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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marbmg und Kirchhain. -
Sormtaasbeilaaer Alluttrirtes GovvtaäSdlätß. ' ____________________________
'' Erschrint wöchmtllch sieben mal.
Druck und Verlag- Zoh. Slug. «och, UnivrrsitätSÄuchdruckerei 42. JühkA.
Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Eröffnung der Haager Konferenz.
Acht Jahre lang hat sich die Welt bis zur groetten Haager Konferenz gedulden müssen. Die Pariser Seerechtskonferenz liegt über fünfzig Jahre zurück, die Genfer Konvention wurde am 22. August 1864 abgeschlossen; seitdem haben bis zur ersten internationalen Konferenz im Haag völkerrechtliche Fragen vielfach die Oeffentlichkeit beschäftigt, zu praktischen Ergebnifftn ist es aber nur in sehr bescheidenem Umfang«'gekommen.
Also — Geduld muß bei dem Werke sein. Ist aber das Werk selbst gut und nützlich? Auch die erste Tagung im Haag hat eine befriedigende Lösung oder auch nur eine nennenswerte Förderung der großen Probleme der Friedensarbeit nicht zu geben vermocht. Kaum besser sind die Aussichten der zweiten Konferenz. Die leitenden Staatsmänner aller Länder, Großbritannien nicht ausgenommen, haben sich dahin geäußert, daß für einen praktischen Erfolg der Bestrebungen, die unter dem Begriff der A b r ii st- ungsidee verstanden werden, gegenwärtig noch nahezu jede Voraussetzung fehlt. Und man darf, ohne dem unbefangenen Beobachter etwas Neues zu sagen, hinzufügen: diese Voraussetzungen werden fehlen, solange Staatenbildung und Menschheitsentwicklung in den bisherigen Bahnen bleiben. Staaten und Völker aber aus diesen Bahnen gewaltsam heraus und in neue Gedanken- und Vetätigungskreise hinüber drängen zu wollen, wäre ein Vorhaben dessen Gelingen zunächst im höchsten Grade zweifelhaft erscheinen müßte, dessen Verwirklichung aber die Freunde einer solchen Idee höchst wahrscheinlich selbst nicht befriedigen würde. Die zivilisierte Welt weiß, was sie de mReben einander, vielleicht noch mehr dem Gegeneinander d e r S t a a t e n unb der National i t ä t e n zu verdanken hat und was der heutige Zustand für den Fortschritt und die Tüchtigkeit der Menschheit bedeutet. Sie weiß aber nicht, was eine Zukunft, die im Sinne der von einem ewigen Friedenstag Träumenden gestaltet wäre, ihr bringen würde.
Die Rüstungen zu Lande und zu Wasser werden von keinem Einsichtigen als Bedrohung des Friedens verstanden. Sie find und wollen nichts anders sein als eine Versicherung gegen den Kriegsfall. Ihre Abschaffung und ebenso ihre willkürliche Beschränkung würde eine der höchsten Bürgschaften, vielleicht die hochste Bürgschaft für die Erhaltung des Friedens beseitigen. Jetzt haben die Völker an ihrer Waffenrüstung zu tragen, jetzt wissen sie, welche ungeheuren Werte Heer und Flotte darstellen, wissen, was ein
an der ersten Friedenskonferenz im Jahre 1899 nur 28 Staaten beteiligten. Die Konferenz, die im Haag in dem großen Rittersaale des Parlamentsgebäudes tagt, wurde nachmittags 3 Uhr durch den holländischen Minister des Aeußeren, Jonkher van Teets van Eoudriaan eröffnet, welcher die Versammlung im Namen der Königin der Niederlande willkommen hieß um alsdann im Auftrage der niederländischen Regierung den Kaiser von Rußland, der die Initiative zu dieser Konferenz ergriffen, hierfür aufrichtigsten Dank auszusprechen. Desgleichen gebühre Dank dem Präsidenten Roosevelt, der in hohem Maße dazu beigetragen habe, das Samenkorn des Friedensgedankens aufgehen zu lassen.
Die Ergebnisse der Arbeiten der ersten Friedenskonferenz seien Gegenstand scharfer Kritik gewesen. Diese Urteile, sowie die Ereignisse, die eingetreten seien und die einigen pessimistischen Geistern zufolge den Beweis von der Unfruchtbarkeit der Bemühungen dieser Konferenz geliefert haben sollen, hätten den Lauf der Meinungen, die sich zu Gunsten des Werkes der Verhandlungen von 1899 gebildet hatten, nicht ernstlich geschwächt. Der beste Beweis dafür, daß die Völker und ihre Regierungen weit davon entfernt, sich um diesen Lauf der öffentlichen Meinung nicht zu kümmern, vielmehr seinem Einflüsse sich unterwerfen, scheine ihm die Bereitwilligkeit zu sein, mit welcher die Mächte der an sie ergangenen Einladung Folge geleistet haben. Diese sozusagen einstimmige günstige Aufnahme erscheine ihm als ein gutes Vorzeichen. Er sehe darin ein Anzeichen, welches die Hoffnung zu rechtfertigen scheine, daß die Konferenz, die heute mit ihren Arbeiten beginne, eine Etappe bezeichnen werde auf dem Wege, der zu dem zu erstrebenden Ziele führen müsse, und daß sie n i ch t die l e tz t e sein werde, die sich zu gleichem Vorhaben im Haag versammelt. Die Zunahme der vertretenen Staaten, deren Zahl sich fast verdoppelt habe, sei ein weiteres günstiges Symptom, besten Tragweite man schwerlich unterschätzen werde. Je größer die Zahl der auf der Konferenz vertretenen Staaten sei, in desto höherem Grade werde die allgemeine und unbestrittene Beobachtung der zu vereinbarenden Bestimmungen gesichert sein. Der Minister schloß: „Ich habe, meine Herren, Ihnen zwei Vorschläge zu machen, zunächst, daß wir Sr. Majestät dem Kaiser aller Reußen unsere respektvolle Ehrerbietung zum Ausdruck bringen auf telegraphischem Wege und mit folgenden Worten: Bei Beginn ihrer Arbeiten legt die zweite Friedenskonferenz ihre ehrfurchtsvollste Huldigung zu Eurer Majestät Füßen nieder und spricht Eurer Majestät ihre tiefe Dank
barkeit aus, daß Sie die Jnittative ergriffe« haben, zur Fortsetzung des im Jahre 1899 begon« neuen Werks. Die Konferenz bittet Eure Majestät überzeugt zu sein, von ihrem aufrichtige« Wunsche, mit Aufbietung aller Kräfte zu arbeiten an der Vollendung der ebenso delikaten rot< schwierigen Aufgabe, die ihr anvertraut wurde, Ich zweifle nicht, daß auch mein zweiter Vorschlag Ihrer aller Zustimmung finden wird. Ich erlaube mir den Wunsch auszusprechen das Präsidium dieser Versammlung dem Botschaft« Sr. Majestät des Kaisers aller Reußen, Sr. Exzellenz Herrn N e l i d o w zu übertragen, beste« große Geschäftserfahrung und besten hervorragende Eigenschaften dazu beitragen werden, Ihre Arbeiten zu erleichtern."
Hierauf nahm der russische Botschafter Neli- dow den Präsidentensitz ein. Er dantte zunächst für die ihm erwiesene Ehre der Wahl zum Leiter der Verhandlungen und ersuchte den Minister van Eoudriaan, das Ehrenpräsidium einzunehmen. Er selbst werde sein bestes tun, die Arbeiten der Konferenz so zu leiten, daß sie so fruchtbringend wie möglich gestaltet werden; dann werde die Eintracht aufrecht erhalten bleiben. Zunächst schlug er vor, im Namen der Konferenz ein Dank- und Huldigungs-Telegramm an die Königin der Niederlande zu senden. Redner schilderte dann die Vorgeschichte der Konferenz, erinnerte an die Verdienste des Präsidenten Roosevelt um die Einberufung der Konferenz und fuhr dann fort: „Indem ich hier die Vertreter von fast allen konstitutionellen Staate» vereinigt sehe, fühle ich mich lebhaft und tief bewegt. Es ist die Idee des Friedens, die die Regierungen veranlaßte, hervorragende Männer des Geistes zu entsenden, die über die Ideen beraten sollen, die der Menschheit das Teuerste find, nämlich 1>te der Versöhnlichkeit und Gerechtigkeit. Ich hoffe, daß diese Gefühle bei de» Delegierten obwalten und zu erfolgreicher Durchführung der Aufgabe der Konferenz beitragen werden. Diese Aufgabe setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Einmal handelt es sich darum, Mittel zu suchen, um aus gütlichem Weg« Differenzen, die zwischen Staaten entstehen können, zu schlichten und den Abbruch der Beziehungen, sowie Waffenkonflikte zu verhindern. Ferner muß man darnach trachten, falls ein Krieg ausgebrochen ist, die Lasten die solcher mU sich bringt, sowohl für die Kämpfer als für diejenigen zu mildern, die indirekt davon betroffen werden können. Durch die auf der ersten Konferenz getroffen«» Humanitären Maßnahmen sei bere-ts das Gefühl internationaler Nachsicht verschärft worden. Was die Bestrebungen zur Vermeidung von Konflikten zwischen den verschiedenen Staaten anlange, so sei es überflüssig,
Krieg an finanziellen und wirtschaftlichen Opfern verlangt. Solches Wisten und Erfahren kann sicherlich nur dazu dienen, daß kriegerische Gelüste, wenn sie etwa vorhanden sind, niedergehalten werden, daß sie von den Stimmen der Vernunft und der Besonnenheit erstickt werden, wo sie etwa ohne Not sich hervordrängen. Wer will die Verantwortung dafür tragen, daß, wenn den Völkern dieses Bewußtsein genommen ist, falsche Vorstellungen, gefährliche Hoffnungen sich regen und gerade die Leidenschaften ent- festeln, die jetzt durch die Achtung, welche das Bewußtsein der Stärke gegenseitig fordert, auf ein erträgliches, den Frieden nicht gefährdendes Maß herabgedrückt werden?
Und wie eine tüchtige, von mannhaftem Geiste erfüllte Wehrmacht im eigenen Lande erzieherisch wirkt, der Nation erst den rechten Schliff und Griff auch für ihre wirtschaftlichen Aufgaben gibt und sie zu Leistungen befähigt, an die ohne dieses Zuchtmittel nicht gedacht werden könnte, so darf man wohl sagen, daß die Sorge um die eigene Sicherheit, wie sie in der Beschaffung der Rüstungen zum Ausdruck kommt, mittelbar auch denwirtschaflichen, technisch en und sozialenWettbewerb der Völker gefördert hat. Ohire die Gefahr eines Angriffs, ohne die Möglichkett eines Kampfes vor Augen, würde die Menschheit stumpf und gleichgültig werden, würde der gesamten Lebensbetätigung, die nach der Ordnung der Natur ein Kampf ums Dasein ist, ein unentbehrlicher Ansporn entzogen werden. Es ergibt sich also, daß, wenn es gelänge, für die Frage der Begrenzung der Rüstungen eine brauchbare Formel zu finden, dem wahren Wohl der Menschheit damit nicht gedient wäre. Ein solcher Beschluß — für dessen ehrliche Befolgung übrigens keine Macht der Wett einstehen könnte — wäre kein Fortschritt, wäre vielmehr ein Rückschritt, der in seinen letzten Konsequenzen die mühsam erworbenen Grundlagen des heutigen, zwar gewiß nicht vollkommenen, aber doch ein allmähliches Weiterkommen der Menschheit verheißenden Kulturzustandes zerstören müßte.
Trotz solcher und ähnlicher Erwägungen, die natürlich auch den leitenden Staatsmännern nicht fremd geblieben sind, ist die zweite Friedenskonferenz im Haag zustande gekommen, da keiner von de» in der Weltpolitik ausschlaggebenden Staaten das Odium eines F r i e d e n s ft ö r e r s auf sich laden möchte. In der glänzenden Versammlung von Diplomaten, die sich am Samstag in der niederländischen Residenzstadt zusammengefunden hat, sind nicht weniger als 47 Staaten vertreten, während sich
Marburg
Dienstag. 18. Juni 1907.
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9 (Nachdruck verboten.)^
Heimweh mch Glück.
Roman von ErichFriesen.
(Fortsetzung).
Am Abend — die ganze Villa Helios wieder leer von Gästen.
Das Nachmittagsschiff hat die frohlaunige Festgesellschaft, sowohl die entfernteren Bekannten, welche in den Hotels übernachteten, als auch die intimeren Freunde, denen der Marchese in seinem Hause gastliche Unterkunft gewährte, voir dannen getragen.
Selbst Fürst Torlonia, der anfangs eine Woche bleiben wollte, ist abgereist — „plötzlicher Geschäfte wegen", wie er mit bedauerndem Achselzucken sagte.
Angelina ist wenig sichtbar. Nicht wie sonst trällert ihr munterer Singsang, perlt ihr silberhelles Lachen durch Garten und Haus.
Sie habe Köpfweh — erklärt sie auf die be- sorqten Fragen des Vaters.
Am Abend, als der ganze Trubel verklungen, als Angelina sich frühzeitig in ihre Gemächer zurückgezogen und Tante Petronella, in einen Roman von d'Annunzio vertieft, umhüllt von von einem in allen Farben schillernden Hausgewand auf der Ottomane ruht — da schreiten Onkel und Neffe plaudernd die lorbeergebüsch- umsäumten Wege des Parks entlang, gefolgt von Nero, der großen englischen Dogge.
Der gute Marchese ist überfröhlich. In seiner breiten jovialen Weise erzählt er dem schweigsamen Neffen von dem Glück seiner Tochter: wie er zuerst überaus erstaunt gewesen sei über den Antrag des Fürsten; wie ihm aber später eingefallen wäre, daß es von beiden Seiten „Liebe auf den ersten Blick" gewesen sein müsse; wie der Altersunterschied von sechsundzwanzig Jahren doch eigentlich nicht viel bedeute; wie der Fürst einer der vornehmsten Familien Italiens entstammte; wie er unermeßlich reich fei: wie er sogar Anwartschaftdaraus habe.
demnächst als Abgeordneter gewählt zu werden; wie er also eine großartige Partie in jeder Hinsicht sei, und wie Angelina als seine Gemahlin vielleicht gar tonangebend in der neapolitanischen Gesellschaft herrschen würde.
Bitteres Lächeln umspielt bei dieser Fata Morgan« des Glücks Rolfs Lippen.
Spricht aus diesem hochtrabenden Zukunftsbild« der schlichte Sinn des braven Marchese? Sind es vielleicht die aufgetakelten Phrasen des Fürsten Torlonia?
Rolf ballt die Fäuste. O, wäre er nicht weggegangen von Capri! Wäre er dageblieben, um sein Kleinod zu hüten! Denn, daß aus dieser vielgepriesenen Verbindung mit dem alternden Fürsten Unheil über Angelina, ja vielleicht über das ganze Haus Helios hereinbrechen muß, das steht bei dem heißblütigen Jüngling fest.
Der Marchese, der weder Menschenkenner, noch scharfer Beobachter ist, merkt nichts von den Empfindungen seines Neffen.
Weiter und weiter erzählt er, daß die Hochzeit sehr bald, vielleicht schon in vier Wochen stattfände, daß der Fürst, der viel Einfluß bei Hose habe, auch vielleicht Rolf bei seiner Karriere behilflich sein werde, daß man nicht stolz genug sein könne, einen solchen Mann in seiner Familie ausnehmen zu dürfen, daß man — '
Doch weiter kommt et nicht in feinen Tiraden.
Rolf ist plötzlich stehen geblieben und blickt den Onkel mit auflodernder ehrlicher Entrüstung an.
„Onkel Carlo, bist Du denn blind?"
Wieso?"
Auch der Marchese bleibt stehen. Sein gutes Gesicht blickt ganz betroffen drein.
„Wißt Ihr etwas über das Vorleben des Fürsten Torlonia? Ueber feinen Charakter? Seine Grundsätze?"
Aergerlich lacht der Marchese auf. ''’ ■
„Nun seh' mir einer das Kücken an! Will über einen Mann der-Mett, der sein Vater sein
könnte, urteilen und seine Weisheit verzapfen! Verbrenn Dir lieber nicht den Schnabel, mein Junge! Der Fürst Torlonia ist über jeden'Zweifel erhaben. . . . Uebrigens —" er bleibt stehen und blickt den Neffen scharf an — „übrigens — sollte Petronella doch Recht haben und Du -ist eifersüchtig? Was?"
Flammende Nöte schießt in Rolfs Stirn.
„Angelina liebt in mir den Bruder, Onkel Carlo," erwidert er, den aufsteigenden Zorn be- meisternd, „und ich — ich--"
„Gut, gut!" fällt der Marchese, rasch besänftigt, ein. „Und Du auch! Na also? . . . Und da Du jetzt weißt, daß das Mädel ihren Bräutigam über alles liebt, ttotz des Altersunterschiedes — hast Du nicht bemertt, wie verstimmt sie heute den ganzen Tag über seine plötzliche Abreise war? — so wirst Du künfttghin Deine Abneigung gegen einen solchen Sproß einer der vornehmsten Familien Italiens für Dich behalten und mit uns stolz darauf fein, daß ein Fürst Torlonia unsere kleine Angelina für wert hielt, ihr seine Hand anzutragen."
Rolf sagt nichts mehr. Aber schwerer und schwerer wird ihm das Herz.
Gespenstisch ragen die dunklen Zypressen zum mondhellen Himmel empor. Drunten kocht und zerschellt die Flut an grausigen Felsriffen. Weitklafternd schwebt ein schwarzer Nachtvogel daher, leise klagende Laute ausftoßend.
Die ganze Natur wie im Banne einer geheimnisvollen, todbringenden Trauer.....
Noch lange, lange Jahre darnach erinnert sich Rolf mit Schaudern dieses Momentes: der gespenstisch aufragenden Zypressen, der grausig gepeitschen Meerflut, des daherschwebenden klagenden Nachtvogels.
V.
In einer der entlegensten Straßen Neapels zwischen hohen, schmalen Mietskasernen, steht ein kleines, einstöckiges Häuschen.
Es hat nur drei Fenster Front und stammt wohl noch aus einer früheren Zeit, als die Nach- bargebäud«. - • - — — -
Etwas vom Wege zurückliegend, ist es durch einen kleinenVorgarten geziert,in welchem buntfarbige Blumen und allerhand Unkraut durcheinander wuchern.
Ein schlecht gefegter Weg führt durch diesen Blütenwust hindurch nach der alten, wurmstichigen Haustür, die fast immer verschlossen ist.
Kein Namensschild zeigt an, wem dieses altväterische Haus gehört. Auch sind die Vorhänge fast immer zugezogen, ja oft sogar die Fensterläden geschlossen, so daß der Vorübergehende annehmen muß, das Haus sei unbewohnt.
Und doch ist dem nicht so. i
Wenn je eiü.m Menschen einfallen sollte, an der rostigen Glocke zu ziehen, so würde et bald bemerken, wie eine Türspalte sich vorsichtig öffnet und ein alter, struppiger Frauenkopf sichtbar wird und ein Paar stechender, schwarzer Augen und eine spitze ,mü einer Warze gezierte Nase — eine richtige Macbeth'sche Hexen-Phy- fiognomie. i
Heute lugt dieses gelbe Pergamentgeficht öfter als sonst durch die Türspalte, wobei die buschigen, weißen Brauen sich jedesmal ärgerlich zusammenziehen. {
„Noch immer nicht!" knurrt dann der zahnlose Mund. ।
Und krachend schließt sich die Tür. ;
Dann geht drinnen die Alte wieder in ihre kleine Küche und bastelt am Herdfeuer herum,' um die Maccaroni mit Paradiesäpfel-Sauce warm zu halten, die schon seit Stunden darauf warten, verspeist zu werden.
Wohl ein Dutzend Mal schon hat die Frau diese Prozedur vorgenommen. Jetzt wird sie ernstlich böse. _ j
Energisch stellt sie ein paar Teller und Sie Schüssel mit den dampfenden Maccaroni auf ein! Tablett und schlurft damit davon — hinein iit eines der vier Zimmerchen. •
„Er kommt — noch immer nicht, Fräulein Pia," keucht sie stoßweise hervor, „Wir wolle« nicht — länger warten.*
t—(Fortsetzung folgt.)