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Marburg
Mittwoch, 8. Juli 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck imb Verlag: Joh. Aug. Soch, UmvcrsttLtS-Buchdruckerei 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Erstes Matt.
Eine ehrliche Anerkennung der Deutschen aus polnischem Munde.
Vielfach und eingehend hat sich die polnische Preffe, um den Kampf gegen das Deutschtum in den Gegensätzen der beiden Nationalitäten begründet erscheinen zu lassen, mit den nationalen Eigentümlichkeiten der Deutschen und Polen beschäftigt, aber selten begegnet man einem Urteil, das den Vorzügen, der intellektuellen und moralischen Ueberlegenheit des deutschen Volkes Gerechtigkeit widerfahren läßt. Umsomehr verdient eine Publikation Beachtung, in der der polnische Schriftsteller B. Koslowski „die deutsche Gefahr" behandelt. Der „Kraj" gibt den Inhalt des Buches auszugsweise wieder. Die bemerkenswertesten Stellen, denen es allerdings an Irrtümern und Uebertreibungen nicht fehlt, find folgende:
„Die Deutschen verrichten seit dreißig Jahren eine Riesenarbeit. Im ersten Augenblick nach dem französischen Feldzuge, von dem Goldregen der Milliarden des besiegten Frankreichs überschüttet, verloren sie den Kopf, die Besonnenheit. Durch die ungewöhnliche Kriegsentschädigung geblendet, glaubten si: so reich zu sein, daß sie das Leben mit verschränkten Armen genießen könnten. Diese Täuschung war jedoch von kurzer Dauer. Verschiedene Zusammenbruche ernuchterteit die sieges- und milliarden- trunkenen „deutschen Michel". Nüchtern geworden, gingen sie wieder eifrig an die Arbeit. Die angewandte Wissenschaft, der Handel uttb die Industrie brachten Deutschland größere und sichere Errungenschaften ein als ein glücklicher Krieg. Und dieses ist die „deutsche Gefahr". Sie heißt: Arbeisam kett, Ly- stem und Ausdauer der Nation, die da roeify daß man mit sentimentalen Redensarten nichts erreicht.
„Wir Polen lieben die Deutschen nicht, worüber sich niemand wundern kann, denn die Deutschen tun alles, um sich uns abgeneigt zu machen. Aber die uns innewohnende natürliche Abneigung gegen den perlönÜchen Feind darf uns nicht die wirklichen Vorzüge dieser starken Raffe verbergen, welche mit der Ausdauer einer systematischen Arbeit dem bestimmten Ziele zustrebt.
„Ohne große Mühe kommt man nicht zu großen Erfolgen nach irgend einer Richtung hin. Aus der sandigen Mark Brandenburg wird man nicht zur Beherrscherin von Ländern und Meeren — durch Unordnung und Trägheit. Zu einem d<^artigen Gebäude tragen z i e l b e - m ufutc Arbeit und echter Bürgerst n n einer Reihe von Generationen bei. Man muß eine längere Zeit unter den Deutschen gelebt haben, um die Seele dieser „harten" Nation
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ausgesucht?" „Ja, Onkel? „Wozu?"
Rolf zögert. Dann sagt er mit einem Blick auf Angelina:
„Ich möchte den Grund lieber verschweigen."
„Co!" braust der Marchese auf. „Natürlich, Du hattest ja nie ein freundliches Wort für den armen Fürsten. Auch gestern hast Du ihn in keiner freundschaftlichen Abficht aufgesucht — ich kann mir's denken! . . . Das habe üfinun für meine Güte Dir gegenüber! Undank! Nichts als Undank! Scherereien machst Du mir mit meinem Schwiegersohn! . . . Warum suchtest Du den Fürsten auf? Was hattet ihr miteinander vor? Du hast mir auf diese Fragen zu antworten, mein Herr Neffe, mir, Deinem Onkel, der Vaterstelle an Dir vertritt. Verstanden?"
„Pater!" fleht Angelina mit zitternder Stimme, die Hände bittend emporgehoben. „Lieber Vater!" #
Doch der brave, sonst so gerecht urteilende Marchese ist heute wie umgewandelt.
„Ich frage zum letzten Mal!" wettert er in hellster Empörung. „Was hattet ihr miteinander vor. Er, der vornehme, erfahrene Weltmann und Du — der dumme Junge.
Rolf will anffahren. Seine Fäuste ballen fich. Aber er bezwingt sich.
„Du wirst selbst zur Einficht kommen, daß Du mir heute Unrecht tust, Onkel Carlo!" murmelt er gepreßt. „Wir hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit — nichts weiter. Er litt körperlich, und ich bedauerte nachträglich, daß
(Nachdruck Verboten.)
Hrimlveh «ach Gluck.
Roman von ErichFriesen. "(Fortsetzung).
Wo sahst Du den Fürsten?" fragt er scharf.
,Jn seinem Hotel."
,Jn seinem Hotel? ... Du hast ihn also
zu verstehen, welche über Ruinen schwächerer Gesellschaften ihrem Ziele zustrebt. Die Deutschen besitzen, außer der Arbeitsamkeit und Ausdauer, noch eine Tugend, welche ihnen das llebergewicht, namentlich über die slawische Raffe verleiht. Diese Tugend ist das hohe Pflichtgefühl, aus welchem entspringen: Genauigkeit, Sorgfalt bei jeder Arbeit, Worthalten, Solidität in Handelssachen und politischer Zusammenschluß angesichts des Feindes. Der Deutsche macht alles gründlich, hält die Termine mit der Pünktlichkeit einer Uhr inne, er kennt genau das Einmaleins, er vergeudet nicht die Zeit und zieht Nutzen aus allem, was wir Slawen niemals verstanden. Wir sind fähiger, rühriger, empfindlicher, gesellschaftlich geschmeidiger :ls er, aber was ist die Fähigkeit selbst eines Genies ohne ausdauernde Arbeit? Ein schönes Feuerwerk, welches schnell erlischt..... Alles geht in Deutschland dar
auf hinaus die deutsche Schaffenskraft zu heben, zu vervollkommnen, in der ganzen Welt zu verbreiten und auf diese Weise den deutschen Einfluß politisch und sittlich festzulegen."
Dazu bemerkt der „Kraj": „Noch niemand hat bei uns über die Deutschen so geschrieben, wie Boslel. Kokowski: denn niemand hatte den Mut, dem bei uns volkstümlich gewordenen Deutschenhaffe die nackte Wahrheit gegenüberzustellen. Wenn von den Deutschen die Rede ist, so begnügen sich unsere Publizisten damit, ihnen eine Handvoll kräftiger Worte und gehässiger Redensarten, nach Art eines verächtlichen Fußtritts, entgegenzuschleudern, glaubend, daß sie auf diese Weise ihrer patriotischen Pflicht genügten. Dies ist eine bequeme und angnehme Methode, denn sie ruft stets den Beifall der kritiklosen Volksmengen hervor, aber sie ist ohnmächtig, geradezu kindisch in dem Kampfe mit dem mächtigen Gegner. Koslowski änderte die Methode. Anstatt über die Deutschen herzu- sallen, ihnen mit der Zehe im Stiefel zu drohen, deckte er deren Macht auf, wies auf die Quellen, die Ursachen dieses Unerhörten wirtschaftlichen Aufschwunges hin. welche sogar die Amerikaner, die Meister des Unternehmungsgeistes und der Waghalsigkeit in Staunen versetzte. Er zeigte, wie weit eine national einheitliche, in allgemeinen Angelegenheiten zur nationalen Solidarität sich bekennende Nation es bringen kann, , wenn sie auf dem Wege angestrengter, systematischer, wissenschaftlicher und kulturell geführter Arbeit fortschreitet."
Wir Deutsche können nur wünschen, daß solche Anschauungen unter der „kritiklosen Volksmenge" Boden gewinnen, damit sie erkennen lernen, wie sie von einer polenfreundlichen Preffe, zu denen sich vielfach linksliberale Blätter zu zählen scheinen, vorgespiegelt wird, daß die Deutschen ihre politische und wirtschaftliche Ueberlegenheit zum guten Teil der „Vergewaltigung" ihrer polnischen Mitbürger zu verdanken hätten.
ich mich zu heftigen Worten ihm gegenüber hin- reitzen ließ. Werter kann ich Dir nichts sagen." „Weiter w i l l st Du nichts sagen. Denn daß da noch etwas dahinter steckt, ist sicher. Schäme Dich, Junge!"
Rolf preßt die Lippen zusammen. Ohne ein weiteres Wort der Verteidigung verläßt er das Zimmer.
Zum ersten Mal bat sich ein Mißton in die Harmonie zwischen iym und seinem Onkel geschlichen.
Mit dem Nachmittagsschiff fährt der Marchese nach Neapel, um sich, wie er sagt, Gewißheit zu verschaffen — allein, ohne seinen Neffen, deffen Begleitung er kurz zurückwies.
Und wieder fühlt Rolf die Kluft, welche fich zwischen ihm und dem verehrten Onkel aufgetan — fühlt sie tief und schmerzlich.
Aber — er schweigt ....
In der Villa Helios ruht alles. Kein Auf- und Abgehen, kein Lachen, kein Jubilieren und Singen. Auf den Fußspitzen schleicht die Dienerschaft durch die Gänge, nur hier und da einander leise, ängstliche Worte zuflüfternd.
Tante Petronella hat die ganzen Hochzeitsgeschenke erngepackt. Angelina wünschte es so. Der Anblick der Liebesgaben, die für ihren Ehren- und Freudentag bestimmt waren, zerreißt ihr das Herz.
Zwar ist Angelina merkwürdig ruhig. Wer aber genauer in diesen klaren braunen Augen zu lesen verstände, .würde darin die Ruhe vor dem Sturme erkennen.
Nur einer verstände es — Rolf. Aber er sieht heute nur wenig von Angelina. Ihm ist sogar, als meide sie ihn. —
Obgleich jedermann in der Villa Helios überzeugt ist, daß jenes Telegramm die Wahrheit berichtete, so sieht man doch mit ängstlicher Spannung der Ankunft der ersten Nachricht des Marchese Margoni aus Neapel entgegen.
Deutsches Reich.
— Bo« Bundesrat. Berlin, 1. Juli. Dem „Reichsanzeiger" nach wurde in der Plenarsitzung des Bundesrates vom 29. Juni unter dem Vorsitz des Staatssekretärs v. Bethmann- Hollweg der Antrag Preußens betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die Aenderung des Börsengesetzes den zuständigen Ausschüffen überwiesen. Dem Ausschußberichte wegen Aenderung der Branntweinsteuer - Ausführungsbestimmungen wurde zugestimmt. Schließlich faßte die Versammlung Beschluß über die Vorlage betreffend die Herstellung einer weinbaufreien Zone bei Metz.
— Ehrung des Ministerialdirektors Althoff. Das Zentralkomitee für ärztliches Fortbildungswesen ernannte den Ministerialdirektor Althoff zum Ehrenpräses, Profeffor Waldeyer wurde an Stelle des verstorbenen Professors Bergmann zum ersten Vorsitzenden gewählt.
— Ein Erinnerungstag unserer Marine. Aus Kiel wird der „Köln. Zig." geschrieben: Am heutigen Tage (1. Juli) sind vier Jahrzehnte verfloffen seit der Umwandlung der preußischen zur norddeutschen Marine. Die schwarzweiße Flagge, die seit fast 20 Jahren preußisches Eigentum zur See gedeckt und geschützt und sich überall Achtung verschafft hatte, wich der schwarz-weiß-roten, die die Farben der preußischen Flagge mit denen der alten Hansa, weiß-rot, vereinigte. Der 1. Juli ist aber auch der 40. Gedenktag des deutschen Kriegsschiffbaues, der es mit jeder andern Nation aufneh- men kann. Der Reichstag des Norddeutschen Bundes bewilligte den ersten Flottenbauplan auf längere Zeit. Innerhalb 10 Jahren sollten 16 Panzerschiffe, 20 Korvetten, 8 Avisos, 22 Kanonenboote, 10 Schulschiffe gebaut werden. Damit gewann Deutschland die Grundlage für einen nationalen Kriegsschiffbau und machte feine Landesverteidigung zur See unabhängig vom Auslands.
— Zurückweisung tendenziöser Gerüchte. Nachdem von maßgebender Stelle in bündigster Weise erklärt worden ist, daß zur Zeit noch nicht einmal die Höhe des Deckungsbedarfs des Reiches für 1908 ermittelt ist und daß schon aus diesem Grunde die Absicht, eine neue Reichsanleihe herauszubringen, nicht bestehen kann, fühlen sich einzelne Blätter bemüßigt, das Märchen von einem neuen Anleihebedarf des Reiches im laufenden Rechnungsjahre zu wiederholen. An diese Behauptung, die verschiedentlich sogar als „sichere Tatsache" hingestellt wird, werden dann Ausführungen über die Kursbewegung der deutschen Reichsanleihen angeschloffen, die nur den Zweck haben können, Beunruhigung zu erregen und den Kredit des Reiches zu schädigen.
Und sie trifft prompt ein, die Bestätigung, in Form eines neuen Telegramms.
Also — wahr. Tot! Tot!!
Angelina hat sich in ihr Zimmer eingeschloffen. Sie weigert sich, irgend jemand zu sehen. Allein will sie fertig werden mit ihrem Schmerz.
Tieftraurig, in Gedanken-versunken, vor sich hindüsternd, das mächtige Haupt ein wenig gesenkt, wandert Rolf durch die verschlungenen Wege des Parks.
Abend ist's — aber nicht einer jener wonnevollen südlichen Sommerabende, an denen linde Lüfte kosen. Nein, ein schwüler, niederdrückender Schirokko-Abend, da alles, Mensch wie Tier, schlaff und schlapp nach einem frischen Luftzug lechzt.
Kein Blatt regt sich. Kein Wellengemurmel. Selbst das Meergevögel schweigt.
Dumpfe Trauer in der Natur. Unheimliche Stille.
Rolf blickt hin über die fast schwarz erscheinende Meeresfläche, welche am Horizont sich mit dem düsteren Himmel vereinigt.
Alles grau in grau. Todestraurig. Als gäbe es kein Blühen und Duften mehr, kein Scherzen und Lachen, kein Glück und keine Hoffnung.
Da geht das Gittertor am Park.
Wie aus dumpfem Traum erwachend, blickt Rolf sich um.
Zwei Carabinieri nähern sich — der Korporal und fein Untergebener.
Auf einen Wink des Vorgesetzten bleibt bet andere ein wenig zurück.
Der Korporal allein geht auf das Haus zu.
Rolf, der den Carabiniere kennt, fragt ihn höflich, was er zu so später Stunde noch in der Villa Helios zu tun habe.
Der Korporal stutzt einen Augenblick beim Klang der ihm wohlbekannten Stimme. Es ist, als zögere sein Schritt.
Dann schreitet er stramm auf Rolf zu.
Einzelne Zeitungen gehen mit aller Macht und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln darauf aus, die Finanzlage und die Kreditwirtschaft des Reiches vor dem In- und Auslande in ein ungünstiges Licht zu setzen. Patriotisck ist das wahrlich nicht und entspricht auch nicht dem Jntereffe der Besitzer deutscher Reichsanleihen. Diese letzteren, die erstklassige Papiere erworben haben, sehen sich durch derartige Gerüchte in ihrem Besitz immerfort beunruhigt; die notwendige Folge ist, daß die Kurse der deutschen Reichsanleihen, die in den letzten Jahren aus den verschiedensten Gründen beträchtlich gewichen sind, sich erst recht nicht erholen können. In derselben Richtung muß selbstverständlich der Versuch wirken, den Kredit des Reiches im Urteil der in- und ausländischen Jntereffen herabsetzen. Die Behauptung, mit der dieses gefährliche und unpatriotische Spiel betrieben wird, entbehrt jeder Begründung. Wie aus bester Quelle auf das bestimmteste versichert wird, liegt es nicht in der Absicht, im laufenden Rechnungsjahre mit einer Anleihe an den Markt zu kommen. Wenn die Blätter, die das Gegenteil behauptet haben, etwa die offenen Kredite im Sinne haben sollten, die dem Reichs- fchatzamte noch zur Verfügung stehen, so wird gleichfalls von halbamtlicher Seite auf das bestimmteste versichert, daß es zur Realisierung dieser Kredite keiner neuen Anleihe bedarf. Zu irgendwelchen Beruhigungen der Besitzer deutscher Reichsanleihen ist also nicht der geringste Anlaß gegeben. Anderweit wird bemängelt, daß die in diesem Jahre emittierten 4prozentigen, auf 5 Jahre unkündbaren Schatzanweisungen des Reiches im Vergleich mit den Kursen der 4prozentigen Anleihen der meisten anderen Bundesstaaten zu niedrige Kurse erzielt haben. Wie leichtfertig und unsachlich derartige Behauptungen auf gestellt werden, zeigt die Tatsache, daß es sich bei den Anleihen, die höhere Kurse erzielt haben, um fundierte Schuld handelt, während die Schatzanweisungen für die begrenzte Frist von fünf Jahren ausgegeben sind. Das ist ein gewaltiger Unterschied, wie jeder ohne weiteres zugeben muß, der für die Beurteilung der Kredit- und Kursverhältniffe das nötige Verständnis mitbringt. Auch die Reichsschatzanweisungen hätten jedenfalls einen höheren Kurs erzielt, wenn sie nicht auf fünf Jahre begrenzt, sondern als fundierte Schuld ausgegeben wären. Auch dieser Versuch also, die Beschwerden über die Kursgestaltung der deutschen Reichsanleihen gerechtfertigt erscheinen _ zu kaffen, muß, weil der Unterschied zwischen fünfjährigen Schatzanweisungen und fundierter Schuld tendenziös verschwiegen wird, entschieden zurückgewiesen werden.
— Deutscher Depeschendienst für unsere afrikanischen Schutzgebiete. Berlin, 1. Juli. Wie die „D. Tagesztg." mitteilt, schweben Verhandlungen zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Reichskolonialamt, um einen deutschen
„Ich bedauere, Signor Alsen — aber ich suche Siel“
„Mich?"
„Ja. Ich habe Instruktion von Neapel her."
„Von meinem Onkel?"
„Nein. Von der Polizeipräfektur. Sie müssen sofort mit mir kommen."
»Jetzt? Wohin? So spät Abends?"
„Sie werden bis morgen früh zum Abgang des Dampfers hier in Gewahrsam gehalten werden."
„In Gewahrsam? ... Ich? ... Sie irren fich wohl?"
„Ich irre mich nicht."
Der Carabiniere winkt seinen Untergebenen heran, der sich in der Nähe aufhielt.
Rolf stutzt. Zwei Carabinieri! Das sieht doch fast aus wie--
„Im Namen des Königs verhafte ich Sie, Rolf Alsen, als des Mordes verdächtig, begangen an dem Fürsten Arturo Torlonia im Grand-Hotel zu Neapel!"
Rolf hat die Empsindung, als versetze ihm jemand einen Schlag auf die Brust. Er fährt zurück.
„Ich —7 . . . Ein Mörder? . . . Ich?"
Der Carabiniere zuckt die Achseln.
„Es tut mir aufrichtig leid, Signore. Aber ich tue nur meine Pflicht. Wollen Sie gutwillig mitkommen? Oder muß ich Feffeln — —“
Bitter lacht Rolf auf.
„Lasten Sie die Feffeln nur? Ich komme gutwillig. Darf ich vorher noch ein paar Worte mit meiner — Cousine sprechen?"
„Ja. Aber Sie müssen mir gestatten, daß ich Sie ins Haus begleite. Von diesem Moment on darf ich Sie nicht mehr aus den Augen lasten."
Schweigend schreitet Rolf voran, dem Hause entgegen.
Die beiden Carabinieri folgen.
(Fortsetzung felg!.)