mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirckbai«
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(Nachdruck verboten.),
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so hellblickender Mann wie Flottwell zu fehlerhaften Maßnahmen bewogen worden ist. Hat doch Flottwell bekanntlich den Marcinkowski- Verein begünstigt, weil jede kulturelle Hebung der Polen notwendig ihrer Annäherung an das Deutschtum zugute kommen müsse. Dieser Fehlschluß ist uns teuer genug zu stehe» gekommen. Bestrebungen die staatliche Anfiedlungstätigkeit auf einen toten Strang zu bringen werden also auch künftig sorgfältig zu überwachen und zu vereiteln sein. Daneben wird der Staat in der umfassenden kulturellen und wirtschaftlichen Fürsorge für die Ostmarken, die er in den letzten Dezennien so reichlich betätigt hat, nicht erlahmen dürfen. Zeitigen auch diese Wohltaten nicht gleich offenbare Früchte im Sinne der Eindeutschung der Ansiedlungsprovinzen, so gehören sie doch in den Bereich jener nicht außer acht zu lassenden Imponderabilien, von denen Bismarck einst gesprochen hat. Weiter sollte man von deutscher Seite der polnischen Nörgelsucht nach Möglichkeit wenig Angriffsflächen bieten. Man sollte, so wird der „Ostdeutschen Korrespondenz" geschrieben, z. B. bei der Vergebung von staatlichen und Vereinsunterstützungen noch größere Vorsicht als bisher schon walten lassen. Jeder Fehlgriff in dieser Beziehung schafft Mißstimmung und gibt der polnischen Agitation willkommenen Stoff. Und da der Pole, um sich zu entzünden, vor allem theatralischer Auftritte bedarf, sei es im Parlament, sei es im Gerichts- .saal oder sonstwo im Lande, so wird die nüchternste Nüchternheit gemeinhin der beste Weg sein polnischer Schwierigkeiten schnell Herr zu werden. Der Schulstreik kann da als gutes Paradigma dienen. Die Verwaltung bot dem gekennzeichneten polnischen Bedürfnis schlechterdings nicht einen Puntt, an welchen» sich das Entrüstungsfsuer entzünden konnte. Sie handhabte sachlich und ohne alles Reden die ihr gesetzlich zustehenden Mittel und so ist denn der von den polnischen Schauspiel-Regisieuren angezündete Scheiterhaufen unschädlich bis auf die heutigen kümmerlichen Reste niedergebrannt, um bald ganz zu verlöschen. Endlich aber sollte man auf dem Gebiete der Justtzverwaltung strenger als bisher darauf achten, daß polnischen Agitatoren nicht zu einem billigen Märtyrertum verhalfen werde durch Erhebung von Anklagen, die sich nachher nicht als haltbar erweisen und mit einem agitatorisch verwertbaren Freispruch enden. Wir denken da insbesondere an eine jüngst in Schneidemühl stattgehabte Verhandlung gegen einen bekannten polnischen Eüteragenten und Eeschäftspatrioten, die mit Recht peinliches Aufsehen erregt hat. Unsere ersten Staatsanwälte sind ausnahmslos Juri
sten von solcher prakttscher Erfahrung, daß sie die Chancen einer Klagesache mit der gleichen Sicherheit übersehen können wie etwa ein erfahrener Richter öder Anwalt. Ehe man einem Manne von der Art des Herrn Martin Biedermann die Glorie einer zu Unrecht erhobenen Anklage verschaffte, hätte man die Klageerhebung lieber Unterlasten sollen Kurzum, man sollte sorgfältig alles vermeiden, was der polnischen Agitation unnötig Flamme geben kann. An die Möglichkeit die Polen zu Deutschen zu machen dentt ja kein Verständiger. Aber die Verschiebung der Bevölkerungsziffer in den Ostmarken zugunsten des Deutschtums bis zu seinem absoluten Ueberwiegen kann man erreichen und sollte danach unter sorgfälttger Beobachtung aller durch die Erfahrung an die Hand gegebenen Klugheitsmatzregeln streben.
Beilagen werden von unserer Expedition Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Tljain, Neustadt und Wetter, sowie von LtHanstalten und Landbriefträgern ent» - »genommen.
Zur neuesten Phase der Polenpolitik.
v Die durch die ziffernmäßigen Ergebniste der Letzten Volkszählung festgestellten guten Ergebnisse der von der Ansiedlungskommisfion entfalteten Tätigkeit haben die Polenpolittk des preußische» Staates unverkennbar in ein Stadium froheren Vorwärts sch reitens persetzt. Gustav Freytag spricht gelegentlich von dem grämlichen Zuge, der so leicht das Antlitz des Deutschen entstelle, wenn ein Unternehmen, a» das er sein Herz gehängt, sich nicht gleich nach Wunsch entwickele. Die Richtigkeit dieser Beobachtung ist vor dem Bekanntwerden der Volks- Sühlungsergebnisse von 1905 an der Haltung so jmancher Zeitung von unzweifelhaft deutsch- Mationaler Richtung erkennbar gewesen. Man War darüber verstimmt noch keine greifbaren Erfolge zu sehen, wenngleich man sie verständigerweise noch nicht erwarten durfte. Das hat ssich jetzt geändert. Man ist wieder voller Zuversicht und an diejenigen, die sich '-fsher bemühten jaufkeimender Mißstimmung zw steuern und zum Slusharren zu mahnen, tritt jetzt die immerhin dankbarere Ausgabe heran zu verhüten, daß wir glicht wieder in den Fehler einer Denkweise verfallen, die uns in der Vergangenheit empfindlich geschädigt hat. Daß das Ansiedlungswerk, wenn «möglich in verstärktem Tempo aber in gleicher Solidität fortzusetzen fei, darüber herrscht heute wohl die notige llebereinstimmung. Wie vor« auszusehen, wird es aber bei der unleugbaren 'Kostspieligkeit dieses Verfahrens bald nicht an Stimmen fehlen, welche den Erfolg als bereits gesichert ansehend für eine Verkürzung dieser Etatsposition eintreten werden, ja vielleicht wird sogar wieder das alte, aber darum nicht Minder falsche Lied ertönen, daß der Ueberlegen- Keit der d e u t s ch e n K u l t u r über die pol- inische ohnehin im Laufe der Zeit der Sieg zufallen müsse. Die Erfahrung hat, sollte man meinen, eindringlich genug das Irrige dieser Anschauung dargetan, aus der heraus selbst ein
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Berlag' Joh. Äug. Koch, UmversttätS-Buchdruckerri 42, Marburg, Markt 31. - Telephon 55. M M ö
Wieder entsteht eine Pause, während welcher der Professor seine tiefe Erregung zu bekämpfen sucht.
Dann wiederholt er gepreßt:
„Ja, er ist ein guter Mensch."
„Du kennst ihn, Vater?"
„Flüchtig. Nicht der Rede wert."
„Aber er wird verurteilt werden, Vater. Alles spricht gegen ihn. Er war abends vor dem Tode des Fürsten bis nach 12 llhr im Zimmer des Verstorbenen. Die Hotelbedienstetcn hotten einen heftigen Wortwechsel —“
Unruhig beginnt der Professor im Zimmer auf und ab zu gehen. Das ernstfreundliche, ju- gendfrifche Gesicht Rolf Alfens taucht vor seine:» geistigen Auge auf, wie der Jüngling ihn vor wenigen Wochen in jener Sturmnacht in liebenswürdigster Weise in seinem Boot von 6er« rento nach Capri mitnahm: wie er ihm auf der Insel den Weg wies: wie er dafür sorgte, daß die gewünschte nächtliche Unterredung mit dem Fürsten Torlonia statttand — alles, alles ....
„Zum Kuckuck auch! Nie dachte ich an die Möglichkeit, daß ein anderer —*
Zn seiner Erregung spricht Lambo seine Gedanken aus. Sich mit beiden Händen durch das wallende weiße Haar fahrend, geht er weiter . mit hastigen Schritten auf und ab.
Plötzlich bleibt er dicht vor seiner Tochter stehen.
„Woher weißt Du das alles. Pia?"
„Aus den Zeitungen, Vater!"
„Hast Du--hast Du diese Zcitunge-:
noch?"
„Ja, Vater."
„Gib her!"
Rasch zieht Pia aus der Schublade ihres Nähtisches ein mit Bindfaden umwickeltes Bündel Zeitungen hervor. »
„Hier Vater?" 'W,.
„Noch mehr als sonst zittern dem Professor die Hände, als er das Zeitungsbündel in Empfang nimmt. tj «. ff*'
„Cs ist gut. Laß mich allein!"
(Fortsetzung fotfltJL
Noch schwankt sie, was sagen, was tun — da hat derVater schon wieder das Zimmer verlassen.
Pia ist allein int Zwiespalt mit sich selbst.
Während der nächsten Tage fällt kein Wort zwischen Vater und Tochtc- ":f; die Sache, Jeden
Bestellungen für das dritte Quartal auf die »Oirrhessische 3ei tn*#" nebst
welche Pia jetzt ganz alle. Tag überfliegt sie mit ateuu Zeitung nach neuen Nachrichte '. heimnisvollen Tod des Fürsten Torlonia. Sie weiß, daß ein junger Mann sich in Untersuchungshaft befindet, um in wenigen Tagen vor den Richtern zu stehen.
Sie kennt den jungen Mann nicht, sie hat
schreibunge» find neue Bestimmungen getroffen. Darnach wird die Zahl der preußi. schen Zinsscheineinlösungsstellen durch Einbeziehung der preußischen Zentralgenossenfchafts- kasse und der hauptamtlich verwalteten Forstkassen vermehrt. Als Vermittlungsstellen für die Erneuerung der Zinsscheine — bisher nur die Kontrolle der Staatspapiere, die Regie- rungshauptkassen und die Kreiskasse in Frankfurt a. M. — dienen fortan sämtliche Zinsschein- einlösungsstellen ausschließlich der Staatsschul- dentilgungskasse und der Reichsbankhauptkasse. Für die Einlieferung der Erneuerungsscheine wird die Vorlegung nur eines Verzeichnisses und die Etteilung einer summarischen Empfangsbescheinigung seitens der Kasse zur Regel gemacht. Die Zinsscheine sind von allen hauptamtlich verwalteteit staatlichen Kassen, mit Ausnahme der Kassen der Staatseifc„... Verwaltung, in Zahlung zu nehmen, was bisher nur bei Entrichtung von Abgaben, Gefällen und Pachten gestattet war. Die vreußifchen Zinsscheineinlösungsstellen lösen fortan auch die Zinsscheine der Reichsschuld ein und vermitteln die Erneuerung der Zinsscheine der Reichsschuld: auch werden von den hauptamtlch verwalteten staatlichen Kassen, mit Ausnahme der Kasse» der Staatseisenbabnverwaltung, die Zinsscheine der Reichsschuld in Zahlung genommen. Die Zahlung von Zinsbeträgen im Eiro- weg ist nicht auf das persönliche Girokonto des Empfangsberechtigten beschränkt, sondern es ist allgemein die Ucberweisung auf Reichbank- Girokonto zugelassen.
— Enthüllungen über den sog. Tuckerbrief. Wie Münchener Blätter berichten, machte Dr. Peters int Verlauf einer Rede auf dem am Dienstag Abend ibm zu Ehren veranstalteten Abschiedsbankett folgende sensationelle Mitteilung über den Tuckerbrief: Bebel hat sich ge- ’ weigert, seinen Hintermann zu nennen; ich kenne aber diesen Mann, der Bebel das Material gegeben hat. Ich kenne die Leute, die den Tuckerbrief am 12. Mürz 1896 in einem Berliner Kaffeehause zusammen geschrieben haben und am nächsten Morgen zu Bebel gegangen find, um ihm das Material zu bringen. Wir kennen das alles. Aber unter Diskretion kann ich auch ermitteln, daß einer der beiden feine Kenntnis non der Sache für 10 000 M verkaufen wollte. Ich glaube, daß wir in der nächsten Zeit mehr über den Tuckerbrief zu hören bekommen wer- ben, und ich habe das Gefühl, daß dadurch mehr Aufklärung über bett ganzen Fall gebracht wird. Ich fürchte, daß sogar einer oder der andere kompromittiert wird, der heute Abend noch mit größter Ruhe Jtt Bett geht.
— Der Parteitag der deutsch-sozialen Partei findet, wie schon mitgeteilt wurde, am 8. und 9. September in Frankfurt a. M. statt. Auf der Tagesordnung stehen folgeitde Vorträge: 1. Die
Heimlich nach Glück.
Roman von E r i ch F r i e s e n,
, (Fortsetzung). ■< v .
' "Hier steht alles Nähere, Vater. Soll ich Dir vorlesen?"
„Nicht nötig. Ich weiß alles."
1 „Du weißt alles, Vater? Woher?"
, „Aus mir selber." ;
ich Dich so glücklich und zufrieden sehe, lieber Vater, so preise ich im Geiste diese herrliche Medizin!"
Leise lacht der Professor auf.
„Du kennst aber noch nicht ihre ganze Kraft, mein Kind — die Kehrseite der Medaille. Eine größere Dosis dieser Tropfen — sagen wir dreißig, vierzig — üben eine ändere Wirkung aus . , . Was ist Dir, Pia? Friert Dich? Du zitterst —"
„Nein, Vater, nein! Nur weiter!"
Pia ist auf einen Stuhl gesunken. Mit weit- geöffneten Augen startt sie den Vater an.
„Zuerst beginnen die rosigen Träume," fährt der Professor eifrig, in einer Art Ekstase, fort. „Die Augen schließen, man lächelt, man fühlt sich im Elysium . . . Doch nach und nach tritt eine Veränderung ein. Das Herz klopft matt und unregelmäßig. Todesangst packt das unglückliche Opfer. Es kämpft dagegen mit wahnsinniger Anstrengung — vergebens. Der Tod steht neben ihm und packt ihn und hält ihn fest in seinen knöchernen Armen. Der — Tod!! . . . Ja, der Mann ist tot," fährt er mit gänzlich veränderter Stimme fort. „Die Zeitungsnotiz hat mir nichts neues gesagt. Der Wurm ist zertreten — und ich war es, der ihn zertrat! Ich! Das Elixier ist gut, sehr gut. Es verfehlt nie seine Wirkung!"
Eisiges Entsetzen packt Pja. Spricht ein Wahn aus diesen furchtbaren Worten? Oder die Wahrheit?
Der Professor steht auf, geht in fein Zimmer un? lehrt mit einem Flacon zurück, das fein Elixier enthält.
Pia ist sehr bleich. Mit angstvollen Augen verfolgt sie jede Bewegung des Vaters.
Doch als sie ihn vorn Einnehmen der geheimnisvollen Tropfen abhalten will, da lacht et bitter auf.
„Laß mir doch meine Freude, Kind! Der goldene Rebensaft ist für die Frohen, Glücklichen. Für die Unglücklichen, Kranken, Verzweifelnden sind diese Tropfen. Sie sind ein Göttertrank, der für kurze Zeit über die Erbärmlichkeit dieser Erde hinwegtäuscht und in sonnigere Gefilde emporhebt. Hörst Du Pia^"
„Ja, Vater?"
Hastig nimmt er einige Tropfen zu sich, und Pia beobachtet, wie schon so oft, die rasche Veränderung im Wesen des Vaters.
„Sieh, mein Kind!" fährt er lebhaft fort, in- oem er auf das Flacon deutet. „Dieses unscheinbare Elixier hat eine unbegrenzte Macht. Dem einen erweist es sich als Freund, als Helfer in ber Not — dem anderen als Todfeind. Wenige Tropfen davon beruhige» irritierte Nerven, stählen die Muskeln, klären den Geist. Sie erfüllen das Menschenherz mit Liebe und Mitleiden und Freundschaft und allem Schönen und Erhabenen; sie lösen die Zunge; sie geben große Gedanken und die Kraft, sie auszuführen. Du weißt das alles schon, nicht wahr, mein Kind?"
„Ja, ja, Vater!" ruft Pia erregt, da sie mit klngst wahrnimmt, wie das Elixier diesmal mit besonderer Kraft bei dem Vater wittt. „Wenn
. Deutsches Reich.
» — Die Kaiserreise nach Dänemark. Kopen- hMgen, 3. Juli. Die Kaiserjacht „Hohen- zmlern" mit dem Kaiser und derMaiferin sowie dem Prinzen Adalbert an Bord und die Begleitschiffe „Königsberg" und „Sleipner" haben heute Vormittag 9^ Uhr Dragör auf der Insel Amager passiert. Bei dem Feuerschiff von Dragör begab sich die Deutsche Gesandt- schaft an Bord der „Hohenzollern". — Der Deutsche Kaiser und die Kaiserin, Prinz Adalbert, der König und die Königin von Dänemark sowie die Mitglieder der dänischen Königsfamilie trafen mit Gefolge um 1114 Uhr auf dem Hauptbahnhofe in Kopenhagen ein. Die Herrschaften begaben sich in d.n geschmückten Wartesaal. Nach einigen Minuten erfolgte die Abreise im Extrazug nach Fredensborg. Auf dem Wege zum Hauptbahnhof durch die Stadt wurden die Majestäten überall mit lebhaften Hurrarufen begrüßt. — Anläßlich des Besuches des Deutschen Kaiserpaares bringen die Kopenhagener Blätter herzliche Begrützungsartikel, in welchen die freundschaftlichen Gefühle hervorgehoben werdeii, welche Kaiser Wilhelm immer für das dänische Königshaus und das dänische Volk gezeigt habe.
— Der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben begibt sich in den nächsten Tagen nach Düsseldorf, um, wie alljährlich, den dortigen Festspielen des Goethe-Vereins beizuwohnen. In der zweiten Hälfte des Juli unternimmt der Finanzminister eine Studienreise zunächst nach Waldenburg, dann in das oberschlesische Revier.
— Für die Einlösung der Zinsscheine und des Bezuges neuer Zinsscheinbogen der preußischen Staatsanleihen und der Reichsschuldverben Namen früher nie gehört. Aber sie weiß er r|t unschuldig.
Mnb sie — sie ahnt, sie weiß--wer der
Schuldige ist ---0, mein Gott!
Es ist am Abend vor der Gerichtsverhandlung gegen Rolf Alfen, den mutmaßlichen Mörder des Fürsten Arturo Torlonia
2 Wie gewöhnlich ruht Professor Lambo auf seinem Sofa; wie gewöhnlich auch sitzt Pia vor ihrem Nähtisch, über ihre Flickarbeit gebeugt.
Doch ihre sonst so flinken Finger ruhen. Sie zermartert sich den Kopf, wie sie das Gespräch auf das bringen soll, das momentan ihr ganzes Herz erfüllt und vor dem sie doch eine unüberwindliche Scheu empfindet.
, '-^"ter!" ruft sie auf einmal, kurz entschlossen. „Lieber Vater!"
Gleichgültig wendet Lambo den Kopf.
„Was?"
„Du entsinnst Dich doch des plötzlichen Todes des Fürsten Torlonia?"
Der Professor oerfär6t sich. Unruhig rückt et auf dem Sofa hin und her.
„Ja. Was weiter?"
. „Morgen ist der Sache Gerichtsverhandlung." „Gerichtsverhandlung? . .Gegen wen?" „Gegen einen jungen Mann, der des Giftmordes verdächtig ist."
Professor Lambo finkt aufs Sofa zurück und beschattet die Augen mtt ber zitternden Hand.
Tiefes Schweigen.
Pia fühlt das Herz stürmisch pochen bei der ersichtlichen Angst des Vaters. Ihr ist, als drehe sich alles um sie im Kreise, als sinke fie hinab in einen tiefen Abgrund — tiefer . . . immer tiefer . . .
„Wie heißt der junge Mann?" ^ambo nach einer Weile leise.
„Alsen — Rolf Alsen."
Der Professor springt empor.
„Rolf Alsen — sagst Du? Ist dieser Rolf Alsen ein Verwandter des Marchese Margoni, I des Vaters der Braut des Fürsten Torlonia?"
„Ja, Vater. Er schttnt ein guter Mensch zu sein." - - *
vierteljährlicher Bezugspreis bet sei Expedition 2 M.,
jn 155 . bet allen Postämtern 2,25 W. '.exct. Bestellgeld).
** 2nserti»n»gebühr: die gespaltene Zeile oder seren Raum 15 Pf,. K q.
__________________Reclamen: die Zeile 80 Pfg, Mtllllg 5. IM 1907.