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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

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Marburg

Sonnabend, 22. Juni 1907.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Dnick tmb Berlage Joh. Aug. Koch, UmvcrfitätS-Buchdnickerei 42.

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Bestellmlgen für das dritte Quartal auf die '

^Oberheffifche Zei tung" nebst ihren Verlagen werden von unserer Expedition (Markt 21) unseren Ausgcbestellcn in Kirch. $ a i n, Neustadt und Wetter, sowie von allen» PostSnstalten und Landbriefträgern ent« gegenMrommen.

Die LM in Frankreich,

Das Frankreich der dritten Republik könnte das glücklichste Land der Welt sein, wenn es einigermaßen bei den guten Ueberlieferungen von Thirs und Jules Ferry geblieben wäre. Es fiat seit dem Sturze des Kaiserreiches unter dem Schutze der deutschen Friedensliebe ein großarti­ges Kolonialreich errichtet, das in Nord- und Mittelafrika, in Madagaskar und in Jndochina auf Jahrhunderte hinaus dem französischen Volke Ellenbogenraum für seinen Unterneh­mungsgeist gewährt. Frankreichs Industrie hat sich Dank der vortrefflichen Politik früherer Ka­binette eine Weltstetlung erobert, wie man sie selbst 1867 zur Zeit der großen Weltausstellung nicht geahnt haben würde. Seine Flotte ist stark und sein Handel gedeiht wie nie zuvor. Die schlimmen inneren Wehen des Panamaskandals und des Dreyfushandels sind überwunden, und niemand hat dieses inneren und äußeren Wohl­standes der Republik sich mehr gefreut, als die einzige Macht, von deren Willen es abhing, alles dies zu vernichten: Deutschland! Aber es scheint nun einmal das Unglück der Franzosen zu sein, daß sie ihr Glück nicht vertragen können. Die Streitsucht des Herrn Combes trennte das schöne Land in die beiden unerbittlichen Lager der Gläubigen und der Kirchenfeinde und der Sozialismus schied es, als er zum Anteil an der Staatslenkung herangezogen wurde, in die un­versöhnliche Gegnerschaft der bürgerlichen Par­teien und des sozialistischen Radikalismus. Nicht genug damit, versuchte Herr Delcassö, unbeküm­mert um die innere Brüchigkeit der derzeitigen politischen Verfassung Frankreichs, sein Land in einen Imperialismus hineinzusteuern, der an die bösen Tage Oliviers' nur allzu bedenklich er­innert. Wenn er geglaubt haben sollte, in der Verbrüderung mit England dies vor den Kar­ren seiner ehrgeizige» Pläne spannen zu können, so dürfte jedenfalls Frankreich inzwischen sich klar davon überzeugt habe», welch' verhängnis­voller Irrtum dies war. Zu den Gepflogen­heiten der britischen Staatsmänner gehört cs

13 Machdruck verdaten.)

Heimweh nach Glück.

Roman von ErichFriesen. (Fortsetzung).

9iiu eine kleine Wolke trübt den Sonnen­schein ihres Glückes: die merkwürdige Abneigung Rolfs gegen ihr Ideal. Vergebens zerbricht sie sich den Kopf, was denBruder" so auffallend gegen den stets liebenswürdigen, eleganten Fürsten einnehmen könne.

Einmal versuchte sic, das Gespräch darauf zu bringen,' aber Rolf brach cs kurz ab und ging schnell aus dem Zimmer, seine Kousin« ernstlich erzürnt zurücklassend.

Der junge Mann schilt sich selbst, daß er dieser unmotivierten Abneigung nicht Herr werden kann. Er liebt Angelina noch ebenso tief und innig wie zuvor: aber er weiß sich frei von jeder Eifersucht. Sein selbstloses Herz wünscht dem geliebten Mädchen alles Glück, gleichviel, auf welchem Wege es ihr entgegen­blüht. Wenn dieses Glück also in der Liebe und dem Besitz des Fürsten Arturo Torlonia besteht warum will es ihm nicht gelingen, wenigstens eine» kleinen Teil der Zuneigung zu Angelina auch auf deren Herzenserwählten zu über­trag ch'.?

Fürst Torlonia selbst lächelt über diese offen­kundige Abneigung desgroßen Knaben", wie er seiner Braut gegenüber Rolf öfters ironisch nennt lächelt um so sorgloser, als er weiß, daß Angelina in dem Jüngling einzig und allein den Bruder sieht.

Wenn er trotzdem mit einer gewißen Hast den Hochzeitstag so sehr wie möglich be- schleunigen will, so hat das einen anderen Grund. Er fürchtet ein Gespenst aus seiner Ver­gangenheit, fürchtet jenen bleichen Mann dort drüben aus dem kleinen Häuschen in Neapel, fürchtet den Haß des Professors Adolfo Lambo.

Zwar haben die beiden neulich ein Pakt ge­schlossen. sind gewissermaßenKompagnons"

nicht, später als die Franzosen aufzustehen, und cs ist aller Welt klar, wie sehr die Politik der sogenannten Ententen Englands eigensüchtigen Jnteresien diente, Frankreich aber einer schwe­re» Unsicherheit nach Außen hin und im Innern heftigen Kraukheitserscheinungen aussetzt. Welch' einen Wahnsinn bedeutet es, daß Generäle die­ser Republik vor ihren Truppe» nahe der Grenze des waffenmächtigen Nachbars säbelraffelnd von den Hoffnungen des nahe bevorstehenden Revanchskrieges sprechen, während das Land bis ins Innerste zerwühlt und zerfreßen ist von un­versöhnlichen Gegensätzen! Man werfe nur einen Blick auf die Lage, welche die jetzige Regierung in dem schönsten Teile des Landes, dem wein­bauenden Süden geschaffen hat. Einige hundert Schurken, die mit den Ministern und Parlamen­tariern verschwägert, verbündet und verfilzt sind, haben durch ihre Weinfälschungen seit Jahrzehnten die arbeitsame und sonst heiter zu­friedene B^vöKrrunp Südens zur Verzweife­lt« ng getrieben. Flehentlich betteln diese Mil­lionen bis dahin ruhiger E:c-.r!»biirgsr seit Jah­ren um Schutz ihres ehrlichen Gewerbes vor die­sen Fälschern und Betrügern: alles umsonst! Jetzt ist es soweit gekommen, daß die Zentral­regierung im Süden allen mscalischen Einfluß verloren hot, und daß in Wirklichkeit das Ko­mitee von Argelliers das Vertrauen von ganz Südfrankreich besitzt. Sehr zutreffend schreibt de Vogu6 imFigaro":

Das Elend hat die Augen geöffnet. In der Zeit von einigen Tagen hat dieses Volk seine ganze Denkweise geändert: Es hat plötzlich be­griffen, daß es an einer Ueberproduktion leidet! Ich spreche hier nicht von der des Weines. Ob es eine solche gibt, darüber sind die Meinungen noch geteilt. Aber alle sind über eine andere einig. Es hat eine Ueberproduktion von Politik gegeben. Diese plötzlich zur Klarheit gekomme­nen Maßen wollen sich nicht mehr mit dem, was ihnen noch gestern gefiel, regieren lassen: mit Phrasen, Ordensbändchen, Austeilung von Ver­günstigungen, Protektion von Betrügern und nochmals Phrasen, immerzu Phrasen. Sie schreien ihr für immer unbesiegbares Mißtrauen hinaus, gegen die öffentlichen Gewalten, gegen das Parlament, gegen ihre eigenen Vertreter, kurz gegen alles, was aus Paris kommt. Eine einfache Beobachtung sagt mehr als alle Rai- fonnements: In diesem Lande, wo nicht zwölf Feuerwehrleute oder Turner zusammenkommen konnten, ohne daß ein Deputierter hinzulief, versammeln sich jede Woche Hunderttausende zu entfcheid-nde.i! Kundgebungen. Und kein einzi­ger Deputierter wird dabei gesehen! Die Gegen­wart eines einzigen von ihnen wäre eine Gefahr

| für die öffentliche Ordnung."

gewsidsn, wie der Profeßor feiner Tochter da­mals mit zynischer Bitterkeit zuraunte. Aber der Fürst traut der Sache nicht recht; der Blick, das ganze Gebühren des Mannes während der halb­stündigen Unterredung hatte etwas so seltsam Bizarres, Exzentrisches der Fürst, deßen aal­glatter Geschmeidigkeit das WortFurcht" sonst fremd ist, fühlt ein leises Grauen, wenn er sich die starren, gespannten Züge, die lodernden, eingesunkenen Augen vergegenwärtigt.

Nur rasch die Hochzeit! Möglichst rasch! Er fühlt sich alsdann sicherer. Sein großer Pa­lazzo in Florenz aus der Piazza Vittorio Ema­nuel« wird eine Herrin haben; Tag für Tag werden die alten ehrwürdigen Mauern wider­hallen von Festestrubel; alles, was die ewige Stadt an Geist, Schönheit, Titel und Geld besitzt, wird bei ihm aus- und eingehen, und seine Gattin wird di« Königin aller dieser Feste sein.

Dann mag der verrückte Alle da hinten au» dem kleinen Häuschen in Neapel reden, was er will. Kein Mensch wird auf ihn hören, kein Mensch ihm glauben.

Aber erst die Hochzeit! Die Hochzeit!

Fürst Arturo Torlonia liebt seine Braut in seiner Weise. Er, der Weltmann, der seit über fünfundzwanzig Jahren den Becher der Freude und des Genußes bis zur Hefe geleert hat, wo er sich ihm nur bot dieser blasierte, frivole Lebemann empfand plötzlich ein ganz eigenes Vergnügen an dem naiven Geplauder, der kind­lichen Unbefangenheit der Marchefina Margont. Ihre keusche Unschuld berührt ihn wie ein leises Flügelrauschen aus einer anderen besseren Welt.

Und dieses Wohlbehagen steigerte sich zum Interesse, steigerte sich schließlich zur leidenslkprft- lichen Liebe.

Das geliebte Mädchen baldigst sein zll nennen dies ist gegenwärtig der größte Wunsch des nur dem Genüsse, lebenden Ego­isten. 4. i 'i

In dem kleinen Häuschen des Prozessors Lambo in Neapel geht inzwischen alle, sejneK alten Weg. Nichts ändert M M dDselben

Bezeichnend für diesen Ernst der Lage ist es, daß der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern, Albert Sarraut, der Deputierte für Narbonne ist, an den Ministerpräsidenten Cle- menceau ein Schreiben gerichtet hat, in dem er diesem mitteilt, daß er von seinem Amt als Un- terftaatssekretär zurücktrete. Er begründet seinen Entschluß damit, daß die Ereignisse, deren Schauplatz sein Wahlkreis gegenwärtig sei, ihm nicht erlaubten, seine Mitarbeit an der Regie­rung fortzusetzen, und ihn der Möglichkeit be­raubten, die Sache derer, die ihn als ihren Adoptivsohn angenommen hätten, im Schoße der Regierung zu verteidigen. Seine Demission ver­ursacht in politischen Kreisen lebhafte Aufreg­ung. Trotz der dringenden Vorstellung-» Cle- menceaus verharrt Sarraut bei seiner Weige­rung, sich mit den Maßnahmen des Minister­rates einverstanden zu erklären.

Die Maßnahmen, welche der Ministerrat im Hinblick auf diesen Stand der Dinge getroffen hat, sind ebenso unzulänglich, wie die Beratung der Deputierten-Kammer. Anstatt .die berech­tigten Wünsche der Winzer zu erfüllen und durch eine rücksichtslose Bestrafung der Weinfälschrr und Kontrolle des Weinverkehrs für die Ge­sundung der wirtschaftlichen Lage zu sorgen, will der neue Gesetzentwurf wieder einmal den Pelz waschen ohne ihn naß zu machen. Statt dessen fordert Herr Clemenceau die Ermächtigung, mit den schärfsten staatlichen Machtmitteln gegen die Ruhestörer einzuschreiten. In einem Gemisch von halsstarrigem Eigensinn und seltsam an- mutender Naivität rief er in der Kammersitzung aus:Während wir hier den Gesetzentwurf zur Unterdrückung der Weinfälscher beraten, ant­wortet man im Süden mit Gewaltstreichen!" Vielleicht wird die Regierung gegen den Süden mit derselben Brutalität vergehen, mit der sie die Katholiken behandelt hat; und vielleicht wird es ihr gelingen, die Bauern, die mit ein wenig Gerechtigkeit zu befriedigen gewesen wä­ren, in roher Brutalität zu Paaren zu treiben; aber zur inneren Befestigung des Landes trägt alles dies sicherlich nicht bei.

Und was helfen dann Frankreich die Bünd­nisse mit der halben Welt? Es wird den Kampf um die Wiederherstellung der Ordnung im eige­nen Hause aus eigener Kraft zu führen haben!

Deutsches Reich.

Der Kaiser begab sich, wie aus Kiel be­richtet wird, gestern Vormittag zur Marine­akademie und übergab dort die auf der Frei­treppe aufgestellte Büste des Großadmirals von Köster dem Jnspettor des Marine-Bildungs­wesens. Großadmiral v. Köster und seine An­

scheinbar. Rur, daß der bleiche Mann öfter als sonst zu seinem Elixier greift und dann, um­schwebt von rosigen Dunstnebeln, seiner Tochter die Zukunft hellsonnig ausmalt.

Wozu sitzest Du den ganzen Tag beim Nähen und Flicken?" schilt er oft.Schone Deine Augen! Du mußt Dir Deine Schönheit erhalten, Kind, denn Du hast noch ein langes Leben voll Freude und Glück vor Dir. Verstehst Du?"

Ungläubig lächelnd schüttelt dann wohl Pia den Kopf.

Gewiß, Vater; ich höre. Aber bis dahin können wir doch nicht mit durchlöcherten Strümpfen herumgehen. Also stopfe und flicke ich."

Der Professor brummt dann gewöhnlich vor stch hin uitb überläßt seine Tochter ihren Ge­danken.

Und Pia denkt und grübelt viel, während sie über den Nähtisch gebeugt sitzt und Wäsche flickt und Strümpfe stopft und Hemdenknöpfe an näht. ...

Weit, weit zurück fliegen ihre Gedanken. . .

Sie sieht sich als ein kleines Kind in einer kernen Zaubersiadt jenseit des Libanon, am Rande der ewigstummen, tigergelben Wüste in Damaskus, der Perle des Syrerlandes; sieht sich in einem hohen Hause mit marmorge­täfeltem Hof, über deßen weiße Mauern blut­rote Granaten aus dunklem Laub erschimmern; sieht sich im prunkvollen Empsangssalon, in d^sen Mitte ein rauschender Springbrunnen seine hundertfältigen Wasserstrahlen in mat- ywrne Bassins ergießt; sieht sich in dämmerig- kostgen Gemächern mit kostbaren Mosaikwänden, dicken Teppichen, seidenen Divans, schwellenden Kissen, funkelnden Wasserpfeifen, feinziselierten Gold- und Silberschalen eigenartige, mit orientalischem Luxus jeder Art ausgestattete Eemächer, von deren kuppelförmiger Decke tot» »echängte Ampeln gleich Riesenleuchtkugeln «it ticken silbernen Ketten herabhöngen, _ a

verwandten waren zugegen. Um 9 Uhr begann die interne Wettfahrt auf dem Kieler Hafen.

Der Reichskanzler erhielt am Mittwoch kn Berlin den Besuch des englischen Botschafter« und später den des aus England zurückgekehrten Generalfeldmarschalls v. Hahnke. Gestern Nachmittag traf der Reichskanzler, von Berlin kommend, in Kiel ein, um dem Kaiser Vor­trag zu halten.

Bundesrat. Berlin, 20. Juni. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde dem Ausschußbericht über die Vorlage betreffend den Entwurf eines Gesetzes über die Erleich­terung des Wechselprotestes zugestimmt.

In den Adelsstand erhoben. DerStaats­anzeiger" veröffentlicht die Erhebung de» Bankiers und großbritannischen Konsuls Paul Schwabach in den erblichen Adelsstand.

Der englische Besuch. Berlin, 20. Juni. Bei der heutigen Frühstückstafel im Aus. stellungspark begrüßte Bürgermeister Reicke du englischen glaste. Er erklärte es für ein namen­loses Unglück, wenn Deutschland und England jemals die Klingen kreuzen würden. Der Lord­mayor hob unter lebhaftem Beifall hervor, Eng­länder und Deutsche seien Brüder und auf ein­ander angewiesen, die alles hätten,. was sie wünschten, was natürlich nicht ausschließe,, daß beide Völker im Handel miteinander zu konkur« vieren suchten.

Von der Haager Friedenskonserenz. Aus d e m H a a g, 20. Juni. In der gestrigen Kon­ferenz beantragte der deutsche Delegierte Frei­herr v. Marschall die Einsetzung einer höheren internationalen Instanz, die Beschwerden be­treffs der Urteile lokaler Prisengerichte end­gültig entscheiden soll. Der Antrag wurde von England und den Vereinigten Staaten unter- stützt. Die Frage des Sitzes dieses Oberprisen­gerichts soll später erörtert werden. Nachdem der von England und Amerika unterstützt« deutsche Antrag auf Schaffung eines internatio­nalen Oberprisengerichts an die Schiedsgerichts- kommisfion verwiesen worden war, kündigte in der vorgestrigen Plenarsitzung der amerikanische Delegierte Porter die sogenannte Drago- lehre, ohne Drago zu nennen, als Antrag der Union an. In dieser (1.) Kommission ist Deutsch­land durch Geheimrat Kriege und Prof. Zorn, in der 2. (Landkriegs-)Kommission durch Ee neralmajor v. Cündell, in der o. durch Admiral Siegel und in der 4. (beide Seekriegs-)Kom­mission durch Siegel und Kriege vertreten. Frhr. v. Marschall wird sich für alle vier Kommissionen eiuschreiben lassen. In Delegiertenkreisen hat der deutsche Antrag betreffend das Oberprisen- gericht den besten Eindruck gemacht; denn er gilt als Beweis dafür, daß Deutschland entschlos­sen ist, durch praktische realisierbare Vorschläge das Konferenzwerk zu fördern und zu einem wirk­lich Nützlichen zu gestalten. Ebenso hat die

Der Mutter entsinnt sie sich kaum. In ihrer Erinnerung lebt nut verschwommen ein wunder­schöner tiefbrünetter Frauenkopf, der sich hi« und da über ihr Bettchen neigte, ein silberhelles Lachen, das weit durch die Gemächer hallte. Der Kopf ähnelte jenem Bilde dort an der Wand.

Auch den Vater sah sie wenig. Er war fast immer mit der schönen Mutter auf Festlich­keiten und die kleine Pia sich selbst und den Dienstboten überlassen.

Eines Tages jedoch beugte der schöne Frauen« köpf sich nicht über ihr Bettchen; kein Helle» Lachen jubelte durch das Haus.

Die Mutter ist tot!" sagte der Vater.

Und dabei blieb es.....

Und weiter sieht Pia sich als heranwachsen­des Mädchen mit dem Vater auf Reisen. Er hatte sich in letzter Zeit sehr verändert; aus dem lekchaften, witzsprühenden Manne war ein ver­schloßener Sonderling geworden. Jetzt lebte er nur seinen Studien, den ernsten, mühevollen Studien des Archäologen, die et im Glückstausch an bet Seite (einer Gattin in Damaskus ver­gessen, die er nun aber mit forciertem Eifer wieder aufnahm. Ruhelos ging es in der Welt umher: von den Ruinen zu Baalbeck nach dem Trümmerfelde Karthago's, von der ausge- grabenen toten Stadt Pompeji zu den gestürzte« Säulen und Tempelüherresten auf dem Forum Romanum.

Bald wurde der Name des Profeffors Adolf- Lambo als einen der ersten genannt in der Ge­lehrtenwelt; sein Ruhm als ausgezeichneter Ar­chäologe ging weit hinaus über die Grenzen Italiens.

Doch die Ruhelosigkeit des Gelehrten nahm von Tag zu Tag zu. Schon in Damaskus, als die Mutter gestorben war und der Vater sich über ihren Verlust so furchtbar härmte, daß der gesunde, frische Mann zum nervösen, wortkargen SonderÜng wurde schon damals bemerkte das kleine Mädchen, daß der Batet hie und d- Ttopfen aus einem kleinen Ktistallflaschchen M sich nahm, nach welchen er sich jtets aufs

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