiten möchtest, Rolf!" mischt Tante Petronella sich ins Gespräch.
„Wirklich?"
Rolf ist aufgestanden und drückt seiner Cousine dankbar die Hand, die, zitternd wie ein gefangenes Vögelchen, in seiner kräftigen Rechten ruht.
Doch merkiviirdig — was ihn früher mit namenlosen Glück erfüllt haben würde, wochenlang in Angelinas unmittelbarer Nähe weilen zu können — es läßt ihn jetzt vollkommen ruhig. Nur Dankbarkeit empfindet er, nichts wie Dankbarkeit für den so liebenswürdig ausgesprochenen Wunsch.
„Du kommst natürlich mit, alter Junge!" ruft der Marchese lustig! „Latz mal Deine Patienten laufen! Andere Aerzte tun das auch!" Rolf lächelt.
Gern würde ich's tun. lieber Onkel. Aber ich bin noch anderweit gebunden."
And er erzählt in kurzen, gedrängten Wor- voil stinem schönen Projekt betreffs des St. Josefs-Heims.
Die Wirkung dieser unerwarteten Nachricht aus die drei Verwandten ist eine durchaus verschiedene.
Mit einem derben Ausruf springt der Marchese empor, seinem Mißvergnügen in polternden Worten Luft machend.
Tante Petronella hingegen flötet entsetzt, der liebe Neffe möge sich vor Ansteckung in Acht nehmen bei dem hergelaufenen Volk, das er in seinem „Heim" aufnehmen wolle.
Nur in Angelinas Wangen steigt leichte Röte, während sie mit ersichtlichem Jnfereffe zu- hört. - “ - - - -
Kreisen entweder „alles oder nichts". Man möge sich vorsehen, daß man nicht etwa statt einer vernünftigen Reform „Nichts" bekommt, weil die freisinnigen Draufgänger durch allzuweitgehende Forderungen das Reformwerk von vornherein unmöglich machen. Wenn die Regierung und die konservativen Parteien der Wahlreform zustimmen, so geben sie den aufrichtigen Beweis, daß es ihnen ernst ist, den Freisinnigen im Block entgegenzukommen und das Ihre zu tun bei der gemeinsamen Durchführung der sogenannten Blockpolitik. Zeigt sich der Linksliberalismus der Lage aber nicht gewachsen und stört durch seine maßlosen Ansprüche ein einheitliches Zusammengehen, dann zeigt er eben, daß er nicht regierungsfähig geworden ist, wonach er so lange strebte, daß er aus der Zeit vor dem 25. Januar nichts vergessen und aus ihren Lehren nichts beherzigt hat. Dr. D.-B.
. • Lettisches Reich.
— Die Ausbildung* der Turnkehrer und Turnlehrerinnen in Preußen. Der Kultusminister hat bestimmt, daß der Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern künftig in den ersten Tagen des Monats Januar, derjenige zur Ausbildung von Turnlehrerinnen in den ersten Tagen des August beginnt. Da es aus äußeren Gründe» bis auf weiteres nicht möglich ist, die beiden Kurse nebeneinander nur in der günstigen Jahreszeit abhalten zu laffen, so kann nur durch die vorbezeichnete Verlegung für beide mehr Zeit und Raum gewonnen werden, die volkstümlichen Hebungen und die Bewegungsspiele im Freien fanget, wirksamer und nach- haltiget zu pflegen, als es die bishetige Lage namentlich des Turnlehrerkursus gestattete. Auch wird in größerem Maße als bisher die Möglichkeit geboten, die angehenden Turnlehrer und Turnlehrerinnen schon während ihrer eigenen Ausbildung daran zu gewöhnen, den Betrieb der Leibesübungen im Freien als das Normale, das Hallenturnen nur als Notbehelf bei ungünstiger Witterung anzusehen. Der Minister verkennt nicht, daß durch die Verlegung der Kurse für einzelne Schulen Anbequemlich- keiten entstehen können. Diese werden jedoch nicht allzusehr ins Gewicht falten dürfen gegenüber den für die Turnlehrerbildung sich ergebenden Vorteilen sowie besonders auch gegenüber der günstigen Rückwirkung, welche aus einer stärkeren Betonung der volkstümlichen Aebungen und des' Turnens im Freien schon bei der Ausbildung der Turnlehrer und Turnlehrerinnen für die Pflege der Leibesübungen im allgemeinen zu erwarten ist;
— Die Bearbeitung der gewerblichen Un- fallftaristik für 1907 ist im Reichsversicherungs- amte bereits in Angriff genommen. Man wird
auf die Veröffentlichung der Ergebniffe dieser Statistik aber wohl schwerlich vor dem Endtz nächsten Jahres zu rechnen haben. Erst kamt dürfte der dritte Band der gewerblichen Anfall« statistik sich den vorhergegangenen aus den Iah» ren 1887 und 1897 anreihen können. Im iifctw gen liegt es in der Absicht, wie die gewerbliche; auch die landwirtschaftliche Unfallstatistik voll zehn zu zehn Jahren zu wiederholen. In einer der nächsten Reichshaushaltsetats werden die dafür erforderlichen Geldmittel eingestellt werden.
— Selbstmorde in Deutschland im Jahre 1905. Nach Heft I vom Jahrgang 1907 der „Viertel« jahrshefte zur Statistik des Deutschen Reiches" sind während des Jahres 1905 in Deutschland 12 810 Todesfälle durch Selbstmord verzeichnet worden, d. f. 342 mehr als im Jahre 1904 und 1333 mehr als im Durchschnitt der Jahre 1895 bis 1904. Die auf je 100 000 Einwohner um« gerechnete Zahl der Selbstmorde war im letzten Berichtsjahre zwar höher als im Vorjahre, aber niedriger als in den Jahren 1902 und 1903; sie betrug von 1899 bis 1905: 19,5 — 20,3 — 20,8 — 2W -- 21,7 — 21,0 — 21,3. Unter dell Selbstmördern des Jahres 1905 find 9913 männ< liche und 2897 weibliche Personen gewesen, d. h< auf je 100 männliche kamen 29,2 weiblich« Selbstmörder'; dieses Verhältnis hat sich seit 1901 — in welchem Jahre auf je 100 männliche nur 25,2 weibliche Selbstmörder kamen — stetig zu Ungunsten der weiblichen Personen geändert. Die wenigsten Selbstmorde im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind während des Jahres 1905 für die Provinz Posen, für Hohenzollern und Elsaß-Lothringen verzeichnet, nämlich 8,8 bis 11,9 Selbstmorde auf je 100 000 Einwohner; demnächst finden sich niedrige Selbstmordzifsern im rechtsrheinischen Bayer» (13,2), sowie in der Rheinprovinz, Westfalen und Westpreußen (13,3 bis 13,6), während die höchsten Selbstmordziffern für Sachsen-Coburg-Gotha (38,1), Sachsen- Altenburg (37,0), demnächst für Berlin (34,9), Bremen (34,6), Hamburg (33,6) und Lübeck (33,3) errechnet worden sind.
— Die Entwicklung Deutsch-Ostafrikas. Die letzte amtliche Denkschrift iiber die Entwicklung Ostafrikas zählt 11 Plötze auf, die mehr als 1000 Einwohner haben. Die größte ist Tabora mit 37 000; esfolgen: Daressalam mit 24 000, Adjidji 14 000, Tanga 5680, Bagamoyo 4978, Kilwa 4477, Lindi 3500, Pangani 3200, Jringa 2500, Sadani 1744, Mikiirdani 1460. Bei der nächsten Zählung wird sicher Motogoro die Taufend überschritten haben, zählte es doch bei der letzten Aufnahme bereits 896. — Der Wert der gesamten Einfuhr unseres deutsch-ostafrikanischen Schutzgebietes ist im Jahre 1906 von 17,7 Millionen auf 25,2 Millionen, also um 7,5 Millionen Mark gestiegen. Von der Zunahme sind
Als die drei sich nach einer halben Stunde von Rolf verabschieden, blickt Angelina zum ersten Male seit dem Tode ihres Bräutigams dem Cousin wieder voll, doch mit einem seltsam befangenen Lächeln, in die Augen.
„Es tut mir leid, daß Du nicht mit uns nach der Schweiz kommst, lieber Rolf," sagt sie leise, „wirklich sehr leid. Aber — Du mußt ja wissen, was Du tust!"
14.
Wieder vergehen einige Wochen — für Pia eine Zeit der Mühe und schweren Arbeit.
Nicht nur, baß sie mit der Einrichtung des St. Josefs-Heims fast übermäßig beschäftigt ist — auch die Sorge tun den Vater nimmt mehr unb mehr zu.
Anter ber hoppelten Einwirkung der Furcht vor Entdeckung seines Verbrechens Und des ver- derbenbringednen „Elixiers", siecht der alte Mann an Körper und Geist immer mehr dahin. Nicht mehr wagt er sich hinaus auf die Straße, da er aus jedem Gesicht argwöhnische Blicke auf sich gerichtet glaubt. In der dumpfen Stubenluft vegetiert er weiter, nur in Gesellschaft der alten Assunta, die von Tag zu Tag mürrischer und verrunzelter wird.
Seit Pia vor drei Jahren die Stellung als Krankenpflegerin im St. Pietro-Hospital angenommen hat, also nicht mehr in beständiger Nähe des Vaters weilt, ihn vielmehr nur alle vierzehn Tage auf ein paar Stunden besucht, seit dieser Zeit fühlt der arme Alte sich erst recht hülflos. Die stolze Kraft der Tochter bildete bi, dahin eine Stütze, an der die Hinfälligkeit des Greises sich anklammcrte.
Aber nun? ....
Aus allen Ecken seines Zimmers grinst ihn ei» Gespenst au — das grause Gespenst der blei- chen Furcht. And dieses Eespeiist trägt die Züge des Fürsten Torlonia.
Nichts halfen Pias Vorstellungen, daß der Vater nur unter Hallnnzinationen leide, her« vorgerufen durch körperliche Schwäche ‘
Lambos Zustand verschlimmerte sich mehr Unb mehr, so baß Pia schließlich auf den Ee« banken kam, den Vater in eine Nervenheilanstalt zu bringen, dessen Leiter, den berühmtes Nervenarzt Dr. Valori, sie vom Hospital aus' kennt. ]
Zuerst weigert sich der Alte. Dann aber willigte er ein; denn „tot sein für die Menschen" — das bildet jetzt den einzigen Wunsch» seines Lebens. 1
Tot fein für die Menschen unb außerdem ~ sein Elixier. |
Nur unter der Bedingung will er sich in der Anstalt bes Dr. Valori vergraben, wenn seine Tochter ihm fest verspricht, ihm allmonatlich mi einem bestimmten Tage eine Portion seines Elixiers zu bringen. Ganz genau auf den Tropfen rechnet er aus, wie viel er im Monat braucht, damit er nicht einen Tag ohne de» Trank zu sein braucht, der ihm allein auf Erden das Leben noch erträglich macht. i
O bittere Ironie des Schicksals! Dieser arme alte Mann, mit einem Fuße bereits am Rande des Grabes stehend — er schauert zurück vor dem kalten Gespenst des Todes unb klammert sich mit ollen Fibern ans Lebe», bas ihm doch nichts mehr bieten kann, als Schaube und Entehrung, im günstigsten Fall — Resignation!
Und weil er so mit allen Fasern am Leben' hängt, bar um atmet er auf, als er aus bem Lebe» vcrschwunben ist, begraben in der welt- vergeffenen Einsamkeit einer Irrenanstalt, wo niemand ihn suchen wirb, ihn, den — Mörder.»
Auch Pia atmet auf, da sie den Batet sicher geborgen weiß. Kein Mensch hat erfahre», wohin die Reise ging, als eines Tages ein verschlossener Wagen vor Sem kleinen Häuschen Ma Lunga Nr. 126 hielt vnd Pia mit dem' Batet und ein paar Koffern efttstieg. j- ;ul*- " , (Fortsetzung folgt.)