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und Kirchhain.

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Neclauien: die "Aeite SO Pm,

Erstes Blatt.

Zum Reichshaushaltsetat für 1907. Ob und inwieweit in den Mitteilungen einer /Korrespondenz über einen angeblichen Geldbe­darf des Reiches von einer Mertelnrilliarde Mk. im Jahr «nd die zur Deckung desselben in Aus- ficht zu nehmenden Mittel Wahrheit und Dich­tung sich mischt, mag dahingestellt bleiben. Sicher ist, daß der Reichshaushaltsetat für 1907 nur dadurch ins Gleichgewicht zu bringen war, daß über den Betrag von 24 Millionen Mark hinaus, der von den Bundesstaaten in ihren Etats vorgesehen ist, ungedeckte Matrikular- nmlagen in Höhe von 64 Millionen Mark aus­geschrieben sind. Ferner unterliegt es auch kei­nem Zweifel, daß vom nächsten Jahre ab dem Reiche Mehrausgaben in beträchtlicher Höhe erwachsen, ' unb endlich ist es gleichfalls sicher, baß, wenn im Jahre 1912 der Kapitalbestand des Reichsinvalidenfonds aufgezehrt fein wird, die darauf angewiesenen Ausgaben in Höhe von rund 40 Millionen Mark im Jahre aus lausen­den Einnahmen zu decken sein werden. Das Be­dürfnis, dem Reiche Mehreinnahmen in be­trächtlicher Höhe zuzuführen, wird daher ernst­lich nicht bestritten werden können. Wie außer­ordentlich unerwünscht selbst für Preußen die Notwendigkeit ist, für 1907 einen Betrag von nahezu 180 Millionen Mark an Matrikular- umlagen vorsehen zu müssen, erhellt, tpenn man bedenkt, daß für etwa.40 Millionen Mark an Matrikularumlagen . im Staatshaushaltsetat Mittel nicht vorgesehen sind, dah also für deren Deckung anderweit gesorgt werden muh. Zwar stehen für diesen Zweck aus Geldern, die vor­sorglich für Mehransprüche des Reiches in frühe­ren Jahren zurückgelegt sind, noch etwa 16 Mil­lionen Mark zur Perfügung. Der überschiehende Betrag aber muh, wen» anders er nicht durch Anleihen gedeckt werden soll, in den rechnungs­mäßigen Ueberschüssen des laufenden Jahres seine Deckung finden. Die Notwendigkeit, auf solche Ueberschüsse in hohem Betrage hinzuarbei­ten, hat bekanntlich in erster Linie dazu geführt, dah Preußen dem Reiche mit der Gewährung von Teuerungszulagen für die mittleren Be­amten nicht voll folgen konnte. Selbst die 5 Millionen Mark, welche für diesen Zweck durch den Nachtragsetat bereit gestellt waren, konnten nur in der doch keineswegs sicheren Erwartung flüssig gemacht werden, daß außer der Einkom­mensteuer auch andere Einnahmezweige Ueber­schüsse liefern würden. Ferner zwingt die Not­wendigkeit, sich für unvorhergesehene Ansprüche des Reiches gerüstet zu halten, dazu, die Ein­nahmen des Preußischen Staaten so vorsichtig ........... '

]2 (Nachdruck verboten.),

Heimweh nach Glück.

Roman von Erich Friesen. '(Fortsetzung).

Pia, die ohne es zu wollen, die erregte Un­terhaltung hinter der Tür mit anhörte, eilt rasch in ihr Zimmer. Die Röte der Scham särbt ihre Wangen. Wie eine Ertappte kommt sie sich vor, die einem verbotenen Geheimnis nachspürt.

Mit bebenden Händen zündet sie ihr kleines Lämpchen an, dessen matter Schein nur not­dürftig die Kammer erhellt.

Nichts weiter enthält dieselbe, als ein Bett, einen Stuhl, einen Kleiderhaken, einen eisernen Waschständer und eine Truhe.

Doch noch etwas.

Ueber der schmalen Eisenbettstelle hängt ein Kruzifix. Es bildet Pias einzigen Schatz, den sie hütet wie ein Heiligtum. Der Vater schenkte es ihr bei ihrer Firmung mit den inhalts­schweren Worten:

Dieses Kruzisix kaufte ich Deiner Mutter am Tage Deiner Geburt, mein Kind. Es i|t von großem Wert. Aber nicht deshalb hüte es wie ein Heiligtum, sondern weil Du täglich da­vor beten sollst beten für Deine arme Mutter'."

Die Worte machten damals tiefen Eindruck auf das ernste Gemüt des Kindes. Getreulich hat es das Gebot des Vaters erfüllt, ohne recht zu wissen, weshalb sie täglich für die tote Mutter beten solle. Schließlich wurde es ihr so zur Gewohnheit, daß sie gar nicht mehr darüber nachdachte.

i Heute zum ersten Male fällt ihr das Außer­gewöhnliche des väterlichen Gebotes auf.

Ob jene unfreiwillig erlauschten Worte der beiden erregten Männer da drinnen die Schuld daran tragen? Oder die nervöse Unruhe, rn tneldi# aedeimnisoolle Reift bes Vaters, io*

zu veranschlagen, daß sich daraus mit einiger Sicherheit die entsprechenden Reserven gewin­nen lassen. Diese Reserven entziehen sich aber der Verwendung für den eigenen Bedarf Preu­ßens; in ihrer Höhe muß deshalb für die Deck­ung des Mehraufwandes für Beamten- und Lehrerbesoldungen die Steuerkraft der Bevölke­rung in Anspruch genommen werden.

So wird schon in Preußen trotz seiner reichen Einkünfte aus werbendem Staatsvermögen die Finanzwirtfchaft durch die Inanspruchnahme für das Reich beträchtlich erschwert und die Ge­fahr einer starken Anspannung der Steuerkraft heraufbeschworen. In ungleich höherem Maße ist dies naturgemäß bei den meisten anderen Bundesstaaten, denen gleich reichlich fließende Einnahmequellen nicht zur Verfügung stehen, der Fall, und man kann sich nicht verhehlen, daß das unbefriedigende Verhältnis zwischen den Reichs- und Landesfinanzen in hohem Grade verstimmend gegen das Reich wirkt. Wenn eine solche Wirkung jetzt schon zu besürchten ist, wird .dies um so mehr der Fall fein, wenn künftig, wie bereits erwähnt, der Ausgabenbedarf im Reiche sich noch erheblich steigert. Es liegt daher im dringenden Interesse der nationalen Sache, daß das Reich durch Vermehrung seiner eigenen Einnahmen in die Lage versetzt wird, von wei­teren Ansprüchen an die Bundesstaaten, über den von diesen übernommenen Betrag von 24 Millionen Matrikularumlagen hinaus, Abstand zu nehmen.

. Der tschs-) Mich.

Der Kaiser in Kiel. Gestern früh 314 Uhr lief dieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord von Holtenau im Kieler Hasen ein. Die im Hasen liegende Flotte, darunter das argenti­nische SchulschiffPresidente Sarmiento" feuer­ten den Kaisersalut. Die Stadt und der Hafen siird festlich geschmückt. Mit dem gestrigen Tage begann die Kieler Woche, die sich als Ju­biläumswoche darstellt, da im Jahre 1882 die erste veranstaltet wurde. Reichskanzler Fürst von Bülow trifft heute zum Vortrag beim Kaiser in Kiel ein.

Der Unterstaatsfekretär v. Lindequift hat gestern feine Ausreise nach Deutsch-Südwest­afrika mit einem heute von Hamburg aus fahrenden Dampfer angetreten, v. Lindequift übernimmt bis zum Eintreffen des Gouverneurs v. Schuckmann nochmals in vollem Umfange die Geschäfte des Gouverneurs. Der Unterstaats- sekretär wird voraussichtlich in der ersten Hälfte des Oktober nach Deutschland zurückkehren.

«in neues Weingesetz angekündigt. Ber­lin, 19. Juni. DieBerliner Korrespondenz" meldet: Im Reichsamt des Innern wird der Entwurf eines neuen Weingesetzes ausgearbei-

wie der noch geheimnisvollere Besuch sie ver­setzte? . . .

Sie sinkt in die Knie, die Augen gläubig zum Kruzifix emporgewandt.

Ihre Lippen bewegten sich im stillen Gebet im Gebet für ihre tote Mutter.

Etwa eine Stunde später hört sie, wie die Haustür geht.

Gleich darauf ruft der Vater ihren Namen.

Pia? Mein Kind? Schläfst Du schon?" Nein, Vater. Ich komme sofort!"

Schnell kleidet Pia sich wieder an. Nach wenigen Minuten schon betritt sie das Wohn­zimmer, in dem der Vater ihrer harrt.

Das Aussehen des Professors Lambo ist ganz verändert. Die eingefallenen Züge erscheinen frisch und fast jugendlich. In lebhaftem Glanz erstrahlen die Augen und die Bewegungen sind elastisch und energisch.

Fröhliches Lachen empfängt die Eintretende.

Komm her, mein Kind! Setz Dich zu mir!" Zärtlich faßt er die Tochter am Kinn und blickt in das ernste, nachdenkliche Gesicht.Tränen? Was? . . . Wozu weinst Du? . . . Ist gar kein Grund vorhanden. Die Welt ist rosenrot und voller Freude. Auch Du wirst das noch spüren. Bald werden wir Geld haben viel Geld, und meine Pia wird sich kaufen können, was ihr Köpfchen verlangt.Warum lachst Du nicht, Kind, und freust Dich mit mir?"

Ich verstehe Dich nicht, Vater!"

Ist auch nicht nötig, Kleine. Was ich tat, tat ich nur für Dich. Das muß Dir genügen.

Pia schweigt. Sie weiß, der Vater hat fein Elixier genommen;; da sieht er die Welt stets von der rofenioten Seite.

Doch er läßt ihr gar keine Zeit zum Nach­denken. Mit jugendlicher Lebendigkeit erzählt er ihr von seiner Fahrt nach Capri, wie er dort den Fürsten Torlonia ausgesucht und ihn be­wogen habe, heute hierher zu kommen.

Erscheint wöchentlich sieben mal.

Druck unb »erlag: Ioh. Slug. Koch, UnivcrsüLts-Buchdruckerei

Marburg, Markt 21. Telephon 55.

42. Jahrg.

tet, der in feinen Hauptpunkten die vom Reichs­tage wiederholt unterstützten Wünsche berück­sichtigt und dem Reichstage voraussichtlich in der nächsten Tagung zugehen wird.

Steuerpflicht der Zigarettenpapiere. Wie dieVereinigten Tabaks-Zeitungen" zu melden wissen, tritt die im Bundesrate angenommene Vorlage, nach der fortab alle Zigarettenpapiere steuerpflichtig find, die durch Form oder Auf­machung erkennen lassen, daß sie bei der Selbst- herstellung von Zigaretten verwendet werden sollen, sofort mit der noch im Lause dieser Woche erfolgenden Publikation in Kraft.

Der Deutsche Müllerbund (Sitz Leipzig) hielt am 15. und 16. d. Mts. seine diesjährige Tagung in Halle ab. Zur Umsatzsteuer wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Versammlung hält die Forderung einer staffelförmigen Umsatz­steuer für alle Mahlmühlen-Betriebe aufrecht, weil sie hierin den einfachsten und gerechtesten Weg zur Einschränkung der ungesunden Aus­wüchse im Mühlengewerbe erkennt. Ferner nahm man folgende Beschlüsse an: Die Ver­sammlung erachtet die Einführung von Schiff­fahrtsabgaben auf den deutschen Flüssen und Kanälen für notwendig, damit die erheblichen Kosten der Instandhaltung der Wasserläufe und Häfen, die heute von der Gesamtheit der Steuer­zahler getragen werden müssen, gerechter Weise auf diejenigen Schultern abgewälzt werden, die den Nutzen des billigen Wasserverkehrs vorwie­gend genießen, die Großbetriebe. Die Schiff­fahrtsabgaben bedeuten sonach keine neue Be­lastung der Gesamtheit, sondern vielmehr eine Entlastung derselben. Die neuerdings geschaf­fenen Zoll- und Tarifverhältnisse (Ausfuhrver­gütung für Körner und Ausnahmetarife für Ex- portgüter) begünstigen den Abfluß des deutschen Getreides nach dem Auslande, wodurch bei uns Mangel und Teuerung entsteht. Das Inland ist zurzeit von Getreide stark entblößt. Die Ver­sammlung beantragt daher, die Zoll- und Tarif­verhältnisse baldigst einer Neuordnung zu unter­ziehen, damit nicht eine schwere Schädigung und Gefährdung der Volksernährung eintritt. Der Vorstand wurde beauftragt: 1. Ein Gesuch um die Ausfuhrverbote von Reinigungsabfällen an maßgebender Stelle einzureichen, unter Zu­grundelegung der durch die Lieferung verschmutz­ten Getreides verursachten Uebelstände. 2. Den vereinigten Müllern und Innungen dringend zu empfehlen, beim Abschließen eines Einkaufs den Lieferanten gleich darauf aufmerksam zu machen, daß die Ware rein zu liefern ist, auf den Endstationen aber unreine Ware sofort zu be­anstanden und denjenigen Getreide-Importeur, der in wiederholten Fällen unreine Ware lie­fert, ganz auszuschalten. Die Versammlung be­auftragt den Vorstand des Deutschen Müller- bundes, beim Bundesrate und den Ministerien

Pia hört still zu. Ihrem aufmerksamen Ohr erscheint es, als sei die Lustigkeit des Vaters heute etwas forciert, als spräche noch etwas anderes aus ihm als die gewohnte Wirkung des Elixiers.

Woher kennst Du den Fürsten Torlonia, Vater?" fragte sie ernst.

Von Damaskus her!"

Dort war et Dein Freund?"

Ja."

Wann?" '

Du warst damals noch ganz klein kaum drei Jahre."

Und später habt ihr euch nicht mehr ge­sehen?"

Nein. Bis gestern nie wieder."

Merkwürdig. Und er ist doch Dein Freund, Vater?"

Leise lacht der Mann auf ein irres, un­heimliches Lachen, das dem jungen Mädchen in die Seele schneidet.

Freund? . . . Hm' das könnt' ich nicht behaupten. Bis gestern waren wir Feinde Todfeinde. Aber heute? . . . Hm heute sind wir keine Feinde mehr. Eher Verbündete. So was wie Kompagnons . . . Das verstehst Du nicht, Kleine, wie?"

Pia schüttelt den Kopf. Die Kehle ist ihr wie zugeschnürt.

Ist auch besser, Du verstehst es nicht. Es geschah ja alles nur für Dich, mein Kind, damit Du nicht im Elend und in der Misere des Lebens untergehst!"

Und wieder jenes leise, irre Lachen, das Pia noch nie bei ihrem Vater vernommen.

Sie steht auf. Wie schon so oft, legt sie auch heute ihre kühle Hand auf die heiße Stirn des Vaters, bis die gewohnte, wohltuende Wirkung eintritt, bis der Arme nach und nach aus t>em Traumlande der goldenen Visionen und schillern­den Phantasten hinüberschlummert in das Reich des tiefen Schlafes,

des Innern der Einzelstaaten vorstellig zu wer­den, den zollfreien Erenzverkehr dahin zu be­schränken, daß nur von jeder Familie einmal in der Woche 3 kg Mehl und Brot frei eingeführt werden können und die Crenzbehörden Anwei­sung erhalten, solche Karten auszugeben, die fr 52 Wochen eingeteilt sind. Diese Karten ver­lieren nach Ausnutzung ihre Gültigkeit und dür­fen auf dasselbe Jahr nicht ergänzt werden.

Der Ertrag der Wechselftempelsteuer. Amtlicher Nachweisung nach hat die Einnahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reiche für den Monat Mai 1403 400,80 betragen. Für die Zeit vom 1. April bis zum Schlüsse des Monats Mai d. I. betrug die Einnahme an Wechselstempelsteuer 2 575371,10 oder 272 347,40 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Polnische Bescheidenheit. Immer neue Beweise geben die Polen dafür, wie ihnen in letzter Zeit der Kamm gewachsen ist. So hält die polnische Kaufmannschaft demnächst einen allge­meinen polnischen Kaufmannstag in Gnesen ab, auf dem ein höchst bezeichnender Antrag zum Beschluß erhoben werden soll. Man ge­denkt nämlich zu beschließen, daß fortan alle polnischen Kaufleute von den deutschen Firmen polnische Korrespondenz und polnisch sprechende Reisende verlangen sollen. Die Begründung, die man dieser Forderung gibt, kennzeichnet vor­züglich die Hoffnungen, die auf polnischer Seite an die Durchführung des Beschlusses geknüpft werden. Würden nämlich die deutschen Kauf­leute dem nachkommen, so wäre die unumgäng­liche Folge, daß vielmehr junge polnische Kauf­leute angestellt werden müßten. Diese erhielten somit eine recht vorteilhafte und einträgliche Stellung, könnten sich in einigen Jahren eine ansehnliche Summe zurücklegen und bann mit dem auf deutsche Kosten erworbenen (Selbe in der polnischen Kaufmannschaft eine bedeutende Rolle spielen. Das natürliche Ergebnis wäre also eine erneute Hebung der polnischen Kauf­mannschaft. Man sieht, der Pole rechnet gut, wir hoffen aber, er verrechnet sich diesmal gründlich. Wir rechnen daraus, daß eine deutsche Antwort nicht ausbleiben und die polnische An­maßung von deutscher Seite gebührend zurück- gewiesen wirb. J

Koloniales. Veterinärrat Nickmann, der bisherige Chef bes Veterinärwesens in Südwestafrika,unserer landwirtschaftlich wichtig­sten Kolonie, wird ausGesundheitsrücksichlen auf den von ihm mehr als zwölf Jahre versehene« Posten nicht zurückkehren. Ueber seinen Nach­folger verlautet noch nichts. Wie dieBerl. Tierärztl. Wochenschr." hierzu vernimmt, solle« außer dem Amt bes Chefs mehrere Ober­tierarztstellen geschaffen werben. Für eine ist Dr. Holland, bisher Repetitor am bakteriologischen Institut ber Berliner Tier, ärztlichen Hochschule, in Aussicht genommen. Das Fachorgan empfiehlt bringend, in die neu- gebilbete militärische Abteilung bes Reichs- kolonialamts neben bett beiden Sanitätsoffi.

Jetzt erst zieht Pia ihre Hand fort. Sorg, fam breitet sie eine wollene Decke über die Kn» des Schläfers, schiebt ihm ein Kissen in beit Rücken und bettet bas weiße Haupt mit den ge- schlossenen, eingesunkenen Augen weich.

Dann begibt sie sich zur Ruhe, ben geliebten Vater seinem Schlummer überlassend.

Und langsam, ganz langsam finden die bösen Dämonen dieses gequälten Erdendaseins sich wieder ein und stellen sich auf neben dem müden Schläfer, um ihn morgen mit ihren grausige« Fratzen von neuem anzugrinsen: der Haß, bi< Verzweiflung, der Wahnsinn.

6.

Tage vergehen. .,. . Und auch Wochen. . »< Unaufhaltsam tut die Zeit ihre Pflicht. Dem einen reicht sie den Becher der Freude, dem andern ben Kelch der Trauer; ben einen schenkt sie bem Leben wieder, den anderen bettet sie in die kühle Erde; den einen überschüttet sie mit Reichtum und Glück, den anderen stößt sie in Schande und Verzweiflung.

In der Vila Helios auf Capri ist alles Jubel und Sonnenschein. Handwerker und Sckmeider, Putzmacherinnen und Kammerzofe sie alle huschen die breiten Marmortreppen auf und «lieber, um bie bevorstehenbe Hochzeit bet jungen Marchesina Margoni so glänzend wie irgend möglich zu gestalten.

Und durch all biesen Wirrwarr, biesen Jubel unb Trubel schwebt gleich einer Lichtgestalt aus einer onberen Welt bas graziöse blonde Ge­schöpf, das sich demnächst vor dem Altar dem Manne seiner Wahl zu eigen geben will, das berufen ist, in Kürze einen der stolzesten Namen Italiens zu tragen.

Ja, Angelina ist überglücklich. In ihrem romantischen, weltunerfahrenen Köpfchen tront der Geliebte als ein Heros, wie es kaum einen zweiten gibt.

''ü (Fortsetzung folgtj^