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yrschrmt wöchentlich sieben nal.
Druck und Verlag- Joh. «ng. Koch, UnwersitätS-Buchdruckerei 42. JaW.
Marburg, Markt 21. — rrlephon Ä.
Marburg
Freitag. 28. Juni 1907.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Sstttttaasbeilaaer'ÄlluUrirtes
Kierteljährlich^r Berugrpreilr bet der Expedition 2
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Erstes Blatt
Der Ratioualberei«.
- Der „großliberale Gedanke", der in den Köpfen einer Anzahl nach Links neigender spukt, die unter allen Umständen eine Apolitische Rolle „freieren“ möchten, die aber für ^«»«Betätigung ihres ehrgeizigen Strebens im 'Rahmen der liberalen Fraktionen keinen genü- igendezfSpielraum gewinnen können oder keinen zu finden vermeinen, hat auf eine im Frühling ^dieses Jahres von München aus gegebene Anlegung hin dieser Tage in Heidelberg zur Gründung eines Nationalvereins geführt, dessen Bestimmung es sein soll, eine Einigung sämtlicher liberalen Elemente zu ermöglichen. .Bei Lichte besehen ist diese neue Gründung, die natürlich von linksliberaler Seite ausging, "nichts anderes, als eine abermalige Auflage des national-sozialen Vereins, also ein alter Gedanke in wenig veränderter Form. Wie schon .früher, drapiert man sich mit dem nationalen Mäntelchen und salbt sich mit sozialem Oele, um auf weiteste Kreise Eindruck zu machen. Auch sucht man der Sache durch Belebung geschichtlicher Erinnerung ein geutisses Ansehen zu geben, indem man der neuesten Gründung den irreführenden Namen „Nationaloerein" beilegte. Der alte „Nationalverein" aber, von dessen geschichtlichem Verdienste um die Wiederbelebung des nationalen Gedankens in Deutschlands trübster Zeit der Heidelberger Klüngel allem Anschein nach Nutzen zu ziehen gedachte, ist schon längst schlafen gegangen: denn die Ideale, die dem Begründer des Nationalvereins Rudolf v. Bennigsen vorschwebten, sind in« zwischen durch die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches erfüllt worden. Es wäre also ein zweck- und sinnloses Bemühen gewesen, der Mumie gewissermaßen Lebensodem einflößen zu wolle», blos um durch den Namen Erinnerun- gcn zu wecken, die im Volke schon lange verklungen sind. Diese Erkenntnis ist denn schließlich auch den Stiftern des neuen Bundes aufgedämmert, sodaß sie sich entschlossen, den Namen zu ergänzen und zu firmieren: „Nationalverein für das liberale Deutschland". Diese Bezeichnung hat gewiß den Vorteil der größeren Deutlichkeit, da sie den Sachbetresf des Unternehmens erkennen läßt, nur schade, daß dieser Name offenbar einen logischen Widersinn in sich schließt: denn die allumfassende Bezeichnung „Nationalverein" kann doch nicht durch einen nachträglichen Zusatz für eine bestimmte kleine Gruppe (die gegenwärtig 2000 Mitglieder umfaßt) cin-
17 (Nachdruck verboten.),
Heimweh nach Glück.
Roman von ErichFriesen.
* '5 '(Fortsetzung).
Ich habe mir alles überlegt, Fürst Tor- lonia. Ich will Ihr Geld nicht: aber ich will mich auch nicht in Ihre Angelegenheiten mischen. Wir beide dürfen einander im Leben nie mehr begegnen. Die Vergangenheit ist tot!“
Wie elektrisiert fährt der Fürst herum.
„Ist das Ihr Ernst, Professor? Oder haben Sie wirklich Elixier genommen und sehen alles in rosenroten Dunstschleiern?"
Mit eigentümlichem Lächeln schüttelt Professor Lambo den Kopf.
„Nein, mein voller Ernst. Wir beide sind von nun an für einander tot!“
Mit einem Seufzer der Erleichterung wendet der Fürst sich der Tür zu.
„So bleibt mir nur übrig, Ihnen zu danken für Ihre Großmut und--zum Kuckuck, mein
armer, armer Kopf! Und morgen früh erwartet mich meine Braut!"
„Wollen Sie ein paar Tropfen von meinem Elixier?"
„Nein, danke. Ich habe noch eine unangenehme Begegnung heute Abend. Da muß mein Geist klar fein. Aber — vielleicht--wenn
Sie mir ein Fläschchen mit ins Hotel geben wollen--nach jener lästigen Unterredung
werde ich das Elixier gebrauchen können."
Schon ist der Professor ins Nebenzimmer gegangen und kramt in seinem kleinen Laboratorium herum.
Aus einer Kristallphiole gießt er vorsichtig eine Anzahl farbloser Tropfen in ein kleines mit Wasser gefülltes Flacon — eins, zwei, drei, vier, fünf . . . zehn . . . zwanzig . . .
Langsam, ganz langsam tropft es hinein ins Wasser.
Und plötzlich geht eine furchtbare Veränderung mit dem Manne vor. ~ ........
geschränkt werden. Es wird eben mit dem Worte „national“, wahrscheinlich, weil es ein klangvolles Fremdwort ist, dessen eigentlicher stolzer Bedeutung sich vielleicht im Augenblick nicht jeder bewußt ist, viel Unfug getrieben. Als ein lehrreiches Beispiel hierfür kann das Verhalten einer gewissen Partei angesehen werden, die sich national- sozial nennt, während sie in Wirklichkeit den nationalen Fragen so abgekehrt dasteht, daß sie in vollster Uebereinstim- mung mit dem Börsenfreisinn, in dessen Gefolgschaft sie sich in überzeugungstreuer Begeisterung begeben hat, die preußische Ostmarkenpolitik aufs Schärfste bekämpft. So fühlte sich kürzlich das hiesige national-soziale Blatt gemüßigt, zwei Artikel der „Oberhesi. Ztg." zu bekritteln, die den Zweck hatten, die allgemeine Kenntnis des Ostmarkenproblems und der Lage des Deutschtums im Lande der Magyaren zu fördern. Doch dies nur nebenbei! Ganz allgemein betrachtet, gewinnt man aus den linksliberalen Bräuchen den Eindruck, daß man in jenem Lager nur allzultzjcht die nationalen Erfordernisse den parteipolitischen Bedürfnissen unterzuordnen pflegt.
Darum auch mag man von der Teilnahme der Nationalliberalen an der Heidelberger Tagung nichts wissen und ignoriert gänzlich das Vorhandensein eines liberalen Blocks, der von den berufenen Parteiführern im Reichstage schon längst begründet worden ist. Kein Wunder, wenn die liberale Parteipresie im allgemeinen die Gründung mit ziemlichem Mißtrauen anfieht. So warnt die „Nationalzeitung" vor der national-sozialen Tendenz des neuen eins und die „Freisinnige Zeitung“ verspricht sich gleichfalls nicht den geringsten praktischen Erfolg von der verschwommenen Heilskehre. Roch skeptischer endlich äußern sich über dieses Thema die nationalliberalen Bliit- er, und sie haben gewiß triftigen Grund dazu: ; enn heute schon muß es allen Klardenkenden als Utopie erscheinen, daß durch die Tätigkeit des neugegründeten linksliberalen „Verschönerungsvereins“ alle die so vielfach in Widerstreit miteinander befangenen liberalen Elemente unter einen Hut gebracht werden könnten. Man könnte versucht sein, diese der Wirklichkeit entrückte Gesellschaft von Phatasten zu belächeln, wenn nicht die Gefahr bestände, daß durch die ganze „Bewegung" neues Master auf die Mühlen der Sozialdemokratie geliefert würde.
Diese Gefahr wird dadurch näher gerückt, daß aus verschiedenen Brandreden, die auf der Heidelberger Tagung geschwungen wurden, der Gedanke eines Zusammengehens der Liberalen mit den Sozialdemokraten wider die „böse Reaktion“ hervorleuchtete, jenem Gespenst, mit dem man
auch in unserm aufgeklärten Zeitalter noch immer wahlberechtigten Staatsbürgern wie unmündigen Kindern bange machen möchte. Dabei wurden auch wieder jene schon früher von national-sozialer Seite geäußerten Ansichten aufgewärmt, nach denen trotz verschiedener Mißerfolge bei den letzten Reichstagswahl.n an der Bekehrung der revolutionären Sozialdemokratie durch Belehrung der Arbeitermassen in linksliberalem Sinne gearbeitet werden solle. Auch hier wieder offenbart sich die weltentrückte Träumerei der Heidelberger Propheten, die da meinen: die sog. revisionistische Richtung in der heutigen roten Gesellschaft könne schließlich zu einem Abschwenken eines großen Teiles der „Genossen“ ins linksliberale Lager führen. Gerade aus derartigen Mischmaschversuchen aber kann Unheil entstehen, daher ist es als ein erfreuliches Zeichen zu begrüßen, daß — wie schon vorher bemerkt — auch die liberale Preste der Tagung des sog. Nationalvereins .... recht ablehnend gegenübersteht.
Deutsches Reich.
— Der Kaiserbesuch in Kopenhagen. Berlin, 25. Juni. Das „B. T." läßt sich über den Besuch Kaiser Wilhelms in Dänemark folgendes melden: Das Kaiserpaar trifft am Vormittag des 3. Juli an Bord der „Hohenzollern“ auf der Kopenhagener Reede ein, wo offizieller Empfang vorgesehen ist. Dem Kaiserpaar schließt sich auch Prinz Adalbert an. Bekanntlich werden die kaiserlichen Gäste auf Schloß Fredens- borg ii Nordseeland Aufenthalt nehmen, wohin das Hoflager des Königs von Dänemark am kommenden Freitag übersiedelt. Unter anderem ist ein Ausflug nach Schloß Frederiksborg bei Hilleröd in Aussicht genommen; in dem Rittersaal dieses als Museum benutzten Schlostes wird ein Frühstück stattfinden. Endlich ist eine größere Tafel auf Schloß Amalienborg in der Hauptstadt geplant. Die Abreise ist noch nicht festgesetzt: sie ist für den 5. Juli in Aussicht genommen, dürfte aber bis zum 6. aufgeschoben werden. .
— Die Vorfahren des Grafen Posadowsky. Die „Schlesische Zeitung" gibt in einem „Nachrufe" folgende Mitteilungen über die Familie Posadowsky: Graf Posadowsky entstammt einem jener starken deutschen Geschlechter, die als Kulturträger des germanischen Stammes die Ostmark für unsere Nation erobert haben, dem uralten Geschlechte der H a b d a n ck, die sich bereits im 13. Jahrhundert hervorragende Verdienste um Schlesien erwarben, und dem der erste deutsche Bischof von Breslau (erwählt 1319) angehörte. Ein blühender Zweig der Habdan.ck
Die Hände, welche Phiole un- Flacon halten, beginnen zu zittern. Die Pupillen erweitern sich. Ein diabolisches Lachen verzerrt das ganze Gesicht.
„Noch zwanzig Tropfen“ — flüstert er — „eins, zwei, drei, vier, fünf ... zehn , , . zwanzig . . . So, das ist für Pias Mutter! . . . Und abermals — eins, zwei, drei, vier fünf . . . zehn . . . zwanzig . . . für Pia selbst . . . Hahahaha! Für früher... für jetzt ... für immer! Hahahaha!"
Scheu blickt er sich um. Das fahle verzerrte Gesicht trägt den Ausdruck des vollkommen Irren.
„Aaah—!"
Ein befreiender Seufzer hebt feine Brust. Rasch legt er die Phiole in die Schublade, die er fest verschließt, stößt den Stöpsel auf das Flacon, klebt ein Etikett darauf und begibt sich zurück ins Wohnzimmer zu dem seiner harrenden Fürsten.
„Sie sind lange geblieben, Professor!"
„Wirklich? Ja, solch ein Elixier macht Mühe. Hier!“
„Danke! Wieviel Tropfen soll ich nehmen?"
„Es ist schon zurecht gemacht. Die ganze Mifchung auf einmal. Uebrigens — Gebrauchsanweisung steht daraus."
„Und mein Kopfweh geht darnach weg?"
„Ganz gewiß."
„Besten Dank, Profestori . . . Und nun noch eins: ist es wirklich Ihr Wunsch, daß wir einander nie mehr im Leven begegnen sollen?"
„Nie mehr."
„Dann grüßen Sie Ihre schöne Tochter von mir! Leben Sie wohl!"
Der Fürst ist in den Hausflur hinausgetre- ten und streckt jetzt die Hand zum Abschied aus.
Doch der andere scheint sie nicht zu bemerken. Mit kurzem Kopfnicken zieht er sich hastig ins Wohnzimmer zurück, die Tür fest hinter sich schließend.
Vor dem Frauenbildnis an der Wand bleibt er stehen. Düsteren Blickes starrt er hinauf,
während feine blutleeren Lippen unzufammen- hängende, irre Worte stammeln . . .
Und das schöne Frauenantlitz lächelt herab auf den Unglücklichen. Es lächelt der kleine tiefrote Mund, es lächeln die runden zarten Wangen, es lächelt das feine, mit einem Grübchen gezierte Kinn, es lächeln die tiefschwarzen feurigen Augen . . .
Und nebenan im Schlafzimmerchen liegt Pia auf den Knieen vor ihrem Kruzifix und betet, rote allabendlich, für ihre tote Mutter . . .
I.
Mitternacht ist längst vorbei . . .
Hebet dem vornehmen Grand-Hotel drunten am Kai von Neapel liegt tiefe Ruhe.
Nur aus einem Zimmer im ersten Stockwerk, an dessen Fenstern die Läden fest geschloffen sind, schallt erregter Wortwechsel.
Schon zweimal ist der verschlafene Portier aus seiner kleinen Koje in der Nähe des hohen Portale herausgekrochen, um mißvergnügt hinaufzuhorchen, ob der späte Besucher sich noch immer nicht entferne.
Vor zwei Stunden hatte ein auffallend hoch- Sewachsener blonder Herr nach dem Fürsten :orlonia, Zimmer Nr. 28, gefragt, dem Portier seine Visitenkarte zum Melden gegeben und war daraufhin sofort »orgelaffen worden.
Zuerst ging es im Zimmer Nr. 28 ganz ruhig her. Eine lebhafte Unterhaltung, hier und da ein laut gesprochenes Wort — nichts weiter.
Seit etwa einer Viertelstunde scheint die Unterredung einen leidenschaftlichen Charakter angenommen zu haben. Verächtliche Ausrufe, höhnisches Lachen, Zornesworte wechseln mit eiüander ab.
Zum drittenmale will der Portier die Treppe emporsteigen, um diesmal die Herren um Ruhe zu bitten, schon im Interesse der übrigen Hotelgäste.
Da hört er oben eine zornbebende Stimme rufen:
war brj Geschlecht der Jenckwitz, das sich sowohl durch Waffentaten wie im Rate der Bürger br- währte und ;on 1350 bis 1696 der Stadt Breslau neun Ratsmitglieder gab, darunter den Stadthauptmann Nikolaus v. Jenckwitz, der im Jahre 1530 die Stadt auf dem Reichstag zu Augsburg vertrat. Nach dem bei Bernstadt gelegenen Gute Poffadowiz (jetzt Postelwitz) erhielt diejenige Linie der Jenckwitze, die sich später geschichtlich hervortat, den Namen Posadowsky. Schon in den dreißiger Jahren des 16, Jahrhunderts war diese Linie zum Protests«- tentum übergetreten. Sie erhielt im Jahre 1705 den deutschen Herrenstand des Königreichs Böhmen und wurde 1743 von Friedrich dem Großen in den Erafenstand erhoben in Anerkennung der Verdienste, die sich Karl Friedrich Freiherr Posadowsky von Postelwitz als preußischer Reitergeneral erworben hatte. Es war dies derselbe, der mit Friedrich dem Großen in Breslau einritt. Den Beinamen Wehnei nahm die Linie der Posadowsky nach einet am Ende des 18. Jahrhunderts eingegangenen ehelichen Verbindung an.
— Die Teilung des Reichsamts des Innern. In der Presse sind nähere Angaben darüber verbreitet worden, in welcher Weise die Teilung des Reichsamts des Innern vorgenommen werden soll. Daß eine solche Absicht besteht, ist auch an dieser Stelle schon gesagt worden. Ein endgültiger Beschluß wird aber, wie das in der Natur der Sache liegt, erst, dann gefaßt werden können, wenn sich der neue Staatssekretär von Bethmann-Hollweg durch Einarbeitung in sein neues Ressort ein begründetes Urteil über diese Frage verschafft haben wird. Erst wenn das geschehen ist, und Anträge des Staatssekretärs in dieser Richtung vorliegen, wird man, wie die „Köln. Ztg." erführt, der roeitern Behandlung dieser Frage näher treten können, die, wenn es zur Errichtung eines neuen selbständigen Reichsamts kommen sollte, natürlich auch der budgetmäßigen Genehmigung des Reichstags unterliegt. Daß bei diesem Stande der Angelegenheit der Personenfrage, über die bereits Angaben verbreitet werden, noch gar nicht nahe getreten werden konnte, ist wohl selbstverständlich
— Der Wechsel im Neichsamte des Innern.
Berlin, 26. Juni. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der bisherige Staatssekretär des Innern, Staatsminister Graf Posadowsky, verabschiedete sich heute früh mit einer Ansprache von den Beamten seines Refforts. Namens der Beamten widmete ihm der Unterstaatssekretär herzliche Abschiedsworte. — Kurz nachher übernahm in gleichet Weise der zum Staatssekretär des Innern ernannte Staatsminister Bethmann-Hollweg die Amtsgeschäfte des j ..... j -
,.Jch hoffe, Ihnen nie mehr im Leben « begegnen, Fürst Torlonia. Sie sind eh Schurke!"
Dann eine kurze Meile Stille und Deffnen und Schließen einer Tür.
Gleich darnach kommt der blonde Fremde, der vorher nach dem Fürsten Torlonia gefragt hatte, die Treppe herunter, in sichtlicher Erregung und mit totem Kopf, läßt sich von dein Portier das Haustot aufschließen, drückt ein Fünffrankenstück in dessen ausgestreckte Hand und gebt gesenkten Hauptes rasch von bannen.
Kopfschüttelnd blickt der Portier ihm nach. Dann schließt er das Portal wieder zu und streckt sich auf sein hartes Lager, ohne noch weiter über die stürmische Unterredung dort oben im Zimmer Nr. 28 nachzudenken.
In feinem kleinen Hotel, in welchem er stets bei einem Ausflug von Capri nach Neapel zu übernachten pflegt, wirft Rolf sich unruhig auf feinem Lager hin und her.
Eine schwere Ausgabe steht ihm bevor. Er muß seinen alten Onkel, den Marchese Margoni, von seiner Unterredung mit dem Fürsten Torlonia unterrichten — eine Unterredung, welche Rolf noch mehr als der brutale Ueberiall jenes jungen, schutzlosen Mädchens davon überzeugte, daß der Fürst kein Gatte für Angelina ist, daß das unschuldige, idealgesinnte Mädchen an der Seite dieses Menschen tief unglücklich werden muß. Wie würde ihr tiefes Gemüt leiden unter dem Zynismus des frivolen Lebemannes! Wie würde ihre große Seele sich verbluten in der späten Erkenntnis des Unwertes ihres Ideals!
Rolf weiß, man wird ihm nicht glauben, wird feine Warnungen belächeln, ihm gar egoistische Motive, wie Neid, Eifersucht unterschieben. Gleichviel, er muß reden, selbst wenn Angelina ihm ihre geschwisterliche Zuneigung, der Onkel sein väterliches Wohlwollen entziehen sollte.
Angelina darf den Fürsten Torlonia nicht heiraten! Sie darf nicht!! Darf nicht!!!
(Fortsetzung folgt.)