mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg imfr Kirchkain.
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Marburg
Sonntag, 30. Juni 1907.
"f Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck und Verlag' Joh. Äug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerci 42. Jahrg.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Drittes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Rückblick.
Noch wollen die Erörterungen über den Wechsel in den hohen Regierungsstellen nicht zum Schweigen kommen, da von Seiten der verschiedenen Parteiblätter das dankbare Thema immer wieder aufs Neue angeschnitten wird. Vornehmlich über die Entlassungsgeschichte des strafen Posadowsky haben sich die aufgeregten Gemüter einiger Schriftsteller linksstehender Parteiorgane noch längst nicht beruhigt. Von sozialdemokratischer Seite wär die Lesart ver- -reitet worden, daß der „straf im Bärte" mit -'»Sen Zeichen kaiserlicher Ungnade verabschiedet worden s«, und linksliberale Blätter hatten diese Notiz in Sperrdruck und mit offenbarem Behagen wiedergeküut. Dem steht freilich entgegen, daß der Kaiser — wie erst jetzt durch Berliner Blätter bekannt geworden ist — dem hochverdienten Staatsmanns bei seinem Ausscheiden aus dem Reichsdienste ein huldvolles Handschreiben unter gleichzeitiger Verleihung der kaiserlichen Büste hat zugehen lassen. So schlimm kann's demnach mit der kaiserlichen Ungnade sricht gewesen sein. Weiter aber knüpfen sich e.in- gehende Erörterungen an die Frage der Teilung der Posadowskygchen „Erbschaft", nämlich des Reichsamtes des Innern, die in den leitenden Kreisen ernstlich erwogen wird, da die Bewältigung dieses Riesengebietes allzu große Anforderungen an die Arbeitskraft des betreffenden Staatssekretärs stellt. Auch die Veränderungen im preußischen Kultusministerium werden eifrig besprochen, zumal neuen, vorläufig noch nicht amtlich bestätigten Berichten nach, der von freisinniger Seite vielfach angegriffene Ministerialdirektor Althoff sein Abschiedsgesuch eingereicht haben soll. Auch die äußere Politik wird, wie schon mitgeteilt, durch diesen Personalwechsel in den hohen Aemtern beeinflußt. Nach allgemeinem Urteile hat sich dadurch eine „Konsolidierung der Regierung" im Reich, wie in Preußen vollzogen, und der Reichskanzler wird nunmehr in der Lage sein, seine Kraft wieder mehr der äußeren Politik zuwenden zu können. Daß dies in hohem Maße 'nötig ist. muß angesichts der Bündnispolitik freundwillige „Vettern" und Nachbarn, durch die Deutschland mit „Einkreisung" bedroht wird, einleuchtend erscheinen.
! An der Notwendigkeit, scharfen Ausguck zu halten, ändert, wie schon mehrfach hervorgehoben wurde, auch die im Haage tagende Friedenskonferenz nichts; vielmehr machen sich auch auf dieser diplomatischen Konferenz so viele Bestrebungen geltend, die darauf abzielen, das deutsche Reich zu isolieren bezw. in Mißkredit zu bringen, daß es der gesteigertsten Tätigkeit unseres diplomatischen Dienstes bedarf, um gegen das vornehmlich von England ausgehende Ränke- ■ spiel anzukämpfen. Der deutsch-englische Gegensatz, ist auf der Friedenskonferenz auch bei den sachlichen Verhandlungen, nachdem man die Ab- rüftungsfrage vorläufig in die Versenkung getan hatte, ja schon mehrfach zutage getreten, nicht zum wenigsten bei der Erörterung des See- lprisenrechtes, wobei John Bull nur die Unverletzlichkeit des Eigentums der neutralen Staaten, nicht aber der kriegführenden anerkennen will, während Deutschland auch den Schutz des der kriegführenden in dienser Hinsicht fordert. Mag auch die Erörterung solcher „sachlichen" Fragen in Wirklichkeit fiir's Erste nur theoretischen Wert haben, so zeigt sich auch hierbei, wie schon früher ausgeführt wurde, das Bestreben der Engländer, im Trüben zu fischen, um für sich allerhand Vorteile sicherzustellen.
Im österreichischen Abgeordnetenhause hat Ministerpräsident Freiherr von Beck in längerer Rede die Stellung der Regierung zu dem neuen Abgeordnetenhause gekennzeichnet. Aus den Worten des Ministerpräsidenten sprach ein ziemlicher Optimismus, der uns nickt recht echt tifibeinen will, angesichts der Schwierigkeiten, die zweifellos die Regierung von dem auf Grund des neuen Wahlrechtes gewählten Abgeordnetenhaus« zu erwarten hat. Zunächst hat sich ja der Wiederbeginn der parlamentarischen Aera ganz leidlich angelassen: sogar die „Sozis" sind mit zur Hofburg gezogen
und haben mit den andern ganz loyal in das Kaiserhoch eingestimmt. Aber das ist doch nur rein äußerliches stebahren, man will für den Anfang einen leidlichen Eindruck machen, um nicht das Odium auf sich zu laden, sich des Wahlgeschenkes unwürdig erwiesen zu haben. So verlief denn auch die erste Sitzung in seltener Harmonie. Nachdem das Abgeordnetenhaus das Präsidium ermächtigt hatte, dem Kaiser für die Sanktionierung der Wahlreform den Dank und die Gefühle unwandelbarer Treue auszudrücken, ergriff der Ministerpräsident Freiherr von Beck zur Einbringung eines fünfmonatlichen Budgetprovisoriums das Wort. Er besprach zunächst dieWahlreform. Die Antwort, ob die Hoffnungen oder die Befürchtungen, die an die Reform geknüpft seien, sich erfüllen würden, vermöge nur das Haus zu geben. Der Minister begrüßte alsdann die Bildung der großen taktischen Einheiten, welche zeigte», daß man die Lehren aus den Wahlen beherzige, und daß man gesonnen fei, zu einer fruchtbringenden Arbeit zurückzukehren. Ein weiteres Verdienst der Wahlreform sei, daß die Sozialdemokraten fürchten müßten, aus dem Zwielicht in das helle Tageslicht der parlamentarischen Rechtsangelegenhert gerückt zu werden. Redner sehe die Sozialdemokratie lieber im Hause, als außerhalb des Hauses. . (Heiterkeit.) Die Sozialdemokraten würden zu beweisen haben, welche schöpferische Kraft ihren Ideen innewohne. Wenn ihn auch eine weite Kluft von der Sozialdemokratie trenne, so werde doch die Regierung den geringen schöpferischen sozialreformatorischeu Eehalt ihres Programms zu verwirklichen bemüht sein. Der soziälrefortnätorische Gedanke müsse Gemeingut aller werden. Die erste praktische Wirkung des allgemeinen Wahlrechts für die bürgerlichen Parteien bestehe in der nachdrücklichen Warnung, daß die Politik der Besitzenden einen Mit dem Volkswohlc enger als bisher verknüpften Inhalt gewinnen müsse, und daß die bisher im Vordergründe gewesenen Fragen zurückgestellt werden müßten. Zu einer Entmutigung liege kein Grund vor. Fürchten werde die Regierung sich nicht. Dir Vertreter des Mittelstandes müßten angesichts des Ergebnisies der Wahlen von der Ueberzeugung durchdrungen sein, daß sie nur durch energisches und positives Schäften das Versäumte nachholen und die verlorenen Positionen wiedererobern könnten. Der Ministerpräsident wies ferner auf eine Fülle großer Aufgaben hin, welche die Thronrede als Regier- ungsprogramnr ankündige. Jede einseitige und engherzige Klasienpolitik müsie zurückgedrängt und die angekündigte Sozialreform im Rahmen der allgemeinen Jnteresien angestrebt werden. Alle Kräfte müßten äußerst angespannt werden. Die Politik des Ministerpräsidenten sei die Politik der ehrlichen Ziele, der ehrlichen Mittel und der geraden Linie. Aus feinem konservativen Bekenntnis habe er die Befähigung des Erhaltungs- und Fortbildungswertes erhalten. Vor allem muffe die Grundlage des staatlichen Lebens erhalten werden. Dazu gehöre unbedingte Achtung vor der Majestät des Gesetzes und die Gleichheit aller vor dem Gesetz, ohne Unterschied des nationalen, religiösen und politischen Bekenntnisses. — Wie der Bericht meldet, ist die Programmrede des Herrn Ministerpräsidenten mit lebhaftem Beifall ausgenommen worden. Allein auch dies mutet uns mehr wie ein Höflichkeitsakt, denn wie eilte überzeugte Kundgebung an. Sehr bald wohl werden auch im neuen Parlamente wieder die alten Mißstände des Rationalitäten- und Parteihaders zutage treten. Als ein kleiner Vvrklang zu dem Natio- nalitäten„konzerte" kann der Beschluß des Tschechenklubs gelten, nach welchem die tschechischen Abgeordneten bis zur Einführung der tschechischen Sprache als Parlamentssprache im Reichsrat das Wort nicht ergreifen sollen, um dadurch die Erledigung ihrer Forderung zu beschleunigen.
In Südfrankreich ist es jüngst zu einer richtigen Erhebung gekommen, die nur durch militärische Machtmittel niedergezwungen werden konnte. Diese Krisis hätte aber beseitigt werden können, wenn nicht der Ministerpräsident Cle- menceau durch sein täppisches Verhalten den Führer der Winzerbewegung Morallin Albert bei den von ihm geführten Weinbauern selbst in Mißkredit gebracht und dadurch seines beherrschenden und sänftigenden Eiuflusies beraubt hätte. Das war um so verkehrter, als bereits vor Ausbruch des Aufruhrs eine Verständigung des Winzerausschusses mit der Regierung angebahnt worden war, um durch eine Ergänrung des Fülschergesetzes den schändlichen Weinpantsche-
reien, die eben die Veranlassung zur Erbitterung der Weinbauern gegeben, entgegenzuarbeiten. Von größerer Bedeutung aber, als der bereits verebbende Aufruhr der Winzer ist die bei dieser Gelegenheit so grell zutage getretene Disziplinlosigkeit im französischen Heere. Wie weit diese um sich gegriffen hat, zeigte insbesondere di« Meuterei des 17. Regiments. Die Pariser Regierung hat dieser in einer Mischung von Geduld und Entschloffenheit die Spitze abgebrochen, aber es würde ein Irrtum fein, damit die ganze Gefahr für die Staatsautorität beseitet zu glauben. In den südlichen Departementsbist der Gedanke der allgemeinen Wehrpflicht, der erst nach dem deutschen Kriege zur Durchführung gelangte, bis zur Stunde noch wenig volkstümlich, und wird als schwere Last empfunden. Für die Mannszucht, die innerste Seele aller Schlagfertigkeit, hat der Südfranzose ohnehin ein geringes Verständnis, und das ist um so verhängnisvoller, als auch im Norden die von den Sozialisten genährte „antimilitaristische Propaganda" immer mehr Fortschritte macht. *
; Die Meutereien aber, »oN dM» wir schon vor einigen Tagen uerichteten, zeMn recht deutlich, daß es mit der militärischen Stärke der" dritten Republik nicht gerade glänzend bestellt ist. Das sollten sich jene parlamentarischen Prahlhänse in Paris zu Eemüte führen, die durch die neue Freundschaft mit England in ihre alte Gewohnheit bestärkt worden zu fein scheine, das deutsche Reich, den waffenmächtigsten Staat der Gegenwart, mit lächerlichen Drohungen herauszufordern. ■ • •
Dtllljchts Reich.
— Der Dank des Kaisers,.. Jß
5uni. Die „Norddeutsche Allg. Zig." veröffentlicht nachstehende Handschreiben des Kaisers vom 24. Juni an die Staatsminister Posadowsky und Studt:
Mein lieber Staatsminister Graf v o n P o s a- dowsky ! Ihrem Ansuchen um Entlassung aus den Aemtern als Staatsminister und Staatssekretär des Innern habe ich durch Erlaß vom heutigen Tage entsprochen, kann es mit aber nicht versagen, Ihnen für die treuen, erfolgreichen Dienste, welche Sie mit unermüdlicher Hingebung an die Ihnen gestellten großen und schwierigen Aufgaben mit und dem Vaterlande geleistet haben, meinen wärmsten Dank noch besonders auszusprechen. Als ZeickM meines unveränderten Wohlwollens verleihe ich Ihnen meine Büste in Marmot, welche Ihnen zugehen wird. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter Kaiser und König, gez.: Wilhelm I. R.
Mein lieber Staatsminister Dr. v. Studt! Nachdem ich Ihnen durch Erlaß vom heutigen Tage die nachgesuchte Dienstentlasiung in Gnaden erteilt, drängt es mich, Ihnen meinen besten Dank für die treuen Dienste auszusprechen, die Sie in langen Iahten Ihrer ehrenvollen Laufbahn mit und dem Vaterlande geleistet haben. Ilm aber Ihre reichen Erfahrungen und Ihre staatsmännische Einsicht dem Staate auch ferner zu erhalten und Ihnen ein Zeichen meines besonderen Vertrauens zu geben, habe ich Sie auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter König, gez.: Wilhelm I. B,
— Bundesrat. Berlin. 28. Juni. In der gestrigen Plenarsitzung des Bundesrats wurde nach Mitteilung des „Reichsanzeigers" außer den bereits gemeldeten Gesetzentwürfen betreffend die Viehseuchenabwehr und den Eeheim- mittelverkehr der Vorlage betreffend die Aufhebung des Ausfuhrverbots von Waffen nach Abesiynien beigetreten, klebet die Vorlage betr. die Aendetung der Bekanntmachung über die Einrichtung und den Betrieb der Vuch- dtuckereien und Schriftgießereien, übet die Vorlage betr. die Außerkraftsetzung von Vorschriften über die Einziehung der für die Jnvaliditäts- und Altersversicherung der Seeleute zu entrichtenden Beiträge, faßte die Versammlung Beschluß.
— v. Bethnmnn-Hollweg als Stellvertreter des Reichskanzlers. Wie der „Reichsanzeiger" mitteilt, hat der Kaiser den Staatssekretär des Inner», Vizepräsidenten des Staatsministeriums Staaisminifter Dr. v. Bethmann-Hollweg bis auf weiteres mit der allgemeinen Stellvertretung des Reichskanzlers »ach Maßgabe des Gesetzes vom 17. März 1878 § 2 beauftragt.
— Eouleurbeziehungen hoher Beamter. Berlin, 28. Juni. Oberpräsident v. Windheim ist nicht Korpsbruder des Kaisers, sondern Göttinger Bremenser und Münchener Franke.
Minister Holle ist ebenfalls Göttinger Bremenser. Hengftenberg und v. Günther sind Heidelberger Sachsen-Preußen. — Die „Tgl. Rundschau", der diese Mitteilung entstammt, bemerkt hierzu: Solche Feststellungen haben einen gewissen Wert, da bekanntlich sehr viel mit falschen Behauptungen auf diesem Gebiet« operiert wird.
— Ein tätlicher Angriff auf Dr. Peter». Aus München wird von Freitag gemeldet: Dr. Peters wurde gestern Abend, als er nach dem Schluß der Gerichtsverhandlung eine Straßenbahn bestieg, von einem unbekannten Mann angefallen, der ihn vom Trittbrett herunterreißen und mit einem Messer stechen wollte. Der Mann wurde rechtzeitg an der Ausführung der Tat verhindert und verhaftet.
— Bom Reichsverficherungsamte. Berlin, 28. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Während der Zeit der Gerichtsferien wird die Spruchtätigkeit des Reichsverjicherungs - Amte» wie früher eingeschränkt. Vom 15. Juli bis 15. September werde» zur Erledigung der besonders eilbedürftigsn Sachen in Unfall- wie Invalidenversicherungs-Streitigkeiten wöchentlich mehrerr Sitzungen statffinden. Auf die Fristen zur Einlegung des Rechtsmittels des Rekurses und der Revision (ein Monat vom Tage der Zustellung des Schiedsgerichtsurteils gerechnet) hat die Ferienordnung keine» Einfluß.
Ausland.
. == Oesterreichisches Abgeordnetenhaus. Wien, 28. Juni. Nach Vornahme der Ausschutzmahlen wird die Verhandlung des Dringlichkeits- : antrages betreffend die San le r u n g btt La ndesfin an zeit fortgesetzt. :Der Generalredner Abrahamowicz erU«M»^..Dex
■' ciilrng Renners, betreffend die Einführung ocjf allgemeinen und direkten Wahlrechtes stehe mit dem Dringlichkeitsantrag in keinem Zusammenhang, und sei als ein selbständiger Antrag za behandeln. Redner verlangt, daß hierüber eint Entscheidung des Hauses herbeigeführt werde Abgeordneter Diamond tritt dieser Anschauung entgegen, wendet sich gegen die gestrigen Aus führungen des Ministers des Innern und er. klärt: Die Regierung würde die Länder einer schweren inneren Erschütterung aussetzen, falls sie auf diesem Standpunkte verharren würde. Redner greift hierauf heftig den Polenklub an, der im galizischen Landtage eine nackte Klassen- Herrschaft treibe und beantragt die namentliche Abstimmung über den Antrag Renner. Vizepräsident Zaczak erklärt, das Präsidium überlasse die Entscheidung, ob der Zusatzantrag Renner als solcher ober als selbständiger Antrag zu behandeln sei, dem Hause. Abg. Perners- torfer protestiert dagegen und beantragt die namentliche Abstimmung über die Frage. Abg Pergelt erklärt unter den andauernden Pro. testen der Sozialdemokraten, daß der Drinalich- keitsantrag und der Antrag Renner in keine ü Zusammenhang stehen, empfiehlt jedoch di« ge meinsame Abstimmung, da eine Verhandlung über den Zusatzantrag stattgefunden habe uni der Zusatzantrag Renner als ein selbständige! Dringlichkeitsantrag eing?bracht würde. Da; Haus beschloß hierauf in namentlicher Abstimmung mit 178 Stimmen gegen 142 Stimmen, daher Zusatzantrag Renner als selbständiger An- trag zu behandeln sei. Der Dringlichkeitsantrag Getzmann wurde hierauf angenommen. D-« Haus begann sodann die Beratung der Dring. lichkeitsanträge betreffend die Maßregelung frei Beamten.
= Ein auffälliges Dementi. Paris, 23 Juni. (Agence Havas.) Die französisch« R>- gierung hat keinerlei Mitteilung erhalten, datz französische Truppen irgend einen an Tripolis angrenzenden Ort beseht hätten. In allen Teilen des Landes sei den vorgerückten Posten eine Instruktion erteilt worden, welche die Aus- rechterhaltung des Status quo vorschreibt.
= eine Mahnrede an die französischen Parlamentarier. Bei einem Festmahle des Verbandes der Kleinkaufleute in Paris hielt der Vorsitzende Poincarre eine Ansprache, in der er den Parlamentariern den Vorwurf machte, das; sie in ihrer Tätigkeit sich abschlössen und die Fühlung mit dem Volke verlören. Sie betreib teten sich als die Besitzer der Souveränität. Redner entwarf ein trübes Bild von der gegenwärtigen Lage und forderte die Republikaner auf, auf die Stärkung der Regierungsautorität hinzuarbeiten durch Aenderung der Sitten und Methoden in der Politik, auf dem sozialen Gebiete, bei der Regierung, im Parlament, bei den Wahlen, beim Richterstand und vor allem in bei Armee.
— Ereueltatcn russischer Kosaken auf österreichischem Gebiete. Wien, 28. Juni. In der vorgestrigen Nacht überfielen 11 Kosaken «in Gasthaus auf der Landstraße, die zu btt russischen Grenzstadt Radziwillow führt. Zuerst