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Erstes Blatt.

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Von 100 Einwohnern lebten

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(Nachdruck verboten.^

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speziell in den Großstädten:

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auf dem Lande: 71,93 67,57 56,93

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Städten: 1849 : 28,07 : 1871: 32,34 1900: 43,07

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Marburg

Sonntag. 7. Juli 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck und Verlag'. Joh. Slug. Koch, UnivcrfitätS-Buchbnickerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon ob.

1905 : 45,23 . 20,00 54,77

Demnach ist seit der Gründung des Reiches, seit 1871 in Preußen die Zahl der Bevölker­ung gestiegen

in den Städten um 39,9 Proz.

in den Großstädten um 286,1 Proz

Gefallen au f dem Lande um 18,9 Proz.

Im Jahre 1900 waren von der ortsan­wesenden Bevölkerung in Berlin eingeboren nur 40,91 Prozent. G.

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Es erübrigt sich, für diese Zahlen noch einen besonderen Kommentar zu geben! sie sprechen für sich selbst.

Bezüglich der Zunahme steht an der Spitze die Provinz Brandenburg mit 8,02 pEt. ihrer Bevölkerung, infolge des rapiden Anwachsens ter Vorstädte Berlins. So ergab sich z. B. eine Bevölkerungszunahme

für den Sradtkr. Rixdorf von 54,1 pCt.

: für den Siadtkr. Schöneberg von 38,3 pEt.

für den Landtr. Teltow von 34,9 pEt.

' für den Landtr. Niederbarnim v. 26,9 pCt.

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Die Binnenwanderungen in Preußen und die Landwirtschaft.

Die Zeitschrift des König!. Preuß. Stat. Pandesamts, 1. Abt. 1907, bringt aus der Feder von Dr. Max Bröfike einen Artikel,Die Binnenwanderungen im Preuß. Staate", auf b$u- ese^Ärlohnt, näher einzugehen.

Dgurrch hat der Preußische Staat innerhalb der letzten Volkszählungsperiode, vom 1. 12. 11900, durch Wanderung einen Bevölkerungsge- Vinn von 96 645 Einwohnern gleich 0,28 pEt. zu verzeichnen, während sich noch in der Zählungs- pcriode 1890/95 eine Abwanderung ergab. Diese Aenderung in der Bevölkerungsbewegung .mag wohl zumeist zurüzuführen sein auf das Anwachsen der Zahl der Reichsausländer in Preuße», von beim 1905 gleich 524 874 gezählt wurden, dagegen

. 1900 -- 3ß8 003

. 1895. 205818 . ..'

1871 87 304. .

Die Zahl der Reichsausländer in Preußen hat sich also seit der Reichsgründung um das Sechsfache vermehrt?

Für die einzelnen Provinzen aber stellten sich dieBinnenwanderungszahlen" wie folgt:

Die Zahl der vom 1. Dez 190" bis 1. Dez. 1905 Zu- (+) oder Weg. () gezogenen.

v. Hundert der

zenten der Bevölkerung in den 6 Jahren 1900 bis 1905 im Durchschnitt bei der Stadtbevölkerung 1,21 Prozent,

Landbevölkerung 1,76 Prozent.

Frage:Wtegroß ist der r e g e l m ä ß i g e Bevölkerungsverlust-es platten Landes in Preußen?" wiederzugeben. Es heißt da:

Der natürliche Bevölkerungs­zuwachs auf dem platten Lande beträgt z. Z. durchschnittlich jährlich rund 345 000 Köpfe, der Wanderverlust rund 200 000 Köpfe. Nun wurden nach der letzten Volkszählung 1905 in der Landwirtschaft und den verwandten Be­rufsgruppen rund 95000 Personen mit außer­deutscher Staatsangehörigkeit ermittelt. Die Hauptmaste dieser Personen darf als Ersatz der mangelnden landwirtschaftlichen Arbeitskräfte gelten. Auf diesen Annäherungswert kann man den Schluß gründen, daß das platte Land z. Z. durchschnittlich jährlich 200 000 Personen an die Städte und die Industrie abgibt, daß es aber bei Ausfüllung aller ländlichen Arbeitsplätze nur etwa 125000 Köpfe abgeben könnte."

Also werden selb st nach dieser ge­wiß sehr vorsichtigen Berechnung dem platten Lande, d. h. der Land­wirtschaft, zugunsten der Städte und der Industrie in Preußen nicht weniger als 75 000 Personen jähr­lich etr t zog en.

Zum Schluß noch einige Daten, die ein all­gemeines Interesse haben dürften:

Der lleberschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug in Pro-

Heimweh und) Glück.

Roman von Erich Friesen.

> '(Fortsetzung). v

12.

D-er große Saal im Justtzpalast zu Neapel ist heute überfüllt, und immer mehr Neugierige strömen herzu, um der Sensation des Tages, dem Giftmordprozeß Rolf Alfen beizuwohnen.

Die gewöhnlichen Formalitäten find bereits erfüllr, einzelne Zeugen, zumeist Bedienstete des .Grand-Hotel, welche um die fragliche Zeit hef­tigen Wortwechsel in dem Zimmer des Fürsten gehört haben wollen, vernommen.

Der Portier, ein freundlicher alter Mann, der einen durchaus glaubwürdigen Eindruck macht, erzählt, an dem betreffenden Abend fei der Angeklagte bereits gegen zehn Uhr ins Hotel gekommen und habe nach dem Fürsten Torlonia gefragt. Die Mitteilung, der Herr Fürst sei noch nicht ins Hotel znrückgekehrt, habe den An­geklagten ersichtlich erregt. Er sei auch nicht fortgegangen, sondern in der Nähe auf der Straße auf und ab promeniert wie der Zeuge von seiner Portierloge beobachten konnte und kaum habe der Fürst eine halbe Stunde später das Hotel betreten, als auch der Ange­klagte wieder auftauchte. Er habe seinen Namen ißum Melden bei dem Herrn Fürsten zuerst nicht Rennen wollen, auf die bestimmte Bemerkung des Portiers, der Fürst empfange niemand ohne vorherige Anmeldung, jedoch eine Visitenkarte aus der Tasche gezogen. Als er, der Zeuge, die Karte dem^Herrn Fürsten überreicht habe, sei der Herr Frst ersichtlich unangenehm berührt gewesen, er habe jedoch befohlen, den Herrn herauizugeleiten. Mehr als anderthalb Stunden sei der Beklagte oben beim Herrn Fürsten ge­wesen. Heftige Worte seien gefallen, so heftig, daß der Zeuge mehrere Male um Ruye bitten wollte, jedoch stets wieder davon Abstand-nahm, weil das Hotel gerade nicht übermäßig besetzt war und der Herr Fürst zu den Stammgästen des Grand Hotels aehätie. Schließlich babe der-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchtzaiiu

Sontttaasbeilaaer ZNnttrirteS StmnteMMäL 7

ein Bruder, sondern heißer, leidenschaftlicher wenn er nun wirklich---

Er erhebt sich von seinem Stuhl und tritt etwas vor, um bester sehen zu können.

Dort auf der Anklagebank sitzt sein Neffe, sein Pflegesohn, das Kind seiner inniggeliebten Schwester, des schrecklichsten Verbrechens ver­dächtig. Aber er sitzt nicht da wie ein Verbrecher nein, ernst und traurig zwar, aber nicht scheu und gedrückt.

Mit einem Seufzer der Erleichterung läßt sich der Marchese wieder auf seinen Stuhl fallen. Ein Blick in das offene Gesicht des Neffen hat ihm das Vertrauen wiedergegeben.

Jetzt betritt ein anderer Zeuge den Saal der Arzt, welcher die Todesursache bei dem Fürsten Torlonia festgestellt hatte.

Er sagt aus, daß der Fürst ohne jeden Zwei­fel nicht eines natürlichen Todes gestorben fei, sondern an Vergiftung. Dabei präsentiert er ein Fläschchen, welches auf der Erde neben dem Toten gelegen hatte. Es enthielt noch einen Bodensatz desselben Giftes, welches bei der Ob­duktion der Leiche ip dem Magen gefunden wurde. Die Art des Giftes sei dem Zeugen un­bekannt. Es mäste ein fremdländisches Gift fein vielleicht aus dem Orient. Zweifellos ent­halte es Opium: doch habe es noch einen anderen durchdringenden Geruch, wie man ihn in der ganzen Heilkunde hierzulande nicht kenne. . .

Bei diesen klar und überzeugungsvoll ausge­sprochenen Worten aus dem Munde des Arztes entsteht abermals heftige Bewegung im Pub­likum.

Ein junges Mädchen in der zweiten Reihe, das vorher eifrig zugehört, ist todesbleich auf den Stuhl zurückgesunken. Jemand fragt die Dame leise, ob ihr unwohl sei und ob sie in die frische Luft zu gehen wünsche.

Heftiges Kopfschütteln als Antwort und so­fortiges Zusammennehmen aller Kräfte.

Roch gespannter als vorhin, die großen Augen unnatürlich weit geöffnet, fitzt von nun an das junge Mädchen da. den Körper ein

DsuLscheS Reich.

lieber das preußische Staatsschuldbuch und das Reichsschuldbuch läßt sich eine neuerdings be­wirkte amtliche Zusammenstellung der wich­tigeren Bestimmungen über die preußischen Staats- und Reichs-Wertpapiere folgender­maßen aus: Das preußische Staatsschuldbuch und das Reichsschuldbuch sind dazu bestimmt, den Besitzern von Schuldverschreibungen der

Angeklagte sich droben von dem Herrn Fürsten verabschiedet mit den zornigen Worten:Ich hoffe, Ihnen nie mehr int Leben zu begegnen, Fürst Torlonia. Cie sind ein Schurke!" Eine Antwort von Seiten des Herrn Fürsten habe der Zeuge nicht gehört. Jedoch sei gleich dar­nach der Angeklagte in großer Erregung, mit feuerrotem Kopf, die Treppe herabgeeilt, habe mit auffallender Hast ihm, dem Zeugen, ein Fünffrankenftück in die Hand gedrückt und dann gemacht, daß er fortkam.

Am nächsten Morgen, als bet H-rr Fürst nicht wie gewöhnlich um acht Uhr nach seiner Chokolade klingelt^ die er stets im Bett einzu­nehmen pflegte, habe der Zeuge an der Tur von Nr. 28 geklopft und sei dann, da keine Antwort erfolgte, in das Zimmer eingetreten, wo er den Herrn Fürsten tot auf dem Sofa liegend vor­fand. Die Zimmertür sei unverschlosten gewesen.

Im Zuschauerraum. lebhafte Bewegung. Die Aussagen des Portiers in ihrer Zurückhaltung und ruhigen Uebsrlegenheit ergeben erdrückende Schuldbeweise gegen den Angeklagten.

Der Marchese Margoni, welcher ganz hinten sitzt, halb verdeckt von einer Säule, wischt sich die Hellen Schweißtropfen von der Stirn. Er gedenkt der kurzen Unterredung, die er vor der Verhandlung in Gegenwart des Verteidigers mit seinem Neffen gehabt eine Unterredung, in welcher beide den jungen Mann beschworen, den Grund seiner Zusammenkunft mit dem Fürsten in jener verhängnisvollen Nacht zu nennen, da dies vielleicht Klarheit in die myste­riöse Angelegenheit bringen könne und zum Freispruch führen müste... Er gedentt der ruhig-ernsten Abwehr seines Neffen und der halb wehmütigen, halb stolzen Worte:Wenn ich auch den Grund aufdeckte, Onkel Carlo mir würde es nichts nützen und anderen schaden" . . . gedenkt des unzufriedenen Achsel­zuckens des Verteidigers bei dieser seltsamen Starrköpfigkeit des jungen Mannes. . .

Einen Moment zuckt etwas wie Argwohn durch das Herz des Marchese. Wie, wenn der Junge in einer Sekunde wahnsinniger Eifer­sucht --er liebt ta Angelina nicht nur wie

preußischen konsolidierten Anleihen und von Schuldverschreibungen des Reiches unbe­dingte Sicherheit für die Erhalt­ung ihres Eigentums unter gleich­zeitiger prompter Zinszahlung za gewähren. Dieser Zweck wird dadurch erreicht, daß an Stelle der eingelieferten Schuldver­schreibungen, die vernichtet werden, eine dem Nennwert derselben gleichkommende Forderung auf den Namen des betreffenden Besitzers oder einer anderen von ihm bezeichneten Person in das Staats- oder das Reichsschuldbuch einge­tragen, hierbei auch verwerft wird, an wen und auf welchem Wege die Zinsen gezahlt werden sollen. Die Benutzung des Staats-. und des Reichsschuldbuchs kann hiernach nur allen empfohlen werden, die ihr Vermögen dauernd anlegen und sich hierbei nicht nur von der Sorge und Mühe sowie den Kosten der Aufbewahrung befreien, sondern auch gegen Vermögensverluste durch Diebstahl, Feuer, Verlieren usw. wirksam schützen wollen. Die Eintragungen in das Staats- und Reichsschuldbuch erfolgen auf Grund von Anträgen, die an die Hauptverwalt-i ung der Staatsschulden (Reichsschuldenverwalt­ung) in Berlin SW 68, Oranienstraße 92/94, zu richten sind. Vordrucke zu Anträgen werden von den Regierungs«. Hauptkassen, Kreiskassen und Reichsbankanstalten Unentgelt'- lich verabfolgt. Die Zinsen werden halb­jährlich gezahlt und können nach Wunsch ent», weder durch die Post bezogen, oder auf Reichs« bank-Eirokonto des int Schuldbuch eingetra­genen Zinsen-Empfangsberechtigten gutgeschrie­ben, oder bei der Staatsschulden-Tilgungskaste in Berlin, bei einer Regierungs-Hauptkaste oder Kreiskaste, bei einer mit Kasteneinrichtung versehenen Reichsbankanstalt oder endlich bei . den Hauptsteuerämtern in Brandenburg a. H.

und Eberswalde, den Steuerämtern in Aschers- - leben, Gransee, Hechingen, Schönebeck, Schwedt, Spandau, Wernigerode, Wittstock, Wriezen, dem Hauptzollamt in Wolgast und dem Nebenzollamt in Barth abgehoben werden. Als Empfänge" der Zinsen kann auch eine andere Person als der Gläubiger, auch ein Bankgeschäft oder eine an­dere Firma im Schuldbuch eingetragen werden. Die Umwandlung der Konsols und Reichsschuld­verschreibungen in Buchschulden geschieht ge­bührenfrei. Auch für die laufende Verwaltung werden keine Gebühren erhoben. Nur Schuld­verschreibungen der konsolidierten Staatsan­leihen und der Reichsanleihen, nicht auch die der Kündigung und Tilgung unterliegenden Schuld- papiere, können in Buchschulden umgewandelt werden. Eine Buchforderung kann jederzeit auf Antrag des Berech­tigten ganz oder teilweise wieder gelöscht werden. Es werden dann gegen Entrichtung einer mäßigen Gebühr wieder neue Schuldverschreibungen, deren Nennwert der wenig vornüber gebeugt, um ja kein Wort des nun Folgenden zu verlieren.

Während dieses Zwischenfalls läßt der An­geklagte zum ersten Male seine Augen über die dichtgedrängte Menge schweifen.

Ueberall neugierige, kalte Gesichter, bte ihn anstarren wie ein Ausstellungsstück, gleichgültige Menschen, die hergekommen sind, um einem Sen­sationsschauspiel beizuwohnen und ohne allen Zweifel enttäuscht wären, wenn aus dem Knall­effekt, der Verurteilung, nichts würde.

In diesem Moment erst packt ihn mit threr ganzen Wucht die Erkenntnis der furchtbaren Situation, in welcher er sich befindet. All diese Blicke brennen in sein Herz hinein, daß es wie rasend zu pochen beginnt und ihm einen plötz­lichen Schwindel verursacht. Alles Denken, Empfinden, Ueberlegen ist für kurze Zeit wie ausgelöscht.

Wie mechanisch reibt et sich bte Stirn. Großer Gott, wo vefindet er sich! Was steht ihm bevor? ,

Und wieder irren feine Augen über bte Menge.

Da plötzlich aus den Hunderten von Ge­sichtern, die ihn anglotzen, bleibt sein Blick, wie durch einen Magneten angezogen, auf einem einzigen hasten.

Er weiß nicht: ist es ein Männer- oder Frauenantlitz? Ist es schön oder häßlich? Alt oder jung? Er empfindet nur, daß bte Seele in diesen Augen direkt zu seiner Seele spricht...

Eine wundersame Ruhe kommt Über ihn. Nicht mehr allein fühlt et sich auf feinet An­klagebank. Er weiß: ein Wesen gibt es inmitten der vielhundertköpfigen Menge, das ihn ver­steht, das mit ihm empfindet, das ihm vertraut,:

Stark und ruhig fühlt er sich auf einmal, fo daß er im Stande ist, dem ferneren Laufe bet Verhandlung mit fast objektivem Interesse zu,' folgen: der Anhäufung von Beweismaterial' gegen ihn . . . der wohldurchdachten Anklage­rede des Staatsanwalts... bet flammenden, von tiefster Ueberzeugung biftierten Verteidig­ungsrede feine» Rechtsanwalts .. »

IKortfekuna fofafJ

Dagegen tritt der Gewinn derStadt Ber­lin" mit 3,71 pCt. entschieden zurück. Das wird darauf zurückgeführt, daß das Weichbild bet Stadt mit Gebäuden nahezu besetzt sei, und daß hieran der Bevölkerungszuwachs feine natür­liche Grenze finde.

Weiter haben eine merkliche Zuwan­derung zu verzeichnen die industriellen west­lichen Provinzen Rheinland, Westfalen und Heffen-Naffau.

Verloren durch Abwanderung haben aber in erster Linie die östlichen, vornehm­lich landwirtschaftlichen Provinzen, Posen, Ostpreußen, West preußen, Pom­mern, ebenso auch Schlesien.

Von den 88 Stadtkreisen der Monarchie haben nicht weniger, als 72 einenWander- gewinn" zu verzeichnen, 16 einen Verlust durch Wanderung.

Von den 489 ländlichen Kreisen gewannen 73 durch Zuwanderung, vornehmlich solche im westlichen Industriegebiet und vor den Toten von Großstädten. An der Spitze stehen hier bte Kreise Ruhrort (43,7 pEt.), Teltow (34,9 pCt.), Niederbarnim (26,9 pCt.), Recklinghausen (21,2 pCt.). Die übrigen ländlichen Kreise hingegen verloren durch Abwanderung und zwar in bet

Zählungspetiode 1895/1900 1093 789 1900/1905 = 809 138

Insgesamt 1902 927. also fast 2 Millionen Menschen sind in den 10 Jahren von 1895 bis 1905 den ländlichen Kreisen durch Abwanderung verloren gegangen.

Noch ungünstiger stellen sich die Zahlen aber, wenn wir diejenigen ländlichen Kreise hetaus- greifen, deren Bevölkerung zu mehr als 50 pCt. im Hauptberuf in bet Landwirtschaft tätig ist. Es handelt sich da in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt um 268 Kreise, die durch Abwan­derung verloren haben (während nut durch­schnittlich 12 Kreise eine Zuwanderung ver­zeichnen konnten). Diese machten 65,2 pCt. der 411 Kreist aus, die überhaupt durch Wanderung verloren haben, während ihre Abwanderung tatsächlich beträgt in der Zählperiode 1895/1900 gleich 791 599 Köpfe, 1900/1905 555 460 Köpfe, zusammen 1347 059 Köpfe, das sind 70,8 pCt. der vorerwähnten Menge von 1903 000. Die stärksten Abwanderungszahlen hatte 1900/1905 der Kreis Ost-Sternberg (Reg.-Bez. Frankfurt a. O.) mit liy2 pCt., in 1895/1900 bet Kreis Ottelsburg (Ostpr.) mit 16,9 pCt.

Diese wenigen Angaben geben uns ein ge­radezu erschreckendes Bild der Land­flucht; denn anders ist doch schließlich die heute alsBinnenwanderung" bezeichnete Be­völkerungsbewegung nicht anzusprechen.

Es würde weit übet den Rahmen dieser Be­trachtung hinausgehen, wollte man die inter­essante Schrift Btoesickes auch nur einigermaßen ausführlich besprechen. Wit wollen uns hier nur darauf beschranken, die Beantwortung der

Vierteljährlicher Bezugspreis- bet der ExpÄition 2 Ml, - ~J&q A Vfl bei allen Postämtern 2,25 M. (excl. Bestellgeld).

vl l-ve InsertlonSgebuhr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Neclameit: die Zeile 30 Pfg.

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Sachsen

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