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Und damit noch nicht genug. Seine Gegner legten ihm schließlich nahe, doch zum mindestens einzuräumen, er habe aus unlauterer Quelle geschöpft. Selbst da aber blieb Bebel verschwiegen und erklärte mit hohlem Pathos: „Es kommen Fälle vor, tn denen die Veröffentlichung des Namens gleichbedeutend ist mit einer Ruinierung der Existenz. In solchen Fällen ist es Ehrensache, den Namen nicht zu nennen." Diese Worte werden verständlicher, wenn man bedenkt, daß Bebel in München den Brief eines Mannes vorgelegt, der heute Polizeibeamter ist. Bebel hat auch nicht einmal eine Angabe machen können, ob er seinen Gewährsmann ersucht habe, seinen Namen nennen zu dürfen. Damit hat sich der Führer der Sozialdemokratie zum Beschützer eines Fälschers und Verleumders gemacht!!
Wenn man erwägt, daß, wie schon hervorgehoben, die auf dem gefälschten Tuckerbriefe aufgebaute Anklage in erster Linie ausschlaggebend für die Entfernung des Dr. Peters aus dem Reichsdienfte gewesen ist und daß hinsichtlich mancher anderen Beschuldigungen verschiedene hochachtbare Zeugen in München zu Gunsten des alten „Afrikanders" ausgcsagt haben, so kann es nicht länger zweifelhaft erscheinen, daß dem eifrigsten und erfolgsten Bahnbrecher der deutschen Kolonialbestrebungen schweres Unrecht geschehen ist. Wenn aber der Münchener Prozeß einmal eine Ehrenrettung für Dr. Peters bedeutet, so hat er anderseits Licht verbreitet über die schändliche Art und Weise der Sozialdemokraten gegen hochverdiente deutsche Männer vorzugehen, um sie in der öffentlichen Meinung herabzuwiir- digen.
seiner kleinen Truppe auf einem Zuge von der Küste Ostafrikas nach dem Innern von einem eingeborenen Hirten, dessen Herde beim Nahen der Fremden Unruhe gezeigt, in drohendem Tone Halt geboten worden sei, worauf er, Peters, den Schwarzen „mit einer Kugel das freche Maul gestopft" habe. Diese rasche Tat sowohl, wie die derbe Ausdrucksweise, in der Dr. Peters davon Kunde gab, haben gewiß nicht geringes Befremden erregt. Allein dem Manne mit der eisernen Energie erschien es nicht anders möglich, als so zuhandeln, wenn er sich nicht um allen Respekt bei seinem eigenen schwarzen Gefolge, wie bei den Eingeborenen überhaupt bringen wollte. Wenn aber der Neger aufhört, den Weißen zu fürchten, wenn er glaubt, ihm überlegen zu sein, dann wird ihn auch bei der ersten besten Gelegenheit fein instinktmäßiger Haß gegen den weißen Fremdling zu blutigen Taten fortreißen.
Diese Auffassung dürfte allen wirklichen Kennern des schwarzen Erdteils, u. a. auch den Söhnen unserer engeren Heimat, die den Buschkrieg in Südwestafrika mitgemacht haben, völlig geläufig sein. Wer aber die Tockckrt des „Eisenfressers" tadelnswert findet, der möge sie einmal vergleichen mit der Tonart, die jetzt der „alte Parlamentarier "August Bebel im Münchener Prozesse anschlug. Diese Tonart, welche der Richter als eine „Eigenart" Bebels zu berücksichtigen bat, war auch derb und „handfest", aber sie offenbarte nicht die Derbheit einer ehrlichen Ueberzeugung, sondern vielmehr das Bestreben, durch nachdrücklichste Versicherungen seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen, um dadurch die „HÄtlosigkeit" seiner Behauptungen zu verdecken. Im Reichstage hatte Bebel im Schutze seiner Jnünunität als Reichstagsabgeordneter kreuzfidel und ohne Gewissensbisse behaupten. können, daß ein Brief an den Bischof Tucker existiere-^-der berüchtigteTuckerbrief, derAnlaß und Haupttriebfeder für das schwere Mißgeschick war, das über Dr. Peters gekommen ist. Das konnte Herr Bebel dem Reichstage bieten, aber als Zeuge wird man vereidigt und muß — wozu man unserer Ansicht nach ja eigentlich auch als Reichstagsabgeordneter moralisch verpflichtet ist — die Wahrheit sagen.
Der Brief aber an den Bischof Tucker hat nie existiert. An Herrn Bebel wäre es jetzt gewesen, die vielbesprochene Fälschung des Briefes endlich aus der öffentlichen Erörterung zu schaffen. Das hätte er am einfachsten und gründlichsten dadurch erreichen können, daß er den Ramon des Brieffälschers preisgab. Der Vorsitzende des Gerichts hat Bebel ausdrücklich bedeutet, eine juristische Berechtigung, den Namen des Gewährsmannes zu verschweigen, liege nicht vor. Trotzdem war Bebel nicht berit, seine Schuld durch Nennung des Zuträgers der von ihm weiter verbreiteten Verleumdung wenigstens zum Teil zu sühnen.
DettischeS Mich.
L DernLurgs. Reiso nach Afrika. Dor^Köln. Zeitung" wird aus Witzenhausen telegraphiert, Staatssekretär Dernburg habe erklärt, daß alle Meldungen über eine Verschiebung seiner Reise nach Afrika aus Familienrücksichten durchaus unzutreffend sind.
— KVjähriger Gedenktag. Der Eeneralleut- tag z. D. Legat in Berlin, begeht am Montag den 60jährigen Gedenktag seines Eintritts in die preußische Armee. — Der ebenfalls in Berlin lebende Generalleutnant z. D. Wilhelm von Wrisberg kann gleichfalls am 1. Juli den 60- jährigen Gedenktag seines Eintritts in das Heer begehen.
— Die Besoldungsverhältnisie der srmina- risch gebildeten Lehrer an den staatlichen höheren Lehranstalten (technische. Elementar- und Vorschullehrer) werden im Zusammenhang mit der Neuordnung des Besoldungswesens der Volksschullehrer geregelt werden. In früheren fahren hat die Staatsregierung eine ableh- tzende Stellung einnehmen müssen aus der grundsätzlichen Erwägung, daß allgemein die
Gehaltsordnung der Beamten auf absehbare Zeit als abgeschlossen gelten sollte. Da diese Voraussetzung hinfällig geworden, ist die Staatsregierung bereit, in eine Prüfung der Frage einzutreten, ob und inwieweit für die genannte Beamtenkategorie eine Neuordnung ihres Diensteinkommens angezeigt erscheint, um so mehr, als die Vorlage eines Volksschullehrerbesoldungsgesetzes in nahe Aussicht gestellt ist. Denn da die Elementar- und Vorschullehrer der höheren Schulen aus dem Volksschullehrerstande hervorgehen, auch selbst in ihren Anträgen deren Gehälter zum Vergleich heranziehen, ferner das Dienftalter gleichmäßig geregelt ist usw., kann ein innerer Zusammenhang zwischen beiden Materien nicht geleugnet werden, und dieser legt nahe, die Eehaltsnormierung und sonstige grundsätzliche Behandlung einer gleichzeitigen Prüfung zu unterziehen, damit man nicht nach Vollendung der Volksschullehrerbesoldungsord- nung etwa von neuem zur Umgestaltung der Bezüge jener staatlichen Lehrer gezwungen würde. Allerdings kann das Lehrerbesoldungsgesetz einen direkten Einfluß auf die Regelung der Eehaltsverhältnisse der seminarisch gebildeten Lehrer nicht ausüben: aber , erst nach der Verabschiedung dieses Gesetzes wird man ermessen können, wie die Einkommensverhältnisi« dieser Beamtenkategorie künftig zu regeln sind.
— Gegen die Fleischteuerung. Aus Straßburg wird der „Rh.-W. Ztg." vom Sonnabend gemeldet: Da die Metzger von D i ed enh ofen verschiedentliche Anfragen des Bürgermeisters wegen der Höhe der Schweinefleischpreise unbeantwortet ließen, so schreibt die Stadtverwaltung Lieferungen für vorläufig wöchentlich 1000 Pfund Schweinefleisch aus. Das Fleisch soll öffentlich zum Verkauf gebracht werden.
— Die deutsch-dänischen Handelsbeziehungen. Nachdem die Verhandlungen wegen Abschlusses eines deutsch-dänischen Handelsvertrages so weit geführt worden sind, wie dies vor der parlamentarischen Erledigung des den Verhandlungen zugrunde gelegten Entwurfs eines neuen dänischen Zolltarifs möglich war, haben die dänischen Kommissare letzten Freitag Berlin wieder verlassen. Die Fortsetzung der Verhandlungen wird voraussichtlich im Laufe des nächsten Winters erfolgen, nachdem der dänische Reichstag über den neuen Zolltarif Beschluß gefaßt haben wird.
— Aufrührerische Pollacken. Aus Peine wird gemeldet: Wegen einer von dem Gutsbesitzer Leßmann in Oberg bei Peine vorgenommenen Entlassung einer Anzahl polnischer Arbeiter machte sich unter den auf dem Gute verbleibenden polnischen Arbeitern große Unzufriedenheit bemerkbar, die am letzten Donnerstag ihren Höhepunkt erreichte. Leßmann wurde von seinen Arbeitern, etwa 40, mit Heugabeln usw.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck md Verlag- J oh. A'ig. Koch, llmvcrsitäts-Buchbnrckerei 42. Jahrg. Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag. 2. Juli 1907.
irgendwo anders auszuhalten. Es zieht Dich immer zurück nach unserem Capri, was?"
Jovial klopft er Rolf auf die Schulter in Erwartung einer launigen Antwort.
Als diese ausbleibt, guckt er den Neffen schärfer an.
„Na, wo drüctt's denn? Siehst aus wie drei Tage Regenwetter!"
„Onkel!" beginnt Rolf feierlich ernst. „Droben liegt ein Telegramm für Dich. Vielleicht giebt es Aufschluß —"
„Aha! Natürlich! . . . Der Fürst hat gewiß noch eine Ueberraschung für fein Bräutchen vor und kommt später. Her mit dem Telegramm!"
„Lieber Onkel —" fährt Rolf fort, Utld diesmal zittert seine Stimme vor mühsam unterdrückter Erregung — „ich glaube zu wissen, was in dem Telegramm steht, Laß uns schnell hinauf gehn, ehe Tante Petronella uns steht und — und --Angelina. Wir dürfen Angelina nicht länger —“
Er stockt. Der Marchese hat ihn am Arm gepackt und zieht ihn aufgeregt mit sich fort.
„Zum Kuckuck, das klingt ernst!" knurrt er, hastig nach dem Telegramm greifend.
Doch merkwürdig — er kann sich nicht entschließen, es zu öffnen. Aengstlich dreht er es in den Händen hin und her.
„Rasch, rasch!" drängt Rolf. „Ich höre Angelinas Schritte. Um des Himmels willen, rasch! Keine Ungewißheit!"
Mit einem Ruck reißt der Marchese das Papier auf. Sein frisches Gesicht wird kreidebleich.
„Unmöglich!" stöhnt er, auf einen Stuhl sinkend. ..Ganz unmöglich! Irgend ein Schur- kenstrenb, eine Aknstfiikation von einem feiner politischen Feinde — nichts weiter. Ein großer Mann wie der Fürst hat stets eine Masse Feinde. Warum sagst Du nichts, Junge? Sage doch, daß es nicht wahr ist, was darin steht! Rede doch!' ' - - - - - ' .....—
Peters und Bebel.
3 Ter Prozeß, den Dr. Karl Peters gegen den Redakteur Gruber von der „Münchener Post" «egen verleumderischer Beleidigung angestrengt hat, bedeutet mehr als eine blose Ehrenrettung für den einmaligen Reichskommissar von Deutsch-Oftafrika, er bedeutet vielmehr, wie ein nationales Blatt sehr richtig heroorhebt, zugleich eine Befreiung des bedeutendsten Kapitels ^unserer Kolonialgefchichte von einem dunklen Flecken, den freilich nicht das Verhalten des Mannes, der uns Ostafrika schenkte, sondern das Verhalten jener anderen verschuldete, die aus Abneigung gegen diese starke Persönlichkeit und aus Abneigung gegen den kolonialen Gedanken den Vorkämpfer dieser Bewegung zu vernichten suchten. Bei der Beurteilung eines kolonialen Pfadfinders, wie Dr. Peters, darf niemals außer Acht gelassen werden, daß ein solch außergewöhnlicher Mann sich unter ganz außergewöhnlichen Verhältnissen betätigen mußte, um däs Ziel zu erreichen, das er.sich nicht aus eigenem Interesse, sondern zum Besten seines Vater- i kandes gesteckt hatte. Unter der glühenden Tropensonne, im Kampfe mit afrikanischen Wilden, ist mit „Europas übertünchter Höflichkeit" und besonders mit deutscher Sentimentalität, die in den Schwarzen engelreine unsres höchsten Mitgefühls würdige Naturkinder erblickt, nicht auszukommen. Wer ein Kolonialreich erringen will, darf nicht als bittflehender Pilger auftreten, sondern must sich als ein M a n n zeigen, der seiner Macht bewußt, allen Widerstand niederzuwerfen weiß. Diese gan$ natürliche Auffassung, die allen Kolonialvölkern, wie Engländern und Franzosen, von jeher selbstverständlich erschienen ist, hat sich noch immer der deutsche Michel nicht recht aneigne« können und darum eben sind die Vorkämpfer des kolonialen Ge- 1 dankens bei uns den schwersten Anfeindungen ausgesetzt gewesen und darum Hat ein Mann, wie Dr. Peters, anstatt den Dank der Nation für seine aufopfernde Tätigkeit, Zurücksetzung und Verurteilung geerntet.
T Der Mann aber, der jetzt in München für feine Ehre kämpft, ist uns Marburgern kein gänzlich frembet; denn vor rund einem Jahrzehnt hat Dr. Peters hierselbst im Museum einen kolonialen Vortrag gehalten, der gewiß noch einigen unserer Mitbürger in Erinnerung geblieben ist. Trotz des Beifalls, den damals jDr. Peters für seine Ausführungen erntete, mag wohl mancher seiner Zuhörer den Kopf geschüttelt haben über eine fast beiläufig gemachte Aeußerung, durch die aber der genaue Kenner der Eigenschaften der schwarzen Rasse den jErnst der Lage andeutete, in der sich eine kleine Expedition fern der Küste in afrikanischer Wildnis befindet. Dr. Peters erzählte nämlich, daß
„Tot!!!"
Rur dies eine Wort ringt sich von Angelinas Lippen: aber es durchschauert die beiden Männer eiskalt.
„Kind! Liebes, gutes Kind —" stammelt der Vater, sich ihr nähernd — „vielleicht ist es Nicht wahr! Vielleicht —“
„Doch. Es ist wahr . . . Sonst wäre er gekommen !"
Angelinas Stimme klingt unnatürlich ruhig. Aber das Beben, das ihren zarten Körper überfliegt, straft diese scheinbare Ruhe Lügen.
Kein Auffchrei. Kein Weinen. Kein Schluchzen. Nicht einmal Tränen.
Nur eisige Ruhe. Unheimliche Starrheit. —
Tante Petronellas Lamentationen bilden den vollkommenen Gegensatz zu dem starren Schmerz ihrer Nichte.
Weinend und schluchzend rennt sie durch alle Zimmer, bis der Marchese ihr unwirsch befiehlt, ruhig zu sein. Er werde mit dem Nachmittagsschifi nach Neapel fahren und sich Gewißheit holen. Dann sei noch Zeit genug zum Lamentieren. Vorläufig glaube er die ganze Geschichte nicht.
Doch Rolf schüttelt traurig den Kopf.
„Er fühlte sich schon gestern Abend unwohl und war sehr erregt. Onkel Carlo," sagt it ernst. „Vielleicht ein Herzschlag
„Du sahst ihn gestern Abend?" ruft der Mar- chefs verwundert.
„Du sahst ihn gestern Abend?" fragt auch Angelina betroffen.
Beide, Vater und Tochter, sind einen Schritt zurücktreten und blicken Rolf durchdringend an. —
Angelina» Augen zeigen einen schmerzlich verwunderten Ausdruck. Die Augen ihre» Vaters dop'gen sprühen,
(Fortsetzung kclgi.j
„Ich weiß, was drin steht, ohne es gelesen zu haben, Onkel Carlo," lautete die ernste Entgegnung. „Ich hörte schon bei meiner Abfahrt von Neapel die traurige Nachricht."
„Und ich glaube sie nicht!" Der Marchese ist aufgesprungen und fuchtelt mit den Armen in der Luft herum. „Noch heute fahre ich hinüber, um mich von der Wahrheit —“
Leichte Schritte vor der Tür lassen ihn inne- halten.
„Still, still! Sie kommt!"
Gleich darauf tritt Angelina ein, das Gesicht voll freudigster Erwartung.
„Wo ist Arturo, Vater?"
Keine Antwort.
Der Marchese atmet schwer. Rolf steht mit abgewandtem Gesicht am Fenster.
„Wo ist mein Bräutigam?" fragt Angelina abermals, etwas dringlicher.
Da öffnet der Marchese beide Arme.
„Komm an meine Brust, mein Kind! Komm zu Deinem Vater!"
Doch Angelina steht unbeweglich. Angstvoll blicken ihre großen Augen von dem Vater auf Rolf und wieder auf den Vater.
„Arturo ist nicht gekommen? . . . Warum nicht? . . Hat er kein Telegramm geschickt? . . Aber natürlich: es wurde ja ein Telegramm für Dich abgegeben! Lies es nur!"
Sie wendet sich und deutet auf die silberne Platte. Dabei bemerkt sie das geöffnete Telegramm auf dem Tisch.
Sie will es an sich nehmen. Doch der Marchese entreißt es ihr.
„Pater!" rtift sie erregt. „Ihr verbergt mär etwas. Ich sehe cs Euch ja an. Ich will das Telegramm lesen! Hörst Du, Vater — ich will!"
Mit abgewandtem Gesicht gibt der Marchese ihr den kleinen rosa Zettel. Er vermag es nicht, seinem Kinde ins Antlitz zu schauen, wäljreeb sie die SchreckcnsbotschoHt^liA. *—— '
.. - Heimweh «ach Glück.
Roman von Erich Friesen.
■ --Mortjetzung)« .
. 10. d. - ■ ,
; Eine Stupde vergeht . . . zwei Stunden vergehen . . . Für Rolf eine qualvolle Ewigkeit.
Auf dem silbernen Tablett, neben einer Masse anderer Briefschaften, liegt das verhäng- -nisvolle Telegramm — und niemand in diesem 'Haus« ahnt den ereignisschweren Inhalt.
> Schon wollte Rolf mit Tante Petronella darüber sprechen. Aber nein — lieber nicht. Der Onkel soll die Schreckensnachricht zuerst erfahren. Wer weiß, was die exaltierte Tante in ihrer Bestürzung anrichten würde!
Auch gilt es vor allem, Angelina das Ereignis schonend beizubringen — ihr, der glücklichen Braut, die es am meisten angeht.
! Längst wäre Rolf selbst zur Grand« Marina hinabgeeilt, um dem Onkel das Telegramm zu iüberbringen: aber er fürchtet, ihn zu verfehlen, da mehrere Abschneidewege hinunterführen und er nicht weiß, welchen der Onkel benutzt.
3*. So heißt es also: warten . . . warten . . .
Endlich —. draußen im Park der wohlbekannte, etwas schwere Schritt des Marchese.
Rolf geht ihm entgegen.
? „Zum Kuckuck!" pustet der brave Marchese schon von weitem, halb ärgerlich, halb jovial. C.Väfjt mich mein lieber Schwiegersohn zwei Stunden ans seine werte Persönlichkeit warten, und dann kommt er noch immer nicht. Auch snichts von seiner Nacht ist zu sehen. Ich hab' jben ganzen Horizont abgeguckt. Was wird An- tzelina sagen! Na, fomineit wird er schon, aber <et könnt' sich ein bischen mehr beeilen . . . Inzwischen — guten Morgen, Junge! Schon wieder zurück aus Neapel? Scheinst es nie lange