Erstes Blatt
nannte vor Gericht das Urteil des Disziplinar- gerichtshofes nicht nur einen Justizmord, sondern einen Schandfleck auf der deutschen Ehre.
Höchst bezeichnend ist, daß der erzdemokratische Herr Georg Korn in der „Welt am Montag", wenn auch unter allerhand Vorbehalten, zu ganz ähnlichem Urteile kommt. Er schreibt:
„Dem Mann ist U n recht geschehen, schweres Unrecht! Ich gehöre weder gu bett Ko- lonialschwärmern, noch ist mir die Persönlichkeit und die Art von Karl Peters sympathisch. Er hat mit seiner rücksichtslosen Energie große Erfolge gehabt, aber sympathisch macht ihn seine stark an Brutalität grenzende Echneidigkeit und ein grausam-renommistischer Zug seines Wesens gewiß nicht. Der afrikanische Uebermensch, der jenseits von Gut und Börse als Kraftmeier an seine Heldenbrust klopft und wehrlose Eingeborene wie Tiere behandelt, ist mehr für hysterische Weiber als für disziplinierte und an Selbstzucht gewöhnte Männer ein Gegenstand der Bewunderung. Aber die späteren Kolonialskandale haben uns an so viele starke Greuel gewöhnt, daß Peters in seinen Ausschreitungen fast wie ein Waisenknabe erscheint. Immerhin haben sie seine Richter wohl zu seinen Ungunsten beeinflussen könnett. Aber es ist doch ein Unterschied zwischen Brutalität, wie sie manchen unserer Afrikaner den Eingeborenen gegenüber unentbehrlich erscheint, und unmenschlicher Bestialität und Mordwut. Und solcher hat man Peters lange Jahre hindurch beschuldigt, wie sich nun herausstellt, zu Unrecht. Der vielgenannte Tucker-Brief, mit dem Bebel die Aktion im Reichstag begann, ist eine Fälschung. Hinfällig ist auch die Beschuldigung, daß Peters den Schwarzen Mabruk mit der Jagodja zusammen ertappt und deshalb hingerichtet habe. Das aber sind gerade die schwersten Beschuldigungen, und durch sie vor allem ist Peters aus seiner Tätigkeit für das Reich gerissen und aus Deutschland herausgetrieben worden. Auch den politischen Gegnern gegenüber sollte die Parteiwut schweigen, wenn es eine Art JustiMord gutzumachen gilt, und Gerechtigkeit und Menschlichkeit auch gegenüber den Volksgenosien anderer Ueber- zeugung und aus einem anderen politischen Lager in ihre Rechte treten. Unrecht bleibt Unrecht, auch wenn der Angeklagte nicht gerade wie der Hauptmann Dreyfus auf der Teufelsinsel schmachten muß. Zweifellos ist in der öffentlichen Meinung ein Umschwung zu gunsten Peters' zu verzeichnen."
Selten ist übrigens in einem Prozesse so sehr wie in diesem die Aufdringlichkeit der Belastungszeugen hervorgetreten. Die Rolle, die der Major Donath gegenüber dem gedruckt vorliegenden Zeitungsbericht mit seiner Behauptung spielt, der betreffende Vortrag sei von Dr. Pe
„Es ist prachtvoll, wenn nur nicht das eigen« Leben so auf der Klippe stände. Wir stehen mit den Gebirgsvölkern nördlich von uns in Todfeindschaft, wozu die Leute aber selbst den Anlaß gegeben haben. Sie ermordeten zuerst Gesandte eines uns befreundeten Stammes, darauf zwei Boten von uns, nachdem sie ihnen di« Augen ausgestochen und die Hände abgehackt hatten. In den darauf folgenden zwei Gefechten wurden sie zwar geschlagen, aber der Sergeant Schubert wurde von sieben bis acht Lanzenstichen niedergemacht. Wir erschoßen zwei Sultane, vier Sultanssöhne und circa 200 Soldaten. Hieraus entbrannte Todfeindschaft. Auf den Kopf eine» Weißen setzten sie eine Sultanskrone als Preis, während wir ebenfalls Preise ausschrieben für jeden Manne oder jeden Kopf, der uns gebracht wurde. Wir erwarten jede Nacht einen Ueber- fall, und wer weiß, wie der ausfallen wird, b« unsere Besatzung mit jeber kommenben Post verkleinert wirb, um an bet Küste ein neues Expe- bitionskorps zu bilben, ba unser altes Expedi- tionskorps (250 Soldaten, 5 deutsche Unteroffiziere und 5 Offiziere mit dem Kommandeur von Zelewsky) im Süden von uns, dicht bei Mpapua aufgerieben wurde, ohne daß es selbst nur einen Schuß abgefeuert hat. Auf unserer Station hier bleiben infolgedessen höchstens 20 Sudanesen und ungefähr 2—3 Weiße, man kann immer auf die letzte Stunde gefaßt sein. Dabei gärt es überall. Ja, ja, Wissmann fehlt, desien Name »mehr denn Tausende von Soldaten galt. Mit Nachsicht und Güte ist nichts auszurichten. Gestern haben wir hier einen Schwarzen wegen nächtlichen Einbruchs und großen Vertrauensbruchs gehängt. Wir gehen jetzt mit aller nur möglichen Strenge vor und das ist das Beste. Daß wir sämtlich alle nur mit geladenem Gewehr im Arme schlafen, ist selbstverständlich bei diesen Verhältnissen. Wir warten schon wochenlang auf Nachricht von der Küste und bin ich der Ansicht, daß die Postboten (Soldaten) einfach ermordet sind, und niemand kann wissen, ob Dich dieser Brief erreichen wird.
Herzlichen Gruß Dein (gez.) Richard Jahnke."
Hier ist also das unmittelbarste Zeugnis eines Augenzeugen aus der damaligen Situation heraus; zugleich wohl das objektivste Dokument dafür, wie Dr. Peters damals feine Lage aufgefaßt hat und welches demnach seine Motive für sein strenges Vorgehen waren. Dagegen fällt wohl kein Urteil von anderer Seite mehr ins Gewicht.
Seltsam. genug, daß ein Prozeß vor einem einfachen Schöffengericht die Befreiung des deutschen Empfindens von dieser Schuld einer engherzigen und haßtriefenden Kolonialbureau« kratie jetzt schaffen mutz?
Mädchen ist, nicht imstande, dem geliebten Vater Trost zu bringen? Ach, wäre sie seine Mutter und er ihr hilfloses Kind? Wie wollte sie die Arme um ihn schlingen, den müden Kopf an ihre Brust betten und ihm erzählen von der ewigen Güte Gottes, von dem Erlöser, der für die Sünden der Menschen am Kreuz gestorben, von einer anderen, besseren Welt, wo es keine Schmerzen, keinen Kummer mehr gibt! . . .
Auch jetzt wieder, während Pia unablässig die Nähnadel auf und niedergleiten läßt, weilen ihre Gedanken nur bei dem schlafenden Vater.
Behutsam nähert Pia sich dem Schlafenden.
Leise, wie ein Hauch, damit er ja nicht erwache, berühren ihre Lippen die bleiche gefurchte Stirn.
Als ahne der Arme die Nähe des einzigen Wesens auf Erden, das er liebt, rührt er sich im Schlaf.
„Pia? Mein Kind! Bist Du es?"
„Ja, Vater."
„Ich habe Durst. Laß Assunta Tee bereiten." „Ja, Vater."
Sie geht hinaus, um alles anzuordnen und kehrt gleich darauf mit einer Zeitung zurück, die Assunta ihr gegeben.
Mit dem heißhungrigen Interesse^ das bet einem geistig belebten, von aller Welt abgeschlossenen Mädchen nur allzu naturltch tst, beginnt sie die Spalten der Zeitung zu überfliegen. „ . . .
Plötzlich stößt sie einen leisen Schrei aus.
Der Professor, der, wie jetzt sehr oft, ittft irrem Gesichtsausdruck vor sich hin starrte, wirb aufmerksam.
„Was ist los?" fragte er in gleichgültigem Tone.
„Fürst Torlonia ist gestorben!"
,Aah
Ein eigentümlicher Laut, halb Stöhnen, halb Jubel, entringt sich seiner Brust.
(Fortsetzung lslo.l.)
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Ioh. Ang. Koch, tlnivcrsitäts-BuchbruckerÄ 42. Jahrg.
Marburg. Markt 21. — rrlrphon öS.
Der Ausgang des Petersprozesses.
1 Selten hat ein Beleidigungsprozeß in seinen Fernwirkungen auf unser gesamtes öffentliches .. Leben eine so hohe Bedeutung gehabt, wie der Kampf um die Ehre, der sich in dem Prozeß Petr^ jetzt, vor den Schranken in München ab- fpielte.. Hr. Peters hat erklärt — und zahlreiche Tatsachen bestätigen dies —, daß er nicht daran denkt, jemals wieder in den Reichsdienst zu treten. Ausdrücklich betonte er auch: „Auf den Dank meines Vaterlandes habe ich längst zu verzichten gelernt, aber gegen grobe Beschimpfungen fordere ich den Schutz des Gerichtes." Tatsächlich aber faßte ganz Deutschland die Bedeutung des Prozesses gar nicht unter dem Gesichtswinkel auf, ob der persönlich höchst gleichgültige Angeklagte Gruber freigesprochen oder verurteilt werden mußte, sondern unverkennbar wird das Münchener Gericht unter seiner ausgezeichneten Leitung dem öffentlichen Rechtsbewußtsein zu einer Revisionsinstanz über die Diszi- plinarurteile, durch die Dr. Peters aus dem Reichsdienste hinausgetrieben worden ist. Die „Kreuzzeitung" glaubt allerdings, dieser Auffassung entgegentreten zu sollen. Wörtlich schreibt sie:
„Wogegen Einspruch erhoben werden mutz, das ist der schon jetzt hervortretende Versuch, im Interesse des Dr. Peters das Verfahren vor dem Münchener Schöffengericht gegen das Disziplinarverfahren und die Urteile der Disziplinargerichte (in zweiter Instanz des Disziplinar- hofes zu Leipzig) auszuspielen. Davon kann natürlich keine Rede sein. Am bedauerlichsten aber tst, daß Dr. Peters und einzelne andere Teilnehmer des Prozesses sich zu Angriffen gegen die Disziplinarbehörden und deren Urteile haben Hinreitzen lassen, die in der Form auf das schärfste zu mißbilligen sind. Wir haben in den von uns gebrachten Berichten über den Prozeß die schlimmsten Aeußerungen hierüber, weil nicht zur Sache gehörig, unterdrückt. Da wir aber der Sozialdemokratie gegenüber das Ansehen und die Autorität der Gerichte vertreten — und ein Gerichtshof ist auch das Disziplinargericht, trotz Dr. Peters —, so können wir um so weniger zu solchen Angriffen schweigen, wenn sich Personen von nationaler Gesinnung dazu verleiten lassen. Jene Aeußerungen in München sind Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie."
Die „Kreuzzeitung" dürfte mit dieser Auffassung recht vereinzelt dastehen. Der frühere Gouverneur, Generalleutnant von Liebert,
Marburg
Donnerstag. 4. Juli 1907.
ters gar nicht gehalten, ist wie das gesamte Auftreten dieses Zeugen wenig rühmlich Noch weniger das des von Eitelkeit und persönlichem Hasse strotzenden Herrn Eugen Wolf. Hebet diesen das Konto verstorbener großer Männer nachgerade bis zur Unerträglichkeit belastenden „Sachverständigen" schreibt Paul Roland im „Tag":
„Hat wohl ein Sterblicher während der ganzen Verhandlungswoche auch nur einen Augenblick daran gezweifelt, daß aus Wolf nicht der Sachverständige, sondern der erbitterte, voreingenommene Gegner sprach, der den Sachverständigeneid zur Bekräftigung seiner Ansichten benutzte, um den Privatkläger zu schädigen. Und dann kam der Moment, wo der Schatten Alfred Krupps -zitiert wurde. Der klägliche Rückzug, den Wol am nächsten Tage, nach der Geisterbeschwörung, antrat, ist nichts, als der Ausfluß der Erkenntnis, daß ihm aus ganz Deutschland ein kräftiges „Pfui Deubel!" entgegenhallte. Wäre der Angeklagte auf dieses Niveau hin- untergestiegen, man hätte es ihm verargt, aber schließlich greift ein Ertrinkender nach einem Strohhalm, und nicht jeder, dem Strafe droht, ist wählerisch in seinen Verteidigungsmitteln. Jedoch unaufgefordert, ohne jede Nötigung stürzt sich da ein Sachverständiger in den Unflat einer völlig beweislosen Anschuldigung. Einen größeren Dienst hätte er freilich dem verhaßten Gegner nicht leisten können. Satz für Satz ist sein Gutachten zerpflückt worden, und von Eugen Wolf, dem Afrikareisenden'— Forscher wäre zu viel behauptet — ist nichts übrig geblieben wie ein kümmerlicher Konkurrenzreisender, der vor den Schöffen sein eigenes gut gehendes Afrikageschäft herauszustreichen bemüht war, ohne daß man ihm Nachwirkungen einer Malaria als mildernden Umstand hätte zubilligen können. Was wäre daraus erst entstanden, wenn dieser - Mann von dem jetzt so arg bloßgestellten Disziplinargericht als Sachverständiger vernommen worden wäre! Der Fall Wolf ist einzig in seiner Art: daß sich jemand selbst freiwillig deklassiert, kommt zuweilen vor, aber ein Sachverständiger, der zum Tschandala wird, um den Henker spielen zu können in eigener Person, ist noch nicht da- gewesen."
Einen ungemein wichtigen, zwar für das Urteil im Münchener Prozesse, nicht aber für das öffentliche Urteil zu spät kommenden Beitrag bringt die „Deutsche Tages-Zeitung" in einem Schreiben, das der verstorbene Richard Jahnke am 20. 10. 1901 vom Kilimandscharo aus an einen Freund in Deutschland, einen jetzigen bekannten Berliner Arzt Dr. H. gerichtet hat. Die Stelle, in der sich Jahnke unter Bezugnahme auf die Hinrichtung des Mabruk über die Gefahr bet bamaligen Lage äußert, sei nachstehenb wiebrr- gegeben:
22 (Nacht t verboten.)
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen. (Fortsetzung).
Beim Eintritt in bie Halle begegnet er Tante Petronella.
Mit wenig Worten teilt et ihr das Vorge- fattene mit.
Die Dame ist aufs höchste aufgebracht. In einem langen Wortschwall sucht sie bte Carabinieri von ihrem Irrtum unb der völligen Schuldlosigkeit ihres Neffen zu überzeugen.
„Mein Neffe — ein Mörder! Blödsinn! Das glauben Sie ja selbst nicht!" Verächtlich lacht sie auf.
Und wieder nur bedauerndes Achselzucken vonseiten des Korporals.
„Ich tue nur meine Pflicht, Madame!"
Ohne auf Tante Petronellas Lamentationen zu erwidern, steigt Rolf die Treppe hinauf nach den Gemächern seiner Cousine.
Er klopft.
Von drinnen eine müde Stimme:
„Wer ist da?" A-.
' „Ich. Rolf."
' „Was willst Du?" -
Die Stimme ist merklich kälter geworden.
„Ich muß Dich einen Augenblick sprechen, Angelina!"
„Kann es nicht morgen sein?"
„Nein."
„Warum nicht?"
„Weil ich morgen nicht mehr hier bin."
Einige Augenblicke Schweigen.
. Dann öffnete sich die Tür.
Bleich, mit geröteten Augen, steht Angelina vor ihrem Cousin.
„Was willst Du? Ich bin nicht in der Stimmung zu einer Unterhaltung."
„Ich will Dir nur Lebewohl sagen, Angelina."
Seine Stimme bebt. Angelinas Mitleid er
wacht, trotz ihres eigenen furchtbaren Schmerzes, „Wo gehst Du hin?"
„Nach Neapel."
„Nach Neapel? . . . Zum Vater? ... zu — zu —“
Sie stockt. Ihre Augen verdunkeln sich.
„Angelina, höre mifi an —" beginnt Rolf, ihre kalten Hände zwischen bie seinen nehmenb. „Ein großer Irrtum, ein furchtbares Mißver- ständnis muß obwalten. Man hat mich soeben — verhaftet!"
„Verhaftet? ... Dich? . . . Weshalb?"
„Ich soll bes — bes Mordes verdächtig sein an — an--“
Mit einem Ruck entzieht Angelina ihm bie Hände. Ihre brennenden Blicke bohren sich in die seinen.
„An — an —" drängt sie atemlos.
„An — dem Fürsten Arturo Torlonia!"
„Großer Gott?"
Fast wie ein Stöhnen ringt es sich aus der Brust des tief erschütterten Mädchens. Zitternd schlägt sie die Hände vor das jäh erblaßte Gesicht.
„Angelina? Liebe, gute Angelina?"
Sie schweigt.
Als sie gleich darauf die Hande vom Gesicht fortzieht, erscheint es um Jahre gealtert. Ein scharfer, herber Zug um Mund und Nase drückt ihm ein ganz verändertes Gepräge auf.
„Angelina! Leb' wohl!" '
Nur widerstrebend ergreift sie die dargebotene Hand.
Ihre Blicke treffen sich.
Rolf zuckt zusammen.
Er hat etwas Furchtbares in ihren Augen gelesen: einen Verdacht--
Wenige Minuten später verläßt Rolf Alsen in Begleitung der beiden Carabinieri die Villa Helios. Sein Schritt ist fest, seine Haltung aufrecht: jedoch sein Gesicht zeigt einen tief nachdenklichen Ausdruck.
Diese Stunde hat den jugendfrischen, harmlosen Jüngling zum ernsten Mann gereift,
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
- LontttaasbeUaae: Allustrtrt-s EoüntaEatt.
n.
In dem kleinen Häuschen Via Lunga Nr. 126 in Neapel sind die Rollläden wieder einmal heruntergelassen, wie stets, wenn Professor Lambo sich noch mehr von der Außenwelt abzu- schließen wünscht, als gewöhnlich.
Der unglückliche Mann selbst liegt in tiefem Schlaf auf seinem alten Roßhaarsofa — totenbleich, mit eingefallenen Wangen und eingesunkenen Augen.
Am Tisch neben der kleinen Petroleumlampe fitzt Pia und bessert ein altes Hauskleid von sich aus. Sie hat den Kopf tief auf ihre Arbeit gebeugt: denn die Lampe brennt schlecht, und ihre Augen schmerzen vom Arbeiten und Wachen bis tief in die Nacht hinein.
Gestern hat ihr die alte Assunta geklagt daß sie keine Nacht mehr schlafen könne, weil der Herr Professor seit einiger Zeit im Traum beständig stöhne und schreckliche Worte ausstoße. So etwas komme entweder von überladenem Magen oder von Gewissensbissen. Da der Herr Professor so gut wie gar nichts esse, so müsse er wohl was auf dem Gewissen haben.
Pia war aufs heftigste erschrocken unb hatte sofort angeorbnet, baß bie Alte das Schlaskabi- nett mit ihrem eigenen vertausche, trotzdem bas junge Mäbchen nun mit einer dunklen Kammer ohne Fenster vorlieb nehmen muß.
Angstvollen Herzens wartet sie am Abend, ob Assuntas Angaben sich bestätigen.
Und richtig. Kaum hatte Pia sich ausgeklei- det, da ging im Nebenzimmer das Stöhnen und Jammern los.
„Mein Gott! Mein Gott, was hab ich getan; einen Wurm hab' ich zertreten — nichts weiter! Hahaha! ... Ich — ein Mörder? Unsinn! Ihm ist Recht geschehen? . . . Und doch — ich habe Furcht! Oh, oh, oh!"
Atemlos, zitternd vor Erregung, lauschte Pia Ihr war sofort klar, daß der Vater nicht träumte, daß die Worte sich vielmehr einem gequälten Gewissen entrangen.
O, daß sie eur ein schwaches, unerfahrenes
vierteljährlicher Bezugspreis- bet oei Expedition 2 Mk>, , -e/i jr i bei allen Postämtern 2,25 M. (ticuBestellgeld).
U12. 194 ZnsertionSgebühr: die gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Psg.
Neclamen: die Zeile 80 Pfg.