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Darauf chknzuweisen, welche Dienste die erste Konferenz schon der Sache des Friedens und des Hechts geleistet hat. Die Anerkennung des Grundsatzes der Schiedsgerichte habe zu der Ge­neigtheit geführt, solche einzuberufen. Seit 1893 feien 33 Schiedsgerichtsverträge abgeschloffen, vier ernste und verwickelte Fragen, die geeignet gewesen, Störungen in den Beziehungen von Mächten zu schaffen, seien dem Haager Schied», gerichtshof unterbreitet worden.. Sogar ein un­geheuer ernster Fall sei von ihm verhandelt worden. Diese Erfolge mühten die Konferenzteil­nehmer ermutigen, das Werk fortzusetzen. Die Freunde der Zivilisation verfolgten den Fort­schritt der Einrichtungen der ersten Konferenz mit Aufmerksamkeit. Carnegie habe sogar ein Vermögen dargebracht, um den Friedenspalast zu schaffen, aber immerhin seien die Betriebs­mittel der Friedenskonferenz beschränkt. Die Völker seien, wie die Individuen, lebende We­sen und wenn im täglichen Leben die Organe der Rechtspflege Zwistigkeiten, Streitigkeiten' und Gewalttätigkeiten nicht zu verhindern ver­möchten. so sei cs ebenso unter den Völkern. Man dürfe nicht vergeffen, daß es eine Reihe von Fällen gibt, wo Würde und wesentliche Jnter- kffen auf dem Spiel stehen, im Leben der Jndi- oiduen sowohl wie im Leben der Völker, und wo biere keine andere Autorität würden anerkennen wollen, als die des eigenen Empfindens und ihres persönlichen Gefühls. Das dürfe aber den den Menschenfreunden nicht den Mut nehmen, auf den Weltfrieden zu sinnen. Man werde wei­ter arbeiten an dem Werke, erleuchtet von dem glänzenden Stern des Welffriedcns, der die Konferenz zum Wohl der Menschheit leiten möge.

Deutsches Reich.

Der Kaiser fuhr am Sonnabend früh I Ahr im Sonderzuge von Homburg v. d. H. nach Hamburg. Zum Abschiede hatten sich auf dem Bahnhofe eingesunden: der Regierungs­präsident Dr. v. Meister, der Landrat Dr. Ritter von Marx, der Oberbürgermeister Masi und Geh. Raurat Jacobi. In Hamburg ist der Kaiser am gestrigen Sonntag füh 7 Ahr einge­troffen. Zum Empfange waren auf dem Damm­torbahnhofe erschienen: beide Bürgermeister, Dr. Stammann und Dr. Mönckeberg und der preu­ßische Gesandte Freiherr v. Heyking. Der Kai­ser, welcher Marineuniform trug, begrüßte die Herren überaus freundlich. Mit dem Kaiser tra­fen die Herren ein, welche sich während der Kieler Woche im Gefolge befinde» werden. Der Kaiser begab sich unter den Hockrufen des Publikums im Automobil nach der St. Pauli- Landungsbrücke und schiffte sich auf dieHohen- joflent" ein. Das Begleitschiff, der kleine KreuzerKönigsberg" feuerte Salut. Der Kai­ser besichtigte dieHohenzollern,,, insbesondere vie umgcbauten Teile, nahm die Meldung der Kommandanten der Begleitschiffe ...Königsberg" undEleipner" entgegen und empfing den aus England zurückgekehrten Freiherrn v. Reischach. Um 10 Ahr hielt der Kaiser auf derHohen- joffetn" Gottesdienst ab, an welchem sich auch die beiden Bürgermeister, Senator Burchard und Gesandter v. Heyking beteiligten.

Kaiserliches Glückwunschtelegramm. Der Kaiser hat an den Staatssekretär des Reichs- marineamts, Admiral von Tirpitz, fol- Mdes Telegramm gerichtet:

Homburg v. d. Höhe, Schloß, 14. Juni.

Heute vor zehn Jahren habe ich Sie zum Staatssekretär des Reichsmarincamts ernannt. Jie Hoffnungen, die ich damals auf Sic gesetzt jatte, sind in reichem Mabe erfüllt worden. Das erkenne ich wiederum dankbarst an und knüpfe daran den Wunsch, daß Sie noch viele Jahrs in gleicher Arbeitsfrische und mit gleichem Erfolge wie bisher Ihres verantwortungsvollen Amtes walten mögen. Wilhelm I. R.

Mahnung zum konfessionelle» Friede«. Berlin, 15. Juni. DieTägl. Rundschau" meldet: Der Reichskanzler habe auf das an den Kaiser gerichtete Huldigungstelegramm des antiultramontanen Reichsverbandes von deffen Eisenacher Delegiertentage an den Vorsitzenden des Verbandes, Admiral von Knorr, folgendes Antworttelegramm gesandt:Se. Majestät der Kaiser und König beauftragen mich, Sr. Ex­zellenz für die patriotischen Begrüsiungen des gegründeten Verbandes Seinen Allerhöchsten Dank zu übermitteln. Ce. Majestät hoffen, daß der Verband, der sich gegen eine Vermischung von Religion und Politik wendet, in den eige­nen Reihen diesem Irrtum keinen Raum geben und nicht vergessen wird, daß eine Besserung unserer politischen Verhältnisse nur auf der Basis der Parität der Konfessionen mög­lich ist."

Der Kaiser über die Spieleraffäre i« Hannover. Der Kaiser hat bei seiner Anwesen­heit in Hannover am Mittwoch nach der Besich­tigung des Königsulanenregiments auf der Vahrenwalder Heide bezüglich der Spieler­affäre an der Reitschule an die zu diesem Insti­tut kommandierten Offiziere eine Ansprache gehalten, in der er auf eine ähnliche»e Bezug uthm und die Umgehung des Spiel­verbots scharf verurteilte. Der Kai­ser wies darauf auf ein imJahre 1806 von einem Preußischen General geschriebenes Buch hin, das das Spiel in Offizierskreisen behandelt und scharf tadelt. Wie sehr dem Kaiser die Spieler­affäre mißfällt, ist daraus zu ersehen, daß die deteiligten Gardeoffiziere sämtlich ohne Unter­schied in andere Kavallerie-Regimenter versetzt werden sollen. Das energische Vorgehen bes Kommandeurs der Reitschule Generalleutnants von Festenberg-Packisch scheint, nach Mitteilung sichrerer Blätter die vollste Billigung bei Kaiser« gefunden zu haben- denn er unter­hielt sich mit dem Kommandeur auf bem Lefichttgungsfelde längere Zeit und schieb von khm mit freundlichem Händedruck.

H Seneralfelbmarschall wt -ahnt» hat mit Wgr preußisch« Osfi-iersahorbnung der Wüt»

hüllung des Denkmals für de« Herzog von Cambridge beigewohnt.

Dernburg an die deutschen Frauen. Bei einem Wohltätigkeitsfeste, daß der neugegrün- dete Kolonial-Frauenbund am Freitag veran­staltete, hielt Kolonialsekretär Dernburg eine Webe, in bet et hervorhob, daß wir neben un­seren bolonialpolitischen und kolonialwirtschaft­lichen Pionieren auch Träger ideeller Kultur in unseren Schutzgebieten brauchten. Za diesen ge­hörten vor allem die deutschen Frauen. Wir müßten daher vor allem Sorge dafür tragen, daß viel mehr deutsche Frauen in, unser Schutz­gebiet hinausgehen. Die Lösung dieser Aufgabe hat sich der genannte Bund in erster Linie zur Aufgabe gemacht.

Reuet englischer Besuch. London, 16. Juni. Der Lordmayor hat mit seinem Gefolge am 15. Juni abends die Reise nach Berlin an­getreten. In einem Interview vor der Abreise gab der Lordmayor, wie Reuter« Bureau mel­det, der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch nicht nur dazu beitragen werde, die Freundschaft zwi­schen den Bürgern von London und Berlin zu befestigen, sondern auch kommerzielle Bedeutung haben werde, da er und sein Gefolge beabsich­tigten, die Eeschäftsmethoden Deutschlands zu studieren.

Dank für Liebesgaben. Der Kommandeur der Schutztruppen für Südwestafrika, Oberstleut­nant v. Efiorff. hat an den kaiserlichen Kom­mandeur und Militär-Inspekteur ber freiwilli­gen Krankenpflege, Fürsten Solms, ein Dank­schreiben folgenden Inhalts gerichtet:

Eure Durchlaucht bitte ich im Namen der Schutztruppe für Südwestafrika allen Spendern von Liebesgaben im Laufe des verflossenen Ausstandes auszusprechen, in welch hohem Grade sie sich deren Dank erworben haben. Die Gaben waren überaus reichlich, meist von ausgefich- neter Beschaffenheit, den Bedürfnissen einer Truppe im Felde angepaßt, alle zeugten von warmer Teilnahme für diese. Das Gefühl, so viel teilnehmende Liebe in der alten Heimat zu besitzen, hat neben den Gaben gewiß dazu bei­getragen, die Trupve bis zum Ende bet gutem Mut zu erhalten. Ich bitte, auch den Mitglie­dern der freiwilligen Krankenpflege f ür ihre treuen und aufopfernden Dienste bier den Dank der Truppe aussprechen zu dürfen."

Ein SMiährges EtadtiubilSam. Die an- haltische Kreisstadt Zerbst begeht am heutigen Montag eine doppelte Jubelfeier: 900 Jahre sind verflossen, seitdem die Stadt zum ersten Male in der Gesckichte erwähnt worden ist und zum 600. Male fährt es sich, seit sie unter der Herrschaft des Askanierhauses steht.

Hardens Rückzieher. Der Herausgeber derZukunft., M. Harden ist heute in dem Er- mittlunasverfahren, das Fürst Eulenburg gegen sich selbst beantragt hat, vernommen und hat sich so geäußert, wie der letzte Artikel derZukunft" es vermuten ließ . Er habe dem Fürsten E. nie­mals strafbare Handlungen nachgesagt, nenne im übrigen seinen Gewährsmann nicht und ver­weigere weitere Aussagen, weil die Möglichkeit gegeben sei, daß er als Zeuge Punkte berühren müsse, deren Darlegung ihm die Gefahr straf­rechtlicher Verfolgung zuziehen würde.

Verbandstage. Dresden, 16. Juni. In der gestern Mittag in Verbindung mit dem Delegiertentage eröffneten Eeneralervcrsamm- lung der Pensionsanstalt deutscher Journaliststen und Schrift st eilet führte Direktor Wentzel-Berlin den Vorsitz. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Dr. Steinbach-Wien gewählt. Nach Erledigung des die günstige Ent­wicklung der Pensionsanstalt aufweisenden Ge­schäftsberichts erfolgte in Angliederung an die Anstalt die Gründung einer Witwen- und Wai- ssnkasse. Stuttgart, 15. Juni. Der Ver­bandstag der deutschen Berufsfeuet- wehren wählte Königsberg i. Pr. als Ort des nächsten Verbandstages.

Ergänzung des viehsruchengesetzes. Wie aus Berlin berichtet wird, ist in den Ausschüssen des Bundesrates eine Novelle zum Reichsgesetz zur Bekämpfung der Viehseuchen soweit geför­dert worden, daß die Verabschiedung des Ent­wurfes im Plenum des Bundesrates noch vor den Ferien zu erwarten ist. Es wird daher auch diese Novelle zu den Gesetzesvorlagen gehören, welche der Reichstag bei seinem Zusammentritt im November zur Beratung vorfindet.

Amerikanische Konserve«. Aus N e w y o t k wird der .Deutschen Tageszt." berichtet, daß nach dem letzten Monatsberichte des amerikani­schen Gesundheitsamtes dis Gesetze, die die Fleischkonservenfabrikanten dazu zwingen soll­ten, keine minderwertige Ware zu verarbeiten und bei der Herstellung die chemischen Verfahren auszuschalten, ohne praktischen Erfolg geblieben sind. Aus den Feststellungen der amtlichen Aerzte geht hervor, daß unter den 154 Proben von Büchsenfleisch, die zur Untersuchung kamen, nicht eine einzige sich befand, die den An­forderungen der anläßlich des vorjährigen großen Fleisch-Skandals geschaffenen Gesetze ent­spricht. Fast alle Proben ergaben, daß die Büchsenfleisch-Fabrikanten ihren altenbewähr­ten" Gepflogenheiten treu geblieben sind und nach wie vor mit dem Verkauf von Konserven fortsahren, in denen Abfälle und bereits in Verderbnis übergegangenes Fleisch verarbeitet stnd. Auch die chemischen Verfahren find beibe­halten worden. Diese amtlichen Mitteilungen haben im amerikanischen Publikum wieder leb­hafte Erbitterung gegen die Fabrikanten her­vorgerufen.

Ausland.

----- Sufliffuug der russischen Reichsbuma. 61. Petersburg, 16. Juni. Durch kaiserlichen Ukas an beit Senat vom 16. Juni ordnet der Kaiser an, die Duma aufzulösen und die neuen Wahlen ab 14. September anzusetzen und als Zetflmnkt die Einberufung der Duma den 14. November 1907 festzusetzen. Außerdem wird heute ein kaiserliches Manifest u>.h ein neues Wahlgesetz veröffentlicht. Wie weiter au« bet russischen Hauptstadt gemeldet wird, herrschte Sestern Nachmittag daselbst vollkommene Ruhe.

An allen Mauerecken ist dar kaiserliche Manifest und das Auflösungsdekret angeschlagen.Kaval­lerie- und Jnfanteriepatrouillen durchziehen die Straßen. 1

Unbotmäßigkeiten in einem fraazöfischen Infanterieregiment. Perpignan, 15. Juni. Im 12. Infanterieregiment ist es heute zu Zwi­schenfällen gekommen. Gestern war allen Mann- < schäften die darum baten, Urlaub für Sonntag erteilt worden. Heute früh wurden die Urlaubs­bewilligungen auf 10 bei jeder Kompagnie ver­mindert. Als die Urlauber heute Nachmittag die Kaserne verließen, versammelten sich die Mannschaften des Regiments fast vollzählig am Eingang der Kaserne und veranstalteten eine lärmende Kundgebung. Dabei wurde die Inter­nationale gesungen. Der sofott benachrichttgte Oberst kam nach bet Kaserne, um die Ruhe wie­der herzustellen. Dabei war er Ungehöttgkeiten seitens der Mannschaften ausgesetzt.

Marburg und Umgrgend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß | 18 bei Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe

.Oberheff. Ltg." gestattet)'

Marburg, 17. Juni.

* Zur Weckung des kolonialen Interesses in akademischen Kreisen wurde auf der außer­ordentlichen Generalversammlung der hiesigen Abteilung der Deutschen Kolonialge­sellschaft, über welche wir schon berichteten, der Vorschlag gemacht, zwecks Gewinnung korpo- rattver Mitglieder künftig an studentische Ver- tietet die Einladung zu richten, Vertreter zu den Hauptversammlungen der Deutschen Kolo- nialgesellschast zu entsenden. Dabei wurde da­rauf hingewiesen, daß bisher von den national­gesinnten akademischen Verbänden einzig die deutsche Burschenschaft auf diesen Tag­ungen vertreten gewesen ist.

)( Reichsbank. Die hiesige Reichsbankneben­stelle siedelt am 1. Oktober b. I. von ihrem bis- hettgen Domizil auf der Bahnhofstraße in das Haus des Herrn Wilh. Weishaupt, Ecke der Sie» genstraße über.

* Bedarf an Unteroffizieren. Die Inspektion der Infanterie-Schulen hat noch für die dies­jährige Herbsteinstellung einen erheblichen Be­darf an Unteroffizier-Schülern. Junge Leute zwischen 17 und 20 Jahren, welche bei Unter­offizier-Schulen freiwillig eintreten wollen, kön­nen sich beim Bezirks-Kommando melden und dott di« näheren Bestimmungen hierüber ein» sehen.

* Sammlung für Südwestafrika. Nach dem Deutschen Reichs- und Königlich Preußischen Staatsanzeiger find bei der Hauptsammelstelle der freiwilligen Krankenpflege in Hamburg für das Südwestafrikanische Expeditionskorps in der Zeit vom 15. Februar bis 15. Mai d. I. die nach­stehend aufgrführten Liebesgaben eingegangen, nämlich: 4 Kisten Liebesgaben vom Alldeutschen Verband Höchst a. M., 1 Kiste Liebesgaben von den Vaterländischen Frauenvereinen Hofgeis­mar, Bebra, Cassel, 4 Kisten Wein von August Engel, Wiesbaden, 5 Kisten Liebesgaben vom Bezirksverein des Vaterländischen Frauenver­eins, Wiesbaden, 2 Kisten Zelte von Salzmann, Cassel, 1 Paket Liebesgaben vom Zweigverein vom Roten Kreuz, Nassau a. L. Ferner wird anheimgestellt, mit dieser Veröffentlichung die Bitte um weitere freiwillige Gaben zu verbin­den, da hierzu auch nach Proklamation des Frie­denszustandes für die Schutztruppe in Südwest- afrika ein Bedürfnis vorliegt. Das Kaiserliche Gouvernement in Windhuk ist angewiesen, für Truppenangehörige bestimmte freiwillige Gaben bis zum Ablauf des Jahres 1907 zollfrei und frei von jeder zollamtlichen Behandlung ein- gehen zu lassen.

* Schutztrnpxe für Deutsch-Südwestafrika. Rach den Mitteilungen des Reichskolonialamts werden den ehemaligen Angehörigen der Schutz­truppe für Deutsch-Südwestafrika nachstehende Vergünstigungen gewährt: 1. Den ausgeschiede­nen Schutztruppen-Angehörigen wird, falls sie auf Heimbeförderung verzichten oder fich ver­pflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben, das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihilfe ge­zahlt. 2. Ausgeschiedene Schutztruppen-Ange- hörige werden beim Kaufe von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 dl nach­weisen können. 3. Diejenigen ausgedienten Schutztruppen-Angehörigen, welche auf eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Dar­lehen bis zum Höchstbetrage von 6000 dl bewil­ligt erhalten und finden hierbei gegenüber an­deren Bewerbern in erster Linie Berücksich­tigung. Auf diese Vergünstigungen besteht ein rechtsverbindlicher Anspruch nicht. Meldungen für die Schutztruppe werden umgehend noch auf dem hiesigen Bezirkskommando entgegen ge­nommen.

)( Kürassier-Konzert. Der heute Abend im Museumsgatten konzertierenden Kürassier-Ka­pelle geht ein sehr guter Ruf voraus und dürfte deshalb jedem Mufiffreund der Besuch des Kon- zetts empfohlen sein. Die Kürassiere treten in Parade-Uniform auf.

)( Jahresfest. Gestern hielten die Ober- hesfischen Jungfrauen-Vereine in üblicher Weise hier ihr Jahresfest ab. Außer den beiden hiesi­gen "Zunsfrauen-Bereinen hatten sich hierzu ein» funden diejenigen von Kirchhain, Wetter, Schweinsberg, Ockershausen, Homberg, Holz­hausen, Halsdorf, Münchhausen, Ernsthausen und Schönstadt. Bei dem Festgottesdienst, bet nachmittags in bet lutherischen Kirche stattfand, hielt Mttropolitan Soldan»Kirchhain die Pre- bagf. Nachher begaben sich sämtliche Festteilneh­mer in ben großen Museumssaal. Nach einem gemeinsamen Gesang und bem Vortrag eines Begrüßungsgeificht« sprach hier zunächst Pfarrer

Heermann, wahrend Pfarrer D. Eardemann* Cassel später die eigentliche Festrede hielt. Die Zwischenpausen wurden durch gemeinsame Ge­sänge und Einzelvotträge der Jungftauen-Chöre in angenehmer Weise ausgefüllt. Die Schluß­ansprache hielt Pfarrer a. D. Fliedner. Jeden­falls nahm das Fest einen in jeder Beziehung schönen Verlauf.

* Königlich Preußische Lotterie. Im Interesse der Spieler sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Erneuerungsfrist zur Abhebung der Lose 1. Klasse 217. Lotterie bereits Mittwoch, den 19. Juni, abends 8 Uhr, abläuft.

# Keramische Ausstellung im Berliner Kunst­gewerbemuseum. In seinen vorderen Schau- sälen hat das Kgl. Kunstgewerbemuseum eine Sonderausstellung deutscher Stein« zeug- und Töpferwaren der Gegen­wart eröffnet, die von 33 Werkstätten, Künst­lern und Fachschulen beschickt ist. Von den verschiedenen Arten der Keramik sind in Deutschland bodenständig die Töpferarbeit und die Herstellung von Steinzeug. Die Majolika haben von den Italienern übernommen, die Fayence von den Hol­ländern; das Porzellan haben die Chinesen er­funden, das Steingut die Engländer. Aber ihren TLpferton haben die Deutschen von altersher auf eigene Art geformt und verziert, und das deutsche Steinzeug hat einst von dem Rheinlands aus weithin den Markt beherrscht usw. Die Töpferwaren von Marburg, wo allein 40-145 Werkstätten früher bestanden, war Hauptexvortplatz auch für Südfrankreich, Hol­land, Belgien und Oesterreich, Holstein und Dänemark. Das Töpfergeschirr hat in Technik und Form manche alte Tradition fest. Der rötliche, poröse Ton trägt unter der blanken Bleiglasur oft weißen oder farbigen Begnß und -einfache Ornamente, geritzt, aufgelegt oder mit der Gietzbüchse aufgetropft. In den bescheidenen Erfindungen dieses soaenannten Bauernaeickiirs hat fich ein letzter Rest gesunder keramischer Handwettskunst gerettet, ben wir erhalten und zeitgemäß weiterbilden sollten. Das deutsche Steinzeug mit feinen wetterfesten, hartgesinter­ten Scherben trug einst nur die leichte Salz­alasur aus ben Dämpfen bes Kochsalzes, das man in den Ofen streute. Heute kennt es neue, reiche Hilfsmittel. Nach dem Vorgang der Ja­paner und neuerer Pariser Künstler weiß man auf das Steinzeug leuchtende Glasuren zu schmelzen, die durch die Metalloxide gefärbt sind und im Brande durch Absicht oder Zufall vieler­lei Formen und Töne ergeben. Seit einem Jahr« zehnt bemühen sich deutsche Handwerker,, Künst­ler und Techniker an vielen Orten, mit bett neuen Mitteln Ziervasen, Gebrauchsaeräte, Fi- guten unb wetterfesten, farbigen Bauschmuck, Fliesen und plastische Stücke, herzustellen, Ihre ernste Arbeit verdient die Teilnahme weiter

Die hauptsächlichsten Aussteller find fob genbe: 1. Alte Irdenware aus Marburg sHessen), Heimburg bei Thun (Schweizs u. a. Orten. Aus ben Beständen des Kgl. Kunftge- werbe-Museums. 2. Ludwig Schneider, Hoflieferant, Marburg in Hessen. 3 ^rau Elisabeth Schmidt-Peckt sKunstgewerbliche An­stalt I. A. Pecht), Konstanz. 4. Profi Max Länger, Kunsttopferrien, Karlsruhe i. S. o. Kgl. bayrische keramische Fachschule in Landshut in Bayern, Direktor Hermann Haas. 6. Keramvche Fachklasse der 2. Handwerkerschtile in BettiN, Direktor Tradt. Lehrer Prof. Th. Schmuz-Bau- diß 7 F. B Selle, kunstgewerbliche Erzeug» nisse, Leipzig. 8. Otto Beyer, Töpfermeister, Bürgel t. Th. 9. Franz Eberstein, Tovfermerster, Bürgel i Tb. 10. Mörkelbach und Wick, Stern- zeugfabrik, Erenzhausen. 11. Kal.

keramische Fachschule in Höbr. Direktor Meister. 12 Reinhold Merkelbach, Erenzhausen (Ent- würfe von Rickard Riemersckmid. Münchens. 13. Kgl. preußische Fachschule in Bunzlau. Di­rektor Dr. W. Pnkall. 14. Villeron und Vock, Mettlach und Berlin. Kurstr. 31. 15. Prof

Scharvogel, Groh, keramisch? Manufaktur, Darmstadt. 16. Lebr- und Versuchswerkstätte der Kgl württembergischen Kunstgewerbeschule in Stuttgart. Lehrer Prof. Hans von Herder. 17 Keramische Fachklasse der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg, ausge­führt in den Brauntöpfereien in Görzke, Lehrer Fritz von Heider. 18. Klara Lobedan und Hil­degard Lehnert, Berlin. 19. Keramische Kuirst- werstätten Richard Mutz, Berlin, Potsdamer­straße 131.

) ( Zugverspätung. Der gestern Abend in der Richtung von Cassel nach Marburg fahrende Personenzug, welcher Uhr in Marburg ein» treffen mußte, kam infolge eines Maschinen- defekts mit einer halben Stunde Verspätung an.

)( Eewerbegericht. Die Vereidigung und Auslosung der neugewählten Gewerbegerichts­beisitzer wurde heute Morgen auf dem Rathaufe vorgenommen. Gleich darauf fand die erste Sitz­ung statt, in welcher die Klage eines Konditor­gehilfen gegen einen Konditoreibefitzer auf Lohnentschädigung abgewiesen wurde, da Kläger die Arbeit vor Ablauf der Kündigung verlassen und hierzu einen gesetzlicher Grund nicht bei» bringen konnte.

* Prämiierung von Erfindungen in der Eisenbahnverwaltung. Für das abgelaufene Etatsjahr haben aus den im Etat der Staats» eifenbabnverwaltung zur Prämiierung nütz­licher Erfindungen vorgesehenen Mitteln 45 Beamten unb Arbeitern ber Eisenbahnrsrwal- tung Belohnungen im Gesamtbeträge von 15 000 Mark für Erfindungen und Verbesserun­gen, die für die Erhöhung der Betriebssickerheit oder in wittschaftlicher Beziehung von Bedeu­tung find, bewilligt werden können.

i Wittelsberg, 16. Juni. Mit welcher Fin-, bigleit die Post arbeitet, zeigt folgender ^Vor­fall: Ein Brief aus Amerika, welcher an Herrn Johs. Kiefer, Kreis Marburg, adressiert war, wurde doch an die richtige Adresse gbracht. Der Adressat war nämlich von der Post in Wittels- berg ermittelt worden.