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lachen hinzuweisen, diefür die Beurteilung der geäußerten Wünsche bedeutsam sind. Bei den Verhandlungen über die Novelle zum Einkom­mensteuergesetze, in der bekanntlich eine erheb­liche Erweiterung der bezüglichen Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes vorgesehen war, ist seitens der Staatsregierung gegenüber weiter­gehenden Anträgen darauf hingewiesen worden, daß bei der Vorbereitung für dieses gesetz­geberische Werk die Frage, ob man nicht im so­zialen Interesse indieserBeziehung noch weiter gehen könne, der sorgsamsten und wohlwol­lendsten Prüfung unterzogen worden ist, daß man aber aus zwingenden Gründen der kommunalen Steuerpolitik ge­nötigt gewesen sei, diese Absicht fallen zu lassen. Bei dieser Prüfung hatte sich nämlich ergeben, daß, wenn man in der Berücksichtigung solcher Familienverhältnisse noch erheblich weitergehen wollte, die finanziellen Verhältnisse zahlreicher kleinerer Gemeinden, die ohnehin unter sehr hohen Kommunalsteuern leiden, in völlige Un­ordnung gebracht und diesen Gemeinden die Sa* lanzierung des kommunalen Haushalts vielfach unmöglich gemacht werden würde. Daran dürste sich in dem zweijährigen seitdem vergangenen Zeiträume sicher nichts geändert haben. Ferner fällt die finanzielle Tragweite einer solch«« Steuererleichterung gerade jetzt besonders schwer ins Gewicht, wo kein Zweifel mehr darüber be­steht, daß die Neuordnung der Beamten- und Lehrergehälter nicht ohne eine beträchtlich« Stet- gerung des Ertrages der Einkommen- und Ver­mögenssteuer durchzuführen sein wird. Den sehr begreiflichen Wünschen auf weitergehende Berücksichtigung von Familienverhältnissen der in Rede stehenden Art bei der Besteuerung stehen daher den gewichtigsten Eegengründen entgegen.

Gin eigenes Schlachthaus für «ine Fabrik. Die Gerresheimer Elashüttenwerke in Gerres­heim werden angesichts der hohen Fleischpreise für ihre Angestellten und Arbeiter ein eigenes Schlachthaus nebst Wurstfabrik errichten. Allmählich so bemerkt hierzu ein Leipziger Blatt scheint sich überall die Ueberzeugung Bahn zu brechen, daß gegen das Festhalten der Fleischer an den hohen Fleischpreisen vorgegan­gen werden muh.

Di« sozialdemokratisch«« Gewerkschaften. Rach einer Aufstellung der Eeneralkommission der sozialdemokratischen Gewerkschaften haben diese im Jahre 1906 eine Mitaliederzunabme von 367 982 erfahren gegen 316 084 im Vor­jahre. Die Gesamtzahl der gegenwärtig in den foztaldemokratischen Gewerkschaften organisier­ten Arbeiter betrug Ende 1906 1797 285. Da auch im ersten Vierteljahre des laufenden Jah­res die günstige Entwicklung der Mitqlieder- zahl angehalten hat, hofst die Ceneralkommis- fion. daß die zweite Million bald erreicht sein werde; sie befürchtet deshalb auch fiir die sozial­demokratischen Zentralverbände keinerlei Nach­teil von den übrigen Gewerkschaften jeder Art. Mit dieser Zuversichtlichkeit stimmt allerdings -as unverhüllte Mißbehagen, mit dem nicht

bloß die sozialistische Parteipresss, sondern auch die Eeneralkommission selbst dieGelben" be­obachtete, schlecht zusammen. Den Bund vater­ländischer Arbeitervereine nennt das Korre­spondenzblatt der Eeneralkommission diege­werkschaftliche Bewegung des Reichslügenver­bandes", der keine Erziehung der Arbeiter «olle zu selbständigen und denkenden Menschen, son­dern zu Heloten des kapitalistischen Unter* nehmertums.Der Gedanke ist zu albern und nur als eine jener Phantasien aus den erträum­ten Dattelhainen der Hottentottenlande, die bei den letzten Reichstagswahlen eine Rolle spiel­ten, aufzufassen", sagt das Blatt. Es macht sich gut, bemerkt hierzu dieKöln. Ztg.", ge- rade ein Sozialistenorgan sich lustig machen zu sehen über Phantasien aus erträumten Dattel- Hainen der Hottentottenlande; wer im Glas­kasten des imaginären ZukunfttOaates fitzt, sollte gerade das Werfen mit solchen Steinen unterlassen.

Anslglld.

---- Das französisch-japanisch« Abkomme«, welches, wie bereits mitgeteilt, am 1. d. M. in Paris unterzeichnet wurde, enthält nur einen Attikel mit einer dazu gehörigen Erklärung, Das Abkommen nimmt Bezug auf den Grund­satz der Integrität Chinas und der gleich­mäßigen Behandlung der Machte in China und stellt dann fest, daß sich Mischen der französischen und der japanischen Regierung ein Einver­nehmen ergeben habe betreffs der Aufrecht­erhaltung der tertttorialen Status quo im äußersten Osten. In der beigegebenen Erklär­ung werden den Japanern in den indo­chinesischen Gebieten der französtschen Republik und den indochinesischen Untertanen Frankreichs in den unter dem Schutze und der Oberhoheit Japans stehenden Territorien die gleichen Rechte und Vorteile zugestchett. Ueber die Aufnahme des Vettrages in Japan hat sich der japanische Botschafter Kurino in Paris, französischen Blättern zufolge, äußerst zuversichtlich geäußert. Er erklärte, das japanisch« Volk w«rd« das Ab­kommen mit lebhafter und aufttchttger Genug­tuung begrüßen, weil es die Fortdauer des Ftte- dens im fernen Osten sichere und weil ee als Beweis wachsender Intimität der Beziehungen Japans zu einem Land« anzusehen sei, für welches seine Landsleute von jeher besondere Sympathien gehabt hätten. Der Botschafter fügte hinzu, dem Vertrag werde auch deshalb in Japan ein besonderer Wett beigemessen, weil er einen dringenden Wunsch des japanisch«« Volkes erfülle, den Wunsch nämlich, den Ftttt>en, dessen Japan für die fortlaufende Entwicklung seines Handels und seiner Jndusttte bttmrf, sicher verbürgt zu sehen. Die Erklärung des japanischen Botschafters wird, wenn sie tatsäch­lich in diesem Sinne erfolgt ist, nicht verfehlen, auf die übereilten Folgerungen, die aus dem schwebenden Konflikt zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Amerika vielfach ge­zogen werden, einigermaßen retardierend zu wirken. Ueberdies dürste, da das Abkommen ausdrücklich und wiederholt von der Austecht- erhaltung des Friedens im ferne» Osten spricht, die Annahme berechtigt sein, daß die japanische Regierung auch den anderen in Ostafien enga­

gierte« Mächten gegenüber das bestehende freundschaftliche Einvernehmen zu wahren und jeben Schritt zu vermeiden wünscht, der zu un­liebsamen Weiterungen führen könnte.

MvLnrz uub Urugtgerrd.

l Nachdruck aller Crigmalartito ist gemäß | IS der Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe JDterfcW. Ztg." gestattet)

Marburg, 14. Juni.

* Bo« Gesaugwoettstreit. Die Tage des in der Zttt vom 6.-8. Juli in Marburg» Mauern stattfindeuden großen Eesangswettstreites rücken immer näher und alle Festausschüsse sind eifttg daran, die Vorbereitungen so zu treffen, daß einem würdige« Gelinge« desselben nichts ta Wege steht. Gegen 1800 auswärtige Cän- haben sich bereits angemeldtt und werden die Mttgli^er von 40 Vereinen u. a. aus

Cassel Gichen, Hanau, Frankfutt a. M., Mainz ustv. im Wettfingen begegnen, um in edler Be­geisterung vaterländischer Schöpfungen hervor­ragende Meister der Ton- und Dichtkunst, so­wohl im Kunstgesang, wie auch besonders im Volkslied zu Gehör zu bringen. Die wtttstrei- tenden Vereine fingen in 4 Klassen im Mu­seumssale, im Turner- und Echloßgatten. Die 3 Vereine, die in ihrer Klass« die höchsten Punktzahlen erreicht haben, werden als entspre­chende Ehrenklassen zum Ehrenklassenfingen zu­gelassen. Namhafte Preise find in zuvorkom­mendster Weise zur Verfügung gestellt worden. Selbst die Universität hat dem Männergesange zu Ehren einen Preis gestiftet. Zum Preis- ttchterkollegium, das aus 9 bewährten Fach­leuten besteht, sind nur Herren von musikalischem Beruf« ausersehen. Den Sanges- und Musik­freunden steht somit ein großer Kunstgenuß in Aussicht. MU dem GesangMettstreU ist ein dreitägiges Sängerfest verbunden, das in einer auf dem Festplatze kunstvoll hergettchteten Cängerhalle «ine Reih« von Gesängen aus- «Sttiger und Marburger Vereine zum Vottrage bringen wird. Bestimmungsgemäß hat nämlich jeder preisgekrönt« Verein die Verpflichtung, hn öffentlichen Konzert in der Festhalle einen beliebigen Chor vorzutragen, wodurch der Kunstgenuß nicht unwesentlich erhöht wird. Den Teilnehmern an dem Sängerfeste, das im übri­gen volkstümlich ausgestaltet ist und zu dessen Wohlgelingen sich alle Stände und Berufskreise unserer Bewohner vereinigt haben, stehen somit genußreich« Tage bevor. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß dasFest vielen Fremden, selbst aus weite« Entfernungen, eine willkommene Gelegenheit fein wird, unsere freundliche Uni- versttätsstadt mit ihrem bewegten Studenten- leben, ihre schöne Umgebung und vor allem ihre gastlichen Einwohner kenn«« zu tauen. Für üiele andere wieder, die Marburg als Feststadt und von seiner gemütlichen Seite her bereits tatet gelernt haben, wird das Fest ein Anlaß fein, hierher zu wandern, um in Erneuerung öltet Verbindungen freudige Erinnerungen an ftoh verlebte Tage aufzufrischen. Der besseren Uebersicht wegen lassen wir die ausgestellte Fest­ordnung folgen:

Sonnabend, de« 6. Juli: Abends 7 bis 12 Uhr: Instrumental- und Vokal-Konzett, aus-

gefühtt vön der Jägerkapelle und den hiesige«! Gesangvereinen Liederverein und Liedertafel. Abends 83/t Uhr: Empfang auswärtiger Sänger am Hauptbahnhof und Zug derselben mit Musik bis auf den Markt. Abends 10 Uhr: Turnerische Aufführungen.

Sonntag, de« 7. Juli: Morgens 7 Uhr: Chorgesang der hiesigen Gesangverttne auf dem Marktplatze. Bon y?9 Uhr ab: Empfang der auswärttgen Sänger und Gäste am Hauptbahn­hof (Empfangs- trab Auskunftslolltl: Hotel Hofmann). Um 10 Uhr: Begin« des Gesangs­wettstreites im Museumssaal. Turner- und Schloßgarten. Um 3 Uhr präzis: Festzug vom Hauptbahnhof durch die Straßen der Stadt nach dem Festplatze. Dort Begrüßungsgesang der Marburger Liedertafel. Festrede des Festprä- pbenten. Vokal- und Instrumental-Konzert unter Mitwirkung preisgekrönter und hiesiger Gesangvereine und der gesamten Jägerkapelle. Um 6 Uhr: Verkündigung des Ergebnisses des Wettstreites in der Festhall« und Austeilung der Preis« und Lhrendiplom«. 8 Uhr abends bis 2 Uhr nachts: Abwechselnd Tanz und Äon» zett der Marburger Stadtkapelle b«M. Jäger­kapelle. 10 Uhr: Turnerische Ausführungen.

Montag, den 8. Juli: Weckruf der ge­samten Jägerkapelle. 8 Uhr: Sammeln der Fest­teilnehmer auf dem Marktplatze zu einem ge­meinschaftliche« Spaziergang« mit Musik nach Spiegelslust. Rückmarsch auf den Festplatz. 111 Uhr: Frühkonzett der Jägettapelle auf dem Festplatze. 4 Uhr nachmittags bis 11 Uhr abends: Konzert der gesamte« Jägerkavell« und Gefangsootträge, abwechselnd mit Tanz von 4 Uhr nachmittag bis 2 Uhr nachts (Stadt- kapelle).

* Kurse fiir Fachzeichnen. In der Zeit vom. 26. August bis 5. Oktober d. Js. finbet in der Stobt Cassel ein Vorbereitungskursus W Zeichenlehrer an gewerblichen Fortbildungs­schulen für Lehrer ans dem Regierungsbezirk Cassel statt. In der Stadt Schmalkalden wird ht der Zeit vom 30. September bis 19. Oktober d. Js. ein Fachkursus für Fachzeichnen der Werk­zeugschlosser für Lehrer aus den Promnzen Ost­preußen, Brandenburg, Schlesien, Sachsen, Schleswig-Holstein, Hannover, Westfalen, Hes­sen-Nassau und Rheinprovinz abgeyalte« werden.

* Di« Kirschen beginnen zu reife«. Wen« bie Reifezeit der Kirschen ihren Anfang nimmt, dann beginnt auch der Kreuzzug gegen Ine Stare, weil sie die Kirschenbäume plündern.^ ist ja gewiß ärgerlich, von diesen Kirschenlied. Habern die Ernte vermindett zu sehen, aber da» ist noch lange kein Grund dafür, dem munteren Star mit Pulver und Blei zu Leibe zu gehen. Ja ein solches Vergehen ist direkt zum Schaden eines jeden Gartenbesitzers. Der Schaden, de« der Star durch seine Kirschennäscherei anrichtet, ist nämlich ein verschwindend geringer gegen­über dem Nutzen, den et im Garten stiftet. Jeder Gartenbesitzer kennt den ungeheure« Schaden, den insbesondere Nachtschnecken, d. y. diejenigen Schnecken, die überhaupt kern Kalk- aehäuse oder nur ein rudimentäres, vom sog«, nannten Mantel bedecktes haben, an den Kul­turpflanzen anttchten. Liebhaber von Schnecke« find aber gerade die Stare. Sie vertilgen ein« Unmenge von Schnecken und säubern von ihnen

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