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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Erscheint wSchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerri 42. Jahrg.
Marburg, Markt 2L — Telephon ob.
Deutsches Reich.
— Dee Kaiser auf der Rordlandsfahrt. Bergen, 8! Juli. Rach der Ankunft in Bergen meldeten sich beim Kaiser an Bord der „Hohen- zollern" der kaiserliche Gesandte von Treutler und Konsul Mohr Vormittags 10 Uhr hielt der Kaiser an Bord Gottesdienst und arbeitete dann allein. Das Wetter ist regnerisch und kalt.
— Der Bundesrat hat zur Ausführung des Zigaretten st euer gefetzes beschlossen: Zigarettenpapier, das in einer Form oder Aufmachung in den Verkehr gebracht wird, die seine Bestimmung, als Zigarettenhüllen bei der Herstellung von Zigaretten durch den Raucher zu dienen, erkennen läßt, ist gemäß § 2 des Zigarettensteuergesetzes als steuerpflichtige Zigarettenhüllen zu behandeln und nach der Zahl der Einzelblättchen zu versteuern, die davon entnommen werden können. In Zweifelfällen ist der Steuerberechnung eine Größe des Einzelblättchens von 27 qcm zu Grunde zu legen.
— Vom Reichsvereinsgesetz. Das angekündigte und auf Betreiben des Grafen Posadowsky ausgearbeitete Reichsvereinsgesetz wird, wie die „Voss. Ztg." hört, dem Reichstage sofort bei seinem Zusammentritte zugehen.
— Zur Frage der Pensionsversicherung der Privatangestellten hat der „Deutschnationale Handlungsgehilfen - Verband, der jetzt über 100 000 Mitglieder zählt, auf seiner Dresdener Tagung nach eingehender Beratung der amtlichen Denkschrift und ausgiebiger Beleuchtung aller in Betracht kommenden Gesichtspunkte neue Wege für die fernere Behandlung der Frage gezeigt und praktische Vorschläge für die Ausgestaltung der Pensionsversicherung gemacht. Die bisherigen allgemeinen Besprechungen der Denkschrift haben noch kaum nennenswerte praktische Ergebnisse gezeitigt. Umsomehr sind die Vorschläge des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes von Wert. Cie gipfeln in der Forderung einer besonderen Kasseneinrichtung für die Privatbeamten eines 10- (statt 14) prozentigen Beitrages, der Berufsinvalidität, einer Altersrente spätestens bei Vollendung des 65. Lebensjahres usw. Der Reichszuschuß soll dem Privatangestellten erhalten bleiben. Der Verband hat seine Vorschläge in einer Schrift niedergelegt, die er gegen Einsendung von 50 Pfg. an Interessenten abgiüt.
— Zum Rerchsapothekengesetz. Die Handelskammer zu Trier beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Entwurf eines Reichsapothekengesetzes. Wie die Vereinigung füdwest- preußi scher Handelskammern bei ihrer jüngsten Tagung in Wetzlar, spricht sich die Kammer ge-
Deutscher und preußischer
Kriegerbundstag in Thorn.
Alte Krieger aus allen Teilen Preußens und Deutschlands haben in Thorn ihren Einzug gehalten, um den Tagungen des Deutschen Krie- gerbnndes und des Preußischen Landes-Krieger- Verbandes beizuwohnen. Die Beratungen wurden am Sonntag eröffnet mit der Generalver- der Sterbekasse des Deutsch en.- Ktiegerbundes, die dessen Vor- sitzender Herr Geheimer Regierungsrat Pro- ■ fessor Dr. Westphal-Berlin mit einem dreifachen \ Hurra auf den Kaiser einleitete. Der erste Gegenstand der Tagesordnung war die Erstattung des Geschäftsberichts für 1906. Das Geschäftsjahr war ein sehr günstiges. Es brachte der Kasse einen Zuwachs von 5188 Versicherungen, sodaß die Zahl derselben auf 81082 stieg, die zusammen ein Kapital von 19 538 821,26 versichert haben. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist das Versicherungskapital bereits auf über 20 Mill. Mark gestiegen. Unter den Versicherungen befinden sich 499 geschlossene Vereine mit 35 630 Mitgliedern über 3 621975 Mark Versicherungskapital. 56 dieser Vereine haben eine Kapitaleinzahlung geleistet. Unter den Versicherten sind 17 003 Frauen bezw. Witwen. Die Versicherungen mit ärztlicher Untersuchung werden immer noch wenig verlangt. Es besteht daher die Absicht, die Kosten der ärztlichen Untersuchung auf die Sterbekasse zu übernehmen. Durch Todesfall erloschen 1074 Versicherungen, für die 227 861,34 Mk. Sterbegeld gezahlt wurden. Zehn Todesfälle fielen in die ersten sechs Monate der Versicherungsdauer, sodass nichts gezahlt werden konnte. Um die gewiss noch kurze Wartezeit bei Versicherungen ohne ärztliche Untersuchung noch erträglicher zu gestalten, ist in dem Entwürfe der neuen Satzungen vorgesehen, daß bei Tod durch Unfall und akute Infektionskrankheiten auch innerhalb der Wartezeit die volle Versicherungssumme gezahlt werden soll. Die Sterbekasse erzielte im Jahre 1906 einen Reingewinn von 215 681,52 Mark. Die Versammlung genehmigte, daß hiervon 131766 Mk. als Dividende — 25 Proz. der Jahresbeiträge, den Mitgliedern zurückgewährt werden, und zwar soll dies in vierteljährlichen Raten erfolgen. Ferner sollen 30 000 Mark der Eicherheitsreserve, 28,915,40 Mk. der Eewinn- reserue der Versicherten, 15 000 Mk. der Be- vmtcnruhegehalts- und Witwen- und Waisen- Versorgungskasse des Deutschen Kriegerbundes für die Beamten der Sterbekasse zugeführt und
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Marburg
Mittwoch. 10. Juli 1907.
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Noch nie hat Rolf Alfen sie so erregt gesehen. Ein verwunderter Blick streift ihr sanft gerötetes, schönes Gesicht.
Ich besinne mich immer, wo ich Ihnen früher bereits einmal begegnet bin," sagt er nachdenklich. „Beim ersten Anblick im St. Pietro-Hospital wußte ich, daß Sie mir keine Fremde mehr waren. Aber wo habe ich Sie schon gesehen? Wo?"
Pia ist ein wenig bleich geworden.
„Vielleicht irgendwo im Gedränge auf der Straße —" erwidert sie mit erzwungener Gleichgültigkeit, indem sie rasch zum Fenster geht, als wolle sie frische Luft schöpfen.
Dr: Alfen folgt ihr.
„Da .wir nun in eine Art Gemeinschaft treten, Fräulein Lambo, als Führer einer Wohltätigkeitsanstalt, wollen Sie mir eine Frage gestatten, die meiner Sympathie fiit meine tapfere Mitkämpferin an einem großen Werke entspricht?"
„Bitte!"
„Ich kenne Sie nur als Fräulein Pia Lambo. Und wenn das für mich auch genug ist, — darf ich fragen, ob Sie nähere Verwandte besitzen? Vielleicht Eltern? Geschwister?"
Pias Antlitz verdüstert sich.
„Ich begreife Ihre Frage, Herr Doktor," lautet die ernste, fast schroffe Entgegnung. „Aber ich kann dieselbe nicht beantworten. Es ist mein innigster Wunsch, daß zwischen uns beiden stets Freundschaft und vollstes Vertrauen walten möge. Aber zwischen meinen Verwandten — wenn ich überhaupt Verwandte besitze" — setzt sie hastig hinzu -- „und zwischen Ihnen liegt eine weite Kluft. Ich bitte Sie ein- für allemal, mich niemals nach meiner Familie zu fragen, Herr Doktor!"
Bereits während der letzten Worte ist Pia rasch die düstere Steintreppe hinabgestiegen.
Langsam folgt ihr der Arzt. Schon bereut er seine Frage. Wer weiß, welch trauriges Geschick das Mädchen in den schweren Beruf einer Krankenpflegerin getrieben! !
Fast verlegen reicht er ihr die Hand zu« Abschied. ' (Forts, folgt.), .
Sie stockt, nm gleich darauf erregter fortzufahren :
„Begreifen Sie noch immer nicht, Herr Doktor, daß es mich glücklich macht, unter Ihrer Leitung tätig zu sein?"
Pia hat sich vom Fensterbrett erhoben. In ihrer ganzen Höhe, die Arme über der Brust verschlungen, steht sie vor dem sie noch um beinahe Kopfeslänge überragenden Manne. Voll, aber gänzlich unbefangen, blicken ihre großen dunklen Augen in die seinen.
Und der Mann erwidert den Blick ebenso offen und ehrlich. Keine Sekunde lang zuckt etwas wie Eitelkeit in seinem Herzen auf. Er kennt Pia Lambo seit vier Jahren, da er als junger Assistenzarzt nach dem St. Pietro-Hospital kam und sie dort bereits als Pflegerin vorfand. Wie oft hat er mit ihr zusammen gearbeitet! Bei wie vielen Operationen hat sie tapfer mitgeholfen! Wie vielen Sterbenden die letzten Minuten erleichtert!
Er glaubt, jede Regung ihrer Seele' zu kennen, und deshalb kann er ihre schlichten Worte heute nicht mißverstehen.
Nach einer kurzen Pause streckt er mit freudigem Lächeln seine Hand aus.
„Topp, Fräulein Lambo! Ich ernenne Sie hiermit feierlichst zur Oberin des St. Josefs- heims, noch bevor dis Arbeiten zu demselben begonnen haben. Sie werden die treibende Kraft des Ganzen fein. Ihr Lächeln wird Sonnenschein in die bedrückten Herzen zaubern, Ihr warmes Mitleiden die Schrecken des Todes zu bannen wissen."
„Unter Ihrer Führung, Herr Doktor " lächelt sie zurück. „Bald werden Sie das erreicht haben, wozu Sieauf dieser Welt berufen sind. Sie werden ein großer, brühmter Chirurg sein, der Operationen ausführt, die bisher noch kein Arzt wagte. Sie werden Tausende von kostbaren Menschenleben retten. Mit Bewunderung wird die Welt zu Ihnen emporblicken. O, welch ein herrlicher Beruf ist derjenige eines Arztes!"
Pia hat lebhaft und immer lebhafter gesprochen. Höchste Begeisterung flammt aus ihres Dunklen Augen, — ' *------------ --------
Heimweh «sch Glück.
Roman von Erich Friesen,
f „ (Fortsetzung). r-y. T* ■ Das alltägliche Männergesicht interessiert die Kruder unten nicht sonderlich. Nach einer Weile verlassen sie ihren Beobachtungsposten und beginnen nach alter Gewohnheit wieder zu spielen in ihren Haufen von Schmutz und Abfällen.
Droben in dem „Palazzo" selbst findet ein überaus eifriges Gespräch statt.. Wände werden ausgemesseu, Notizen gemacht, Zeichnungen entworfen.
Das Gesicht des hochgewachsenen Mannes ist dabei ernst und ruhig; das schöne Antlitz der Dame färbt die Röte der Begeisterung.
„Es wird alles nach Ihren Anordnungen scheheu, Fräulein Lambo, verlassen Sie sich rauf!" sagt soeben die tiefe, sonore Männer- stimme. „Sie wissen nicht, wie dankbar ich Ihnen bin, daß Sie mir bei meinem Werk behilflich sind. Was sage ich? Behülflich sind? Nein, daß Sie mir die ganze Arbeit abnehmen, daß Sie die Seele des Ganzen sind."
Pia Lambo lächelt.
„Es ist mir ein Herzensbedürfnis, Herr Doktor, der leidenden Menschheit nach meinen schwachen Kräften zu helfen. Und wer bedarf wohl mehr unserer Hilfe, als die armen, elternlosen, verwahrlosten Kruder der Straße und jene armen Geschöpfe, die gebrochen an Leib und Seele aus den Gefängnissen und Zuchthäusern entlassen werden, ohne zu wissen, wohin mit ihrem bischen Leben, das sie sich aus ihrem Elend, ihrer Schande gerettet haben."
Pia spricht ruhig, sachlich und doch zittert etwas wie tiefe Bewegung in ihren Worten nach, die dem Manne vor ihr nicht entgeht.
„Fräulein Lambo —", sagt er ernst, sie forschend anblickend — „ich möchte Ihnen nochmals eindringlich ins Gewissen reden. Setzen Eie sich hierher auf die Fensterbrüstung — sehen Sie, ich habe sie vorher mit meinem Taschentuch von Staub und Moder gesäubert!"
10 000 Mk. zur Vergütung an die Generalbevollmächtigten der Sterbekasse verwendet werden.
Die vom Vorstande entworfenen neuen Satzungen der Sterbekasse und Ver - sorgungsanstalt des Deutschen Krieger- bundes, über die Direttor Dr. Kohl referierte, wurden nach kurzer Debatte unverändert angenommen, ebenso auch neue Versicherungsbedingungen, die jetzt vollständig von den Satzungen losgelöst sind, lieber den Bau eines Geschäftshauses berichtete General z. D. Bartels-Berlin, daß dieses zu Berlin in der Gaisbergstraße errichtet und bis zum Schluß nächsten Jahres vollendet werden soll. Es wird gleichzeitig dem Deutschen und dem Preußischen Kriegerbunde ein Heim gewähren und zur besseren Verzinsung auch einige Läden und im zweiten und dritten Stockwerk auch Wohnungen enthalten. Im vierten Stockwerk soll die Sterbekasse und parterre die Verwaltung der beiden Kriegerbünde untergebracht werden. Zum Schluß gab Ministerial- Direktor v. Geyer-Stuttgart seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Sterbekasse des Deutschen Kriegerbundes durch die neuen Satzungen ihr Eeschäftsgebiet auf das ganze deutsche Reich ausgedehnt habe.
Die Deutsche Krieger-Fechtanstakt hielt ihre Hauptversammlung unter Vorsitz des Oberst z. D. Richter-Berlin ab. Nach dem erstatteten Geschäftsbericht war das letzte Jahr für die Fechtanstalt ein sehr günstiges. Die Einnahmen betrugen einschließlich bes. Erlöses aus dem Verkaufe der Sammelpostkarten des Deutschen Kriegerbundes 158 741,37 Mark. Davon wurden verausgabt für Verwaltungskosten und Porto 1744 Mk., für Fechtabzeichen 2630,64 Mk., für Sammelbüchsen und Zigarrenabschneider 4183,80 Mk. 150 140,72 Mk. konnten an die Kronprinz- und Kronprinzessin-Stiftung abgeführt werden. Heber die Verwendung der zur silbernen Hochzeit des Kaisers von den Mitgliedern des Deutschen Kriegerbundes unter Mitwirkung der Fechtanstalt gesammelten 258 000 Mk. ist von allerhöchster Stelle dahin entschieden worden, daß die Zinsen dieser Summe unter dem Namen „Kaiser Wilhelm- und Kaiserin Augusta-Viktoria-Spende" alljährlich am 27. Februar von der Kaiserin als Erziehungsgelder und Beihilfen an entlassene Zöglinge der Kriegerwaisenhäuser verteilt werden sollen. Die Vorschläge hierzu macht der Vorstand des deutschen Kriegerbundes unter Berücksichtigung besonders würdiger und befähigter Zöglinge.
gen die von der Regierung beabsichtigte reine Personalkouzession und für die Realkonzession aus. Die Kammer befürchtet, daß die tiefer liegende Absicht der Regierung auf eine allmähliche Kommunalisierung oder gar Verstaatlichung des Apothekenwesens hinzielen könne, weshalb sie sich mit allen gegen eine Stimme gegen den Regierungsantrag aussprach. — Bei dieser Gelegenheit soll eine Entschließung mitgeteilt werden, die von der Versammlung bei bayrischen Landesverbandes der Apotheker- gehülfen kürzlich in München gefaßt worden ist, aber bett gegenteiligen Standpunkt vertritt: Die Hauptversammlung des Landesverbandes Bayern des Verbandes kond. Apotheker für das Deutsche Reich gibt ihrer Genugtuung Ausdruck, daß der veröffentlichte Entwurf eines Reichsapothekengesetzes auf dem Prinzip der Personalkonzession aufgebaut ist. Der Landesverband sieht nach wie vor in der Personalkonzession die zur Zeit beste Grundlage für die Apothekenreform. Die Versammlung verkennt dabei nicht, daß einzelne Bestimmungen des Entwurfes einer Aenderung durchaus bedürftig sind/hegt jedoch die bestimmte Zuversicht, daß es dem Zusammenwirken der Regierungen, der gesetzgebenden Körperschaften und der ernstlich nach einer Besserung der Verhältnisse strebenden Fachangehörigen gelingen wird, möglichst bald ein ersprießliches Gesetz zu schaffen.
— Die innere Wertlosigkeit des neuen deutsch-amerikanischen Handelsabkommens — so schreibt die „Rh.-W. Ztg." — wird jetzt durch folgende Meldung bestätigt: Die amerikanischen Zollbeamten sind angewiesen worden, bett Bescheinigungen der französischen und österreichi- fchen Handelskammern bei der Wertbestimmung der Einfuhrwaren die gleiche Anerkennung zuteil werden zu lassen, wie denjenigen der deutschen Handelskammern. Auch die Bescheinigungen englischer HandelKkammern werden wohl in gleicher Weise respektiert werden. Mit anderen Worten, die Konzessionen, die wir durch weitgehende Gegenleistungen erst erkaufen mußten, fallen den übrigen Mächten gratis zu."
— Der Entwurf eines neuen sächsischen Landtagswahlrechts ist soeben amtlich bekannt bekannt gegeben worden. Danach wird die Zahl von 82 Abgeordneten für die zweite Kamme; der Ständeversammlung beibehalten. Die Ab geordneten werden zum Teil in^ direkter Ver hältniswahl, zum Teil von Bezirksverbände und von den Kommunalvertretungen von Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zwickau ge> wählt. Die Legislaturperiode dauert 6 Jahre, die bisherige halbschichtige Erneuerung bet Kammermitglieder in dreijährigem Turnus
Pia nimmt auf der improvisierten Bank Platz und sieht erwartungsvoll zu der hohen Männergestalt empor.
„Nun?"
„Haben Sie sich auch wohl überlegt, welch schwerer, kaum zu überwältigender Arbeit Sie entgegensetzen?"
„Gewiß, Herr Doktor."
„Ich weiß, Sie find ein starker Geist, Fräulein Lambo. Ich hatte oft genug im St. Pietro- Hospital Gelegenheit, Ihre Energie, Ihre Kaltblütigkeit, Ihre Opferfreudigkeit zu bewundern. Wehren Sie nicht ab! Es ist so. Was oft für einen Mann zu schwer erschien — Sie, die Frau, die Pflegerin führten es aus. Nie hätte ich gewagt, Sie um Ihre Hilfe bei meinem jungen Unternehmen zu bitten, wenn Sie mir dieselbe nicht angeboten hätten!"
„Bitte, Herr Doktor —" erwidert Pia, und es klingt etwas wie leise Ungeduld aus ihrer jetzt ganz festen Stimme. „Wir haben bm Sache ja bereits genügend erörtert. Sie wissen, meine ganze Seele ist bei Ihrem Unternehmen. Ich freue mich von Herzen auf den Augenblick, da wir das St. Josefsheim eröffnen werden. Lassen Sie mir doch meine Freude?"
Wieder, wie schon oft in diesen Tagen, fragt sich der junge Arzt, welch seltsames Wesen in dieser junonischen Mädchenaestalt vereinigt ist: zarteste, anmutigste Weiblichkeit'mit männlicher Energie und Schaffenskraft. Und zu Zeiten wieder eine tiefe Trauer, dis fast an Melancholie streift.
Nochmals blickt er ihr zweifelnd in das stolze Antlitz.
„Sie wissen, wie hoch man Sie im St. Pietro-Hospital schätzt, Fräulein Lambo. Schon jetzt ist Ihr Gehalt ein bedeutendes. Es wird sich noch erhöhen, während ich, ein Anfänger, Ihnen nicht viel bieten--“
„Ich sehe die Angelegenheit nicht vom Standpunkt des pekuniären Vorteils an, Herr Doktor," unterbricht sie ihn lebhaft. „Ich selbst brauche kein Geld. Was Sie mir geben, genügt für meinen ■ —
Vierteljährlicher Bezugspreis: bei oer ExpHition 2 SRC., l^o 1SQ bei allen Postämtern 2,25 Mk. texct. Bestellgeld).
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