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unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers die nachgesuchte Dienstentlas­sung erteilt, letzterer Zugleich aus besonderem allerhöchsten Vertrauen auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen. Staatsminister von Vethmann-Hollweg wurde unter Ent­bindung von der Verwaltung des Ministeriums des Innern zum Vizepräsfidenten des Staatsministeriums, der bisherige Oberpräfi- dent von Ostpreußen von Moltke zum Staatsminister und Minister des Innern, der bisherige Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten Dr. Holle zum Staatsminister «nd Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten er­nannt. — Dem Staats- und Finanzminister von Rheinbaben wurde der Sch rarze Adlerorden verliehen.

— Graf Otto Moltke über die Unterredung Mit Harden. Berlin, 25. Juni. Vom Kloster- propst, Grafen Otto Moltke in Ueterfen erhält sie „Poft" folgende Zuschrift: Zu der Veröffent­lichung des Herrn M. Harden in der Rr. 38 der „Zukunft" vom 22. Juni 1907 stelle ich, um seinem Gedächtnis zu Hilfe zu kommen und un­richtigen Auffassungen von vornherein zu be­gegnen, das Folgende fest: 1) Es entspricht den Tatsachen nicht, daß ich in dem mit Herrn Har­den am 11. Mai geführten Gespräch gemeinsam mit ihm „eine Verständigung versucht" oder gar ihm „artig die Möglichkeit angeboten hätte", seine „Worte ins Harmlose umzudeuten". Nichts von bsidem ist geschehen. 2) Es ist eine durch­aus irrtümliche Auffassung, daß ich („der Be­sucher") Herrn Harden im Laufe desselben Ge­sprächs „gebeten" hätte, „das früher in der „Zu­kunft" behandelte Thema" — d. h. also die Be­zichtigungen meines Vetters — „wenn's ihm möglich sei, nicht mehr zu berühren". Ebenso irrtümlich ist auch die Antwort des Herrn Har­den wiedergegeben, ganz besonders darin, daß „wir also übereinstimmten «nd weitere Konse­quenzen wohl vermeiden könnten". 3) Ich habe — zunächst für meinen eigenen Gebrauch — noch an demselben Tage — am 11. 5. — die gesamte Verhandlung mit Herrn Harden vor Zeugen zu Protokoll gebracht und werde hiervon vor Ge­richt nach Umständen denjenigen Gebrauch machen, welcher mir zur Erhärtung obiger Fest­stellungen und zur Abwehr gegen irgendwelche einseitige Darstellung erforderlich scheint.

— Bdm lenkbaren Rilitärluftschisf. Die deutsche Heeresverwaltung hat sich den neuesten Errungenschaften der Kriegstechnik, dem Unter­seeboot und dem lenkbaren Luftballon, gegen­über bislang ziemlich reserviert verhalten. Wie die Leipziger „Erenzboten" in einem längeren Artikel mitteilen, hat nunmehr das preußische Kriegsministerium ein lenkbares Luftschiff eigener Konstruktion in Arbeit genommen. Ihm ist der Typ der „Patrie" zugrunde gelegt. Ma­jor Groß, der Kommandeur des preußischen Lustschifferbataillons hält der genannten Zeit­schrift zufolge diesen Typ des Lebaudy-Systems gegenwärtig für den einzigen, der bis zu einem gewissen Grade als kriegsbrauchbar gelten kann. Die Mängel, die diesem Luftschiff anhaften und sie hauptsächlich darin bestehen, daß zu seiner Aufrichtung immer mehrere Tage nötig find, sollen an dem deutschen Modell vermieden sein, so daß feine Verwendbarkeit für den Feldkrieg gewährleistet ist. Ein Kommando von 3 Offi­zieren, 10 Unteroffizieren und 75 Mann ist an dem Modell schon ausgebildet worden.

— Die Stadt Chemnitz gegen die Flsisch- teurrung. _ Eine sehr vernünftige Bestimmung, um auf die Hochhaltung der Fleischpreise einen Druck auszuüben, beabsichtigt die Stadt Chem­nitz zu treffen. Man schreibt aus Chemnitz: Es werden demnächst vom Rate der Stadt Chemnitz Bestimmungen erlassen werden, nach denen be: Androhung von Strafen den Fleischern vorge­schrieben wird, die Fleisch verkauss- P T_e i f e nach Fleischgattung und -güte in ihren Läden öffentlich zum Aushang zu bringen. Mit Rücksicht auf das besonders in Chemnitz bestehende Mißver­hältnis zwischen den Einkaufspreisen der

Gymnasium militans.

Unter diesem Titel ist int N. G. Elwertschen $etloge eine kleine Broschüre von Fr. Aly, dem Direktor des Kgl. Gymnasium Philipptnum in lstarburg und bekanntem Vorkämpfer des Eym- itasialvereins, erschienen, die sich mit den Ge­fahren beschästigt, die dem Gymnasium «nd seiner Eigenart zur Zeit drohen. Es ist heute nicht leicht, gegen diesen Strom zu schwimmen, denn der Strom der nivellierenden und schwäch­lichen Tendenzen in der Schulpolitik ist reißend und jeder, der sich entgegenstellt, wird von den Vertretern dieser Richtung, die besonders in Elternkreisen und bei anderen „Humanttäts"- freunden eine starke Stütze hat — im Namen der so heiß verfochtenen Freiheit versteht sich — rls rückständig und horribile dictu unmodern tigmatifiert. Umso eher ist es zu begrüßen, wenn Männer mit reicher Erfahrung ihre Stimme erheben, um vor allzu großer Nach­giebigkeit gegenüber diesen Tendenzen zu war­nen, denn die neusten Errungenschaften, freie Gestaltung des Unterrichts in der Prima und bedeutende Erleichterung des Abiturienten- examens, sind in der Tat dazu angetan, unser Schulwesen zu sprengen. Man kann es ja auch fo machen, Amerika macht es so und die fran- zösifche Methode, wo der Lehrer sich eigentlich nur mit einem Zehntel der Klasse beschäftigt, während die anderen treiben was sie wollen, Zeigt dieselbe „Freiheit". Eigenartig ist nur, daß andere Völker voll Bewunderung für die Leistungen unseres Schulwesens unsere Einrich­tungen hinübernehmen wolle« (so Frankreich!),

Schweine und den geforderten Cinzeloerkaufs- preisen, sowie angesichts der verschiedenen Zei­tungsmeldungen, wonach man in einzelnen an­deren Städten zur Abminderung der Fleisch­teuerung im Interesse der minderbemittelte« Volksklassen dazu übergegangen sei, städtische Schweineschläcktereien zu errichten, hatte das Wohlfahrtspolizeiamt Erwägungen über ent­sprechende Maßnahmen angestellt. Der mit der Abfassung des Gutachtens betraute Direktor der städtischen Fleischbeschau hatte dabei festgestellt, daß in keiner der genannten Städte städtische Cchweineschlächtereien errichtet worden find, daß in einigen Städten die Fleischer lediglich auf die Erwägungen der Gemeindebehörde hin die Preise sofort herabgesetzt haben. — Hierzu be­merken die .Leipziger Neuesten Nachrichten", denen wir diese Notiz entnehmen: Von der vom Chemnitzer Rate getroffenen Maßnahme darf man sich wohl einige Erfolge versprechen, da das Publikum nunmehr in der Lage ist, die Preise zu vergleichen.

— Der diesjährige sozialdemokratische Par- teitsg wird am 15. September in Essen zusam- mentreten. Wie der „Vorwärts" mitteilt, wird, abgesehen von den üblichen Geschäftsberichten des Parteivorstandes, der Reichstagsfraktton und der Kontrollkommission, zu denen diesmal noch ein Bericht über die Parteischule und den Bildungsausschuß tritt, über folgende Gegen­stände verhandelt werden: Singer: Bericht vom Internationalen Kongreß: R. Fischer: lieber die Maifeier; Bebel: Die letzten Reichstagswahlen und die polttische Lage; Wurm: Die Alkohol­frage und Sonstige Anttäge. Wie man sieht, nimmt auch diesmal die „Arbeitervertretung" von der Behandlung jeglicher Frage Abstand, die sich auf das Wohl der Arbeiterschaft bezieht. Den Arbeitern muß es doch endlich einmal auf­fallen. daß die erberste Instanz" der sozialdemo­kratischen Partei in einer Tagung, für die eine volle Woche zur Verfügung steht, auch nicht ein paar Stunden zu opfern bereit ist, um wirkliche Arbeiterfragen zu behandeln.

Auslarck.

--- Der Zar an den Semstwo-Kongreß. Moskau, 24. Juni. Auf das gestern vom Kongreß der Semstwo-Mitglieder an den Zaren gerichtete Telegramm sandte dieser folgende De­pesche: „Ich danke dem Kongreß für die mir aus­gesprochenen Gefühle und den einmütig kund- gegebenen Wunsch, sich aufrichtig über die Fra­gen der Reform der Semstwos auszusprechen. Der Kongreß wird in dem Gewissen der Semst­wos die feste Ileberzeugung begründen von der Notwendigkeit, sich zu vereinigen und ernstlich zu arbeiten, um die Reformen des Lebens des russischen Volkes zu befestigen, welche von mir auf rein russischen historischen Grundsätzen an­gegeben sind. Nikolaus."

= Englisch-französische Kameradschaft. Die Kenntnis des Standes der militärischen Ab­machungen zwischen Eroßbtttannien und Frank­reich wurde, wie erinnerlich sein dürfte, im vorigen Jahre dadurch bereichert, daß General French, der an der Spitze einer größeren Anzahl hoher englischer Offiziere an den französischen Herbstmanövern teilgenommen hatte, in Com- piögne in einem Trinkspruch die „Kameraden von der französischen Armee" feierte. Seitdem hat sich die Annahme, es fei eine Militärkonven­tion zwischen den beiden Staaten abgeschlossen, trotz gelegentlicher Ableugnungen mehr und mehr befestigt. Und dieser Auffassung wider­spricht es sicherlich nicht, wenn jetzt bekannt wird, daß ein Gegenbesuch französi­scher Armeeoffiziere bei ihren eng­lischen Kameraden im Lager von Al­dershot ftattgefunden hat. Am 24. d. M. traf der französische Divisfionskommandeur General Michel mit einem größeren Gefolge von Stabs­offizieren der französischen Armee in Aldershot ein, wo sie als Gäste des Generals French be­handelt werden. Während ihres Aufenthaltes auf dem Ilebungsplatze, der bis zum 28. d. M. dauern soll, wird den französischen Offizieren Gelegenheit geboten, die Ausbildung und den Felddienft der englischen Truppen kennen zu lernen. Den Abschluß der militättschen Vor­führungen bildet die große Königs-Geburtstags- 'Parade am 28. d. M. Voraussichtlich wird auch General Michel nicht verabsäumen, den eng­lischen „Kameraden" Liebenswürdigkeiten zu

während wir gerade in diesem Zeitpunkt uns ihrem System zu nähern suchen.

Die Schule soll eben doch ein heilsamer Zwang sein. Das Spezialistentum wird noch auf der Universität übergenug ausgebildet wer­den. Seufzen wir nicht heute schon unter ihm? Wer alte Geschichte studiert, den geht doch die neuere rein garnichts an und umgekehrt! Es schadet keinem Mathematiker, sich mit Cicero oder Sophokles beschäftigt zu haben, dazu zwingt ihn aber nur die Schule — Das Gymnasium, das unmoderne, das die berühmten „toten" Sprachen lehtt, die sich so garnicht definitiv be­graben lassen wollen, ist ja immer der Sünden­bock gewesen, das lag in der Natur der Sache, solange es noch das „Bildungsmonopol" besaß. Nachdem jetzt aber Friede eingekehrt ist, seitdem die Gleichberechtigung aller bstufigen höheren Lehranstalten ausgesprochen wurde, kann man dem Gymnasium, an dem allerdings unglaublich viel herumgedoktett worden ist, eine ruhige Entwickelung wohl gönnen. In den Zeiten des Kampfes wird man nie eine klare Würdigung des Gegners auch nur versuchen, da haben immer die Radikalsten die Oberhand; Wahres und Falsches ist da zu unentwirrbarem Knäuel ver­mischt. Heute aber ist doch zu wünschen, daß nun endlich Ruhe einkehtt. Das Verständnis für die Vorzüge der Eymnasialbildung ist ja auch wieder im Wachsen begriffen. Wer die i Augen auftut, wird auch schon erkennen, daß I das Gymnasium jetzt nach dem Sturm wieder an Boden gewinnt — und das ist gut so! Nichts aber schadet der Entwicklung einer Schule so sehr, als beständiges Experimentieren. Dr. HL |

sagen und zu erklären, vatz er die Auffassung des Generals French über das gegenseitige Verhält­nis der beiden Armeen, die sich noch bei Bolle- Alliance mit den Waffen in der Hand geaen- über gestanden haben und in wenigen Jahren den hundertjährigen Gedenktag dieser Ereignisse feiern können, durchaus teilt.

Marburg und Unigcgcnd.

(Nachdruck aller Crigmalartild ist gemäß § 18 Del Urheberrechts mir mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Zig.» gestattet)

Marburg, 26. Juni.

)( Universität. An der hiesigen Universität beabsichtigt man die Anstellung eines akademi­schen Turnlehrers. Um die Meinung der Stu­denten hierüber zu hören, findet am Dienstag, den 2. Juli, im Rektorat eine Besprechung statt. — In einem Anschlag werden ferner die Stu­denten darauf aufmerksam gemacht, daß die Zählkatten spätestens bis zum 1. Juli abgegeben werden müssen.

* Freie Studentenschaft. Man teilt uns mit: Am Freitag, den 5. Juli, findet das diesjährige S o m m e r f e st der Marburger Freien Stu­dentenschaft statt. Um 3 Uhr versammeln sich die Teilnehmer am Rudolfsplatz und begeben sich hinauf zum Hansenhaus, wo gemeinsam Kaffee getrunken wird. Dann folgen Eesell- schaftsspiele und sonstige Belustigungen im Gar­ten des Hansenhauses und in dem nahen Wald. Abends gegen 8 Uhr, nach einem gemeinsamen Abendessen, beginnt der Tanz, in den sich man­cherlei Aufführungen der Mufikabteilunz und andere Unterhaltungen einreihen. Die gedeckten Hallen des Hansenhauses bieten bei Regen einen hinreichenden Schutz für alle Teilnehmer, sodaß das Fest bei jeder Witterung stattfinden kann.

* Poftoerkehr. Die Postpaketsendungen nach Oesterreich-Ungarn sind künftig statt drei nur zwei Zollinhaltserklärungen beizufügen. Auch ist für die über Oesterreich-Ungarn zu leitenden Pakete und Werttästchen nach anderen Ländern die Zahl der Zollinhaltserklärungen um eine niedriger festgesetzt worden.

* Kunstsalon. Für kurze Zeit sind einige Ge­mälde von Otto Ubbelohde-Goßfelden, aus­gestellt, sowie neu ein „Buchenwald" von C. Weinert-Hannover. Auch die Gemälde von Professor Heichett bleiben nur noch wenige Tage, sodaß ein baldiger Besuch der Ausstellung allen Kunsfinteressenten empfohlen wird.

* Ein kleines Kunstwerk der Maschinenbau- technik finden wir von heute ab bei dem Optiker Frz. Böhler hier in der Wettergasse ausgestellt. Es ist dies eine 1/1 gekuppelte frühere Echnell- zugslokomottve, 1/u natürlicher Größe, welche habet genau nach den Normalien der Staats­bahn eingerichtet. Die Lokomotive ist von dem Obermaschinenmeister a. D. Köhler (Kreisbahn­hof) erbaut und bereits zweimal auf Ausstellun­gen prämiiert worden. Die bisherigen Minia­turen wurden fast ausschließlich von Mecha­nikern hergestellt und entsprachen nicht der Wirk­lichkeit. Wir können eine Besichtigung der Loko­motive nur empfehlen.

)( Museums-Konzert. Morgen Donnerstag Abend haben die Besucher des Mussums Ge­legenheit, eine ganz vorzügliche Kapelle, näm­lich diejenige der Garde-Dragoner aus Darm­stadt kennen zu lernen. Besonders dürften die zahlreich in Marburg wohnenden Hessen-Darm­städter Gelegenheit nehmen, das Konzert zu be­suchen.

* Gefangswettstreit. Don auswärts war von verschiedenen Seiten dem Festausschüsse des Ge- sangswettstreits der Wunsch nahegelegt worden, den Mitgliedern von Gesangvereinen unter günstigen Bedingungen den Zutritt zum Wett- fingen und die Beteiligung am Sängerfeste zu ermöglichen. Ein diesbezüglicher Antrag ge­langte zur Beratung. Jnanbetracht des Um­standes, daß die Eesangswettstreite für die För­derung und Pflege des deutschen Männer- gefanges, der als wichtiger Kulturfaktor allge­mein anerkannt ist, von großer Bedeutung sind, und die Gesangvereine durch sie eine erfreuliche | Anregung erhalten, stimmte man dem Anträge | zu Es wurde beschlossen, die Gesangvereine der I Umgebung Marburg einzuladen und ihnen eine I bestimmte Vergünstigung zu gewähren. Hoffent- I lich stellen sich nun auch die Sänger unserer Nachbarvereine zahlreich ein, ist doch die Ee- I legenheit, so viele musterhafte Vorträge von Männerchören zu hören, nicht oft geboten.

* Der Studenten Dank. Man schreibt uns: Eine stadtbekannte Persönlichkeit, Fräulein [ Pauline, feierte am Montag die Wiederkehr des Tages, an dem sie vor 25 Jahren in den Dienst ' der Familie Niemeyer, Neustadt 10, trat. Welche Siebe und Verehrung sie sich im Laufe der Jabre zu erwerben verstanden hat, zeigte ein Festzug, den das Corps Hasso-Nassovia zu ihren Ehren veranstaltete. Bei Niemeyer wohnen nämlich feit langen Jahren Hessen-Nassauer, die die Jubilarin mit mütterlicher Liebe gehegt und gepflegt hat. Die jungen Mufenföhn- zogen unter Dorantritt einer Musikkapelle im Gänse­marsch zum Festhause. Voran ging ein Fuchs mit einer Torte mit der Widmung „Unserem lieben Paulus". Dann folgte wieder ein Fuchs mit einem großen Blumenkorb mit grün-weiß- blauen Farben geschmückt. Weitere Hessen- Nassauer folgten, jeder einen Blumenstock tra­gend. Der Zug stellte sich vor dem Festhause auf, die Jubilarin erschien am Fenster und ein Fuchs hielt an sie eine Ansprache, in der er ihre Verdienste für das Corps hervorhob und ihre Vorzüge gebührend rühmte. Die Jubilarin lud darauf die Musenföhne zu einer Tasse Kaffee ein und verweilten darauf die Hessen-Nassauer einige Zeit in den festlich geschmückten Räumen. Das Fest endete mit einer Festsitzung im Re­staurant Kratz. — Wie man uns ferner in Er­gänzung dieses uns gestern früh bereits zuge­

gangenen, aber wegen Raummangel zurückge­stellten Berichtes mitteilt, wurden der treuen Angestellten der Familie Niemeyer zahlreiche Briefe, Telegramme und Geschenke seitens ehe­maliger Hasso-Nassoven zu Teil.

)( Zirkus Straßburger. An einem sonst zu solchem Zwecke nicht benutzten Platze, an der Ecke der Deutschhaus- und Biegenstraße, hat sich feit gestern der Zirkus Straßburger niederge­lassen, und gestern Abend fand bereits die erste Vorstellung statt. Von der Ansicht, die Leist­ungen nach der Größe des Unternehmens und den pompösen Ankündigungen zu beurteilen, wurden die Besucher, die allen Gesellschafts­kreisen angehört, gründlich geheilt; denn dieser Zirkus bietet viel mehr, als man bisher bei größeren Arenen hier gewohnt war. Man sieht hier ein ganz vortteffliches Pferdematerial und lernt auch ein ganz vorzügliches Künstler- personal kennen. Alle Nummern des sehr ab­wechslungsreich zusammengestellten Programms wickelten sich flott und ansprechend ab. Feine Pferdedressur, tüchtige Reiter und Reiterinnen in ihren graziösen Hebungen auf lumesattelten Pferden, hervorragende Darbietungen von tur­nerischen Künstlern riefen die größte Bewun­derung hervor und, daß der der „dumme Au­gust" sein Fach auch gut versteht, bewies der Heiterkeitserfolg seiner Spässe und Ränke. Von den verschiedenen Künstlern wollen wir heute nur wegen der Eigen! -t bas Auftreten des Herrn Vargold, eines einbeinigen Artisten er­wähnen. Der Mann büpft auf seinem einen Bein in die Arena und zeigt dann staunens­werte Leistungen als Gipfelturner und Kraft­mensch. Auch lieferte er den Beweis, daß man sogar ohne Beine gehen kann, denn er nimmt seine Krücke in die Hand, hebt das eine Bein hoch und läuft fort. Das soll mal einer nach­machen. Den Schluß der gestriaen Vorstellung bildete ebenfalls wieder eine Neuheit, nämlich der Bär als Kunstreiter. Jedenfalls kann man dem Zirkus bet feinen weiteren Vorstellungen einen ebenso zahlreichen Besuch wünschen, rote gestern Abend. Die Leistungen sind es wohl wert.

)( Strafkammer. Am 11. Februar ds. Js. hatte man in einem Nachbardorfe einen Hand­werksburschen gefangen und zum Bürgermeister gebracht. Es handelte sich nun darum, den fremden Wanderer nach Marburg ins Gefäng­nis zu transportieren. Man holte deshalb den Ortsdiener, einen älteren kränklichen Mann, und gab ihm auf Befehl des Gendarmen noch, einen jungen Knecht mit. Unterwegs klagte der Handwerksburfche, ein starker kräftiger Mann, über furchtbaren Durst. D'-'s ging den Begleitern so zu Herzen, daß sie nunmehr ein» kehrten. Der Handwerksbursche trank ein Glas Bier, steckte sich eine Zigarre an, und die Be­gleiter stärkten sich feder mit einem Kännchen Schnaps. Dann wurde die Reife fottgefetzt, wo­bei der Wanderer so interessant zu plaudern wußte, daß den rechts und links gehenden Be­gleitern die Zeit gar nicht lang wurde. Plötz­lich sprang der Fremde, der den ihnen Begeg­nenden schon vergnüglich zugeblinzt hatte, mit langen Sätzen quer über die Felder davon. Der alte Ortsdiener konnte die Verfolgung natürlich nicht ausnshmen, deshalb fauste der jüngere aber um so schneller hinter dem Flüchtling her. Dieser konnte mit seinen langen Seinen jedoch noch schneller laufen und als ihn endlich der Wald unter seinen schützerrden Fittichen auf» nahm, blieb sein Verfolger zurück, weil ihm „fein Leben lieber war, wie dasjenige des frem­den Handwerksburschen". Gestern standen bet Ortsdiener und der Knecht nun vor den Rich­tern, weil sie durch Fabrlässtgkeit die Flucht des Fremden begünstigt hätten. Beide machten geltend, daß sie den großen, starken Mann, der erst so freundlich getan, nicht hätten halten können. Dann seien sie auch der Ansicht gewesen, der Mann habe vielleicht Waffen bei sich. Das Gericht hielt nach Lage der Sache Freisprechung für am Platze.

* Wiir-ren, 25. Juni. Mittwoch, den 3. Juli d. I., feiert unser Lehrer Friesleben, welcher 50 Jahre bei uns im Schuldienste treu gewirkt hat, sein 50jähriges Jubiläum. Die kirchliche Feier beginnt um 11 Uhr vormittags und «die Schulfeier etwa um 121 ■> Uhr nachmittags. Das Festessen findet, da hier ein größerer Saat fehlt, in Nordeck bei Gastwirt Stelzenbach statt.

[] Kirchhai«, 25. Juni. Gestern Nachmittag wurden zwei städtische Zuchtbullen verkauft, wofür ein Preis von 46 bezw. 47 J4 pro Zentner erzielt wurde. Die beiden Bullen haben ein Ge­wicht von ca. 42 Zentnern. Durch Ankauf zweier Originaltiere, welche eine Kommission direkt von der Schweiz abholte, ist bereits wieder Er­satz geschaffen.

tS3 Kirchhai«, 25. Juni. Der heute hier ab­gehaltene Rindviehmartt war mit 348 Stück Großvieh und mit 97 Kälbern beschickt. Der Umsatz war mäßig. Der Schweinemarkt war mit ca. 640 Stück Läufern und Ferkeln befahren. Fette! kosteten per Paar 18—30 «#, Läufer 60—70 X ,

Ä Rauschenberg, 25. Juni. Heute morgen besichtigten 7 Herren in Begleitung des Herrn Landrats Frhr. Schenk zu Schweinsberg die pro- jektiette Bahnstrecke Kirchhain-Rsufchenberg-De- münben. Es steht zu erwarten, daß diese bald mit der bereits genehmigten Strecke Zimmers- roda-Eemünden zugleich oder gar noch früher in Angriff genommen wird.

Treysa, 25. Juni. Am heutigen Tage wurde die vor dem Mainzertore von der Firma Robert Gastorff in Hannover erbaute n e u e Eisenbahnbrücke dem öffentlichen Ver­kehre übergeben.

©♦ Ziegenhain, 25. Juni. Am 18. Juli fin­det hier ein Pferde-, Fohlen- und Rindvieh­markt statt, mit welchem eine Prämienvertcil- ung, sowie eine Verlosung von Fohlen, Rind» vieh, landroirtschastlichen und Haushaltung'» gegenständen verbunden ist.

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