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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
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Bierlcljährlicher Bezugrpreir: bet oei Expck-ition 2 Mk., b-l allen Postämtem 2,25 M. (ejcu Bestellgeld).
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Marburg
SoMtag, 30. Juni 1907.
Erscheint wöchentlich sieben mal. '
Druck und Verlag' Joh. Au g. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
42. Jahrg.
Erstes Blatt.
Bestellungen für das dritte Quartal auf die < > >< '
WDBerhessische Zeitung" nebst ihren Verlagen werden von unserer Expedition s(Markt 21) unseren Ausgabestellen in Kirch, ßain. Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbrieströgern ent« gegengenommen.
Zum Kapitel der Fürsorge- Erziehung.
’ Die Klagen darüber, daß das Fürsorge- kr^ehuiigsgesetz seinen Zweck nicht ausreichend erfüllt, sind nicht neu. Es wird als ein Mangel der gesetzgeberischen Regelung dieser Materie empfunden, daß die noch nicht verwahrlosten, aber sittlich gefährdeten Kinder von der staatlichen Fürsorge ausgeschlossen sind und daß der Kreis der antragsberechtigten Personen nicht weit genug gezogen sei. Daß diese Beschwerden und die aus ihnen gefolgerten Wünsche berechtigt seien, kann nicht anerkannt werden. Nachdem cs nach langwierigen Verhandlungen gelungen war, in § 135 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch den Einzelstaaten die Befugnis zu wahren, die Zwangs- oder Fürsorgeerziehung gesetzlich, zu regeln, wurden mit Recht bei der Vorbereitung des preußischen Gesetzes gegen eine zu weltgehende Ausdehnung der Fürsorgeerziehung die ernstesten Bedenken krhobenr Das Wirkungsbereich des Gesetzes wird durch den Grundsatz bestimmt, daß die staatliche Fürsorgeerziehung nur dann zur Anwendung kommen soll, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Maßregeln, eine geordnete Erziehung herbeizufiihren, versagen. Schule und Kirche, zahlreiche Erziehungsanstalten und Vereine, welche auf kirchlicher oder allgemein menschlicher Liebestätigkeit erwachsen, sind aus» ersehen und geeignet, der Verwahrlosung der Jugend entgegenzuarbeiten. Würde die Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend in weitestem Umfangs vom Staate oder den großen Kommunalverbänden übernommen, so wäre zu befürchten, daß die freie Liebestatig« feit erlahmt, Kirche und Schule nicht zu erhöhter Tätigkeit auf diesem Gebiete angespornt würden «nd die Armenpflege noch weniger als bisher geneigt sein würde, in vollem Ilmfange ihre Schuldigkeit zu tun, vielmehr das Gesetz benutzen würde, um Armenlasten auf die Träger der Fürsorgeerziehungskosten abzuwälzen. Es ist eine alte Erfahrung, daß, sobald der Staat oder
andere öffentliche Verbände eine derartige Arbeit, welche eigentlich in den Bereich christlicher und sozialer Liebestätigkeit gehöre, in di« Hand nehmen, sofort die freie Tätigkeit sich von dem Werke zurückzieht. Auch aus kirchlichen Kreisen ist die Befürchtung ausgesprochen, dah durch eine zu weitgehende Verstaatlichung der Fürsorge für die gefährdete und verwahrloste Jugend die Kirche sowohl in ihrem Einflüsse als in ihrer Arbeit beeinträchtigt würde. Alle diese Erwägungen haben dahin geführt, das Gesetz so zu gestalten, dah die dadurch geregelte staatliche Erziehung erst eintreten soll, wenn alle anderen zur Verfügung stehenden Mahnahmen der Kirche, Schule, freier Liebestätigkeit, Armenpflege. versagen.
Aber auch andere Erwägungen können eine weitere Ausdehnung der Fürsorgeerziehung nicht rätlich erscheinen lassen. Auf der einen Seite ist mit der Tatsache zu rechnen, dah an dem Zögling, gegen den das Mittel der Fürsorgeerziehung angewendet wird, ein gewisser Makel haften bleibt, der ihm vielfach in seinem späteren Fortkommen hinderlich ist. Es hält sehr schwer, solche Zöglinge als Dienstboten oder in anderer Stellung unterzubringen. Beispielsweise weigern sich die Heeres- und Marineverwaltung, frühere Fürforgeztzglinge in Unter- offiziersfchulen oder als Schiffsjungen anzunehmen. Es ist also große Vorsicht geboten, ehe man das letzte Hilfsmittel, die Fürsorgeerziehung, zur Anwendung bringt. Andererseits gibt die ausgedehnte Gewalt, die das Bürgerliche Gesetzbuch dem Vormundschaftsrichter gegeben hat, in Verbindung mit der kirchlichen und der freien Liebestätigkeit ausreichende Mittel an die Hand, um den staatlichen Eingriff in das Familienleben durch Wegnahme der Kinder nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Ueberweisung zur Fürsorgeerziehung wird aber von den Eltern augenscheinlich schwer empfunden, denn fast täglich laufen im Justizministerium und im Ministerium des Innern Gesuche ein, in denen um Aufhebung der Fürsorgeerziehung gebeten wird, und erfahrungsgemäß genügt häufig schon die blohe Androhung der Fürsorgeerziehung, um eine Besserung in den unsittlichen Verhältnissen der Eltern wie auch der Kinder her- beizuführen.
Die Ausführungsbestimmungen des Gesetzes vom 2. Juli 1900 sind daher nur den Weisungen des Gesetzgebers gefolgt, wenn sie gleich in der Einleitung vorschreiben: Bevor die Maßregel in Aussicht genommen wird, ist sorgfältig zu prüfen, ob nicht durch Anwendung anderer Maßnahmen der kirchlichen Einwirkung, der Schul- zucht, der Armenpflege, freiwilliger Liebestättg- keit oder vormundschaftlicher Anordnungen der Verwahrlosung vorgebeugt oder ihr Fortgang aufgehalten werden kann. Insbesondere sollen die Armenbehörden von Aufsichts wegen angehalten werden, ihre Schuldigkeit zu tun. Damit ist dargetan, daß der staatlichen Fürsorgeerziehung lediglich eine subsidiäre Stellung zugewiesen ist. Es würde also der Absicht des
19 (Nachdruck verboten.)^
Heimweh nach Glück.
Roman von Erich Friesen. Fortsetzung)'.
Schweigend steht Rolf an einen Baum ge- l-hnt? Ihm ist, als träume er ...
Ist dieses holde Frühlingskind da vor ihm ein lieblicher Traum? Oder war cs ein böser Alpdruck, der ihn während der letzten entsetzlichen Stunden quäkte?
„So jetzt geht hübsch nach Hause, Lieblingel" ruft Angelina plötzlich. „Du, Anina, führst den blinden Pietro, damtt er sich im Park nicht verirrt! Und habt alle Dank für Euer Kommen Und die schönen, schönen Blumen!"
„Evviva! Evviva!" brüllt cs aus einigen fünfzig frischen Kinderkehlen, während Angelina lachend abwehrt und ihre schelmischen Augen tanzen vor Vergnügen.
Tann trippelt und trappelt es durch die verschlungenen Parkwege hinaus zum Tor.
„Die lieben Kinder!" flüstert Angelina, wie für sich, der jauchzenden Schar mit den Augen folgend. Wie herzig sie sind, wie--“
Da fällt ihr Blick auf ihren Cousin, und si« hält betroffen inne.
„Rolf, lieber Rolf!" ruft sie, indem sie lebhaft auf ihn zueilt. „Wie siehst Du denn aus? So ernst, so feierlich! Der reine Unglücksrabe! . . . Weg mit den garstigen Falten — husch, husch!"
Und lachend streicht sie ihm mit den kleinen Händen über die Stirn.
„Ich bin verstimmt, liebe Angelina! Laß mich nur!" wehrt er erregt ab. „Wo ist Dein Vater? Ich möchte ihn sprechen."
Er ist nach der Grande Marina hinunterge- tzangen. Arturio kommt in einer halben Stunde mit seiner Pacht an. Der Vater will ihn gleich in Empfang nehmen: er sagt, er habe nöch ver
schiedenes mit ihm zu besprechen — wegen der Hochzeit."
Die letzten Worte spricht Angelina etwas zögernd. Är ganzes Gesichtchen ist dabei wie mit Blut übergossen. Und doch strablt aus den liefen klaren Augen vollstes, ungetrübtes Glück.
Die Bewegung übermannt Rolf. Liebes, kleines Schwesterchen! Wie sie den Mann liebt, dem sie sich in wenigen Tagen vor dem Altar zu eigen geben wollte! Wie sie in ihm alles Gute, Edle. Hochherzige sieht! Wozu ihr die Illusionen ihres jungen Lebens rauben — jetzt, da der Fürst tot ist und kein Unglück mehr über das blindvertrauende Mädchen bringen kann? Möge sie nie erfahren, daß sie ihr unberühttes Herz einem Unwürdigen geschenkt, dem sie nur eine war unter vielen! ....
Angelinas Heines Herz ahnt nichts von der fiesen Tragik des Augenblicks. Von der unermeßlichen Bürde, welche ihr Cousin sich durch dieses stille Gelübde auferlegt.
Nur daß der geliebte „Bruder" verstimmt ist, betrübt auch sie.
Einen Moment zuckt es in ihrem Gesichtchen wie von verhaltenen Tränen.
Gleich aber erstrahlt wieder das gewohnte Crübchenlücheln.
„Ich muß ins Haus, Rolf? Mein Brautkleid ist angekommen. O, wie schön ist es! Wie einzig schön! Mattweißer Atlas mit kostbarer Stickerei! Und lauter echte Spitzen! Willst Du es sehen?"
„Richt jetzt, Angelina. Ich habe keine Zeit, Wo ist Tante Petronella?"
„Drinnen. Sie baut meine Hochzeitsgeschenke auf, die gute Tante!"
Langsam schreiten beide dem Hause zu. Auch Angelinas plauderfrohes Mündchen ist verstummt vor Rolfs eiserner Schweigsamkeit.
In der weiten Halle im ersten Stockwerk, inmitten herrlicher Blumenarrangements. M-
Eesetzgebers nicht entsprechen, wenn eine erweiterte staatliche Fürsorge die segensreiche Tätigkeit der in erster Linie zum Schutz der gefährdeten Jugend berufenen Kreise einschränken wollte.
Steigender Export unter den neuen Handelsverträgen.
Wenn irgend ein deutscher Industrieller irgendeiner Branche im ersten Jahre nach Jn- krasttreten der neuen Handelsvertragstarife zufällig etwas weniger exportieren konnte, als im letzten Jahre der alten Capriviverträge, so wird dieses Ereignis von unserer Manchester-Presse stets zu einem schlagenden Beweise für die infolge unserer Agrarzollerhöhungen angeblich verschlechterten Handelsbeziehungen aufgebauscht. Demgegenüber hoben die „Deutschsoz. Blätter" aus dem Bericht über die Generalversammlung des Vereins deutscher Werkzeug- maschinenfabrikanten folgenden Passus hervor:
„Für die Zukunft sei zu hoffen, daß durch reiche ausländische Bestellungen ein verhältnismäßig günstiges Eeschäftsergebnis erzielt werden könne. Der am 1. März 1906 in Kraft getretene Handelsvertrag zwischen Deutschland und verschiedenen europäischen Staaten hätte die befürchteten nachteiligen Folgen für die deutsche Ausfuhr nicht gehabt. Der Export an Werkzeugmaschinen ist gestiegen von 330 756 Doppelzentner 1905 auf 453 079 Doppelzentner in 1906. Insbesondere ist eine Vermehrung der Ausfuhr nach Frankreich, Italien und Oester- reich-Angarn erfolgt, dagegen ist der Export nach Rußland merklich zurückgegangen. Wie in fast allen Industriezweigen sei auch in der Ma- schinenindustrie der Mangel alt geschulten Facharbeitern gewachsen."
Der „merkliche" Rückgang des Exports nach Rußland kann von keinem objekttven Beurteiler auf die veränderten Handelsvertragstarife, sondern er muß auf die durch die revolutionäre Bewegung dort geschaffene, traurige wirtschaftliche Lage zurückgeführt werden. Dieser Expottrück- gang ist aber auch an sich nicht schwerwiegend, weil et durch die überaus starke Zunahme der Ausfuhr nach anderen Handelsvertragsstaaten, Italien und Oesterreich-llngarn, usw. so überreichlich ausgeglichen worden ist, daß sich selbst dem Jahre 1905 gegenüber — (welches doch eine im Hinblick auf die gefürchteten neuen Tarife stark sortierte Ausfuhr aufweisen muß) — eine Gesamt-Exportsteigerung um rund 123 000 Doppelzentner oder fast 40 Prozent ergeben hat.
Unsere deutsche Werkzeugmaschinen-Jndustrie hat also alle Ursache mit der Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zum Auslands höch-
lichst zufrieden zu sein, selbst wenn sie nut d« Exportgeschäft im Auge hat und nicht berückfich» fiat, daß der weit wichtigere Absatz im Land« sicher noch viel mehr durch die verbesserten Schutzzölle des neuen Tarifs gefördert worden ist. Daher auch der beklagte Mangel an geschulten Facharbeitern, der wohl nicht nut in diesem, sondern auch in andern Industriezweigen sich noch immer stärker fühlbar machen wird, je mehr das in Betracht kommende Handwerks* mäßige Gewerbe, die beste Vorschule für Facharbeiter.' in seiner relativen Bedeutung zurück- gedrängt wird. Hierin liegt eine ernst« Mahnung zur Unterstützung bei Handwerkerstandes in seinem ver< schärften Kampfe ums Dasein. r
Deutsches Reich.
— Der Reichskanzler an den Hamburg« Verband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Einem Mitglieds des Hamburger Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat der Reichskanzler unter dem 18. Juni folgendes Schreiben zugehen lassen: „Euer Hochwohlgeboren danke ich etgebenst für die Mitteilung von der Gründung des Hamburger Perbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Ich stehe allen Bestrebungen sympathisch gegenüber, die darauf hinzislen, in der deutschen Bevölkerung das Gefühl der Liebe zu Kaiser und Reich zu erhalten, ihr Verständnis für die Grundlagen unseres Erwerbslebens zu fördern, den Frieden zwischen Arbeitgebern und' -nehmern zu wahren und dis antinationalen und revolutionären Bestrebungen zu bekämpfen, gez. Bülow."
— Die „lehrerfreundliche" Stadt Berlin. Zu dem letzten Erlaß des Kultusministers v. Studt, in dem die Lehrst zu Angaben übet dis Höhe ihrer Einnahmen aus Nebsngeschäftsn aufgefot* beit waten, teilte die „Kreuzzeitung" mit, daß der Anlaß dieser Erhebung von der liberalen Berliner Stadtverwaltung ausgegangsn ist. Die Feststellung im Etat der Stadt Berlin, daß sich die Nebeneinnahmen de« Berliner Lehrst auf etwa V/2 Mill. Mark be^ laufen, hat den Minister veranlaßt, Ermittelungen anzustellen, wie hoch die Ncbeneinnahmen bet Lehret in Preußen sich stellen. — Hierzu bemerkt bie „Rh.-Wests. Zig.": Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß bet Erlaß, bet i» Lehretkreisen als schikanös empfunden wurde, von dem Berliner Kommunalfreisinn veranlaßt worden ist. Diese Feststellung wird vielen überraschend kommen.
— Gegen die hohen Fleischpreise. Gegen i! hohen Fleischpreise veröffentlicht das Amtsblatt des Dresdener Rates einen energischen Artikel
barer Sitbergeräte, glitzernder Schmucksachen hantiert Fräulein Petronella Matgoni herum. Ihr volles, rotes Gesicht strahlt. Da es ihr nie vergönnt wat, ihrs eigenen Hochzeitsgeschenke aufzubauen, leistet sie sich dieses Vergnügen bei ihrer Nichts.
Als Rolf und Angelina eintreten, hat sie gerade ein Petlenkollier von unschätzbarem Wett in bet Hanb.
„Vom Fürsten Totlonia, dem aufmerksamen Bräutigam!" ruft sie Rolf zu, bas geöffnete Etui hochhaltend, von dessen blauem Samtgrunb die matten Perlen wie gefrorene Tränen erschimmern.
Rolf erwfdert nichts und schreitet an bet ganzen leuchtenden Pracht vorbei.
„Ist kein Telegramm angekommen, Tante Petronella?"
„Ja. Vot einet Stunde an meinen Bruder. Er wat aber schon weg."
„Hat niemand die Depesche geöffnet?“
„Wo denkst Du hin! Da würde mich mein Bruder schon ansehen! Ich — seine Kotrespon- denz offnen!"
Rolf fragt nichts mehr. Et weiß genug. Schweigend geht er hinauf in sein Zimmer.
Betrübt blickt Angelina ihm nach.
„So ist er jetzt immer," schmollt sie. „Er hat sich so vetändett. Ich glaube, et freut sich gar nicht über mein Glück."
Tante Petronella setzt bas Etui mit bem Petlenkollier an seinen Platz unb zieht ein pfiffiges Gesicht.
„Ja, Kleine — meinst Du denn, baß Dein Hochzeitstag für jedermann ein Freudentag ist?"
„Aber doch für meinen Stuber!“
„Hm, hm — Stuber!" Fräulein Petronella räuspert sich ein wenig, neigt sich zu dem kleinen Ohr ihrer Nichte herab und flüstert: „Seit wann ist denn Rolf io verändert, Kleins?"
„Seit — seit--seit et von seiner langeck
Reise zurückkehrte. Also seit zwei bis drei Wochen!"
„Hm — unb wie lange bist Du verlobt?" I „Auch so lange." !<
„Na also!" »
Zuerst blicken bie großen unschulbigen Augen verstänbnislos in bas zwinkernde Gesicht der Tante.
Plötzlich jedoch steigt tiefes Rot in bie zarten Wangen. »
„Du — Du meinst doch nicht —" stammelt sie fassungslos — „daß Rolf mich — mich--•
„Natürlich meine ich das, Kleine!" nickt Tante Petronella, indem sie einen silbernen, mit Edelsteinen verzierten Tafelaufsatz in die richtige Beleuchtung rückt. Ich merkte es vom ersten Augenblick an. Atmet Junge! Na, es können nicht alle Menschen glücklich sein!"
Und sie seufzt leise auf — vielleicht in schmerzlicher (Erinnerung an ihr früher erträumtes Glück.
Angelina ist seht still geworden. Ein fremdet, ernster Zug lagert um den sonst stets lachenden Mund.
Wie sie so basteht, nachbenklich betroffen bie großen Augen voll bicket Tränen, ben losen Blütenkranz auf bem mitten Haatgelock, mit bebenben Fingern wie mechanisch bie Blumen zerpflückend, welche an ihrem weißen Gewands herabrieseln — Tante Petronella, deren Phantasie stets arbeitet, wird auf einmal von Furcht gepackt.
„Ophelia!" murmelt sie in sich hinein. „Ophelia!"
Angelina hort cs nicht. Gesenkten Hauptes zieht sie sich in ihre Gemacher zurück, um sich für die Ankunft des Bräutigams schmücken zu lassen^
1'K K- (Fortsetzung folgt.)