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Zweites Blatt.

elektrische Vollbahn im Tunnel quer durch Bet« lin vom Potsdamer zum Stettiner Bahnhof wird gemeinsam von Siemens & Halske und der preußischen Eisenbahnverwalt« unfl geplant. Die Verhandlungen sind bereits fo weit gediehen, daß ein volles Einverständ- nis erzielt wokden ist. Das Projekt liegt jetzt der städtischen Verkehrsdeputation vor.

Vierteljährlicher Bezugspreis: bet der Expchition 2 Mk* bei allen Postämtern 2,25 Mk. t.exct. Bestellgeld).

Znsertionsgebühr: bi* gespaUcue Zelle oder deren Raum 15 Pfg.

Slcrlameii: die Zeile SO Pfa.

Marburg

Somtag, 80. Juni 1907.

mit dem Kreisbl«tt füt die Kreisc Marburg und Kirchhain.

Lo»utaa»deUaae> SOeftetrte« «MKHHHätt.'

'M Erscheint wLchentlich gebe« mal.

Druck ttnb Verlag: J»h. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdnlckerei 42. Jahrg.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburger |

StudenLeu - Erinnerunze».

Von L. Müller. I

(Fortledung.j I

Alte Studentengesetze der Universität I Marburg.') I

Derordnuiigen von 1796, 1819 und 1826 für I die Universität Marburg geben ein rnteresjan- [ les Spiegelbild im Gegensatz zu den heutigen I Verhältnissen. Am 10. Dezember 1819 erschien I für die Marburger Universität em ausführliches I Reglement das die Studierenden in die engsten I Schranken bannte. Einige Bestimmungen mögen I hier Platz finden. § 14 besagt: Amtandige un­schuldige Vergnügungen sind den Studierende« I vergönnt. Sogenannte Kommerse, überhaupt I größere, dem Vergnügen gewidmete Zusammen- I künfte dürfen ohne Erlaubnis des Prorektors I nicht veranstaltet und niemals außer der Stobt I gehalten werden. Nach §16 ist untersagt: 1. Alle Kusammenkünste auf besonders gemieteten Zim- Hnern. 2. Alle Harzardspiele werden mit dem Konsilium abcundi bestraft. 3. Oeffentliche Musiken mit und ohne Fackeln. 4 Schlitten­fahrt in der Stadt mit und ohne Fackeln. 5. Teil­nahme an theatralischen Vorstellungen. 6. Ge­brauch der Masken und Verkleiden sowie Maskenbälle. 7. Fechten ohne Aufsicht des Fechtmeisters. 8. Tubakrauchen auf der Straße bei Verlust der Pfeife und 5 Taler Strafe, s 1611 besagt: Mit Beschränkung und Mit Rück­sicht auf Zeit findet Kredit auf folgende Posten statt: 1. Bei dem Buchhändler für Bücher bis zu 50 Gulden. 2. Bei dem Buchbinder 2 Taler. 3. Bei dem Schreibmaterialienhändler 4 Taler a. Bei den Kaufleuten für Kleider brs zu 40 Gulden. 5. Hausnnele und Mittagstisch dürfen halbjährig kreditiert werden. 6. Hauswirte und Aufwärter diirsen für Kasten, Frühstuck, Bier Tabak bis 24 Gulden kreditieren, jedoch mutz'die Richtigkeit von dem Studenten aner­kannt werden. 7. Schneider und Schuster dürfen

x) Sammelband von Gesetzen der Universität Marburg. Bd. 40. 1802.

Krankenfürsorge beziffern sich für die Jahre l Mark in Anspruch nahm Die Lei tungen der 1885 bis 1905 auf: 2 875 148112 M, die anderen I Invalidenversicherung zerfallen in folgerche Gin- Entschädigungen auf 2 232 219151 M. Die be- | zelleistungen: Heilverfahren (von 1891 bis 1905. treffenden Leistungen im Jahre 1905 beliefen I 65 574 410; 1905 allein: 12 lv8775 °st). Echohte sich auf 275 464 820 bezw. 267 220 153 M. Angehörigenunlerstutzung und sonstige lmheror-

Di- Leistungen I

»er Arbeiterverstcherung in dm Jahren i &İ* (Ä« 19®

; . , E M 1905. Ib umg.g»d.

M iteti« gma«.n L«£ L"" d°" 1905: «'

Summe für die Jahre 18b;>-1905 7 344 9a9 628 - ( b Unfallversicherung war im Jahre 355 948 810 'M, und im Jahre 190a sogar nur I * .

-über sieben und em Drittel Milliarden Mark. I Krankenach nicht sehr wesentlich ver- I 19 476 432 M; sie ist gegen das Jahr 1892 um I 29. Juni.

Als ei,jzelne Einnahmeposten kommen die Bei- I J belief sich für die Krankenver- I über iy2 Millionen Mark heruntergegangen. I * Peter- und Paulstag ist heute, Sonnabend,

^äge der Arbeitgeber und ber Versicherten (die I U|tfl fiU: 226106 493 'M, für die Unfallver- I Die Krankenrente nahm insgesamt über ns^ I $n ihrer höchsten Vollendung steht die Natur,

Beitrage der letzteren fallen für ^Unfallver- I L^eru® au^ 258 603 666 'M. Das Vermögen der I Millionen, 1905 über 3 Millionen, die Bei- I toeun er auf den Plan tritt. Schon hat dl<

KÄW.tsÄUj SSSSETWÄ ÄÄÄ gsasw«ffSS ffÄ usw in Betracht A.?Beiträgen°sind von den W im J?S?905: 1^75^200° JL Was I 1905$bVina^^^^^itt?onben, imJahre 1905 über I blühenden und reifenden Krafi .

Arbeitgebern in den Jahren 1885 bis 1905 zu- betrugimZahr->1905.^1237^^ ^ Millionen Mark in Anspruch. und Paulstag st der Tag der bösen Geister, der

sammen 3 298 158 186 M (1905 : 325a70<68_<<l) | . ber Versicherungsträger der Invaliden- I Bei Betrachtung dieser vielseitigen und I Tag der ^"bolde, der Hexen, der Gnome, der aufgebracht worden; von. den Versicherte,'., I "«^runa betrifft wird initgeteilt, datz 1906: segensreichen Leistungen unserer Arbeiterver- I Zwerge und der Wichte, namentlich aber der

2 991 769 424 M (1905: 2683M242 Jl). Der I ""anaeleat worden sind. Davon I stcherung, die in keinem anderen Lande l Sturmhexen. Der Wetter- und Bauernregeln

Zuschutz des Reichs zur Invalidenversicherung ist I fi410g (65 Proz.) auf Anlagen I der Welt in solchem Umfange besteht, kann I gibt es eine ganze Anzahl, die sich auf den Heu«

von 60-19 848 M im^ahre 1891 mtfto.,7a>!£0 I Md». uub 35518532 M (35 Proz.) I man immer nur den Arbeitern zurufen: Seht, I tigen Tag beziehen. Rach ihnen ist es gut, wenn M im Jahre 1904 gestiegen »nd betrug rm Jahre ur Cememnug bag finb bie Vorteile, di- euch gegen die Strm- ^eutc bag Wetter heiter ist. So heißt es:Schön

IWb: 47 300 837 e« An I ' Km ein-einen zerfallen die Leistungen der I men der Sozialdemokratie zugewendet worden I Paul, füllt Taschen und Maul" und andere,»

KJ«»*lE76150215 s»ÄS.'ÄÄ

Die Ausgaben der Arbeiterversicherung in I sonstige Leistungen. Den Hauptposten nimmt I is=====;=^^^^= ===äS I Peter und Paul brechen den Halm ab, nach 1<

den Jahren 1885 bis 1905 haben 5627416S47JI begreiflicherweise das Krankengeld ein, es be^ , Tagen schneiden wir ihn ganz ab".

7V1014 41 fictk-n im ^ahre 1889 hundert I Leistungen der Ünfallversicherung gliedern sich I Sohn des ehemaligen Oberprasiden- I wurde gestern wieder etwas gefunden, n«ml«h

Millionen LrschrMen st'L 1891, nach Ein- in:' Heffverfahren M-^e in ver igg Afft emDchn^-y-^ J ' eine Wappentafel aus früheren Zeiten,

pihruntz^der Jnvalideriversicherung. aaf I Wartezeit, H^°Atattsb^ I Adel erhalten hat. Am 3. Februar 1864 geboren, [ )( Gauturnfest. An dem morgigen Gauturn«

Millionen Mark angewachien und haben un I ßcnrente »edet^ wurde Hans v. Euenther, nach Mitteilung der feft in $ab Nauheim nehmen zahlreiche Mit.

Jahre 1893 rund 200 Millionen. 1898 »her 300 I Sterbegeld, Hmterbliebenenrente, Witwenav 1 18R5 Referendar beim Oberlandes- I ' . b yrnaebötiae der hiesigen und der 6«

Millionen 1900 nahezu 400 Millionen. 1903 findung und Auslanderabfindung Dre Ver I 188| Regierungsreferendar in J1«®«Sl

rund 500 Millionen und 1905 rund 600 Millio- letztenrente nimmt naturgemntz den Lowenan- FJ« 1690 Regierungsastestor I «Abarten Turnvereine teil.

eim^Mark betragen. - teil sämtlicher Ausgaben in Anspnlch^Ei-^be- I ^im Polizeipräsidium in Berlin und 1891 beim | * Die Zeit der Kirsche« ist herangeruckt und

Di- Entschädigungen aus der Arbeiterver- I lief sich »» den Jahren l^ bis 1^ auf bb I Oberpräsidium in Potsdam. 1896 wurde ihm I bald werden diese saftigen Fruchte, dank der in

sicherung, d. h. die Summe besten, was den Sßev 1 8541/2 Millionen, un Jahre 1905 üb« 100 Wl. I bfts Landratsamt in Löwenberg in Riederschle- I Aussicht stehenden vorzüglichen Ernte, ffr reicher

sicherten und bereit Angehörigen bar bezahlt I Mark; der Aufwand für die an W,tw . ffen | übertragen, von wo er 1901 als Regierungs- | Menge auf den Märkten unter dem. Frühobst

worden, oder in Gestalt von Heilbehandlung U;U). grrah e S^terbliebErcnte vetrug in ständiger Hilfsarbeiter in dre Reichs- vertreten sein. Jung und alt wird sich wieder

und anderen mehr unmittelbar zugute gekom- I den erwähnten zwanzig Jahren nahezu-.10 . I {I- prüfen wurde. Im Juli desselben I i£)m ta6en beider tritt dabei wieder die MLMM ZMMW MZMW-

wenn diese Posten im nachten Serneitet nicht ««nenei Shofe nvtt mejt Polizei reichten wir nun das Mitgliederver.

innerhalb 14 Tagen bezahlt weichen, so muß I § J^4 , .. . 8 16 y-rbietet das Reiten I zeichnis nebst Statuten zur Genehmigung ei«,

binnen 8 Tagen Klage ber dem Prorektor em- I ^kEllschaften Stadttoren die I Rach der Genehmigung der Statuten richtete«

gebracht werden, widrigenfalls b" Kreditor bei I und schnelle Fah erhalten den Pfer- I wir auf der bei dem englischen Hofe gelegen«

demakademischen Gericht" lern Gehör mehr Schildwachen hatten^ 1 Turnplatz mit den zu d-m Turne«

findet' Unerlaubtes Kreditgeben bezog sich auf ben mtt 'behandeln den nötigen Eeräten ein, an denen wir nun

Lurusgegenstände, es waren: Wem, Punsch, ge- I treten. Woi^" Puragrapy }n stu. I regelmäßig übten. Der Verein zählte nun be-

SÄÄ» »S L IM MiM-d«, dl- --- Studenten uni mente, Billard, Spielschulden, Wage » und I de"t Nicht ohn Eltern oder Vorrnün- I Bürgerssöhnen bestanden. In einer Versamm

Schlitten, seidene Waren, Tressen, Stickereien, I nur mit Ersttubn s u^oeintät abreisen. I lunq im Jahre 1847 wurde beschlossen, einen Uhren. Dosen, Ringe, Degen usw. I d" in den F«^-» v n d«^UNivustt ^ahr Turnerball abzubalten, es wurde ein Komrtee

I Wegen gesetzlicher Schulden durften Dl- I alle diese Schranken fielen, mit Freu- I bestehend aus 5 OTitftliebern, ^wahlt und mit

plome einem Studenten nicht verabfolgt werden, I rouibe dieser Anglegenhert betraut. Ehe dl- Polizei

auch fand bie Einsetzung bes Betreffenden in I "^.Sammlungen von Unioersitätsgesetzen von die Genehmigung zum Balle gab, mutzten wir I den Schulden-Karzer auf Antrag statt. § 22 I czildebrind) I abermals ein Mitgli-derverz-lchnls einreichen,

I verbietet alle und jede Verbindungen, sie mögen I ' _. . . k ... | resp. ein Verzeichnis der Temehmer am Balle,

I Namen haben eines Ordens, einer Landsmann- I Die Marb«rg-r Studenten und der Turnverein I bann erfolgte die Genehmigung. Der Bast, I frfidft eines Klubs oder Kränzchens oder auch I von 1848. I der am 29. August 1847, abends 6V2 Uhr, v*x

I Bildi'iNgsvereins, sowie insbesondere die unter i Der jetzige am 28. Juli 1860 gegründete I Saale des englischen Hofes statifand, verlief m

I bem Namen der Burschenschaft, sowie der schwär- I Turnverein ist eigentlich nur eine Fortsetzung I schönster Ordnung und war sehr stark besumt:

I zen Brüder und Unbedingten bekannt gewor- I Don dem 1846 gegründeten und tm November I bje größte Eintracht und Einigkeit herrfüffe

I denen Verbindungen sind aufs strengste ver- I iß50 von den Bundesexkutionstruppen aufge- I unter bett Teilnehmern dieses ersten Ver

I boten. Die §§ 2328 beschäftigen sich ein- I lösten früheren Verein. ... I gnügens. ,,

I aebender damit § 29 verbietet den Besitz von I Ersterer wurde unter eben solchen reaktw- I Am nächsten Morgen nach dem Balle brm-' < I Schlägern bei 4 Wochen Karzer. Der Besitz von I nären Verhältnissen wieder ins Leben gerufen, I mir der Wachtmeister Schmidt eine Vorladu

I Dolchen Stiletten, Stockdegen wurde nach den I wte ber tm Jahre 1846 gegründete. Beide stau- I heute noch auf ber Polizei zu erscheinen, dt-s

I allgemeinen Landesordnunaen bestraft mit erner I ben unter der schärfsten Polizeiaufsicht, sie wur- I damals am Renthof im jetzigen Rubinoschca

I im Kastell zu Cassel abzubützenben einjährigen I den nut geduldet. I Hause befand.

Gefängnisstrafe. Die folgenden. Paragraphen Hebet bie Gründung des 1846 gegründeten haben eine falsche Liste zum Balle ein-

I bis 40 handeln von Vertusserklarungen, Pas- I Turnvereins erzählt ein Mitgründer folgendes. I oerc:xir redete mich bet Polizeidirektor an. | quillen, Injurien, Duellen usw. Die gesetzliche IMit noch einem Freunde kam^ rch> r» Som- I %u& eine falsche Anschuldigung sein," sagte ich. I F-ierabendstunde war abends um 10 Uhr und i met 1846 am engltichen Hos vorüber, tn dem die 1- Qten Studenten dabei, bie nicht auf dem

I 1866 um 11 Uhr. I Witwe Erampp eine Gartenwirtschaft betrieb. I etnaetei6ten Verzeichnis gestanden haben und

I Mit diesen Gesetzen und Bestimmungen I In dem Vorgarten neben dem Eingang wat ein I bon9n hZ,^ Sie auch in Turnerkleidern flf« I würde sich wohl unsere heutige akademische Ju- I Reck und em Batten ausgestellt, an denen sünf | ^nzt!"Wir haben bei der Poliz-t bereits

I qCnb schwerlich einverstanden erklären. Am I Studenten Hebungen machten. Wir blieben I ^r zwei Wochen die Genehmigung zum Balle

I 31 Jan 1835 wurden vorstehendem Gesetz noch I stehen und sahen neugierig mit zu. gönnen I Eingeholt und erhalten. Es sind freilich noch

I '5 weitere Artttel hinzugefügt, die ein jeder Sie das auch?" fragte uns Studiosus Wende-- g ^tubenten in den letzten Tagen bem

Stichent bei seiner Immatrikulation unter- I toth. .»Wir «ollen es einmal probieren sagte I Turnverein beigetreten, bie sich bann am Balle schreiben mutzte und in einem Reverse vorge- I ich und trat mit meinem FEtbe 'taher. Die 6eteUigt hüben; wir sind uns keines Vergehens

druckt roaren% B durfte er keiner verbotenen I Studenten machten uns den Vorschlag, wir mach- I 6cn)U^ Sie werben sehen, was Sie gemacht

Verbinduna änaehören näher treten ober sie be- I ten noch einige Freunde anwerben und mit I . E,en Sie können gehen."Sollten wir uns fördern belfert.9 2. Sich weder an Beratungen I ihnen gemeinschaftlich fib I eines Vergehens schuldig gemacht haben, so bitte

über bestehende Landesgesetze beteiligen noch I den. Der Vorschlag sand Anklang ber unsdenn eine gnädige Strafe," sagte ich und ging.

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