Einzelbild herunterladen
 

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Lonutaasbeilaaer AUustrtrte» GonttfddWdtiL

M 153

vierteljährlicher Bezugspreis! bei der ExpÄ>itio» 2 Mk^ btt allen Postämtem 2,25 Mk. (.qcL Bestellgeld).

AnserttonSgebühr: die gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfg.

Reclamen: die Zeile 80 Psq.

Marburg

MMwoch. 8. Juli 1907.

Erscheint wöchentlich siebe« mal.

Druck mck Verlag'. Ioh. Lug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerel 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Bestellungen für das dritte Quartal auf die

.Oberhessische Zei tuns" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch. Hain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern ent» gegengenommen.

Stimmungsbild aus Südwestafrika.

DerDeutschen Kolonialzeitung" wird aus Windhuk, Ende Mai 1907, geschrieben:

Drei schwere Kriegsjahre haben wir in Deutsch-Südwest erlebt, Jahre, die uns viel Blut und Gut gekostet haben, die aber auch als koloniale Lehrjahre für immer in der deutschen Klonialgeschichte verzeichnet stehen.

Wer die Entwicklung Südwestafrikas erlebt hat, der weist auch, dah bis zu den blutigen Auf­ständen die Grundlage zu einer richtigen Ent­wicklung gefehlt hat. Wir führten ein Schein­leben. Jetzt hat die Waffe entschieden, wem Cüdwest vom Oranje zum Kunene gehören soll. Nun gilt es mit frischem Mut an den Wieder­aufbau und Weiterausbau zu gehen. Dah trotz all der schweren Schicksalsschläge die Hoffnung auf ein Gelingen der Aufgabe besteht, ist der beste Beweis für den Wert dieser Kolonie. Die alten, bewährten Pioniere sind eines Sinnes in dieser Beziehung und selbst solche, die zeitweilig einer lähmenden Schwarzseherei verfallen wa­ren, haben wieder neuen Mut geschöpft. Die groste koloniale Bewegung in der Heimat er­weckt hier Hoffnung und Freude. Wir sehen hinter uns das deutsche Volk und einen Reichs­tag, der wirklich Kolonialpolitik treiben doill. Dazu kommt noch, dast viele Tausende im Heien Vaterlande für immer mit diesem Lande ver­bunden sind. Man frage den zurückgekehrten Krieger, ob es ihn nicht wieder hinauszieht in das Land, wo er feine Kraft und Ausdauer er­probt hat. Oder man trete hinein in die Fa­milien, die einen der Ihrigen in der Erde Süü- westafrikas gebettet wissen. Ein besseres Ver­ständnis für unser Land und seine Bewohner ist vorhanden. Mehr als je ist die Presse berufen, ein Bindeglied zwischen Heimat und Kolonie zu fein.

Das Zigcunerbuch".

Auf Grund sorgfältiger und umfassender Nachfragen, hat das. Sicherheitsbureau der K. Polizeidirektion München vor Kurzem eine Zu­sammenstellung derjenigen Zigeunerbanden her- ausgcgeben, welche in den letzten Jahren sich in Bayern und den Nachbarstaaten herumtriebcn. Die Erhebungen erstreckten sich insbesondere auf Stamm, Beruf, Staatsangehörigkeit, Vor­strafen und Leumund. Eine Auswahl besonders charakteristischer Photographien ist aus der Hauptsammlung der Zigeuner-Zentrale der K. Polizeidirektion beigefügt. Den Erläuterungen des Oberregierungsrates Dillmann zu dem um­fangreichen Werke ist zu entnehmen, dah un­garische und Pyrenäen-Zigeuner, sowie muha- medanische und bosnisch-kroatische Bärentreiber, hauptsächlich aber dieBohemiens", nämlich die Abkömmlinge effies Mischvolkes, welches sich vor Jahrhunderten aus den in Böhmen einge­wanderten nach vermutlich aus Indien stam­mendenEzigänys" und Bewohnern dieses Lan­des, gebildet hat, den Stamm jener neuzei­tigen Nomaden bilden.

Ihre Zahl ist nicht unbedeutend, denn wir finden in diesem süddeutschen Zigennerbuche nicht weniger als 3350 Individuen angeführt, welche sich einem peripatetischendolce far mente" hingeben. Sie beleben die Romantik unserer Landstraßen durch ihre malerischen Lagerfeuer und durch den intereffanten Typus, sowie durch die geniale Unreinlichkeit ihrer Er­scheinung: sie regen das Nachdenken der Philoso­phen über die Bedürfnislosigkeit des Naturmen­schen an und sie begeistern unsere Dichter zu Ver­herrlichungen des Reizes ihrer wilden Freiheit und Ungebundenheit. Weniger sympathische Beziehungen entwickeln sich dagegen zwischen die­sen Kindern der Sonne und den Polizeibehör­den. Jedes Erscheinen von Zigeunern in einem Verwaltungsbezirke wird alsbald telegraphisch oder telephonisch an die Sicherheitszentrale be­richtet. und in eifriger, mühevoller und kostspie«

Als uns am 18. Mai der Draht meldete: Lindequift lehnte das Amt des Unterstaats­sekretärs ab. Kehrt im Juni nach Südwest zu­rück", herrschte hier ungeteilte Freude. Schon lange wünschte man sehulichst die Rückkehr des allseitig beliebten Gouverneurs. Er fehlte tat­sächlich hier an allen Ecken und Enden; so manche wichige Angelegenheit wurde mit der Bemerkung: Must erledigt werden, wenn der Herr Gouverneur kommt, beiseite geschoben.

Zu dieser Freude über die Rückkehr des Gouverneurs gesellte sich die Zufriedenheit über die endliche Bewilligung der Entschädigung. Alle, die mitgeholfen haben an der endlichen Regelung der Sache, können des Dankes der Entschädigten gewiß sein. Besonders erfreut war man, daß der Hemmschuh einet Rückzahlung uns erspart geblieben ist. Es gibt für jeden der Sorgen und Arbeit schon ohnehin genug. Doch in diese Freude sollte ein bitterer Tropfen fallen. Am 22. Mai kam die Kunde:Linde- quist zum Unterstaatssekretär ernannt." Also doch für uns verloren! Wo wird nun das sturm- umtobte Fahrzeug hintreiben, wenn ihm der er­probte Steuermann fehlt? Dies waren wohl zu­nächst die Empfindungen über jene Hiobspost des 22. Mai. Allmählich aber sagte man sich doch: Nein, wir haben unseren Gouverneur nicht verloren, sondern wissen jetzt an verantwor­tungsvoller Stelle einen bewährten Freund un­seres Landes, der aus eigener Erfahrung mit den Südwestafrikanern fühlen kann. So hoffen wir, daß der Eouverneurswechsel, so schwer er uns gerade in der jetzigen Zeit fällt, dennoch zum guten Ende führen wird.

Neben dem Bedauern über Exzellenz von Lindequists Scheiden entstand natürlich die Frage:Wer und wie wird der neue Gouver­neur sein?" Sein Name wurde uns ja telegra­phisch gemeldet, und solche, die ihn von seiner Kapstädter Amtstätigkeit her kennen, sind des Lobes über ihn voll. Er ist ein kerndeutscher Mann aus der Dismarckschen Schule, und das genügt uns. Hier im Lande der alten knorrigen Dornakazien haben wir solche Leute nötig und ganz besonders jetzt, wo vieles, wenn nicht alles, auf die geeigneten Persönlichkeiten ankommt. So sehen wir unserem neuen Gouverneur von Schuckmann mit Vertrauen entgegen.

Es erübrigt noch etwas über den gegenwär­tigen Zustand des Landes zu sagen. Er läßt sich am besten mit dem eines langsam wiederge­nesenden Menschen vergleichen. Heber Nacht kam schnell das Leid die Gesundung ober will Zeit haben. Die Zeichen der Besserung sind vor­handen. Die Empörer sind niedergeworfen, und die Sicherheit im Lande kehrt immer mehr ein.

liger Tätigkeit werden die über die Landes­grenze eingebrochenen Banden, soweit sie nicht durch Wanderungsmerkscheine sich ausweisen können, von einem Nachbarstaats zum anderen verschubt. Meist vergeblich, denn in einem endlosencirculus vitiosüs" kehren die Ver­triebenen, nach einem länger» ober kürzeren Umwege, an unbewachten Landesgrenzen doch wieder zu ihrem Reiseziele zurück, und von Neuem beginnt das, erst tragikomische, Schau­spiel ihrer Festnahme und Weiterverschubung. Könnte hier nicht die Deportation als geeig­neteres Ersatzmittel helfend eingreifen?

Wenn auch die Strafverschickung in erster Linie die Eliminierung derjenigen unbotmäßi­gen Bestandteile unseres Staatslebens im Auge hat, welche durch die lange Dauer der Straf­buße, oder durch de» besondere» Charakter der Straftat, eine hochgradigere Gemeingefährlich- teit an de» Tag legen, so fordert es doch das öffentliche Interesse, dah durch das Sicherheits­ventil der Deportation auch die Schare» bet un­verbesserlichen Frevler gegen die llebertretun« gen bes § 361 R.-Str.-E.-V., insbesondere der gewohnheitsmäßige» Bettler, Landstreicher ulw., auf bezüglichen Richterspruch hin, nach ausbruchsfichere», weit vom Mutterlande ent­legenen, überseeischen Gebieten beseitigt werden können, hierdurch würde, wie bas Problem der Bekämpfung bes Stromertums überhaupt, so auch die Zigeuerfrage in wirksamer Weise ge­löst, die Straftaten jener Freolerklasien treten zwar nicht durch di« besondere Schwere des einzelnen Falles hervor, aber die überaus häufige Nückfälligkeit zu den Ausschreitungen bes Bettelns unb Vagabundierens läßt bas Herumstreifen zahlreicher arbeitsscheuer, unb mitunter doch auch zu ernsteren Hebergriffen gravitierende Elemente immerhin als eine schwere Belästigung der Gesellschaft erscheine». DieZigeunerplage", unter der wir leiden, be­ruht »ach jener mehrerwähnte» Veröffentlichung der Kgl. Polizeidirettion München darauf,daß eine große Zahl von Banden und Einzel-Zigeu­nern, welche zwischen der österreichischen, schwei-

Eine ruhige, solide Geschäftslage hat dem Hasten und Treiben, das der Krieg mit sich brachte, Platz gemacht. Lästige Auswüchse, die zutage getreten sind, schwinden.

Verschiedene bergbauliche Unternehmungen find im Gange. Gerade brennend wird die Ein­geborenenfrage und damit die Arbeiterfrage. Wir ermatten ein Dienstbotengesetz, den Paß- zwang und anderes mehr. Erwünscht wäre auch eine recht gründliche Ausräumung mit dem Bambusen-Unwese». Bambusen werden hier die halbwüchsigen schwarzen unb braunen Bengels genannt, bte als Diener bet Soldaten zu Dutzen­den herumlungern und den größten Teil des Tages Allotria treiben.

Von einer Kriegslage kann man eigentlich nicht mehr sprechen, aber dennoch besteht eine solche solange, bis auch Simon Köpper, der Häuptling der Gochas-Hottsntotten, die Waffen gestreckt hat. Hierzu hatte er bereits fein Wort gegeben, aber das böse Gewissen trieb ihn wie­der kalahariwärts. Er hat eben zu viel auf dem Kerbholze. Zwischen ihm unb der Truppe liegt ein böses Durstfeld. Von den Bodelzwarts be­richten Augenzeugen, daß sie ein sehr freches Be­nehmen an bett Tag legen. Der Eisenbahnbau im Silben schreitet rüstig vorwärts. Je eher Keetmanshoop erreicht wirb, besto größer wird die Gewähr für einen bauernden Friedenszu- stand irn Süden sein.

Deutsches Reich.

Die Entwicklung der neuen Steuer«. An­gesichts der Notwendigkeit, dem Reiche Mehr- einahmen von beträchtlicher Höhe zuzusühre», erscheint es geboten, die Entwicklung bet neuen Steuern im Auge zu behalten. Das Sorgen- tinb unter ihnen ist bie Fahrkarten­steuer. Sie bleibt mit dem April-Mai-Er- trage in Höhe von 2,45 Millionen Mark aller­dings noch mehr als bie Hälfte hinter dem Etatssoll zurück, bas für ben Zeitabschnitt von 2 Monaten mit rund 5 Millionen Mark in An­satz gebracht ist, entsprechenb der vom Reichstage vorgenommenen Herabsetzung der Erträge der Fahrkattensteuer von 45,1 auf 30,4 Millionen Mark. Die Einnahmen im April unb Mai unter­scheiden sich gerade hier sehr erheblich. Jene be­trug noch nicht 800 000 Mark, diese 1,65 Mill. Mark. Der Maiertrag bleibt also nur noch um etwa 850 000 Mark hinter dem anteiligen Etats­soll zurück. Diese beträchtliche Steigerung gegen­über dem ersten Monat des Rechnungsjahres gibt gewisse Hoffnung, daß trotz des bereits ein» getretenen Ausfalles von rund 2,5 Millionen Mark der um nahezu ein Drittel seines ur­sprünglichen Betrages verminderte Etatsansatz schließlich doch noch erreicht werden tarnt. Die Zigaretten st euer soll eine Monatsein-

zerischen und französischen Grenze, unter dem Deckmantel irgend eines Gewerbes hin- und herziehen, durch ihr Lanbstreicherleben die öffentliche Sicherheit gefährdet; abgesehen von Bettel-, Jagd-, Feld- unb Weidefrevel, Verbrei­tung von Seuchengefahr, feuergefährlichen Hanb- lungen unb Gaukelei, sinb diese Leute sehr zum Diebstahl geneigt. Die Richtigkeit dieser Dar­legung wird durch die Biographien jener 3350 Individuen belegt; nahezu hinter jedem Stamm der Erwachsenen findet sich eine Fülle von Vor­strafen angegeben. Daß auch in ethischer Hin­sicht sich aus dem Zusammenleben in ben engen Wagen wenig erfreuliche Zustänbe entwickeln müssen, wirb in bem Zigeunerbuche gleichfalls hervorgehoben. Durch die diebischen und son­stigen Gelüste der herumziehenden Banden wird weniger der Städter belästigt, da hier die scharfe lleberwachung durch die Sicherheitsorgane ben Zigeunern sich unangenehm fühlbar macht. Da­gegen wird durch die letzteren der kleine Land» bauer bart betroffen; oft sieht er sich täglich ben unwillkommenen Besuchen bet gelbbraunen Gäste ausgesetzt, deren Entfernung er aus Furcht und Aberglauben durch ein Lösegelb, in Form einer Spenbe in Geld ober Nahrungs­mitteln erkaufen muß. Sinb mehrere Banden zusammen, unb fühlen sie sich stark genug, sv verwanbeln sie ihr bisherige List uno Schmei­chelei gegen das Landvolk oft in Brutalitäten und Drohungen. Und nicht selten berichten un­sere Tagesblätter übet blutige Schlägereien zwischen den Zigeunern und den erbitterten Bauern. Last not least erfordert ober auch die Uebetwachung und Bekämpfung dieser Kala­mität ganz erhebliche Gelbopfer bes Staates. Vergeblich kämpft unsere bisherige Gesetzgebung gegen jenes Unwesen burch Haftsttafen unb Ueberocifung an bie Landespolizeibehötbe an. Denn das Maximum der Zellen- ober Arbeits­haus-Strafe ist doch ein verhältnismäßig ge­ringes. Wen» in dem klugen Württemberg, daß die Landstreicher in schwere Steinbruchar- beiten einfperrt, der Erfolg erzielt wurde, daß bi« Vagabondage sich mehr nach weniger rigoro-

nahme von 930 000 Mark bringen, sie hat t< April rund 1 Million Matt, im Mai 1,02 Mill, Mark erbracht. Gegenüber dem anteiliges Etatssoll von 1,86 Millionen Mark ist mityitz ein Mehr von etwa 160 000 Mark erreicht. Hieß wird man also mit einiger Gewißheit auf de« vollen etatsmäfjigen Ertrag rechnen dürfen. Deff Frachturkunde»stempel ist zu eine< Monatsertrag von 1,15 Millionen Mark per anschlagt. Er ist in ben beiben ersten Monate« mit einem Aufkommen von 2,06 Millionen Maq hinter bem anteiligen Etatssoll noch um 240 00ß Mark zurückgeblieben, aber auch bei biesek Steuer ist bet Mai-Ertrag erheblich, nämlich um etwa 360 000 Mark höher als der April« Ertrag. Erfahrungsgemäß bringen die Herbst« unb Wintermonate mit ihrem anschwellenbe« Güterverkehr größere Einnahmen auf diesen! Steuergebiete; das Aufkommen des ganze« Etatssolls für den Frachturkundenstempel bürftt also gesichert erscheinen. Dasselbe wirb mal von dem Stempel auf Steuerwarten fül Kraftfahrzeuge nicht erwarten dürfen Hier beträgt das etatsmäßige Soll für zwei Monate annähernd 500 000 Mark. Dagegen sint nur 184 000 Mark für April unb Mai zur Am schreibung gelangt. Der Ausfall ist also bet trächtlich. Immerhin ist eine geringe Steige« rung, da eine April-Einnahme von noch nicht 80 000 Mark eine Mai-Einnahme von fast 105 000 Mark gegenüber steht, auch hier zu bet obachteir. Die Stempelsteuer für Verr gütungen an Aufsichtsratsmit« glichet, die mit einem Monatsertrag von etwas über 800 000 Mark veranschlagt ist, h« im April rund 960 000 Mark, int Mai 672 00® Mark erbracht. Das durchschnittliche Etatssoll für zwei Monate ist damit bereits überschritten? der weit geringere Ertrag im Mai dürfte abet als ein Hinweis anzusehen fein, daß man sich mit Rücksicht auf bie Einteilung des Geschäfts­jahres der Gesellschaften auch für folgende Mo« nate auf geringere Erträge gefaßt machen muß. Ein erfreulicheres Bild bietet, wenigstens naa dem Ertrag der ersten beiden Monate des Rech« nungsjahres, bie Erbschaftssteuer. Wat noch bie Aprileinnahme um nicht weniger atz 1,8 Millionen Mark hinter bem anteilige« Etatsbetrag zurückgeblieben, so ist die Mai-Ein­nahme mit 2,7 Millionen Mark bem Monats« satze erheblich näher gekommen: allerbings liegt bas Eesamtaufkommen in bett beiben ersten Mo« nate» noch immer um 2,1 Millionen Mark unter dem im Etat angenommenen Betrage.

Die neuen Steuern haben also, wie sich auf vorstehendem ergibt, im große» und ganze» ii( Mai bessere Erträge geliefert, als im erstell Monat des Rechnungsjahres. Die Aussicht, daß sie bie auf sie veranschlagten Einnahmen wirk« lich liefern, hat sich infolgebessen etwas günfti« ger gestaltet. Daran aber, baß bie neuen Steuern erheblich höhere Erträge liefern könn« ten, als im Etat vorgesehen ist, unb baß baburch

fen Nachbarstaaten wandte, so bedeutet dies doch nur eine Deplazierung, nicht eine Heilung des Hebels. Gegenüber einem Volke mit unstill« barem Wandertriebe, wie bie Zigeuner, mußtt ein System kurzzeitiger Strafinternierunfl naturgemäß versagen. Ihre fuga laboris ist schwer zu überwinben. Erfahrungsgemäß ver­fallen bie Entlassenen rasch wieber bem Hange zum Stromern. Es wäre bemgemäß dem Vor­bilde Frankreichs und anderer deportierender Staaten folgend unter Beiseitelassen aller senti­mentaler Anwandlung bie Frage in Erwägung zu ziehen, ob nicht bem Unroefen jenermalfai- teurs dhabitude" burch ben Abzugskanal bet Deportation * enbgültig abgeholsen werden könnte. In unsere moderne Zivilisation las­sen sich jene Elemente schwer einfügen. Den Wilden die Wildnis! Abgelegene Jnselgrup pen würden als Verwahrungsorte für diejeni­gen Elemente in Betracht gelangen könne», welche trotz Ausweisung aus einem Bundes­staatsgebiet es von Neuem unternehme», übei die Landesgrenzen hereinzudringen, ober welch« »ach Zahl unb Charakter der Borstrafen, und nach der Schwere des jeweils in Frage stehenden Deliktes, auch für die Folge empfindlicher Stö­rungen bes Rechtsfriedens besorgen lassen. An unbewohnten Eilande» fehlt es uns in un­seren Sübseebesitzungen nicht. Die südländisch« Abstammung der Zigeuner und ihre Abhärtung gegen Wind und Wetter lassen erwarten, daß sie sich dem Tropenklima verhältnismäßig rasch anpassen würben. Die Erünbung inlänbischer Zigeunerkolonien, wie bies besonders in Preu­ßen und Bayern mehrfack versucht war, hat gegenüber dem Nomabentriebe jener Naturkin« bei versagt; ein Versuch mit überseeischer An­siedlung derselben verspricht zwar bei ihrer Ar­beitsscheu auch keineswegs Erfolge in kultureller Hinsicht, würbe aber wenigstens den Zweck der Säuberung des Mutterlandes und seiner Sicherung gegen die endlose» Belästigungen durch die Zigeunerplage gewährleisten können. I